Joachim Petrick

Frag Lacher in den Bauch

03.10.2009 | 22:11

Wird in den Köpfen von Merkel, Westerwelle nun alles „links“?

Wird in den Köpfen von Angela Merkel, Guido Westerwelle nun alles „links“?
Vielerorts, von faz bis taz, gewinnen Bundestagswahlanalysen 2009, dem Boulevard der Empörungskultur verpflichtet, einen beachtlichen Unterhaltungswert, weil diese Analysen frohlockend im Wagnis ihrer Prognose „alles wird links wie „Alles Müller, oder was “ das Abenteuer in den politischen Irrtum wagen.

Selbstverständlich wird jetzt „alles links“, aber anders als der linksliberale Boulevard denkt, nämlich in Wahrheit dort, wo es alle zuletzt vermutet, nämlich in Kreisen der schwarzgelben Koalition, voran in den Köpfen von Angela Merkel, Guido Westerwelle.

Das Zeitfenster einer rotrotgrünen Koalition wurde 2009 vertan und kehrt,. mit Herbert Wehner in memoriam gesprochen, in 12 bis 16 Jahren erst zurück.

Die so genannten Volksparteien, wie SPD, CDU/CSU kennen keine Selbstmörder/innen, wie es Jakob Augstein in seiner Bundestagswahlanalyse im Freitag „Die Selbstmörder von der SPD“
( www.freitag.de/politik/0939-merkel-steinmeier-muentefering-wahl-spd-kommentar-augstein ) nahe legt, kennen keine Verlierer, sondern nur dreist durchstechend auftretende Politiker/innen vom Schlage der Münte Double Bind Blind Stones „Steinbrück & Steinmeier“, gecoacht von Botschaftern/innen der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) wie Klaus von Dohnanyi, der den gemeinsamen Nenner der SPD, unverhohlen frech auf das niedliche Niveau von „richtiger und falscher“ Politik herunter dohnanyiert.

Herbert Wehner würde Klaus von Dohnanyi heute berechtigt als geifernder Opa, wie nie, brüllend im Deutschen Bundestag zurufen:

“Mein Herr, Ja!; Sie da vorn am Rednerpult, wie war doch gleich Ihr Name?:
“Hören Sie auf zu dohnanyieren“.

Das niedliche Niveau des gemeinsamen Nenners in der SPD hat den Gewinn, dass am Ende Niemand für das Finassieren, Versagen der SPD als Volkspartei verantwortlich ist, sondern von der Selbst- Empörungskultur aufs Schild gehoben, berechtigt, wie einst Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel mit seinem Schlusswort vor dem Nürnberger Tribunal 1947 unberechtigt, rufen können:
“Meine Schuld ist, ich habe mit vielen in vielem geirrt“. “Meine Politik war richtig, nur der Zeitpunkt war falsch! Das finde ich geschichtslos empörend auf meinem Weg eine Sprosse höher auf meiner Karriereleiter“.

Hat die SPD sich nicht mit ihrem niedlich dohnanyiert kleinen gemeinsamen Nenner “richtiger & falscher“, statt „linker & rechter“ Politik von dem allgemeinen Phänomen, Trecks für den Boulevard der wechselhaft wählerischen Empörungskultur aus der formierten Medien und Parteien Landschaft zusammen zu stellen, durchaus Auflagen- , Quoten stützend, vor den Karren spannen lassen?

Ist die SPD doch als Medien- und Immobilien Konzern, sui Generis, nur übertroffen vom Vatikan, mehr an der Austreibung ihrer Mitglieder/innen interessiert, als an deren Sammlung, um mit dem beachtlichen „Rest- Vermögen“ aus 146 Jahren Beitragaufkommen ihrer zahlenden Mitglieder/innen privatim beerbt, an der Erbschaftssteuer vorbei, in aller Welt stiften zu gehen.

Ist nicht der heillose Wahn mit der herunter gedimmten, herunter gesimmelten Meinungsbildungspolitik in der gesellschaftlich breiten Fläche zur „alternativlosen“ Willensbildung in der Politik von Spitzen- Gremien, -Ausschüssen, - Expertokraten Räten , ohne „Wenn und Aber“ durch die Entdeckung der Meinungsspirale von Elisabeth Noelle- Neumann des Allensbacher Instituts für Demoskopie mit angeschlossenen Medien und Parteien angetrieben worden?

Diese Meinungsspirale besagt, es gilt nicht mehr in der Politik der Parteien, Verbände, Gewerkschaften, Kirchen, Stiftungen auf breite ausgerichtete Debatten zu setzen, sondern auf Leuchttürme der veröffentlichten Meinungen des verheißungsvoll provokativen Ja wie des ebenso empörend provokativen Nein.
Wobei in der Folge eines über Jahre bestehenden Nein wie Ja mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit damit zu rechnen ist, dass aus jedem Nein wie Ja, gleich wie viele Irrtümer diese nähren, ein Ja bzw. ein Nein erfolgt.

Insofern gibt es parteipolitisch längst keine wirklichen Sieger noch Verlierer mehr, siehe die deutsche, die europäische Teilung 1948/49, der Berliner Mauerbau vom 13. August 1961, siehe der Berliner Mauerfall vom 09.- November 1989, sondern nach Elisabeth Noelle Neumann nur noch demoskopisch rekrutierte Akteure/innen in Parteien, Medien, Gewerkschaften, Verbänden, Kirchen, Stiftungen, egal, ob links, ob rechts, die an den „Wundern“ der Meinungsspirale vom Ja zum Nein, vom Nein zum Ja, aktiv wie passiv unentrinnbar mitwirken, um danach, als hoch dekoriert Hochdotierte, per nacheilendem Dankeschön in die Wirtschaft zu gehen.

Wir stehen, gleich einer messianischen Guillotine medial gedankengeschärft am Abgrund, während andere Menschen täglich in den Abgrund fallen!?

Wir werden täglich als Verantwortungsgemeinschaft anzweifelbarer, während die SPD als anzweifelbare Partei, wie keine Partei vor ihr, uns den Gesang der Demokratie des „Trotz den Zweifeln“ auf Kosten Dritter in der Welt einzutrichtern trachtet?

Demnächst wird das gesamte SPD Programm an einem Diensttag durch die EU, die WTO, die Weltbank, den IWF vollstreckt und die SPD hat kein neues Programm parat wie beim Berliner Mauerfall am 09.November 1989.
Was dann?

JP

 
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Kommentare
poor on ruhr schrieb am 03.10.2009 um 22:33
Zum Teil recht hart, aber zutreffend ausgedrückt.
Joachim Petrick schrieb am 03.10.2009 um 22:54
Hallo poor on ruhr,
was finden Sie hart, was zutreffend ausgedrückt?
JP
poor on ruhr schrieb am 03.10.2009 um 22:56
Gerne, aber morgen bitte, das Internet-Cafe macht gleich zu. ;O) por
Joachim Petrick schrieb am 03.10.2009 um 23:26
tschüss bis Morgen.
JP
poor on ruhr schrieb am 04.10.2009 um 13:20
Na ja, mit "hart" meine ich einen gewissen Stil , der nichts mehr beschönigt und drum nicht drumrum redet. Ihr Texthammer trifft den Nagel eben auf den harten Kopf und ist kein Schwinger in die weiche Luft daneben.
Ich finde das sehr gut! Die SPD bräuchte aus meiner Sicht ganz viele solcher Hämmer, um endlich wach zu werden.
Zutreffend ist für mich der ganze Text.
Ich möchte aber auch nicht den Anschein erwecken selbst drumrum zu reden und könnte Ihnen daher eher die Textstellen, die mir besonders gut gefallen haben,nennen:

"Herbert Wehner würde Klaus von Dohnanyi heute berechtigt als geifernder Opa, wie nie, brüllend im Deutschen Bundestag zurufen:
“Mein Herr, Ja!; Sie da vorn am Rednerpult, wie war doch gleich Ihr Name?:
“Hören Sie auf zu dohnanyieren“."
Wegen des Einfallsreichtums und weil das auch treffend dieses Schwafeldilemma der noch offiziellen Parteilinie beschreibt.

"Wir werden täglich als Verantwortungsgemeinschaft anzweifelbarer, während die SPD als anzweifelbare Partei, wie keine Partei vor ihr, uns den Gesang der Demokratie des „Trotz den Zweifeln“ auf Kosten Dritter in der Welt einzutrichtern trachtet?"
Einfach richtige Aussagen in einer Frage, die ein Kernproblem der SPD auf den Punkt bringt.
Joachim Petrick schrieb am 05.10.2009 um 11:58
Lieber poor on ruhr,
vielen Dank für Ihre prägnante Rückmeldung.

Mir geht es bei meinem obigen Blog Beitrag darum, am Beispiel der SPD den parteipolitischen Acker für globale Zusammenhänge mit Hämmern und Sicheln beflügelnd zu pflügen, die demnächst an einem Dienstag von der WTO, EU, IWF, Weltbank ausgehen und bereits ausgegangen sind, bisher aber von der bundesdeutschen Parteien landschaft robust ignoriert werden, wie das Verbot von Subventionen für Unternehmen über den Umweg von Lohnsubvention von Hartz IV Aufstockern samt Verbrauch ihres Restvermögen vor dem Schonvermögen zu Gunsten der Arbeigeber.
Selbst Oskar Lafontaine traut sich, trotz meiner entsprechenden Anfrage www.abgordnetenwatch.de, nicht auf diese Fragestellung direkt einzugehen.
Warum?
Vielleicht weil er nicht als nestbeschmutzer", "Spielverderber" gelten will?

Das neuerliche Gerede, es müssten mehr über Leistungstäger/innen, statt über Hartz IV, geredet werden, zielt n. m. E. genau darauf, den Bereich der Hartz IV Aufstocker/innen ungebremst auszuweiten!,die maßgaben on WTO, Weltbank, IWF, EU weiter robust im Bunde mit den Medien unverantwortlich für die Weltwirtschaft zu ignoieren.

tschüss
JP
Magda schrieb am 04.10.2009 um 16:40
" gecoacht von Botschaftern/innen der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) wie Klaus von Dohnanyi, der den gemeinsamen Nenner der SPD, unverhohlen frech auf das niedliche Niveau von „richtiger und falscher“ Politik herunter dohnanyiert".

Ach, mein guter Joachim Petrick.
Das ist so ein herrlicher Satz. Ich habe von Dohnanyi kürzlich erlebt. Das gute Kulturonkelchen des wirtschaftsnahen Flügels. Ein Biedermann, ein Biedermann. Das hat mich unglaublich geärgert.
Und auch über den unverdrossenen, guten Willen, der SPD den guten Willen abzunehmen, der aus den von Dir verlinkten Kommentaren rauszulesen ist, habe ich mich geärgert. Das hat aber wenig Sinn.

Bei den anderen Extempores sind Deine Kreise manchmal zu weit gezogen, da finden sich dann alle Politikverbrecher zusammen und man weiß nicht mehr, wo Du einfach nur draufhaust und wo Du da Zusammenhänge siehst.
Der Ausschlag gegen die Meinungsforschungsinstitute gefällt mir dann wieder.

"Wir stehen, gleich einer messianischen Guillotine medial gedankengeschärft am Abgrund, während andere Menschen täglich in den Abgrund fallen!?"

So issses, aber es klingt so definitv. Kein Trost weit und breit bis zurück zum Mauerfall.

Grüße von Magda
Joachim Petrick schrieb am 05.10.2009 um 12:08
Liebe Magda,
Du hast ja irdendwie recht und doch nicht recht, weil es in Zeiten, in denen die Parteipolitiken nicht ganz bei Trost sind, kaum eien Toast auf den Trost geben kann?, es sei denn den Trost einer von Parteien, Gewerkschaften, Verbänden, Kirchen, Stiftungen ungestörten Zivilgesellschaft!?

Ich sage nur "Gefahr erkannt! Gefahr gebannt!"
"Niht nur Jammern & Picheln!, sondern Hämmern & Sicheln!".

Vieles erscheint mir selbst in der Debatte um den Mindestlohn von wohlwollenden Parteien zu kurz gegeriffen.

Deshalb frage ich:

"Warum definieren wir nicht Mittelstand als Mindestlohn, damit uns nicht demnächst WTO, Weltbank, IWF, UNO,EZB, Brüssel im Bunde mit US- Präsident Barack Hussein Obama, wg. Unterlassungen der Stärkung der Binnenkonjunktur bei gleichzeitig rabiater Subvention der Exportwirtschaft mit dem Ergebnis eines skandalösen Handels- und Leistungsbilanzüberschusses Deutschlands als Ach unters Parlaments- und Regierungs- Dach steigen?"

In diesem Sinne!

Beste Grüsse aus Hamburg.

tschüss
JP
Joachim Petrick
Hamburger, begeistert vom Theater Stadtgefluester, 66-71 in Westberlin gelebt, 1982-89 Beliner Maueröffner, Sympathisant"Tanzender Lachoffensive", bin fuer spontane Humortests im Oeffentlichen Nahverkehr.
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