Magda
21.12.2011 | 14:09 82

Eine andere Sau durchs Dorf

Mal ein bisschen wider den moralischen Stachel gelöckt...

Seit ich heute morgen das Radio eingeschaltet habe, leiert der Nachrichtensprecher von rbb-Kultur alle Stunden runter, dass es neue Erkenntnisse im Fall Wulff gibt.Und immer wieder wird bedeutet, dass das Ausmaß der Verfehlungen und Enthüllungen noch nicht ganz erkannt ist. Der Bundespräsident wird ermahnt, endlich die Wahrheit zu sagen, alles auf den Tisch zu packen. Von Stunde zu Stunde mehr bekommen diese Meldungen was von „Fuß aufstampfen“ und „Wir kriegen ihn schon“.

Ich kann mich allerdings nicht erinnern, dass schon einmal ein Beschuldigter im Politikbetrieb seine Verfehlungen eingeräumt hätte und wenn dann waren es die falschen Gründe für sein Eingeständnis.

Ehrlichkeit wird auch beim öffentlichen Ehrlichkeitsritual nicht goutiert, wie das Beispiel Andrea Ypsilanti beweist. Vor allem, wenn man politische Ehrlichkeit am Ende mit politischer Ungeschicklichkeit verbindet, dann wird die Ansage, man könne ein Wahlversprechen nicht einhalten, zum Brachialgeschoss für jene, die nicht eingehaltene Wahlversprechen sonst weniger thematisieren. Nicht erst seit der Ypsilanti-Hatz stelle ich mir die Mainstream-Medien in diesem Lande vor wie eine Herde von Jägern, die alle das gleiche Wild jagen. früher waren wenigstens die Jagd- und Schonzeiten noch unterschiedlich. Eine Meute von Wahnsinnigen mit dem von Dieter Hildebrandt so benannten „Killerinstinkt“, von denen nur ganz wenige mal einhalten und reflexionsfähig sind. Die Erkenntnis, das wir ein bisschen Wulff sind, ist aber keine so wahnsinnig reflektierende Hilfe, sondern scheint wie der Ruf nach mehr Boulevard, mehr Glamour daherzukommen. Mir isses wurscht, wie der Wulff wohnt, auch Helmut Schmidt, der gegenwärtig Vielbewunderte – hat eine bescheidene Hütte.

Ich jedenfalls verfolge diese Kampagnen nur noch mit Unwillen. Die Dienstwagen dieses Landes liefen schon durch die Mühlen der Meinungsmache rauf und runter - entweder waren sie falsch benutzt oder geklaut oder gar beides. Die Dienstreisen der Politiker – entweder waren sie mit unrechtmäßig abgerechneten Bonusmeilen bezahlt oder diese wurden unrechtmäßig privat genutzt. Oder es wurden die falschen Leute mitgenommen und eingeladen. Oder Einer hat einen Luxusschlitten, obwohl der links ist oder Eine isst Hummer obwohl die nicht korrekt sind oder Einer hat eine zu große Hütte. 

Ein Zacken schärfer ist es schon, wenn sich Parteispenden in jüdische Vermächtnisse verwandeln. Da war ein giftiger Koch am Werke bei diesem Gebräu.

Es ist schon seltsam - was mir früher als Beleg für tugendhafte Pressefreiheit, demokratische Reinigung und berechtigte Kontrolle erschien, erscheint mehr und mehr als gesteuertes politisches Kalkül. Die Tatsache, dass Skandale, Fehlverhalten Vorteilsnahmen aufgedeckt wurden sagt nichts aus über das tatsächliche Ausmaß an skandalösen Entscheidungen, Verhalten und Missachtung demokratischer Tugenden. Gar nichts. Eher frage ich mich, warum man gerade Diesen oder Jenen erwischt hat und warum Andere nicht und was dahinter stecken mag.

Früher war mehr Enthüllung?

Kann sein,  weil man sich auch noch über Systemgrenzen hinweg am Zeuge flicken konnte. Aber heutzutage- was bringt denn die Enthüllerei? Nix für die Demokratie, höchstens neue Handlungsoptionen für Leute, die irgendwelchen Politikern am Zeuge flicken wollen oder ihnen ein Bein stellen.

Die letzten Jahre haben mich weiter in der Überzeugung bestärkt dass man Lawinen lostreten kann auch wenn die Verfehlungen der Politiker, die darunter begraben werden sollten, gar nicht so groß waren.

Und überhaupt: Seit es Politik gibt, gibt es das, was der träumerisch-zögernde Dänenprinz in seinem großen Monolog den „Übermut der Ämter“ nennt, das ist keine neue Enthüllung. Dass die Medien so eine Unisono-Empörung wie auf Bestellung, produzieren ist etwas, das man lernen muss zu ignorieren, so wie man ja – mit der Zeit – auch Werbung versucht auszublenden. Politiker handeln manchmal ganz gern auch zum eigenen Vorteil. Wer hätte das gedacht. Wirklich.

Seien wir doch froh: Früher gabs Mord, Totschlag und Emser Depeschen. Das waren garstige Zeiten. Heute gibt’s Ziegelhäuser. 

 

Kommentare (82)

Baphomed 21.12.2011 | 15:27

Hallo Magda,

eigentlich ist das, und gerade die Kausa Wulff macht es deutlich eine Afäre der Journalie. Recherche liegt heute fast völlig brach sie wird so ein wenig neben bei Betrieben. Mir viel dies wieder Extrem auf als unsere Naziterroristen endlich aufflogen die ja schon seid Jahren von uns Fachrechercheuren in diesem Berreich namentlich bennant wurden. Ich Habe in dem zusammenhang Chefredakteure kennengelernt die noch niemals in Ihrem leben mit Fach Rechercheuren zusammengearbeitet haben.

Wenn man heute eine komlette Testierte Recherche über erhebliche skandale in diesen Kreisen zum Kauf anbietet sind meist nur Dpa AP UP und so weiter bereit solche zu erwerben nur damit man dann am nächsten Tag erfährt das daraus ein 8 Zeiler als Newsticker geworden ist. Die enthüllung ist dahin und Interessiert nicht mehr.

Gerade dieser Teil der Presse der nur an Skandalen in bezug auf Große Namen Interessiert ist hat heute die überhand im Geschäft um Nachrichten. Das Informations Interesse des Bürgers zählt nicht mehr ebensowenig der Aufklärungsanspruch der der Presse als Überwachungsfunktion laut GG zukommt.

Das ist Traurig.

Liebe Grüße
Baphomed

Baphomed 21.12.2011 | 17:23

Hallo Godezack,

das alles erklärt aber noch nicht warum, in diesem Fall die Bild Zeitung, Einen schnellen 8 Zeiler auf die Titelseite gesetzt hat statt ein Paar Rechercheure zu nehmen die herausfinden welche Vorteile die "Sponsoren" hatten und haben?

Nur weil etwas stinkt kann aber muss es keine Scheisse sein, und wenn du nachsiehst kannst du Glück haben und eine Jauche Grube finden. Das hat man mir mal beigebracht.

Liebe Grüße
Baphomed

cuchulainn 21.12.2011 | 17:36

dem ausgreifenden schriftwerk der situationistischen internationale habe ich folgendes entnommen, das damals - wir schreiben das jahr 1969 - auf die studenten und ihre proteste gemünzt war, obwohl es auf alle zutrifft:

"Die Studenten können nicht mehr lesen. Sie konsumieren nur noch mit den Augen. Ihre bevorzugte Lektüre bleiben Fachzeitschriften. Sie genieße immer noch den SPIEGEL oder glauben, die ZEIT sei eine wahrhaft objektive Zeitung, die das Aktuelle protokolliert. Mit ihrer Hilfe glaubt der Student, an der modernen Welt teilzuhaben und sich mit der Politik vertraut zu machen. Denn er hält es für eine Tugend, politisiert zu werden.

Nach Äußerung einiger emanzipativer Floskeln hat er sein unabhängiges Mütchen an einer Parodie von Widerstand gekühlt und kehrt befriedigt und fügsam in eine Ordnung zurück, die er niemals in Frage gestellt hat, weil er immer nur in ihr, aber nie über sie diskutiert hat. Wenn er glaubt, sich über sie hinwegzusetzen, dann nur, um desto freudiger ihre pontifikalen Leitsätze nachzubeten."

Magda 21.12.2011 | 18:05

Danke, ich wollte ja nur mitteilen, dass ich mich über den Wulff irgendwie nicht aufregen kann.

Es wäre ein Gag, wenn sie den Pfarrer Gauck nähmen. Der ist aber - seit der sich über die Occupy-Bewegung lustig gemacht hat - nun überhaupt nirgendwo mehr beheimatet. Bei der FDP vielleicht, aber das ist ja auch eine schwankende Planke.

SuzieQ 21.12.2011 | 18:09

Hellhörig könnte man werden, wenn betont wird, dass sich die Kanzlerin auf einer Auslandsreise, während einer Pressekonferenz, zum Thema Wulff äußert, Betonung auf: im Ausland hat sie sich noch niemals zu innenpolitischen Themen geäußert.

Also könnte doch Herr Wulff, dem sowieso nichs anzuhaben ist ( außer evtl moralisch, aber wen interessiert das ), groß und breit vor Dingen stehen, die im Hintergrund, durch das 'große' Thema verdeckt, geschehen.

Was könnte das sein?
Ein Waffendeal?
Konspirative Treffen zur Vorbereitung einer nächsten Großen Koalition?
Oder doch Moglis Zukunft?
Oder bekommen wir auch eine Regierung aus Wirtschaftsexperten, wenn unsere 'Kaiserin' nimmer mag?

Es wird oft gefragt, welche Macht 'die Presse' hat. Sie lässt sich aber auch gezielt einsetzen, also fragt man nach den Zielsetzern.

Gestern eine 'süße' Frage an Herrn Augstein im Moma der ARD, gestellt von Frau Gesthuysen, welche mit Herrn Plasberg verheiratet ist ( nur so am Rande ),

dem Sinn nach:
'Herr Augstein, Sie haben doch mit einem Bild - Journalisten, Herrn Blome, diese Sendungt auf Phoenix, können Sie uns erklären, warum diese Zeitung sich so auf Wulff eingeschossen hat?' ( Intention: man kennt sich doch und redet darüber ),
er antwortet allgemein und spekuliert:

Interviewbeginn ab 01:00, Thema Bild-Absicht ab 04:20

mediathek.daserste.de/sendungen_a-z/435054_morgenmagazin/9077416_fall-wulff-augstein-erstaunt-ueber-springer-presse

Hat jemand die TelNr von Nikolaus ( Blome ) ? ; )

Baphomed 21.12.2011 | 18:14

Hallo Magda,

meine Kritik geht ja auch in deine Richtung, aber halt etwas Differenzierter. Bezogen auf die Axelspringer Akademie für Journalisten die heute die Lehrmeinung vertritt es ist wichtiger mit dem Leser zu Kommunizieren als zu Recherchieren und auch wichtiger zu schreiben was der leser lesen möchte.

Das mag als ansatz sehr eine feine Idee, die den schnellen Geist zu verführen mag. Aber es führt eben genau zu dieser art Journalismus nach der Machart siehst du einen Fliegendreck dann wirf ih weg und hoffe es wird Mäusespeck. Ja und um das fangen von Mäusen, für den Verleger, so lehrt man dort muss es dem Journalisten gehen nicht.

Das ist die Zukunft des Journalismus ob es da überhaupt noch Platz für die Reale Politik geben wird oder ob nur noch Vorurteile bediennt werden hoffen wir es nicht.

Liebe Grüße
Baphomed

Baphomed 21.12.2011 | 18:45

Ja leider, aber die Springer Akademie ist ja vorallem ein Think Tank der für sich selber den Anspruch hat die Republik zu verändern zusammen mit der Bertelsmann Stiftung. Leider und ich sage wirklich leider habe hier noch 180 Seiten Recherche darüber Rumliegen samt erfolgreicher Manipulationen, die aber Unverkäuflich sind. Den der Springer Konzern möchte natürlich nicht das Bestechung Manipulation und anderes über Ihn Publik wird.

Calvani 21.12.2011 | 19:45

Danke, Magda! Ich teile deine Einschätzung zu weiten Teilen. Das Gebaren vieler Journalisten in dieser Sache macht es mir schwer, mich unvoreingenommen mit der Frage zu beschäftigen, welche Konsequenzen ich in der causa Wulff für richtig halte und warum.

"Wenn Augstein schlussfolgert, dass - wenn Springers Medien sich so von ihm abwenden - er dann nicht zu halten ist, dann sagt das doch auch nichts über Wulffs Verfehlungen aus aber alles über die Macht einer gewissen Presse."

Es ist beschämend, dass sich kaum jemand die Mühe macht, eine saubere juristische Einschätzung der Lage auf der Basis des aktuellen Kenntnisstands vorzunehmen. Stattdessen wird auf Günther Jauch, die FAZ und Konsorten verwiesen. Mir ist es schleierhaft, wie jemand, der halbwegs bei Verstand ist, Jauchs Sendung als Argumentationsgrundlage heranziehen kann. Und immer wieder geht es um das Tattoo von Wulffs Frau, Wulffs Glamourfaktor oder seine Eigenschaft, ein Langweiler zu sein. - Ein Trauerspiel!

Denk' ich an manche Journalisten in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht.

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Ehemaliger Nutzer 21.12.2011 | 19:52

Was die Sache so übel macht ist, dass sie von BILD ausging. Und dass auch in diesem Forum, die meisten sich vor diesen Karren spannen lassen. Der Zorn der Verteidiger des Abendlandes muss nach der Islam-Rede wohl riesengroß gewesen sein. Da hat er sich naiverweise die Schlinge selbst um den Hals gelegt. Seltsame Koalitionen gibt es heute.

Baphomed 21.12.2011 | 19:55

Hallo Calvani,

oh es freut mich das du an mich denkst und daher Schlaflose nächte hast ;-)

aber zurück zum Thema bisher gibt es in der Causa Wulff noch keinen Skandal die Geschichte um seine Frau ist nun wirklich alter abgeschmackter Bunten stiel.

Es wäre erst ein Skandal wenn ja wenn jemand sich die Mühe machte zu Recherchieren welche vorteile die Geldgeber hatten dies aber findet nicht Statt.

Genau hier sollte die Frage ansetzen warum findet es nicht statt gibt es nichts zu finden oder sollte nur ein Symphatisant mit einem Schuss vor den Bug auf Linie gebracht werden?

Ich denke es deutet vieles auf letzteres hin.

Liebe Grüße
Baphomed

Baphomed 21.12.2011 | 20:08

Hallo Popi,

ich würde es Deutlicher sagen. Also die frage nach dem wem nützt es stellen.

Ersichtlich ist an dieser Kampangne das es nicht darum ging das Schiff Wulff zu versenken dann hätte man tiefer gegraben. Aber es ging um eine Machtdemonstration der Springerpresse wohl dossiert.

Somit wird die Sache rund und wo bitte ist Augsteins Analyse nach dem qui bono?

Liebe Grüße
Baphomed

Baphomed 21.12.2011 | 20:27

Hallo Calvani,

ja ich gebe dir da Recht würde aber nochmals betonen wollen was di Springer Akademie vorgiebt. Die Claud sind die leser und die mehrheit der Claud ist zu Folgen derzeit als Kurzfilm von der Akademie in Berlin im Cinemaxx zu sehen auch in anderen Städten.

Das heist je öfter etwas per Copy Past weitervrebreitet wird um so mehr entsprticht es dem Interesse des Lesers. Das wird dort Gelehrt und verbreitet ob das die Form von Journalismus ist die wir uns wünschen ?

Ich denke nicht

LIebe Grüße
Baphomed

kay.kloetzer 21.12.2011 | 20:33

liebe magda, du schreibst:
"Eher frage ich mich, warum man gerade Diesen oder Jenen erwischt hat und warum Andere nicht und was dahinter stecken mag." - genau so geht es mir auch. und ging es mir gestern, als „alster radio 106!8“ vermeldete, gerhard schröder sei zu hause ausgezogen, um bei margot käßmann einzuziehen, zumindest seien sie liiert. der sender sprach zwar selbst von einem "gerücht", via facebook und twitter hat es natürlich schnell die runde gemacht. und so geraten ein ex-kanzler wie eine ex-landesbischöfin alles ernstes in die lage, das dementieren zu müssen oder zu können. - das alles lenkt doch nur vom denken ab. und das soll es wohl auch.

miauxx 21.12.2011 | 20:53

Ich erinnere mich hier an einen Satz, der Robert Schumann im Film "Frühlingssinfonie" in den Mund gelegt wurde:

"Die Menschen sind wie eine Herde Kühe - schauen erschrocken auf wenn's blitzt und donnert, um dann doch in aller Ruhe weiter zu grasen."

Man kann schon von einer "weiteren getriebenen Sau" reden, da man doch weiß, dass das Mediengeschrei stets nur kurzfristig ist und meist nicht die Fragen stellt, die an die Wurzel gehen. Na klar ist jmnd. wie Wulff, trotz er Min.präsident war und nun Präsident des ganzen Landes ist, eben kein so anderer Mensch wie die meisten. Dass er aber Grundregeln beachten muss u.v.a sollte, die an seiner Amtstätigkeit hängen, also seinen "Job" bedingen, muss stets überprüfbar sein. Dafür sind nicht allein die Medien da; gleichwohl sind sie Teil dessen. Das gehört eben auch zur als demokratisch verstandenen Selbstkontrolle der Gesellschaft. Die Qualität der Medienarbeit ist in diesem Zusammenhang also kritikwürdig.
Der Artikel Magdas, wie auch einige Kommentare, lassen aber m.A. nach nicht erkennen, ob ein Angepisstsein vom Mediengeschrei nicht in eine vermeintliche Eleganz und Schlauheit umschlagen will, die letztlich aber auch nur Resignation ist: In den Medienchor stimmen wir schon gar nicht mehr ein. Wir sind nämlich schlauer. Wir wissen, dass wir moralisch auch nicht über'm Wulff stehen. Also, was kümmert's uns.

Baphomed 21.12.2011 | 21:12

Hallo Miauxx,

also machen wir es uns einfach dein Kommentar ist unterirdisch schlecht! Du Fragst Warum ganz einfach du behauptest Pauschal und verurteilst Pauschal.

"Der Artikel Magdas, wie auch einige Kommentare"

Tja in altem stiel frage ich dann mal wer sind die einigen Kommentare so viele haben hier nicht Kommentiert das man sie nicht auch namentlich nennen könnten.

Und dann noch die Frage wie stehst du zum Grundgesetzlichen auftrag der Medien ?

"Dafür sind nicht allein die Medien da"

Anscheinend scheinen Menschenrechte noch nicht bei dir angekommen zu sein ?

Liebe Grüße
Baphomed

Wolfram Heinrich 21.12.2011 | 22:51

Mal ein bisschen wider den moralischen Stachel gelöckt...

Ich glaube, wer den Fall Wulff als moralische (oder juristische) Angelegenheit betrachtet, der verniedlicht die Geschichte. Es handelt sich hier um eine politische Angelegenheit.
Nimm zum Vergleich die von dir angeführten Dienstwagen- und Bonus-Meilen-Affären. Hier haben Leute Leistungen in Anspruch genommen, die ihnen nicht zustanden. Hier haben Menschen moralisch gefehlt oder sich auch juristisch strafbar gemacht. Mehr ist nicht.
Der Fall ist von ganz anderer Natur. Hier hat ein politischer Entscheidungsträger geldwerte Vorteile (verbilligter Kredit, bzw. kostenlose Urlaubsaufenthalte) von jemandem angenommen, über dessen Interessen er als Politiker zu entscheiden hat, hatte, bzw. noch zu entscheiden haben wird. Dabei spielt es keine Rolle, ob ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen dem Vorteil und der Entscheidung nachgewiesen werden kann. So ein Nachweis wird sich nie führen lassen, es wäre denn, jemand hätte vertrauliche Gespräche mitgeschnitten.
Stell dir mal vor, dein alter Kumpel Erwin macht dir jedes Jahr zu Weihnachten und an deinem Geburtstag ein großzügiges Geschenk. Eines Tages ist Erwins Rasenmäher kaputt und er frägt dich also, ob du ihm nicht mal schnell deinen Grasstutzer leihen könntest. Ja, sagst du, du könntest das wohl, aber du würdest deinen Rasenmäher grundsätzlich nicht verleihen und so auch in diesem Falle und Erwin solle sich doch nach was anderem umsehen. Bringst du das fertig, jemandem, der dir immer wieder eine Gefälligkeit erweist, deinerseits eine Gefälligkeit zu verweigern? Hättest du wirklich so wenig menschlichen Anstand, daß du Erwin eiskalt abblitzen lassen würdest? Natürlich hast du das nicht und natürlich würdest du Erwin deinen Rasenmäher leihen.
Ja, und jetzt kannst du dir überlegen, ob du Politiker, die Gefälligkeiten annehmen, für korrupt ansehen willst oder lieber doch als menschliche Monster.
In größerem Maßstab funktioniert diese Gefälligkeitsdemokratie (vulgo: Korruption) bei den sogenannten Parteispenden. Wer Geld rüberschiebt macht andere von sich abhängig, macht sie sich gefügig.

Ciao
Wolfram

Wolfram Heinrich 21.12.2011 | 22:52

@Baphomed
du möchtest Wissen welches Thema zugedeckt wird na das ist einfach:
Per Heute hat die EZB den Banken Unbegrenzt Kredit gewährt bei unerträglich niedrigen Zinsen.

Im Radio habe ich gehört, daß die Banken diese Kredite für einen Zinssatz von 1 % dazu verwenden werden, Staatsanleihen zu kaufen, wofür sie dann erheblich höhere Zinsen verlangen werden.
Das muß man sich genüßlich auf der Zunge zergehen lassen: Die Europäische Zentralbank, also die Öffentliche Hand, schiebt eine Riesensumme billigen Geldes in die Hände von Privaten, die es dann umgehend als teures Geld an die Öffentliche Hand zurückgeben.
So - unter anderem so - funktioniert Umverteilung von unten nach oben.

Ciao
Wolfram

Magda 21.12.2011 | 23:21

Lieber Wolfgang Heinrich, wie soll ich Dir - ohne Dir allzu nahe zu treten - mal klarmachen, dass Dein Hang zur onkelhaften Unterweisung was Kränkendes hat. Ich bewerte den Wulff-Fall hier überhaupt nicht. Weder politisch noch moralisch. Ich rege mich über andere Dinge auf.

"In größerem Maßstab funktioniert diese Gefälligkeitsdemokratie (vulgo: Korruption) bei den sogenannten Parteispenden. Wer Geld rüberschiebt macht andere von sich abhängig, macht sie sich gefügig."

Herzchen - ich habe die Kenntnis solcher Zusammenhänge bei meinen Lesern vorausgesetzt, Du offensichtlich bei mir und anderen nicht.

Calvani 21.12.2011 | 23:22

Er schreibt, dass ein Präsident vermutlich nicht zu halten ist, wenn bestimmte Journalisten oder Medien gegen ihn sind. Aber egal, es geht mir nicht um Augstein.
Mir geht es darum:

Hat Wulff gegen Recht und Gesetz vertoßen?
1.) Wenn ja, dann ist er dafür zur Rechenschaft zu ziehen, und es ist abzuwägen, ob sich sein Verhalten mit seinem Amt vereinbaren lässt (das ist nicht nur eine politische, sondern ggf. auch eine juristische Frage).
2.) Wenn nein, dann ist zu überlegen, ob die gesetzlichen Vorschriften für solche und ähnliche Fälle unzureichend sind, und wie sie verbessert werden könnten bzw. müssten.

Diese Fragen zu stellen und nach Möglichkeit zu beantworten, erwarte ich von guten Journalisten. Das wäre natürlich eine komplexe Sachdebatte, aber darum sollte es gehen. Strohschneider hat in diesem Sinne mit seinem Artikel einen Anfang gemacht.

Wolfram Heinrich 21.12.2011 | 23:39

@Magda
Lieber Wolfgang Heinrich,

-ram, -ram, -ram. Wolfram.

wie soll ich Dir - ohne Dir allzu nahe zu treten -

Tritt nur, ich vertrag das.

"In größerem Maßstab funktioniert diese Gefälligkeitsdemokratie (vulgo: Korruption) bei den sogenannten Parteispenden. Wer Geld rüberschiebt macht andere von sich abhängig, macht sie sich gefügig."

Herzchen - ich habe die Kenntnis solcher Zusammenhänge bei meinen Lesern vorausgesetzt, Du offensichtlich bei mir und anderen nicht.

Schnäuzelchen, wie hätte ich denn wissen sollen, daß du solches voraussetzt? Du handelst Wulff von der moralischen Seite her ab, nennst Dienstwagen, Bonus-Meilen in einem Atemzug mit eindeutiger Korruption.

Ciao
Wolfram

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Ehemaliger Nutzer 22.12.2011 | 01:43

In Aldersbach ist die Welt noch in Ordnung, da richtet man nach dem Motto, ich brauche keine Beweise sondern es reicht schon, dass "es ja so gewesen sein könnte" oder "wir wissen ja, dass es bei denen so läuft". Der Wetterfrosch, der ein artistisches Kunsststück vorgeführt haben soll, hätte in Aldersbach schon gar keine Chance gehabt. Aber er hat sich prima gerächt, er lud nach Zürich ein, Hunderte kamen, um die Wahrheit - ein anderes Wort für Zeitungsfutter - zu erfahren und was machte er? Er teilte denen mit, dass es in Indonesien zur Zeit ziemlich warm sei.

Wolfram Heinrich 22.12.2011 | 01:56

@Zeitleser
In Aldersbach ist die Welt noch in Ordnung, da richtet man nach dem Motto, ich brauche keine Beweise sondern es reicht schon, dass "es ja so gewesen sein könnte" oder "wir wissen ja, dass es bei denen so läuft".

Du willst allen Ernstes dem armen Wulff unterstellen, daß er eine menschliche Sau sei? Wenn seine alten Kumpels Maschmeyer oder Geerckens, die schon so viel Nettes für ihn getan haben, zu ihm kommen und ihn um einen Gefallen bitten, dann läßt der die kalt abblitzen? Ich mag den Wulff ja nicht sonderlich, aber so eine menschlich fiese Haltung traue ich ihm wirklich nicht zu.

Ciao
Wolfram

SuzieQ 22.12.2011 | 04:18

@ Wolfram 00:56

"Du willst allen Ernstes dem armen Wulff unterstellen, daß er eine menschliche Sau sei? Wenn seine alten Kumpels Maschmeyer oder Geerckens, die schon so viel Nettes für ihn getan haben, zu ihm kommen und ihn um einen Gefallen bitten, dann läßt der die kalt abblitzen?"

Jetzt, wo Du so fragst,
vielleicht ist genau das passiert, Herr Wulff fiel in Ungnade, weil er Rasenmäher, Heckenschere, Wirtschaftsabkommen oder Auszeichnungen verschlampert hat.
Jetzt statuieren sie ein Exempel?

Statt dass der Herr Wulff sagt:
ischschabegarrkeinenrasenmäher usw
also kann ich gar nicht leihen, verleihen, bezuschussen oder protegieren,
spielt er den, der mit den Anwälten tanzt.

Ich empfehle einen Bundesadler als Tattoo,
unter dem rechten Fuß.
Bei ihm, nicht bei Dir, Wolferl.

claudia 22.12.2011 | 04:33

>>Die Europäische Zentralbank, also die Öffentliche Hand, schiebt eine Riesensumme billigen Geldes in die Hände von Privaten, die es dann umgehend als teures Geld an die Öffentliche Hand zurückgeben.
Das bringt direkt Profit. Und indirekt, als weiterer Schritt zur Privatisierung der Staaten ist es eine Investition in die Zukunft: Die Finanzdiktatur. (Wobei der Begriff „Finanz-„ uns natürlich nicht davon ablenken sollte, dass das Machtmittel privatisierter Mehrwert ist: das Ergebnis gekaufter Arbeitskraft).

Aber ob man einen Bundespräser ankacken muss, damit der EZB-Beschluss keine europäische Revolution auslöst?
Ich halte das für nicht wahrscheinlich.
Eher ist es doch eine Massnahme rein deutscher Bundespersonalpolitik.

---
>>Nur: Es gibt solche Leute und solche. Man hätte also Auswahl gehabt.
Nun ja, wenn man davon ausginge, dass ein Staatshäuptling das Volk repräsentieren solle, dann gäbe unter 40 Mio. Erwachsenen sicher –zigtausende Bundesbürger, die besser geeignet wären als ein Gulff oder Wauck. Und dem Amt mehr Würde zugestehen würden. Vielleicht sogar die Würde Aller Bürger anmahnen würden.
Aber das ist ja nicht sein Job. Infrage kommt als Grüssaugust nur, wer zur Mischpoke gehört um sie zu repräsentieren. Das engt die Auswahl natürlich ein.

Ableiern, was die Redenschreiber vorlegen: Ein prinzipiell würdeloser Job, aber attraktiv durch das jobunabhängige Garantieeinkommen. Dafür würde ich es auch machen, würde auch lernen, meine Reden nicht mehr aus dem Kopfe, sondern vom Blatt zu halten.

zebraistik 22.12.2011 | 06:12

Außer dem Killerspiel ist da auch der Abwehrzauber nicht zu unterschätzen. Würden die jeweiligen "Investigativen" die jeweiligen Maßstäbe
an sich selbst anlegen, schwiegen sie, denn - alter Hut - je größer die Empörung über Normenbruch anderer, desto betroffener ist der sich Empörende.

Dies jedoch in dem verfilzten Amigonetz der Springerpresse beurteilen zu können, würde z.B.
Kenntnisse voraussetzen über den Stand der Freundschaft zwischen A. Merkel und Friede Springer, mal abgesehen von der Journalisten-ausbildung in der Bertelsmannstiftung. Und über
all dem die - auflagensteigernde, also gewinnsichernde - Verpflichtung dieser Journaille, der etwa ein Codex wie werte.watch
nicht in die Schreib- und Stinkefinger kommt.

Magda 22.12.2011 | 10:18

Hallo Wolfram,ram, ram -
Mein "Atemzug" geht mehr um die Medien und weniger um den Charakter der enthüllten Verfehlung oder der Kampagne.
Die Schwere der Verfehlung und die Nähe zur Korruption kommen mir immer sekundärer vor in dem Zusammenhang.

Und - am Ende auch noch dieses "cherchez la femme" in Bezug auf Bettina. Werden Männer korrupter, wenn sie gutaussehende Frauen haben? Mich machen diese Verquirlungen wütend.

Wolfram Heinrich 22.12.2011 | 11:38

@claudia
>>Die Europäische Zentralbank, also die Öffentliche Hand, schiebt eine Riesensumme billigen Geldes in die Hände von Privaten, die es dann umgehend als teures Geld an die Öffentliche Hand zurückgeben.
Das bringt direkt Profit.

Das sowieso. Was mich an der Meldung über diese Transaktion etwas irritiert hat, das ist der Umstand, daß das so direkt, ohne Zwischenstufe und ganz unverblümt abläuft. Und daß in den Medien - soweit ich das bis jetzt überblicke - keiner thematisiert.
Ich habe ja immer noch die leise Hoffnung, daß ich bloß irgendwas nicht richtig verstehe und mir jemand nachweist, daß ich dumm bin. Groß ist die Hoffnung allerdings nicht.

...dass das Machtmittel privatisierter Mehrwert ist: das Ergebnis gekaufter Arbeitskraft).

Na ja, gekauft. Mehrwert für den Unternehmer ist geschenkt, bzw. geraubt (lat. privare = berauben). Aber das weißt du ja eh, ich erwähne es nur für die, die es nicht wissen.

Aber ob man einen Bundespräser ankacken muss, damit der EZB-Beschluss keine europäische Revolution auslöst?
Ich halte das für nicht wahrscheinlich.

Ich auch nicht. In den Nachrichten kommt dergleichen ohnehin so verpackt, daß so gut wie keiner so richtig stutzig wird.

>>Nur: Es gibt solche Leute und solche. Man hätte also Auswahl gehabt.
Nun ja, wenn man davon ausginge, dass ein Staatshäuptling das Volk repräsentieren solle, dann gäbe unter 40 Mio. Erwachsenen sicher –zigtausende Bundesbürger, die besser geeignet wären als ein Gulff oder Wauck.

Ich bezog mich mit meiner Anmerkung auf Adenauers Satz und die Altnazis, die er wieder groß gemacht hat. Aber gut, auf Wulff trifft das natürlich auch zu.

Und dem Amt mehr Würde zugestehen würden.

Wir hatten in der Schule mal einen lateinischen Satz zu übersetzen. Auf deutsch hieß der Satz dann "Die Würde eines Amtes hängt vom Träger ab". Eine Mitschüler merkte daraufhin trocken an: "Vor allem vom Hosenträger. Rutscht erstmal die Hose, dann ist die ganze Würde hin."
Vielleicht kein schlechtes Kriterium dafür, ob ein Mensch über echte Würde und Souveränität verfügt: Stell dir vor, diesem Menschen würde durch irgendein Malheur in aller Öffentlichkeit plötzlich die Hose bis zur Kniekehle abrutschen oder eine Brust spränge aus dem BH - wie würde dieser Mensch wohl auf so was reagieren? Kann er damit umgehen?
Ich mein, solche Affären wie die um den Wulff sind ja von ähnlicher Struktur. Wie Wulff damit umgeht (bzw. eben nicht umgeht) ist die jämmerlichste Art. Er leugnet ab und scheibchenweise gibt er jeweils gerade das zu, was ohnehin bereits nachgewiesen ist.

Ableiern, was die Redenschreiber vorlegen: Ein prinzipiell würdeloser Job, aber attraktiv durch das jobunabhängige Garantieeinkommen. Dafür würde ich es auch machen, würde auch lernen, meine Reden nicht mehr aus dem Kopfe, sondern vom Blatt zu halten.

Du wirst Präsidentin, ich schreib dir die Reden. Oder umgekehrt. Wär das nix?

Ciao
Wolfram

Wolfram Heinrich 22.12.2011 | 11:41

@Magda
Mein "Atemzug" geht mehr um die Medien und weniger um den Charakter der enthüllten Verfehlung oder der Kampagne.
Die Schwere der Verfehlung und die Nähe zur Korruption kommen mir immer sekundärer vor in dem Zusammenhang.

Mein Kommentar nutzte die Gelegenheit deines Blogbeitrags, darauf hinzuweisen, daß es bei Wulffs Handeln nicht um Stilfragen oder eine moralische Entgleisung geht, sondern um Korruption. Direkte Korruption, keine Nähe zu ihr.

Und - am Ende auch noch dieses "cherchez la femme" in Bezug auf Bettina. Werden Männer korrupter, wenn sie gutaussehende Frauen haben? Mich machen diese Verquirlungen wütend.

Eben. Die Kampagne gegen Wulff greift ihn auf einem Nebenkriegsschauplatz an.

Ciao
Wolfram

Wolfram Heinrich 22.12.2011 | 12:16

@tlacuache
Das war wohl auch der, der mit der Deutschlehrerin den Deal gemacht hat "den Unterricht nicht mehr zu stoeren, aber dafuer durfte er weiterhin seine Buecher lesen"...

Das war der, genau.

Die Initialen des Schuelers waren nicht zufaellig W.H.?

Nein, das waren sie nicht. Aber der Mitschüler hat später als Musik-Kabarettist eine gewisse Bekanntheit erlangt (mehrmals "Scheibenwischer" etc.).

Ciao
Wolfram

miauxx 22.12.2011 | 13:35

@Baphomed

Ich unterstelle nichts pauschal, sondern formuliere meinen Eindruck, dass die Fragen, die Wulff sich nun mit allem Recht gefallen lassen muss, zwar erfahrungsgemäß bei den Medien nicht unbedingt in den besten Händen sind. Somit gebe ich dem Tenor von Magdas Artikel sowie dem einiger Kommentierender ein Stück weit recht. Andererseits aber gehören die möglichen Verfehlungen Wulffs in die Öffentlichkeit. Damit muss er angesichts seines Amtes leben.

Dazu muss nun auch angemerkt werden, dass derzeit doch alles andere als eine Hexenjagd auf Wulff veranstaltet wird. Obwohl der Präsident fast nichts (!) zur Klärung der Vorwürfe unternimmt, wird ihm nach wie vor überwiegend Respekt gezollt. Selbst die Medien sind vergleichsweise zurückhaltend und bisher keiner verlangte etwa laut einen Rücktritt. Insofern stimmt das Bild von der "durchs Dorf getriebenen Sau" Wulff auch gar nicht. Wenn das schon zu viel ist, was derzeit contra Wulff abläuft, dann holen wir uns am besten gleich wieder einen Sonnenkönig. Der ist dann gottgleich; auf die Idee eines Widerspruchs kommt keiner.

Wenn ich mal an die ewigen Diskussionen hier in der FC zu Guttenberg zurückdenke, dann, so meine Erinnerung, ist irgendwie keiner auf die Idee gekommen, von einer "getriebenen Sau" zu reden. Insofern ist es komisch, dass nun mit Wulff so nachsichtig verfahren werden soll. Guttenberg hat wenigstens noch mit eigenen Worten in der Öffentlichkeit weiter gelogen. Wulff verhält sich angesichts der Verantwortung, die er als Staatsoberhaupt hat, zumindest unter kommunikationstechnischen Aspekten fast noch schlimmer als Guttenberg. Er ignoriert einfach und versucht das auszusitzen.

In meinem obenstehenden Kommentar habe ich geschrieben: "Dafür sind nicht allein die Medien da; gleichwohl sind sie Teil dessen."
Die Betonung liegt auf "allein". D.h., dass freilich nicht die Medien die causa Wulff entscheiden. Sie sind aber dazu da, die Öffentlichkeit darüber zu informieren und somit auch einen Transparenzzwang auf die Politik ausüben, den man allein von dieser erfahrungsgemäß auch in sogenannten Demokratien nicht selbstverständlich erwarten kann. Dass das fast selten in auch angemessener Weise passiert bzw. die Qualitätsunterschiede zw. verschiedenen Medienhäusern recht groß sind, wissen wir.
Aber, wie gesagt, der Fall Wulff ist da derzeit noch alles andere als bestes Beispiel. Vielleicht liegt es auch daran, dass die Person Wulff so wenig konkrete Angriffsfläche bietet bzw. viel weniger polarisiert, als etwa ein Guttenberg oder auch die so beliebte "Sau" DieLinke.

Insofern finde ich das Gebahren der Medien nun gerade am Umgang mit Wulff zu demonstrieren ein schwaches Beispiel. Mir drängt sich da eben der Eindruck auf, dass der doch so "harmlose", "ruhige" und "durchschnittliche" Wulff über diese "Medienkritik" nur einen Schutzwall gebaut bekommt, den er überhaupt nicht verdient.

@Magda

"Aber Resignation und eine gewisse Übermüdung schon."

Das verstehe ich schon. Aber auch nur ein kleines Stück weit - siehe meine Argumentation oben.

claudia 23.12.2011 | 06:05

Vielleicht sollte jede/r der/die seinen/ihren Arbeitsvertrag verliert, einen Erbsenschäl- und zählkursus besuchen müssen?

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>>Und daß in den Medien - soweit ich das bis jetzt überblicke - keiner thematisiert.
Na ja, die wirklich wichtigen Sachen werden ja immer nur beiläufig, mit weniger Dramatik als der Wetterbericht, gebracht.
Eben das unterscheidet die Meldung von der Kampagne: Dort die nüchterne Mitteilung, geringes Aufmerksamkeitspotential, da die emotionale Aufheizung. Kampagnen werden mit der Adrenalinspritze geschrieben, Meldung mit Baldrian.

Die Meldung mit wichtigem Inhalt kommt nach meiner Erfahrung fast immer daher wie ein chinesischer Reissack. Also suche ich nach chinesischen Reissäcken.

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>>“...dass das Machtmittel privatisierter Mehrwert ist: das Ergebnis gekaufter Arbeitskraft).“
Na ja, gekauft. Mehrwert für den Unternehmer ist geschenkt,…
Wenn ich erklären will, wie kapitalistische Betriebswirtschaft mit dem Lohndumping zusammenhängt, fange ich lieber mit dem Kauf der Arbeitskraft durch Produktionsmittelbesitzer an. Das ist die Grundlage der Mehrwertprivatisierung und damit ist erklärbar, auf welcher Seite im Interessengegensatz zwischen Lohnarbeit und Kapital der kapitalistische Staat steht (siehe "Hartzgesetze" und Hartzhetze). Und warum „Arbeiterparteien“, die den Staat, so wie er ist, nicht hinterfragen, zwangsläufig irgendwann die Seite wechseln müssen.
Das wäre allerdings ein eigenständiges Thema, obwohl es natürlich mit dem Korruptionsthema und wie Privatmassenmedien damit spielen zusammenhängt.

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>>"Vor allem vom Hosenträger. Rutscht erstmal die Hose, dann ist die ganze Würde hin."
Ja, man könnte dann ja auch sehen, wie viele Silberlinge er/sie als Unterwäsche davonträgt.

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>>Du wirst Präsidentin, ich schreib dir die Reden. Oder umgekehrt. Wär das nix?
Sicher. Sagen wir ein oder zwei Jahre lang, dann eine Rede, die Aufmerksamkeit erregt*, und dann bis zum Exitus 200 000 €uroni pro Jahr: So lohnt sich Leistung.

*Zum Beispiel darüber, wie in Venezuela die Armut bekämpft wird und nicht die Armen und dass durch die Zusammenarbeit mit Cuba die medizinische Versorgung verbessert konnte.
Dann würden ein paar Bundestagsabgeordnete zwar fordern, das lebenslange Garantieeinkommen für Bundespräsidenten zu streichen. Aber sie werden es nicht beschliessen. Es stünde nur als Drohung im Raume, für den Fall, dass noch mal ein Präsi so was wagt.

Doris Brandt 23.12.2011 | 13:17

Liebe Magda,
ich kann mich über Wulff auch nicht mehr aufregen. Und das ist das traurige an der Sache. Dienstwagen, Doktorarbeiten, Hannoveraner Seilschaften, Anzeigen-Sponsoring, Malle-Urlaub, Posten in Brüssel als freundschaftliche Geste. Ich kann keine Politik mehr erkennen. Habe den Überblick verloren. Ich merke gerade, ich kann mich doch noch aufregen, über die Gesamtsituation nämlich.

"Früher war mehr Enthüllung?"

Wahrscheinlich.

Eines steht fest: Früher war mehr Lametta!

Hohoho und ein frohes Fest!
Doris

fahrwax 26.12.2011 | 13:11

Das Zitat ist "Spitze". Diese Art der "Parodie von Widerstand" befördert die Illusion von Demokratie. Sie findet auf journalistischen Spielplätzen statt und lenkt vom scheitern angeblicher Volksvertreter ab. Die Kritik an einem Pausenclown ist eine Zirkusnummer zur Systemerhaltung und verhindert die Auseinandersetzung mit der Korruption der Macht.
Der Anschein von investigativem Journalismus ist eine preiswerte Lebenseinstellung aber eben nur ein Ersatz.

claudia 26.12.2011 | 15:09

Ich und Du,
Müllers Kuh,
Müllers Esel der bist Du...

Warten wir mal ab, ob Laufe der Woche noch mal "neue Erkenntnisse zum Fall C. W." aus der Schublade springern...
oder man wartet die Neujahrsansprache ab, man ist ja kein Unmensch.

Wenn gar nichts mehr nachkäme und ab 01.01.2012 niemand mehr weiss, was mal über den höchst ehrenwerten Buprä geschreibselt wurde, dann wäre meinen Vermutung falsch gewesen.
Kann mal passieren...