Wir sind Einmalwaschlappen

Obsoleszenz Grüne kritisieren eingebaute Schwachstellen in Elektrogeräten. Doch ein Rumlöten am System bringt keine Besserung
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Wir sind Einmalwaschlappen
Einmalwaschlappen
Screenshot: MaiMed


Das Wort "Mangelwirtschaft" wird gern von Frontberichterstattern benutzt, wenn der Osten mal wieder in Blockschokolade aufgeteilt wird.

Ich habe mein erstes Fahrrad aus der Mangelwirtschaft bezogen. Es wurde aus Altteilen zusammengebaut, die auf dem Müllplatz der DDR gesucht wurden. Von Modell- oder Markentreue konnte damals noch keine Rede sein. Es wurde verbaut, was gerade passend gefunden wurde. Später kamen Einzelteile aus Altradios hinzu. Kondensatoren und Widerstände, die in Wermsdorf oder der Berliner Kastanienallee gerade nicht zu bekommen waren, wurde ausgelötet, um sie für Bastlerzwecke zu verwenden.

Das letzte Fossil aus jener Zeit scheint der Lada Niva zu sein, der seit 1976 gebaut wird und immer noch als Neuwagen zu bekommen ist.

Die Zeiten haben sich geändert. Einen Rundfunk- und Fernsehmechaniker findet man kaum noch. Die erste Kaffeemaschine für 9,99€ liegt längst im Wald, am Straßenrand oder wird verwertet.

Haben wir noch Achtung vor Geräten, vor Technik, vor http://i.imgur.com/53gLhFB.jpgIngenieursleistungen? Scheinbar wird mehr und mehr jedes Gerät zum Einmalwaschlappen. Ein Lötkolben wird zum Museumsstück...

Die Grünfraktion hat eine Studie in Auftrag gegeben, um eingebaute Schwachstellen bei Elektrogeräten aufzudecken. Zusammen mit Murks? Nein Danke! wurde ein umfangreiches Papier veröffentlicht.

Was wir eigentlich schon wissen, dass verschiedene technische Konstruktionen in unserer Haushaltswelt unbewusst und (mehr) bewusst mangelhaft sind. Jeder Ingenieur hängt längst von Wachstums- und Umsatzzahlen ab und solle gefälligst das Teil so konstruieren, dass Nachfrage bleibt.

Man konnte es fast erwarten, dass diese Studie nur bis zum "Green New Deal" reicht. Es wird viel diskutiert, aber der Kapitalismus mit seinen Verwertungsmechanismen lässt sich nicht begrünen. Da hilft auch kein Dosenpfand.

Wer sich auf den Trampelpfad begibt, um einen Ausweg aus "geplanter Obsoleszenz" zu finden, wird schnell an die Grenzen dieser Gesellschaft stoßen. Wachstum, Wachstum, Wachstum ist Pflicht. Gerechtigkeit bei der Aufteilung von Ressourcen, Sparsamkeit und Langlebigkeit stehen gerade nicht auf der Agenda.

Unser Land befindet sich im Endstadium der kapitalistischen Mülltrennung. In der Mangelwirtschaft gab es keine "geplante Obsoleszenz".

http://kyf.net/freitag/utb.php?d=22.03.2013

09:37 22.03.2013
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Geschrieben von

Gustlik

aufgedacht und nachgeschrieben
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Gustlik

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