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... gibt Israel sich selbst. Morgen, am Dienstag, soll eine neue Militäranordnung im Westjordanland in Kraft treten. Eine israelische Militäranordnung, wohlgemerkt – im Gebiet der Palästinensischen Autonomiebehörde. Diese Anordnung soll „Infiltration“ verhindern. Das kann man im Zeitalter von Sicherheitsgesetzen ja gut verkaufen.
Nur, so vage, wie dies formuliert ist, weckt der Text böse Befürchtungen: es soll jeder deportiert werden können, der sich ohne legale Bewilligung im Westjordanland aufhält. Auch das hört sich ja noch vernünftig an, fast wie das deutsche Ausländergesetz. Nur stellen sich hier weitere Fragen.
1. Wen könnte das treffen? Erfahrungsgemäß zuerst Palästinenser aus dem Gaza-Streifen. Nicht nur solche, die grade mal eingereist sind, oder in der Westbank studieren, sondern auch Kinder von solchen Palästinensern, die selbst seinerzeit im Gaza-Streifen geboren wurden.
Ebenso könnte es sich auf Palästinenser beziehen, die in der West-Bank leben, jedoch ihren Aufenthaltsstatus dort verloren haben, oder Ehegatten, auf die dies zutrifft – Israel ist nicht dafür bekannt, ehefreundliche Entscheidungen zu treffen.
Bei diesen beiden Gruppen wurde es schon oft versucht, israelische Gerichte geboten da den Abschiebungen Einhalt – nach der neuen Anordnung jedoch sind in Zukunft daher die Militärgerichte zuständig. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.
Eine weitere Gruppe könnte ebenfalls Ziel dieser Neuregelung sein: jegliche Art Ausländer aus Drittstaaten, Journalisten, NGO-Angestellte … etc.
Ich frage mich, wie es mit Abgeordneten des palästinensischen Parlaments aussieht? Die leben ja ohnehin gefährlich….
Da es im Belieben der israelischen Behörden läge, die Aufenthaltsgenehmigungen zu erteilen oder auch nicht, könnte es tatsächlich jeden treffen.
2. Wohin will man sie abschieben? Bei den Ausländern einfach zu beantworten, ebenso wird man die Gaza-Palästinenser vermutlich einfach dort abliefern. Aber die anderen? Allerdings sieht die neue Vorschrift auch Gefängnisstrafen für Zuwiderhandelnde vor – also könnte man die einfach in israelische Gefängnisse abschieben. Auswahl nach Gusto – jeder, der unbeliebt ist, kann so eingesammelt werden.
3. Wer glaubt Israel noch, dass es irgendeinen Respekt vor der Palästinensischen Autonomie – von Eigenstaatlichkeit gar nicht zu reden – hat, wenn solche Bestimmungen erlassen werden, wo sich Israel eindeutig als Besatzungsmacht geriert?
Quellen:
www.jordantimes.com/?news=25629
www.haaretz.com/hasen/spages/1162075.html
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zu deinem 3.punkt: Israel ist besatzungsmacht - und dafür gibt es ein paar regeln. Israel hält sich nicht an diese regeln, sondern es macht sich mit solchen und anderen military ordinances zum souverän, entfernt als solcher die unliebsamen bewohner/besitzer/besetzer des bodens, wandelt diesen durch gefakte landkäufe in jüdisches territorium um und hat mal wieder das staatsgebiet erweitert.
ich mag überhaupt nicht mehr hin! aber meine bücherliste wird immer länger...und das licht von Jerusalem ist nun mal - in meinen augen - das schönste der welt! es ist ein kreuz! |
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Jerusalem - so nah und doch so fern für mich. Kann dich verstehen.
Die derzeitige israelische Regierung lässte derzeit keine Gelegenheit aus, um zu demonstrieren, wie völlig egal ihr der palästinensische Staat ist - und auch die Gefühle der Nachbarn. In Jordanien werden solche Pläne tatsächlich als Bedrohung gesehen, man reagiert wirklich empfindlich. Ausdruck dessen sind auch die beiden Artikel in der heutigen Jordan Times, die sich sonst durch überaus dezente Berichterstattung auszeichnet (mir ist so oft zu staatstragend). |
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das Oslo-Abkommen hat die sogenannte "2-Staaten-Lösung" von Beginn an juristisch beerdigt.
Wie jeder weiss ist es IDF Strategie das Gaza endlich "aufzuräumen", die Westbank selbst soll dabei aber eben dann zum Rückzugsgebiet werden. Die juristische "Adaption" an das von der IDF geschaffene Mikroklima ist nur eine Aktion im Rahmen dieser Strategie, die nur deswegen nicht so zügig umgesetzt wird weil international noch an dem Zwist der Sunnis und Shiiten gefeilt werden muss. Paul Woods Kommentar in der BBC World in Bezug auf die Nuklear Debatte war da ganz aufschlussreich: news.bbc.co.uk/2/hi/middle_east/8610595.stm |
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schrieb am
12.04.2010 um 11:50
...soll natürlich heissen: die Westbank soll NICHT zum Rückzugsgebiet werden...
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Und wo sollen sie dann hin? Auf diese Frage gibt es keine Antwort, die mir gefällt.
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Der "Guardian" setzt das noch etwas in Zusammenhänge.
www.guardian.co.uk/commentisfree/2010/apr/12/israel-peace-plan-barack-obama Hat schon jemand in der deutschen Presse etwas zu dieser Anordnung gelesen? Worauf warten die? |
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Rien. Ich schau schon seit heut morgen immer mal wieder.
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Tja.
Hony soit qui mal y pense. |
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Doch, jetzt:
www.focus.de/politik/weitere-meldungen/westjordanland-kritik-an-neuen-aufenthaltsbestimmungen_aid_497675.html derstandard.at/1269449485593/Neue-Aufenthaltsbestimmungen-Palaestinenser-werfen-Israel-Deportationsplaene-vor www.bild.de/BILD/news/telegramm/news-ticker,rendertext=12165624.html Der Euphemismus von Focus, der das als "neue Aufenthaltsbestimmungen" verniedlicht, fällt auf. Die Jerusalem Post ist da deutlich besorgter - die kennt ihre Pappenheimer wohl besser: www.jpost.com/Israel/Article.aspx?id=172917 |
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'neue aufenthaltsbestimmungen' - da hebt sich mir schon wieder die magenschleimhaut ab!
danke für die übersicht! ich habe gestern auch ein bißchen geguckt und nichts gefunden. heute kam ich noch nicht dazu. |
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Also auch auf die Gefahr hin das ich mich hier unbeliebt mache, aber ich finde, Jerusalem sollte weder israelische noch palästinensische Hauptstadt sein. Jerusalem sollte zur internationalen Stadt erklärt werden und von der UN verwaltet werden.
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Das kannst du gerne so vertreten - hat aber mit den befürchteten Deportationen nichts zu tun.
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Das Thema ist jetzt weiter in der Presse, die deutschen Zeitungen wiegeln ab und drücken sich sehr vorsichtig aus:
www.fr-online.de/in_und_ausland/politik/aktuell/2538132_Nahost-Deportation-aus-Gaza-befuerchtet.html www.taz.de/1/politik/nahost/artikel/1/israel-droht-mit-ausweisungen/ Hier will man das "nur" für ein Druckmittel halten, schlimm genug, aber man rechnet nicht wirklich mit einer Deportationswelle. Nicht wirklich beachtet wird dabei, dass jeder, der zur Zeit in den Gazastreifen verbracht wird, dort festsitzt und nicht wieder rauskommt. Freiluftgefängnis - mir fällt durchaus auch ein böseres Wort ein. Die Jordan Times berichtet, dass in Jordanien die Lage anders beurteilt wird: "During a press conference yesterday, members of the Professional Associations Council said they will send a letter to Arab League Secretary General Amr Musa, Libyan leader Muammar Qadafi and other Arab leaders to highlight the impact of the Israeli decision on the Kingdom. Jordan Medical Association President Ahmad Armouti, who is also deputy president of the council, said Israel has declared war against Jordan, and vowed to carry out a series of measures to pressure the government to take action. "We do not want to have peace with Israel while it is undermining the Kingdom's sovereignty and hopes of having an independent Palestinian state," he told The Jordan Times on the sidelines of the press conference." Hier befürchtet man eine weitere Flüchtlingswelle, die bei der derzeitigen Wirtschaftslage kaum zu verkraften wäre. Zudem haben die Jordanier Angst davor, endgültig zur Minderheit im eigenen Land zu werden - anders als ein paar paranoide Europäer haben sie rein rechnerisch durchaus Grund zu dieser Befürchtung. Daher werden Aktionen Israels in Jordanien noch kritischer betrachtet als in irgendeinem anderen Land, als direkten Angriff auf die jordanische Souveränität. Aber Netanyahu ist auch das egal. |
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Die deutsche Welle bringt ein Interview mit Elad Cahana, Anwalt der israelisch-palästinensischen Menschenrechtsorganisation "HaMoked"
www.dw-world.de/dw/article/0,,5460646,00.html Auszug: "Israel benutzt oft das Argument "Sicherheit", geht es auch bei diesem Erlass um die Sicherheit Israels? Das hier hat nichts mit der Sicherheit Israels zu tun. Das ist eine Strategie und es widerspricht den Osloer Verträgen, die eigentlich besagen, dass die Palästinensische Autonomie entscheidet, wer ein Bewohner ist und wer nicht. ... Welches Ziel verfolgt Israel mit diesen Erlassen? Das Ziel wurde nie genannt. Aber wir glauben, dass die Kluft zwischen dem Gazastreifen und dem Westjordanland noch größer werden soll. Außerdem will die Armee den Problemen vor Gericht entgehen. Eigentlich dürfen israelische Gesetze nach internationalem Recht und auch nach dem Zivilrecht nicht im Westjordanland angewendet werden, weil es besetztes Gebiet ist. Das Militär darf sich nur dann einschalten, wenn es um die Sicherheit oder das Wohlergehen der örtlichen Bevölkerung geht. Und beides kommt hier nicht zum Tragen. Beim Spiegel fand ich - NICHTS zum Thema. Dafür ein Bericht darüber, dass Israel seine Staatsbürger zum Verlassen des Sinai-Gebiets auffordert. Es bestehe Entführungsgefahr. www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,688839,00.html Ohne Worte. |
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schrieb am
16.04.2010 um 00:20
"Welches Ziel verfolgt Israel mit diesen Erlassen?": Das wird durch den zunehmend härten Ton von Sajeb Erakat erklärt. Der war zwar immer direkt aber auch konziliant. In einem Interview würde er sich sicher auch zu der Vermutung über die Kluft zwischen Gaza und WJL äussern. Sobald die ersten Verhaftungen und Deportierungen beginnen fliegen auch wieder die Kassams.
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Jordanien ist ausgesprochen besorgt.
""This decision, which expands the definition of Palestinians at risk of forced displacement in the occupied West Bank, is illegal, having been issued by the occupation authority which is not entitled to legislate in the occupied territories," Minister of State for Media Affairs and Communications and Government Spokesperson Nabil Sharif said at a press conference yesterday. The minister stressed that all legislative actions by the Israeli occupation authorities in the West Bank, including East Jerusalem, are null and void under international laws. He underlined that the government has taken several measures in response to Israel’s “rejected, condemned and provocative act”, stressing that Jordan will not spare any effort to combat unilateral Israeli measures that aim to change the demographic reality of the occupied Palestinian territories." www.jordantimes.com/?news=25914 Das ist für Jordanien schon ausgespochen harte Wortwahl. Israel verdirbt es sich ernsthaft mit seinem langjährig wohl besten Freund unter den arabischen Staaten. Zudem berichtet die Jordan Times auch über einen ersten Fall unter dem neuen Gesetz, wo ein Mann, der in der Westbank wohnt, lebt und Familie hat, nach Gaza deportiert wurde: www.jordantimes.com/?news=25910 |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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