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Überlebensprinzip Missverständnis?
Eine kurze Replik auf Michael Pickhardts Widerspruch zu meinem Artikel, „Das Bauhaus der grünen Idee“, im „der Freitag“, Nr. 26.
Das größte Missverständnis kommt gleich im Teaser daher. „Mensch und Umwelt als Gegner“ in einem „Kampf“.
Nein, davon handelte mein Beitrag nun überhaupt nicht. - Warum nicht? Weil ich nicht ein Wort dazu schrieb und es seit ungefähr ein- oder zwei Jahrhunderten, -wann und wie genau, das ist was für Bücher und ganze Bibliotheken Stoff-, auch keinen ernst zu nehmenden Gegner „Natur“ mehr gibt. Das räumt Michael Pickhardt selbst ein.
Ich schrieb, dass die meisten schwerwiegenden Eingriffe des Menschen in die Natur nicht etwa zielgerichtet und nach einem gemeinschaftlich beschlossenen Gestaltungsplan erfolgten, sondern weitgehend voneinander unabhängig und eher durch von ökonomischen Interessen geprägten Entscheidungen beeinflusst.
Mein Text handelte hauptsächlich von den Naturschützern, von ihren Motiven, ihren Absichten. Nämlich mit großer Kunstfertigkeit und Künstlichkeit, hier bei uns, Naturresevate und Schutzgebiete einzurichten, die andererseits von eine nicht kleinen Zahl von Mitbürgern, als Relikte, als funktionslose und vor allem nicht profitable, dazu unscheinbare und unattraktive Zonen eingeschätzt und somit abgelehnt werden.
Warum also Auenwälder und Feuchtbiotope, mit den ach so laut quarkenden Fröschen, bei uns retten oder sogar neu anlegen, und nicht eine ordentlich begradigte und leistungsfähige Wasserstraße mit deicharmierten Grünlandpoldern und Hochwasserschutzmauern verwirklichen? Noch einmal um 1- 1,5 Meter vertieft, verbreitert ausgebaggert, könnten größere Schiffe fahren, könnte auch mehr verdient werden. - Jedenfalls glauben das die Anhänger solcher Pläne und nutzen es als Hauptargument.
Drumherum könnte man den bewirtschafteten Landschaftsraum mit relativ wasserfesten Weiden-Energiepflanzenheistern vollsetzen, damit in Zukunft Deutschland auf dem Weg zur Autarkie, 25% seines Sprits aus Biomasse bezieht. Es gäbe immer noch einen Haufen Zeitgenossen, die auch das wunderschön fänden. - Genau so gestrickt, sehen nämlich manche ingenieurstechnischen Träume aus. Bei großen Staudammprojekten in Indien, China, oder in der Türkei, oder beim Flussausbau am Rhein-Main-Donau-Kanal und an der Elbe, wurden diese Ziele bisher auch weitgehend umgesetzt.
Warum also nicht nur Seen und Flüsse als Transportwege, Wasserresourcen und Freizeit-Resorts planen und verwirklichen, sondern daneben auch diese eher bescheidenen, kleinen, unscheinbar wirkenden, kontemplativen, allenfalls vorsichtig und möglichst geführt betretbaren Biotope? - Fachleute sprechen bei diesen Flächen von hoher „Trittsensibilität“ und hoher Störanfälligkeit. - Warum also gestufte Waldrandzonen und stärkere Auslichtungen, warum wieder extensive Weidewirtschaft?
Warum andererseits weitgehend eingriffslose Flächen, hier bei uns in Europa, anstatt nur Nutzwälder für die Energie-, Baustoff- und Papierproduktion und den Naherholungswald für den Trimmpfad? - Ich habe versucht, Leuten eine gedankliche Brücke zu bauen, die Arten- und Biotopschutz hierzulande eher belächeln, damit also sprichwörtlich nichts anfangen können.
Denn wenn die, von uns künstlich und kunstfertig erhaltenen, Naturräume zusätzliche Funktionen (Tourismus, Hochwasserschutz) bekommen, wenn sie Teil unserer stolz vorgezeigten und fortgeschriebenen Kultur sind, dann bleiben sie erhalten und sind weniger gefährdet, einer allgemeinen Rücksichtslosigkeit oder dem Ausbau anderer, ökonomisch ertragreicherer Funktionen zum Opfer zu fallen. Das war der eine Kern meines Beitrags. Künstlichkeit und Kunstfertigkeit ist hier wirklich eine Existenzfrage und auch eine Frage intelligenter Technik und systemischer biologischer Wissenschaft.
Gerade entgegen der Unterstellung, ich forderte eine Rückkehr zum Zustand vor der agrarischen und industriellen Revolution, habe ich doch ausdrücklich darauf verwiesen, dass in Mitteleuropa Artenreichtum und landschaftliche Vielfalt mit dem kulturellen und gemeinschaftlichen Natureingriff des Menschen verbunden war. Hier, bei uns, kam der Artenreichtum mit dem aktiven Menschen und mit seinem Willen zu überleben an.
Aber die technischen Mittel, vor allem die aus ökonomischen Nutzungsansprüchen entstehenden Forderungen bedrohen in neuer Zeit den einmal geschaffenen Reichtum. Wegen der Naturferne unserer Lebensweise, - Artenvielfalt wird z.B. oft überhaupt nicht erkannt oder als bedrohlich und unübersichtlich erlebt-, fehlt weitestgehend das Bewusstsein für „nutzlose“ Naturräume, für das „Gestrüpp“.
Ich ziehe also sicher nicht allein in den Wald, gründe kein Walden III, will nicht 500 Jahre zurück, sondern hoffe auf einen Zeitgewinn durch kluge Beschränkung unserer tatsächlich vorhandenen Möglichkeiten, dort wo es wirklich darauf an kommt. Für uns in Mitteleuropa plädiere ich für einen kunstvollen und naturschützenden Eingriff. Für die Stadt schwebt mir eine „grüne Stadt“ vor. - Was ist daran arrogant, stereotyp, ohne Bezug zu den Lebensverhältnissen der Menschen?
Renaturierte Flussauen und Pferderassen-Rückzucht, das waren ja Jakob Augsteins Beispiele, müssen kunstfertig wieder geschaffen werden. Ich würde noch dazu schreiben, die renaturierte Emscher- und Ruhrlandschaft, die in der Nähe liegenden Schlacken- und Haldenbiotope, sind unbedingt schützenswert und dürfen nicht der Sukzession verfallen. Das kostet Mühe, Hirnschweiß und auch Geld.
Einen wichtigen, nicht an die biologische Funktion gebundenen Grund gab ich an: Diese Flächen sind in mehrfacher Hinsicht bewusstseinsbildend, weil sie extreme Sorgfalt und Beobachtungsgabe erfordern und unsere Fähigkeit zur sensiblen Differenzierung steigern. Mir „menschenverachtende Fantasie“ zu unterstellen, das Fragezeichen kaschiert das ja hier nur halbwegs, bei mir einen „Rousseauismus“ (Welchen Rousseaus zudem, denn ich kenne mindestens drei Denkhaltungen bei ihm. Die des „Gesellschaftsvertrags“, die des „Émile“ oder die der preisgekrönten Schrift zur Ungleichtheit unter den Menschen.) zu vermuten, es ist ja nicht anerkennend, sondern spöttisch gemeint, das ist schon stark, hat aber mit meinem Text nicht viel zu tun. - Gerade das Gegenteil versuchte ich klar zu machen. Es ist mir offenbar nur unvollständig gelungen.
Die Idee vom „grünen Bauhaus“ ist eine Analogiebildung, um zu verstehen, um was es dabei geht. Im Denken vieler Fachleute und vieler Laien steht das Bauhaus für Nüchternheit, Kargheit, völlige Sachlichkeit und Farblosigkeit. In Wahrheit hatte die Bauhauslehre einen ganzheitlichen Ansatz, ging sehr bewusst und differenziert mit Farbe um und bedachte immer das Umfeld und das „Überlebensprinzip der Communitas“. Das wurde nicht nur gemeinschaftlich gelehrt, sondern auch gelebt und danach, bei Projekten, gehandelt. Dieses Wissen und die Vorgehensweise könnten ja durchaus helfen, dass der Mensch nicht nur „in den Städten leben muss“, sondern dort leben will und das viel besser könnte, als heute. Jedenfalls arbeiten ja einige „Besserwisser“ daran, das Bauhausklischee zu überwinden, zu unser aller Nutzen.
Nun, Michael Pickhardt findet nur eine Stelle meines Artikels wirklich spannend. Den Rest, ja, eigentlich all´ das, was hier obendran noch einmal steht, kennt er schon und weiß längst darum. - Darum ist ihm langweilig. Das ist sein gutes Recht. Ich finde allerdings, er wird den Inhalten meines Beitrags damit nicht gerecht.
Ich schlug vor, die kategorischen biologischen Unterschiede in den Naturbedingungen Europas und weiter Teile Nordamerikas, im Vergeich mit den Biotopen auf der Südhalbkugel und um die Pole, aber auch in der borealen Zone im Norden Eurasiens und Amerikas, ernst zu nehmen. Eine Streuobstwiese ist eben kein tropischer Regenwald, keine Taiga, keine Tundra, obwohl sie bei uns als eines der artenreichsten Biotope überhaupt, von Menschenhand geschaffen wurde.
Die eigentliche Gefahr droht den lebenswichtigen Großökosystemen der Erde, vor allem wegen des technischen und industriellen Könnens des Menschen und der alles durchdringenden Ökonomisierung. Ohne Frage sind wir heute in der Lage, den Regenwald komplett ab zu holzen und die Ozeane so zu versauern, dass die oberste, durchlichtete Meereszone, eine der Haupt-Biomasseproduktionsflächen der Erde, als Regenerationsraum ausfällt. Ob wir unbewusst oder systematisch vorgehen, spielt dabei überhaupt keine Rolle.
An diese Stelle tritt dann eventuell, so eine, zugegeben derzeit noch zugespitzte Fantasie, die Pflanzenproduktion für den Weltmarkt (Nahrung, Futterpfanzen, Energiepflanzen), die Tiermast auf mageren Böden oder in ausschließlicher Stallwirtschaft, die dann selbst wieder Grünland als Futterpflanzenland und Fischproteine braucht, und natürlich die Grabung nach Bodenschätzen. An die Stelle der noch weitgehend unberührten Biome tritt eine technisch kontrollierbare „Nutz- und Zier- Pflanzen- und Tierwelt“, die aber nicht etwa einen positiven energetischen und klimatischen Output hat, sondern zum Energieverbraucher, über das naturinhärente und bilanzneutrale Photosynthesesystem hinaus, wird, die ständig Nachschub von anderen, nährstoff- und mineralreichen Flächen, sowie die intensive „Pflege“ des Menschen braucht.
Die menschlichen Mittel reichen aus zur Vernichtung, während der zerstörerische Komet noch lange nicht in Sicht ist und höchstens wieder einmal im Sommerloch fantastisch vorbei fliegt. Derzeit schreitet die Zerstörung ohne erkennbare Verlangsamung oder Endpunkt in vielen solcher, „Biome“ (Großökozonen) fort. Das Gleiche gilt für unser Potential, durch Überfischung, Ausbeutung der Meeresböden und den Folgehandlungen zur Deckung unseres derzeitigen Energieverbrauchs, die großen ozeanischen Lebensräume, viel genauer noch, deren grundlegende und für uns notwendige Erneuerungszyklen zu zerstören. In Teilen der Weltmeere macht sich das schon für viele Menschen, die nicht auf dem Oberdeck eines Kreuzfahrtschiffs, eines Tankers, eines Trawlers, oder eines Containerschiffs stehen, sondern dort an den Küsten leben müssen, leidvoll und deutlich bemerkbar.
Über die Entwicklung der Gattung „Homo“ zu lesen ist immer spannend und selbstverständlich ist es schön und ein Zeichen von Hoffnung, wie sich der Mensch aus eigener bewusster Tätigkeit zum Weltenherrscher machte. Gemeinschaftlich, oder doch mehr individualistisch, interessesengeleitet oder eher spielerisch. Michael Pickardt berichtet dazu und das ist gut so. Ich könnte es sofort unterschreiben.
Ich weiß derzeit auch nicht, wie die ablaufenden Zerstörungsprozesse in den großen Ökoräumen, die man eigentlich wissenschaftlich und politisch seit der Konferenz von Rio beherrschen und letztlich verhindern wollte, als Beitrag und Zeichen gemeinschaftlicher Entscheidung und Übereinkunft, doch noch zu einem Stillstand gebracht werden könnten. Ein Fünftel, bald ein Viertel des Regenwaldes, darunter fast der gesamte Ostküstenregenwald Brasiliens, ist schon weg und Satelliten dokumentieren die rapiden Regenwaldverluste an der Grenze zur südlich und westlich gelegenen Steppen- und Weidelandschaft, jedes Jahr erneut.
Auch stimmt die kategorische Behauptung nicht: „Eingriffslos hieße ja auf jeden Fall auch grenzenlos.“ - Genau vom Gegenteil schrieb ich! Wir müssen uns Grenzen setzen und wenn wir es nicht tun, ziehen die geschaffenen Verhältnisse uns Grenzen. Das Ökosystem Erde ist keine Erfindung von ein paar ökologischen Spinnern, sondern schon eine Weile lang eine anerkannte wissenschaftliche Betrachtungsweise, der eher nur wenige Experten widersprechen. Warum sollten es Linke und „der Freitag“-Leser als Kassandrarufen und apokalyptisches Gefasel abtun? Etwa nur deshalb, damit auch Linke weiter machen wie bisher?
Die möglichen Einsichten richten sich überhaupt nicht gegen die Menschen, die sich z.B. aus Not und dem Willen für sich ein besseres Leben zu schaffen, ein paar Hektar Urwald holen und es urbar machen. Die waren und sind nämlich im Prozess der Zerstörung der kleinere Teil. Die Urwaldflächen und die Weltmeere werden nicht in deren Namen erschlossen, umgepflügt und umgegraben, nicht für deren besseres Leben, sondern hauptsächlich in unserem Namen, auf unsere Rechnung und zu unserem Nutzen. - Zugegeben, für den Katzentisch fällt manchmal auch was ab.
Ja, tatsächlich, Wissenschaft, Landwirtschaft und Technik schaffen uns eine hohe Lebenserwartung und die Wahlmöglichkeiten zwischen einem Sonntagsbrunch im Café- Kranzler, einem Ski-Weekend in den Alpen und einer Shopping-Tour nach New York. Aber deutlich anders sind die Verhältnisse dort, wo die reale materielle Basis für unsere Chancen tagtäglich erzeugt wird.
Christoph Leusch
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Zitat: "Warum also Auenwälder und Feuchtbiotope, mit den ach so laut quarkenden Fröschen, bei uns retten oder sogar neu anlegen, und nicht eine ordentlich begradigte und leistungsfähige Wasserstraße mit deicharmierten Grünlandpoldern und Hochwasserschutzmauern verwirklichen? Noch einmal um 1- 1,5 Meter vertieft, verbreitert ausgebaggert, könnten größere Schiffe fahren, könnte auch mehr verdient werden."
Argumente gegen den Elbeausbau finden Sie auf der www.elbeinsel.de/ |
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Absolut. Das ist genau so ein Unsinn, die Elbe auszubauen, wie die immer noch nicht verbrannten Pläne der bayrischen Regierung, am Main-Donaukanal wieder weiter zu schaffen.
Liebe Grüße Christoph Leusch |
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Ich fand' deinen Artikel auch ohne den ersten gelesen zu haben, sehr informativ und tiefschürfend.
@Columbus: Eine Streuobstwiese ist eben kein tropischer Regenwald, keine Teiga, keine Tundra, obwohl sie bei uns als eines der artenreichsten Biotope überhaupt, von Menschenhand geschaffen wurde. Vielleicht ist das eine wichtige Hoffnung, dass wir den Artenreichtum nicht nur schützen können, sondern auch schaffen können (wenn uns privatwirtschaftliche Interessen nicht dabei behindern). |
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Genau. Das ist auch mein Trost. Es war ja, so gegen Ende der siebziger Jahre fast nichts mehr da. Jetzt tragen naturschützerische Bemühungen Früchte, die damals hart und bösartig von der Politik, aber auch von vielen Bürgern, bekämpft wurden.
Weniger gut sieht es in den Tropen aus. Rio war ein Feigenblatt und in einigen Ländern der asiatischen Tropen ist der Regenwald wohl kaum noch zu retten. Grüße Christoph Leusch |
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Nur Gott weiß, warum ich Kopfgeburten nicht leiden mag.
Einer der artenreichsten Biotope, der von Menschenhand geschaffen wurde ist der zoologische Garten oder Tierpark. Streuobstwiese - jeder Schrebergarten hat mehr Vielfalt. |
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Lieber Luggi,
Entweder es war provokant, vielleicht auch irgendwie scherzhaft gemeint, oder es zeugt von tiefster Unwissenheit. Suchen Sie es sich aus, oder gehen Sie einmal bei einer örtlichen NABU oder BUND- Gruppe vorbei. Alternativ einfach einmal bei der unteren Naturschutzbehörde, in Berlin, bei der Umweltbehörde vorbei gehen. Liebe Grüße Christoph Leusch |
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Lieber Columbus,
ich nehme das vierte "oder", ...oder ist es die Realität. Gehen Sie doch mal in einen Zoo und in eine Streuobstwiese und vergleichen die Artenvielfalt. Also Zoo und Streuobstwiese jeweils als Biotop betrachtet. Sehnse? |
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-Streuobstwiese 3000-5000 heimische Arten, auf 0,5-3 ha
-Berliner Zoo z.B., er ist natürlich trotzdem großartig, ca. 1000 Arten aus aller Welt, auf vielleicht 25-30 ha. -Tropischer Regenwald, auf einem Hektar ca. 40.000-60.000 Arten. - Magerrasen, Trockenrasen, allein 300-600 Pflanzenarten - Gartenrasen, 1-maximal ein Dutzend Pflanzenarten - Na, und die Schrebergärtner haben ja auch dazu gelernt und können mit bis zu 2500 Zucht- und Nutzpflanzenarten aufwarten. Allerdings sind dabei eine Menge Neophyten und regional fremde Pflanzen, die weder für Insekten, noch für heimische Tiere allzu nützlich sind. - Nur Schmecken sind unberechenbar und fressen auch Sachen, die sie niemals vorher kennen lernen konnten. Grüße Christoph Leusch |
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Hallo Columbus,
Zoo als Biotop; das ist mehr als Elephant, Tiger & Co. hinter Glas und Draht. Mal die Welt mit erweiterten und realistischen Augen sehen und wahrnehmen. Und im Schrebergarten gibt es nicht nur Zucht- und Nutzpflanzen, denn jeder ordentliche Gärtner macht z.B. in seinen Garten einen Haufen (Herricht und Preil). |
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"denn jeder ordentliche Gärtner macht z.B. in seinen Garten einen Haufen (Herricht und Preil)."
Die kennt Columbus nicht, diese Pflanzen . :-)) |
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Wie gesagt, Luggi, meine beiden Artikel richten sich ja überhaupt nicht gegen Kleingärtner und zoologische Gärten. Die schätze und liebe ich doch, jedenfalls meistens. - Der Zoo ist in den Zwischenkäfig- und Verbindungsstücken ziemlich artenarm, vgl. mit den o.g. Biotopen. Aber ich werde die anstehenden Ferien nutzen, erweitert und realistisch in die Welt zu sehen. Danke.
Liebe Grüße und gute Woche C. Leusch |
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Konnte ich ja nicht. Lebte schließlich im Tal der ahnungslosen Rheinländer. ;-))
Grüße und gute Nacht Christoph Leusch |
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Lieber Christoph Leusch,
ich habe mich in meinem Text auf einige reale Zitate in Ihrem Text bezogen. Die habe ich auch korrekt wiedergegeben. (Im Unterschied zu Ihnen, der behauptet, ich hätte Ihnen "Rousseauismus" unterstellt, was in meinem Text gar nicht vorkommt). Die Frage von Renaturierungsmaßnahmen war nicht mein Thema, sondern der - auch in Ihrem Text - formulierte Widerspruch von Mensch und Natur, das war ja auch der Ausgang der ganzen Diskussion, daran habe ich angeknüpft. Mein Kerngedanke war, dass all der Fortschritt, der uns inzwischen zu einer relativ starken Spezies gemacht hat, nicht als "unnatürliche" Ursache für unsere ökologischen Probleme, sondern als Grundlage zu ihrer Lösung betrachtet werden sollte. Ich habe gegen die Ideologisierung der Natur als angeblich gutem oder idealem Zustand argumentiert und das Kokettieren mit "eingriffslosen Zuständen" problematisiert. Dass es so etwas in der ökologischen Szene massenhaft gibt, ist bekannt. Und ich glaube, dass diese Haltung den Blick verstellen kann für Lösungen der massiven gesellschaftlichen und ökologischen Probleme, die der Mensch in und durch seine Gesellschaften erzeugt. Herzliche Grüße Michael Pickardt |
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Lieber Herr Pickhardt,
Das ist gut so. Nur trafen Sie mit ihrer Kritik, mehrfach namentlich mit meiner Person verknüpft, nicht den passenden Adressaten. Ich bin für massive ökologische Eingriffe, hier bei uns, weil sie auf allen Ebenen die mit uns was zu tun haben, Erkenntnisse, Emotionen und sinnliches Differenzierungsvermögen, Fortschritt und mehr Lebensqualität anbieten. Sie malten mich als Befürworter des grenzenlosen Nicht-Eingriffs. - Keine Angst, ich verstehe Spott und sanfte Ironie. Ich mache mich auch nicht lustig über Menschen, die aus Angst, ästhetischem Willen oder ökonomischen Überlegungen mit Reduktionsnatur und starker Ordnung besser zurecht kommen, sondern warne vor den mentalen und praktischen Folgen. Hier bei uns in Europa gibt es keine eingriffslose Natur, buchstäblich Alles ist von Menschen gemacht. Wir bestimmen und lenken selbst die Projekte, bei denen eine Art "Ersatzwildnis" wieder hergestellt wird. - Letztere mit großem Wert, vor allem für unser Empfinden und Wissen um Natur. Die Evolution des Menschen, -Die Betrachtung ist ja, wie selbst Darwin wusste, die einer Rückspiegelbetrachtung. Wer will, könnte da einmal eine schöne analoge Geschichte zu Benjamins Engel der Geschichte schreiben.-, kennt keine Ziele, aber viele Wege. Wir machen aber die meistens Wege nur, wenn wir Ziele vor Augen haben. Ich bin froh kein "Rousseauist" zu sein. Jedenfalls keiner, den man auf dieses verballhornende "Zurück zur Natur", festnageln könnte. Ich lebe in einer kleinen Großstadt und genieße es, selbst wenn auch da, in einem mühlradartigen Dauerprozess, weiterhin ganz konventionell, notwendige Natur in der Stadt klein gemahlen und beseitigt wird. - So hat man einen großen Teil der Kaltluftschneisen ohne eigentliche Not gewerblichen und wohnbaulichen Projekten geopfert und die Zersiedelung der Landschaft kräftig voran getrieben. - Das ist der planerischer und städtebaulicher Alltag. Z.B. in Brasilien, kehren sich die Verhältnisse um. Das liegt an der Biologie des Regenwaldes, die wir kennen, aber nicht ausreichend berücksichtigen. Hier wäre Eingriffslosigkeit nicht nur die einzige Chance, sondern umgekehrt auch nicht das Ende Brasiliens als eines der führenden Schwellenländer, zukünftig einer der führenden Industrie- und Technologiestaaten, und schon gar nicht ein Schlag gegen die Armen dieses Landes, die sich ein Stück Acker aus dem Urwald schlagen, weil sie von den besseren Böden und den besseren Lebenschancen durch Macht und wesentlich stärkere ökonomische Interessen verdrängt werden. - Ein wenig funktioniert das wie die Gentryfizierung Berlins u.a. Städte, und die dadurch fast notwendige Flächenzersiedelung, bei eher abnehmenden Bevölkerungszahlen und alternder Bevölkerung, die doch weniger Raum, schon aus Gründen der Bequemlichkeit, verbrauchen müsste, es aber partout nicht tut. Im Prinzip ist es so, dass die Regierung Brasiliens stillschweigend sagt, ihr wollt Land, gut dann holt es euch. Offiziell gibt es gegenläufige Gesetze. Zu den international organisierten Interessenten sagt man, erschließt uns die Flächen nachhaltig und gebt uns was vom Gewinn für den Staatshaushalt ab, schafft dabei ein paar Arbeitsplätze. Ja, wir sind eine starke Spezies, die aber, aufgrund der ihr biologisch erwachsenen Fähigkeiten, öfter einmal darüber nachdenkt, wie man in einer Welt ohne wirkliche biologische Fressfeinde die Zivilisation so einrichtet, dass sie fast völlig ohne den natürlichen Ast, den biologischen Rest, funktioniert. Das sind die aspaltierten Wanderwege, die Beton, Stahl, Aluminium und Glas-Bauten, die Kies- und Zementgärten und städtischen Ödplätze vor den so angebeteten architektonischen Wunderwerken. Tröstlich daran ist, dass in der Natura naturans die Spezies am Ende der Nahrungskette eine Tendenz zur geringeren Reproduktionsrate entwickeln und dafür das Geschenk eines möglichst langen Lebens erhalten. So wie es Peak-oil gibt, gibt es auch einen Peak für die "Bevölkerungsexplosion". Der Punkt ist nahe. Grüße und schönen Nachmittag Christoph Leusch |
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"Ja, wir sind eine starke Spezies..."
Nein, wir sind schwach, egoistisch, bestialisch, wüten durch die Gegend - deshalb blasen wir uns so auf, höher, schneller, weiter, meinen gar die "Krone der Schöpfung" zu sein. Welch' idiotischer Schöpfer fragt man sich da bisweilen - oder doch nur eine banale Mißgeburt der Evolution? Die Evolution kennt Millionen von Jahren, wenn sie sich als "Subjekt" mal gerade besinnt. Der kapitalverseuchte Mensch denkt in Sekunden und hat schon Angst vor seinem nächsten Geburtstag - wieder ein Jahr älter. Er denkt dem Tode entgegen, nicht dem Eros. Zur reflektierten Kultur gehört immer ein Eingedenken in die Natur (innen und außen als Ganzheit). Genau das scheinen wir immer schneller zu verlieren. Wir sind Abgespaltene und ergötzen uns noch dran. Gruß BW |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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