Michael Angele

Angeldust

23.11.2011 | 12:10

Du und die Linke: Eine gescheiterte Umfrage unter Kulturschaffenden

Ich möchte kurz von einem gescheiterten Projekt des Freitag berichten. Nun ist es natürlich etwas kitzlig, über Fehlschläge des eigenen Hauses zu schreiben, aber zum einen hat Hans Magnus Enzensberger mit seinem Buch Meine Lieblingsflops gezeigt, wie es geht, zum anderen ist noch nicht ganz klar, wer hier eigentlich an was gescheitert ist.

Die Idee kam mir, als ich auf Spiegel Online eine "Prominenten-Umfrage" las. Eine der Fragen lautete "Sehen Sie Alternativen zu unserem Finanzystem?". Ted Gaier (Goldene Zitronen) antwortete:

"Wenn man das realpolitisch/reformistisch diskutieren will, muss man leider sagen: Der unsympathische, selbstgerechte Herr Lafontaine und diese staubige humorlose Partei Die Linke benennen seit Jahren die Gefahren und machen unentwegt Vorschläge, wie sich das Bankensystem einigermaßen domestizieren ließe. Und plötzlich bekommen ihre Vertreter in Talkshows den größten Publikumsapplaus und zustimmendes, betroffenes Nicken der Fachleute, während sie noch vor ein paar Monaten dem allgemeinen Gespött preisgegeben waren."

Das trifft den Nagel auf den Kopf, dachte ich und weiter: Wäre doch mal interessant zu erfahren, was unsere Kulturschaffenden und Intellektuellen so von der Linken halten. Da ist doch bestimmt viel Ambivalenz im Spiel, und es müsste doch in deren Interesse sein, das Verhältnis mal zu klären, vielleicht kommt unsere kleine Umfrage da gerade recht, die Sache liegt doch in der Luft!

Also her mit unsere Promi-Liste von der Afghanistan-Umfrage, ein wenig ergänzt und los geht es. Von Jutta Ditfurth bis Kuttner, Jürgen wurde alles angeschrieben, was auf drei nicht auf den Bäumen war (und bei uns mit einer E-Mail Adresse registriert ist oder Kontakt via soziales Netzwerk besteht). "Was gefällt Ihnen an der Partei 'Die Linke'? Was nicht?" Text bitte bis 500 Zeichen an uns, ein Beitrag würde uns sehr freuen, wir sind gespannt. Die Mail schickte unser fantastischer Praktikant Hanning in seinem Namen, und vielleicht war das schon der erste Fehler, denn man würde meinen, dass ein Herr Peymann vom Berliner Ensemble eigentlich zu allem Stellung bezieht, aber vielleicht eben dann doch nicht, wenn die Anfrage von unterhalb, sagen wir, eines Ressortleiters (noch viel besser natürlich: der Verleger) kommt.

Aber Peymann war ja nicht der einzige! Es kam ja lange gar nichts, dann ein paar Absagen, und am Ende standen wir mit zwei Statements da. 

Danke an Roger Willemsen, der schrieb:

"Die Linke ist gut, schon weil sie den anderen Parteien immer wieder Gelegenheit gibt, sich vor ihr zu blamieren. Heute beherrscht schon jeder Talk-Stammtisch das realpolitische Generalschlüsselargument 'Ja, wie wollen Sie das denn umsetzen?'nund vernachlässigt dabei, wie gut es tun kann, einen richtigen Gedanken, einen berechtigten Anspruch überhaupt formuliert zu finden, und sei es als Erinnerung an das, was Politik eigentlich leisten sollte."

Und ein Dank an Torsun von Egotronic, der schrieb:

"Schon in Zeiten, als sich die heutige 'Die Linke' noch PDS schimpfte, bin ich regelmäßig mit ihr in Konflikt geraten. Ich denke zum Beispiel an Traudel Herrmanns Engagement in Teltow-Seehof. Schon damals zeigte sich eindeutig die hässliche Fratze des Antisemitismus in dieser Partei. Dass sich das bis heute nicht wirklich geändert hat, bestätigt ein Blick auf aktuellere Begebenheiten, wie zum Beispiel die Teilnahme einiger Abgeordneter an der ersten 'Gaza-Flotille', Boykott-Aufrufe gegen Waren aus Israel oder der Auftritt von Inge Höger während der '9. Konferenz der Palästinenser in Europa', bei der sie keine Probleme damit hatte, einen 'palästinensischen Schal' zu tragen, auf dem Israel schlicht nicht existent war. Wenn solche Personen nicht ausgeschlossen werden, helfen auch keine rhetorischen Distanzierungsversuche. Für mich jedenfalls steht nach wie vor fest: Ich will mit so einem Verein nichts zu tun haben."

Das ist doch mal ein Wort. Aber warum schweigt der Rest? Weil der Freitag nicht die Zeit ist? Weil viele es immer noch heikel finden, öffentlich zur Linken etwas zu sagen? Oder weil diese Partei eben doch ganz vielen egal ist? Weil sich die Rolle der Intellektuellen und Künstler tatsächlich sehr verändert hat (wie ein Kollege mutmaßt); will sagen, der Schuster will bei seinen Leisten bleiben? Ist es ein Mix aus alledem? Weiß nicht. Schade trotzdem.

Update: Kollege Strohschneider wünscht noch ein wenig mehr Reflexion im Text. Er fragt: Was bedeutet das eigentlich für eine Partei, die doch eigentlich in Kulturfragen, ich sag mal, Avantgarde sein müsste (wie es die Linken ja historisch gesehen auf ihre Fahnen geschrieben haben).

Update II: Kollege, wer ist eigentlich bei der Linken für Kultur zuständig?

Update III: Strohschneider antwortet: Wohl der Dehm.

 

 
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Kommentare
goedzak schrieb am 23.11.2011 um 12:30
Ich weiß nicht, ob ich geantwortet hätte, wenn man mich als 'Kulturschaffenden' bezeichnete.

"Die Kulturschaffenden des Bezirkes XXX begrüßen die Beschlüsse des YY. Parteitages!" (Transparent, tapfer getragen im Auftrag ihrer Parteigruppe oder Org.untereinheit des Kulturbundes von zwei subalternen Kulturschaffenden bei einer Mai-Demo.)

Ansonsten möchte ich sagen: Die beiden Wortmeldungen reichen schon, um das Spektrum der zu erwartenden Statements zu illustrieren. Jeder haut so raus, was ihm gerade im Bauch rumrumort, schließlich sind 'Kulturschaffende' Individualisten, spontan und emotional.

PS: Damit kein Zweifel aufkommt, ich persönlich neige der Äußerung von Willemsen zu (wobei ich die außer Konkurrenz laufende Meinung von der Goldenen Zitrone am gewitztesten finde).
goedzak schrieb am 23.11.2011 um 12:32
Aber: Guter Versuch!
Jutta hätte bestimmt auch was (humorloses, aber) originelles zu sagen gehabt.
goedzak schrieb am 23.11.2011 um 12:32
:))
goedzak schrieb am 23.11.2011 um 22:06
Da koslowski (23.11. um 21:35 h) der Meinung zu sein scheint, dass all die "tragikkomisch gescheiterten" Wir-müssen-reden-Aktivisten sich hämisch darüber freuen, dass nun auch derFreitag mal mit was gescheitert ist, will ich nochmal betonen: Nein, ich sehe hier überhaupt gar kein Scheitern, kann mich demzufolge auch nicht über ein solches freuen.
Eine Aktion, die zwar nicht zu dem ursprünglich intendierten Ziel geführt hat, aus der man aber, sprich Michael Angele in diesem Fall, einen amüsanten kleinen Artikel hat machen können, sollte nicht als daneben gegangen angesehen werden.
Dass kaum jemand geantwortet hat, ist ja auch ein Ergebnis. Es sagt am meisten über die Befragten, weniger über den Frager aus, und auch nichts über die, nach deren Leumund bei den Befragten hier gefragt wurde.
koslowski schrieb am 24.11.2011 um 11:50
"dass all die "tragikkomisch gescheiterten" Wir-müssen-reden-Aktivisten sich hämisch darüber freuen, dass nun auch derFreitag mal mit was gescheitert ist" - Nein, derMeinung bin ich nicht.
Wolfram Heinrich schrieb am 24.11.2011 um 12:27
@goedzak
"Die Kulturschaffenden des Bezirkes XXX begrüßen die Beschlüsse des YY. Parteitages!" (Transparent, tapfer getragen im Auftrag ihrer Parteigruppe oder Org.untereinheit des Kulturbundes von zwei subalternen Kulturschaffenden bei einer Mai-Demo.)

Genau das assoziiere ich auch beim Wort "Kulturschaffender". Aber vielleicht ist Michael Angele zu schweizerisch und zu jung, um das knarzende Vokabular der DDR noch so richtig mitbekommen zu haben?

Ciao
Wolfram
Michael Angele schrieb am 24.11.2011 um 13:01
Kulturschaffender, das hat man sogar in der Schweiz mitgekriegt, ist ein Terminus mit realsozialistischem Odeur. Seine Verwendung geschieht also unter leicht ironischen Vorzeichen. Aber gut, in ihrem Metier, der Verkehrspsychologie, hält man sich – mit guten Gründen! – natürlich von Ironie fern, das sehe ich allerdings ein :)
MA
Darf man fragen, wie alt Sie sind?
Wolfram Heinrich schrieb am 24.11.2011 um 13:31
@Michael Angele
Aber gut, in ihrem Metier, der Verkehrspsychologie, hält man sich – mit guten Gründen! – natürlich von Ironie fern, das sehe ich allerdings ein :)

Ach Gottchen, ohne Ironie hältst du weder die Psychologie noch gar die Verkehrspsychologie durch. Und: 1 bisserl 1 Sinn für Ironie hab ich vielleicht doch.
derfranzehatgsagt.blogspot.com/2008/10/antiautoritre-erziehung.html

Darf man fragen, wie alt Sie sind?

16. Das heißt, eigentlich muß man die Zahl umdrehen.

Ciao
Wolfram
Wolfram Heinrich schrieb am 24.11.2011 um 13:45
Dieses noch zum Thema Verkehrspsychologie:


Ciao
Wolfram
tlacuache schrieb am 27.11.2011 um 13:36
Jutta haette dir im Frankfurter Nordend Mieten um die Ohren geschlagen, das es goedzakmässig unter der Stirn nur so gerasselt haette!
Calvani schrieb am 23.11.2011 um 13:56
Oh! Sehr interessant, Michael. Zum einen weil es bei dir mal wieder um den Knotenpunkt zwischen Politik und Kultur geht und zum anderen weil ich immer gerne lese und höre, was Roger Willemsen so von sich gibt. Und was das "Scheitern" der Umfrage betrifft: Scheitern ist ja ohnehin ein unerschöpflicher Fundus für Kultur und Fortschritt, nicht wahr?

"Also her mit unsere Promi-Liste von der Afghanistan-Umfrage, ein wenig ergänzt und los geht es. (...) Aber warum schweigt der Rest? Weil der Freitag nicht die Zeit ist?"

Tja, was will der Freitag denn sein? Ein Abklatsch der Zeit? Das meine ich im doppelten Sinne. Mit anderen Worten: Warum habt ihr denn lauter große oder mittelgroße Namen angeschrieben? Ihr habt doch eine Community, also Mittel und Wege Leser zu mobilisieren und sie zu Akteuren zu machen, ihnen eine Stimme zu geben und neue Wege zu gehen. Ihr hättet ja einen Aufruf starten können, an all die namenlosen Kleinkünstler da draußen. Schließlich kennen auch Blogger jemanden, der jemanden kennt, der jemanden kennt, der Kulturschaffender oder Intellektueller ist, falls die Blogger es nicht ohnehin selbst schon sind...

Erkenne dich selbst!
wwalkie schrieb am 23.11.2011 um 13:59
Das "Schweigen der Intellektuellen" über die Linke sagt viel über diese "Subjekt-Objekt-Beziehung". Die Linke tut alles, um Intellektuelle zu verprellen. Als bezeichendes Beispiel: die heutige Rede des Vorsitzenden im Bundestag. Es war ja richtig, was er sagte, aber warum dieses hektische Sprechen? Wo sind die mwesserscharf angesetzten Zitate von Denkern und Denkerinnen? Warum nicht mal ein Poem (nicht nur von Brecht, sondern auch von heutigen Lyrikern - die Dichter-Serie im Politteil der ZEIT ist übrigens wirklich gut, ginge das nicht auch irgendwie im Freitag?)? Warum dieser männlich-trutzig wirkende bayrische Dialekt? (Nebenbei: das bewusst eingesetzte Berlinern von Gysi ist nicht unbedingt besser, aber witziger). Und vor allem: wo ist die VISION?

Und die linken und alternativen Intellektuellen? Ich fürchte, sie wollen nicht mit den "Schmuddelkindern spielen", sondern gehen lieber in die "Oberstadt".

Der Begriff "Intellektueller" geht ja auf die Dreyfusaffaire zurück und war zunächst eine Art Schmähwort der damaligen Rechten (zum Teil bis heute). Ich werde demnächst eine kleinen Fortsetzungsblog zum Thema "Dreyfus und Proust" schreiben (Ceci n'est pas une pub).
Michael Angele schrieb am 23.11.2011 um 21:19
Also, da freue ich mich als Proust-Fan. Ich bin übrigens sicher, dass uns der "Erfinder" des gleichnamigen Fragebogens geantwortet hätte, und ich könnte mir vorstellen, dass der alte Snob zwar nicht von der Linken, aber doch von dieser sehr speziellen Sahra Wagenknecht fasziniert gewesen wäre. Aber das ist natürlich spekulativ.
Wolfram Heinrich schrieb am 24.11.2011 um 12:28
@wwalkie
Warum dieser männlich-trutzig wirkende bayrische Dialekt?

Jö, das ist doch kein Dialekt nicht, das ist Hochdeutsch mit bairischem Zungenschlag.

Ciao
Wolfram
wwalkie schrieb am 24.11.2011 um 13:20
Das ist spekulativ, aber spannend. Zuerst tritt sie in der Mädchenbande in "A l'ombre des jeunes filles en fleurs" auf (da gibt's eine Szene, in der Andrée alias Sarah ihren Kameradinnen zeigt, wie eine richtige Dissertation aussehen muss), später an "Le côté de La Fontaine I - III". Der zunächst verliebte Erzähler registriert minutiös ihre Wandlungen, bis sie in "Le capital sauvé" schließlich überzeugte Reformistin und Präsidentin der EZB wird - und Mitglied des Jockeyclubs. Das letzte Kapitel spielt in Davos.

Sie haben's geschafft, M.A. Ich bin auf dem Boulevard gelandet und gelte fortan als Linken- und Frauenfeind.
Streifzug schrieb am 23.11.2011 um 14:48
Also wirklich, völlig verkorkst, wie blöd war das denn? Eine irgendwie irgendwas Zeitung schreibt irgendwelche Kulturschaffenden??? (was für eine Gattung soll das eigentlich sein?) an und stellt ihnen die Frage:
"Was gefällt Ihnen an der Partei 'Die Linke'? Was nicht?"
Den Inhalt der beiden Antworten hätte ich auch so aus dem Ärmel schütteln können. Seid ihr eigentlich von allen guten Geistern verlassen? Wollt ihr euch mit Gewalt lächerlich machen? Warum fragt ihr keinen, der Ahnung hat wie sowas gemacht wird?

Aber sich über Personen mokieren, die Redakteure mit ihren Humor auf Bäume treiben. Dafür reicht es knapp noch. Ab jetzt werde ich meinem Humor wieder unbegrenzt Ausgang gestatten, da Readakteure anscheinend eh schon auf Bäumen leben und dort Bananen biegen. Frohes Misslingen weiterhin :)
memyselfandi schrieb am 23.11.2011 um 14:58
Herr Dr. Angele, das liest sich streckenweise wie "da ist was nicht gelungen und das liegt an den anderen".
Bis dann die Updates kommen und ich meine so etwas wie ironische Fehleranalyse zu lesen, kann aber auch nur Hoffung sein.

Nun, der Freitag braucht nicht die ZEIT zu sein, er hat ja auch (aus dem Munde des Verlegers) viel gesagt, um sich aggressiv abzugrenzen. Herr Hessel beispielsweise hat Ihnen doch auch ein interview gegeben, obwohl Der Freitag keine Riesenreichweite hat...

Aber (wenn Sie wirklich wissen wollen woran ein/ das) Scheitern liegen könnte) mal kleine Anregungen:
- Professionalität (nicht den Praktikanten vorausschicken, wenn man etwas will), das hat nichts mit Standesdünkel zu tun, sondern gehört einfach zum Umgangston.
- Kuttner ist nun intellektuell?
- Für wie groß halten Sie denn die Schnittmenge von Intellektualität und Die Linke, dass sie ein Riesenkonvolut an Antworten erwarten?
- Vielleicht, ich schreibe es lieber kleiner, vielleicht sollte Der Freitag etwas mehr Menschenfreude, Lebensfreude an den Tag legen, dass sich diese Intellektuellen gerne daran beteiligen. Wenn schon ein Text über Johnny Depp solche Abwehrreaktionen bei Usern herbeiführt, dass ein Sturm an Entrüstung darüber ergeht, da ist es mit der Positivität nicht weit her.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 23.11.2011 um 15:28
@memyselfandi
"Für wie groß halten Sie denn die Schnittmenge von Intellektualität und Die Linke, dass sie ein Riesenkonvolut an Antworten erwarten? "

Könnten Sie das einmal näher exemplifizieren. Es wirkt verwirrend. Wenn es geht, ohne Enzelfallbeispiel! Da gibt es zwischen Herrn A und Frau B immer irgendeine „Schnittmenge“.

Was verstehen Sie überhaupt unter Schnittmenge von Intellektualität? Testbatterien, die es nicht gibt?

Es dank vorab
mit herzlichem Gruß
HN
Michael Angele schrieb am 23.11.2011 um 15:33
Lieber memyselfandi
mit Ironie tun wir uns alle hier noch ein wenig schwer, geben Sie uns also etwas ZEIT, äh Zeit. Ich weiß allerdings nicht, ob z.B. ein Herr Peymann mit "mehr Lebensfreude" aus dem Busch zu locken gewesen wäre. Und zu ihrer Frage "Kuttner ist nun intellektuell?". Legen Sie die Betonung auf "nun"? Er hat sich doch noch in der DDR in Kulturwissenschaften doppelt und dreifach habilitiert, wenn ich recht informiert bin.
Best MA
memyselfandi schrieb am 23.11.2011 um 15:56
@both: Ja, ich glaube es war Nietzsche der sagte, 90% des Sinnes eines Wortes liegt zwischen den Buchstaben.

Wird schon, Herr Angele. Nur lassen Sie genau eine Frage aus, und ich weiß nicht ob absichtlich oder weil es Ihnen fernliegt, die ist: Wenn sich soviele Kulturschaffende/ Intellektuelle nicht mit Der Linken beschäftigen (wollen) wie Sie sagen, liegt das dann nur an den Kulturschaffenden oder auch an der Partei. Das meinte ich mit Schnittmenge.
Calvani schrieb am 23.11.2011 um 16:05
"Wenn sich soviele Kulturschaffende/ Intellektuelle nicht mit Der Linken beschäftigen (wollen) wie Sie sagen, liegt das dann nur an den Kulturschaffenden oder auch an der Partei. Das meinte ich mit Schnittmenge."

Da zeigt sich wieder der Denkfehler. Es wurden "Promi-Kulturschaffende" angeschrieben. Diese jetzt repräsentativ für die meisten Kulturschaffenden zu halten, das ist weder irgendwie links, irgendwie kreativ noch irgendwie intellektuell, sondern bestenfalls plakativ. S. auch Columbus' Kommentar dazu.
memyselfandi schrieb am 23.11.2011 um 16:07
Mal was persönliches: Nach der Wende tummelten sich die Ex-SED-Menschen in der PDS, die wirklich Kulturellen und Oppositionellen, so habe ich es "zuhause" erlebt, denen das Regime noch in den Knochen steckte hatten also allen Grund sich nicht mit der Partei zu beschäftigen. Das ist zwar viele Jahre her, aber man darf so ein Unterdrücken nicht unterschätzen, gerade bei den "Künstlern".
memyselfandi schrieb am 23.11.2011 um 16:11
@Calvani:
Ich habe nirgendwo irgendwie geschrieben, dass ich das tue. Nur, Promi-Intellektuelle ziehen eben besser, medial gesehen.
Calvani schrieb am 23.11.2011 um 16:21
@ memyselfandi
Du hast nach der Schnittmenge gefragt. Wenn man den Fokus lediglich auf die Spitze des Eisbergs legt, kann man die Schnittmenge sicher nicht zur Gänze in Erfahrung bringen...
memyselfandi schrieb am 23.11.2011 um 16:25
Eben, und wenn man diese Fragen an diese zu Fragenden stellt und dann etwas enttäuscht ist über die geringe Resonanz gibt es dann wohl keine ausreichende Schnittmenge. Was a) den Befragten liegt oder b) an der Partei oder c) an beidem.
koslowski schrieb am 23.11.2011 um 15:16
Das Schweigen unserer „Kulturschaffenden“ liegt wohl auch daran, dass sie wenig Interesse am Politikbetrieb haben und ihnen die LINKE als eine besonders alte Altpartei erscheint, weil ihre Leitbilder ( demokratischer Sozialismus ) aus einer fernen Vergangenheit zu stammen scheinen und ihre Repräsentanten nicht durch besonderes Engagement für Kultur auffallen. Die Jüngeren im Kulturbetrieb dürften dem Motto der Piraten zustimmen: „Weder rechts noch links.“
Streifzug schrieb am 23.11.2011 um 16:30
koslowski,

das kann sein, ist aber wohl nicht Grund des Schweigens, denn insbesondere diese sogenannten "Kulturschaffenden" müssen ansonsten immer mit Gewalt daran gehindert werden, ihren Senf zu allen möglichen Themen dazuzugeben. In diesem konkreten Fall ist der Grund für das Schweigen wohl so naheligend, dass Medienleute es nicht erkennen können.
weinsztein schrieb am 23.11.2011 um 20:27
Lieber Koslowski,

"Der Demokratische Sozialismus ist eine politische Zielvorstellung, die Demokratie und Sozialismus als untrennbare Einheit betrachtet oder vereinen will. Sie wurde in der Sozialdemokratie seit der russischen Oktoberrevolution 1917 entwickelt, um sich von Lenins Gleichsetzung des Sozialismus mit einer Diktatur des Proletariats abzugrenzen. Der Begriff wird von verschiedenen sozialdemokratischen, sozialistischen und kommunistischen Gruppen, Parteien und Regierungen für unterschiedliche Politik in Anspruch genommen. In der SPD wird er seit 1959 mit der sozialen Marktwirtschaft verbunden. In Teilen der Neuen Linken wurde er seit etwa 1970 auch als „Dritter Weg“ zwischen Kapitalismus und Kommunismus bezeichnet und aufgefasst."
de.wikipedia.org/wiki/Demokratischer_Sozialismus
koslowski schrieb am 23.11.2011 um 20:41
Ja, das ist mir bekannt. Seit meinem Eintritt in die SPD (1972 ) und auch nach meinem Austritt (1999) ist der demokratische Sozialismus eine Zielvorstellung, die mir sympathisch ist. Ich vermute aber, dass sie für viele junge "Kulturschaffende" heute nur eine Ideologie der Vergangenheit ist - ohne Bedeutung für sie und keine sinnvolle Vision für die Zukunft.
Calvani schrieb am 23.11.2011 um 21:37
"Ich vermute aber, dass sie für viele junge "Kulturschaffende" heute nur eine Ideologie der Vergangenheit ist - ohne Bedeutung für sie und keine sinnvolle Vision für die Zukunft."

Für mich wäre es viel interessanter, die jungen Kulturschaffenden, über die Sie hier Vermutungen anstellen, lieber koslowski, wären befragt worden - wie oben bereits vorgeschlagen - vielleicht tatsächlich von befreundeten Bloggern oder hätten selbst zu diesem Thema gebloggt, als dass jetzt wieder die "Älteren" über die "Jüngeren" spekulieren und ihre Vorstellungen auf diese projizieren.
Ich dachte, es ginge hier beim Freitag auch und gerade um Kommunikation?
Ehemaliger Nutzer schrieb am 23.11.2011 um 15:42
Sehr geehrter Herr Dr. Angele,

das Scheitern einer Umfrage kann viele Gründe haben.
Meinetwegen auch der Stil!
Haben Sie das professionell aufgezogen?
Selbstredend räumen Sie ja ein: "Die Mail schickte unser fantastischer Praktikant Hanning"

Und nun lamentieren Sie:
(...) Aber warum schweigt der Rest? Weil der Freitag nicht die Zeit ist? Weil viele es immer noch heikel finden, öffentlich zur Linken etwas zu sagen? Oder weil diese Partei eben doch ganz vielen egal ist?

Da wünsche Sie sich nun ganz viel Zuspruch - ganz viele Bemerkungen über die "anderen"....

Tja!
Schöne Grüße
HN
Ehemaliger Nutzer schrieb am 23.11.2011 um 15:47
wünschen
Michael Angele schrieb am 23.11.2011 um 16:06
Ich lamentiere nicht, ich frage mich einfach. Und ich denke, es sind viele Gründe für das Scheitern verantwortlich, auch solche, die mir eben noch gar nicht eingefallen sind. Z.B. könnte koslowski, siehe oben, in vielen Fällen recht haben. LG
Ehemaliger Nutzer schrieb am 23.11.2011 um 17:43
Sehr geeherter Herr Dr. Angele,

Das mag sein, dass Kulturschaffende von einem Desinteresse befallen sind. Vielleicht hatte Herr Peymann oder Frau XY einfach keine Zeit. Andere mögen sich gefragt haben, warum Sie so viel schreiben sollen, wo sie doch eigentlich gerne auf vorgegebene Fragen antworten würden. Wiederum andere hätten sich gerne in längere Narrationen vertief, zögerten jedoch, weil die Aktion nicht anonymisiert war usw. und so fort. Ich hätte an dieser Aktion nicht teilgenommen, weil ich mich nicht ernst genommen gefühlt hätte. Soviel zum Thema dFreitag Leser.

Mutmaßungen über Mutmaßungen. Am Ende zählt dann doch nur, was der Verleger sagt: Kommunikation ist das, was beim anderen ankommt! Und da kommen Sie um Selbstkritik nicht herum:
Kurz um, hätten Sie mehr Professionalität walten lassen müssen, nicht gegen Grundregeln der Meinungserhebung verstoßen sollen, dann wäre Ihnen das erspart geblieben. Dazu gehört natürlich auch, dass man so eine Aktion nicht per Mail, und das nur autorisiert durch einen Praktikanten durchziehen kann. Zu fragen wäre ja auch, wie Sie solche Narrationen am Ende auswerten wollten.

Dass Sie die ganze Chose jetzt öffentlich diskutieren, damit tun Sie sich und Ihrer Leserschaft keinen Gefallen. Vielmehr verspielen Sie unnötig Vertrauen und verhindern unter Umständen, dass durchdachtere Aktionen in der Zukunft angenommen werden. Das meine ich ohne jegliche Häme.
Welcher Ihrer wohlgesonnen Leser soll darüber Schadenfreude auch empfinden?

Salut
HN
Calvani schrieb am 23.11.2011 um 17:53
Über die Herangehensweise lässt sich streiten, liebe Helena, da haben Sie Recht. Aber ich finde es eine hervorragende Idee, eben genau das zur Diskussion zu stellen.
(Das war keine Ironie, sondern ein Kompliment!)
Ehemaliger Nutzer schrieb am 23.11.2011 um 18:07
@ Calvani

Liebe Calvani,

ein Problem zur Diskussion zu stellen, ist immer gut. Aber wie gesagt, in diesem Falle, wäre eine diskrete Einäscherung geschickter gewesen. Ich meine das auch ganz ohne Ironie.

Es gibt einfach Spielregeln der Meinungserhebung und Kritik, die betreffen auch den Nachgang, z.B. die Frage: " Wie könnten/müssen sich jetzt diejenigen "fühlen", die doch geantwortet haben?
Michael Angele schrieb am 23.11.2011 um 21:09
@HN "Vielmehr verspielen Sie unnötig Vertrauen und verhindern unter Umständen, dass durchdachtere Aktionen in der Zukunft angenommen werden."

Hallo, geht's auch eine Nummer kleiner? Der FREITAG ist doch keine Bank! Auch wenn es ihnen nicht gefällt. Es gibt keine Bonds von uns. Und da ich gerade dabei bin, diese Mischung aus gehobener Schulmeisterei ("da kommen sie um Selbstkritik nicht herum") und Old-School-Noelle-Neumann-Speech ("Grundregeln der Meinungserhebung verstoßen") überrascht mich nun doch. Liest man nicht mehr oft. Da Sie ferner schreiben, die Aktion hätte nicht "per Mail erfolgen" sollen (also mit Briefpost?), würde mich interessieren: Arbeiten Sie in der Marktforschung?

Was nun den Journalismus anbelangt, so muss ich ihnen mitteilen, dass Umfragen per Mail mittlerweile "Standard" (Mathias Döpfner) sind. Ich selbst habe mehrere solcher Umfragen erfolgreich konzipiert UND durchgeführt. Nachlesbar in diversen FREITAG-Ausgaben (ich hoffe, dass Sie Abonnentin sind!).

Auch habe ich erhebliche Zweifel, ob die Aktion in anonymisierter Form zielführend gewesen wäre. Hätte man mit Andeutungen arbeiten sollen? ('Ist der Vater einer bekannten Buchautorin') Initiale verwenden sollen? (R.W. für Roger Willemsen) Also, ich weiß nicht.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 23.11.2011 um 23:58
@. Angele

Sehr geehrter Herr Dr. Angele,

Sie sind also der Meinung, dass der dFreitag mit einer Bank verwechselbar ist. Würden Sie die Freundlichkeit haben, mir dies in einigen kurzen Sätzen, aber leicht verständliches zu explizieren. Auf einen solch interessanten Vergleich wäre ich selbst nie gekommen. Was ist das gemeinsame zwischen einer Bank und dem dFreitag? Verleiht der dFreitag etwa Geld? Oder betreibt der dFreitag Finanzdienstleistungen?

Ihrer Äußerung entnehme ich, dass Sie einen Abonnementen für den gediegeneren Diskutanten halten? Oder habe ich Sie da falsch verstanden?

Sehr geehrter Herr Dr. Angele,
Ihren Hinweis auf das Gedankengut von Frau Prof. Dr. Noelle-Neumann, ehedem Gründerin des Instituts für Demoskopie (IfD) in Allensbach, finde interessant.
Ich gehöre einer Generation an, die bei dieser Dinosaurierin der Meinungsforschung nichtmehr in die Schule hätte gehen können. Soviel ich weiß, hat diese Dame, sich ihre ersten Sporen bei der von Joseph Goebbels herausgegebenen NS-Propaganda-Zeitung „Das Reich“, eine Wochenzeitung, verdient. Ich bin auf dem Stand der Jetztzeit hinsichtlich der Methodenfragen. Dies mag man bedauern, ist aber nicht zu ändern, da ich im Hier und Heute lebe.

Wenn ich Sie richtig verstanden habe, dann ist es Ihre Überzeugung, dass die Springer Presse mit anderen Methoden überaus vorteilhaft reüssiert Warum dann also Ihre Klage? Hat man Sie etwa nicht verstehen wollen?

Was erwarten Sie von einer solchen Diskussion? Was soll sie als Ergebnis bringen? Welche Meinung soll das Forum bestätigen? Und überhaupt, wie tief darf eine von Ihnen angestoßene Diskussion gehen? Zum anderen dürfte von Interesse sein, was mit den bereits eingegangenen Antworten geschieht? Werden diese etwa kommentarlos geschreddert? Ist dies so bei anderen Ihrer Umfragen geschehen? Und abschließend frage ich Sie ganz direkt: „Sind Sie gegen den Frieden?

Mit freundlichen Grüßen
HN

.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 24.11.2011 um 00:42
leicht verständlich
Columbus schrieb am 23.11.2011 um 15:54
Sie sind ja einsichtig, Herr Angele, dass "Zeitungsmänner" so manches Mal einfach nur, -ich weiß nicht, irgendwie-, es sich leicht machen mit Fragen (es gibt gute Gründe, u.a. die Zeit und Vielfalt) und, das ist besonders brenzlig, auch mit Antworten.

Es fehlte also diesem Projekt Ernsthaftigkeit und Glaubwürdigkeit und so kam von R.W. genau eine freundliche und von Torsun eine deutliche Antwort. Das war ´s.

Es liegt ganz eigentlich daran, dass Projekte, die man nur macht, weil man sich fragt, was machen wir demnächst überhaupt, auch so ankommen. Das steckt im Subtext und Kontext, in den Mailbotschaften, in den "Twitties". Das dürften die meisten Intellektuellen spüren, sofern sie nicht ausreichend medialisiert sind.

Bei sowas reicht also nicht die "Willi will ´s wissen"-Einstellung, sondern der Schweiß, ihr Schweiß, der Schweiß der Redaktion, muss den Adressaten bewusst sein. Die müssen wissen und spüren, ihnen gehe es nicht nur um eine gute Nummer im Programm.

Daran lag es. So ist es.

Liebe Grüße
Christoph Leusch

PS: Links und Kultur, ist das nicht die Frage nach,
a) Aneignung über den engen Kreis der Intellektuellen hinaus
(Kultur für alle)
b) Internationalität und Widerstand gegen Ausgrenzung und
Abgeschlossenheit (Pluralität der Kulturen, die nicht nur toleriert,
sondern als gleichwertig akzeptiert werden)
c) Traditionen und Bezügen, also dem Erhalt eines kulturellen
Gedächtnisses (es gab Vermittlungsinstanzen der Arbeiterkultur
(Heute müssen dafür neue Namen her, weil das so altmodisch
klingt), die ohne großen Widerstand aufgegeben wurden, es gab
große Netzwerke der linken Intellektuellen, die ebenfalls
aufgegeben wurden)
Michael Angele schrieb am 23.11.2011 um 16:18
@Leutsch

"Es fehlte also diesem Projekt Ernsthaftigkeit und Glaubwürdigkeit".

So ein Quatsch. Nur weil dieser Blog hier etwas salopp daherkommt. Die Anfrage wurde höflich, ernsthaft und glaubwürdig formuliert. Ich bitte Sie.

"Projekte, die man nur macht, weil man sich fragt, was machen wir demnächst überhaupt"

Geht's eigentlich noch gut? Das Projekt wurde lanciert, weil ich dachte, dass da a) was in der Luft liegt, und b) die Antworten interessant für unsere Leser sein könnten.

"Schweiß, ihr Schweiß, der Schweiß der Redaktion, muss den Adressaten bewusst sein"

Stünde ihnen der Fußball nicht vermutlich denkbar fern, würde ich sagen; mit solchen Sätzen können sie sich auch als Co-Trainer beim Vfl Bochum bewerben. Und weil Sie ja hier immer so mit der Tradition kommen: Schauen Sie sich mal die gute alte "Literarische Welt" und ihre Umfragen an, also die von Willy Haas aus den zwanziger Jahren. Nichts "Willi will's wissen", aber auch nix Schweiß. Sondern: Eleganz und Einsicht. Gute Nacht.
Columbus schrieb am 23.11.2011 um 16:25
Ab und an, lieber Herr Angele, könnten Sie sich auch ´mal eine rote Karte verpassen. Aber seien Sie beruhigt, das Problem löst sich von ganz allein, noch in den nächsten Minuten.

Liebe Grüße
Christoph Leusch
Streifzug schrieb am 23.11.2011 um 16:31
@Columbus,

die Antwort von Herrn Angele war doch nur eine Glosse...
Calvani schrieb am 23.11.2011 um 16:33
... Ironie...
Columbus schrieb am 23.11.2011 um 16:37
Genau, Zungenrede, da trägt man sein Herz.
Christoph Leusch
Streifzug schrieb am 23.11.2011 um 16:40
...ahhhhh so, mit Ironie tun die sich alle noch ein wenig schwer, üben aber schon mal kräftig...
koslowski schrieb am 23.11.2011 um 20:55
Mag sein, dass die Redaktion bei Konzeption und Organisation der Umfrage handwerkliche Fehler gemacht hat. Ich bin da kein Fachmann. Der Subtext mancher Kommentare ist aber ein anderer: Wir gönnen euch das Scheitern, weil ihr einen anderen FREITAG haben wollen als den, den ihr macht –weniger Redaktion und mehr Community, weniger(selbst-) kritische und ironische Redakteure, dafür mehr Blogger, die wissen, wie’s geht. Nach dem einstweiligen, tragikomischen Scheitern der „Wir müssen reden“-Initiative nun die Revanche in Gestalt der Häme über mangelnde Professionalität.
Schlechte Voraussetzungen für einen Dialog.
goedzak schrieb am 23.11.2011 um 21:35
Häme war bisher eher nicht Deine Art.
Calvani schrieb am 23.11.2011 um 21:48
Ich schließe mich an: Wenn hier jemand hämisch ist, dann Sie, koslowski. Woher wissen Sie denn das die Aktion "Wir müssen reden" gescheitert ist?
Ich finde, es ist eine schlechte Voraussetzung für einen Dialog, wenn die eine Seite über die andere spekuliert, wie Sie es tun, anstatt mal ganz direkt und unvoreingenommen nachzufragen.
Calvani schrieb am 23.11.2011 um 21:52
... denn, dass die Aktion...
Da waren die Finger etwas langsam.
Popkontext schrieb am 23.11.2011 um 22:17
@koslowski
"Nach dem einstweiligen, tragikomischen Scheitern der „Wir müssen reden“-Initiative"
Da offenbart sich wohl Ihr Wunschdenken...
Yola schrieb am 23.11.2011 um 22:24
@Calvani "Woher wissen Sie denn das die Aktion "Wir müssen reden" gescheitert ist?"

Die Aktion ist in dem Moment gescheitert, als Augstein das Vorhaben an die Community zurückgab ("Übernehmen...") und sie über seinen Zeitmangel und die Art der Unterstützung durch den Freitag informierte.
Das sind schlechte Voraussetzungen für einen echten Dialog.
Natürlich wird was 'geredet' werden, vielleicht hier und da auch was verändert werden.
Getreu dem Motto: Schön, dass wir darüber gesprochen haben.
Calvani schrieb am 23.11.2011 um 22:33
@ Yola
Sie haben leider insofern Recht, dass Augstein sich nicht gerade ernsthaft kooperativ zeigt.
Popkontext schrieb am 23.11.2011 um 22:39
@Yola
Ja, das sehr ich auch als das Hauptproblem. Ich hatte ihn zunächst anders verstanden - dass er von uns was einfordert finde ich ok, dass er es mehr oder weniger allein als unser Ding sieht, wo er maximal am Rande unterstützdend ist, verfehlt den Kernpunkt. Den hat er wohl nicht verstanden oder will ihn nicht annehmen. Ich hoffe noch immer, er denkt daran noch mal darüber nach.
Popkontext schrieb am 23.11.2011 um 22:40
-"daran".
Yola schrieb am 23.11.2011 um 23:01
@Popkontext " Den hat er wohl nicht verstanden oder will ihn nicht annehmen."
Das Konzept der Einbindung der Blogger ist ihm wichtig, das läßt sich als Innovation gut 'verkaufen', die Bloggerm selbst sind das notwendige Übel - möchte man meinen...insbesondere wenn diese nicht nur in dem vorgegebenen Rahmen funktionieren, sondern mitgestalten wollen.
Und was ich von diesem 'irgendwie links' halte, zeigt mein Avatar.
Popkontext schrieb am 23.11.2011 um 23:19
@Yola
Das enttäuscht mich doch sehr - gerade weil wir ja eigentlich in seinem Sinne - das beim Wort nehmend, was er öffentlich postuliert - zwar nicht "funktionieren", sondern handeln wollen. Er spricht ja immer von mitgestalten, und unabhängig vom Subtext wäre das auch nur nützlich für ihn und das Blatt. So ist es mir unbegreiflich, warum er das nicht annimmt.
Yola schrieb am 23.11.2011 um 23:38
@Popkontext
Er stellt den Rahmen und gibt das Muster vor. Damit begibt er sich auf den Markt. Und die Weber weben. Nun wollen die Weber eigene Muster kreieren. Bessere, innovativere. Im Rahmen, irgendwie. Wer übernimmt das Risiko, die Verantwortung, wenn die neuen Muster nicht angenommen werden, fehlerhaft sind? Soll er sich darauf einlassen? Und wenn alles aus den Fugen gerät? Was wirklich Neues entsteht? Das Klügste zum Eindämmen des Risikos ist doch zu sagen, man solle das untereinander ausklamüsern und wenn etwas Brauchbares rauskommt, überlegt man sich's...
Also... community, übernehmen Sie...
koslowski schrieb am 23.11.2011 um 23:48
@Popkontext 22:17

Ich hoffe tatsächlich, dass die Initiative nur einstweilen gescheitert ist. Ist das Wunschdenken?
Popkontext schrieb am 24.11.2011 um 02:14
@koslowski
Nun ja, mein Eindruck war bisher, dass Sie ein Scheitern der Sache wünschen - und wenn Sie sich allein auf einen einzigen, sehr individuellen persönlichen Bericht beziehen, und nicht auf das, was tatsächlich passiert, und daraus ein Scheitern herbeireden scheint es das zu bestätigen. Vielleicht liege ich damit ja falsch?

@Yola
Nun ja, wenn ich so höre, wie man sich am Anfang die Community vorstellte haben sich ja die Strickmuster keineswegs in die Richtung entwickelt, wie man sich das vorstellte, sondern sind deutlich simpler und beliebiger geworden. Uns (mir jedenfalls) liegt ja daran, dass sich das so entwickelt, wie Augsteins Vision einmal war - zumindest im Kern, mit dem entstprechenden Freiraum.
koslowski schrieb am 24.11.2011 um 11:45
@popkontext 02:14

"Vielleicht liege ich damit ja falsch?" - Ja.
Popkontext schrieb am 24.11.2011 um 13:40
@koslowski
Dann frage ich mich, warum Sie dieses Scheitern herbeireden. Dass das erste Treffen nicht zu großen Ergebnissen führen wird, war schon vorher klar, und wurde halt durch die unerwartete Lautstärke noch mehr erschwert, bei der man kaum seinen Nachbarn verstehen konnte. Das zweite war schon deutlich erfolgreicher. Die Probleme sehe ich wie oben beschrieben - dass Augstein das eben noch nicht wirklich annimmt, sondern nach meinem Eindruck eher als Belästigung oder gar Bedrohung sieht, was ich sehr schade und auch nicht wirklich nachvollziehbar finde.
ed2murrow schrieb am 23.11.2011 um 21:53
Ich würde mir einfach keinen Kopf machen: Alle sind mit Kleist und 200 Jahre Todestag beschäftigt. Das ist Widerborst genug. Mehr Scherben und Marquisen braucht's einfach nicht.
Michael Angele schrieb am 23.11.2011 um 22:50
Liebe Freunde,
bitte diskutiert die Frage nach dem Scheitern oder Nicht-Scheitern der Initiative woanders. Davon handelt mein Blog nicht.
Popkontext schrieb am 23.11.2011 um 23:20
@Michael Angele
Sorry, Sie haben ja Recht - aber manchmal entwickeln sich interessante Diskussionen off topic.
ed2murrow schrieb am 24.11.2011 um 08:39
Michael Angele schrieb am 23.11.2011 um 22:50

Ich habe nicht die leiseste Ahnung wen oder was Sie mit Scheitern/Nichtscheitern welcher Initiative meinen. Mein Kurzkommentar bezog sich auf folgenden Zusammenhang: Das Kleist-Jahr findet samt Aufführungen auch im österreichischen ORF in der Kulturpsarte Erwähnung, einschl. solcher von Berliner Bühnen. Das ist dort Thema und nicht (Achtung: Schenkelklopfer!) der Brunnen, dem Ort wo Krüge zu Scherben werden oder (Achtung: Brüller!) in letzter Zeit durch Fingerzeig geadelte Damen.

Und da sich Wien und Berlin schon ewig ergänzen, entnehme ich dem einen Fingerzeig auf die Befindlichkeit bzw. Beschäftigung deutscher Kulturschaffender.

So, genug der Übersetzungsarbeit. Mein Fehler, Empfängerhorizont überschätzt.
Michael Angele schrieb am 24.11.2011 um 13:07
@ed2murrow. Hätten Sie die aktuelle Zeitung, S. 13 mit Überlauf S. 15., schon gehabt (www.freitag.de/kultur/1147-raserei-der-rache), hätte sich ihre Übersetzungarbeit erübrigt. Schöne Grüße
ed2murrow schrieb am 24.11.2011 um 13:54
Schön, wie eins zum anderen führt: Von der Verständnislosigkeit über das Mißverständnis hin zur Herstellung eines Zusammenhangs, der nur im Print ("mit Überlauf") ersichtlich war und nun auch online sichtbar ist. Wenn man sich durch gefühlte 100 Kommentare durchgewühlt hat.
Eine Kultur der Umwege: Ich kann es den Leuten, die täglich mit dem Betrieb der Kultur zu tun haben, nicht verdenken, lieber straight zu bleiben.
Habe die Ehre.
Michael Angele schrieb am 27.11.2011 um 13:11
@ed2murrow
dass es Zusammenhänge gibt, die nur "im Print ersichtlich" sind, finde ich sehr, sehr gut. Sollte es jemand tatsächlich noch nicht wissen: Print ist die ökonomische Basis des FREITAGS. Es gilt also, gute Gründe zu kreieren, die Zeitung zu kaufen oder noch besser, sie zu abonnieren - auch damit Sie, lieber ed2murrow, weiter völlig kostenlos in dieser Community schreiben können, wie ihnen beliebt. Habe gleichfalls die Ehre
ed2murrow schrieb am 27.11.2011 um 14:57
@ Michael Angele

„Sollte es jemand tatsächlich noch nicht wissen: Print ist die ökonomische Basis des FREITAGS. Es gilt also, gute Gründe zu kreieren, die Zeitung zu kaufen oder noch besser, sie zu abonnieren … auch damit Sie, lieber ed2murrow, weiter völlig kostenlos in dieser Community schreiben können“

Wie wahr. Gute Gründe haben im Ergebnis den Inhalt Ihres Blogs kreiert, mutmaßlich.

Bei den paar Beiträgen (irgendwas um die 30 im zwei Jahren, zuletzt im Wochenthema), die mir der Freitag im Wege der Artikelproduktion und in Teilen der Printausgabe angedeihen ließ, verzichtete ich bis auf ein einziges Mal aufs Honorar. Da verrechnete ich es tatsächlich mit einem Abo. Das nennte sich dann nicht kostenlos, sondern unentgeltlich.

Abgesehen von diesem kleinen Lapsus: Sind Sie wirklich sicher, dass Sie mit Ihren Ausführungen dem entsprechen, was der Herr Verleger als Bauen an einem gemeinsamen Haus bezeichnet hat? Vielleicht sollten Sie einmal, noch vor ökonomischer Basis, viel grundlegender das Prinzip des do ut des prüfen bei einem Projekt, das unter anderem auch auf Freiwilligkeit aufbaut.
memyselfandi schrieb am 27.11.2011 um 16:38
Huch!

Gute Gründe kreieren, ja, sollte man beim Freitag. Sollte, Konjunktiv. Es ist ja auch nicht so, dass genügend Verbesserungsvorschläge nicht auch aus der FC gekommen wären.

Ein Kultur-Leiter sollte außerdem noch ganz andere Dinge, beispielsweise Grenzen kennen, er sollte aber nicht das eigene Verhalten gegen "unliebsame" (=nachfragende) User als Genialität betrachten, denn das ist es so ganz und gar nicht. Sondern sich als Dienstleister verstehen, das soll ja angeblich ein Teil des Journalismus ausmachen.
Streifzug schrieb am 23.11.2011 um 22:58
Bei der 360° Betrachtung gelangen viele verschiedene Möglichkeiten ins Blickfeld, beispielsweise die Möglichkeit, dass der ganz Artikel nur ein Aufhänger ist, der Text nur Füllsel um das, was doch mal ein Wort ist, das Zitat von Torsun von Egotronic. Letzlich ist es dann wieder ein Ruf nach raushauen.
Michael Angele schrieb am 24.11.2011 um 13:09
@Streifzug. Richtig erkannt, aber der, der mich hier raushauen könnte, ist ja leider auch verstummt...
Streifzug schrieb am 24.11.2011 um 14:04
@Michael Angele,

Don't Panic. Deep Thought hat ein Herz aus Gold, er kommt wieder, keine Frage. Die momentane Krise des Kapitalismus erfordert eine Neuberechnung und die erforderliche Kombination von 42 mit Sag es treffender braucht seine Zeit. So Long, and Thanks For All the Fish.
seriousguy47 schrieb am 24.11.2011 um 11:17
FREITAG ist nicht ZEIT oder SPIEGEL. Und das ist gut so - aber noch stark verbessungsbedürftig. Und hat natürlich sehr viel mit dem Schweigen der "Kulturschaffenden" zu tun. Man will schließlich möglichst weit gehört werden, wenn man die Gnade einer Äußerung gewährt. Bei Links, andererseits, will man vielleicht auch lieber gar nicht gehört werden.

So ein Dilemma lähmt zusätzlich.

Und nun zum Thema "realistisch". Die Linke ist - sorry - für den Mainstream irrelevant. Außerdem ist sie für Kulturschaffende finanziell uninteressant. Und "kulturell" bislang nicht sooo wahnsinnig in Erscheinung getreten.

Außerdem versuche ich in meinem nicht geschriebenen Beitrag "Um Mitternacht" die Rolle von Kultur und Kulturschaffenden in der Stuttgarter Barbarei (S21) zu würdigen. An diesem nicht geschriebenen Beitrag kann man, meine ich, sehr gut sehen, welch eine bedeutende Rolle Kultur im konkret praktizierten Widerstand spielen kann und zu spielen bereit ist - wobei es nicht um Rechts, Mitte, Links oder sonstwas geht, sondern um gemeinsamen Widerstand in der Sache. Und nur so kann Widerstand- zeitweilig - zur gesellshaftlichen Macht werden. Das dürfte Kulturschaffenden eher entgegen kommen als z.B. linke oder sonstige Tagespolitik.

Ersatzweise kann man sich z.B. hier informieren:

www.stuttgarter-zeitung.de/stz/page/2657312_0_9223_-protestkultur-hunger-nach-aufklaerung.html

oder hier:

www.zeit.de/2010/37/Stuttgart-Bahnhof/komplettansicht

Verwurstet habe ich das auch schon mal hier:

www.freitag.de/community/blogs/seriousguy47/der-geischt-sagt-nein---eine-kleine-s21-presseschau

0 Kommemtare. Immerhin drei Kommentare gab es hierzu:

www.freitag.de/community/blogs/seriousguy47/s21-klassisch-dvorak-gegen-barbarei

Und damit nicht gleich wieder ein falscher Eindruck entsteht, noch diesen Kommentar dazu:

„Im Moment ist es allerdings so, dass die "Schwachen" (Jugendliche, Alte, Behinderte, Arbeitslose, Migranten usw. ?) engagiert mitdemonstrieren und ihre eigenen Interessen auch artikulieren. Dass sie nur in diversen Blogbeiträgen beschimpft werden, während die Medien sich hauptsächlich auf das "Bürgertum" stürzen, hat seinen Grund nicht darin, dass NUR das Bürgertum revoltieren würde, sondern einfach darin, dass das bürgerliche Element der Revolte etwas neues ist- und bürgerliche Medien natürlich eine bürgerliche Revolte "appetitlicher" finden.

Die Realität des Bündnisses sieht aber anders aus (siehe oben). Das habe ich selbst auch in eigenen Gesprächen mit solchen "Schwachen" erfahren.“

www.freitag.de/community/blogs/seriousguy47/s21-presseclub-nebelclub-luegenclub-
memyselfandi schrieb am 25.11.2011 um 09:05
Ich hab mir den ganzen Thread angeschaut und werde den Eindruck nicht los, dass Sie, Herr Angele, schon die Gründe für sich entschieden haben (die natürlich nur an den anderen liegen).

Zum Beispiel die Theorie, dass Kulturschaffende kein Interesse an Politik hätten, das ist ja nun völliger Blödsinn, macht das Scheitern aber einfacher in der Erklärung; Kulturschaffende sind politisch interessiert, was man auch an den Antworten sieht, die reingekommen sind.

Bitte, Sie können sich das so einrichten wie es Ihnen besser in den Kram passt, aber dann wundern Sie sich nicht über Kommentare wie die von Columbus, der die Ernsthaftigkeit des Unternehmens oder dieses Blogs infrage stellt.

Und dass Sie das Verschwinden von Usern beklagen (bei der "Aussprache"), aber gleichzeitig regelmäßig die Keule rausholen... ist ja IRGENDWIE auch widersprüchlich.

Ich bleibe dabei, ein Promi-Kluger oder Real-Kulturschaffender dürfte nicht daran interessiert sein ein Statement über eine nicht nur astreine Partei abzugeben für eine Zeitung, bei der er sich nicht unbedingt gut aufgehoben fühlen dürfte. Thats life.
rioges schrieb am 25.11.2011 um 15:45
Nur zwei Antworten, das kann doch einfach nur bedeuten, dass Kulturschaffende sich zwar für Politik, aber eben nicht für Parteien interessieren.
Warum auch.
Die "Freitag"-Aktion wäre dann auch kein Misserfolg, sondern vielmehr das Ergebnis auf die Frage. Und noch dazu ein sehr deprimierendes für die Parteilinken.
Es merken halt immer mehr: Parteien kämpfen im wesentlichen nur noch um Pfründe. Kulturvolle Auseinandersetzungen initiieren sie schon lange nicht mehr. Da macht auch ein Gysi irgendwo auf einer Berliner Bühne keinen Frühling.
Popkontext schrieb am 25.11.2011 um 18:42
@Michael Angele
"Die Mail schickte unser fantastischer Praktikant Hanning in seinem Namen, und vielleicht war das schon der erste Fehler, denn man würde meinen, dass ein Herr Peymann vom Berliner Ensemble eigentlich zu allem Stellung bezieht, aber vielleicht eben dann doch nicht, wenn die Anfrage von unterhalb, sagen wir, eines Ressortleiters (noch viel besser natürlich: der Verleger) kommt."

Ich denke, damit benennen Sie schon einen gewichtigen Grund für das Scheitern der Aktion. Leider ist es so, dass es in unserem Metier häufig niemanden interessiert, wer wirklich was kann oder zu sagen hat, sondern nur auf Wichtig-Wichtig und wer wen kennt oder kennen will geachtet wird (ein Männerspiel im Übrigen). Leider spielt der Freitag das Spiel genauso mit.

Ich finde Hanning übrigens auch ganz toll (was ich von ihm mitgekriegt habe), und habe ihm das auch schon gesagt.
Uwe Theel schrieb am 26.11.2011 um 01:05
@ Michael Angele

"Ich möchte kurz von einem gescheiterten Projekt des Freitag berichten." (M.A.)

Sehr geehrter herr Angele,

eine Frage wie "Was gefällt Ihnen an der Partei 'Die Linke'? Was nicht?" würde man keinem Schüler im "Besinnungsaufsatz" zur Aufgabe stellen, ohne ihm eine Textgrundlage zur Arbeit dazuzugeben.

Anzunehmen "Kulturschaffende" seien per se und im allgemeinen unvorbereitet zum Äußern von Meinungen, die über SmallTalkShow - die drei Worte sagen alles - hinausgehen in der Lage, verkennt den Ernst und die Komplexität des Themas, die Sie offenbar unterstellten, da sie mehr Rücklauf erwarteten.

Nun sollten sie aber keine Schulaufgabe auch noch methodisch falsch stellen, sondern journalitisch oberhalb des TALK-Niveaus (s.o.) arbeiten. Da hätte es sich empfohlen mit ausgewählten Gesprächspartnern in Kontakt zu treten und in Vorgesprächen zu klären, ob da jemand was zu sagen habe und der Freitag erklärte, was er sich genauer vorstelle mit solch einer "Umfrage". Im sonstigen Geschäftsleben nennt man das, sich der wechselseitigen "Geschäftsmodelle" gegenseitig bewußt werden.

Sie sollten sich beim Freitag wirklich nicht den Hessischen Rundfunk zum Vorbild nehmen, der in seinem 1. Programm nahezu täglich seine Hörer mit eigentlich vielleicht sogar politischen Fragen überfällt, wie heute: "Keine Wildtiere mehr im Zirkus?" und es ihm relativ egal zu sein scheint, wer da was mailt, twittert oder per Telefon übermittelt, Hauptsache Sendezeit wird gefüllt und Hörerbeteiligung wird simuliert.

Ich behaupte nicht, dass der Freitag da angekommen ist. Aber dann doch irgendwann gescheiterter Journalismus, liegt zuallererst immer am scheiternden Journalismus schon vorher.

Macht es besser.

mfg
ut
Popkontext schrieb am 26.11.2011 um 01:27
Ich stimme Dir da absolut zu, was du am Anfang schreibst, das habe ich auch gedacht. Allerdings ist es was ganz anderes, wenn man Prominente (oder auch Nichtprominente) zu einem Thema befragt und tiefschürfendere Antworten erwartet, oder Hörer/innen bzw. Leser/innen zu billigen Mitmachaktionen animieren will, um die Bindung zu stärken, wo es gar nicht wirklich darum geht, was sie denn zu sagen haben. Wenn die Frage allerdings wirklich so gestellt war - was ich mal nicht hoffe, da sowohl von Michael Angele als auch Hanning Voigts mehr drauf haben - klingt es in der Tat ein wenig nach Letzterem.
Michael Angele schrieb am 27.11.2011 um 13:24
Lieber Herr Theel

"Da hätte es sich empfohlen mit ausgewählten Gesprächspartnern in Kontakt zu treten und in Vorgesprächen zu klären, ob da jemand was zu sagen habe und der Freitag erklärte, was er sich genauer vorstelle mit solch einer 'Umfrage'".

Danke für die Beratung. Aber das ist nicht, was ich mit meinem Blog erzielen wollte. Ich weiß eigentlich, wie man eine Umfrage macht, und "Vorgespräche" sind hier eher unüblich.
Darf man fragen, was Sie beruflich denn so machen. Bin nämlich Quereinsteiger und habe da und dort schon reingeschnupert (Uni auf allen möglichen Ebenen, Hotelerie, Altenpflege; vielleicht ist ja was dabei).
Best
Uwe Theel schrieb am 27.11.2011 um 15:39
@ Michael Angele schrieb am 27.11.2011 um 13:24

Lieber Herr Angele.

wenn Sie für meine Beratung danken, dann überhörte ich den ironischen Unterton nicht. Allerdings hatte ich in meinem Kommentar weniger Beratung, denn blogöffentliche Kommunikation über, Diskussion des von Ihnen benannten Scheiterns, mindestens der möglicherweise diesem zugrundeliegenden Gründe im Blick. Sollten Sie Beratung wünschen stünde ich gerne gegen Honorar zur Verfügung ;-) .

Zur Sache: Umfrage ist nicht Umfrage: Sie wollten keine soziologische Umfrage machen, mit Ihren Möglichkeiten würden Sie auch nie eine Repräsentativität herstellen, allgemeingültige Aussagen im redaktionellen Kommentar der dokumentieren Umfrageantworten präsentieren können.

Sollten sie sich mit einer bloßen, zufälligen Sammlung von möglichst unspezifisch leseraffinen Antworten begnügen, die Sie auch nicht wirklich auswerten würden, wäre dies nicht ganz meine Erwartung an eine Zeitung wie die Ihre. Daher würde ich auch für eine Umfrage, oder anstelle dessen, mindestens eine vorbereitetere Arbeitsweise mit journalistischem Kommenr, wie ich sie skizzierte, vorziehen.

Insgesamt aber erschien mein Kommentar aber auch und deshalb gerade auch in Ihrem Blog als Beitrag zu der Diskussion, die in der Initiative „Wir müssen reden! unter dem Stichwort „Verzahnung von Print und Online“, bzw. Qualitätssicherung einer nicht alltäglichen Zeitung sich Gehör zu verschaffen sucht. Sie selbst sind zu meiner Freude jedenfalls „irgendwie“ ;-) mit dabei.

Ich hoffe, wir werden auch künftig konstruktiv diskutieren können.

Mit freundlichen Grüßen

Uwe Theel

P.S.: Mein CV als PN
miauxx schrieb am 27.11.2011 um 00:30
Man kann freilich rein geschmacklich was dagegen haben, dass dF sich nun an "Promi-Kulturschaffende" gewandt hat - ach, beim Stichwort: Wer ist Torsun von Egotronic? - und damit eine Relevanz erzeugen wollte, die doch so "abgelatscht" wie die Verfahren der großen etablierten Medien sei, wo er doch lieber mal, progressiv, wie er sein will, an die Basis (seine Community?) hätte gehen sollen. Ich persönlich habe dieses Problem nun nicht so und finde die Fragen Angeles und auch das Vorhaben nicht verkehrt.

Was mich aber stört, ist die altkluge und bisweilen oberlehrerhafte Art, mit der sich nun darüber verbreitet wird, weshalb die Befragung "selbstverständlich" scheitern musste.
Ich empfinde das zumindest als einen beschissenen Stil! Ich weiß nicht, was so mancher hier für einen Dünkel mit sich führt, nur weil er vielleicht auch bereits irgendwelche journalistische Erfahrung oder welche in der Meinungserhebung sein eigen nennt.
Verzahnung von Redaktion und Community? Gerne und mehr davon! Es sollte aber auch von beiden Seiten gleichermaßen Respekt kommen!
Uwe Theel schrieb am 27.11.2011 um 01:41
@ miauxx am 27.11.2011 um 00:30

Lieber Miauxx,

ich halte es nicht grundsätzlich für respektlos dem anderen die Gründe für sein Scheitern zu erklären, ihm weiter Rat zu geben, wie es vielleicht besser ginge, wenn dieser sein Scheitern zuvor selbst und unaufgefordert eingestanden hat.

Nicht, dass dann vom Ratgebenden her dabei nicht doch Respektlosigkeit Platz greifen könnte, die müsste dann aber konkret nachgewiesen und nicht pauschal und unbestimmt nur behauptet werden.

mfg
ut
tlacuache schrieb am 27.11.2011 um 11:49
Uwe Theel,
bist du eigentlich so gut oder hast du einen
5 Sterne Troll hinter dir herlaufend?
Nur mal so sachlich angemerkt...
Das wird langsam auffallend!
Ehemaliger Nutzer schrieb am 27.11.2011 um 12:06
tlacuache schrieb am 27.11.2011 um 11:49
...bist du eigentlich so gut oder hast du einen
5 Sterne Troll hinter dir herlaufend?


Troll?
Mit den Provokationen von Trollen müßte jedes Forum durch Sachkunde fertig werden.
Foristen, die sich durch Trolle provozieren lassen, sind schwach.

Trolls Absicht, Aufmerksamkeit zu erregen, haben normalerweise alle Foristen selber drauf.
insofern gibt es in Foren nur Trolle!
Oder nicht?
O. K., O. K., blah , blah ,blah!
tlacuache schrieb am 27.11.2011 um 12:18
steuerknecht ist Uwe Theel`s
5 Sterne Troll?
Das muss erst mal verarbeitet werden...
;-)
Uwe Theel schrieb am 27.11.2011 um 12:41
@ tlacuache schrieb am 27.11.2011 um 11:49

bist du eigentlich so gut ...?

Lieber tlacuache,

das zu beurteilen überlasse ich anderen und dabei ist mir die Sprache solcher Besternung die aussagenloseste.

lg
ut
tlacuache schrieb am 27.11.2011 um 12:46
Uwe Theel schrieb am 27.11.2011 um 12:41

Da hast du Recht...

MfG
Michael Angele schrieb am 27.11.2011 um 13:27
@Miauxx

"wo er doch lieber mal, an die Basis (seine Community?) hätte gehen sollen"..

Das eine schließt doch das andere nicht aus, und wäre die Umfrage zustande gekommen, hätte sich eh das eine mit dem anderen qua Thread aufs Schönste verbunden.
Best MA
tlacuache schrieb am 27.11.2011 um 14:51
Michael Angele schrieb am 27.11.2011 um 13:24:
"ego und der Humanismus":
Alles Bla Bla wenn Kapitaldecke nicht reicht,
deseo lo mejor.

Ich verbitte mir ausdruecklich den von oben abgenesenen Ton, Michael Angele,
es gibt hier Leute, die haben den 2. Weltkrieg noch mittelbar erlebt, ich nicht...
"...Uni auf allen möglichen Ebenen, Hotelerie, Altenpflege;..."
Ich habe vor langer ZEIT dieTAZ gedruckt, da wussten sie nicht einmal...
Zwischenzeitlich war ich Wasserschlepper, Rausschmeisser, Taxifahrer, Reiseführer
etc. etc. etc.
Immer schoen auf dem Boden bleiben bitte.
Danke
Calvani schrieb am 27.11.2011 um 15:14
"Das eine schließt doch das andere nicht aus, und wäre die Umfrage zustande gekommen, hätte sich eh das eine mit dem anderen qua Thread aufs Schönste verbunden."

So? Hätten die Prominenten denn mit den Usern diskutiert? Davon steht nichts im Blogbeitrag.
Ich vermute vielmehr, man hätte die oben gefragt, und die unten hätten dann darüber diskutieren dürfen, was man oben zu sagen beliebte.
Irgendwie nicht links diese Haltung.

@ Uwe Theel schrieb am 27.11.2011 um 01:41
So ist es!
Michael Angele schrieb am 27.11.2011 um 21:19
@Calvani.
Eine Lösung, die evtl. in Ihrem Sinne wäre: Werden Sie einfach auch prominent :)

Ansonsten möchte ich es mit Columbus halten, und auch ein wenig in den Urlaub gehen. Dieser Blog war eigentlich kein Beitrag zum gemeinsamen Hausbau. Es tut mir Leid, wenn ich hier Missverständnisse erzeugt habe und die Betonmischer schon angeworfen wurden.

Ich bin Community-Fan, aber im Bilde gesprochen: Gut, wenn es ein Mitspracherecht der künftigen Bewohner gibt, aber manche Dinge sollte man eben doch den Architekten überlassen. Jetzt fragen sie bestimmt: Wo ist denn die Grenze? Meine Antwort: Online verführt zu Distanzlosigkeit, grenzenloser Scheinnähe und folgenloser Radikalität, deren einzige Folge tatsächlich ein endloses Umsichselbstkreisen ist. An dieser Community, die mit guten Gründen besonders offen ist, kann man das leider auch besonders schmerzhaft erkennen. Das ist dann wohl ein dialektisches Verhältnis zu nennen. Künftige Generationen werden vielleicht in der Schule lernen, damit umzugehen. Einstweilen bleibt uns das Taktgefühl des Einzelnen.
Ciao
Calvani schrieb am 27.11.2011 um 22:40
Ich will ganz sicher kein Haus bauen, ich habe nämlich schon eins.

Was ich allerdings immer noch nicht habe, ist eine Antwort auf meine Frage: Warum interessiert sich ein irgendwie linkes Medium im Rahmen dieser Umfrage lediglich für die Meinung von Prominenten?
Da es hier um eine politische Partei geht: Vielleicht wissen Sie es nicht, aber vor der Wahlurne sind wir alle gleich...

...und wie GeroSteiner einst konstatierte: vor dem PC auch...

P.s.: Wäre ich prominent, ich hätte Ihnen auch nicht geantwortet, die Gründe dafür können Sie bei Uwe Theel nachlesen.
Popkontext schrieb am 28.11.2011 um 00:31
@Michael Angele
Ich glaube, Ihr Kommentar zu @Calvani geht völlig am Thema vorbei - hier ging es gar nicht um den Hausbau (dessen Chefarchitekt im übrigen immer das Gemeinsame proklamiert). Es ging um die Haltung: Müssen es immer nur die Promis sein, die - prominent - zu Wort kommen, auch beim Freitag? Und das Fußvolk darf es untereinander diskutieren?
Red Bavarian schrieb am 27.11.2011 um 15:39
Zu dem, was oft immer noch als links gesehen wird: Auf was ich immer wieder hinweise, ist die umfassende politische Spektralverschiebung nach rechts oben innerhalb der letzten drei, vier Jahrzehnte. Gut sichtbar ist das auf der Website des Politschen Kompasses, siehe auf der Seite über die Parteien in Großbritannien: 'How The Parties Have Shifted'. In Deutschland geschieht das gleichermaßen, wobei hier die Die Grünen zusammen mit der SPD - inklusive der repressiv-sozialdarwinistischen Agenda2010- und Hartz-Gesetze, der Kriegstreiberei und des Ökochic-Kapitalismus - gewandert sind, und auch die deutschen Gewerkschaften verglichen mit frühers meist nur noch ein müder Abklatsch ihrer selbst sind. Links ist in dieser Dreieinigkeit so gut wie nichts mehr.

Und zu denjenigen, die uns mit "DDR-SED-Stasi-Mauer" kommen: Sollen sie doch nach Süd-Korea ziehen, in die Nähe der Grenze zu Nord-Korea. Da können sie mit ihren westlich-kapitalistischen Mauern und Stacheldrahtverhauen in ihren Köpfen die "Demokratie und Freiheit" täglich preisen.
Zeitwechslerin schrieb am 29.11.2011 um 12:50
Naja, das mit dem Praktikanten war sicher nicht so glücklich. Vor allem wenn man nur Promi-Kulturschaffende anschreibt, muss man das auch von prominenter Seite aus tun. Dann nur per mail, also ans Telefon hätte sich da schon einer hängen sollen, wenn man eine Antwort will. Hat doch niemand Lust ein Statement ins Nirvana zu schreiben, ohne zu wissen, ob man nicht Opfer eines Rundschreibens geworden und was mit der Antwort passiert.

Die Kulturschaffenden, die ich kenn, sind zumindest in Prozent LINKS. Die Prozente nicht auf die Menge gesehen, sondern in Überzeungsanteilen im Einzelnen. Die diskutieren die Anteile zumindest im Semi-Privaten an sich schon gern.

Einfach noch mal probieren würde ich sagen. Etwas persönlicher, so dass der Befragte sich angesprochen und ernstgenommen fühlt. Grade bei einer ambivalenten Haltung ist es schwer, sein Statement in ein paar veröffentlichbare Zeilen zu packen.
kds schrieb am 30.11.2011 um 00:34
Was unterscheidet eigentlich diese Fragerunde (also diese gefragten) von einer Strassenumfrage?

Oder kurz gefragt: Was muß mensch sein, um hier als intellektueller=KulturschaffendeR zu gelten.

Diese Frage stellt sich mir zumindest bei diesen Antworten und Kommentaren. .
Zeitwechslerin schrieb am 30.11.2011 um 13:26
@ kds. Was hier als kulturschaffend gilt, weiß ich nicht. Ich bin ganz neu hier. Ich hab den Begriff ohne ihn zu hinterfragen oder komisch zu finden verstanden und übernommen. Für mich sind das alle Menschen, die in irgendeiner Form kreativ tätig sind. Die ich kenn sind fast nur schreibend oder Musik machend. Maler oder Fotografen gehören natürlich auch dazu, aber irgendwie funkt das zwischen ihnen und mir nicht. Vielleicht pass ich nicht in ihr ästhetisches Konzept. ^^ Perfomance mag ich am Liebsten, Aber als kulturschaffend würde ich auch alle, die Events auf die Beine stellen, bezeichnen, Festivals, Installationen, wenns sehr innovativ ist auch DJs. Vielleicht geht die knifflige Unterscheidung nicht zwischen kulturschaffend und Normalbürger (Straßenumfrage), sondern zwischen kulturschaffend und kulturabschaffend (Dieter Bohlen).

Man könnte mal eine Liste Kulturabschaffender entwerfen ^^ Und jeder darf seinen ganz persönlichen Lieblingsfeind draufsetzen.
erftstadtboy schrieb am 30.11.2011 um 16:02
hallo,

ich würde noch einmal zur ausgangsfrage, warum es kaum rücklauf gab, zurückkehren wollen.

abgesehen davon, dass mir die frage etwas zu einfach und unspezifisch gestellt erscheint und der absender (praktikant) sicher auch einigen "promis" auf den schlips trat, denke ich, dass es die linke mit dem selbstverständnis "kulturschaffender" (KS) wenig schnittmenge hat.

wie ein freund (junger KS) einmal in einer diskussion bemerkte: mit so einer hartz4 partei kann ich mich nicht identifizieren.
diese haltung begegnet mir sehr häufig in (nicht prominenten/semi) KS-kreisen. der KS ist, besonders wenn er (semi) prominent ist, in der regel eher ein einzelkämpfer als ein gruppenmensch, sonst wäre der KS nicht (semi)prominent (links steht ja eher für das kollektiv, das egalitäre-das gegenteil individueller selbstvermarktung und karriere).
der KS steht im kern meiner meinung nach am ehesten der fdp nahe, oder der öko-fdp, vulgo die grünen.
dass sich viele KS dennoch für links halten, ist entweder ein missverständnis, dem zeitgeist geschuldet (aber der ist heute nicht mehr links) oder sie haben angst, mit der linken identifiziert zu werden. ist ja in vielen bereichen, wohl auch in der kulturindustrie, nicht gerade karriereförderlich. staatliche förderer, mäzene und die mainstreampresse hören das nicht gerne.

dazu kommt, dass die linkspartei kulturpolitisch wenig profil hat und zumindest in berlin in 8 jahren keine linke politik gemacht hat (z.b. im bereich wohnungspolitik). eher das gegenteil.

die frage, warum immer die promis gefragt werden und dann das volk kommentieren darf, finde ich durchaus berechtigt und wurde bisher vom autor noch nicht befriedigend beantwortet.

hg
e-boy
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