MagicGuitar
16.03.2013 | 20:40 136

Ursprung der Verschwörungstheorie

Hintergrundwissen Warum Verschwörungstheorien entwickelt werden, warum wir sie gerne glauben und wie man sie erkennen und aushebeln kann.

Ursprung der Verschwörungstheorie

jacme31 / flickr (cc)

Wer kennt das nicht? Die nervigen und scheinbar nie enden wollenden Diskussionsrunden zwischen Verschwörungstheoretikern und Skeptikern, welche diese Verschwörungstheorien zu hinterfragen versuchen.  Und mitlerweile wird man ja überall von Verschwörungstheorien beschallt: Im Internet, im Fernsehen, in Buchhandlungen. Waren frühern Verschwörungstheorien auf Mundpropaganda angewiesen und haben sich entsprechend langsam und seicht verbreitet, so sind sie heute ein Massenphänomen und prägen mit die Gesellschaft.

Beleiebte Themen sind dabei z.B. der angeblich nie stattgefundene Holocaust, der angeblich nicht existente anthropogene Klimawandel, die angeblich nicht stattgefundene Mondlandung, angebliche Chemtrails, etc.

Daneben sind Verschwörungstheoretiker natürlich davon überzeugt, dass Impfungen nutzlos sind und gar schaden (Pharmaverschwörungstheorien sind momentan hoch im Kurs), dass HAARP eine Superwaffe ist (und damit selbstverständlich der Tsunami in Fukushima ausgelöst wurde) und selbstverständlich, dass die Anschläge des 11. Septembers ein Insidejob waren, usw. Das ist quasi das kleine 1x1 der Verschwörungstheorien und bei regelmäßigen Bingo-Treffen wird nun ausgewertet an welche man momentan glaubt und an welche nicht. Rosinenpickerei ist ein sehr beliebtes Mittel von Verschwörungstheoretikern. 

Wir alle wissen: Es ist scheinbar unmöglich Verschwörungstheoretiker von ihrem Wahn und ihrer Verschwörungsgeilheit abzubringen. Sie haben eine sogenannte "Wahngewissheit", was bedeutet, dass sie für ihre Überzeugungen keinerlei Beweise bedürfen. Für sie ist es Gewissheit und Realität, so wie die Erde rund ist. Und wer würde das heute schon hinterfragen? Mal so gefragt: Könnten Sie wirklich beweisen, dass die Erde rund ist? Natürlich könnte man nun auf diverse Bilder der Erde verweisen oder auf Aristoteles, der bereits 500 v. Chr. den mathematischen Beweis lieferte, dass die Erde rund sein müsse.

Das leuchtet selbst jedem Verschwörungstheoretiker ein und er würde dies nie bezweifeln. Warum lassen sich Verschwörungstheoretiker dann nicht mit denselben wissenschaftlichen Argumenten vom Klimawandel oder von der Mondlandung überzeugen? 

Ursprung einer Verschwörungstheorie

Erst einmal müssen wir klären: Woher stammen Verschwörungstheorien und wie entwickeln sie sich?

Am Anfang jeder Verschwörungstheorie steht ein "Begründer" bzw. ein Guru der neuen Religion. Dies sind in der Regel wahnhafte und paranoide Persönlichkeiten, welche von tiefstem Misanthropotismus geprägt sind. Man traut anderen Menschen offensichtlich Dinge zu, die man sich selbst zutraut. So steigern sich diese Personen beispielsweise in den Wahn hinein es müsse Chemtrails geben oder HAARP wäre eine Art Superwaffe. Da die wissenschaftliche Erklärung leider meist nicht ins Wahngeschehen hineinpasst, wird eine Erklärung dafür gesucht: Eine Verschwörung! Die Verschwörungstheorie ist geboren. Da es sich um einen Wahn handelt und dieser wie gesagt keines Beweises bedarf  ist es möglich, dass selbst studierte Wissenschaftler und sonst rational denkende Menschen plötzlich an Verschwörungstheorien glauben. Aber auch reine Geldmacherei und Skrupellosigkeit spielen dabei eine Rolle. So gibt es ganze Verlage, die sich quasie auf Esoterik und Verschwörungstheorien spezialisiert haben.

Nun gibt es also einen kleinen Kreis "Eingeweihter", welche der Meinung sind über "geheimes" oder "verborgenes" Wissen zu verfügen. Da sie der Meinung sind ungeheuer böse Mächte seien am Werk und diese würden die Menschheit versklaven, müssen diese "aufgeklärt" werden. Dies funktioniert in Zeiten des Internets hervorragend über einschlägige Blogs und Websites, über welche sich solche Verschwörungstheorien wie ein Lauffeuer verbreiten. Rationale und vernünftige Menschen können solche Verschwörungstheorien leicht entlarven. Leider gibt es in unserer Gesellschaft aber auch genügend naive und psychisch labile Menschen (die es ja eigentlich zu schützen gilt), die auf die geschwurbelte Rhetorik solcher Verschwörungstheoretiker hereinfallen. Man spricht auch von einem "induzierten Wahn". Der Wahninhalt wird von dieser Person nun geteilt und er wird absofort dem Begründer und den "Truthern" huldigen. Viele bemerken erst nach Jahren welchem Gaul sie da eigentlich aufgepsrungen sind und der Wahn vergeht nach der Behandlung der restlichen psychischen Probleme.

Nun beginnt eine Verschwörungstheorie zum Selbstläufer zu werden. Sobald es auch nur jemand wagt in Ansätzen etwas dagegen zu sagen, wird er in einem großen Shitstorm in bester Michel Friedman Manier mundtot gemacht. Jedes rationale und wissenschaftliche Gegenargument wird sofort von pfiffigen Gläubigen der Verschwörungstheorie durch eine Erweiterung dieser umgangen. Mitunter widersprechen sich diese Erweiterung sehr stark, ganz nach dem Motto: Alles ist möglich!. Aber immer unter der Prämisse: Es handelt sich auf jeden Fall um eine Verschwörung! Komme was wolle. 

Geübte Verschwörungstheoretiker, welche schon so tief in den Sumpf hineingezogen wurden, dass ohne professionelle Hilfe kaum noch eine Chance auf Heilung besteht, glauben zumeist an sehr viele, mitunter sich gegenseitig ausschließende Verschwörungstheorien (beispielsweise Chemtrails zum Geoengineering, aber gleichzeitig glauben sie an die "Klimalüge"). Sie glauben "das Spiel" durchschaut zu haben und den "Schleier" gelüftet zu haben. Sie sind fest davon überzeugt über "Geheimwissen" zu verfügen und die anderen "schlafenden Systemschafe" aufklären zu müssen. Der "Systempresse" schenken sie natürlich keinen Glauben. Sattdessen bestärken sich die Verschwörungstheoretiker in einschlägigen Foren, Blogs und "Insidertreffen" gegenseitig in ihrem Wahn. An der "Wahrheit" sind sie dabei nicht wirklich interessiert.

Warum sind Verschwörungstheorien so populär?

Verschwörungstheorien bieten uns etwas, was seriöse Forschung und Rationalität nicht bieten können: Nämlich Action, das Gefühl in einem Live-Krimi mitzuspielen, Teil einer großen Aufklärungsbewegung zu sein, das Gefühl über geheimes Wissen und über Macht zu verfügen. David gegen Goliath. Verschwörungstheorien sind unorthodox, man kann dem Alltag entfliehen. Verschwörungstheorien nehmen jeden auf, wie er ist, auch ohne jegliche Qualifikation. Die meisten Gläubige sind wissenschaftliche Laien bzw. sind nicht besonders firm mit dem jeweiligen Fachgebiet.

Eine wichtige Rolle dabei spielt der Dunning-Kruger-Effekt. David Dunning beschreibt den Effekt mit folgenden Worten: „Wenn jemand inkompetent ist, dann kann er nicht wissen, dass er inkompetent ist. […] Die Fähigkeiten, die man braucht, um eine richtige Lösung zu finden, [sind] genau jene Fähigkeiten, um zu entscheiden, wann eine Lösung richtig ist.“ Und auch der Volksmund weis: "Dumme Menschen merken gar nicht, wie dumm sie sind." Denn um dies zu bemerken, müsste die betreffende Person über einen gewissen Intellekt verfügen. Selbstüberschätzung ist also das Schlagwort, während die Fähigkeiten und Kenntnisse anderer Personen permanent heruntergespielt werden (wie es Großvater so gerne tut, wenn er mal wieder über "inkompetente" Politiker herzieht).  

Die Terror-Management-Theorie wiederum beschreibt, dass wir aus Angst vor dem Tod oder Verletzlichkeit, zur Verteidigung unserer Kultur und Weltanschauung und unseres Selbstwertes die Realität verleugnen als Bewältigungsstrategie. So darf der Anschlag vom 11. September 2001 unter gar keinen Umständen ein terroristischer Akt gewesen sein, weil dies der eigenen Weltanschauung Amerikas als Großmacht und der Unverwundbarkeit widersprechen würde. Im selbigen Zusammenhang steht beispielsweise auch die Leugnung des Holocausts und anderen Massenmorden zur Verteidigung der eigenen Nation und des eigenen Selbstwertes. Unvorstellbar, wenn der eigene Großvater möglicherweise am Holocaust beteiligt gewesen wäre. Und auch die sogenannte "Klimaleugnung" ist oft nicht mehr als eine Bewältigungsstrategie, weil sie nicht an die eigene Vergänglichkeit erinnert werden wollen, weil sie sich bedroht und verletzlich fühlen durch die unbekannte Gefahr und den "unsichtbaren Feind". Man will nicht zugeben, dass man seinen Kindern eine große Bürde und Verantwortung auferlegt, durch Fehler in der Vergangenheit. So wie eine trauernde Mutter sich solange eisern einredet ihr Kind wäre nie verstorben, bis sie es tatsächlich selber glaubt.

Es lässt sich also erkennen: Verschwörungstheoretiker sind oft Leute mit Minderwertigkeitskomplexen, die endlich wer sein wollen. Sie sind oft geprägt von irrationalen Ängsten und starkem Misstrauen. Besonders anfällig sind naturgemäß einsame Menschen, Menschen mit schweren psychischen Störungen oder Personen, die eine seelische Krise durchleben. Dies trifft perverserweise häufig Jugendliche in der Pubertät und junge Erwachsene, aber auch alte Menschen. Zumeist sind dies  Leute mit unzureichender wissenschaftlicher Bildung und eingeschränktem rationalem Denken. Verschwörungstheoretiker entwickeln häufig eine sehr geschickte und wissenschaftlich klingende Rhetorik und verwenden häufig Fachbegriffe, die sie allerdings oft nicht richtig erklären können.  Ohnehin anfällige Menschen fallen leider häufig darauf herein.

Hinzu kommt, dass unsere Welt zunehmend komplexer wird und wir über viele Dinge des alltäglichen Lebens gar nicht mehr wirklich bescheid wissen können. Internationale Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Computer...Schneller, höher, weiter. Viele kommen da nicht mehr mit. Verschwörungstheorien liefern einfache Antworten auf komplexe Fragestellungen und werden aus diesem Grunde gerne von Rechtspopulisten verwendet.

Woran erkennt man Verschwörungstheorien?

Selbst als wissenschaftlicher Laie kann man beinahe jede Verschwörungstheorie durch logisches Denken und mithilfe rationaler Argumente leicht aushebeln:

Entgegen aller Erfahrung ist es der "Elite" möglich riesige Operationen durchzuführen, ohne, dass diese auffliegen. Andere (tatsächlich aufgedeckte) Verschwörungen wurden jedoch scheinbar stümperhaft ausgeführt. Diese werden jedoch als Beweis für weitere, noch nicht aufgedeckte Verschwörungen verwendet.  Genau dieser Geheimhaltungscharachter ist meist die größte Schwachstelle jeder Verschwörugnstheorie.

Die Umstände und Durchführung einer solchen postulierten Operation sind meist völlig unplausibel. Anstatt aber die eigenen Argumente anzupassen, werden wissenschaftliche Tatsachen oder behördliche Ermittlungen für unplausibel erklärt, wobei diese völlig korrekt sind. 

Die Verschwörungstheoretiker ziehen zwar alle möglichen Verschwörungstheorien in Betracht, aber würden im Traum nicht darüber nachdenken, dass offizielle Berichte und die Tagesnachrichten tatsächlich korrekt sind. Für sie ist alles Offizielle aus der "Mainstream-Presse" automatisch gelogen. Sie fühlen sich in ihrem Wahn sogar noch bestätigt. Die Verschwörungstheorie wird immer so zurechtgebogen, wie es gerade passt. Dabei widersprechen sich viele Verschwörungstheorien häufig gegenseitig (beispielsweise die "Klimalüge" und die Chemtrailtheorie).

Es wird mit Fachausdrücken um sich geworfen, man versucht möglichst wissenschaftlich zu klingen, obwohl scheinbar allen wissenschaftlichen Erkenntnissen widersprochen wird. Fachbegriffe können oft nicht richtig erklärt werden oder es fehlen weitere Kenntnisse auf demselben Fachgebiet. Es wird immer wieder darauf verwiesen, dass die Wissenschaft nicht frei sei, Wissenschaftler und Ergebnisse nur gekauft würden. Dabei wird von Verschwörungstheoretikern auch immer wieder gerne auf Fallbeispiele ohne Beweiskraft und eigene Wissenschaftler verwiesen, die scheinbar die Verschwörungstheorie stützen. Es wird Rosinenpickerei betrieben und die wissenschaftlichen Arbeiten dieser ausgewählten Wissenschaftler weisen häufig schwere methodische Mängel auf, was Verschwörungstheoretiker aber nicht weiter stört. Die Kritik von anderen Wissenschaftlern bestätigt sie sogar noch in ihrem Wahn.

Sie bahupten einfach die Wissenschaft sei nur voll von veralteten und verstaubten "Dogmen" und "Lehrmeinungen", wie eine Religion. Es wird gar behauptet ein Studium des spezifischen Fachgebietes wär gar schädlich, da auch hier nur Dogmen und Mainstream komforme Lehrmeinungen weitergegeben würden. Dabei wird gern der Galileo-Vergleich angestellt ("Über Galileo haben sie auch früher gelacht!"). Mit dieser Argumentationstechnik ließe sich allerdings jeder Unfug begründen und stellt keinerlei Beweis für die Richigkeit der Theorie dar. Und Gelileo, Einstein und Co. konnten ihre Theorien allesamt falsifizieren. Leider wird vergessen, dass Wissenschaft keine Demokratie ist und sich Erkenntnisse nicht nach dem eigenen Empfinden und der eigenen Weltanschauung richten und auch die Verschwörungstheoretiker das "Wahrheitsmonopol" für sich beanspruchen. Dabei entpuppen sich auf Seiten der Verschwörungstheoretiker starke wissenschaftsmethodische Mängel. Eine wissenschaftliche Theorie ist immer eine Beschreibung der Wirklichkeit und hat keinen Wahrheitsanspruch (Wirklichkeit != Wahrheit). Allein der Galileo-Vergleich widerlegt eigentlich die These der dogmatischen Wissenschaft, da sich Galileos und Einsteins Theorien schließlich durchsetzen, da falsifizierbar. Sprich: Neue wissenschaftliche Erkenntnisse müssen auf sie anwendbar sein und dürfen keinen Widerspruch darstellen. Eine Theorie muss Vorhersagen machen, die im Experiment tatsächlich beobachtbar sind. Ist dies nicht der Fall, so muss eine neue Theorie aufgestellt werden. Die Theorie muss den Erkenntnissen angepasst werden.

Das wäre der nächste Knackpunkt: Verschwörungstheorien sind nicht falsifizierbar! Sie wird nämlich nicht den Erkenntnissen angepasst, sondern wird zurechtgebogen und Erkenntnisse erfunden oder hinzugedichtet. Dabei wird (wie beschrieben) Rosinenpickerei bei der Auswahl "wissenschaftlicher Erkenntnisse" betrieben. Nur Verschwörungstheorie komforme "Erkenntnisse" werden zugelassen. Dabei ist eine Verschwörungstheorie, wie die Chemtrailtheorie beinahe unwiederlegbar und genau deshalb auch so beständig.

Ein Realitäts- und Plausibilitätscheck wird fast nie angestellt. So stünden z.B. im Falle der Chemtrails die benötigten Mengen an diversen Chemikalien gar nicht zur Verfügung. Die Verschwörungstheorien und deren Erfinder und Verbreiter werden niemals hinterfragt. Sie sind quasi die Heilsbringer, die die Menschheit erlösen wollen und die Wahrheit bringen. Dass viele dieser Überbringer damit allerdings Profit machen bzw. versuchen "Wahrheit" z.B. in Buchform zu verkaufen, das macht Verschwörungstheoretiker natürlich nicht stutzig.

Es wird daran appelliert "selbst zu denken", alles zu "hinterfragen" und sich "selbst zu informieren" . Um dies zu können, ist allerdings meist eine gehörige Portion Fachwissen notwendig, über welches die Wenigsten verfügen. Nur so kann man die Qualität und Richtigkeit der Informationsquelle überprüfen. Hinterfragen und selbst denken heißt nicht auch zu den richtigen Schlüssen zu kommen. Konkret ist damit eigentlich nur gemeint, dass man sich solange einschlägiges Material zur Verschwörungstheorie ansieht, bis man sie auch glaubt. Eine "individuelle Impfentscheidung" ist beispielsweise das Produkt solcher "selbstdenkenden" und "aufgeklärten" Personen, obwohl diese etwa so schlau wie eine individuelle Anschnallpflicht ist.

Die "Verschwörungsindustrie"

Wie beschrieben gibt es tatsächlich ganze Verlage (ohne konkrete Namen zu nennen), welche sich auf Esoterik und Verschwörungstheorien spezialisieren.  Diese bieten ihre Ware häufig in Form von Büchern, DVD's und Magazinen an zu einem oft unverschämten Preis. Die Autoren sind meist Hardcore-Verschwörungstheoretiker, welche mit ihren Thesen ihren Lebensunterhalt bestreiten. Zumeist besitzen sie keine fachliche Kompetenz oder missbrauchen ihren akademischen Titel zum Vertrieb ihrer Bücher. 

Auch im Internet gibt es diverse Blogs und Internetmagazine, welche werbefinanziert, durch Mitgliederbeiträge oder durch Spenden finanziert werden. Neue Ware wird oft auf Youtube und Co. beworben oder es werden kostenlose Beiträge veröffentlicht, um neue, leichtgläubige Kundschaft zu locken.

Auch diverse Artikel (insbesondere Gesundheitsartikel) werden zusammen mit einer Verschwörungstheorie verkauft. Gerade bei Gesundheitsartikeln ist größte Vorsicht geboten. Durch die Verschwörungstheorien werden stark überteuerte und nutzlose Produkte beworben, welche angeblich von einer starken "Lobby" unterdrückt würden (beispielsweise unterdrücke die Pharmaindustrie die Alternativmedizin oder die Energielobby unterdrücke die "freie Energie"). 

Auch die Volkshochschulen entwickeln sich immer mehr zum Werberaum für Esoterik und Verschwörungstheorien. Dies ist insofern pervers, dass die VHS ein Ort der Bildung sein sollte, stattdessen aber fachlich nicht kompetente Dozenten (oft "Heilpraktiker") ihre "alternativmedizinischen" Behandlungsmethoden (häufig Homöopathie) "lehren", dabei kräftig Werbung für die eigene Heilpraktikerpraxis machen und dafür sogar noch bezahlt werden. Verkauft wird das Ganze natürlich mit einer Verschwörungstheorie, da der Nutzen selbstverständlich nicht bewiesen werden kann. Durch sektenähnliche Strukturen und verschiedene Kurse für "höhere Stufen" wird man bei der Stange gehalten und ausgenommen.

Wenn einem die "Wahrheit" verkauft wird und die Autoren selber finanzielle Interessen verfolgen, so sollte wohl Skepsies angebracht sein (was für Anhänger selbstverständlich etwas anderes ist). Es sollte auch zu denken geben, dass angeblich große Mächte eine Medizin, eine Technologie oder eine angebliche "Wahrheit" unterdrücke, aber gleichzeitig können zu diesem Thema ungestört Bücher veröffentlicht und auf Amazon verkauft werden. Hier werden gezielt in einem Think Tank Verschwörungstheorien erfunden, in die Welt gesetzt und propagiert. Geworben wird mit dem "Anti-Mainstream" Flair, um die Kundschaft bei Stange zu halten. 

Wann braucht man professionelle Hilfe?

Verschwörungstheorien stehen oft im Zusammenhang mit anderen psychischen Problemen und Erkrankungen, wie einer Persönlichkeitsstörungen, Schizophrenie oder Depressionen. Wer das Gefühl hat sein Leben nicht mehr im Griff zu haben und dass dieses von Verschwörungstheorien und Angst bestimmt wird, sollte ruhig einen Arzt oder eine andere Vertrauensperson aufsuchen. Auch Freunde und Bekannte sollten den Betroffenen ruhig darauf ansprechen, wenn jemand geradezu besessen von einem einzigen Thema zu sein scheint und darüber hinaus seinen Verpflichtungen nicht mehr nachkommt. Auch Kinder könnten gefährdet sein, da Wahnvorstellungen der Eltern häufig auf die Kinder übertragen werden.  Wenn Eltern aufgrund vom Glauben an Pharma- und Ärzteverschwörungen mit ihren Kindern nicht mehr den Arzt aufsuchen bzw. ihre Kinder nicht impfen lassen, medizinische Hilfe vorenthalten (wie bei der aktuell neu entflammten ADHS und Ritalin Debatte), sollten Sie ruhig das Jugendamt informieren. Auch die finanzielle Situation kann durch das Kaufen nutzloser und überteuerter Artikel und Bücher völlig aus den Fugen geraten.

 

Kommentare (136)

thinktankgirl 16.03.2013 | 21:24

Wenn Eltern aufgrund vom Glauben an Pharma- und Ärzteverschwörungen mit ihren Kindern nicht mehr den Arzt aufsuchen bzw. ihre Kinder nicht impfen lassen, medizinische Hilfe vorenthalten (wie bei der aktuell neu entflammten ADHS und Ritalin Debatte), sollten Sie ruhig das Jugendamt informieren.

Der schlimmste Schuft im ganzen Land, das ist fürwahr der Denunziant.

MagicGuitar 16.03.2013 | 22:22

Denunzieren, von lat. denuntiare, „absprechend berichten, Anzeige/Meldung machen“; denuntiatio, „Ankündigung, Androhung“.

Ja, da bekenne ich mich wohl schuldig, sollte ich tatsächlich einen Missstand zur Anzeige bringen. Wären die Eltern jedoch Mitglied einer Sekte und würden dort die Kinder mit hineinziehen, dann sähe Ihr Urteil wohl anders aus, bei selbiger Wirkung.

Lukasz Szopa 16.03.2013 | 22:46

@"Verschwörungstheorien stehen oft im Zusammenhang mit anderen psychischen Problemen und Erkrankungen, wie einer Persönlichkeitsstörungen, Schizophrenie oder Depressionen."

Kann, sein, aber nicht nur. Die meisten Verschwörungs-Fans sind keine wirklich gefährlichen Fälle. Wobei ich zustimme, aus eigener Beobachtung, dass es oft eher Männer trifft die eher älter werden (Rente, AL, viel Zeit, aber nichts damit anzufangen, die Welt wird so komplex, die Kinder weg, zuhause - wo man früher tagsüber kaum war - regiert die Ehefrau...). Einige male habe ich Menschen als "Verschörungstheorie-Fans" erlebt, die 10 oder 20 Jahre davor weit entfernt davon waren, und vielleicht nicht immer plausibel redeten - doch zumindest einen selbstkritischen Ansatz noch besaßen. Und Humor.

Ein Fall ist ein "Klassiker" mit vielen Vs: Juden ("Den Holocaust gab es natürlich - denn die Juden (in Amerika) haben den erst recht eingeleitet!"), Klimawandel, 9/11 ( "11.09.2001 war natürlich von den US-Geheimdiensten und der Finanzlobby organisiert!"), und natürlich dass alle Mainstream-Medien die Politik beeinflussen (oder umgekehrt...) - aber nur im Westen, ja nicht in Russland, Ukraine, Weissrussland oder Venezuela oder Ungarn. A propos Russland und Anschläge: Ich erinnerte ihn mal an sein Argument (bei 9/11 wie bei Anschlägen in Russland 1994 - vor Beginn des Tschetschenienkrieges), das Argument "wem nützt es denn???": "Du meintes damals, es sei dieser neue Premier Putin, der ist aus dem KGB und so weiter. Anschläge in Moskau, man sagt es waren Tschetschenen - und kann einen Krieg beginnen und somit Macht  & Popularität steigern." Nun ist aber inzwischen "mein Verschwörungs-Fan" zum Putin-Fan geworden, und während er dieselben "wem nutzt es denn"-Argumente wie bei 9/11 spinnt, will er von seiner damaligen Verschwörungstheorie nichts mehr wissen...

UnwiseNomad 17.03.2013 | 00:34

Es täte dem Artikel gut, genauer zu definieren was eine Verschwörungstheorie überhaupt ist. So wäre auch der dann allgemein definierte Ausgang "psychische Störung" besser nachzuvollziehen.

Ich versuche einmal, ohne Anspruch auf Vollständigkeit, einige Kategorien zu bilden:

Leugnen jederzeit belegbarer Tatsachen

Wer die Mondlandungen anzweifelt, muss z.B. eine Erklärung dafür liefern, dass inzwischen hunderte von Amateurfunkern den bei der Apollo-15-Mission aufgestellten Laserreflektor anpeilen und für funktechnische Versuche nutzen. Ihr Nachbar macht das vielleicht just in diesem Augenblick, Hochtechnologie ist das nicht.

Die Kreationisten behaupten, die Erde sei erst 6000 Jahre alt und wollen das aus der Bibel herleiten. Ein kurzer Blick in die Genesis 4:16ff  zeigt, dass zumindest die Autoren selbst nicht ernsthaft daran glaubten. Dann muss in der Tat immer neuer Unsinn her, um den anfänglichen zu "stützen". 

In dieser Kategorie ist es vor allem blanke Dummheit, verbunden mit einer grundsätzlichen Abneigung, an diesem Zustand etwas zu ändern, die den Schwachsinn am Leben erhält. Ob das heilbar ist, kann man mit Recht bezweifeln.

Themen, bei denen wir nie genug wissen werden

War die Ermordung John F. Kennedys wirklich die Wahnsinnstat eines Einzelgängers? Es ist einfach zu wenig Material überliefert, um die Frage jemals beantworten zu können.

Die Tat war ein solcher Schock für die USA, dass die lapidare (und wahrscheinlichste) Antwort unbefriedigend ist. Die psychologisch verständliche, nie enden könnende Suche nach einer (Er-)Lösung kann in der Tat manische Züge annehmen.

Themen, bei denen wir noch nicht genug wissen

Der Klimawandel findet statt. Ob er anthropogen ist, kann und darf man bezweifeln. Hier ist der Begriff "Verschwörungstheorie" zum Kampfbegriff in der aktuellen, auch innerwissenschaftlichen Diskussion verkommen.

Wenn es hier eine Verschwörung gibt, dann die, die staatliche Forschungsförderung nicht dadurch zu riskieren, dass man laut und vernehmlich sagt, wie sehr die Klimaforschung noch in den Kinderschuhen steckt und wie lange es noch dauern wird, bis sie verlässliche Aussagen liefern kann.

Die für die Nazi-Ideologie so wichtigen Protokolle_der_Weisen_von_Zion waren eine Fabrikation des russischen Geheimdienstes. Diese angeblich jüdische Verschwörung, die eine ganz andere  war, können wir aus der Rückschau betrachten. Dort, wo sie ihre Wirkung entfalten sollte, wurde gezielt unterdrückt, dass sie längst entlarvt war. Eine Verschwörung zur Aufrechterhaltung einer Verschwörungstheorie, sozusagen.

Verteidigung unsinniger Ideen durch "Verschwörung"

Wenn mir aber auch wirklich jeder einen Vogel zeigt, sobald ich von meiner Entführung durch Ausserirdische berichte, könnte ich auf die Idee kommen, eins an der Waffel zu haben. Finde ich jedoch eine Menge Gleichgesinnter, habe ich eine Heimstatt und jede Menge Bestätigung.

Inzwischen bieten Volkshochschulen Kurse an, die sich mit dem Thema Chemtrails beschäftigen. Nun ja, billiger als eine Psychotherapie ist es allemale und man kann gleich nebenan auch Ayurvedischen Karnevalstanz oder Basteln mit Eigenhaar und Spucke lernen. 

 ...

Es sind also recht unterschiedliche Motive am Werk, die sich nicht über den gleichen Leisten schlagen lassen. Ansonsten: ein sehr lesenswerter Artikel!

iDog 17.03.2013 | 02:14

.. selten so ein oberflächliches und dabei ausgesprochen Leinen treues und fremdgedachtes Geschwurbel gelesen. 

Vielleicht sollte sich "MAGICGUITAR" mehr Gedanken zur Verschwörung an sich machen, anstatt zu den Theorien darüber. Dann kämen wir der Wirklichkeit vielleicht näher. Diese und unsere Geschichte sind voller Verschwörungen. Jeder blöde so genannte "Skandal" ist eine gewesen. Verallgemeinernd kann man sagen : jedes Geschäftsmodell im Kapitalismus ist eine Verschwörung, denn die Interna eines solchen Modells bleiben der Öffentlichkeit im allgemeinen verborgen, bzw. die Geschäftsleitung hängt diese nicht gerne an die große Glocke, denn sonst kann u.a. das Geschäft ganz schnell vorbei sein oder zumindest seine Exklusivität einbüßen. Auch kriminelle Aktivitäten sind selbstverständlich Verschwörungen und die Politik, wir erleben es jeden Tag, wartet immer wieder mit unvermuteten Absprachen, Korruption, false flag Aktionen, Attentaten und vor allem reichlich bislang geheimgehaltenen, aber aktenkundigen Sachverhalten auf, die dann, nach genügend verstrichener Zeit, es ist wohlmöglich alles verjährt, Zeugen und Täter sind tot, davon berichten, wie es wirklich gewesen ist. Damit wird dann die vorher offizielle Version, Propaganda muss man sie wohl nennen, zu Makulatur, und diejenigen rehabilitiert, welchen man vorher eifrig "Verschwörungstheoretiker" geschimpft hatte.

Denn nicht weniger als das ist der Begriff in vielen Fällen : ein Schimpfwort, das dazu dient Menschen anderer Überzeugung zu diskreditieren. Dabei fragt man bezeichnender Weise nicht lange, wie oder warum diese zu ihrer Überzeugung gekommen sind, denn das, die angeblich wahre Wahrheit, steht selbstverständlich ausser Frage. Zur Wahrheit selbst bedarf es dann auf jeden Fall eines "wissenschaftlichen" Nachweises, denn die Wissenschaft hat immer Recht, da man heute auch einen wissenschaftlichen Beweis an jeder Straßenecke kaufen kann, wie alles andere. 

Auffällig hierbei ist zusätzlich der Umstand, dass "Verschwörungstheorien" immer dann vermehrt aufzutauchen scheinen, wenn den großmäuligen Behauptern der Wahrheit selbst die so wohlfeilen "objektiven" Beweise ausgehen. 

So wird genau dann besonders das Bezeichnen von politisch, oder ganz allgemein anders Gesinnten, dem eigenen Geschäfts- oder Machtmodell Abgeneigten, zum besagten Vorwurf : "Verschwörungstheoretiker". Dieser will eigentlich auf recht hilflose Art dieselbe Intoleranz kaschieren, welche unter anderem Vorzeichen als politisch äußerst inkorrekt gelten soll.  

Der Vorwurf der "Verschwörungstheorie" wird damit eindeutig zum politischen Denunziationswerkzeug, zu einer polemischen Rhetorik, welche sich auf die Legitimation der eigenen Stärke durch eine vermeintliche Deutungshoheit beziehen soll, die sich auch als die Angst des Stärkeren bezeichnen ließe, seine gewohnte Meinungshoheit und damit seine Macht zu verlieren.  Besser man beendet bzw. verweigert als Mächtiger in so einer Situation einfach die Kommunikation mit einem absurden Vorwurf.  Eine Kriegslist ? 

Hier wird antidemokratische, patriarchalische und rein hierarchische Methodik deutlich. "Papa" hat natürlich immer recht. 

Man kann das noch einen Schritt weiter denken, wenn man will. Dieser nächste Schritt heißt Waterboarding. Und was danach kommt, sollte auch aus der Geschichte hinreichend bekannt sein. Meiner bescheidenen Meinung nach ist der Kapitalismus das ursächlich "soziologische" Prinzip, Auslöser faschistoider Gesellschaftsphänomene, die sämtliche gesellschaftlichen Werte zerstören und so jegliche Menschlichkeit verhindern. 

Aber das Thema hat natürlich auch seine komischen Seite: Der Gipfel der Lächerlichkeit wird in dem Moment erreicht, wenn politische "Verschwörer" oder deren Adepten, oder auch ganz simpel Lügner ihre Kritiker "Verschwörungstheoretiker" nennen. Das lächerliche dabei ist die Dummheit der Verschwörer zu meinen, sie könnten alle anderen für genau so dumm verkaufen, wie sie selber sind. 

Und zum Schluss  bemerkt sind intelligente Verschwörungen so unauffällig, dass sie entweder selten bekannt werden, oder relativ zur herrschenden Ideologie als sehr effektiv erachtet werden, und so zu veritablen Heldenepen mutieren können - siehe von Homer bis Hollywood.

MagicGuitar 17.03.2013 | 02:19

Und Sie machen ja genau den Denkfehler, den ich so sehr kritisiere: Tatsächliche Verschwörungen werden als Beweis für weitere Verschwörungen genommen, welche jedoch nicht beweisbar sind.

Wenn die "Interna" der Öffentlichkeit so sehr verborgen bleiben (was immer das heißen mag), warum wissen Sie dann scheinbar so ganz genau bescheid?

Sie implizieren ganz klar das "muss" es ja geben und deshalb ist das so und deshalb war wahrscheinlich der 9/11 selbstverständlich ein Insidejob unter falscher Flagge.

Eben genau auf diese pseudo-rationale Art und Weise argumentieren Verschwörungstheoretiker, weil sie nichts beweisen können. Sie drehen quasi die Beweislast um und pervertieren die Unschuldsvermutung.

iDog 17.03.2013 | 02:46

"Wenn die "Interna" der Öffentlichkeit so sehr verborgen bleiben (was immer das heißen mag), warum wissen Sie dann scheinbar so ganz genau bescheid?"

Aus eigner Erfahrung mit Verlaub gesagt. Ich war lange genug im Geschäft!

.... und mit dem ganzen Rest, den sie da antworten, können sie mich nicht meinen, oder wollen sie vielleicht abstreiten, dass es Verschwörungen en masse gab und gibt ?  

Und genau : weil es historisch immer Verschwörungen gab, kann man mit einiger ("wisssenschaftlicher") Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass es immer noch welche gibt. Was ist an dem Schluß  "pseudo rational" ?  Glauben sie an Wunder  oder sind sie blind? 

Die Verschwörung ist Brot und Butter, um sich im Kapitalismus Vorteile zu verschaffen, die es auf rein demokratischer Ebenen nicht geben kann und dürfte. Sie verstehen sicher, was ich meine.

Auch kann man nicht Demokratie "behaupten" und  gleichzeitig hierarchisch und diktatorisch agieren oder regieren, ohne die Ideologie bzw. den "Glaubenskörper" nachhaltig zu beschädigen.

Aber genau so sieht unserer Welt aus, in diesem Widerspruch befindet sie sich, unsere Gesellschaft, unsere politische Ökonomie. Da bleibt logischgerweise nicht viel mehr als im Verborgenen zu agieren, ohne Legitimität zu handeln, andere Versionen oder andere ideologische Ingterpretationen, gar andere Ideologien zu erfinden, um sich zu legitimieren, da bleibt nicht viel mehr als zu lügen, auf deutsch gesagt, 

Ich bitte sie. Wessen Unschuld, wessen Naivität, wessen Ehrlickeit wollen sie hier eigentlich beweisen oder verteidigen?  Unschuldige werden im allgemeinen nicht der Verschwörung beschuldigt. Oder sind ihnen da Fälle von Relevanz bekannt?

MagicGuitar 17.03.2013 | 02:59

Ja wie gesagt: Es hat auch immer wieder Hausbrände gegeben und dennoch ist es unsinnig überall Brandstiftung anzunehmen.

Und man muss keine Sympathie für G.W. Bush hegen. Aber beispielsweise zu unterstellen er hätte von den Anschlägen auf die WTC gewusst, wie klingt das für Sie? Für mich eigentlich wie Verleumdung. 

Und genauso blödsinnig sind die Anschuldigungen gegen die Pharmaindustrie, ohne es gut finden zu müssen, dass so viel für Marketing drauf geht. 

Es sind einfach Theorien, welche jeglicher Grundlage entbehren und leicht wiederlegt werden können, die Anhänger jedoch mit wahnhafter Besessenheit daran festhalten, um ihre Überzeugungen nicht infrage stellen zu müssen. 

Natürlich hat es den Reichtagsbrand gegeben und natürlich wurde beim Eintritt in den Vietnamkrieg gelogen. Aber das ist eben nachvollziehbar und beweisbar. Ich kann aber nicht alle unter Generalverdacht stellen. Aber genau das machen wir mit dieser Verschwörungsgeilheit. Man sieht irgendwann den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr.

gelse 17.03.2013 | 06:15

Phantasie ist eine verbreitete menschliche Eigenschaft. Wer sie nicht hat, ist arm dran. Natürlich kann die Phantasie manchmal dazu führen, dass man sich in eine „Erklärung“ verrennt. Oft kann eine Plausibilitätsprüfung die „Spreu“ vom „Weizen“ trennen.

 

drei Beispiele:

1)
>>Pharmaverschwörungstheorien sind momentan hoch im Kurs…<<

Dass betriebswirtschaftliches Primärziel nicht der Gebrauchswert des Produktes ist, sondern die “Rendite“ des eingesetzten Spielgeldes, des „Kapitales“, ist ja eine Binsenweisheit. Der Gebrauchswert, im Falle Pharma die Behandlung von Krankheiten, ist ein Sekundärnutzen: Irgendein Verkaufsargument muss man für das Produkt, ob ipad, Diclofenac oder Fertigpizza, ja bringen. Dass Produktinformationen nicht besonders ehrlich sind. Liegt am Primärziel des renditeträchtigen Umsatzwachstums. Auf dieser Basis können natürlich, neben begründeten Warnungen, auch Glaubensbereiten unsinnige Thesen angesonnen werden. Ein erheblicher Teil davon geht auf den Konkurrenzkampf zurück, dessen Ziel die Mittel heiligt.
Unplausibel ist hingegen die Annahme, Pharmakonzerne seien scharf drauf, die Anwender ihrer Produkte abzumurksen: Dafür ist kein Motiv in Sicht.
 

2)
>>…dass die Anschläge des 11. Septembers ein Insidejob waren,…<<

Die erste „Verschwörungstheorie“ stammte von George W. Bush: Er erklärte schon vor Beginn der Ermittlungen, welches Ergebnis dabei heraus kommen soll. Warum er das tat, kann man als ungeklärt ablegen, oder man interpretiert in das Ereignis „Erklärung von Bush“ mögliche Motive hinein. Manche waren plausibel, manche eher unplausibel. Auch manche „Erklärungen“ nicht besonders plausibel sind, bleiben doch viele Fragen nach dem Anschlag offen: Die Beweislage der offiziellen wie auch der inoffizielle Varianten sind ziemlich dünn. Das lässt Raum für Glauben.

Dass Verschwörungshypothesen auf unbewiesenen Annahmen und Interpretationen . beruhen, beweist aber noch nicht, dass offizielle Varianten immer auf Tatsachen beruhen müssen. Sinnvoll ist es, neben dem Check bekannter Fakten bei allen Varianten deren Plausibilität zu prüfen.

iDog 17.03.2013 | 12:19

"Ja wie gesagt: Es hat auch immer wieder Hausbrände gegeben und dennoch ist es unsinnig überall Brandstiftung anzunehmen."

Ihr "Argument", bislang ihre einzige Erwiderung auf meine Ausführungen , ist etwas einfach ausgefallen, daher müssen sie es wohl auch mehrfach wiederholen. Vor allem aber ist es entlarvend. 

Nach einem "Brand" wird immer untersucht wie er entstanden ist. Es wird also auch untersucht , ob es sich um  Brandstiftung handelte. Das ist wohl obligatorisch heutzutage. Man gibt sich entsprechend der gesetzlichen Vorgaben nicht mit Vermutungen zufrieden. Warum wohl? Es scheint eine Notwendigkeit zu bestehen die "Verschwörung" btw. das Verbrechen Brandstiftung auszuschließen. usw.

Erstaunlich ist, dass ihnen sonst nicht viel einfällt zur hier angebrachten Kritik. 

In der Politik und in der Wirtschaft werden viele Informationen zurückgehalten, weil dies partikulären Interessen , die über entsprechende Macht = Besitz verfügen , entgegenkommt und Vorteile verschafft. 

Bei Ereignissen , wie 9/11 allerdings , bei denen mehrere tausend Menschen das leben verlieren , oder bei Ereignissen wie dem Irak-, Libyen- , Syrien-, Afghanistan-, Vietnam- und  you-name-it-krieg, bei denen zuweilen Millionen Menschen ihr Leben verlieren werden die Untersuchungen , ob es sich dabei um "Brandstiftung" handelte, komischerweise regelmäßig manipuliert, verwässert, verhindert, geheim gehalten .... usw. Sie sagen es ja selbst. Die Gründe dafür sollten hinlänglich bekannt sein. Diese "Lebenserfahrung" an der historischen Realität macht was mit den Menschen? 

Und so kommen wir zur Kernaussage : Wer nachweislich genug Dreck am Stecken hat , kann so oft seine Unschuld behaupten wie er will. Er wird sie jedes Mal aufs Neue beweisen müssen, sonst wird ihm nicht geglaubt werden. Die "Schuldigen" und zu recht Beschuldigten sind es, die die Beweislast initial und selbstverschuldet durch ihre Vertrauensunwürdigkeit umgedreht haben. Aus dem eigenen  Erklärungsnotstand kommt es dann mitunter zu gelogenen Rechtfertigungen oder zumindest unglaubhaften Interpretationen.

Die Rechenschaftspflicht von Mandatsträgern und die Verantwortung des Unternehmers bezüglich seines Produkts fallen in dieselbe Kategorie : Missbrauch soll ausgeschlossen werden können. 

Wenn wir schon über das Umdrehen der Beweislast reden , dann sollten wir darüber nachdenken, warum eigentlich immer erst ein Schaden beim Verbrauchen , in der Umwelt etc. entstanden sein muss, es erst Opfer gegeben haben muss, bis dieselben dann dem Verursachern sein Verschulden nachweisen müssen, damit dieser reagiert oder in die Verantwortung genommen werden kann.  

Das ist doch die wahre Umkehr der Beweislast. Denn Eigentlich sollte es zuerst den Beweis geben , dass keine schädlichen Konsequenzen von Produkt x zu erwarten sind. In der Politik sollte es nicht um populistische Versprechen und "manufacturing consent" ,  sondern um einvernehmliche Entscheidungen gehen.  Dann stellet sich die Frage bezüglich des Verantwortlichen nicht mehr.

Hierzu empfehle ich eine Reflexion zum Thema Nuklearwirtschaft. Daran kann man schnell erkennen, dass selbst bei solchermaßen umgekehrten und sogar erbrachter Beweispflicht, die Verantwortlichen nicht nur nicht reagieren wollen, sondern ihre Macht auch noch dazu benutzen die erbrachten Beweise zu negieren und zu ignorieren. Das ist dann besonders "wissenschaftlich" und "verantwortungsvoll", aber leider an der Tagesordnung, selbst nach Fukushima. Die partikulären Interessen sind also zu jeder Art von "Verschwörung" bereit solange es denn noch geht. Das dies alles eine Politik der verbrannten Erde ist und ohne jede  Zukunft, sollte auch ihnen klar sein.

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Ehemaliger Nutzer 17.03.2013 | 12:38

Das eigentliche Problem scheint zu sein, dass man mit dem Begriff Verschwörungstheorie allzu schnell bei der Hand ist und ihn als Keule nutzt, um andere damit lächerlich zu machen, sie mundtot zu machen, oder sie damit verbal niederzuprügeln.

[url=http://de.wikipedia.org/wiki/Verschw%C3%B6rung]Verschwörung[/url]

[url=http://de.wikipedia.org/wiki/Verschw%C3%B6rungstheorie]Text[/url]

Was genau ein Beweis ist oder wir als Beweis für etwas anerkennen und wie wir etwas beweisen, muss man dazu nämlich auch wissen. Und da wird es schon sehr haarig. In einer Welt ohne absolute Bezugspunkte stellt man immer nur Realationen zwischen den Dingen her und beruft sich andererseits beim Beweisen auf von verschiedenen Leuten zu verschiedenen Zeiten an verschiedenen Orten unter den immer gleichen Bedingungen und mit den gleichen Methoden gemachten gleichen Beobachtungen und führt diese als Beweis für etwas an. Aus den Naturwissenschaften und der Mathematik wissen wir, dass diese Art von von Beweisen und Wahrheiten nur bis zu deren Widerlegungen gelten.

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Ehemaliger Nutzer 17.03.2013 | 14:08

Schon mal etwas vom Glühbirnen-Kartell gehört? Die größten Hersteller weltweit, deutscherseits Osram, vereibarten die Lebensdauer zu verringern, um den Umsatz anzukurbeln.

Unlängst wurden drei bis vier deutsche Kaffeehersteller wegen unzulässiger Preisansprachen vom Bundeskartellamt zu einer Buße verdonnert.

In der Kohl-Ära wurde eine umfangreiche, verdeckte  Finanzierung der Staatsparteien durch Industrie und Wirtschaft ruchbar. Spendenskandal: Wem gehört die Republik?

Seit den 50er-Jahren des letzten Jahrunderts tagten die sogenannten Bilderberger unter Auschluß der Öffentlichkeit unter Mitwirkung zahlreicher Journalisten und Verleger. Erst nach der Jahrtausendwende hörte man erstmals von ihnen.

Bekannte italienische Fußballgrößen wie Welt-Torwart Buffon werden im Zusammenhang mit einer internationalen Wettschiebenung genannt.

Andreotti, einst Italiens Ministerpräsident, war Mitglied der Mafia.

Wozu braucht es bei soviel Verschwörungs-Praxis überhaupt noch Theorien?

MagicGuitar 17.03.2013 | 14:25

Wie gesagt: Hier müssen tatsächliche Ereignisse als Beweis für weitere angebliche Verschwörungen herhalten. Dabei ist die Tatsache, dass es bereits Verschwörungen gab kein Beweis für eine weitere Verschwörung. Aus A folgt nicht B. Ich kann also nur vermuten, dass es auch in Zukunft weitere Verschwörungen geben wird. Aber ich kann dabei nicht alles und jeden unter Generalverdacht stellen und überall eine Verschwörung wittern. Dann sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr. Das grenzt dan schon eher an einen Wahn und Paranoia.

Vaustein 17.03.2013 | 14:52

Allein der Sprchgebrauch des Autors verrät, dass er zumindest ziemlich vorurteilsbelastet ist:

"Wir alle wissen: Es ist scheinbar unmöglich Verschwörungstheoretiker von ihrem Wahn und ihrer Verschwörungsgeilheit abzubringen. Sie haben eine sogenannte "Wahngewissheit", was bedeutet, dass sie für ihre Überzeugungen keinerlei Beweise bedürfen."

Ansonsten verweise ich auf die Ausführungen von IDOG, denen ich vollumfänglich zustimme.

 

 

Amanda Donata 17.03.2013 | 17:11

Lieber, kleiner (Ver)Schwörungstheoretiker "MagicGuitar",

.. entdeckt;-) von einer Freundin aus Deutschland .. ich kenne sie (im Youtube-Vido)  alle nicht .. aber offenbar gibt es in Deutschland einige (Ex-)Journalisten bzw. (Ex-)Politiker, die ein bißchen 'rumgucken ..;-)

..     http://www.youtube.com/watch?v=TnFM09-9Nmg     ..

..     http://www.youtube.com/watch?v=H543JiQk28I      ..

..     http://www.youtube.com/watch?v=Zbeq06cSGi4      ..

 

Wer aber die "Wahrheit" lesen will, liest Wiki.. ;-)))

.. noch ein Scharfsinniger:   ..   nur so geht's;-) ..     http://www.youtube.com/watch?v=sjwGdQgV81s     ..

 

Gute Unterhaltung     

AD

 

philmus 17.03.2013 | 17:45

Ein anderer, für mich entscheidender Punkt blieb unerwähnt: Der Glaube an die "Verschwörung", den geheimen Zirkel der durchblickenden und steuernden ersetzt den alten Glauben an den Allmächtigen Vater. Mur: Heute ist der Vater böse. Es muss doch jemanden geben, der durchblickt, der die Kontrolle hat.

Das sind infantile Projektionen, verdrehte Wunschbilder, die die Verhältnisse verschleiern und die Verantwortung des Einzelnen für den Zustand der Welt überdecken.

Ich erinnere nur mal an das SNAFU-Prinzip eines der beliebtesten Jongleure mit Verschwörungstheorien, Robert A. Wilson:

Je höher in der Hierarchie einer steigt, umso weniger blickt er durch. weil niemand seinem Vorgesetzten die reine Wahrheit sagt.

Und da soll in geheimen, höheren Hierarchien irgendwie sinnvoll geplant werden können???

Warum zum Teufel soll ich einer hierarchischen Organisation wie der CIA nicht zutrauen, so doof zu sein, so kurzsichtig zu agieren, daß sie tatsächlich unabsichtlich den späteren 9/11-Attentätern erstmal ihren Kampf (gegen das damalige "Reich des Bösen") bezahlt hat.

 

Das einzige, was mich an dem Beitrag echt abstößt, ist die mainstreamgläubige Tendenz, Homöopathen und Impfskeptiker zu verschwörungsgläubigen, gefährlichen Idioten zu stempeln.

 

Daß Du paranoid bist, heißt nämlich nicht, daß sie nicht hinter Dir her sind... (oder Deinem Geld...)

 

MagicGuitar 17.03.2013 | 18:16

Ja, Andreas von Bülow z.B. Keine Ahnung, wie man so abdriften kann. Das ist es ja, was ich gemeint habe. Auch bekannte Persönlichkeiten, wie David Icke oder Christian Anders sind völlig abgerutscht. Das sieht immer so harmlos aus, wenn jemand an Verschwörungstheorien glaubt, aber man gucke sich bitte mal an, was aus diesen ehemals großen Persönlichkeiten geworden ist. Einsame, verbitterte Einzelkämpfer, die glauben die Welt erlösen zu müssen.

Und auch KenFM hält von sauberem Journalismus nicht viel, sondern bedient eben ähnlich wie Alex Jones und Co. sein Publikum. Für diese Leute ist die ganze Welt eine einzige Verschwörung. 

Gerd Weghorn 17.03.2013 | 18:56

Was muss ich davon halten, dass der Autor sich nicht zu seinem Machwerk bekennt?!

Machwerk ist dieser Beitrag über Verschwörungstheorien (VT) schon deshalb, weil er auf keiner Theorie beruht und dementsprechend auch keine Definition seines Gegenstandes leistet.

Statt einem Erkenntnisinteresse gerecht werden zu wollen unterstützt  auch dieser dummschwätzende Autor das Geschäftsinteresse derjenigen, die die VT als Verdikt erfunden haben und die von ihrer Erfindung profitieren wollen.

Jedem, der wirklich denken kann, ist doch schon längst aufgefallen, dass die VT keine Theorie, sondern ein Etikett ist, mit dem man sich unangenehmer Erkenntnisse durch Entwertung von Kritikern als Nörgler, Verfolgungswahnsinnig oder  sonst wie psychisch Kranke meint erwehren zu können.

Für jeden, der wirklich denken kann, ist doch längst schon klar geworden, dass VT ausschließlichlich als Vorwurf gebraucht wird, und zwar als Vorwurf von oben nach unten.

Der Vorwurf der VT erfolgt ausschließlich von Mächtigen gegenüber Ohnmächtigen, von Herrschenden gegenüber Beherrschten, was ja auch insofern kein Wunder ist, als sich die Mächtigen nicht gegen die Ohnmächtigen "verschwören" müssen, wären sie doch dann keine Mächtigen!

Die am 20. Juli jeden Jahres gefeierten "Verschwörer" beispielsweise repräsentieren auch hierbei keine Ausnahme, weil und solange deren Verschwörung gegen die Obrigkeit nur deshalb von der Obrigkeit toleriert (und gefeiert) werden wird, solange sie sich noch von dieser unterscheidet.

Jeder, der wirklich denken kann, weiß, dass Art. 5 GG jede Meinungsäußerung zulässt, und dass dem entsprechend auch die Hypothese vom Reichstagsbrand oder von nine-eleven "als Insiderjob" eine Existenzberechtigung hat, und dies um so mehr, wenn man Politik als Geschäft betreibt, bei dem sich in den Politikwissenschaften die CUI BONO-Frage als extrem erkenntnisfördernd herausgestellt hat.

Die Diskriminierung von Hypothesen durch die Psychologisierung ihrer Formulierer gehört zu den schäbigsten Methoden der publizistischen Kriegsführung, mit der wir es auch hier zu tun haben! Kein Wunder also, dass der Autor sich nicht bekennt.

Amanda Donata 17.03.2013 | 19:02

Mein Lieber,

das ist doch ganz  Ihre persönliche (Ver)Schwörungstheorie ..;-) .. nicht wahr .. aber nicht böse sein, die "Herrschaften" kenne ich alle nicht, wie oben schon angemahnt, eine Freundin aus Deutschland gab mir solchen Wink .. und ich find's amüsant ..;-)      

http://www.youtube.com/watch?v=2U3iVDbMFwA

http://www.youtube.com/watch?v=9pp_i13s5_M

 

Guten Abend

http://www.youtube.com/watch?v=NJHtKOYNVkc

 

 

MagicGuitar 17.03.2013 | 19:12

Was meinen Sie mit "nicht bekennen"? 

Und in dem Beitrag geht es auch nicht um "Erkenntnis", sondern um die möglichen Hintergründe von Verschwörungstheorien und deren logischen Schwächen. 

Psychologisiert wird das ganze deshalb, weil normal rational denkenden Menschen diese logischen Schwächen sehr bald auffallen. Es ist also schon eine Art psychische Destabilisierung notwendig diese zu übersehen und sich in die Abhängigkeit irgendwelcher Heilsbringer und "Truther" zu begeben.

Diese Phrase "selbst denken" ist auch ein Ettiket. Jeder normal denkende Mensch wird einsehen, dass jemand ohne fachliche Kompetenz beim "selbst denken" zu keinem großen Erkenntnisgewinn kommt und auf die Schnauze fällt, weil seine Schlussfolgerungen falsch sind. 

Verschwörungstheoretiker stellen ihre Behauptungen oft als Fakten dar. Tatsachenbehauptungen sind durch das Recht auf Meinungsfreiheit nicht geschützt. Der öffentliche Vorwurf an jemanden an einer Verschwörung beteiligt gewesen zu sein kann allerdings durchaus strafrechtliche Konsequenzen haben. 

Der Vergleich mit dem Stauffenberg-Attentat kommt dem Galileo-Vergleich ziemlich nahe. Die Tatsache, dass es das gegeben hat ist kein Beweis dafür, dass es weitere Attentate geben wird. Das muss im Einzelfall geklärt werden.

MagicGuitar 17.03.2013 | 19:18

Nicht ganz. Weil diese "Erkenntnisse" leider meist nicht "dingfest" sind, sondern variabel und immer wieder weitere Nebenannahmen notwendig sind. Daher sind die Umstände dieser Verschwörungen meist völlig unplausibel.

Nebenbei widersprechen Verschwörungstheorien meist wissenschaftlichen Erkenntnissen und jeglicher Logik. Weitere Annahmen, die einer Verschwörung widersprechen würden (beispielsweise Hanlon's Razor) bzw. andere mögliche Erklärungen, werden gar nicht erst in Betracht gezogen.

Verschwörungstheoretiker pochen einfach nur darauf irgendwelche großartigen Erkenntnisse gewonnen zu haben, um sich wichtig zu fühlen. Letztlich ist diese Wahngewissheit vergleichbar mit jemandem, der glaubt "die Erleuchtung" erfahren zu haben.

ed2murrow 17.03.2013 | 19:50

Das Blog krankt an einigen grundlegenden Prämissen, von denen m.E. die gefährlichste ist, „Verschwörungstheoretiker“ in Bausch und Bogen als „wahnhaft“ zu markieren. Die andere, ganz entscheidende Schwäche ist, dass zwischen „Verschwörungsideologien“, „Verschwörungstheorien“ und tatsächlichen Verschwörungen nicht einmal im Ansatz eine Unterscheidung versucht wird.

Ich kann dem Blogschreiber an der Stelle als Einstieg in eine ernsthafte Befassung mit dem Thema nur Wolfgang Wippermann, „Agenten des Bösen. Verschwörungstheorien von Luther bis heute“, Berlin 2007, empfehlen. Eine Besprechung sowie einige erste weiterführende Bemerkungen bei http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/2008-1-236 .

Der Blogautor sollte sich nicht grämen – auch Wippermann wurde heftigst attackiert, seine Verteidigung kann nachgelesen werden unter: http://www.literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=11649

alalue 17.03.2013 | 19:52

Ich habs  nur teilweise gelesen. Aber eine unspezifische Verurteilung der VTs ist bedenklich. Wann ist eine kritischen Meinung eine VT ?

Zwei Beispiele: Nach 50 Jahren werden in den USA militätischer und sonstige Geheimpapiere öffentlich.

Pearl Harbour: die Regierung brauchte einen Grund für die Zivilisten, in den 2.ten Weltkrieg einzugreifen, die wollten nämlich nicht. Den Militärs war bekannt, daß die Truppen in diesem Hafen eine Provokation Japans war und daß die dort angreifen würden. Sicher, Japan hatte deshalb noch lange nicht das Recht, aber hätte man die richtigen Schutzmaßnahmen ergriffen, wären die Folgen lange nicht so deutlich gewesen. Diese wurden aber absichtlich unterlassen, damit genügend Schaden entstand. Das ist keine Theorie, daß ist inzwischen dokumentierte Praxis.

Cuba-Krise: die Militärs überlegten ernsthaft, eine Zivilmachine mit Passagieren selber über Kuba abzuschießen und das Castro in die Schuhe zu schieben, um militärisches Eingreifen zu rechtfertigen. Kennedy war cooler und zog das Embargo durch, was auch nicht so leicht war.

 

Es gab vor 40 Jahren die Pläne eines Milliardärs, Hughes glaube ich, gesunkene historische Schiffe zu heben. Daraus wurde aber nichts. War im Ersten oder Zweiten Deutschen Fernsehen dolumentiert: der US-Geheimdienst versuchte, ein gesunkenes russisches U-Boot aus mehreren tausend Metern Tiefe zu bergen. Es zerbrach aber auf halber Höhe. Der Geheimdienst hatte die ganze Story als Tarnung in öffentlichen Medien kolportiert, ich kann mich noch erinnern, wie ich als Jugendlicher diese Hughes-Story in irgend einem Magazin las.

Jede Geschichte muß schon einzeln betrachtet werden.

MagicGuitar 17.03.2013 | 19:55

Ist mir schon klar, worauf Sie hinaus möchten. Sie versuchen den Spieß herumdrehen, was allerdings an einigen logischen Mankos scheitert.

Nirgends habe ich eigene Erkenntnisse aufgestellt! Der Dunning-Kruger-Effekt und die Terror-Management-Theorie sind wissenschaftliche Theorien, welche ein Modell liefern und falsifizierbar sind. Genau das liefern Verschwörungstheorien eben nicht. Ich muss also nicht wahnhaft an etwas festhalten und es verteidigen, um mein Selbstwertgefühl aufrecht zu erhalten, weil ich diese Theorien und Modelle jederzeit hinterfragen kann. Ich schreibe nur darüber, weil es mich interessiert. Verschwörungstheorien sind heute tatsächlich Gegenstand psychologischer und soziologischer Forschung. Wenn es Sie nicht interessiert, dann müssen Sie den Beitrag ja nicht lesen.

Verschwörungstheoretiker gehen jedoch davon aus unfassbar böse Mächte würden die gesamte Menschheit manipulieren und glauben die Menschen "aufklären" zu müssen, ohne den Inhalt der Verschwörungstheorie auch nur einmal zu hinterfragen oder Antworten hören zu wollen. Stattdessen quatschen sie alle Leute darauf an und versuchen sie von ihrem Wahninhalt zu überzeugen. Jeder der diesen Wahninhalt nicht teilt ist ein "Systemschaf" oder er ist dumm und trifft auf Ablehnung. Und genau dieses Verhalten trifft man bei einigen psychischen Störungen an. Wie gesagt: Wenn es Sie nicht interessiert, dann lesen Sie es auch nicht. Möglicherweise erkennt sich der eine oder andere auch wieder und überdenkt seine Ängste wirklich noch mal oder sucht professionelle Hilfe.

Ich rede jetzt wirklich von Hardcore-Verschwörungstheoretikern, die wirklich Probleme haben. Und die Leere ihres Lebens mit Verschwörungstheorien zu übertünchen suchen. Ich rede nicht von Hobby-Verschwörungstheoretikern, die sich aus Interesse oder am Stammtisch damit auseinandersetzen. 

 

MagicGuitar 17.03.2013 | 19:59

PS: Dass es tatsächliche Verschwörungen gibt, Preisabsprachen, politische Geschäfte, etc., daran zweifelt wohl keiner. Davon rede ich aber auch nicht. Selbst Mobbing am Arbeitsplatz ist eine Verschwörung. Ich rede wirklich nur von den wahnhaften Hardcore-Verschwörungstheoretikern, die bereit sind jeden Schwachsinn zu glauben, sobald das Wort Verschwörung darin vorkommt. Wer ernsthaft an Dinge wie Chemtrails glaubt, der muss einfach (man nehme es mir nicht übel) an einer psychischen Störung leiden.

alalue 17.03.2013 | 20:00

Mondlandung: keiner konnte die Farbe der Oberfläche beschreiben. Alle sagten, daß es ja verfälscht wurde. Aber das ist doch Quatsch: irgendeeine Farbe hat jeder gesehen, wenn er wirklich oben war, und die hätte er genannt. Oder halt nach Sonnenstand: aber nichts: das geht einfach nicht.

Was sie dann erzählten, waren wortwörtliche Passagen aus  Science-Fiction-Geschichten, die Wernher von Braun in seiner Jugend geschrieben hatte.

Damals wußte man noch nichts von der Strahlung der Sonne, die ohne Schutz oft tödlich ist. Sie kamen putzmunter zurück, es waren aber mindestens Verbrennungen zu erwarten gewesen. um denFake zu bringen, reichte es, wenn nicht mal hundet Leute dicht hielten.

UnwiseNomad 17.03.2013 | 20:05

Die fehlende Definition habe ich schon oben angemahnt.

Dementsprechend ist Ihre Entgegnung auch nur dort angebracht, wo dieses Muster wirkt: Nicht bei denen, die am Perpetuum Mobile basteln und sich von der Autolobby unterdrückt fühlen, sondern bei offenen Fragen, die in einem politischen Kontext stehen und auf die Zukunft wirken. Nicht bei "Wer erschoss JFK wirklich?" und nicht bei Roswell'schen Aliensuchern.

Es ist dem Autor gegenüber nicht fair, ihm aufgund seiner "Schlunzigkeit" gleich unlautere Motive zu unterstellen. Hätte er Aktuelles von Historischem getrennt, wäre meiner Meinung nach alles in Ordnung.

 

MagicGuitar 17.03.2013 | 20:12

Sehen Sie? 1000 logische und fachliche Fehler. Weshalb ich auf weitere Beiträge auch gar nicht weiter eingehen möchte, dazu fehlt mir die Zeit.

Erst mal: Woher haben Sie das bitte? Wie kommen Sie darauf? Außerdem gibt es Bilder, wo man genau sieht, dass die Oberfläche grau, bestrahlt fast weis erscheint. Sehen Sie mal nach oben! Der Mond hat eine wahnsinnig helle Oberfläche (sog. Albedo, welches eines der höchsten uns Bekannten im ganzen Universum ist). Die Farbe der Oberfläche sieht dort oben nicht anders aus als hier unten. Sie müssen sich jetzt nur vorstellen durch ein solches Visier zu gucken.

Und man wusste nichts über das Strahlungspektrum der Sonne? Wen wollen Sie auf den Arm nehmen? Selbstverständlich wusste man, dass die von der Sonne abgegebene UV-Strahlung sehr schädlich ist. Nicht umsonst hätte man sich um ein Ozonloch gesorgt.  Und selbstverständlich kamen die Astronauten unbeschadet zurück, was dachten Sie denn? Schauen Sie sich bei Wikipedia ruhig mal an, wie ein solcher Raumanzug aufgebaut ist. Normales Glas ist für UV-Strahlung schon undurchgringlich, das schwere Gewebe der Raumanzüge erst recht.

MagicGuitar 17.03.2013 | 20:23

Wie gesagt: Es ging mir nie um historische Bezüge oder Verschwörungstheorien in der Gegenwart. Das ist Zeitverschwendung, da ja quasi im Wochenrhythmus neue Verschwörungstheorien kursieren. Es ging mir mehr um die Hintergründe, die Entwicklung und die Merkmale von Verschwörungstheorien und wie man diese Hinterfragen kann. Es ging mir mehr um den Charachter der Aufklärung, als das Klammern an ein paar bestimmten Theorien, die jeder normal denkende Mensch selbst widerlegen kann. Selbstverständlich gibt es auch Theorien (eben tatsächliche Verschwörungen), die diesen Kriterien standhalten.

Alles was ich kritisiere ist, dass Verschwörungen in der Vergangenheit als Argument für unbewiesene Verschwörungen in der Gegenwart genutzt werden, ohne den Einzelfall an rationalen, logischen und wissenschaftlichen Kriterien zu überprüfen. Es wird einfach als gegeben hingenommen, dass es eine Verschwörung ist. 

Und sich Gedanken über JFK oder UFO's zu machen ist einfach sinnlos, da unbeweisbar. Irgendwo da verwischen einfach die Grenzen zwischen Normalität und Wahn.

alalue 17.03.2013 | 20:25

Ich sah mal eine Dokumentation im öffentlich-rechtlichen.

Dort wurde das gesagt: damals wußte man eben noch nicht über die Gefährlichkeit der Strahlung, und deshalb waren weder die Anzüge noch die Kapsel entsprechend isloliert. Die Nasa sagte, sie hätten eben Glück gehabt.

Auch die Zitate der Mondfahter: wurden gebracht, original, und dann vom Autor des Berichtes mit den Dokumenten, die noch von Wernher v. jBraum übrig sind, verglichen: die haben seine Texte wortwörtlich wieder gegeben.

Amanda Donata 17.03.2013 | 21:11

Lieber ed2murrow,

nobody is perfekt ..  Sie wissen das vielleicht noch ..;-)?

Ich nenne es erst 'mal Mißtrauen ..okay?

Eine "Verschwörung" ist bei solchen nur möglich, welche zuvor einen Schwur geleistet haben .. auf was es auch gewesen sein möge, denn der Schwur allein verpflichtet zusammenzustehen in der einen Sache zur Verschwörung gegen etwas, das ist doch klar?

Lassen wir die Code-Namen und die Spielchen vor den Türchen und die vielen kleinen Notizen allerhand ..;-) innen .. Wort, Schwert und Gefühl ..

Gute Nacht

AD

ed2murrow 17.03.2013 | 21:33

Jeder, der die Frage "cui bono" stellt, behandle ich zunächst einmal mit ganz ganz spitzen Fingern, egal ob es sich dabei um einen Verteidiger in Strafsachen handelt oder den Eigentümer/Herausgeber/Chefredakteur einer Zeitung (letzterer meinte es sogar im Sinne eines cui prodest, aber die Feinheit würde hier zu weit führen). Denn in jedem Falle führt das, was in einem förmlichen Verfahren bestenfalls ein Indiz wäre (nämlich das Motiv des Vorteils), im publizistischen Kontext unweigerlich zu einem Fingerzeig "in eine ganz andere Richtung" - oftmals mit der Konsequenz, dass die Werthaltigkeit eines solchen Fingerzeiges mehr als zweifelhaft ist und ausschließlich vom ausgestreckten Zeigefinger selbst lebt. Ihre obigen Verlinkungen sprechen für sich. Auf  Bülow sind sogar die NachDenkSeiten hereingerasselt, vgl. http://www.nachdenkseiten.de/?p=2991 und Ken Jebsen .. nun, das ist eben Ken Jebsen und für mich keine Referenz für Wissensbasierung. Weil Sie "Mainz ist Mainz" auch noch zitieren: DenNarren gibt es nicht mehr, Furore macht dort nur noch der Saaldiener des Bundestages - Ken Jebsen steht dem Jürgen Dietz in Nichts nach. In rein gar Nichts.

Amanda Donata 17.03.2013 | 22:01

Mein Lieber,

der Schreiber Ihres Links ist Ihr persönlicher Altar .. ;-) .. ich hatte Spaß daran, einige - wie ich wohl bemerken darf - intelligente Anders-Redende zu Wort kommen zu lassen. Begehen Sie nicht wieder den rühmlichen Irrtum, das/Ihr "Selbstverständliche/s" (allgemein) für wahr zu halten oder besser, nehmen Sie sich und Ihre Eitelkeit in dieser Frage nicht selbst ganz so ernst ..

.. übrigens: Bornewitz hätte in Ihnen aufleuchten sollen, aber stattdessen gucken Sie auf das "Verfallsdatum" - verständlich und doch witzig zugleich ..;-)  ..         http://www.youtube.com/watch?v=k1-TrAvp_xs

 

Gute Nacht, Ihnen allen

AD    

 

Lieschen 17.03.2013 | 23:49

Cool, da schreibt einer ein paar Binsenweisheiten über eine bestimmte Sorte von Dummbeuteln, und mit ein zwei Ausnahmen fallen alle Kommentatoren über ihn her. Sogar der Mondlandungsklassiker ist dabei :D Kaum zu glauben, dass solche Deppen heute noch in freier Wildbahn unterwegs sind.

 

Ist das eigentlich repräsentativ für diese Community? Lassen sich daraus möglicherweise sogar erste Schlüsse über die Konsumenten von Medien bestimmter politischer Ausrichtungen ziehen? Ich würde eine Kiste Sekt wetten, dass die Kommentare unter demselben Beitrag, veröffentlicht in der Nationalzeitung (oder so) ganz ähnlich ausfallen würden.

 

Mit amüsierten Grüßen

Lieschen

Sönke Paulsen 18.03.2013 | 09:40

Sehr interessanter Beitrag, obwohl er mich ein wenig überfordert. Zu viele Aspekte, die ich am frühen morgen integrieren muss. Trotzdem richtig, dieses Thema hier auszuwalzen, weil es aktuell ist.

Leider fehlen die aktuellen Beispiele, die eher etwas mit dem Finanzkapitalismus zu tun hätte, als mit der Mondlandung oder dem Klimawandel.

Nehmen wir lieber mal Beispiele wie das Goldman-Sachs-Netzwerk oder die Bilderberger. Der wahre Kern an jeder Verschwörungstheorie ist doch, dass Macht sich gern intransparent in Hinterzimmern und elitären Zirkeln generiert. Diese Art der Macht scheint doch insgesamt schon recht fortgeschritten zu sein.

Wie gehen wir denn damit um?

drhwenk 18.03.2013 | 11:04

Die Wissenschaftler weisen darauf hin, dass aussser in de Mathematik so gut wie niemand "in der Praxis" wirklich alle Möglichkeiten in Bertacht zieht oder vollständindge Bewgründungen abgibt. Die wirklichen, orginalen "Skeptiker" bezweifeln doe Möglichkeit von Wahrheit überhauot,a also auch die recht derb positiv affirmatven Parktiken,  die der Autor geschoivckt den "Verschwörungsskeptikern" asl gegen die Verschwörimgstheoretiker zu verteidigendes Gut zuschreibt. SElbstverständlich denkt die Presse nicht im Traiuum daran zu behaupgfttem es ei alles wahr was ihr da auf den Schreibtisch falltert un dsie können da mit ihtren Ressourvcen herausbekommen ("Wir druckem wie sie lügen", jw slogan). Ds heisst suvch nicht, das die veröffenlichten Gesetzestexxte per Abstimmung jetzt nicht rechstgülzig sind,. Es wird halt dsa FEhlen echte r Bregründungen udn aRgeiemnnte kosntatiert. Im übrugen baut sich dr Aurir daeien recht großen Pappkameraden, den er krtisiert, zurecht.

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Ehemaliger Nutzer 18.03.2013 | 11:06

Obwohl es bei einigen Feinheiten hapert: super Artikel. Und die zahlreichen Kommentare, von denen viele Angriffe und Rechtfertigungen sind, zeigen nichts weiter, als dass der richtige Nerv getroffen wurde und dass solche Verschwörungsglauben und -ideologien auch im linken Lager verbreitet sind.

MagicGuitar 18.03.2013 | 15:22

Bittesehr? Ich wüsste nicht, dass dies ein geschützter Name wäre. Ergo darf sich jeder so nennen.

Professionelle Propaganda sähe wohl anders aus. Aber das ist halt mal wieder die typische Denke von Verschwörungstheoretikern. Sagt jemand etwas dagegen, dann wird er halt dafür bezahlt oder gehört selbst zur Verschwörung... Würde ich allerdings für "Die Welt" schreiben, so würde ich mich bestimmt dafür bezahlen lassen. 

Aber sagen Sie mir doch, wer mich dafür bezahlt. Wer bezahlt Sie denn? 

 

iDog 18.03.2013 | 15:25

Sie würden sicher viel Klarheit in ihre Tiraden bringen , wenn sie mal eine genauere Definition von : "normal rational denkenden Menschen" ( ihre Wortwahl) abgeben würden. Ich habe den Eindruck , dass sie sich nicht klarmachen, was es bedeutet mit solchen Begriffen zu hantieren. Also: was ist das: " normal rational denken" ? … und wer ist das: "normal rational denkender Mensch" ?  Wer legt diese Norm wie fest und wer bestimmt was rational ist ? Und relativ zu was , welcher angenommenen Realität ist diese Rationalität tatsächlich rational und wohlmöglich normal? machen sie es sich hier nicht etwas zu einfach ? Auch Glockenblumen sehen nur von sehr weit weg alle gleich aus. Der Mensch ist kein Industrieprodukt - noch nicht , mochten sie vielleicht bejammern.

 Noch dringender aber möchte ich von ihnen wissen was folgender Absatz bedeuten soll : 

 "Diese Phrase "selbst denken" ist auch ein Ettiket. Jeder normal denkende Mensch wird einsehen, dass jemand ohne fachliche Kompetenz beim "selbst denken" zu keinem großen Erkenntnisgewinn kommt und auf die Schnauze fällt, weil seine Schlussfolgerungen falsch sind. "

Ich denke mit der Aussage haben sich sich endgültig  als ein ernst zu nehmender Gesprächspartner disqualifiziert.  Sie wollen uns erzählen , dass der Mensch ohne Kompetenz  beim "selber denken" keine Ergebnisse erzielt , es also besser sein lassen sollte. Man lasse also besser denken … ja von wem denn nun ? Ich nehme an sie schlagen  bezüglich des Themas die Verschwörer als Vordenker selbst vor. Wer bliebe denn sonst , denn diese sind nun mal die einzig Kompetenten zum Thema. 

…  der Lacher, dass jeder "normal denkende Mensch" einsieht , dass er beim "selber denken" auf die Schnauze fallen wird, ist so herrlich paradox, dass sie ihn sicher, falls sie zur Seite der Gesellschaftskritiker gehören würden, als Satire verkaufen könnten … aber nur in dem Fall ... aber sie sind ja nicht Georg Schramm, nehme ich an, sondern halten diesen sicher auch für einen Verschwörungstheoretiker. 

… selten so gelacht … und was meinen sie, wie man Kompetenz erlangt ?  Ohne unser kompetenzloses "selber Denken" hingen sie wahrscheinlich noch mit den kopf nach unten an einem Baum.

GEBE 18.03.2013 | 15:42

Die Plattitüde:

"Jeder normal denkende Mensch wird einsehen, dass jemand ohne fachliche Kompetenz beim "selbst denken" zu keinem großen Erkenntnisgewinn kommt und auf die Schnauze fällt, weil seine Schlussfolgerungen falsch sind. "

ist in der Tat der Kracher schlechthin! Wie er wohl darauf wohl gekommen ist? Seiner eigenen 'These' nach kann es nicht durch eigenes Denken passiert sein.

Da waren schon die alten griechischen Philosophen weiter. Und so scheint sein Ansatz vordem zu liegen, so ungefähr auf dem geistigen Entwicklungsstand der Bronzezeit.

 

Was für ein Schmarrn!

MagicGuitar 18.03.2013 | 16:13

Wikipedia gibt eine hervorragende Definition des Begriffs "Rationalität". Dieser ist verknüpft mit Logik (siehe wieder Wikipedia, philosophische Disziplien) und Plausibilität und damit einhergehender Plausibilitätskontrolle (ebenfalls für Sie auf Wikipedia erklärt). Aber das lässt Sie natürlich kalt. Aber vielleicht interessiert es ja andere Leute.

"Selber denken" ist immer wünschenswert! Aber wenn ein Thema einfach zu komplex ist und Fachwissen erfordert, dann muss man auch seine Grenzen kennen bzw. erkennen, wenn man inkompetent ist (siehe Dunning-Kruger-Effekt, fällt vielen scheinbar sehr schwer, bzw. es kratzt ziemlich am Selbstwertgefühl dies auch mal zuzugeben). Wenn ich beispielsweise nicht über Fachwissen der Physik verfüge, bringt es nicht mir den Kopf über die Relativitätstheorie zu zerbrechen, da ich sie a) nicht verstehen könnte und b) zu keinem sinnvollen Ergebnis käme. Ebenso sähe es aus wenn ich anfangen würde über Kunst zu "philosophieren", weil ich davon einfach nichts verstehe. Da ich die Vernunft eines Menschen als gegeben betrachte (wie Kant), denke ich, dass jeder Mensch theoretisch in der Lage sein muss seine Inkompetenz zu erkennen.

MagicGuitar 18.03.2013 | 16:16

Genauso niedlich finde ich auch die "Klimaskeptiker", die zwar glauben die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben, aber von der komplexen Thematik der Klimatologie nicht den blassesten Schimmer haben und auch Fachbegriffe nicht erklären können. Meistens picken sie sich halt nur einzelne Aspekte heraus und verteufeln Computersimulationen (ohne sie wirklich zu verstehen).  Das wäre z.B. eine gute Gelegenheit für viele ihre Inkompetenz auch mal zuzugeben und nicht nur dummen Unsinn von sich zu geben. Nur mal als aktuelles Beispiel.

thinktankgirl 18.03.2013 | 16:31

Ich denke mit der Aussage haben sich sich endgültig  als ein ernst zu nehmender Gesprächspartner disqualifiziert.  Sie wollen uns erzählen , dass der Mensch ohne Kompetenz  beim "selber denken" keine Ergebnisse erzielt , es also besser sein lassen sollte.

Da fragt mensch sich, wie die Menschen es übergehaupt geschafft haben, auf den Mond zu fliegen.

Hört sich alles sehr Autoritätshörigkeit  und nach Huldigung eines Herrschaftswissen an.

Über die klägliche Ausführung des Themas Verschwörungstheorien an für sich, sag ich mal gar nix.

Und die Moderation empfiehlt diesen Artikel auch noch!

MagicGuitar 18.03.2013 | 16:41

Soll ich Ihnen sagen warum? Weil er scheinbar gut ist! Und den Nerv der Verschwörungstheoretiker trifft. 

Ich verbiete auch nirgendwo das denken. Sie legen mir Worte in den Mund oder verdrehen Sie. Um beim Beispiel Kunst zu bleiben: Ich mache nur den Mund zu Picasso auf, wenn ich mir vorher das notwendige Wissen angeeignet habe. Alles andere macht keinen Sinn. 

Letztlich ist man immer darauf angewiesen das Wissen anderer zu übernehmen, um dieses zu erweitern. Wenn Studenten nicht auf das Wissen der Professoren vertrauen würden oder Azubis auf das des Ausbilders, wo ständen wir dann heute? Hätten wir es je auf den Mond geschafft, wenn die Ingenieure sich nicht des Wissens anderer bedient hätten? Man muss das Rad nicht neu erfinden. 

Aber ehrlichgesagt ist es peinlich, wie einige scheinbar meinen das Rad wohl neu erfinden zu müssen, alles hinterfragen zu müssen (so wären wir auch nie auf den Mond gekommen), die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben und unbelehrbar darauf pochen keinerlei Kompetenz zu benötigen, um den Mund aufzumachen. Sowas sorgt auf Partys normalerweise für sehr peinliche Momente.

Richard 18.03.2013 | 16:42

Ursprung? Hintergrund? Erkennen? Aushebeln? Beim Lesen des Titels war ich sehr gespannt, wie fundiert dieser Beitrag ist. Hört sich ja nach einer gut recherchierten, wissenschaftlichen Betrachtung an. Doch was folgt?

Gleich im ersten Absatz wird erstmal gewertet. Was soll an einer Diskussion nervig sein? Erkenntnisgewinn funktioniert nur über Informationsaustausch, auch bei dieser Thematik. Die Frage „Wer kennt das nicht?“ impliziert auch noch, dass das jedem so gehen sollte. Im Folgenden wird dann mit den Formulierungen „Massenphänomen“ und „… prägen die Gesellschaft.“ herumgeworfen, was ich für schlicht falsch halte.

Vor allem, wenn man die folgenden beiden Absätze liest. Die Leugnung des Holocaust ist sicher kein Massenphänomen und schon gar nicht gesellschaftsprägend. Es ist geradezu erschreckend, wie hier die Alle-in-einen-Topf-Strategie so plump daher gereicht wird. Das wird auch nicht wahrer durch die Verwendung von „natürlich“ und „selbstverständlich“, es ist eine undifferenzierte Betrachtungsweise. Plump ist auch der Versuch des Autors, gleich alle mit in das Boot zu holen: „Wir alle wissen: …“.  Lustig ist es dann aber schon, wenn im nächsten Satz von „Wahngewissheit“ gesprochen wird. Einerseits wissen wir also alle, das andererseits die Verschwörungstheoretiker alles zu wissen glauben? Nun gut …

Der nun folgende Abschnitt „Ursprung einer Verschwörungstheorie“ hält weder, was die Überschrift verspricht, noch beantwortet er die vom Autor selbst aufgeworfenen Fragen. Betrachtet man historisch erforschte Verschwörungen (Sieben Schwestern, Galdio, Elsberg usw.), stand am Anfang der Verschwörungstheorie keine Guru oder oberparanoider „Begründer“, es waren Journalisten, Schriftsteller, Historiker und manchmal Kommissar Zufall. Auch Zweifel und Skepsis treiben Menschen dazu, sich mit bestimmten Thematiken besonders zu beschäftigen. Die wenigsten von ihnen sind oder waren dabei wahnhaft. Ich bestreite keineswegs, dass mit verschiedenen Themen Schindluder getrieben wird, um Geld zu verdienen. Doch auch hier wünschte ich mir eine genauere Analyse.

Im Übrigen leuchtet mir nicht ein, wie einerseits „…selbst studierte Wissenschaftler und sonst rational denkende Menschen.“ plötzlich an Verschwörungstheorien glauben und einige Zeilen später „Rationale und vernünftig denkende Menschen … solche Verschwörungstheorien leicht entlarven können.“. Es sind dann also nur noch die labilen und naiven Menschen, die an eine VT glauben? Oder wollte der Autor eher zum Ausdruck bringen, dass wenn man einer VT Glauben schenkt, man automatisch naiv und labil ist?  Mir erschließt sich das nicht, der Autor paart zu viele Widersprüche und eine Pauschalisierung, die an schlecht recherchierten Beispielen festgemacht wird.

Schön ist der Schlusssatz dieses Abschnitts „ An der ‚Wahrheit‘ sind sie dabei nicht wirklich interessiert.“ Wieso steht Wahrheit hier in An- und Abführung? …

 

Damit nicht genug, im Folgenden werden Verschwörungstheoretikern Intellekt und Kompetenz pauschal abgesprochen. Kurzum – wer an eine VT glaubt, ist dumm. Oben las ich noch etwas von „Massenphänomen“ und „gesellschaftsprägend“ … jetzt fehlt es den Massen an Intellekt. So langsam wird es entweder unverschämt oder einfach nur schlecht geschrieben.

Beim Lesen des nächsten Ansatzes (Terror-Management) kräuseln sich mir einfach nur die Nackenhaare. Die Betrachtungsweise ist einseitig und ebenfalls ganz schlecht recherchiert. Mittlerweile gibt es zum Terror-Management ganze Vorlesungen an Universitäten und unzählige Bücher (aus renommierten Verlagen, von guten Autoren).  Auch das Anlegen einer psychologischen Parallele zwischen 9/11, Holocaust-Leugnung und Klimawandel-Leugnung geschieht meines Erachtens viel zu oberflächlich (das ist sehr diplomatisch ausgedrückt!). Ich kenne unzählige Menschen, die nicht von der surprise-Theorie überzeugt sind, die eher zu mihop oder lihop tendieren. Ich kenne aber keinen (nicht einen einzigen!), der den Holocaust leugnet. Auch hat keiner einen Minderwertigkeitskomplex oder eine der sonstigen Diagnosen, die im Absatz „Es lässt sich also erkennen: …“ angeführt werden.

Der Schlussabschnitt liefert dann allerdings noch einmal einen interessanten Aspekt. Die Welt wird also komplizierter und wir verstehen die alltäglichen Dinge nicht mehr. Nun gut, wenn ich nun aber diese Dinge hinterfrage, nach Informationen suche, darüber nachdenke und ggf.  einen Verschwörungs-Verdacht äußere, bin ich Verschwörungstheoretiker, damit also naiv und labil, inkompetent und nicht intelligent, habe Minderwertigkeitskomplexe und gerate auch noch unter den Verdacht, ein Rechtspopulist zu sein. Also tue ich was … nicht mehr denken? Das kann nicht die Lösung sein.

Jetzt aber los zum Aushebeln der Verschwörungstheorien, na gut – nur „beinahe“ kann jede VT ausgehebelt werden. Ganz klar ist mir auch hier nicht, wieso oben noch von „Massenphänomen“ gesprochen wird und von der Komplexität der Welt, wenn doch jeder Laie mit logischem Denken beinahe jede VT aushebeln kann.  Ich hätte mir hier das eine oder andere Beispiel gewünscht, gerade im Bezug auf die „Erfahrungen“, die gemacht wurden. Doch der Autor spickt seinen Text jetzt mit „scheinbar“ und „meist“ (wo sind die rationalen Argumente?) und kreist eine Weile über dem Thema, um dann aber sofort wieder herunter zu stoßen und eine weitere Verallgemeinerung vorzunehmen.

Den ganzen geschwafelten Zwischenteil lasse ich mal außen vor. Die Wissenschaftsdiskussion ist müßig, hier reicht eine Stunde Recherche aus um fest zu stellen, dass es hier Automatismen gibt, die nicht unbedingt demokratiekonform sind (Zusatzstoffe, Pphthalate, E-Auto). Das gibt es auch in der Archäologie, in der Pharmaforschung und in vielen weiteren Bereichen. 

Auf eines muss ich dennoch eingehen, weil es mich aufregt. Der Absatz „Es wird daran appelliert …“ ist doch wirklich die Krönung. Oben heißt es noch, dass jeder rational denkende Mansch mit logischem Verstand beinahe jede VT aushebeln kann. Nun heißt es, dass aber eine gehörige Portion Fachwissen notwendig ist, um Quellen richtig zu verifizieren und deren Inhalt auch zu verstehen. Die einen, die also an keine VT glauben, die können das total easy klar machen, die anderen sind einfach zu blöd? Auch das erschließt sich mir nicht. Denken ist oke, aber nur in eine Richtung?

Zur Verschwörungsindustrie enthalte ich mich, obwohl eine genauere Betrachtung des genannten Beispiels „Freie Energie“ durchaus interessant sein könnte.

Geld gebe ich grundsätzlich nicht aus für Informationen.  Das Netz und Bibliotheken sind da sehr hilfreich.

Nach dem Lesen des letzten Absatzes würde ich auch dem Autor professionelle Hilfe  empfehlen. Nichts für ungut …

JR's China Blog 18.03.2013 | 16:57

Mich regen Menschen, die an für mich nicht nachvollziehbare Dinge glauben, nicht auf. Entscheidend ist für mich ein  - zugegebenermaßen subjektives - Kriterium: können sie ihre Mitmenschen mit ihrer Theorie auch in Ruhe lassen, wenn die finden, dass sie genug gehört haben? Und enthalten "VT-Ansichten" ungewöhnlich viel Ressentiment oder Hass, oder spielt das dabei gar nicht die Rolle?

Es wurde ja einige Male angemerkt: es gibt Verschwörungen, und es gibt mitunter auch Fälle, in denen das "VT-Etikett" gerne und schnell vergeben wird. Und auch ein zu bereitwilliger Glaube an das, was der Mainstream vorgibt, kann psychischer Labilität geschuldet sein.

Es kann passieren, dass selbst diejenigen, die keineswegs Unfug reden, obsessiv werden, wenn ihnen intensiv nicht zugehört wird. Und darum halte ich mich mit einer Pathologisierung von "VTlern" lieber zurück.

MagicGuitar 18.03.2013 | 17:26

Ich hätte nie gedacht, dass ein derart banales Thema mal so einen "Tumult" verursachen könnte. Viele haben wohl immer noch nicht bemerkt, dass der Artikel nicht an jeder Stelle wirklich ernst gemeint war. Da eingefleischte Verschwörungstheoretiker ohnehin niemals davon überzeugt werden können auch die Verschwörungstheorie mal zu hinterfragen, aber gebehtsmühlenartig wiederholen man solle "selbst denken" und "hinterfragen", ist das auch einfach gar nicht möglich. Aber mit solchen Widersprüchen haben solche Leute natürlich kein Problem. Ebenso sind Verschwörungstheoretiker selbst ker autoritätshörig und legen viel Wert darauf einzelne ausgesuchte Wissenschaflter zu zitieren.

Es war mehr ein Appell für "noch nicht Infizierte" sich nichts einlabern zu lassen und mit Quellen im Internet und "verkaufter Wahrheit" vorsichtig zu sein.

30sec 18.03.2013 | 17:32

Wenn ich einen Hut hätte, zöge ich ihn! Soviel Mühe, um einen oberflächlichen Tertianeraufsatz ins rechte Licht zu rücken!
Vielleicht könnten sie dem Blogautor auch noch den korrekten Gebrauch von "scheinbar" erklären?

Zudem hätte ich gern von MagicGuitar erfahren, was ein "Klimaskeptiker" sein mag.

Zur Zeit betrachte ich das Wetter von Tag zu Tag skeptischer.
Aber kurzfristiges Wetter hat ja mit langfristigem Klima nichts zu tun.

MagicGuitar 18.03.2013 | 17:38

Ja dann schlagen Sie doch einfach mal Wikipedia auf oder verwenden Sie Google. Warum werden immer Fragen aufgeworfen, auf die man keine Antwort haben will (scheinbar!)? 

Mit Sicherheit hat der Artikel Schwächen und es sollte nie ein wissenschaftlicher Aufsatz werden (zu dem Thema gibt es schließlich schon genügend). Abgesehen davon, dass dazu schon ganze Bücher geschrieben wurden. Wie können Sie erwarten, dass da ein einzelner Artikel das ganze Spektrum wiedergibt? 

Ich lasse mich ja auch gerne belehren. Aber nicht, wenn man mir die Worte im Mund verdreht oder sich absichtlich dumm stellt. Und ehrlichgesagt (und in diesem Punkt gebe ich Ihnen recht) war der einzige wirklich konstruktive Beitrag, der eine klare Kritik geäußert hat und nicht um den heißen Brei herumredet.

30sec 18.03.2013 | 18:45

Dann nehme ich an, dass der Begriff "Klimaskeptiker" ebenso irreführend und abwegig wie die notorische "Gesundheitsreform" ist. Gesundheit kann nicht reformiert werden und von Politikern schon gar nicht.
Und wie kann jemand gegenüber dem Klima skeptisch  sein? Es gibt eine Skepsis gegenüber Theorien, die Klimaentwicklung betreffend. Das ist unter Wissenschaftlern gang und gäbe und fällt nicht unter Verschwörungstheorie. Wenn Sie einer Denkrichtung den Vorzug geben und das fundiert belegen können, nur zu. Aber das wäre ein anderes Blogthema.

UnwiseNomad 18.03.2013 | 19:39

szpielverderberer!

Der Autor wusste noch mit Aristoteles, dass die Erde nicht flach, sondern rund ist, worauf ihm ein Kommentator entgegenhielt, sie sei ein Rotationsellipsoid und deshalb birnenförmig.

Es war Pythagoras, der aus ästhetischen Überlegungen die Kugelgestalt der Erde vermutete und Eratosthenes, der sich einen Beweis ausdachte, der ihm sogar die Messung des Erdumfangs erlaubte. Zwischendrin führte Aristoteles einige Indizien an, die die Kugelform nahelegen, die er teilweise von Platon übernahm.

In zunehmender Verfeinerung folgen diese Kugel, das Rotationsellipsoid (das die fliehkraftbedingte Ausbauchung des Äquators berücksichtigt) die Birnenform (die zusätzlich modelliert, dass u.a. die Landmassen ungleich verteilt sind und den Rotationskörper "Erde" verformen)  und schließlich das Geoid (per Definition die tatsächliche Gestalt der Erde und mit Satelliten immer besser meßbar) aufeinander.

Warum ich das so breit ausführe? Es sind solche Stille-Post-Spiele, die ab und an bei einigen Zeitgenossen zu haarsträubenden Theorien führen. Es gab und gibt 'Privatgelehrte', die aus z.B. der letztlich willkürlichen Bezeichnung eines Phänomens dessen Eigenschaften ableiten wollen, damit natürlich Unsinn produzieren und beim Establishment auf (verdiente) Ablehnung stossen.

Haben sie vorher Jünger gefunden, meist durch die Veröffentlichung eines "Sensationsbuchs", fühlen sie sich gern als Opfer einer Verschwörung. Sie sollten die Verschwörung besser bei ihren Eltern suchen, die offensichtlich nicht genug auf die Bildung ihres Nachwuchses geachtet haben.

Das war ein wenig ungerecht: es ist ein unbeschreibliches Gefühl, eine Entdeckung zu machen. Ich hatte es selbst schon und gönne es jedem. In 99,9% der Fälle findet man den Denkfehler nach einigen Stunden oder Tagen, lacht über sich selbst und geht etwas demütiger wieder an die Arbeit. Ich übrigens auch ...

Bei vielen "Aussenseitern" mag es just dieser kurze Augenblick der Selbstkritik (Ich habe Einstein widerlegt? Nicht sehr wahrscheinlich, oder?) sein, der ungenutzt verstreicht, weil man schon an Patentschutz und/oder Veröffentlichung arbeitet.

UnwiseNomad 18.03.2013 | 20:00

Das Thema als solches ist spannend genug, um ein wenig weiter darüber zu sprechen, finde ich.

Nur wenige Menschengenerationen waren in unserer misslichen Lage, nur einen verschwindenden Bruchteil ihrer (relevanten!) Umwelt mit eigenen Händen "begreifen" zu können. Im Großen haben sie solche weißen Flecken auf der Landkarte im Religiösen abgeladen (den weltlichen Teil, sozusagen - bitte keine weitere Religionsdiskussion), im Kleinen war es wurscht, ob Atlantis oder China nun existierten oder nicht.

Heute ist die Lage anders. Ich muss mich darauf verlassen, dass jemand auf dem Mond war, wenn man mir einen Stein unter die Nase hält, der angeblich von dort stammt.

Was viele Diskutanten vergessen: auch das letzte Fussball-Länderspiel können für die, die nicht im Stadion saßen, nur andere verbürgen. Es könnte ein Fake sein wie die Mondlandung. Vielleicht wird das Groteske der üblichen Verschwörungstheorien daran ein wenig deutlicher.

Ich selbst fühle mich mit "99,99%-Glauben-Müssen" pudelwohl, weil noch alles, was ich mir vertiefend angesehen habe, dem entsprach, was man mir vorher erzählt hat. Mancher hat dieses "Urvertrauen" vielleicht nie gehabt oder verloren. Auch das zu ergründen ist ein spannendes Thema!

Mir genügt der kleine, ein wenig holprige und missverständliche Aufsatz jedenfalls, um über solche Fragen nachzudenken. Es wäre schön, wenn das Herumgehacke aufhören könnte und dafür etwas "Fleisch" an die Sache käme.

Oberham 18.03.2013 | 20:18

Selbst als wissenschaftlicher Laie kann man beinahe jede Verschwörungstheorie durch logisches Denken und mithilfe rationaler Argumente leicht aushebeln:

Mir wär lieber man würde sein logisches Denken für andere Dinge verwenden, als sich damit zu beschäftigen Verschwörtungstheorien auszuhebeln.

 

Oder ist das eine Verschwörtungstheorie, behauptet man, die Gesellschaft rennt schnurstracks auf den Abgrund zu, doch keiner kann was daran ändern?

Also auf den Abgrund zurennen - find ich ist keine Verschwörungstheorie!

Das man nichts daran ändern kann - find ich ist eine Verschwörungstheorie, an die jeder gerne glaubt, der auf sein bequemes Leben nicht verzichten mag!

oldman 18.03.2013 | 21:00

Prioritäten setzen, jawoll! Eine Verschwörungstheorie ist die vom Geld, aber da viele daran glauben, wird sie in den Rang einer Wissenschaft erhoben. Alternativlos.BWLer hatten das schwierigste Studium zu absolvieren. Jedes Jahr waren andere Antworten richtig. Die Systemrelevanz der Banken ist gerad in Zypern zu bestaunen: Vor Donnerstag öffnet dort keine Bank ihre heiligen Hallen. Nicht das das Geld plötzlich verschwindet.
Merkel: "Es ist das Merkmal einer Garantie, dass sie gilt"
Und der liebe Gott garantiert eine schönes Leben nach dem Tod. Gott sei Dank!

thinktankgirl 18.03.2013 | 21:07

Was viele Diskutanten vergessen: auch das letzte Fussball-Länderspiel können für die, die nicht im Stadion saßen, nur andere verbürgen. Es könnte ein Fake sein wie die Mondlandung. Vielleicht wird das Groteske der üblichen Verschwörungstheorien daran ein wenig deutlicher.

Nee, das ist der falsche Ansatz. Die Verschwörungstheorien bzgl. des Fußballes sind, daß die Spieler gekauft sind und der Spielausgang von vornerein feststeht.  Ganz Aberwitzige behaupten, daß internationalen Banden damit einen Wettbetrug aufziehen.

UnwiseNomad 18.03.2013 | 21:18

Ich habe eine ganz simple Methode, mich dem Bann solcher Theorien zu entziehen: Mir geht Fussball dermassen am A. vorbei, das glaubst Du gar nicht!

Es sind aber nicht die Uninteressierten, die sich im Gewebe der dunklen Mächte verheddern. Und das ist schon merkwürdig: sie wollen etwas über "Physik, Politik, Whatnot" wissen, aber nicht mehr investieren als den kurzen Schluck aus der Pulle mit vorgekautem Brei, der offenbar hüben wie drüben gleich schmeckt. Das will mir nicht in die "Birne". Oder sagt man "Pille"? Ich hab's echt nicht mit Fussball ...

Superwoman 18.03.2013 | 22:45

*****;-)

das mit dem Urvertrauen gefällt mir! Genau das scheint ja vielen zu fehlen, denen es nicht genügt die Wundern der Natur zu sehen und sich lieber ein Elfchen auf jeder Blume dazu denken. Was das bringen soll, kann mir glaub ich keiner erklären.

Der Artikel ist nicht perfekt geschrieben (hab hier aber schon wesentlich schlechtere gesehen) und die Kritik wird immerhin vom Autor angenommen, statt dass er sich beleidigt zurück zieht. Dafür Dank. Mich hat er jedenfalls dazu inspiriert, mal ein bisschen weiter zu lesen darüber,  was so alles als VT durchgeht heute. Die bekannteren belächelte  ich bisher nur. Doch viele andere, die bei ein bisschen Recherche zu Tage traten, machten mir Angst! mir grauts immer, wenn auf den ersten Blick intelligente, rationale Menschen sich als Anhänger eines Irrglaubens entpuppen, der deshalb ein Irrglauben ist, weil es sich- wie hier treffend beschrieben wurde- entweder nicht beweisen lässt oder Tatsachen einfach geleugnet werden. Dazu hatte wieder der Unwise, aber no mad aufgegliedert UNWISENOMAD 17.03.2013 | 00:34 in die Sparten des Irrsinns.

Ein Arzt, der einen Gentest von Angela Merkel verlangt, da sie die Tochter Hitlers sein soll? Reichsflugscheiben mit Nazi-Energieantrieb? Ich wusste nicht, wie ernst Leute so was nehmen können! Wenn sie nur Geld verdienen wollen mit Isotonen-Fußbädern gegen Chemtrail-Gefahren, kann ich sie ja noch widerlich finden. Aber so etwas seriös diskutieren ist einfach nur traurig und lächerlich. und ich dachte, Dschungelcamp Fans seien das höchste der Gefühle, was den IQ der Masse betrifft!

Danke Magicguitar für die Anregung. ich werde leider nie mehr vergessen können, was Chemtrails sein sollen und wohin Menschen aus Angst vor Dingen flüchten können, die ihnen mit dem Mysterium offensichtlich auch den einfachen Genuss am Leben nehmen. Wenn die Wissenschaft, Logik und Rationalität nun mal Recht haben? Wenn es keine (setze ein.. Wiedergeburt, Weltrettung durch heilige Unterwäsche, übernatürliche Vaterfigur, zu entlarvende und damit besiegbare Machthaber...) gibt, ist das Leben dann langweiliger? Trauriger? Einsamer? Haben diese Vt-Anhänger Angst vor einer Wirklichkeit, die so viel banaler ist, als sie sich erträumen?

iDog 19.03.2013 | 00:17

"Wikipedia gibt eine hervorragende Definition des Begriffs "Rationalität". Dieser ist verknüpft mit Logik (siehe wieder Wikipedia, philosophische Disziplien) und Plausibilität und damit einhergehender Plausibilitätskontrolle (ebenfalls für Sie auf Wikipedia erklärt). Aber das lässt Sie natürlich kalt. "

Das lässt mich in sofern eben nicht kalt, denn ich habe ja nach ihrer Definition gefragt und nicht nach der von Wikipedia. 

Es ist auffallend wie wenig sie auf Fragen eingehen. Sicherheitshalber behaupten sie, man sei ja gar nicht auf ihren Artikel eingegangen : "Ich lasse mich ja auch gerne belehren. Aber nicht, wenn man mir die Worte im Mund verdreht oder sich absichtlich dumm stellt."  Seien sie versichert, dass sich hier niemand dumm stellt.

Sie aber haben es versäumt, die Leser ihres Artikels ernst zu nehmen. Ich zB. stelle ihnen ja die diversen Fragen nicht von ungefähr : "… was ist das: " normal rational denken" ? … und wer ist das: "normal rational denkender Mensch" ? Wer legt diese Norm wie fest und wer bestimmt was rational ist ? Und relativ zu was, welcher angenommenen Realität ist diese Rationalität tatsächlich rational und wohlmöglich normal? machen sie es sich hier nicht etwas zu einfach ?" Ich hätte gerne eine Antwort von ihnen. Denn Wikipedia ist nun auch nicht gerade die Wahrheit schlechthin, das Internet ist garantiert nicht die Realität und zu solchen persönlichen Fragen sollte man schon eine eignen Meinung haben, gerade wenn man sich auf  die "philosophische Disziplin" beziehen möchte. Was ich und vielleicht einige andere hier von ihnen erwarten, ist also die von ihnen  selbst angesprochene "Plausibilitätskontrolle" . Die möchte ich aber eben nicht bei Wikipedia nachlesen, sondern ich möchte sie gerne dazu anregen, dass sie die mal auf ihren Artikel anwenden. 

Meyko 19.03.2013 | 06:47

Ich finde Verschwörungstheorien witzig oder andere auch gefährlich. Jedenfalls ist wohl wissenschaftlich erwiesen, dass sogar unsere normale "Realität" zu einem großen Teil "selbstgebastelt" ist.

"Viele Sichtweisen auf oder in unsere Welt, haben sich nachweislich über all die Jahre im tagtäglichen Leben außerordentlich bewährt und sind ziemlich tief in unserem Wertesystem, im sogenannten limbischen System verankert. In der Neurowissenschaft wird das limbische System auch als "emotionales Machtzentrum im Gehirn“ bezeichnet.

Manchmal verhindert es leider auch neue Erkenntnisse oder Sichtweisen."

Hier gehts zum "Selbsttest!"

nospherato 19.03.2013 | 10:08

Der Artikel ist typisches Pseudo-Skeptiker-Geschwurbel, zum Vergleich kann man sich die Beiträge auf GWUP oder PSIRAM-Seiten ansehen. Dem eigenen Anspruch aus der Überschrift wird der Artikel nicht gerecht, wie Richard richtig bemerkt. Er trägt auch fatal dazu bei das der Begriff Verschwörungstheoretiker quasi als Schimpfwort gebraucht wird, um Andersdenkende mundtot zu  machen. Dies ist der Nährboden auf dem faschischtisches Gedankengut gedeiht. Man ersetze im Artikel VTler durch eine beliebige andere Gruppe, z.B. Moslems, Juden, Schwarze, Weiße, Ausländer,...

Die Esoterik-Schiene wird mal eben mit einbezogen, so als ob VT und Esoterik gleichzusetzen sind.

Andersdenkende werden pauschal als psychisch krank bezeichnet. Den Nachweis woher er diese Erkenntnisse hat, bleibt der Autor schuldig.

Letztlich bietet der Artikel höchtens einen Einblick in das Menschen- und Weltbild des Autors, von Offenheit und Toleranz gegenüber Andersdenkenden keine Spur. Wer es nötig hat, andere abzuwerten...

 

 

Mei Nung 19.03.2013 | 15:53

Nicht nur unsere normale "Realität" ist zum großen Teil allein schon deshalb "selbstgebastelt", weil sie auf Simulationen unseres Denkapparats beruht, sogar die gsamte Geschichtsschreibung ist ein einziges Konglomerat von Fakten, Hypothesen und Theorien. Goethe sagt sogar: "Jede Tatsache ist schon Theorie." Und der Philosoph Popper meint: "Es gibt keine objektive Wahrheit in der Geschichtsschreibung... es kann nur historische Interpretationen geben, und von diesen ist keine endgültig."

Wenn also schon die offizielle Geschichtsschreibung  und Geschichtsbetrachtung höchst subjektiv ist, die sich einer "objektiven Realität"nur mühsam  unter Vorbehalt annähern kann , wie anzweifelbar ist dann eine Methode, die bereits den Grundcharakter einer Theorie ins Gegenteil verkehrt? Eine Theorie ist eine vom Einzelnen aufs Ganze schließende beschreibende, abstrakte Verallgemeinerung der Realität, um Zusammenhänge zu verdeutlichen, eine Verschwörungstheorie dagegen verallgemeinert eine konkrete Behauptung und passt sie dann an die "Realität" an, immunisiert die Theorie geradezu gegen die Realität, was zwangsläufig zu Vereinfachungen und Verdrehungen dieser "Realität" führt. Diese Vereinfachungen sind es aber letzten Endes auch, die Verschwörungstheorien so attraktiv machen.

Das Fürchterlichste an Verschwörungstheorien ist aber , dass sie bis heute selbst auf unheilvolle Art und Weise Geschichte geschrieben haben.

iDog 19.03.2013 | 16:12

Ich kann ihnen soweit zustimmen , nur am Ende wird es etwas vage: 

"Das Fürchterlichste an Verschwörungstheorien ist aber , dass sie bis heute selbst auf unheilvolle Art und Weise Geschichte geschrieben haben.

Ich denke damit wären sie in sofern mit den Verschwörungen selber mindestens gleichauf (wobei es nicht sicher ist , ob es weniger geschichtsrelevante Verschwörungstheorien , also rein idologiesch bedingte Tragödien, gab als echte Verschwörungen) . Jetzt fragt sich, ob die echten Verschwörungen , welche auf nicht weniger unheilvolle Art und Weise Geschichte geschrieben haben, schlimmer sind als die Theorien zu diesen oder bzw. schlimmer als die Theorien zu den gar nicht existenten. 

merdeister 19.03.2013 | 21:14

Hallo Magicguitar,

beim überfliegen der Kommentar habe ich gesehen, dass der Punkt schon angesprochen wurde, falls ich Dinge wiederhole, bitte ich um Entschuldigung.

Um einer Verschwörungstheorie anzuhängen muss man weder Opfer des Dunning Kruger Effekts ("Dumm") noch psychisch Krank sein. Beides kann helfen, muss es aber nicht. Was man im Grunde alleine benötigt, ist eine falsche Grundannahme. Wie zum Beispiel "Das sind keine Kondensstreifen, das sind Chemtrails". Diese kann zum Beispiel durch die eigene Erfahrung ("Wenn die Dinger da oben sind, geht es mir schlecht") und Aussagen anderer ("Mir auch") verfestigt werden. Gegen diese Erfahrungen ist das anbringen abstrakter wissenschaftliche Fakten (meist) fruchtlos.

Nimmt eine Person diese Chemtrails als Phänomen als wahr an, folgen daraus Fragen: Warum wird das gemacht? Warum macht niemand etwas dagegen? Warum regt das so wenige Menschen auf?

Wenn die Mehrheit der Gesellschaft das Gegenteil von dem behauptet, was man selber annimmt und man selber davon ausgeht, dass davon eine Gefahr ausgeht, muss man entweder zugegeben sich zu irren oder von einer Verschwörungstheorie ausgehen. Die Verschwörungstheorie kann der logische Schritt aus einer falschen Grundannahme sein und ist im Grunde eine sehr gesunde Reaktion ;)

UnwiseNomad 19.03.2013 | 21:55

Du hast einen sehr wichtigen Punkt in die Diskussion gebracht:

Während es den meisten Menschen recht leicht fällt, sich und anderen sachliche Irrtümer einzugestehen ("Ich hätte schwören können, dass wir noch Bier im Keller haben."), ist es nahezu aussichtslos, jemanden von einer "falschen" Wahrnehmung abzubringen ("Erzähl mir nichts, ich habe den Bierkasten vor meiner Nase!").

Erst wenn der Satz fällt: "Die sind alle leer. Onkel Franz hat nur die Angewohnheit, die Kronkorken zurück auf die leeren Flaschen zu drücken." böte sich eine Chance, zwischen den beiden Reaktionsmustern umzuschalten.

Das nicht zu können - da bin ich anderer Meinung als Du - und der eigenen Wahrnehmung so stark zu vertrauen, dass sich der einfache Versuch, eine Flasche genauer anzuschauen "erübrigt", ist Ausweis mangelnder Intelligenz im Sinne von "in ungewohnten Situationen sinnvoll handeln können".

MagicGuitar 19.03.2013 | 22:18

Beides ist aber normalerweise der Fall, da die meisten Verschwörungstheorien unplausibel sind und somit logisch ausgehebelt werden können oder wissenschaftlich widerlegt werden können. Das Grundmerkmal ist ja, dass keine andere Erklärung zugelassen wird, sondern alle Verschwörungstheorien immer auf der Annahme beruhen es müsse sich um eine Verschwörung handeln. Und jeder der eine andere Erklärung liefert ist selbstverständlich auch ein Verschwörer.

Um also dieses Gedankengebäude aufrecht erhalten zu können, muss man psychisch schon angeschlagen sein bzw. große Angst davor haben (Terror-Management-Theorie). Und da man davon ausgeht etwas zu wissen, was alle anderen aber nicht wissen, muss die Meinung von Experten natürlich heruntergespielt werden, womit wir wieder beim Dunning-Kruger-Effekt sind.

Dieser bedeutet übrigens nicht, dass man dumm ist (das war einfach nur ein Vergleich mit einer Volksweisheit), sondern die eigene Inkompetenz nicht erkennt. Das kann auch Studierten Doktoren passieren, die sich vom Hausmeister nicht erklären lassen wollen, wie die Heizung zu bedienen sei, sie wissen es als Doktor Ingenieur irgendwas natürlich besser.

Mei Nung 20.03.2013 | 17:10

Sie haben Recht, der letzte Satz war ungenau.

Was ich meinte, sind z.B. die "Protokolle der Weisen von Zion", eine nachgewiesene Fälschung, von deren Echtheit Hitler allerdings felsenfest überzeugt war und die für mich identisch sind mit einer (jüdischen Welt-)Verschwörungstheorie; darüber hinaus bezog ich mich u.a. auf  die endlosen   Verleumdungen im "christlichen Mittelalter"gegenüber den Juden als Brunnenvergifter, Kinds-und Christusmörder. Man kann jetzt darüber streiten, ob all diese Verleumdungen bereits Verschwörungstheorien waren. Aber gerade bei all den Behauptungen gegenüber dem Judentum, die in der Regel aufgrund einer unterstellten "Weltverschwörung" in der gesamten Geschichte bis heute immer wieder aufflackern, fällt auf, wie weit tatsächliche Verschwörung in der Realität von behaupteter Verschwörung in der Theorie himmelweit auseinanderklafften und bis heute auseinanderklaffen.

Das oft übersehene Phänomen gerade bei den "Protokollen der Weisen von Zion", die maßgeblich mit zur Legimitation der NS-Ideologie beitrugen, ist außerdem, dass Hitler di e den  darin dem Judentum unterstellten Absichten und Organisationsformen unbewusst als Handlungsanleitung für sein eigenes Regime übernahm, daher versuchte man schon in den 30er Jahren Hitler als Schüler der "Weisen von Zion" darzustellen.

Das Unheilvolle an Verschwörungstheorien zeigt sich daher bei den "Protokollen" besonders deutlich : Die "Protokolle" entwickelten eine Eigendynamik allein dadurch, dass diejenigen, die an sie glaubten,  mit der Absicht, dem vermeintlichen "Gegner "zuvorzukommen,genau das in die Tat umsetzten, was darin den Juden als vorgebliche Absicht unterstellt wurde:

Und so verschiebt sich blitzschnell die Wahrnehmung: Man unterstellt eine Verschwörung, und bildet im selben Moment selbst eine. Was nicht immer gleich katastrophal enden muss, z.B. im Wohnzimmer oder am Stammtisch: Wie unheilvoll VT wirken, hängt eben auch vom historischen Kontext ab, vom Organisationsgrad derjenigen, die an sie glauben, und von den politischen Absichten derjenigen, die an sie glauben.

Und nicht alles, was wie Verschwörungstheorie aussieht, ist auch eine. Deshalb sollte man genau unterscheiden: Betreibt hier einer VT, Geschichtsklitterung, Manipulation, Populismus, Agitation, Propaganda, kritische Analyse oder Enthüllungsjournalismus? Wir sind alle anfällig, verführbar, manipulierbar!  Hilfreich kann es sein, als Kompass für die Differenzierungsfähigkeit, auf die Sprache des angeblichen Verschwörungstheoretikers zu achten, auch auf unsere eigene:

"Die Idee sitzt gleichsam als Brille auf unsrer Nase, und was wir ansehen, sehen wir durch sie. Wir kommen gar nicht auf den Gedanken, sie abzunehmen. " (Ludwig Wittgenstein)

 

Gold Star For Robot Boy 22.03.2013 | 01:03

"We must speak the truth about terror. Let us never tolerate outrageous conspiracy theories concerning the attacks of September 11th - malicious lies that attempt to shift blame away from the terrorists themselves, away from the guilty." (George W.Bush,2001)

"This trend of opinion is a matter of concern to the U.S. government, including our organization. The members of the Warren Commission were naturally chosen for their integrity, experience and prominence. They represented both major parties, and they and their staff were deliberately drawn from all sections of the country. Just because of the standing of the Commissioners, efforts to impugn their rectitude and wisdom tend to cast doubt on the whole leadership of American society. Moreover, there seems to be an increasing tendency to hint that President Johnson himself, as the one person who might be said to have benefited, was in some way responsible for the assassination. Innuendo of such seriousness affects not only the individual concerned, but also the whole reputation of the American government. Our organization itself is directly involved: among other facts, we contributed information to the investigation. Conspiracy theories have frequently thrown suspicion on our organization, for example by falsely alleging that Lee Harvey Oswald worked for us. The aim of this dispatch is to provide material countering and discrediting the claims of the conspiracy theorists, so as to inhibit the circulation of such claims in other countries." (CIA Document #1035-960,1967)

"Cass Sunstein has long been one of Barack Obama’s closest confidants. Often mentioned as a likely Obama nominee to the Supreme Court, Sunstein is currently Obama’s head of the Office of Information and Regulatory Affairs where, among other things, he is responsible for “overseeing policies relating to privacy, information quality, and statistical programs.” In 2008, while at Harvard Law School, Sunstein co-wrote a truly pernicious paper proposing that the U.S. Government employ teams of covert agents and pseudo-”independent” advocates to “cognitively infiltrate” online groups and websites — as well as other activist groups — which advocate views that Sunstein deems “false conspiracy theories” about the Government. This would be designed to increase citizens’ faith in government officials and undermine the credibility of conspiracists." (Salon 2010)

11. September 2001

miauxx 22.03.2013 | 17:19

Auf die Gefahr von Redundanz hin - habe erstmal nur einige Kommentare angelesen -, möchte ich mitteilen, dass mich am Artikel die allzu einfache Grenzziehung zwischen "Verschwörungstheorie" und eben "Wahrheit" sowie die angehängte Diagnose, man habe es bei "Verschwörungstheoretikern" mit "psychisch Gestörten" zu tun,    stört. Ich möchte doch arg bezweifeln, dass uns allein mit etwas "Logik", wie Magicguitar behauptet, in jedem Falle aufgehen muss, was Wahrheit und was Spinnerei ist. Der Autor gibt es im Text ja selbst zu: Man kann sich gar nicht so sehr auskennen. Entweder muss man vom Fach sein oder, gerade wenn es sich um politische Zusammenhänge handelt, viel Einblick in und Kenntnis von gewissen Personenkreisen, Machtzirkeln etc. haben.

Es ist zwar, wie es Magicguitar tut, relativ leicht, die Argumente von "Verschwörungstheoretikern" an diese zurückzugeben und anhand ihrer Reaktionen zu entlarven, was auch häufig gelingen wird. Nur negiert der Artikel völlig eine Berechtigung des umgekehrten Weges. Das bedeutet, dass Magicguitar jede Anzweiflung von Ergebnissen oder Verlautbarungen autorisierter Stellen, seien es öffentliche wissenschaftliche Einrichtungen oder Personen oder die Politik,  zunächst in die Ecke des Wahnhaften stellt. Es ist mithin, wie es Unwisenomad oben schon sagt, nicht geklärt, was denn nun wirklich eine "Verschwörungstheorie" ist, bzw. wo eben exakt die Grenze zur "Wahrheit" zu ziehen wäre. Und das ist, wie gesagt, eben gar nicht immer so einfach möglich. Was, z.B., hat denn so viele zweifeln lassen, dass die USA und GB vor zehn Jahren stichhaltige Beweise für Arsenale von Massenvernichtungswaffen im Irak hatten, die dieser am Ende offenbar ja tatsächlich nicht hatte? Reiner Antiamerikanismus, der natürlich behaupten musste, Powell lüge vor dem UN-Sicherheitsrat, um einen Feldzug zu legitimieren, der schon mit der "Lüge" von 9/11 angefangen habe? Am Ende ging es nun ja wirklich nicht um Missiles im Irak; der Einfall sollte tatsächlich mit einer großen Lüge weiteren Zuspruch finden. Es mag stark in die Richtung einer Verschwörungstheorie gehen, wenn man nun eine große Linie zu 9/11 oder anderen Ereignissen zöge und behauptete, die USA hätten eine große Show abgezogen, um in der islamischen Welt "aufzuräumen". Nun aber gibt es Strategiepapiere der sogen. 'Neocons', welche sich sehr eindeutig zur Rolle der USA in verschiedenen Weltregionen, darunter der Nahe Osten, nach dem Ende des Kalten Krieges äußern ... Wir sehen also, wie schwer es tatsächlich ist, hier die "Wahrheit" zu entdecken. Hüten sollte man sich freilich vor sich allzu geschmeidig fügenden vermeintlichen Zusammenhängen! Nur sehen wir halt auch, dass die größte Sauerei immer möglich ist und auch begangen wird - weshalb nicht jede Vermutung in eine unwahrscheinlich anmutende Richtung gleich das Produkt psychisch Verirrter sein muss.

Über die Genese der "Verschwörungstheorie" klärt uns der Artikel, entgegen seinem Titelversprechen, somit ebensowenig auf. Einfach nur von "Verrückten" mit allenfalls Halbwissen zu sprechen, ist höchstens die halbe Wahrheit und eben eine grobe Vereinfachung. Ihren Anfang nimmt die "Verschwörungstheorie" wohl zu einem Gutteil (nicht in jedem Falle) auch im, wie wir gesehen haben, berechtigten Mißtrauen gegenüber autorisierten oder offiziellen Stellen und Personen. Und das ist etwas, was nicht aufgegeben werden darf. Blöde wird es dann, ohne Frage, wenn man sich allzu leichten Analogieschlüssen hingibt. Der Artikel Magicguitars dagegen redet dagegen tendenziell (!) einer gewissen Obrigkeitshörigkeit das Wort.

miauxx 23.03.2013 | 00:10

"(...) von deren Echtheit Hitler allerdings felsenfest überzeugt war (...)"

Das mag sein ... auf jeden Fall passten die "Protokolle" hervorragend in die politische Doktrin der Nazis. Man muss ja auch sehen, dass Verschwörungstheorien nicht allein "von unten" oder von Personen, die irgendwie endlich mal erhört werden wollen oder aus psychischer Verirrung, wie uns Magicguitar glauben machen will, lanciert werden, sondern auch mit ganz klarem und perfiden Kalkül. Und sei es eben, um Macht zu sichern und/oder politische Ziele zu erreichen. Der Zweck heiligt die Mittel. Und dass man einfach davor gefeit sei, wenn man noch halbwegs bei Verstand sei, wie der Autor hier behauptet ... ist schon eine mehr als kühne Behauptung. Die Geschichte lehrt uns jdf. anderes.

"Das Unheilvolle an Verschwörungstheorien zeigt sich daher bei den "Protokollen" besonders deutlich : Die "Protokolle" entwickelten eine Eigendynamik allein dadurch, dass diejenigen, die an sie glaubten,  mit der Absicht, dem vermeintlichen "Gegner "zuvorzukommen,genau das in die Tat umsetzten, was darin den Juden als vorgebliche Absicht unterstellt wurde:"

Wenn man so will, beginnen die vermeintlichen "Verschwörungen" der Juden ja bereits damit, dass sie Jesus ans Messer geliefert hätten. Ohne diese Verschwörungstheorie kein Christentum.
Und was die Eigendynamik von Verschwörungstheorien angeht: Umberto Eco hat sich ja literarisch damit sehr pointiert auseinandergesetzt. Etwa in "Das Foucaultsche Pendel" und zuletzt, bezüglich der "Protokolle", in "Der Friedhof in Prag". Das nur mal so als Tipp, wenn nicht schon bekannt. :-)

tlacuache 23.03.2013 | 03:58

Es ist schon ein Kreuz:

Da, und da, man sehe sogar einen Grünenpolitiker, und da und da (nicht mehr das frischeste, aber scheinbar brandaktuell.

Man könnt jetzt noch den Rumsfeld auspacken (..."Rumsfeld war in dieser Zeit auch Sondergesandter der USA im Irak, während der er Saddam Hussein persönlich traf"...)

um sich hinterher an dem Impfstoff bei der US - Army reichzumachen, als Verteidigungsminister wohlgemerkt, vorher war er bei der Firma die den Stoff später verkloppt hat, UPPS, der Eintrag ist in Wiki gelöscht, ach so, nur Paranoia...

Wei o Wei

Mei Nung 23.03.2013 | 15:23

Wie felsenfest Hitler an die "Protokolle" geglaubt hat, belegt er mit seinen eigenen Worten in "Mein Kampf": "Wie sehr das ganze Dasein dieses Volkes auf einer fortlaufenden Lüge beruht, wird in unvergleichlicher Art in den von den Juden so unendlich gehassten "Protokollen..." gezeigt. Sie sollen auf einer Fälschung beruhen, stöhnt immer wieder die "Frankfurter Zeitung" in die Welt hinaus: der beste Beweis dafür, dass sie echt sind."      Ecos Bücher sind mir im übrigen bekannt . Bin Ihnen aber dankbar für den Hinweis, denn Eco liefert mit seinem  psychologischem Roman "Das Foucaultsche Pendel" gleichzeitig eine geniale Definition für das wesentliche Merkmal von Verschwörungstheorien: Das Pendel zeigt die Drehbewegung unseres Planeten; das einzige, was dabei nicht rotiert, ist der feststehende Aufhängepunkt des Pendels selbst. Eco geht in seinem Roman auf diesen Umstand ein , indem er darauf hinweist, dass jeder beliebige Punkt der Erde der "einzig feststehende" werden kann. Damit hat er die entscheidenden Grundbedingungen von Verschwörungstheorien formuliert:

Sie legen willkürlich fest, von wo aus die "Zentralsteuerung" unserer Welt betrieben wird, man sieht doch, "worum sich alles dreht", "die Fakten sprechen für sich".

Man hat Ecos Roman u.a.als Satire auf Dan Browns "Da Vinci Code" interpretiert bzw auf die gesamte Esoterikliteratur.

Dan Brown hat sich übrigens u.a. mit den Illuminaten befasst, denen man ja auch immer wieder verschwörerische Geheimbündelei unterstellt, was deren eigentlichen Absichten diametral widerspricht, denn sie waren ein bayrischer Freimaurerorden, der sich der Aufklärung verpflichtet fühlte ( Mitglied war u.a. Freiherr von Knigge, Goethe sympathisierte mit ihnen.)

Es ist allerdings nicht immer leicht, sich der Verführungskunst von Verschwörungstheorien zu entziehen , je nachdem, in welchem politischem "Lager" man sich befindet, es gibt ja rechte und linke Verschwörungstheorien. So geben mächtige Institutionen und Gruppen durch ihre Abschottungstendenzen und ihre Politik ( siehe USA, Mafia, katholische Kirche) immer wieder Anlass zu neuen VT.

Ich komme auch in einem Fall immer wieder ins Grübeln, und zwar beim Kennedy-Attentat. Ich frage mich: Was wird uns verschwiegen? Es ist doch ganz offensichtlich, dass...etc. Und dann kommt eine VT daher, und gibt  eine (scheinbar)klare Antwort. Das ist schön, das beruhigt. (Nur mich nicht!)

Wobei wir bei den Ursachen von Verschwörungstheorien wären. Dazu schrieb Robert Anton Wilson:

"Meiner Erfahrung nach denken beinahe alle Menschen, dass ein anderer für die jeweiligen Probleme zu tadeln sei. Wenn es nicht die Juden, die Katholiken oder die internationalen Bankiers sind, so hält man sich an die Freimaurer, an die Ökologen oder an lokale öffentliche Einrichtungen. Kinder beschuldigen ihre Eltern, Eltern ihre Kinder. In einem gewissen Sinne sind all diese Verschwörungs-Theorien selbstberuhigend, indem sie die Probleme auf einen "Feind" projizieren, der gehasst und angeklagt werden kann....Wir können nur dann geistig gesund und verantwortungsbewusst sein, wenn wir aufhören, das Starke ( der große Vater oder Gott) oder den Schuldigen (der Teufel) außerhalb von uns selbst zu suchen. Gott und der Teufel sind Wirklichkeit, aber sie sind in uns." Gutes Beispiel: Dick und Doof machen mal wieder alles kaputt, danach wendet sich Hardy an Laurel und sagt: "Nun schau, was du mir angetan hast!"

 

 

iDog 23.03.2013 | 17:15

"Ich komme auch in einem Fall immer wieder ins Grübeln, und zwar beim Kennedy-Attentat. Ich frage mich: Was wird uns verschwiegen? "

Es wird uns nichts verschwiegen : Kennedy hatte angekündigt das Gesetzt , das dem Konsortium von Privatbanken, welches heute noch die FED bildet, seit 1913 das Recht einräumt die Währung Dollar zu erzeugen, zurücknehmen zu wollen zugunsten einer Reetabliereung der staatlichen Geldschöpfung und -kontrolle. 

Nun könnte man sagen : das ist ja eine Verschörungstheorie, dazu noch eine nicht beweisbare, wenn man nun behaupten wollte, diese Banker hätten Kennedy aus dem Weg räumen lassen. 

Natürlich bleibt es bis zum bekanntwerden der Sachverhalte eine Theorie. Aber sie bezieht sich zumindest auf einen sehr realen Aspekt der Wirklichkeit : wenn es nicht der pure Zufall war , dann hatten diese Banker als einzige eine direkten Nutzen aus Kennedys tot. Kriminalistsich betrachtet ist die Theorie dieser Verdächtigung also Motivgestütz. Anderer Nutznießer durch diese Attentat sind nicht bekannt. Und in der Politik geschieht nach Winston Churchill nie etwas aus Zufall. 

miauxx 23.03.2013 | 18:54

"Man hat Ecos Roman u.a.als Satire auf Dan Browns "Da Vinci Code" interpretiert bzw auf die gesamte Esoterikliteratur."

Ecos Roman ist aber älter als der Browns. Trotzdem stimmt es, dass Eco gerade diese Lust am Schauer, den Voyeurismus, ins Innere von Geheimgesellschaften, die "in Wahrheit" unsere Welt lenken, zu schauen, sowie das Sich-Hingeben-Wollen an Verschwörungstheorien, karikiert.


"Es ist allerdings nicht immer leicht, sich der Verführungskunst von Verschwörungstheorien zu entziehen (...)"

Eben - und das ist auch ganz natürlich. Nicht zu vergessen aber auch, dass die Qualifizierung "Verschwörungstheorie" auch schnell als Abkanzelung mißliebiger Theorien und Vermutungen bei der Hand ist. Siehe auch Idogs Kommentar.

Danke für Ihre Einlassungen!

Mei Nung 24.03.2013 | 05:07

Es gab noch jede Menge andere mögliche  Motive (oder VT?), Kennedy zu beseitigen ( siehe die Kampagnen von Robert Kennedy gegen die Mafia, die Rolle seines Vaters während der Prohibitionszeit , Oswalds Attentat angeblich von Kuba aus gesteuert etc), aber das möchte ich mal dahingestellt sein lassen. Mein Satz:" Ich frage mich: Was wird uns verschwiegen?" war nur eine rhetorische Formulierung, sie hätte auch lauten können:" Wer steckt wirklich dahinter?" oder." War wirklich Oswald der Alleintäter?" etc.   Im übrigen: Ihre Herleitung klingt durchaus plausibel, bleibt aber dennoch willkürlich. Denn die Fragestellung. "Cui bono?" führt nicht automatisch zum "Who donit?" Da gibt es auch ein historisches Beispiel, den Reichstagsbrand 1933, den die Nazis kaltblütig zur Durchsetzung ihrer Politik genutzt haben; dennoch ist es bis heute nicht eindeutig erwiesen, ob sie den Reichstag auch wirklich selbst angesteckt haben.

Von handfesten Interessen führt leider nicht unbedingt eine gerade Linie zu einem Ereignis. Die Wirklichkeit ist komplexer.

Selbst der Begriff "Verschwörung " ist es. Die VT reduziert den Begriff aber leider nur auf einen negativen Kontext und verzerrt allein dadurch schon die Realität: Was ist z.B. mit der Verschwörung vom 20.Juli 1944?

 

iDog 24.03.2013 | 12:14

tut mir leid , aber das ist keine Gegenüberstelleung.  

Die Politik ist menschgemacht, das Universum ist vielleicht selbat ein Zufall. Das Menschengemachte ist aus mindestens einem Blickwinkel immer erklärbar, das Universum ist in dem Sinne nicht erklärbar. Ich nehme an, Napoleon wollte sich nur mit einem bon mot aus er Verantwortung stehlen und Churchill war zumindest in dem Punkt ehrlicher. 

Mei Nung 24.03.2013 | 14:01

Ich könnte jetzt auch einiges zu Churchill sagen , aber ich finde es ein bisschen simpel,  ein Zitat durch ein Werturteil über die zitierte Person inhaltlich zu entkräften. Dann könnte man ja auch die amerikanische Menschenrechtserklärung allein deshalb diskreditieren, weil ihr maßgeblicher Autor, Thomas Jefferson, als typischer Plantagenbesitzer seiner Generation Sklaven hielt.

Im übrigen widersprechen Sie sich selbst: Sie sagen, dass das Universum womöglich zufällig entstanden ist. Wenn das so ist, dann ist der Mensch auch Zufall - und somit auch seine Politik.

Zum Thema "Zufall" ein historisches Beispiel ( ein bisschen auch mit Augenzwinkern, bevor wir uns hier in Klein-Klein-Vorwürfen verkrampfen): Martin Luther hatte sich ja aus Todesangst während eines aufkommenden Gewitters dazu entschlossen, Mönch zu werden. Nun meine Frage: Wie wäre die deutsche Geschichte verlaufen, wenn damals schönes Wetter gewesen wäre? Geschichte und Klima- übrigens ein weiteres interessantes  Kapitel für sich.

herrbecker 26.03.2013 | 22:19

Erstaunlich, aus welchen unfruchtbaren Anlagen sprießende Gärten entstehen können. Nichts gegen den Autor - aber, liebe magicguitar:

Entweder ein Text/Gedanke/Theorieansatz ist so plausibel und durchdacht, dass ich ihn veröffentlichen möchte, oder er ist es nicht und dann lasse ich es bleiben.

Sich später damit zu rechtfertigen, dass man "es ja nicht so genau gemeint habe", lasse ich nicht mal meinen Neuntklässlern durchgehen - kleiner Seitenhieb, der sein musste... .

Zu VT und so weiter:

Nachdem Shea/Wilston und Eco als Namen schon gedroppt wurden, bleibt doch vor allem eine grundsätzliche Fragestellung übrig - jenseits aller gelehrigen Spitzfindigkeit und allem postmodernen Sarkasmus:

Sind VTs ein Konvolut der Langeweile - ein intellektuelles Glasperlenspiel, ein "Waswärewenn..." für Fortgeschrittene und bösartige Müßiggänger, eventuell mit zusätzlichen finanziellen Interessen an der Grenze zu Betrug und Nepp?

Oder steckt dahinter doch mehr?

Was könnte denn dahinter stecken?

Eine kleine Gruppe grauer Eminenzen, die einen Großteil der weltweit verfügbaren Ressourcen unter ihrer Kontrolle haben, um damit ein sinistres Spiel zu spielen?

Hallo? Schon mal den Fernseher in den letzten fünf Jahren angemacht? Nachrichten geguckt? Zeitung gelesen?

Für den großen, bösen bullshit, der tagtäglich vor unserer persönlichen Nase abläuft, brauche ich keine VT. Ich brauche dafür fünfzig Jahre Abstand und ein Historisches Institut. Ansonsten ist die Alternative politische Praxis, echte Basisarbeit, wirkliches Leben!

Natürlich wollen simpel gestrickte Menschen gerne ein simpel gestricktes Weltbild. Wenn die Welt aber nicht simpel ist (ich gehe davon aus, dass die Welt hinreichend komplex ist, dass ich über grundsätzliche Theoreme hinaus notgedrungen wissenschaftliche Arbeitsteilung praktizieren muss, um Spezialprobleme zu lösen - was mich aber von meinem Ziel, Welterkenntnis zu generieren, notgedrungen entfernt), nehme ich das entweder zur Kenntnis oder entwickele künstliche Simplifizierungen. VTs entsprechen in keiner Weise der Wirklichkeit. Sie sind Vehikel von Menschen, die vor der Komplexität der menschlichen Wirklichkeit kapituliert haben. Da der Teufel im 21. Jhd. nicht mehr gut ankommt, müssen es eben die Illuminaten sein. Oder wer auch immer.

Es geht um Macht. Und Geld. Und um Neid. Um Idealismus, Ideologie und Idioten. Um Fortschritt. Um großen Kino. Wer braucht denn Verschwörungstheorien?