Ob in den Städten die Logik des Geldes herrscht, sollten nicht nur Anwälte und Künstler unter sich ausmachen. Denn die Debatte darf nicht kulturalisiert werden>> mehr
Die Veränderungen in Prenzlauer Berg sorgen mal wieder für Streit. Ein Kommentarschlacht unter einem taz-Artikel zeigt, wie eine gehässig vorgetragene Satire über so genannte Macchiato-Mütter eine grundsätzliche Auseinandersetzung...>> mehr
Der Hype um den überraschenden Wahlerfolg der Piratenpartei wird vielfach vom Image des jungendlichen und unverbrauchten Politikstils der Generation Internet getragen. Doch ein Blick zurück in die Berliner Geschichte zeigt: Piraten hin oder her - Pro...>> mehr
Prenzlauer Berg gilt mittlerweile als Paradebeispiel für die Gentrification von Stadtvierteln. In zwanzig Jahren Stadterneuerung wurden nicht nur die Häuser umfassend modernisiert, sondern auch die Bewohnerschaft umgekrempelt und der Gewerbestruktur ...>> mehr
Was, sie kennen das Wort Hyperlokalismus noch nicht? Dann könnten Sie einen der wirklich wegweisenden Netzwerk- und Medientrends des kommenden Jahres verpassen:
Nennen Sie es, wie Sie wollen. Hyperlokal, sublokal, local based oder wie auch immer. Einer d...>> mehr
In den klassischen Gentrification-Modellen werden Künstler/innen als Pioniere des Aufwertungsprozesses konzipiert, die als tragische Gestalten der Gentrification mit ihren Aktivitäten und Einrichtungen zur symbolischen Aufwertung von Nachbarschaften ...>> mehr
Ist der Zusammenhang zwischen Stärke des Gentrification-Prozesses und der Anzahl Stimmen für die Piraten in einzelnen Wahlkreisen reine Spekulation oder belegbar? Ich würde im ersten Moment nämlich d...
Hallo, ja ist natürlich eine gute Frage. Belegbar ist - wie dargestellt - erstmal nur der Zusammenhang von steigenden Mieten und hohen Stimmanteilen für die Piratenpartei. Das Argument, die Kieten steigen weil viele Piraten-Wähler/innen in den Viertel wohnen, würde ich gerne umdrehen: Bewohner/innen in angesagten und umkämpften Vierteln wählen überdurchschittlich die Piratenpartei. Der Grund dafür ist - meiner Meinung nach - weniger im programmatischen Profil der Piraten zu suchen, sondern in der stadtpolitischen Gesamtsituation. Internetaffine Wähler/innen hätte es ja auch schon bei früheren Wahlen geben können - hat es aber nicht. Der Zugewinn an Stimmen muss daher v.a. außerhalb inhaltlichen Positionen der Piratenpartei gesucht werden. Meine These von der unverbrauchten Protestpartei zielt ja hauptsächlich auf das wohnungspolitische Irrlichtern der etablierten Parteien - das eben in den beschriebenen Aufwertungsgebieten am deutlichsten sichtbar wurde. Das viel beschriebene Pionier-Dilemma von Gentrification-Prozessen bringt es dabei mit sich, dass auch Gegner/innen von Mietsteigerungen und Verdrängung mit ihrem symbolischen Kapital zur Aufwertung beitragen. Soweit, AH
Hallo Sakartwelo, schön, dass du dich an der Diskussion zu einem soweit zurückliegenden Blogbeitrag beteiligst. Die von Dir überzeichneten Facetten der Identitätspolitik sind sicherlich in einigen Stadtprotesten tatsächlich vorzufinden. Daraus zu schließen, das ganze 'Gentrificationgejammer' hätte keine materielle Basis, halte ich für die falsche Schlussfolgerung. Mit dem Beitrag zu den Baugruppen habe ich ja auch weder die Weltrevolution herbeigeschrieben noch eine Käseglocke für irgendwelche Stadtquartiere gefordert. Es ging einfach darum, ein paar Fakten und Überlegungen in eine ansonsten eher emotional geführte Debatte einzubringen. Deinen Kommentar deute ich mal so, dass dir an sachlichen Auseinandersetzungen nicht wirklich viel liegt. Wenn dich die Frage mit dem - in der Tat sehr albernen - Gentrification-Zertifikat wirklich interessiert, bin ich sicher die falsche Adresse und du solltest dich mit deinen Zweifeln vertrauensvoll an www.bawamm.de/download/expose-wohnen-am-hochdamm.pdf wenden. Das Expose der Baugruppe stammt übrigens von Anfang Januar 2010 - ein direkter Aprilscherz scheint also ausgeschlossen. Beste Grüße, AH
Lieber Andrej Holm, vielen Dank für die Erwiderung. Der obenstehende Kommentar von Harald Leinweber ist eine gute Überleitung zu der Frage, die ich mir stelle (und zu der es möglicherweise Daten gibt)...
Liebe Nelly, leider gibt es über den Zusammenhang von Gentrification und der Entstehung von Problemvierteln keine wirklich guten empirischen Studien. Ganz abstrakt können wir sicherlich davon ausgehen, dass eine Konzentration von Besserverdienenden in einem Gebiet (rein rechnerisch) in anderen Stadtteilen zu einem erhöhten Anteil von ärmeren Haushalten führen muss - also die sozialräumliche Polarisierung in den Städten zunimmt. Vorliegende Studien zum Umzugsverhalten aus Aufwertungsgebieten zeigen jedoch, dass viele Bewohner/innen, die sich die steigenden Mieten nicht mehr leisten können, versuchen eine preiswerte Wohnung in der unmittelbaren Nähe ihres bisherigen Quartiers zu finden. Diese Tendenz zu Nahwanderungen muss also nicht notwendigerweise zur Herausbildung von Problemvierteln führen - zumal ja die 'Verdrängten' durchaus unterschiedliche sozioökonomische Merkmale aufweisen können (Um eine Eigentumswohung nicht bezahlen zu können, muss ich nicht zur Unterschicht gehören). Was in Berlin in Ansätzen zu beobachten ist, sind wanderungsausgelöste Kettenverdrängungen, wenn etwa studentischen Wohngemeinschaften vom Boxhagener Platz (wegen der modernisierunsgbedingt gestiegener Miete) ausziehen und am Reuterplatz eine neue Wohung anmieten. Der Ortswechsel ist zugleich ein Statuswechsel, denn die 'Verdrängten' aus Friedrichshain können in Neukölln zu den 'Aufwertungs-Pionieren' zählen, da sie höhere Mitpreise bezahlen können, als viele Langzeitbewohner/innen dort. Die negativen Aufwertungseffekte sickern in dieser Form als Dominoeffekt durch die Stadt - die aktuellen Endstationen scheinen die Großwohnsiedlungen in Spnadau und Marzahn zu sein. Jedenfalls beobachten verschiedene Studien (z.B. Monitoring Soziale Stadt) seit eine paar Jahren einen deutlichen Konzentrationsprozess von marginbalisierten Haushalten in diesen Stadtrandquartuieren. Hartmut Häußermann warnt sogar von Pariser Verhältnissen und befürchtet dort die "Slums des 21. Jahrhunderts (bit.ly/gneOPX). Der Zusammenhang zur Gentirfication ist dabei ein systematischer, erfolgt aber (zur Zeit) nicht als unmittelbares Ursache-Wirkungs-Prinzip. Soweit, AH
Liebe Nelly, vielen Dank für deinen Kommentar.Ja, Stadt ist wirklich kompliziert. Sharon Zukins Ansatz hilft uns ein wenig Ordnung in das Chaos zu bringen. Sie unterscheidet ja ganz explizit die Formen der "ursprünglichen Authentizität" von der "Authentizität der Aneigung" - in beiden Fällen sieht sie aber ein 'Recht' Wurzeln in einem Gebiet zu schlagen, die über ein geschäftsmäßiges Konsumieren des Ortes hinausgehen. Die unterschiedlichen Aneignungsformen des Raumes produzieren dabei auch unterschiedliche Wahrnehmungen. Insofern gibt es kein 'richtigen' oder 'falschen' - aber trotzdem oft umkämpfte - Bilder von Stadtteilen. Sinnvoll erscheint es mir, diese Konkurrenzen um eine symbolische Deutungshoheit mit Fragen der sozialen Positionen, politischen und ökonomischen Macht zu verknüpfen. Zukin schreibt ja deshalb auch davon, dass Authentizitätskonstruktionen einezlener sozialer Gruppen zum Problem werden, wenn sie eine Dominanz im Viertel erlangen. Dieses Modell ließe sich theoretisch sicherlich auch auf den Fall von städtischen Abwertungsdynamiken beziehen - das war aber weder bei mir noch bei Sharon Zukin das Thema. Ein wesentlicher Unterschied dabei ist sicherlich, dass 'gutbürgerlichen Gruppen' bei einer 'Verdrängung' deutlich mehr Wahlmöglichkeiten haben. In der Praxis wehren sich ja gerade die Bewohner/innen von besseren Viertel oft sehr effektiv gegen eine Veränderung und insbesondere hohe Mietpreise erscheinen als zuverlässige Versicherung gegen eine ungewünschte Zuwanderung des Pöbels. beste Grüße, AH
Lieber Andrej Holm, in dem von Ihnen zitierten Manifest »Not in Our Name, Marke Hamburg« lesen wir Erstaunliches:Wir haben in dieser Stadt immer Orte aufgesucht, die zeitweilig aus dem Markt gefalle...
Lieber Josef Allensteyn-Puch, vielen Dank für Ihren Kommentar. Ihre Mutmaßungen über die Motive der in Hamburg protestierenden Künstler/innen können wahr sein - oder auch nicht. Mir fehlen für diesen subjektiven Faktor des Protestes die Belege. Was ich im Beitrag beschrieben habe, war vielmehr die öffentliche und mediale Rezeption von Aktivitäten. Wir treffen uns möglicherweise in der Einschätzung, dass künstlerische Interventionen wie die Gänge-Viertel-Besetzung von den Standortkogiken der Unternehmerischen Stadt vereinnahmt werden (können). So ähnlich verhält es sich mit dem von Ihnen (zurecht?) belächelten Entpolitisierungs-Gejammere. Ich habe nicht von den Zielen und Selbstbildern der Aktiven geschrieben, sondern mit dem Begriff der "Depolitisierung" die medialen Spiegelungen von zwei Protestaktionen unter die Lupe genommen. Und zumindest die Biennale-Kritik in Berlin Kreuzberg kann als subversiver Akt angesehen werden, die sich beim besten Willen nicht als "Volksfront für die Standortlogik" interpretieren lässt. Viel spannender als die Schelte für andere fände ich aber ein Diskussion über die eigenen Ansätze. Ich nehme mal an, auch Sie stehen den gesellschaftlichen Verhältnissen zumindst skeptisch gegenüber und würden sie gerne verbessern/umstürzen/außer Karft setzen... Wo sehen Sie denn die Spielräume dafür - bzw. Wie können wir uns ein progressiv gesellschaftliches Handeln jenseits des von Ihnen gescholtenen "Politik" machens vorstellen? Beste Grüße, Andrej Holm p.s. Was ist eigentlich bemerkenswert daran, den Aufruf einer Mieten-Stopp-Kampagne auf dem gentrificationblog verlinkt zu sehen?
Warum sie an Barack Obama hassen, was wir lieben. 2012 steht in den USA im Zeichen des Präsidentschaftswahlkampfs und auch Europa schaut gespannt zu. Christoph von Marschall erklärt die unterschiedlichen politischen Kulturen dies- und jenseits des Atlantiks und entlarvt typische Vorurteile auf beiden Seiten
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