Columbus

Händler&Helden mbH

19.04.2010 | 02:42

"Der Freitag" und die ökologische "Wahrheit", das Wochenthema

Der Freitag und die biologische „Wahrheit“

Wie man ein Thema zu Boden schreibt.

Es frühjahrt und die Hormone lassen alles Mögliche sprießen. So macht(e) das Wochenthema des „Der Freitag“ mit dem Thema „Wir Ökoheiligen, Die Wahrheit über den Kult des korrekten Konsums“, einen Versuch.

Titeln wie die BILD, Wahrheitsansprüche wie das Großbuchstabenblatt? :

Es gibt tatsächlich ökologisch denkende Konsumenten, Umwelt-Heilige, fanatische Bio-Gläubige und „Prenzlbergbewohner“ (Ein einschlägig bekannter Stadtteil Berlins), die schon beim Eintritt in den Bioladen an der Ecke ein Erhebungsgefühl erfahren. Die gehen mir, auf gut Deutsch, „auf den Sack“. Aber etwas sagen und breitstreckig dazu schreiben?- Niemals!

Die „Wahrheit über Bio-Produkte“, die steht sicher nicht in diesem „Freitag“.

Auf jeden Fall wäre ein bisschen mehr Wahrhaftigkeit, vielleicht nur vier Thesen mit etwas mehr argumentierendem Text dazu, bei einem solchen Wochenthema (der Vorlauf ist ja redaktionsseitig sicher viel länger) sinnvoller gewesen.

Damit diese Botschaft saß, gab es eine „Text-Breitseite“. Um die Wirkung noch ein wenig zu verstärken, wurde bewußt thesenhaft gearbeitet, also gar nicht lange ein Argument begründet, sondern gleich ein Sträußchen zusammengeschweißt und eingeblistert. - Eine solche „Breitseite“ lese ich so, wie ich einen grundlos gefällten, alten Baum vor meiner Türe tief bedauere.

Heilige und arme Sünder:

Birgit Peuker gibt den Einleitungsartikel „Wir Ökoheiligen“. Sie wendet sich an Freitags-Leser, meint aber doch mit dem generellen „wir“ die Bevölkerung überhaupt. Im Teaser heißt es, „In der Tat gibt es viel zu kritisieren, wenn auch nicht alles.“ - Wieviel will den Frau Peuker übrig lassen? "Wir" werden es nicht erfahren, nirgendwo im kurzen Artikel gibt es eine Vertiefung dazu.

Warum ausgerechnet Hybrid-Autofahrer und ihre Fahrzeuge, sofern Frau Peukert diese überhaupt unterwegs erkennt oder hört, „Kritik geradezu herausfordern“, das erklärt sie mir, dem Leser, nicht. Jedenfalls bleibt es hier ebenso sachlich unerklärt, wie das Bashing gegen Leute die Öko-zertfizierte Windeln kaufen und gegen jene, die in Discountern grundsätzlich, oder doch wenigstens häufiger, zu Öko-Siegel-Produkten greifen.  - Meist ist es ja nur das der EU-Siegel, das auf der Ware prangt! Schon das ist aber ein gehöriges Maß umweltfreundlicher, im Vergleich mit dem, was ohne Öko-Siegel landwirtschaftlich und industriell legal möglich ist und auch gemacht wird.

Das EU-Siegel spart sowohl beim Stickstoffaustrag, als auch bei der produzierten CO-2 Menge, sowohl bei der Phosphat-Last, als auch bei der Zahl und Breite der einsetzbaren „Pflanzenschutz“-Mittel, bei den Pestiziden (gegen tierische Organismen) und den sonstigen Bodenverbesserern. Es unterstützt Stoffkreisläufe, die in der konventionellen Landwirtschaft weder für die Tiermast, noch für die Pflanzenproduktion eingehalten werden müssen.

Bei der konventionellen, „unbesiegelten“ Landwirtschaft muss ertragstechnisch beständig durch Naturentnahmen an anderen Orten und durch technische Produktion, die ihre Grundstoffe ebenfalls genau dort holt, wo sich Arme mit ihrer Primärproduktion nicht mehr durchsetzen können, nachgeholfen werden. Auf den guten Böden Zentral- und Mitteleuropas wäre das gar nicht notwendig. Die Produktion reichte trotzdem für uns Alle, selbst wenn zu 100%, statt derzeit ca. 5%, ökologisch gewirtschaftet würde. - Allerdings gäbe es mengenmäßig weniger, dafür aber besseres Fleisch. Wäre das so schade?

Ob dann, mittel- und langfristig, sich die Lebenserwartung und Lebensqualität verbesserte, sowie die allgemeine Gesundheit befördert würde, -ich persönlich bin durchaus überzeugt-, wie will man es vorher testen? - Selbst dieses EU-Siegel, es wurde gerade neu designt und für alle Euro-Länder und für Importeure verbindlich, gilt als aufreizend kritikwürdig!

Hilfe, ein Hybrid fährt um die Ecke!:

Nun, der Hybrid wäre vor allem bei den Kurzwegefahrten, also z.B. in der „Provinz“-Berlin an Freitag-Nachmittagen, spritsparend, vom Fahrgeräusch (auch Lärm ist Umweltverschmutzung). Dort wo es langsamer zugeht (im Schnitt 22,5km/h), wäre es deutlich leiser. Die Fahrzeuge produzierten weniger Abgase und Feinstäube (Umweltzone), und sie sind die erste „Brückentechnologie“, weg von den reinen Verbrennungsmotoren.

Zustimmen kann ich der Kritik an Werbung und Marketing, ganz ausdrücklich der Kritik an der Bionade-Werbung. - Die „Bionade(R)“ ist zwar am Prenzlberg ein Statussymbol in der gastronomischen Außenbewirtschaftung, ein wichtiges ökologisches Lebensmittel ist sie nicht.

Es geht um Brot, Käs´, Reis, Weizen, Butter, Mais, Öl, Milch, Wurst und Schinken, Fleisch, Gemüse, Obst und Gewürze, nicht um Bionade:

Worum es wirklich geht bei Bioprodukten, das ist die Verringerung der Bodenbelastung, das ist ein konsequenter Schutz der Bodenvielfalt, das sind Einsparungen bei Schwermetallen und Niratmengen in der Produktion, das sind geschlossene Stoffkreisläufe, das ist, nach Möglichkeit, eine lokale Produktion und das sind, weil das Siegel auch für Importe gilt, Anbaubedingungen in den Schwellen- und Drittweltländern.

Die Arbeitsbedingungen verbessert selbst das Biosiegel insofern, als es Lohnarbeitern auf Bio-Siegel Betrieben, -sofern sie nicht auf Gütern arbeiten die beides machen und laut EU auch dürfen (!)-, zumindest erspart, einem Cocktail an Agrochemie ausgesetzt zu sein. Sie müssen auch mit erheblich weniger Stickstoffdünger hantieren, der bei der Ausbringung ohne Schutz sehr gefährlich ist.

Haben also die alltäglichen "Biokäufer- Menschen" in der Mehrheit ein penetrantes Sendungsbewusstsein, wie Frau Peuker es unterstellt? Glauben diese Leute wirklich, sie heilten die Welt, wenn statt der Cola eine Bionade "Unter den Linden" serviert wird? - Nein, das ist derweil gerade die „Der Freitag“ -Redaktions "Wahrheit".

Die Geschichte der Ökologie in die Nähe des Außenseitertums gerückt:

Im Absatz „Zurück zur Natur“, am Ende steht wenigstens einmal ein „grob“, was die Art und Weise der hier vorgenommenen Zurichtung insgesamt charakterisiert.

„Damals schon wurde Rousseau mit seinem Ruf „Zurück zur Natur“ von den Aufklärern aus Paris belächelt.“ - War nicht Rousseau ein Mitglied des Aufklärersalons? Ist nicht sein „Contrat Social“ die Gründungsurkunde für fast jeden intellektuellen Sansculotten?

Die Kritik und der Spott Voltaires bezog sich ja gerade nicht auf einen ökologischen Text Rousseaus.  In seinem „Exkurs über die Ursachen der Ungleichheit unter den Menschen“, formulierte der Weise vom Genfer See jenes programmatische „zurück zur Natur“. - Die Verwendung des Begriffs im aktuellen Zusammenhang, der Bezug zu Rousseau hier, bei der Frage nach einer landwirtschaftlichen Ökologie, geht an einem Versuch zur Wahrhaftigkeit beizutragen jedenfalls vorbei.

„Mit der Verstädterungswelle an der Schwelle zum 20. Jahrhundert tauchten dennoch die ersten Naturschützer auf,....“ - Darf man fragen, was das „dennoch“ hier bedeuten soll?

Die allerersten Stadtökologen und Urbanisten waren Wetterkundler, zumindest Wetterbeobachter. Sie beschäftigten sich auch nicht vornehmlich mit der Natur, als einer vom Menschen abgesonderten Einheit mit Eigenrecht, sondern waren um die Belüftung und Hygiene der engen Massenquartiere, um die Masse an schwefligem Kohlenruß, um das Grundwasser und die regionale Hygiene, sowie um die Lebensmittelversorgung besorgt. Die Ökologie selbst, als Biowissenschaft, hat Väter und Mütter von Darwin, übewr Heckel, den Namensgeber, bis zur Systemtheorie.

Erste Dachgärten gabe es in Berlin vor mehr als hundert Jahren und die ganze Geschichte der suburbanen Räume, mit Grabeland, mit der „Gartenstadtidee“, -sogar später, beim Bauhaus, gab es Hausgärten-, läuft in eine diametral andere Richtung, als im Artikel unterstellt.

„Grob lässt sich sagen: Während Konservative die Natur und mit ihr verbundene Lebensformen verklärten („die bäuerliche Scholle“), sahen Linke auf dem Land die Möglichkeit, neu anzufangen und alternative Lebensformen auszuprobieren.“ -Nicht einmal grob stimmt das. Es ist geradezu eine Umkehrung der tatsächlichen Verhältnisse.

Die Trennung der Bauern von der Scholle, die Landflucht und die Mechanisierung und Motorisierung der Landwirtschaft waren die Gelegenheit, -eine letzte Chance- , sich als Grundbesitzer in ein absolutes Herrschaftsverhältnis zu den wenigen verbliebenen Lohnabhängigen zu bringen und die eigentlich obsolete Form des „Landjunkers“ (ein adliger oder geadelter Großgrundbesitzer) bis ins erste Drittel des 20.Jh. aufrecht zu erhalten. Eine Quadrivium aus Funktionen sicherte diesen Zustand: Erstens der Großgrundbesitzer selbst, auf seinem Eigentum, obwohl er dort häufig nicht lebte, die Arbeit von Verwaltern abwickeln lies; zweitens ein staatliches Amt vor Ort, im Bezirk,im Kreis, möglichst persönlich ausgeübt; drittens ein militärischer Dienst; viertens, der Einsatz der gerade fortschrittlichesten Mechanik und Arbeitsteilung, einschließlich der völligen Kontrolle der Arbeitenden. - Ironie der Geschichte: Bei den Stalinisten, den Erzkonservativen des Kommunismus, da gab es so etwas wie die propagandistische Schollenverehrung.

Die „Lebensreformisten“, eine Marginalie, sofern man die zahlriechen kulturellen Aspekte des „Monte Verita“, Worpswedes, etc., einmal ausblendet, sowohl was den allgmeinen politischen Einfluss, als auch was die Zahl der Mitglieder angeht, verstanden Rousseaus Satz wenigstens richtig, d.h. nicht als eine Reform der Naturwahnehmung, sondern als eine menschlich-kulturelle Umkehr. Der klassische Naturschutz, d.h. der Schutz bedrohter Arten und Tiere, der hat damit nichts zu tun.

Ihnen ging es vornehmlich um den Menschen, einen „natürlicheren Menschen“, der anders wirtschaftete, anders wohnte und eine andere Kultur pflegte ( freier Tanz, leichte, nicht einengende Gewänder, freizügigere Sexualität, Körper- und Seelenkult, Spiritualität). Vielleicht hatten sie noch Einfluss auf die Entstehung von Reformhäusern, bei speziellen Diätformen, beim Vegetariertum, aber mit Bio-Siegeln, gar übertriebenem Ökologismus, oder gar Schollengebundenheit, hatten sie nichts am Hut. - So etwas in eine Verbindung mit einer Fundamentalkritik an der Lebensmittelkennzeichnung und dem ökologischen Landbau zu bringen, mutet zumindest seltsam an.

Nun zum Artikel: „Bio-Essen ist gar nicht gesünder“ (These 3) von Katja Töpfer.

Die erste handfeste Quelle für Frau Töpfer ist dabei die britische Food Standards Agency (FSA). Das klingt so seriös, wie „Öko-Test“ oder „Stiftung Warentest“ und ist dazu noch halbstaatlich.

Nun, wer sind die Organisatoren und Bestimmer bei FSA? - Außer dem ehemaligen Labour Minister Jeff Rooker, unter anderem war er auch für Agrarisches zuständig, firmieren dort vor allem Leitungspersonen aus der Nahrungsmittel- und Pflanzenschutzmittel-, bzw. der Agrochemie, sowie aus der konventionellen Landwirtschaft.

Co-Chair bei der FSA ist Dr Ian Reynolds,  „ He has spent most of his career in healthcare, working for Cyanamid, Glaxo and Pitman-Moore on new product development and EEC regulatory affairs before leading organisations in both the public and the private sectors as Chief Executive of Nottingham Health Authority and then of Priory Hospitals Group.“ Das nächste Mitglied, Professor Graeme Millar, kommt ebenfalls aus der konventionellen Industrie. Sein Hauptgebiet lag aber vorwiegend bei Gesundheitsdienstleistungen. John Spence, der nächste in der Reihe, ist ein walisischer Regionalpolitiker und ehemaliger hoher Beamter im Gesundheitsbereich. Professor Maureen Edmondson, die nächste im Reigen, kommt von „Mars Incorporated“ (Mars-Riegel und Co.!!). -Sie habe den Zugang zur europäischen und internationalen Nahrungsmittelgesetzgebung und Politik vermittelte (sic!), verkündet stolz die Webseite der FSA.

Auch Professor Sue Atkinson CBE, die nächste im Board, hatte weniger mit Food safety oder mit der Bio-Landwirtschaft und Bio-Produkten zu tun, sondern kümmerte sich bisher vornehmlich um Hygiene und Baufragen, sowie als Ratgeberin um die Bewerbung zu den Olympischen Spielen 2012. - Eine typische Multifunktionärin. Tim Bennett, das ist der „Hit“ im Board: „Tim was Deputy President and then President of the National Farmers Union of England and Wales between 1998 and 2006.“ Eine Menge weiterer Funktionen werden aufgezählt. Der Knüller in seiner Vita: Auf dem Altenteil, -solche Leute kennen keine Rente oder Pensionierung, für die geht es immer weiter-, baut er gerade seinen eigenen Betrieb, einen Groß-Hühnerhof, „organic“ um. - Altersweisheit, oder hat er genug auf konventionellem Wege auf die Seite gebracht?

Margret Gilmore, ist eine Journalistin mit den Spezialgebieten „Homeland Security und Umwelt“(sic!). Clive Grundy, „... Senior management positions in the manufacturing and service sectors working for Chrysler, Massey Ferguson (Traktoren, Erntemaschinen), Grand Metropolitan and Compass Group, where he became the Group Human Resources Director on the PLC Board from 2002 until 2005“.

Michael Parker ist ein Ökonom mit den besten Elite-Universitäts Diplomen, aber eher tätig in der Krankenhausökonomie. Der Nächste, „Chris Pomfret brings over 30 years of experience in the Food industry to the FSA Board. He has a profound knowledge of the sector, having worked for Unilever, primarily in Frozen Foods and Ice Cream, since 1971 in the UK, Trinidad, Brazil, France and the Netherlands.“ Nancy Robson so könnte man vermuten, war vielleicht tatsächlich eine Zeit lang mit Verbraucherschutz beauftragt, jedoch, ihr Hauptanliegen bezog sich auf das britischen NHS. Nun interessiert sie sich für die Vermarktung der Region Schottland als Reiseziel und für Kindernotrufe. Sehr offen wird die Tätigkeit ihres Sohnes gleich mit angegeben. Der, Fraser Robson (Sohn), „is a Senior Associate with global private equity firm The Carlyle Group. The Carlyle portfolio is listed on this group's website.“ Dr. David Cameron schließlich, kommt von der Fischindustrie.

Diese Leute haben kein Interesse, die „Organic“-Produkte gut aussehen zu lassen und ein großes Interesse daran, sie als besonders schlecht hin zustellen. Der quasi offizielle Rang der FSA gibt der „Studie“ eine Reputation, die ihr gar nicht zukommt. Daher vergaben sie den Studien- Auftrag auch nicht an ein renommiertes, unabhängiges Forschungsinstitut für Landbau, sondern an ein hygiene- und tropenmedizinisches Institut!

Von 3558 recherchierten Artikeln zum Thema aus englischsprachigen Fach-Magazinen, von 1958-2008, wurden nur 162 spezieller untersucht. Schon die Auswahl erfolgte hier nur mit einem Suchcluster und ist völlig willkürlich. Die ganze zweigeteilte Studie hat zweimal ca. 25 DIN A4 Seiten und einen Haufen Anhänge! Für ein bahnbrechendes Werk auf dem Gebiete des „Evaluation“ in einer so heiklen Frage spricht dies eher nicht. Allerdings spricht viel für einen hohen statistischen Aufwand (siehe die Anhänge). - Nur, Statistik verhilft nicht zu Kausalität, sondern höchstens zur Absicherung von Korrelationen. Schon die niedrige Zahl der überhaupt zum Thema recherchierten Studien hätte doch hellhörig machen müssen. Schon aus arbeitstechnischen Gründen sind dann gerade einmal 4,5% ernsthafter ausgewertet worden.

Ich verlasse mich deshalb lieber auf die Ergebnisse aus einem mehr als 22-jährigen Vergleichsanbau an der Cornell-Universität, bei dem die Wissenschaftler am Ende für Getreide und Soja keinen signifikanten Unterschied in den Hektarerträgen konventioneller und organisch bewirtschafteter Flächen finden konnten (www.news.cornell.edu/stories/July05/organic.farm.vs.other.ssl.html ).

Das heißt, die Umweltvorteile eines ökologischen Anbaus (Bodenökologie, Energie, Zusatz- und Giftstoffe, Vielfalt von Flora unds Fauna) sind nicht einmal ertragsmindernd! Was natürlich deren Kapazität Kohlenstoff im Boden zu binden und Mineraldünger ein zu sparen, noch wertvoller macht. Das deckt sich auch mit den Studien, die die Höfe in der Umstellung von konventioneller auf organische Landwirtschaft begleiten, und mit voneinander unabhängigen Ergebnissen aus der Schweiz und Österreich, die beim Bio-Anbau weiter als Deutschland sind ( www.fibl.org/de/themen/klima.html ).

Pflanzenschutzmittel und Pestizide in Lebensmitteln:

„Doch ist diese Angst heute noch begründet? Fest steht, dass der öffentliche Druck auf die Lebensmittelhersteller Wirkung gezeigt hat.“ - Die Grenzwertüberschreitungen bei Salaten und Gemüsen im konventionellen Landbau sind notorisch und führen jedes Jahr wieder zu erschreckenden Ergebnissen der dafür zuständigen, schwach besetzten Behörden und bei den alljährlichen Stichprobenritualen durch die NGO´s. - Ja, die Lage ist besser geworden, denn die Einhaltung der Grenzwerte ist ja wohl das mindeste, was gefordert werden darf und da hat sich von 2005 bis heute, tatsächlich etwas getan.

Was aber bei genauerer Betrachtung auffällt, das ist die mittlerweile auch erkennbare Polypragmasie (Viel von vielem Verschiedenen hilft viel!) bei der Anwendung ganzer Pflanzen-Schutzmittel-Pakete in der konventionellen Landwirtschaft, die nicht nur eine horrende Artenarmut der Anbauhybride, sondern auch eine völlige Systemabhängigkeit der anwendenden Bauern bedeuten. Viele Spritzzyklen hintereinander hinterlassen ihre Spuren. Das erstaunt, weil doch bei den Grundprodukten in der Pflanzenproduktion moderne Total-Herbizide und Pestizide der jüngeren Generation, a) die Wirkung eigentlich verbessern sollten, b) die Zahl der verwendeten Substanzen reduzieren sollten, c) die Vielfalt der begleitenden Flora und Fauna verbessern helfen sollten. Das ist aber ausgeblieben.

Wohlweislich bleiben die gesetzlich maßgeblichen Belastungen unter den vorgeschriebenen Grenzwerten. Wenn nicht, müssten die Produkte allesamt vom Markt genommen werden. Aber diese Grenzwerte signalisieren nur den Bereich der konkreten Gefahrenabwehr.

Was viel eher einen Blick auf die Verhältnisse gestattet, das ist der Vergleich der zulässigen Verfahren und Mengen, nach EU-Biosiegel-Verordnung und der Praxis in der konventionellen Landwirtschaft. - Wer sich das genauer ansieht, der ahnt, die EU-Ökoverordung ist der wünschenswerte Standard für die Zukunft der gesamten Agrarproduktion und die strengen Biosiegel der Anbauverbände wären das „Sahnehäubchen“ für Menschen mit speziellen, vielleicht auch eingebildeten, Bedürfnissen.

Mittlerweile boomen zwar die Bio-Produkte, aber der Anteil an „Bio“ aus deutscher Produktion, verglichen mit dem konventionellen Anbau, macht eine Restgröße von 5% aus.

 

Anna- Lena Krampe, „Bio aus dem Discounter ist böse“, hat am Ende ihres Artikels eine sehr gute Idee, die sich doch mit dem deckt, was insgeheim in der sich einstellenden Vierteilung des Lebensmittelmarktes steckt.

Die aktuelle Vierteilung sieht so aus: Die Basis für alle Produkte stellt die Einhaltung der EU-Richtlinien-Grenzwerte dar. Wer hier nicht die gewünschte Qualität liefert, der muss vom Markt (derzeit mühselig zu administrieren) und macht sich straftbar (die Strafen sind derzeit lächerlich niedrig und zudem liegen die Aufklärungsquoten etwa auf dem Niveau der Ermittlungen bei Fahrraddiebstahl).

Schon darüber liegen die konventionellen Produkte, die in Deutschland unter dem Begriff „aus integriertem Anbau“ verkauft werden. Landwirte, die so wirtschaften, verpflichten sich zur guten fachlichen Praxis und halten Stoffkreisläufe ein.

Die nächste Ebene bilden die Standards nach EU-Ökosiegel. Deren Werte und Vorschriften wären eine 100%ige Wunschvorstellung, ein Ziel für die gesamte Agrarproduktion in der EU. Die Kosten für die Verbraucher hielten sich fast auf dem Niveau des derzeit erreichten Tiefstandes, bezogen auf den Anteil am Einkommen. Die Umweltentlastungen wären jeoch gewaltig. - So aber, bleibt es bei den derzeit knapp 5% Bioanbau in Deutschland. Das ist eine lächerlich niedrige Marge für die Welt-Umweltschutznation Nr. 1.

Die nächste Stufe sind dann die eigentlichen Bio-Siegel der Anbauverbände, die sowohl die Inhalte der Produkte, als auch die Methoden zu ihrer Herstellung und die Arbeitsbedingungen mit einbeziehen. - Derzeit gehen die Milliarden-Subventionen der EU weiterhin für eine unsinnige Agrarexportindustrie, für die konventionelle Tiermast und Grünlandwirtschaft und für einige wenige Massen-Agrarpflanzen in der Lebensmittel-, Futtermittel- und Energiepflanzenproduktion drauf.

„Öko-Test verdient kein Vertrauen mehr“

Wenn es schon kein Fertig-Müsli meines Vertrauens mehr geben kann, liebe Frau Langer, dann gibt es auch keinen „Der Freitag“ meines Vertrauens mehr. So geht es mir mit dieser steilen Thesensammlung zum Wochenthema.

Warum haben Sie sich „sklavisch“ an Testberichte gehalten, z.B. beim Kinderwagenkauf, anstatt den mit Kind und Kegel zu testen? Der „Katze im Sack“ -Kauf wird doch nicht ohne Ihre persönliche Beteiligung und Anwesenheit erfolgt sein ?

Für mich hört sich diese Einleitung an, als wollten Sie zur Stichwortgeberin für eine ZEIT/TAGESSPIEGEL-Martenstein-Kolumne avancieren, nach dem Motto, ich die Gründerin von „utopia.de“, die Verfechterin des „strategischen Konsums“, war so wenig meines eigenen Verstandes mächtig, dass ich nur noch „Öko-Test“ und „Der Freitag“ las, um schließlich so, lesend verblödet, mir sofort einen karrig-sperrigen Kinderwagen und eine der sechs, um Hausnummern zu großen, „Freitags“- Ökothesen andrehen  lies. - Gekauft, wie gelesen! Dann sollen Sie auch noch mit „Öko-Test“ gebaut haben? Ich hoffe, sie hatten einen Architekten, eine Baufirma und vielleicht sogar einen Energieberater!

Nichts für ungut, das klingt Alles naiv und vor allem fürs Leserpublikum gestellt! Das traut Ihnen, Frau Langer, doch kein vernünftiger Mensch zu! Versöhnlich stimmt natürlich, wie wahr, Alle müssten für Alles, Stoffkreisläufe und Fertigungen komplett ökologisch durchrechnen.

Kathrin Zinkants gewollt provokanter Titel lautet: „Bio-Produkte schaden Umwelt und Klima“:

Zunächst geht es um Kupfer, welches tatsächlich für aquatische Lebewesen, also z.B. Fische, Amphibien, sowie für Erdwürmer ein hohes Belastungsrisiko darstellt. Ebenso für Bienen, zumindest dann wenn es intensiv angewendet wird.

Kupfer wird im Wein und Tomatenanbau eingesetzt. Es ist für Biowinzer noch erlaubt, für konventionelle Winzer eigentlich schon länger verboten. Besonders die Region Bordeaux leidet trotzdem weiter, wohl aber eher unter der gängigen Praxis sehr vieler Winzer und nicht nur der Ökowinzer. Wobei letztere Kupfer auch nur in sehr niedriger Menge anwenden dürfen. - Aber, das Kupfer ist eher ein Randphänomen und gerade kein Grund, warum Verbraucher so dumm sein sollten, bei der relativ geringen Preisspanne für beide Produktgruppen, nicht die ökologisch produzierte Ware zu kaufen.

Frau Zinkant berichtet über die Ergebnisse einer internationalen Konferenz in Clermont-Ferrand, 2008, die zur Frage Stellung bezog, ob sich mit organisch wirtschaftender Landwirtschaft eine Senkung der Treibhausgasproduktion erzielen lässt. Die Konferenz bejahte das grundsätzlich und fordert im Abschluß-Fazit sogar, Methoden aus der organischen Landwirtschaft auf die konventionelle Betriebsführung zu übertragen! Ohne den Beitrag einer solchen weiteren Umstellung seien die Klimaziele nicht zu erreichen (ftp://ftp.fao.org/paia/organicag/brochure_enita_en.pdf ).

Die derzeit umfassendste Bestandsaufnahme der Klimawirkung der Landwirtschaft in Deutschland hat das „Institut für ökologische Wirtschaftsforschung Berlin, 2008/neu 2009, im Auftrag von foodwatch e.V. Berlin, vorgestellt. -Wer die sehr einfach lesbare Studie in der überarbeiteten Fassung kennen lernen will: www.ioew.de/uploads/tx_ukioewdb/IOEW-SR_186_Klimawirkungen_Landwirtschaft_01.pdf . Hier werden auch sehr akribisch unterschiedliche konventionelle und biologische Wirtschaftsformen miteinander verglichen.

Auf diese Studie bezog sich auch die in der Presse weiter getragene Bewertung, ökologische Landwirtschaft sei klimaschädlicher als konventionelle Landwirtschaft. Wer jedoch die Studie durcharbeitet und die Empfehlungen der Wissenschaftler zur Weiterentwicklung liest, der sieht den Vorteil der ökologischen Landwirtschaft bald schon wieder ein.

Nicht von ungefähr empfehlen die Forscher im Abschlussteil ausdrücklich eine Umstellung der kompletten Landwirtschaft auf ökologische Produktion. Unter Punkt „10.4 Maßnahmen für mehr Klimaschutz in der Landwirtschaft“, befürworten sie acht Aktivitäten: 1.Wiedervernässung von entwässerten Moorflächen, 2. Umstellung auf ökologischen Landbau, 3. Optimierung des Düngemangements insbsondere im konventionellen Landbau, 4. Klimaschutzoptimierte Stallhaltung, 5. Erträge und Leistungen steigern, insbesondere bei der Milchviehhaltung, 6. Nutzung von Gülle und Mist in Biogasanlagen ausbauen, 7. Rinderhaltung klimatechnisch optimieren, 8. Import von besonders klimaschädlich produzierten Futtermitteln reduzieren. -Forschungsbedarf sehen sie hinsichtlich der klimafreundlichen Landnutzung und bezüglich der Konsummuster.

Christoph Leusch

 

 
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Kommentare
Steffen Kraft schrieb am 19.04.2010 um 10:17
Vielen Dank für die instruktive Beschäftigung mit dem Thema.

Eines versteh ich aber nicht: Die sechs skeptischen Thesen werden doch von den darauf folgenden Texte nicht vertreten, sondern es handelt sich um immer wieder gehörte Kritiken, die von den Texten auf den Prüfstand gestellt werden - mal mit zustimmender, mal mit ablehender Tendenz. Im Layout der Printausgabe wird das vielleicht etwas klarer.
Columbus schrieb am 19.04.2010 um 12:36
Lieber Steffen Kraft,

Ist das Print- Layout wirklich so eindeutig, dass die Artikel praktisch nur als „Verweise“ auf „Meinungen“ in der allgmeinen Öffentlichkeit daher kommen? - Ich sehe das nicht so!

Frontpage, das mag erlaubt sein, um Leser zum Thema zu leiten: Der sympathische Scheinheilige, mit Funkturmspargel-Ost und Chicoree-Kanzleramt. - Oder sind es die Champignons? - Die Idee ist vom Layout her Spitze.

Auf der Doppelseite dann, links, „Nichts als die Wahrheit“(Titel) und der Teaser, die kommende Textlandschaft beschäftige sich vorwiegend mit „Versprechen der Bio-Industrie“. - Was dann in den Texten meist eine andere Stoßrichtung, nämlich die auf den „Verbraucher“ nimmt.

Dazu die schöne Breitseite mit der Produktpalette und den „Sprüchen“, bei denen nicht klar ist, stehen die nun so in der Werbung für die Produkte (eher nein!), oder sind das die Anmutungen der Redaktion, wenn sie sich Alnatura-Apfel-Pfirsich-Muß, GEPA-Bio-Dajeeling, usw. , anschaut.

Dann kommt Frau Peukers einleitender Artikel. Der ja von einer persönlichen „Anstössigkeit“ im Blick ausgeht und auf wenigen Zeilen eine historisch nicht korrekte Ableitung der Ökologie-Bewegung vornimmt. - Das mag ja Lehrmeinung an der TU Desden sein, ich weiß es nicht, ist aber so, einfach falsch.

Dann kommen die übrigen fünf Beiträge. Die Kritik, das könnte man als These aus der allgmeinen Rede auffassen, und im Anschluß „Was ist dran?, wobei aber für eine textlich-sprachliche Abwägung kein Raum bleibt, Frau Krampe hatte ja den guten Einfall (s.o), der ein wenig rettet.

Frau Langer geht die Sache naiv, und ebenfalls nicht auf die Industrie oder Werbung, sondern auf "Öko-Test" zielend, an. Gerade Frau Langers gespielte Naivität nervt besonders, weil sie damit sogar ihr „utopia.de“ diskreditiert, die sich doch als „strategische Konsumenten“ verstehen. Wer glaubt jemandem bei "utopia", wenn die noch nicht einmal aufgeklärt einkaufen gehen? Um die Industrie geht es wieder nicht!

Jetzt kommt Frau Töpfer und vermeldet letztlich das jährliche Erfolgserlebnis der Lebensmittelüberwachung, „Grenzwerte in der konventionellen und biologischen Produktion werden eingehalten", was eben Voraussetzung für die legale „in Verkehr-Bringung“ eines Lebensmittels überhaupt ist.

Die FSA ist selbst in Großbritannien umstritten, wegen der Einseitigkeit ihrer Statements und der Auswahl ihres Boards (s.o).

Es folgt Frau Zinkants Beitrag. Hier geht es erstmals um die Produktionsseite! Allerdings etwas zu sehr am Kupfer entlang (sicher, der Platzmangel muss bedacht werden), und was die verarbeitete foodwatch-Kritik angeht, eben nur mit einer halben wahrhaftigen Botschaft. - Siehe meinen Beitrag, der die Studie , auf die sich Foodwatch bezieht auswertet und verlinkt. Michael Jägers Beitrag und Toralf Staud habe ich mir gespart, weil die einmal allgemein in eine mögliche Zukunft mit geänderter Einstellung der Konsumenten blicken (Jäger) und andererseits ein dringliches Handeln der Politik einfordern (Staud). Das ist wünschenswert, aber vom Layout- und Titelthema weg führend.

Ich gebe zu, wenn ich, von Ihnen geleitet, so auf die Seite blicke, dann könnte ich als Leser die Feinheit erkennen.

Bitte denken Sie nicht, ich hätte mir die Mühe gemacht, wenn ich nicht an den „Der Freitag“, auch im Print, glaubte. Wollte ich nur „bashen“ und mich verärgert ausdrücken, stünde, wie zu oft und allgmein in den letzten Wochen in der Community, nur ein kurzes Statement-Blog oder ein ensprechender „kurzer“, meinender Kommentar. - Aber, das wissen Sie ja.

Liebe Grüße und Mahlzeit

Christoph Leusch
jayne schrieb am 19.04.2010 um 10:24
Mich hat dieser in einer art konzertierten aktion vorgetragene delegitimisierungsversuch in bezug auf bioprodukte und ihre herstellung auch irritiert - danke für die richtigstellungen!
Lee Berthine schrieb am 19.04.2010 um 10:47
Es ist nicht alles Bio was glänzt - okay, das könnte sein.
Jedoch hätte ich mir von einem vielversprechenden kritischen Artikel im freitag darüber mehr substantielle neue Informationen gewünscht.

Ich jedenfalls kaufe weiterhin bestimmt Sachen mit dem Bio-Siegel, zum Beispiel Milch und Eier sowie Salate und Gemüse, erlaube mir aber zwischendurch auch Einkäufe in normalen Läden.

Weiterhin bin ich auf mein Vertrauen in ökologische Landwirtschaft, schadstoffarme Produkte und die Weiterentwicklung der Forschung und Technik darin angewiesen. Denn ich sehe zukunftsweisend keine Alternative für umweltgerechte und auf Gesundheit und Wohlbefinden aller Beteiligten bedachte Ökologie.

Danke an Columbus und den freitag, der die Diskussion fördert.
ed2murrow schrieb am 19.04.2010 um 11:33
Sehr geehrter Herr Leusch,

bei der Lektüre des Freitag überkamen mich ähnliche Gedanken, allerdings in der sehr vereinfachten Form: Nicht überall wo Bio/Öko draufsteht, ist auch Bio/Öko drin. Das ist im Großen und Ganzen auch das, was populär nicht erst neuerdings die Runde macht. Ich hatte mir, als Leser und als einer, der selbstverständlich Ressourcen verbraucht, mehr gewünscht, eigentlich: erwartet, als die ohnehin zwangsläufige Erkenntnis, dass überall mit Wasser gekocht wird.

Wer die Waschmittelwerbung noch erlebt hat, die weißer als weiß wusch und das in jährlichen Steigerungen, hat eine Ahnung davon, dass bestimmte Naturprodukte eben aus Milch sind und nicht unbedingt immer die Verdauung fördern. Jetzt haben wir allerdings das Problem, dass seit dem Waschmittel und heute eine neue Generation Menschen herangewachsen ist, die immer noch nach dem Schema F berieselt wird: Das ist gut, das andere ist bäh! Diesen Kreis durchbricht „Wir Bio-Heiligen“ nicht. Mehr noch: Die Artikelfolge gibt keinen triftigen Anlaß dafür, über eine solche Durchbrechung nachzudenken. Auch die junge Konsumentengeneration wird anhand der Artikel nur feststellen können, dass einige Inhalte weniger halten als die Etiketten versprechen.

Der Unterschied zum Zustand vor noch wenigen Jahren ist, und darin läge die eigentliche Chance, dass Informationen besser zugänglich sind, eigentlich in Reichweite von Jedem, zumindest hier in Deutschland. Wenn also etwa von „Ökobilanz“ gesprochen wird, was hinderte die Aufklärung darüber, was man damit meint, gemeinhin oder aber sehr partikular, vielleicht sogar sehr politisch? Das ist nicht nur Thema für Fachkongresse oder Aufsichtsräte, das ist etwas, in dem wir selbst ganz konkret Bestandteil sind. „Nur“ die Message „weniger konsumieren“ hallt da ein wenig nach. Aber nur ganz wenig.
mh schrieb am 19.04.2010 um 14:37
obst/gemüse/eier/milch = bio = ok

fleisch- und wurstwaren = bio = qualiunterschied stark
schwankend, beim bauern um die ecke kaufen reicht

kaffee = bio = blödsinn

bie tiefkühlkost sind generell abschläge zu machen.

da gibt es mE genug studien und statistiken, anhand derer man sich seine persönliche grobe richtung basteln kann. im zweifel gilt der zufall.

mfg
mh
ed2murrow schrieb am 19.04.2010 um 15:44
mh schrieb am 19.04.2010 um 14:37

„da gibt es mE genug studien und statistiken, anhand derer man sich seine persönliche grobe richtung basteln kann. im zweifel gilt der zufall.“

Natürlich kann und wird der Freitag kein Konsumenten(schutz)medium sein/wollen. Angesichts des erhobenen Zeigefingers „Du sollst weniger konsumieren“ gestatte ich mir die Hinterfragung, wie zumindest die Fingerzeige aussehen. Ich nehme einen Punkt, der mir aufgefallen ist.

Michael Jäger schreibt unter dem Unterpunkt „Irre Prognosen“: „[...] wenn die Herden wegen ihres Methanausstoßes verringert werden müssen.“ Warum „muss“ das so sein und warum wegen des Methans? Der von Michael Jäger intendierte Hintersinn dürfte, soweit dies für mich nachvollziehbar ist, die Anknüpfung an die Klimadebatte sein und die Rolle, die Methan als sog. Klimagas darin spielt. Das ist etwas, wovon ich absolut nichts verstehe und worüber ich mich nie wirklich dokumentiert habe. Ich bin also auf andere, auch sehr populäre Quellen angewiesen, wie etwa einen Artikel von stern-online vom 13.09.2007, wo es heißt: „Wie groß der Methan-Anteil an den weltweiten Gesamtemissionen ist, lässt sich nur schätzen - das World Resources Institute (WRI) beziffert ihn auf 14 Prozent, ein Drittel davon stammt dabei aus Viehzucht und Düngerwirtschaft“. Und die anderen zwei Drittel?

Worauf aufgebaut wird, ist demnach eine Einsicht in bestimmte naturwissenschaftliche Erkenntnisse, was ja richtig ist, ohne jedoch diese selber zu benennen oder die Zwangsläufigkeit zu erläutern. Die jahrelange Kampagne etwa gegen die Rinderzucht in einigen Ländern Südamerikas im Zusammenhang mit einem bekannten Bulettenverarbeiter hat diesen weder seine Buden gekostet (im Gegenteil) noch verhindert sie, dass weiterhin eine der wenigen grünen Lungen dieser Welt weiter abgeholzt wird. Von Zwangsläufigkeit also keine Spur.

Wenn ich also von Chance schrieb, dann wäre es z.B. die, hier in der online-Ausgabe die Paper-Artikel mit entsprechenden Links zu versehen, im zitierten Text etwa die Passage „wegen ihres Methanausstoßes“. Das böte Gelegenheit für jeden Leser, sich mit der Erkenntnisquelle auseinander zu setzen und sich zu überlegen, ob die angestimmte Prognose eine Möglichkeit oder eine Wahrscheinlichkeit in sich trägt.

Man könnte sonst versucht sein, in einem Gutteil der anderen zwei Drittel die mittlerweile 6,5 Milliarden Menschen selbst zu erblicken, und die stehen am Ende jeder(!) Nahrungskette.
Michael Jäger schrieb am 19.04.2010 um 22:00
@ ed2murrow
Ich finde Ihre Anmahnung ausführlicherer und genauerer Erörterung des von mir mit einem puren Stichwort - was soll man machen, wenn man wenig Raum hat? - benannten Sachverhalts sehr berechtigt. Die Rinderherden sind aus v i e l e n Gründen hochproblematisch, u.a. wegen des Methans. Was ich über diesen Komplex weiß, verdanke ich Jeremy Rifkins Buch Das Imperium der Rinder, Campus Verlag, Ffm./NY 1994. Ich werde versuchen, die Redaktion zu überreden, daß sie mich oder irgendwen darüber noch einen etwas längeren Artikel schreiben läßt.
ed2murrow schrieb am 20.04.2010 um 08:25
Sehr geehrter Michael Jäger,

Dankf ür Ihre Antwort. Die Enge des Raums, auf dem Sie geschrieben haben, ist mir bewußt. Daher schrieb ich von Verlinkung: Ich meine das wirklich ernst und bin mir nicht sicher, ob sich so etwas überhaupt realisieren läßt. Denn es gibt bisher in den Formaten, die Artikel aus dem Papier übernehmen, sehr selten die Nutzung dieser Möglichkeit, das Weiterführende (oder auch nur den Einstieg zu einer bestimmten Thematik), die Verweisung auf das, was sich der Autor an Gedanken "nebenher" gemacht hat, eigentlich die Fußnote. Ich empfinde es sogar als ästethisch, wenn die Schlagworte eines Artikels, durch Unterstreichung kenntlich gemacht, separat durch einen Link tatsächlich vertieft werden. Etwas, was wie in Ihrem Fall sehr apodiktisch daher kommt, bekäme plötzlich aus sich heraus eine ganz neue Bedeutung. Ist so etwas wünschenswert? Wenn ich blogge, stelle ich mir die Frage ständig.
Columbus schrieb am 20.04.2010 um 12:32
1) Methanquellen (Anteile):

www2.chemie.uni-erlangen.de/projects/vsc/chemie-mediziner-neu/kohlenwasserstoffe/methan_atmosphaere.html

2) Energieabsorption durch Spurengase:

www.chemievorlesung.uni-kiel.de/1992_umweltbelastung/ozon6.htm

Vorlesungs-Skript der Uni Kiel aus dem Jahr 1992!
Das ist nicht nur historisch interssant zu lesen, sondern erklärt auch, warum mittlerweile die anderen „Treibhausgase“, außer der Basis „Wasserdampf“, so wichtig werden. - Wie gesagt, einen gewissen Treibhauseffekt braucht es, sonst kühlte die Erde aus und die Lebensbedingungen verschlechterten sich rapide.

Schauen Sie sich die IR (Infrarot)-Absorptionsspektren für Wasserdampf und die anderen Treibhausgase an. Sie sehen, der Wasserdampf kann die Wärmeabstrahlung der Erde, das ist die infrarote Strahlung zwischen 8 und 20 Millimeter Wellenlänge nicht so gut aufnehmen. Dafür können das aber die anderen, z.T. durch den Menschen und seine Aktvitäten freigesetzten Treibhausgase! Sie füllen die Lücke und sind nun die Hauptstellglieder. Bei weiterer Erwärmung wird aber auch Wasserdampf wieder zum Stellglied, weil die Atmosphäre davon bei Temperaturerhöhung mehr aufnehmen kann. Damals sah man die FCKW als Hauptbedrohung. Das hat sich geändert. - Ansonsten überrascht die klare Didaktik und das damals schon vorhandene Wissen.

3) Statements der Forscher des Alfred- Wegener Instituts für Polar- und Meeresforschung zum Klimawandel:

www.awi.de/de/aktuelles_und_presse/hintergrund/klimawandel/
Den Überblick liefert Professor Lemke

Grüße und Mahlzeit

Christoph Leusch
Michael Jäger schrieb am 20.04.2010 um 21:57
Am Ende von Columbus 12:32 Vorlesungsskript 2) Punkt 4 wird zum Methan das Entscheidende gesagt. Wie es zu dem Wahnsinn gekommen ist, daß auf zwei Menschen ein Rind kommt, und wie es europäische Menschen waren, die ihn in die Wege geleitet haben, zeigt Rifkin.

Ich möchte noch bemerken, daß die Bitte um Links zwar richtig ist und wir ihr wirklich nach Kräften nachkommen sollten - daß Links aber nicht die Lektüre von Büchern ersetzen. Links führen ins Internet hinein, dieses folgt überwiegend, wenn auch nicht ausschließlich, der Logik der Information. Information ist noch nicht Zusammenhangswissen und schon gar nicht Urteilskraft. Beides erlangt man eher durch Bücher. Ihnen, ed2murrow, braucht man das nicht zu sagen, aber ich halte es im allgemeinen für einen wichtigen sachlichen Aspekt - wenn ich nur an das neueste "Internet-Manifest" von David Gelernter denke, das die FAS vor einigen Wochen brachte! - und versäume deshalb die Gelegenheit nicht, es zu sagen.
Columbus schrieb am 21.04.2010 um 14:20
Volle Zustimmung, Herr Jäger, die Rinder, der Müll, produzieren den Teil des klimawirksamen Methans, den wir derzeit noch steuern können (siehe 1).

Sollte die Erwärmung fortschreiten, dann kommen die Dinge in Betracht, die das IPCC, zuletzt in seinem Zwischenbericht, erwähnte. Permafrostböden tauen. Methan wird frei.

Die Hauptschraube beim menschengemachten Klimawandel bleibt aber das CO-2. Hier ist auch der Anteil, den wir technisch kontrollieren könnten, wenn wir wollten, viel größer.

Liebe Grüße und Dank auch für den wirklich sinnvollen Hinweis auf Rifkin.

Christoph Leusch
Katharina Körting schrieb am 19.04.2010 um 14:00
Vielen Dank, Herr Leusch!

Auch mir erschien das Wochenthema ein Kind mit dem Bade auszuschütten, das noch gar nicht geboren ist - und schon gar nicht in der Lage, sich gegen das Verschütten zu wehren. Man könnte von Abtreibung sprechen, im Sinne einer zeitgeistgemäßen Provokation auf-Teufel-komm-raus, die - wen eigentlich? und warum? urbaner Überdruss? ein bisschen schickes Nase-rümpfen und auf-keinen-Fall-mitmachen-was-alle-Prenzlauer-Berger-machen? - treffen soll?
Mithin, in gewisser Weise: kindischer Pseudo-Journalismus, der in einer (wenig spannenden) Glosse Platz hätte (und hier ja auch schon reichlich Plätze in diversen Medien fand, samt Schenkelklopfen und hahahah, die dummen Bios) als hier.

Freut mich sehr, dass Sie Ihre aufwändige Recherche und Kenntnisse als Replik dazu hier (mit)teilen.
Kathrin Zinkant schrieb am 19.04.2010 um 14:29
Lieber Herr Leusch, vielen Dank für die ausführlichen Überlegungen und Hinweise. Ich hab noch nicht in jedem Punkt verstanden, was genau Sie an meinem Beitrag denn nun gestört hat, Sie halten Ihre Aussagen da leider recht allgemein. Aber ich versuche mal eine Antwort:

Dass Kupfer ein Randphänomen ist, mögen Sie so empfinden, aber da es dauerhaft im Boden verbleibt und zahlreiche Organismen schädigt, wie Sie selbst schreiben, und angesichts der Tatsache, dass eben nicht nur Tomaten oder Weinstöcke damit eingesprüht werden, sondern mindestens auch Äpfel, halte ich das durchaus für erwähnenswert, wenn es um die Frage geht, ob Bio auch umweltschädlich sein kann oder nicht.

Es geht dabei aber eben NICHT um die Frage, ob bio überhaupt besser ist als konventionell. Es geht um die Größe des Nutzens von ökologischer gegenüber konventioneller Landwirtschaft. Dieser Nutzen ist, vor allem das Klima betreffend, nicht gerade exorbitant groß. Für manche Pflanzen (wie bestimmte Getreide) ist er größer, für andere (Tomaten werden da oft genannt) verschwindend gering bis nicht vorhanden.

Und trotzdem kann man unterm Strich zu dem vollkommen plausiblen Ergebnis kommen: Bio ist sinnstiftender als konventionell – auch wenn es in der Tat schwierig sein dürfte, mit Biolebensmitteln den Welthunger zu stillen, so lange die Menschen in den Industrienationen sich weiter an Kostpläne a la Carl Voit (von 1876, glaube ich) halten und jeden Tag viel Fleisch essen.

Das ist ja gerade die interessante Erkenntnis, die zwar jeder irgendwie kennt, die aber noch immer viel zu wenige Menschen in ihrem Konsumverhalten erreicht hat: Massiver Fleischverzehr vernichtet Nahrung und treibt den Klimawandel an.

Wer also etwas für die Umwelt tun will, sollte selten fliegen, wenig Auto fahren, vernünftig heizen, wenig Strom verplempern und selten Fleisch essen. Und kann dazu noch bio kaufen, was die Belastung von Mensch und Umwelt mit synthetischen Pestiziden auf jeden Fall senkt. Aber eben nicht nur harmlos für die Umwelt ist, deshalb. Da haben die Kritiker leider nicht unrecht.
Columbus schrieb am 19.04.2010 um 18:21
Frau Zinkant,

Sie sind ja, bei meiner milden Gesamtkritik, relativ gut weg gekommen (Schmunzeln erlaubt). Aber, auch Sie verwiesen ja auf Foodwatch und sie brachten die Hinweise zur FAO, etc.

Die heiklen Punkte sind natürlich in der Landwirtschaft, was die Klimagase angeht, die Fleischproduktion und vor allem auch der nasse Anbau von Reis. - Sie argumentieren mit der FAO u.a., mit dem eingesetzten Energiebetrag pro erzeugter Fleischeinheit.

Die Angaben zur konventionellen Rindermast sind ja höchst umstritten, weil die Höchstleistung in diesem Bereich, übrigens ebenso wie die Höchstleistung bei der Milchwirtschaft (Superkühe produzieren weit über 10.000kg Milch/Jahr), nur mit einem beständigen Strom an externer Proteinzufuhr ("Kraftfutter"), mit einer Ausweitung des Grünlandes und unter Inkaufnahme eines gewaltigen Gülleüberschusses, sowie mit der beständigen Zufuhr von Mineraldünger zu haben sind. - An dieser Stelle einmal völlig von der extremen Artenarmut dieser Rassemast, den Folgen für die Betriebsflächen, für Randbereiche zu extensiven Räumen und der dafür notwendigen industriellen Tierhaltung, was wiederum Rückwirkungen auf das Landschaftbild hat, abgesehen.

Die energetische Bewertung der Foodwatch/i.ö.w sieht deshalb auch für Rindfleisch schon anders aus. Selbstverständlich haben in unseren Nachbarländern Schweiz und Österreich, die viel konsequenter die ökologische Landwirtschaft fördern, die entsprechenden Institute auch noch bessere Vergleichszahlen publiziert.

Ein Beispiel aus dem Weizenanbau:
Da wird immer noch kolportiert, der Bioweizenanbau verbrauche für den gleichen Hektar-Ertrag eine doppelt so große Fläche. Das ist aber sicher nicht mehr richtig.

Fazit: Die These, Bio-Produkte schadeten der Umwelt und dem Klima, die lässt sich nicht mit gutem Gewissen vertreten. Die These, nicht immer sei Bio-Landwirtschaft energetisch besser, schon eher.

Die acht Thesen der Foodwatch/i.ö.w-Studie hatte ich ja genannt. Darunter: Komplettumbau der Landwirtschaft auf Bio.

Zuletzt ganz allgemein, also nicht an ihrem Artikel fest gemacht: Ich habe ja nicht einen guten technischen Apparat und arbeite eine Woche oder länger an diesen Geschichten, wünschte ich mir einfach mehr faktische Stringenz und ein bisschen mehr inhaltlichen Anspruch, ganz besonders dann, wenn man mit dem Wort "Wahrheit" journalistisch jongliert.

An Ihrer Feststellung, dass die meiste Energie in der Landwirtschaft durch die überkalorische und zu stark fleischlastige westliche, und nun auch asiatische Lebensweise, verloren geht , melde ich natürlich keinen Zweifel an. Allerdings wächst derzeit eine unheimliche Konkurrenz, die Energiepflanzen-Produktion, die zu 99% konventionell betrieben wird und weder den Lebensmittelvorschriften, noch einer traditionsreichen bäuerlichen Praxis, noch einem Landschaftsschutzstandard verpflichtet ist.

Wie es als positive Kritik zu verstehen ist, das hatte ich schon Steffen Kraft gepostet.

Ihnen weiterhin Glück und Erfolg, auf das der "Freitag" wachse.

Christoph Leusch
ed2murrow schrieb am 19.04.2010 um 17:00
Ich bedauere sehr, lieber Christoph Leusch, dass nun ein anderweitiger Blog ganz schnell zusammengezimmert wurde und nun die Top-Blogs ziert. Von weiterer Vertiefung keine Spur, eher Flurbereinigung. Meine ***** habe ich vergeben.
Columbus schrieb am 19.04.2010 um 18:34
Lieber "Ed2murrow"

Vielen Dank für die Zuschrift. Danke für die Wertung. - Ich muss allerdings eingestehen, ich persönlich werte in keinem Forum Artikel mit Sternchen.

Bitte nehmen Sie es nicht als Kritik, es ist meine Eigenart. Ich musste ja auch schon erklären, warum ich nicht duze. Es ist nicht böse gemeint, sondern dient, nach meiner Meinung, der Versachlichung. Wenn mich was besonders freut, schreibe ich. Ebenso, wenn ich denke es liegt völlig daneben. Auch dann, wenn ich denke, ein Beitrag verdiene mehr Beachtung, schreibe ich es, sofern es mir im Meer der Meldungen überhaupt zur Kenntnis kommt.

Ich will auch keine neue Diskussion über die Flut an Beiträgen in der Community entfachen, kenne es eben, genau so, schon aus anderen Foren. Top-Blog und Cloud sind mir ebenfalls völlig schnuppe.

Zur Ehrenrettung des "Der Freitag", nein, zu einer kleinen Liebeserklärung, möchte ich doch ansetzen. Die "Freitags-Autoren" stellen sich und liefern auch Inhalte nach. Sie wissen doch, wie das sonst, bei den "Qualitätsmedien", so ist.

Liebe Grüße und bis bald, hier im Forum

Christoph Leusch
Hans Hirschel schrieb am 20.04.2010 um 01:11
Danke für diese Entgegnung! Aus Symphatie für den Zeitungsverkäufer hatte ich einmal wieder den Freitag erworben, und das wird wohl auch das letze Mal sein. Ungenießbar vor allem das die von keinerlei Sachkenntnis getrübte Aufzählung kruder Feindbildprojektionen (z.B. gegen die Perspektive der nachhaltigen Entwicklung) im ersten Beitrag.

Nunja, selbst Schuld. Der Titel versprach ja eben genau das.

Dem Freitag kann man da nur noch "gute Besserung" wünschen.
Gruß hh
Columbus schrieb am 20.04.2010 um 12:49
Lieber Hans Hirschel,

Ich hoffe ja eher darauf, dass, bei aller berechtigter Kritik, die kleine Redaktion, bei steigenden Abo und Verkaufszahlen (Hoffnung),
noch ein wenig ins Wissen investiert und auch die Kultur wieder auffüttert. Das geht schon.

Und Frau Zinkants oder Frau Krampe legen schon die Finger in die richtigen Wunden. Vielleicht ein wenig zu einseitig, weil sie glauben, die Bio- und Öko- Ecke der Meinungen hätte überall schon das Sagen, sei dominant. - In der Realität erleben wir ja derzeit eine Serie von heimlichen, aber nachhaltigen, Rückschritten, die den Konsum und die Industrieproduktion wieder stärker an den Gewinnchancen ausrichtet, die die Energiewende eher verzögert (Atomausstieg, radikale Subventionskürzungen für solare Anlagen, Förderung der konventionellen Landwirtschaft gegenüber der alternativen Wirtschaftsweise im Verhältnis 10-20:1, Stillstand bei der heimischen Umstellung von Betrieben, und bei der angeblich "grünen" Technik).

Die Bigotterie der Gesellschaft ist groß, vor allem am Prenzlberg und rund um die politische Vertretung im Reichstags-und Regierungsviertel.
Ökologische Entscheidungen sind dort eher Marginalien. Das macht diese Artikelserie auch so schwer verdaulich, weil sie eine andere Wahrnehmung zu erzeugen versucht.

Auf eine "Bionade-Ökologismus" kann man getrost verzichten.

Liebe Grüße und Mahlzeit
Christoph Leusch
Hans Hirschel schrieb am 22.04.2010 um 01:24
Das Blöde ist doch, dass die gesellschaftlichen Kräfteverhältnisse immer noch so sind, dass man nicht mal auf den Bionade-Ökologismus wirklich verzichten kann. (Ich mag Zuckerwasser mit Biogeschmack ja auch nicht, aber gilt es nicht immer auch das emanzipatorische Potenzial zu sehen und wo möglich zu stärken?) Das Zusammenstreichen der Übergangshilfen wird durch solche Polemiken doch nur belohnt.

Tatsächlich ist das Pappkemeradenschießen ja aus der lilarosa Biosektenperspektive geschrieben, so sehr man auch genau darüber zu höhnen versucht - in diesem schlechten "Spiegel" Stil.

In mehr Wissen investieren möchte ich dem Freitag auch empfehlen.

„Die Phrasen vom Bewußtsein hören auf, wirkliches Wissen muß an ihre Stelle treten.“
Marx/Engels: Die deutsche Ideologie, MEW Bd. 3, S. 27

:-)

Viele Kommentare enthalten ja auch gute Hinweise.

Gruß hh
Hans Hirschel schrieb am 22.04.2010 um 01:30
Die Möglichkeit, nachträglich Tippfehler zu korrigieren, wäre übrigens auch nicht schlecht. Bei Claudia Langes Utopia geht das sogar noch Wochen und Monate nach dem Abschicken.

Gruß hh
Columbus
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