Politik

Freitag-Salon | 27.01.2012 14:00 | Jakob Augstein

Die Gleichheit der Gotteskinder

Das muss Liebe sein: Weil Sahra Wagenknecht krank ist, springt Oskar Lafontaine ein. Der Linken-Chef über Eliten, christliche Werte und die wahre Sozialdemokratie

Jakob Augstein: Als man mir gestern sagte, Sahra komme nicht, Oskar komme, musste ich schmunzeln. Das kam mir vor wie in einem Helmut-Dietl-Film oder einem Loriot-Sketch. Ich könnte Sie jetzt fragen, welche Rolle Ihr Aussehen und Ihre Frisur in der Politik spielen?

Oskar Lafontaine: Und ich könnte antworten, dass ich ja bekanntlich eine kühle Erotik ausstrahle.

Da wird die Absurdität solcher Fragen offensichtlich. Sahra Wagenknecht gegenüber wollte ich eigentlich keine Anspielung auf ihr Frausein machen.

Ich werde es ihr ausrichten.

Was mich in den letzten Tagen am meisten beschäftigt hat, war die Affäre unseres Bundespräsidenten: Wundert es Sie nicht, dass Medien und Leser zu einer so unterschiedlichen Bewertung gekommen sind? Viele sprechen mittlerweile von einer Hetzjagd.

Das wundert mich nicht. Große Teile der Bevölkerung haben nichts gegen den Boulevard mit seinem Tratsch. Wenn man aber überzieht, sagen die meisten: Es reicht.

Aber die Nähe eines Politikers zu den Reichen stört die meisten offensichtlich viel weniger als mich.

Politiker dürfen sich nicht von den Reichen vereinnahmen lassen. Jemand wie Christian Wulff kann nun leider nicht mehr glauben machen, dass er die hehren Ziele, die er predigt, selbst lebt. Aber ehrlich gesagt: Mich beschäftigt das nicht besonders. Ich frage mich vielmehr, ob das Amt des Bundespräsidenten überhaupt noch notwendig ist. Als ich Bundesratspräsident war, musste ich das Staatsoberhaupt ab und zu vertreten. Da bekam ich mit, wie „anstrengend“ dieses Amt in Wahrheit ist. Das könnte der Bundesratspräsident eigentlich mit erledigen. Entscheidungen, bei denen politische Befangenheit eine Rolle spielt, könnten dem Bundesverfassungsgericht zugewiesen werden.

Ist die Sehnsucht der Menschen nach allgemein gültigen Werten verschwunden?

Diese Sehnsucht artikuliert sich eher unbewusst, in einer Art Unbehagen, dass der Neoliberalismus den Menschen auf eine Ware reduziert hat. Das ist eine krankhafte gesellschaftliche Entwicklung. Die Leute spüren, dass die Werte gerade im bürgerlichen Lager mehr und mehr verschwunden sind.

Ist es nicht die Aufgabe der Eliten, den Menschen Einsicht in das Bessere zu geben? Oder anders gesagt: Brauchen die Leute nicht dabei eine Führung?

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Prinzipiell hat die Einsicht in das Bessere ja religiöse Wurzeln, die Idee der Gleichheit, der unantastbaren Menschenwürde, ist eine christliche Idee. Der zentrale Gedanke der Linken leitet sich somit auch aus der Gleichheit der Gotteskinder, der Idee der Nächstenliebe ab. Die einzige Aufgabe der Elite ist dabei, im Sinne der Aufklärung zu argumentieren.

Dass ausgerechnet Sie das sagen! Sie sind doch ein geborener Anführer. Zusammen mit Gregor Gysi haben Sie aus dem Stand eine neue Partei gegründet.

Dennoch müssen wir aufklären und überzeugen. Unsere Absicht war es, eine Gegenkraft gegen die verheerenden gesellschaftlichen Entwicklungen zu etablieren. Natürlich auch, weil die SPD und die Grünen neoliberale Parteien sind. Es gelingt ihnen nicht mehr, die herrschenden Denkfiguren des Neoliberalismus zu durchbrechen.

Das kann man an dem Wort Schuldenkrise sehen. Damit wird Politik gemacht. Dabei haben wir keine Schuldenkrise, sondern eine der Banken und Institutionen.

Sehen Sie, da sind wir Brüder im Geiste! Wörter sind Herrschafts­instrumente. Die Begriffe prägen unser Denken, sie machen uns unfrei. Ich habe an mir selbst oft beobachtet, wie ich auf Klischees reingefallen bin. Ich versuche mich stets zu vergewissern, ob ich mir einen klaren Begriff von den Dingen mache. Ein Wort wie Terrorismus zum Beispiel. Ich habe zu Angela Merkel immer gesagt: Frau Bundeskanzlerin, Sie wollen den Terrorismus bekämpfen. Aber was ist das eigentlich? Zwei Jahre habe ich sie das im Bundestag gefragt. Sie saß an ihrem Platz und blätterte in irgendwelchen Unterlagen. Sie konnte die Frage nicht beantworten. Dann bekam ein Beamter im Innenministerium den Auftrag, das Antiterrordateigesetz zu er­stellen. Da stand drin: Terror ist die rechtswidrige Anwendung von Gewalt zur Durchsetzung politischer Belange. Im Bundestag haben also CDU/CSU, FDP, SPD und Grüne beschlossen, dass George W. Bush und Tony Blair Terroristen sind. Und wenn in Afghanistan rechtswidrig Gewalt angewendet wird, was folgt nach dem Antiterror­dateigesetz dann daraus für die verantwortlichen Politiker der Bundesrepublik?

Um auch mal ein neoliberales Denkbild zu benutzen: Sie sind Berufspolitiker, ihr Produkt ist die Politik. Besteht nach diesem Produkt denn weiterhin eine bleibende Nachfrage?

Ja, weil die Menschen sich erhoffen, dass ihre Lebensbedingungen sich verbessern. Was mir dabei aber nicht in den Kopf geht – dass Rentner immer Rentenkürzungsparteien wählen.

Kennen Sie den Begriff der Liquid Democracy?

Nein. 

Im Prinzip bedeutet es, dass die Menschen aus den Partei­programmen frei wählen: die Verkehrspolitik der Grünen, die Wirtschaftspolitik der Linken, die Netzpolitik der Piraten.

Das ist ein Plädoyer für direkte Demokratie. Wer sollte etwas dagegen haben?

Man würde die Parteien überspringen.

Ja, das heißt direkte Demokratie.

Sollten die Mitglieder Ihrer Partei über die Parteiführung nicht auch direkt entscheiden können?

Wenn wir nur eine Vorsitzende oder einen Vorsitzenden hätten, ja. Wir haben aber in der Spitze eine Quotierung. Wenn zwei Leute gewählt werden, die nicht miteinander können, dann hat die Partei nur Nachteile. Scharping und Schröder beispielsweise, als Doppelspitze, das wäre immer schiefgegangen. Die Linke hat als erste Partei den verbindlichen Mitgliederentscheid für alle politischen Sachfragen in ihr Grundsatz­programm geschrieben.

Im Mai wird in Schleswig- Holstein gewählt, im Moment steht die Linke dort den Umfragen zufolge bei zwei Prozent – obwohl der Zeitgeist sich weit nach links verschoben hat und Sahra Wagenknecht jetzt sogar in der FAZ publiziert.

Die hohen Zugriffszahlen, die Sahra Wagenknechts Text Schluss mit Mephistos Umverteilung! in der FAZ erzielt hat, erkläre ich mir mit der Verunsicherung im bürgerlichen Lager. Leider wissen viel zu wenig Menschen, dass die Linke als einzige Partei den Ausweg aus der Finanzkrise kennt: öffentlich-rechtliches Bankensystem, direkte Kreditvergabe durch die EZB an die europäischen Staaten, Schuldenschnitt und Millionärssteuer. Wenn die Schleswig-Holsteiner das wüssten, wären wir sicher im Landtag.

Einer Verstaatlichung der Banken würden viele zustimmen.

Ja, aber die Finanzkrise ist schwer durchschaubar. Nicht umsonst hat Henry Ford gesagt, wenn die Leute unser Geldsystem kennen würden, dann würden sie eine Revolution machen. Und es fehlt die Konsequenz. Helmut Schmidt beispielsweise hat die Verantwortlichen der Finanzkrise als Psychopathen verurteilt und eine strengere Regulierung gefordert. Gleichzeitig aber schlägt er Peer Steinbrück als Kanzlerkandidaten vor – also einen Mann, der an der Deregulierung erheblich mitgewirkt hat. Den Menschen fehlt die konkrete Erfahrung, dass die Linkspartei ihre Forderungen auch durchsetzen würde. Ich werde oft gefragt, warum wir im Saarland 20 Prozent erringen können? Das ist ganz einfach: Die Arbeitnehmerschaft an der Saar hat in schwierigen Situationen erfahren, dass ich an ihrer Seite stehe.

Dort hat sich gerade eine CDU-geführte Regierung verabschiedet. Was werden Sie nun tun?

Ich werde mich zur Wahl stellen.

Kämpfen Sie weiterhin für Rot-Rot, auch wenn die Saar-SPD Ihnen schon im Vorfeld eine Absage erteilt hat?

Ja. Die Absage ist in der Saar-SPD umstritten. Ich möchte verhindern, dass die SPD dort zusammen mit der maroden CDU ein brutales Sparprogramm für Schulen, ­ Poli­zei und Krankenhäusern durchzieht.

Vielleicht verstehen die Menschen einfach nicht, was für eine Partei die Linke eigentlich ist. Ich frage mich immer: Ist das nun eine sozialistische oder die echte sozialdemokratische Partei?

Der Kern unserer Programmatik ist: Eigentum muss durch eigenes Tun entstehen, Eigentum ist das selbst Erarbeitete. Damit stellen wir die jetzige Wirtschaftsordnung in Frage, in der eine Minderheit oft ohne Arbeit reich wird, weil die Mehrheit für sie arbeitet. Der alte liberale Grundsatz „Eigentum ­entsteht durch Arbeit“ wird nur noch von der Partei die Linke vertreten.

Aber kann eine sozialistische Partei in einem nichtsozialis­tischen System überhaupt wirksam werden?

Alle sozialistischen Parteien sind im Laufe ihrer Geschichte stets sehr weit weg von ihren Zielen geblieben. Daraus schließe ich, dass der Kapitalismus extreme Giftpotenziale der Umarmung und Vereinnahmung hat. Wie kommt man da raus? Wir leben in einer unvollkommenen Demokratie und müssen Sisyphus-Arbeit leisten. Aber die Diktatur einer Partei ist mit der Idee des Sozialismus völlig unvereinbar.

Womit wir beim Thema DDR wären: Woran ist die eigentlich zugrunde gegangen?

Sie ist gescheitert, weil in diesem Arbeiter- und Bauernstaat die Arbeiter viel zu wenig zu sagen hatten. Also an einem Mangel an Demokratie.

Und wann ist die Bundes­-republik vom richtigen Weg abgekommen – wenn sie jemals auf dem rechten Weg war?

Ein Einschnitt war der Fall der Mauer und der Zusammenbruch der kommunistischen Staaten. Seither hat sich der Neoliberalismus in einer Dreistigkeit aus­gebreitet, die abenteuerlich ist.

Ich wollte eigentlich nicht mit ­Ihnen über Sahra Wagenknecht reden ...

Da müsste ich mich auch für befangen erklären.

... aber sie spielt doch eine wichtige Rolle in der Partei. In ihrem letzten Buch Freiheit statt Kapitalismus äußert sie sich positiv über die Marktwirtschaft. Das hat viele sehr überrascht.

Mich nicht. Wenn man das Buch genau liest, merkt man, dass sie sich auf den sogenannten Ordoliberalismus nach Walter Eucken bezieht. Euckens Maxime zur Marktwirtschaft war: Wer den Nutzen hat, muss auch für den Schaden haften. Das heißt, wer Gewinne macht, muss auch für die Verluste einstehen. Das heißt nicht mehr, als dass in unserer verrückten Zeit die Verluste der Banken nicht der Allgemeinheit aufgebürdet werden dürfen. Ein anderer Punkt wäre, dass der Staat über der Wirtschaft stehen muss. Dieser Satz würde heute unser gesamtes System auflösen. Insofern fand ich es sehr geschickt von ihr, ausgerechnet jetzt wieder daran zu erinnern.

 
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Artikelaktionen
Kommentare
ChristianBerlin schrieb am 27.01.2012 um 15:11
Entweder hat Oskar Luther gelesen oder meinen Blog oder beides (Fundstellen bei Bedarf). Auf jeden Fall muss ich ihm Recht geben - mir bleibt keine andere Wahl.

;)
Alien59 schrieb am 27.01.2012 um 15:27
Lafontaine konnte schon immer gut reden und argumentieren. Aber für mich bleibt immer noch die Kröte mit den "Fremdarbeitern", die mich an ihm zweifeln lässt.

Gysi ist mir lieber. Irgendwie habe ich da mehr das Gefühl, dass ich weiß, woran ich bin.

Sarah Wagenknecht jedoch ist noch eine ganz andere Klasse. Neben den beiden anderen eher die Zukunft statt der geteilten Vergangenheit.
ChristianBerlin schrieb am 28.01.2012 um 09:04
@Alien59

Liebe Alien,

meine Wertung

Entweder hat Oskar Luther gelesen oder meinen Blog

war nicht auf die ganze Person bezogen, sondern auf Oskars Äußerung, auf die JA seinen Titel abstellt. Dass Oskar oder auch Luther oder auch ich oder sonst wer auch mal Unsinn reden, wird dadurch nicht ausgeschlossen.

Wie soviel Pochen auf Gleichheit zu Oskars früheren Äußerungen zu Fremdarbeitern passt, wäre eine gute Frage an dem Abend gewesen (hätte auch dem Publikum oder dem Talkmaster einfallen können). Ich schließe nicht aus, dass Oskar dann "geschickt argumentiert" hätte, aber nachfragen hätte man mal können.

Grundlegend einig sind Oskar und ich jedenfalls in der folgenden historischen Einschätzung:

Oskar Lafontaine sagte am 20.01.2012

Prinzipiell hat die Einsicht in das Bessere ja religiöse Wurzeln, die Idee der Gleichheit, der unantastbaren Menschenwürde, ist eine christliche Idee.

ChristianBerlin schrieb am 03.01.2012 um 13:50

Der Grundgedanke der Gleichheit aller in den droites de l'homme, dass alle Menschen gleich frei geboren werden, ist der griechisch-römischen Antike fremd und erst durch das Christentum nach Europa gekommen. Selbst Aristoteles behauptet das Gegenteil: Sklaven sind eben Sklaven. Die hatten in dieser Form der Demokratie [i.e. der griechisch-römischen] und des Rechtsstaates kaum Rechte, schon gar nicht das Wahl- oder Stimmrecht. Das originäre (biblische) Christentum konnte die radikale Gleichheit aller Menschen denken: Hier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau; denn ihr seid allesamt einer in Christus Jesus. (Galater 3,28) Dieser radikale Gleichheitsgedanken ist wesentlich für die neuzeitlich-westlichen Ideale von Demokratie, Rechtsstaat und Menschenrechten

Das Luther Zitat, an das ich denke, muss ich noch raussuchen. Bezieht sich auf den folgenden Satz, in dem vom Gleichheitsgedanken ausgehend die Aufgabe von "Eliten" inter pares definiert wird (bei Luther die Theologen/Bischöfe). Die ist signifikant anders als im römisch-katholischen, eher monarchischen Amtsverständnis. Da scheint mir Oskar gekupfert zu haben, um diese Ungleichheit unter Gleichen begründen zu können.

LG Christian
Zeitleser schrieb am 28.01.2012 um 11:25
Bei Luther gibt es keine Gleichheit unter den Menschen, das ist ja das Schlimme an diesem Herrn. Nach der Zwei-Reiche-Lehre ist das Volk nicht gleich sondern der Obrigkeit untertan und zwar unbedingt, wo ist da Gleichheit? Das Volk darf auf das jenseits hoffen. Und nach der Prädestinationslehre gibt es wenige Auserwählte für das Jenseits, egal ob sie im leben gesündigt haben oder nicht. Herr Müller kommt somit gegebenenfalls in die Hölle, Herr Hitler in den Himmel. Die Staatshörigkeit des "Protestantismus" ist ein schlimmes Produkt der beginnenden Neuzeit. Vermutlich war Luther sehr zufrieden als man 1525 Thomas Müntzer den Kopf abschlug.
Free World schrieb am 28.01.2012 um 12:23
habe ich mich spontan (auch) gefragt. wäre ein lafontain in ca 1520 eher luther gefolgt oder eher müntzer?
KarinL. schrieb am 28.01.2012 um 12:43
@Christian,

ich bezweifle aber das die Gleichheit der Menschen eine christliche Idee war. Ehrlich gesagt habe ich mit Christen so meine Probleme. Die sind nämlich auch "nur" Menschen und handeln im Eigennutz.

Bitte nicht persönlich nehmen!
abghoul schrieb am 28.01.2012 um 13:10
Sicher war die Gleichheit der Menschen eine christliche Idee, aber die ist irgendwie unterwegs verlorengegangen.
Ist halt auch schon lange her die ganze Nummer.
Die Gleichheit der Menschen ist aber eine so naheliegende Idee, das ich hier mal ganz dreist behaupte, das die Christen die nicht erfunden haben.
Es gibt ein paar sehr finstere Sachen aus Babylon, in kurz, wir sind alle gleich, aber wir haben auch alle die Arschkarte, Futter für die uns gar nicht wohlgesonnenen Götter.
Ob nun Feinschmecker Menue oder Rohkost macht da erstmal wenig unterschied.
Aber ich schweige besser zu dem Thema, sonst kommt noch die Inquisition und belehrt mich das im Christentum schon einige Leute ganz schön Un-gleich gesehen wurden.
Ein kleiner epileptischer Anfall und schon landest du auf dem Scheiterhaufen...
KarinL. schrieb am 28.01.2012 um 13:16
nee nee nee....ick beiße gleich den abghoul

Auf dem Papiere steht immer alles sehr schön drauf, nur mit der Praxis....da hapert es doch immer. Und das schon seid der Mensch den aufrechten Gang, das Denken und sprechen gelernt hatte.

So, nun mal bitte kommentieren :-)
abghoul schrieb am 28.01.2012 um 13:22
Ich sachs ja...
Futter für die Götter
jetzt auch noch schön gegrillt
everything to theyr pleasure ;)
*from the crypt the ghoulies whisper:"We get the bones, but please roast 'em sinister"*
greetings from the pit
Free World schrieb am 28.01.2012 um 15:14
nun, die "erfinder" des egalitarismus sind wohl eher in afrika zu finden, bis zu ca. 23.000 jahre bevor ein findiger geschichtenerzähler ein märchen für leichtgläubige erfand. den volkstamm nennt man "san" und sie gelten mittlerweile genetisch als eine verbindung zu den frühesten menschlichen vorfahren nahe. ach ja, sie sind im prinzip vom aussterben bedroht und mit ihnen auch der egalitarismus. nach gott sei dank mögen christen und andere leichtgläubige denken.

dieser beitrag ist bis hierhin zutiefst sarkastisch zu verstehen und ich bedaure den untergang der san und das sie kein muster für eine ursprüngliche, andere wertevorstellung darstellen.

stattdessen bevorzugen wir im kern eine ziemlich umfassende degeneriertheit, die wir auch als christlichen fortschritt auffassen - mich eingeschlossen, denn es (das christentum) ist grundlage unserer üblichen erziehung.
ChristianBerlin schrieb am 29.01.2012 um 14:19
@zeitleser
@Free World
@KarinL.
@abghoul

Ich freue mich, dass ihr mir helft, hier eine kontroverse Online-Diskussion zum Titel des Blogs zu führen. Ohne euren Widerspruch bliebe das ein reines Selbstgespräch.

Trotzdem muss ich euch im Detail natürlich widersprechen. Auch das gehört zu einer guten Diskussion dazu. Ich benötige nur etwas länger, weil ich an diesem WE viel zu tun hatte. Jetzt hab ich ein bisschen Zeit, mal sehen, wie weit wir kommen.

LG Christian
ChristianBerlin schrieb am 29.01.2012 um 14:55
@zeitleser

Bei Luther gibt es keine Gleichheit unter den Menschen

Nach der Zwei-Reiche-Lehre ist das Volk nicht gleich sondern der Obrigkeit untertan

Erwiderung:

1. Gleichheit im Sinne des originären (biblischen) Christentums gibt es bei Luther sehr wohl, weil er das Christentum "sola scriptura" wieder orignär definiert. Damit bindet er seine eigenen Aussagen an eine aus seiner Sicht hörere Norm, an der sie zu messen sind.

2. Mein Text interpretiert die "Gleichheit aller" ausdrücklich als Gleichheit im Sinne der "droit de l'homme". Das ist noch einmal etwas anderes als die Gleichheit in der Anarchie im Sinne Bakunins. Die frz. Revolution kannte sehr wohl Ämter und Obrigkeiten und die Verpflichtung, sich deren Gewalt zu fügen. Sie hielt dies für vereinbar mit den Menschenrechten und der prinzipiellen Gleichheit aller, das ist im modernen Säkularstaat nicht anders.

Nach der Zwei-Reiche-Lehre ist das Volk nicht gleich sondern der Obrigkeit untertan und zwar unbedingt

Das "unbedingt" ist nicht richtig. Luther formuliert in derselben Schrift ein (passives) Widerstandsrecht bzw. sogar eine Widerstandspflicht, wenn die weltliche Oberkeit etwas Unrechtes befiehlt.

Herr Müller kommt somit gegebenenfalls in die Hölle, Herr Hitler in den Himmel.

Das trifft - hypothetisch - als Möglichkeit Gottes zu. Theologisch ist das aus meiner Sicht unbestreitbar, die Allmacht Gottes vorausgesetzt, kann ihm das niemand vorschreiben. Ob Gott allerdings wirklich so oder anders entscheidet, ist damit noch nicht gesagt. Aber die Möglichkeit hat, das liegt in der Konsequenz des Gottesgedankens selbst.

Vermutlich war Luther sehr zufrieden als man 1525 Thomas Müntzer den Kopf abschlug.

Das war möglicherweise ähnlich wie bei Angie und Bin Landen - zunächst jedenfalls. Wer einen "Bund zur Vernichtung der Gottlosen" gründet und geschickt genug ist, aufständische Bauern zu überzeugen, diese Vernichtung wortwörtlich zu exekutieren, statt zu verhandeln, der hätte wissen können, dass er nicht nur ein 100.000 Mann Heer in den sicheren militärischen Untergang führt, sondern auch selbst als Anstifter einer verlorenen Revolution belangt wird. Die Bauern hätten mehr mit einem juristischen oder militärischen Anführer erreichen können, statt mit einem fanatisierten Theologen, der um der gerechten Sache willen auf ein himmlisches Eingreifen hoffte, wenn es zum letzten Showdown kommt. Diese trügerische Hoffnung auf einen letzten Showdown mit himmlischem Eingriff hatte wahrscheinlich schon Judas gehabt. Aber so etwas passiert eher selten auf Bestellung.

Das Thomas Müntzer im Namen einer an sich gerechten Sache Illusionen erlag und verbreitete, führte ihn und seine Gefolgschaft in die sichere Selbstvernichtung, dafür hätte es keinen Luther gebraucht, der sich davon meinte scharf distanzieren zu müssen (denn für die Anliegen der Bauern hatte er sich - im Verhandlungsweg - ursprünglich selbst eingesetzt).
ChristianBerlin schrieb am 29.01.2012 um 15:00
@Free World

habe ich mich spontan (auch) gefragt. wäre ein lafontain in ca 1520 eher luther gefolgt oder eher müntzer?

Ich denke, er lehnt Gewalt als Mittel der Politik eher ab, er sagt ja, er sei 1999 wegen des bevorstehenden Kosovo-Krieges aus dem Schröder-Kabinett ausgeschieden. Also wäre er wohl nicht mit Thomas Müntzer an der Spitze eines zur Vernichtung der Gottlosen im letzten Gefecht des Armageddon aufbrechenden Heeres mitmarschiert, sondern hätte - als alter Sozialdemokrat - die Anliegen der Bauer eher mit Luther auf dem Verhandlungswege durchzubringen versucht, solange dafür die Tür noch offen war. Die wurde, als Müntzer losmarschierte und die Bauern sich ihm anschlossen, von Seiten des Adels natürlich zugeschlagen und drohte auch Luther selbst mit zu erschlagen.
ChristianBerlin schrieb am 29.01.2012 um 15:16
@KarinL.

ich bezweifle aber das die Gleichheit der Menschen eine christliche Idee war.

Bezweifeln kannst Du es - wie alles und jedes - aber kannst Du es auch bestreiten?

Wenn Du es qualifiziert bestreiten willst, müsstest Du entweder angeben, woher die Idee dann stammt (wie es @Free World mit dem Volksstamm der "san" oben versucht), oder Du müsstest nachweisen, dass das egalitaristische Zitat aus dem Paulusbrief lediglich eine abwegige Einzelmeinung im originären (biblischen) Christentum war und sonst überall das Gegenteil in der Bibel steht. Viel Spaß bei einem dieser Nachweise!

Dein Argument:

Ehrlich gesagt habe ich mit Christen so meine Probleme. Die sind nämlich auch "nur" Menschen und handeln im Eigennutz.

ist jedenfalls kein qualifizierter Gegenbeweis. Gegen diesen Einwand hab ich meine These sogar von vornherein abgesichert, indem ich in dem verlinkten Text im Anschluss an den hier wiedergegebenen Ausschnitt mit dem Klammersatz weitermache:

(ich rede nicht von der Praxis, die darauf ein Hohn sein kann)

Das gilt zuweilen sowohl für die Rechtsstaatspraxis, als auch für die christliche Praxis, insbesondere die institutionell-kirchliche.

Man kann sagen: Wenn Christen in einem schlechten Sinne eigennützig handeln, handeln sie nicht nach der Bibel. Deren Handeln kann folglich nicht entkräften, dass das orignäre (biblische) Christentum egalitär war.

Bitte nicht persönlich nehmen!

:)
ChristianBerlin schrieb am 29.01.2012 um 15:23
@Free World

nun, die "erfinder" des egalitarismus sind wohl eher in afrika zu finden, bis zu ca. 23.000 jahre bevor ein findiger geschichtenerzähler ein märchen für leichtgläubige erfand.

Du müsstest noch nachweisen, welcher Weg vom Stamm der San zur frz. Revolution und der Übernahme ihrer Egalitarismus in deren Parole "Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit" und schließlich in die droites de l'homme führte.

Beim originären (biblischen) Christentum ist mir dieser Zusammenhang klar: Durch die Reformation war dieses Gedankengut in Landessprache jedermann zugänglich, die Sätze der Bibel kannte jeder, und dort spielen Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit seit je her eine zentrale Rolle - auch wenn die kirchliche Praxis seit dem 4 Jahrhundert einem teilweise anderen Modell folgte (Stichwort: Adelskirche).

Ehrlich gesagt, glaube ich nicht, dass Daton und Robbespierre bei diesem verschollenen Stamm in Afrika waren und so auf ihre Ideen kamen.

LG Christian
ChristianBerlin schrieb am 29.01.2012 um 15:29
@abghoul

Die Gleichheit der Menschen ist aber eine so naheliegende Idee, das ich hier mal ganz dreist behaupte, das die Christen die nicht erfunden haben.

Behaupten kann man viel - aber kannst Du es auch nachweisen?

Ich kann Dir ja meinerseits die biblischen Texte zeigen, wo von dieser Idee die Rede ist - Du müsstest mir umgekehrt die antiken Texte zeigen, wo diese Idee gleichfalls propagiert wurde.

Bei den Philosophen - jedenfalls den großen und bekannten - werden wir enttäuscht. Die Gesellschaft, die lesen und schreiben konnte, war in der Antike eine Sklavenhalter-Gesellschaft, da hat Marx recht. Daran zu rütteln, das in Frage zu stellen, war schon reichlich subversiv - mir ist keine Bewegung bekannt, die das sonst noch hingekriegt hätte. Ich lerne aber gerne dazu. Also her mit den Gegenbelegen!
abghoul schrieb am 29.01.2012 um 15:45
Ich mache es mir da vielleicht viel zu einfach... das mag wohl stimmen Christian.
Trotzdem und genau deswegen, weil ich es mir so einfach machen kann:
Wenn ich da schon als Botte (kleiner Junge) drauf gekommen bin, vielleicht ein wenig von meiner lieben Oma inspiriert:
das alle Menschen gleich sind, egal welche Farbe die haben
dann kann da einfach jeder Botte von selbst drauf kommen.
Ich denke da wird eher abtrainiert in der Paedagogik, als das etwas antrainiert wird, so im Geiste von den Botten, und bei die Mädchens sowieso auch, vielleicht müssen die sich bei denen sogar noch mehr anstrengen, mit dem Nettsein abgewöhnen.
Na gut, ich hoffe zumindest mal das es so ist.
greetings from the pit
abghoul
Columbus schrieb am 29.01.2012 um 16:06
Lieber Christian Berlin,

Sie malen da aber einen sehr idealen Luther.

Interessant ist doch, dass die Freiheit des Christenmenschen, er kann nun die frohe Botschaft selbst, in seiner Sprache, erkunden, und in der evangelischen Urgemeinde bildet sich idealiter ein Kreis, doch wieder durch ein theologische Funktion des Geistlichen eingeschränkt wird. Das evangelische Pfarramt ist in seiner historisch entwickelten Ausformung eigentlich schon ein Widerspruch zu allem Gerede und die Staatsnähe der ev. Kirche (ihrer Beamten) zugleich ihr größtes Unglück.

Politisch ist Luther kein Befreier, denn er billigt ganz ausdrücklich die Obrigkeit, die er als gewollte Gottesordnung sieht. Das ist eben noch klassisch mittelalterliches Denken.

Historisch falsch liegen Sie aber mit den Andeutungen, Müntzer hätte einen großen Bauernhaufen (100.000) zu Rache und Willkürakten angestachelt und die "Obrigkeit" hätte daher nur wieder "Recht und Ordnung" hergestellt. Seine Schrift gegen die Bauern verfasste er, als klar war, wie die Sache ausging.

Es kann keinen Zweifel daran geben, dass die lutherische Vorstellung von "Obrigkeit" nicht etwa im Sinne von neutraler Verwaltung und gerechter Staatsfunktion gedacht war, sondern sich auf die "göttliche" Ständeordnung und den Erhalt des Adels bezog. - Er kritisierte nur den "Hochmut" des Adels, aus dieser, seiner gottgewollten Machtvollkommenheit.

"Die Bauern hätten mehr mit einem juristischen oder militärischen Anführer erreichen können, statt mit einem fanatisierten Theologen,..." - Das ist einigermaßen unwissend und von oben herab, ein schlechtes Theologenurteil, dem man gewisse Verachtung anmerkt.

Und das mit dem erhofften Showdown, ist nun wirklich Geschichtsklitterung und Fantasie.

Die Bauern sind ja diese "juristischen" Wege vielfach gegangen. Kleinere Aufstände und die zahlreichen Streitereien wg. der Frohn, der Steuerlast, der Wald- und Jagdrechte, usw. und die teils Jahrzehnte (!) betriebenen Klagen der Bauern vor Reichsgerichten und Gebietsfürsten sind doch Legion, ziehen sich durch das Spätmittelalter und die frühe Neuzeit.

Liebe Grüße
Christoph Leusch
ChristianBerlin schrieb am 29.01.2012 um 19:37
@Columbus

Lieber Christoph Leusch,

Sie malen da aber einen sehr idealen Luther.

So? Ich dachte, ich müsste mich mit idealen Müntzer auseinandersetzen. Über beides entscheiden letztlich die Quellen. Dazu gleich mehr.

Politisch ist Luther kein Befreier, denn er billigt ganz ausdrücklich die Obrigkeit, die er als gewollte Gottesordnung sieht. Das ist eben noch klassisch mittelalterliches Denken.

Die Alternative heißt "Anarchie" - die Ablehnung jeglicher Herrschaft von Menschen über Menschen. Für die Grundstruktur der Herrschaft/Obrigkeit im Sinne von Römer 13 ist es egal, ob sie - wie in den freien Städten zur Lutherzeit - vom Bürgerstand gewählt oder wie auf dem flachen Land durch Erbfolge in die Herrschaft hineingeboren wurde oder nach dem Vorbild römischer Präfekten oder Procuratoren etc. lokal oder regional regierungsseitig von ernannten Verwaltungsbeamten ausgeübt wird. Römer 13 besagt, dass Herrschaft unvermeidbar ist und - wer sie ausübt - in dieser Funktion als "weltliche" Herrschaft zu respektieren ist, die den Christen aber das Reich Gottes, dessen Bürger sie zugleich sind, nicht nehmen kann (weil es zwar in dieser Welt erscheint aber nicht "von dieser Welt" ist).

Der Unterschied zwischen Müntzer und Luther ist wie der zwischen Bebel und Marx. Im Kommunistischen Manifest, einem Auftragswerk, bekennen sich Marx und Engels zum gewaltsamen Umsturz als einzigem Weg, Veränderungen in ihrem Sinne zu erreichen (deswegen mein Einwand gegen die von KarinL. angedeutete Meinung, Oskar hätte sich eher Müntzer als Luther angeschlossen).

Luther kennt, wie ich oben schon sagte, den gewaltfreien (sog. "passiven") Widerstand, also Streik, Kriegsdienstverweigerung o.ä. wären als Widerstandsformen von seiner politischen Theologie gedeckt. Ebenso die Kritik an Unrecht.

Müntzer geht weiter. Er forderte die gewaltsame Durchsetzung des richtigen Glaubens und der göttlichen Ordnung mit Mitteln des Schwertes. Zunächst - in seiner sog. Fürstenpredigt - von den Sächsischen Fürsten, vor denen er am 13. Juli 1524 in Allstedt predigte.

. Christus hat befohlen mit großem Ernst (Luk. 19) und
spricht: »Nehmet meine Feinde und würget mir sie vor meinen Augen.« Warum? Ei darum, daß sie Christus sein Regiment verderbt und wollen noch dazu ihre Schalkheit unter der Gestalt des Christenglaubens verteidigen und ärgern mit
ihrem hinterlistigen Schanddeckel die ganze Welt.[...]. Sollt ihr nun rechte Regenten sein, so müßt ihr das Regiment bei der Wurzel anheben und handeln, wie Christus
befohlen hat. Treibt seine Feinde von den Auserwählten! Denn ihr seid die Mittler dazu. Lieber, gebt uns keine schalen
Fratzen vor, daß die Kraft Gottes es tun soll ohne euer Zutun des Schwerts [Spitze gegen Luther!], es möchte euch sonst in der Scheiden verrosten. Gott geb es ![...] Drum lasst die
Übeltäter nicht länger leben die uns von Gott abwenden (5. Mos. 13). Denn ein gottloser Mensch hat kein Recht zu leben,
wo er die Frommen verhindert. 2. Mos. am 22. Kapitel sagt Gott: »Du sollst die Übeltäter nicht leben lassen.« Das meint
auch Sankt Paulus da er vom Schwert sagt der Regenten, daß es zur Rache der Bösen verliehen sei und Schutz der
Frommen (Röm. am 13. Kapitel).[...] Drum, ihr teuren Väter von Sachsen, ihr müßt es wagen
um des Evangeliums willen, aber Gott wird euch freundlich züchtigen wie seine allerliebsten Söhne (5. Mos. 1). Wenn er
in seinem kurzen Zorn inbrünstig ist, selig sind dann alle, die sich da auf Gott verlassen. Sagt allein frei mit dem Geist
Christi: »Ich will mich vor Hunderttausend nicht fürchten, ob sie mich schon umlagern.«[...] Dem Einwand, daß aber die Apostel der Heiden Abgötter nicht zerstört haben, antworte ich also: daß Sankt Peter ein furchtsamer Mann gewesen ist.[...]
Quelle (unwissenschaftliche edition, das Datum ist leider falsch)


Als die "treuen Väter von Sachsen" Thomas Müntzer nicht zu folgen bereit waren und er statt dessen nach dieser Predigt seine Stelle in Allstedt verlor, predigte er dasselbe den aufständischen Bauern. Die folgten ihm tatsächlich - wohin, sehen wir gleich.

(Fortsetzung folgt)
ChristianBerlin schrieb am 29.01.2012 um 20:07
@Columbus

(Fortsetzung)

Und das mit dem erhofften Showdown, ist nun wirklich Geschichtsklitterung und Fantasie.

Lassen wir die Quellen entscheiden?

Lauschen wir doch einfach mal seiner letzten Predigt:

Lieben Brüder, ihr sehent, daß die Tyrannen unsere Feind so da seind, und unterstehen sich, uns zu erwürgen, und seind doch so forchtsam, daß sie uns nicht dorfen angreifen, und fordern, daß ihr sollt abziehen, sollt die Anfenger dieser Sach uberantworten. Nun, lieben Brüder, ihr wüßt, daß ich solche Sach aus Gottes Befehl hab angefangen und nicht aus eignem Fürnehmen oder Kühnheit, denn ich kein Krieger mein Tag nie gewesen bin. Dieweil aber mir Gott mündlich geboten hat auszuziehen, bin ich schuldig, und ihr alle, dazubleiben und des Ends zu warten. Es gebote Gott Abraham, seinen Suhn zu opfern; nun wüßt Abraham nicht, wie es gehn sollt, dannoch folgt er Gott und fuhre fort, wollt das fromm Kind opfern und töten. Da errettet Gott Isaak und erhielt ihn beim Leben.
Also auch wir
, dieweil wir Befehl von Gott haben, sollen wir des Ends warten und Gott für uns lassen sorgen. Darüber aber hab ich nicht Zweifel, es werde wohl geraten und wir diesen heitigen Tag Gottes Hilf sehen und unsere Feind alle vertilgen; denn Gott spricht oft in der Schrift, er woll den Armen, den Frommen helfen und die Gottlosen ausrotten. Nun seind wir je die Armen und die Gott sein Wort begehren zu erhalten, darum sollen wir nicht zweiflen. Es würd Glück auf unser Seiten sein.

Was seind aber die Fürsten?
Sie seind nichts dann Tyrannen, schinden die Leut, unser Schweiß und Blut vertön sie mit Hoffieren, mit unnützen Pracht, mit Huren und Buben. Es hat Gott geboten in Deuteronomio, es soll der König nicht viel Pferd bei sich haben und einen großen Pracht führen; auch soll ein König das Gesatzbuch täglich in Händen haben.
Was tun aber unsere Fürsten?
Sie nehmen sich des Regiments nicht an, hören die armen Leute nicht, sprechen nicht Recht, halten die Straßen nicht rein, wehren nicht Mord und Raub, strafen kein Frevel und Mutwill, vertedingen nicht Witwen und Waisen, helfen nicht den Armen zu Recht, schaffen nicht, daß die Jugend recht erzogen würd zu Guten, fürdern nicht Gottes Dienst, so doch um solcher Ursach willen Gott Oberkeit eingesetzt hat, sonder verderben allein die Armen je mehr und mehr mit neuen Beschwerden, brauchen ihrs Macht nicht zu Erhaltung Friedens, sonder zu eignem Trutz, daß je einer seim Nachbauren stark genug sei, verderben Land und Leut mit unnötigen Kriegen, Rauben, Brennen, Mörden.
Das seind die fürstlichen Tugend, damit sie jetzt umgehen. Ihr sollt nicht gedenken, daß Gott solches lenger leiden wölle; dann wie er die Cannaneos vertilget hat, so würd er auch diese Fürsten vertilgen. Und ob schon solches zu leiden wäre, so kann doch Gott das nicht leiden, daß sie den falschen Gottsdienst der Pfaffen und Münche vertedingen wöllen. Wer weiß nicht, was greulicher Abgötterei geschieht mit dem Kaufen und Verkaufen in der Messe. Wie Christus die Kremer aus dem Tempel stieße, so würd er diese Pfaffen und was an ihn hanget verderben.
Und wie Gott Phenees gelobet hat, daß er die Hurerei mit Cosbi strafet, so würd uns Gott Glück geben, der Pfaffen Hurerei zu strafen.

Darum seid getrost und tut Gott den Dienst und vertilget diese untüchtige Oberkeit. Dann was hilfts, ob wir schon Frieden machten mit ihnen, denn sie wollen doch fortfahren, uns nicht freilassen, treiben uns zu Abgötterei. Nun seind wir schuldig, lieber zu sterben, denn in ihr Abgötterei zu verwilligen. Es were je besser, daß wir Merterer wurden, dann daß wir leiden, daß uns das Evangelium entzogen werd und wir zu der Pfaffen Mißbrauche gedrungen werden. Darüber weiß ich gewißlich, daß Gott uns helfen würd und uns Sieg geben, denn er hat mir mündlich solches zugesagt und befohlen, daß ich alle Stend soll reformieren.

Es ist nicht Wunder, daß Gott wenigen und ungerüsten Leuten Sieg gebe wider viel tausend; denn Gedeo mit wenig Leuten, Jonathas mit seim eigenen Knaben viel tausend geschlagen haben, David ungerüst den großen Goliath umbracht. Also hab ich nicht Zweifel, es werd jetzund dergleichen geschehen, daß wir, wiewohl ungerüst, werden obliegen. Es müßt ehe Himmel und Erden endern, dann wir verlassen sollten werden, wie sich des Meers Natur endert, auf des Hilf den Israelischen geschah, da Pharao nacheilt.
Laßt euch nicht erschrecken das schwach Fleisch und greift die Feind kühnlich an, dörft das Geschütz nit förchten, dann ihr sollt sehen, daß ich alle Büchsenstein in Ärmel fassen will, die sie gegen uns schießen. Ja ihr sehent, daß Gott auf unser Seiten ist, denn er gibt uns jetzund ein Zeichen. Sehent ihr nicht den Regenbogen am Himmel? Der bedeut, daß Gott uns, die wir den Regenbogen im Banner führen, helfen will und dreuet den mördrischen Fürsten Gericht und Strafe. Darum seind unerschrocken und tröstet euch göttlicher Hilf und stellt euch zu Wehre.
Es will Gott nicht, daß ihr Fried mit den gottlosen Fürsten machet.Quelle


Der showdown, mit dem Müntzer fest rechnete, war wie der Eingriff des Engels bei der Opferung Isaaks in buchstäblich letzter Minute. Das Gegenteil passierte:

Die Aufständischen verharrten noch unter dem Eindruck Müntzers Predigt und des ‘Regenbogens’, als das fürstliche Heer den vereinbarten Waffenstillstand brach und unvermutet und heftig mit Geschütz, Reiterei und Fußvolk angriff. Die Bauern waren vom Angriff völlig überrascht und gerieten in Panik. Sie fanden keine Zeit zur Ergreifung der Waffen oder zur organisierten Gegenwehr. Die Masse der Aufständischen floh panikartig in die Stadt und wurde auf dem Weg dorthin durch die fürstlichen Truppen niedergemetzelt. Einige Gruppen versuchten, sich der Übermacht zu erwehren und wurden ebenfalls erbarmungslos niedergemetzelt, so auch eine Gruppe im früher sog. ‘Rindflößchen’, der heutigen Blutrinne. Den Bauern blieb als Fluchtweg nur der Weg in die Stadt, wo sie von den Söldnern erschlagen wurden. Nur wenigen Aufständischen gelang die Flucht. (zitiert aus der Darstellung auf der Heimatseite kyffnet.de von Henry Stolze)

Ein Unterschied zu Marx ist sicher noch, dass letzterem der Glaube oder in diesem Fall vielleicht auch Aberglaube fehlte. Mit einem militärischen Führer statt eines Predigers an der Spitze hätten die Bauern m.E. eine reelle Chance gehabt, ihre Situation richtig einzuschätzen, statt einen strategischen Fehler nach dem anderen zu machen. Und die anderenorts erreichten Zugeständnisse konnten waren bis dahin nicht unbeachtlich - weshalb sich einzelne Haufen des Bauerheeres auch schon dezimiert und aufgelöst hatten. Müntzer kam den Frankenhausener Aufständischen statt mit den versprochenen 10.000 Mann gerade mal noch 300 Mitstreitern zu Hilfe.

LG Christian
Ehemaliger Nutzer schrieb am 29.01.2012 um 20:43
Lieber Columbus,

JAugstein hat OLafontaine ganz direkt gefragt, ob er ein religiöser Mensch sei. Das steht zwar nicht in diesem Auszug, OL hat dann über seine katholische Mutter geredet und durchblicken lassen, dass Religionsphilosophie ihm dann doch näher sei als der Glaube resp. die Kirche. Von Luther war meiner Meinung nach gar nicht die Rede!
ChristianBerlin schrieb am 29.01.2012 um 22:05
@Helena Neumann

Liebe Helena,

das ist richtig beobachtet. Aber hier im Gesprächsfaden hab ich ganz am Anfang behauptet, dass Oskar bei Luther "geguttenbergt" hat.

Das versuchten eilige Lutherkritiker schon zu widerlegen, noch bevor ich es noch belegen konnte.

Der Beleg für meine Behauptung, dass Oskar, was er zur Rolle der Eliten sagt, bei Luther gekupfert hat, steht immer noch aus - weil ich mich zuerst mit den Scheinargumenten auseinandersetzen musste, dass dies ganz und gar unmöglich und deshalb schon widerlegt sei, bevor es belegt wurde.

So wurde aus der Diskussion in diesem Thread über Oskar eine über Luther und Müntzer (und über die Gewaltfrage).

LG Christian
ChristianBerlin schrieb am 30.01.2012 um 00:24
@all

Hier das versprochene Lutherzitat:

So sprichst du abermal: Ja, weltlich Gewalt zwingt nit zu gläuben, sondern wehret nur äusserlich, dass man die Leut mit falscher Lehre nicht verfuhre; wie kunnt man sonst den Ketzern wehren?

Antwort: Das sollen die Bischoffe thun, den ist solch Ampt befohlen, und nicht den Fursten. Denn Ketzerei kann man nimmermehr mit Gewalt wehren, es gehört ein ander Griff darzu, und ist hie ein ander Streit und Handel, denn mit dem Schwert.

Gottis Wort soll hie streiten; wenns das nicht ausricht, so wirds wohl unausgericht bleiben von weltlicher Gewalt, ob sie gleich die Welt mit Blut füllet. Ketzerei ist ein geistlich Ding, das kann man mit keinem Eisen hauen, mit keinem Feur verbrennen, mit keinem Wasser ertränken. Quelle


Luther redet hier von einer Gewaltenteilung, die Thomas Müntzer nicht kennt bzw. nicht akzeptiert (siehe die obigen Zitate aus seiner "Fürstenpredigt").

Diese Gewaltenteilung zwischen weltlicher und geistlicher Gewalt, die im Mittelalter nicht wirklich konsequent gehandhabte Trennung der Ämter von Häuptling und Schamane, ist der Kerngehalt der 2-Reiche-Lehre. Die äußere Ordnung darf und soll mit dem Schwert hergestellt werden, an die innere Überzeugung reicht es nicht heran. Letzteres ist im modernen habermaßschen Sinne einzig und allein dem zwanglosen Zwang des besseren Arguments möglich (allerdings im weitesten Sinne, nicht immer nur logisch, sondern auch psycho-logisch.

Nebenher reduziert Luther das Amt der Bischöfe genau auf diese Überzeugungs-Funktion. Sie sollen eine geistige Elite unter den - prinzipiell in geistlicher Hinsicht gleichgestellten - Christen sein, die andersdenkende mit Argumenten (nicht mit Gewalt) überzeugen kann.

Das deckt sich mit Oskars Eliten-Begriff:

Der zentrale Gedanke der Linken leitet sich somit auch aus der Gleichheit der Gotteskinder, der Idee der Nächstenliebe ab. Die einzige Aufgabe der Elite ist dabei, im Sinne der Aufklärung zu argumentieren.

Dieses Rad hat er nicht neu erfunden, zumal er sich hier auf das christliche Vorbild der Gleichheit der Gotteskinder beruft.
Zeitleser schrieb am 30.01.2012 um 00:35
Morgen auch ein Zitat: Johann der Weise auf dem Totenbett, Wochen vor der Schlacht von Frankenhausen. So ungefähr: Sollten wir (die Obrigkeit) nicht gesündigt haben gegen den Menschen, das gemeine Volk? Gott verzeihe uns.
Zeitleser schrieb am 30.01.2012 um 00:49
Friedrich der Weise auf dem Totenbett, Wochen vor der Schlacht von Frankenhausen 1525:

„Vielleicht hat man den armen Leuten zu solchem Aufruhr Ursache gegeben und besonders in der Verbiegung des Wort Gottes. So werden die Armen in vielerlei Weise von uns, weltlichen wie geistlichen Obrigkeiten, beschwert. Gott wende seinen Zorn von uns“.

Dass Sie den Thomas Müntzer fast 500 Jahre nach seiner Exekution vor Mühlhausen in guter evangelischer Tradition demütigen, gefällt mir nun überhaupt nicht.
Columbus schrieb am 30.01.2012 um 02:22
ad
Helena Neumann schrieb am 29.01.2012 um 20:43
ChristianBerlin schrieb am 30.01.2012 um 00:24

Um Luther ging es mir doch nicht, sondern um das wirklich zusammengepinselte Müntzer- und Bauernkriegsbild Herrn Berlins und die völlig ahistorische Einschätzung der Bauernrevolte als "Anarchie". Das ist großer Nonsense und wird so auch von evangelischen Theologen nicht mehr gelehrt, auch einmal von den kleine Details ganz abgesehen, wie z.B. das 100.000 Mann Heer und die Unterstellung, die Bauern hätten sich gegen jeglichen Staat gewehrt.

Sie wollten eine gerechte Weltordnung und glaubten sogar daran, mit ihren Rekapitulationen und Anrufen an die Obrigkeit könnten sie es erreichen.

Die Bauern waren sehr schnell selbstorganisiert, führten eigenständig Rechtsprechung mit Gehör und Gegenrede ein, wählten Führer, Geistliche und Berater und schafften die Leibeigenschaft ab, die auch Müntzer, theologisch ablehnte, Luther aber nicht.

In allen Fällen, in denen es zur Revolte kam, haben sie vorher auf dem "Rechtsweg" ihr Glück versucht und reagierten auf die Willkür der Herrschaft. Das ist nun, ich habe ein paar Hinweise gegeben, wirklich historisch.

In Wahrheit ist gerade die Fürstenpredigt Müntzers, die Herr Berlin hier völlig nach Gusto zerstückt hat, ein Angebot Müntzers an die Fürsten, sich als weltliche Herren ihrer Aufgabe (die nach seiner Denke natürlich aus der Bibel abzuleiten sei) zu besinnen und die Rechte der Bauern, des Standes, anzuerkennen. Das heißt gegen das Volk keine Willkür zu üben, und es ist Luther, der mit einer realen weltlichen Gewaltenteilung gerade gar nichts am Hut hatte.

Obrigkeit und Untertanen sollte es auf Erden geben und Gehorsam derselben gegenüber. Freiheit nur im Glauben und da mit Notwendigkeit an den einzig richtigen Glauben der Bibel, -das teilte er allerdings mit Müntzer, der ja nun auch Anhänger der Reform war, sich also auch nur einen einzigen richtigen Glauben vorstellen konnte, -sonst gab es nur Ketzerei-, dafür aber zumindest eine gerechte Weltordnung, abgeleitet aus dem Bibelstudium.

Man könnte es auch schärfer sagen: Solange die Freiheit zum reformierten Glauben existiert und das theologische Amt die Weisung für den Glauben austeilt, war für Dr. Martinus Luther die Welt in Ordnung und es konnte der Fürst in ihr verfahren wie er es nach seinem Stande für richtig hielt.
Allenfalls Gnadenaspekte und fürstliche Milde galten ihm noch als angemessene mahnende Anrede an die Herrschaft, es nicht gar zu toll zu treiben.

Eine Freiheit im Leben und in der sozialen Stellung gab es für ihn nicht.

Müntzer hingegen, entwickelte tatsächlich eine Ableitung des freien, selbstbestimmten Lebens aus der heiligen Schrift. Sein Irrtum war, die Verteilung der realen Macht nicht ausreichend zu kennen.

Ausgerechnet seine letzte Predigt, Herr Berlin. Die Predigt im Angesicht der überlegenen Feudalherren, im Angesicht der drohenden Niederlage, nehmen Sie als Beweis ihrer These? Ich bitte Sie, das können Sie nicht ernst meinen.

Die Gewaltenteilung der zwei Reiche mag einem reformierten Theologen genügen, mir ist sie ziemlich egal und ich werde mich hüten, da hinein zu reden. Das Himmelreich ist nicht mein Ding.

Wo es aber nur ein reales Reich des Zwanges und der Unterdrückung gibt, nähmlich auf dieser Erde, da ist das Himmelreich ein ganz schwacher Trost auf Sankt Nimmerlein. Das macht den Unterschied Luther und Müntzer.

Der eine, Luther, war sich selbst genug, der andere Müntzer, erkannte wenigstens den Zustand, wenn er auch seine Kraft ihn zu ändern gewaltig überschätzte.

Es gibt schon Gründe, warum sich die evangelische Kirche so in Abhängigkeit von der Obrigkeit platzierte. Sie war ja nicht fast natürlich, wie die päpstliche Macht und die er katholischen, heiligen Könige in diese Rolle hinein gewachsen, sondern musste sich das "Amt" erschaffen. Die hochheilige Ableitung desselben überlasse ich gerne dem studierten Theologen.

Im Thread kommen Sie ja auch auf den Egalitarismus zu sprechen und behaupten, dies sei der Zustand der Urchristengemeinde gewesen und so von den Aposteln gepredigt worden. Gerade Paulus zitieren sie eifrig, obwohl der doch im Umgang mit der frohen Botschaft nicht nur ausgesprochen autoritär auftrat, sondern auch schnell das Recht der Weisung bei sich, dann beim Amt des Gemeindevorstehers, lokalisierte. Der Brief an die Korinther legt davon ja beredt Zeugnis ab. Hier liegen auch die eigentlichen Ursprünge der Hierarchisierung und schon gleich taucht die erste Forderung, den Glauben nicht durch Denken zu schwächen, sondern durch Einheit und Zusammenhalt zu stärken auf. Ziemlich vom hohen Ross herab, erklärt er den Korinthern, sie könnten in Glaubensfragen gar nichts selbstständig erreichen und täten gut daran sich an seine Autorität zu halten. Er kommt auch gleich zum Punkte und erklart die Weisheit der Welt für obsolet. Das ist letztlich nichts anderes als die theologische Himmelfahrt, mit der Luther über alle Misstände hinweg sieht, bleibt nur der Glaube für ihn sicher.

Liebe Grüße
Christoph Leusch
ChristianBerlin schrieb am 30.01.2012 um 07:17
@Zeitleser

Dass Sie den Thomas Müntzer fast 500 Jahre nach seiner Exekution vor Mühlhausen in guter evangelischer Tradition demütigen, gefällt mir nun überhaupt nicht.

Eine historische Frage lässt sich nicht mit einem moralischen Argument entscheiden.

Das würde jede kritische historische Forschung als "pietätlos" unterbinden.

Fakten sind erst einmal Fakten - ob sie uns gefallen oder nicht. Das gilt vice versa für Dr. Luther natürlich genauso.

LG CB
ChristianBerlin schrieb am 30.01.2012 um 08:08
@Columbus

Lieber Christoph Leusch,

das Weltbild einer solchen Darstellung scheint in sich eindeutig und schlüssig zu sein. Bei Wikipedia würde aber in Rot der Satz stehen: Dieser Darstellung fehlen Belege aus Quellen.

Da liegt das Problem. Solange wir uns nicht auf die Spielregel einigen, aus den in Anspruch genommenen Quellen zu blegen, was wir behaupten, wird die Diskussion über historische Fragen sinnlos. Jeder beansprucht, der Leser möge ihm glauben, ohne in die Quellen hineinzusehen, weil er der Glaubhaftere ist und der andere ein wirklich zusammengepinseltes Geschichtsbild vertritt.

In theologischen Fragen liegen vielleicht auch nur Missverständnisse vor. Ich habe (hoffentlich erkennbar) gerade nicht behauptet, dass der lutherische oder der originär christliche (biblische) Egalitarismus die Existenz von weltlichen oder geistlichen Ämtern ausschließt, im Gegenteil. Dasselbe gilt für den Egalitarismus der "droites de l'homme". Die Frage ist nur jeweils, wer oder was die Macht als solche konsituiert und wie und wieweit sie über das Individuum verfügen kann und wo die Grenze ist.

Deswegen ist der Vorwurf der "Hierarchisierung" ein Scheinargument. Die gibt es (außer in der Anarchie) einfach immer, auch da, wo "égalité" gepredigt wird. Auch der moderne Säkularstaat kommt nicht ohne Ämter und Amtsautorität aus, was die vorläufige Gültigkeit von Verwaltungsakten bis zu ihrer evtl. gerichtlichen Aufhebung einschließen kann. Das widerspricht nicht dem Gleichheitsgrundsatz des Grundgesetzes.

Dasselbe gilt als lutherische Forderung auch im Religiösen Bereich. Wer ein geistliches Amt ausüben will, muss zumindest eine Personenmehrheit (oder deren Repräsentanten) davon überzeugen, ihm dies zuzubilligen. Nur so lässt sich ein einigermaßen sicherer Vorfilter gegen religiöse Rattenfänger und selbsternannte Sektenführer errichten, die mit der Behauptung auftreten, von Gott unmittelbar beauftragt zu sein, sie in die Schlacht zu führen, weil Gott uns helfen würd und uns Sieg geben, denn er hat mir mündlich solches zugesagt und befohlen, daß ich alle Stend soll reformieren.

Wenn's sie sich irren, führen sie die, die ihnen in diese Schlacht folgen, nur zur Schlachtbank.

Das kann - was ich gerne zugestehe - bei den offiziell bestellten Predigern genauso passieren, nur werden die nur nach der Ämterordnung bestellten für gewöhnlich kritischer betrachtet als die von Gott unmittelbar gesandten und beauftragten, gegen deren göttliche Visionen jeder logische Einwand unmöglich ist.

Damit bestreite ich übrigens nicht, dass Müntzer ursprünglich ein genialer Theologe war und manches klarer gesehen und gesagt hat als Luther. Der Grund, aus dem ihn die oberdeutschen Täufer, die ihm in vielem nahe standen, schließlich ablehnten, war seine Haltung in der Gewaltfrage.

Die muss man anders, weltlicher, angehen. Mit dem Anspruch, als Theologe die militärisch unterlegenen Bauern in eine apokalyptische Schlacht zu führen, hat sich der Gründer des Bundes zur Vernichtung der Gottlosen endgültig übernommen. Der finale Showdown fand statt, aber anders, als Müntzer ihn auf Gottes Befehl angekündigt hatte.

Luther ging in seiner Ämtertrennung zwischen Häuptling und Schamane auf jeden Fall weiter als das Mittelalter, wenn auch noch nicht so weit wie Montesquieu. Aber die eine Gewaltenteilung ist die logische und historische die Voraussetzung für die andere.

LG Christian
Columbus schrieb am 30.01.2012 um 17:36
Lieber Herr Berlin,

Man merkt Sie argumentieren immer theologisch in diesen Fragen. Aber allein schon die 2-Reiche Lehre als Vorläufer der staatlichen Gewaltenteilung zu deklarieren ist natürlich nur einem evangelischen Theologen möglich.

Bitte antworten Sie auf folgende Fragen:

Haben nicht die Bauern ihre 12 Artikel an Luther und Melanchthon gesandt, mit der Bitte um Bewertung? Hat er sie nicht samt und sonders abgelehnt, Punkt für Punkt?

Und hat nicht Luther dem Kurfürsten Johnann von Sachsen, der ihn anfragt, ob nicht doch ein Teil der 12 Artikel brauchbar seien für ein neues Verhältnis der Obrigkeit, beschieden, kein einziger Punkt sei annehmenswert?

Schreibt er nicht selbst 1533, rückblickend: "Gott selber thut es, wenn die Obrigkeit straft. Gleich als wenn ich meinem Sohn dem Präceptor befehle, daß ihm mit Lahr (Lehre) und Zucht auferziehe; da er ihn nu mit der Ruthe stäupt, daran thut er mir Liebe und Gefallen, als hätte ichs selbs gethan...also befiehtl auch Gott der Obrigkeit, daß sie das Böse strafen soll." - Das sind die evangelischen Sprüche, die noch bis ins 20.Jh. wirksam waren, die so segensreich wirkten und den autoritären Charakter aufzogen. Michael Haneke hat das wunderbar in seinem Film "Das weiße Band" vorgestellt.

Der Bundschuh und die mit ihm verbundenen Theologen forderten die Rückkehr zur Urgemeinde der Gleichen auf Erden, aber nicht die Anarchie, wie ja schon die 12 Artikel der Bauern belegen.

Stimmt es nicht, dass die Kurfürsten und ihre Vassallen zunächst zögerten, weil sie um die Gerechtigkeit der Klagen der Bauern wussten und sie unser Dr.Martin Luther zur Eile antrieb?

So schreibt er in der ersten Ermahnung April 1525 an die Bauern, ihr Anliegen würde gleich beide Reiche, das Weltliche und das Göttliche schädigen?

Er empfiehlt dem gemeinen Mann das Himmelreich und hier auf Erden nur das Leiden und das Kreuz. Recht und Gerechtigkeit dürfe man auf Erden nicht erwarten, sondern Gott gebe das, bei passender Gelegenheit und nach seinem freien Willen.

Kommt dann nicht der ominöse "Anhang" zur Wiederauflage der Mahnung vom April? Dort tobt der Mann aus Wittenberg und fordert nun die Fürsten auf, ohne Gnade die Bauern nieder zu machen, die ihm sogar die göttliche Ordnung in Unordung bringen?

Herr Berlin, ich kann ja verstehen, dass ein evangelische Theologe den Reformator schützen möchte. Das ist auch in Ordnung. Aber im Bezug auf die Bauern spricht ja gar nicht mehr der Theologe Luther, sondern der theologische Politiker, der die materielle Basis und den Halt seiner neuen Theologie angegriffen sieht, nämlich die fürstliche und adelige Obrigkeit, hier auf dieser Welt. Die Zwei-Reiche Lehre funktioniert ja nur, wenn die Welt geordnet ist und das Gottesreich ein anderes bleibt. Da liegt der Knackpunkt. Eine reale Welt als Verwirklichung des Heilsplans, das was Müntzer, aber auch die Bauern aus der Bibel lasen, das durfte es für Martinus Luther nicht geben.

Sehr sinnfälig daher, dass nicht nur evangelische Gebietsfürsten, sondern auch ihre katholischen Brüder im Amte, die Fürstbischöfe sich an der Niederschlagung beteiligten.

Hinter Frankenhausen stand das Ende an. Das wusste auch jeder und schon vorher war festgelegt, kein Pardon! Entweder Hinrichtung oder Abmetzlung, oder Tod im Kampf, mehr Alternativen gab es da nicht mehr.

Ich könnte jetzt noch ein wenig Zitate aus den Korintherbrief anfügen, um die autoritäre Position Paulus zu belegen, allein, mir reicht das jetzt erst einmal mit den Hinweisen zu Luther.

Marx und Bebel sind kein Paärchen und auch keine Analogie zu Luther und Müntzer. Denn schon allein die Absicht eine andere Weltordnung zu schaffen, wenn auch mit unterschiedlichen Methoden, trennt Marx, Bebel und Müntzer vom großen Theologen und Reformator Luther, der zwar den Himmel befreite, aber für die nicht obrigkeitlichen Erdlinge nur die Fortsetzung der ewigen Knechtschaft kannte.
Die Obrigkeit bleibt für Luther gottgewollt und das war sie weder für Marx, noch für Bebel, noch für Müntzer.

Ein Aspekt noch: Luther als halben Pazifisten zu zeichnen, das wäre grundfalsch. Obrigkeit schlägt, tunkt, ersäuft, tritt nieder, würgt. Das Volk, die Bauern müssen es ertragen, bis es Gott anders will. Schöne Gewaltlosigkeit das.

Lieber Herr Berlin, der Martin Luther ist ein Großer der Sprache und Theologie, aber ein Revolutionär, ein Mann der Gerechtigkeit auf Erden, der Zibeben und der Sahneschnittchen für alle ist er nicht, und schon gar nicht kann er sich eine Gemeinschaft der Gleichen, nicht einmal der politisch gleichberechtigten vorstellen.

Wenn Sie darauf anspielen, dass es Obrigkeit doch geben müsse im Staat, dann stimmt das halb, nämlich insofern jeder Rechtsakt und jede Handlung dieser Obrigkeit überprüfbar sein muss. Nur, eine solche Instanz und vor allem eine solche Unterordnung der Obrigkeit unter ein Recht und Gesetz, die kennt Luther nicht.

Liebe Grüße
Christoph Leusch
Columbus schrieb am 30.01.2012 um 18:01
Muss Herzog von Sachsen heißen. C.L.
KarinL. schrieb am 30.01.2012 um 18:46
Lieber Christian,

ich glaube du hast mich nicht verstanden. Und überhaupt was bedeutet egalitär? Diese Wort ist jedenfalls eine Erfindung der "Neuzeit" und wurde einstmal geschöpft.

de.wikipedia.org/wiki/Egalitarismus

Ich kenne mich nicht so gut mit der Geschichte der Religionen aus und kann mich demnach auch nur an dem, was ich im Netz finde orientieren. Für bare Münze nehme ich das eh alles nicht. Überlieferungen werden und wurden ja auch verfälscht, anders interpretiert. Die DDR ist beste Beispiel.

Die Christen haben das in dem Sinne erfunden, da sie alle unter einen gleichen Gott stellen, vor dem jeder Mensch gleich ist?

Seid dem der Mensch Denken und sich mittels Sprache verständlich artikulieren kann, strebt er nach Idealen und philosophiert.

Hatte nicht Jesus von Nazaret dieses Wort "egalitär" erst geprägt und auch gelebt? Hat nicht erst das Christentum dies zum "Vorbild" genommen und somit in ihren Schriften verewigt?

www.das-weisse-pferd.com/02_01/bethlehem.html

de.wikipedia.org/wiki/Jesus_von_Nazaret

Deine Aussage: "Dieser radikale Gleichheitsgedanken ist wesentlich für die neuzeitlich-westlichen Ideale von Demokratie, Rechtsstaat und Menschenrechten"

So so...die Entstehung der Demokratie wird aber auch anders interpretiert. Beispiel:

books.google.de/books?id=idSxrhK_OcEC&pg=PA301&lpg=PA301&dq=gesellschaftssystem+der+naturv%C3%B6lker&source=bl&ots=yLRJg8qMcZ&sig=wjoWAGfBdFlkm_TPPluV2FXGO70&hl=de&sa=X&ei=SbAmT77UDcWr-QaK7PG_CA&ved=0CDMQ6AEwAg#v=onepage&q&f=false

Und da gibt es mit Sicherheit noch tausend andere Beispiele!

Die Kirche hat sich die Aussage Jesus zu Nutze gemacht und für ihre Zwecke umgewandelt.
Zu Paulus nur soviel laut Wikipedia:

Die historische Person Jesus von Nazaret kannte nach heutiger Forschungslage wahrscheinlich keiner der NT-Autoren.[1] Die Paulusbriefe (entstanden 50–60) sind die ältesten urchristlichen Schriften. Ihr Autor erklärt sich zum Augenzeugen des auferstandenen Jesus, den er vorher nicht gekannt habe. Die Paulusbriefe enthalten einige Worte Jesu und biografische Details, aber keine Berichte von seinem irdischen Wirken.

de.wikipedia.org/wiki/Jesus_Christus#Die_urchristlichen_Quellen

Eine Kirche, die seinen Jüngern Wasser predigt und in Wahrheit sich dem Weine frönt, ist für mich nicht glaubwürdig. Beweise dazu gibt es in der Geschichte mehr als genug. Bis in die heutige Zeit!

Die Kirche hat ihren Anhängern Egalität suggeriert um sie an sich zu binden und in gewissem Sinne "auszubeuten". Ich finde die Kirchenabgabe, die jedes Jahr anfällt schon beachtlich. Von den Kirchensteuern red ich erst gar nicht. Im übrigen finde ich es schon ungeheurlich, das die Kirche so eng mit dem Staat verbandelt ist und Kirchenanhänger in Führungspositionen mittels Steuergelder finanziert werden. Die Kirche nutzt für mich auch eindeutig die Naivität der Menschen aus. Was ich glaube ist, das Jesus ein altruistischer Mensch war, für den alle Menschen gleich waren. Vorausgesetzt es gab Jesus je wirklich. Und ist nicht nur eine Erfindung der Geschichte.

Die Kirche hat jedenfalls daraus eine schöne Geschichte (um)geschrieben. Keiner heute weiß doch genau, ob es Jesus wirklich gegeben hatte! Zumal Geschichte auch immer wieder anders interpretiert wird!

www.das-weisse-pferd.com/02_04/urchristentum.html

Nun ist die Frage für mich, was die Kirche unter egalitär versteht und worauf sie hinaus will. Das alle Menschen vor Gott gleich sind? Das ist für mich nicht egalitär. Da die Kirche in Hierarchien lebt.

Und was nützt ein guter Text, egal woher er auch ursprünglich stammen mag, wenn er in dem Bewusstsein der Menschen nicht ankommt?!

Ich hatte mal 1 Jahr für die Krichengemeinde bei mir gearbeitet (freiwillig einen 1 Euro Job). Ich hatte mit dem Kirchenältesten, mit dem Pfarrer und anderen Christen zu tun. Ich hatte durch ein linkes Bündnis, in dem ich mich engagierte, sogar mit dem Superintendenten des Kirchenkreises ab und an zu tun. Ich kenne auch viele Menschen, die sich Christen nennen. Eine Pfarrerin ist sogar Chefin eines Vereins, die sich um sozial schwache Menschen kümmert und Projekte mittels Steuergelder finanziert. Sie hatte sich auch mal abwertend ihnen gegenüber geäussert.

Sich Christ nennen, predigen und belehren und dabei auch andere diskriminieren, so auch mich ist schon heftig wie ich finde! Und das war kein Einzelfall! Gerade von einem Christen erwarte ich Begegnung auf Augenhöhe und Respekt.

Sie waren somit alles andere als egalitär und hatten auch in der Öffentlichkeit nicht danach gehandelt. Religion ist das Opium fürs Volk. (Marx) Da suchen Menschen Halt und Trost, die "schwach" sind und Probleme (mit dem Leben) haben bzw. sich etwas dadurch erhoffen. Der Mensch nährt sich von Hoffnung. Und auch wird so manch einer der Kirche beitreten, um sich Macht anzueignen und auszuüben. Kann man mit Parteien gleich setzen. Auch wird man ja schon als junger Mensch zur Religion gezwungen. Gezwungen in dem Sinne, dass die Eltern, die einer Religion angehören, darüber befinden, ob ein Kind religiös erzogen wird oder auch nicht. Das ist für mich Zwang und behindert die geistige, freiheitliche Entfaltung eines Individuums. Da er von Anfang an zu einem bestimmten Weltbild "verdammt" wird. Also ist demzufolge eine Religion niemals egalitär. Ausserdem ist alles immer eine Frage der Interpretation. Soviel zur Religion :)

Ich hatte in dem Jahr bei der Kirche auch in der Bibel gelesen. In einer Bibel für Jugendliche, die in der Kirche auslag. Ich las die Geschichte von Ruth. Was ich da las, war auch alles andere als egalitär. Da ging es um Reichtum, Macht, Besitz, Intrigen und sogar um Mord. Ich kann mich auch nicht erinnern bzw zeigt dies die Geschichte auch auf, dass die Kirche jemals wirklich egalitär war und ist. Worte sind Schall und Rauch und dienen als Machtinstrument, wie Oskar so schön bemerkte. Das mal nur so nebenbei.

Ob nun dieser Paulus wirklich dies geschrieben hatte oder auch nicht, spielt für mich keine Rolle. Denn ich kann das ja alles nicht nachvollziehen ohne mich tiefer mit der Materie auseinander zu setzen. D.H., ich müsste alte Schriften lesen und ihre Echtheit identifizieren. Schon alleine deswegen, und weil DU die Christen einzig und alleine dafür anführst, ist das für mich nicht relevant. Du bist Theologe und demzufolge nicht wirklich "unabhängig" und frei im Kopf. Oder hast du auch die Geschichte ausserhalb der Kirche studiert, dich ausgiebig mit dem entstehen der Menschheit befasst, Theorien hinterfragt? Es gibt unzählig viel Literatur dazu. Da vertritt jeder seine These und seine Ansichten. Schon alleine das alles zu studieren ist enorm zeitaufwändig. Das schaffst du nicht in deinem Leben, da dies alles viel zu komplex und umfangreich ist. Und die Christen sind auch nur ein Teil davon. Das stelle ich mal hier so in den Raum. Ich hoffe du nimmst mir das nicht übel :-) Wie du merkst, bin ich ein gnadenloser Verfechter der Wahrheit. Eine Aussage ist für mich nur bindend, solange sie nicht widerlegt werden kann. Und wie du oben lesen konntest, gibt es noch andere Meinungen dazu. Wer hat nun recht?!

Mich interessieren keine Worte, sei es in der Religion, Partei oder anderswo. Was mich interessiert sind Taten. Denn nur daran kann ich einen Menschen beurteilen!

Ich finde auch, dass du zu sehr von deinen Theorien überzeugt bist, diese anscheinend auch nicht hinterfragst und ein begrenztes Weltbild vertrittst. Da das Judentum die erste WEltreligion war. Woher willst du wissen, ob nicht die Juden diese These des egalitären vertreten haben? Das Christentum kam erst danach.

de.wikipedia.org/wiki/Judentum

Und ich gehe jede Wette ein, das einige Christen so einiges verfälscht, umgeschrieben hatten. Natürlich nur zum Zwecke der Machtausübung.
Du kennst doch den Film "Der Name der Rose"?

Liebe Grüße Karin :-)

PS:
Ich bin übrigens Atheist und habe mich auch nicht durch die Rote Rund-um-Bestrahlung im Sozialismus blenden lassen :-) Wenn, dann glaube ich empirischen, wissenschaftl. Studien.
abghoul schrieb am 31.01.2012 um 09:12
Karin,.. empirische wissentschaftliche Studien,...*schauder*,.. das empirische Weltbild kann einfach nicht alles erklären. Das weiß es sogar selber!
Ich oute mich mal als hermeneutiker ;)
Das mit dem Urchristentum war ja eigentlich auch Teil meiner Argumentation, ich sage halt nur noch darauf:"Da kommt man sogar von selber drauf, lange bevor man schreiben kann, und so wird es wohl gewesen sein, die "Gleichheit der Menschen" wird wohl lange vor der Schrift erdacht worden sein."
Jaja, keine Beweise,.. schon klar,.. ich bau mir ne Zeitmaschiene und hole Zeugen aus der Vergangenheit ;)
Sapere Aude!
ChristianBerlin schrieb am 31.01.2012 um 09:57
@Columbus
@KarinL.
@abghoul

Liebe Mitblogger/innen,

alles sehr interessant, danke für die Reaktionen, komme aber heute nicht mehr dazu, zu antworten (Überlastung). Ich hoffe, ich schaffe das noch, das ist wirklich spannend.

LG Christian
Columbus schrieb am 31.01.2012 um 10:07
Stimmt, spannend, auch im Hinblick auf die Bewertung Lafontaines und die mutmaßlich zu lahmen und zu weing tiefgründigen, kritischen Fragen Jakob Augsteins.

Wie stand in den Zwölf Artikeln des Bundschuh, zur Einsicht für den Reformator?

"Nit das wir gar frey wöllen seyn, Kain oberkait haben wellen, lernet unß Gott nit"

(Nicht das wir gar frei sein wollen, keine Obrigkeit haben wollen, das lernt uns Gott nicht; anders geschrieben Nicht das wir gar frei sein wollen: Keine Obrigkeit haben wollen, das lernt uns Gott nicht)

Es lohnte sich vielleicht ein eigenes Blog zum Thema?

Liebe Grüße
Christoph Leusch
KarinL. schrieb am 31.01.2012 um 13:29
@abghoul,

sehr richtig...es gibt keine absolute wahrheit!!

Und ich muß empirische studien auch nachvollziehen können. eines ist jedenfalls klar...es fängt alles im kopf an.

ach ja...JEDER soll nach seiner fassong glücklich werden. ob nun mit oder ohne religion, hermeneutiker, esoterisch oder sonst wie...deswegen kann ich doch aber alles in frage stellen ;) mich eingeschlossen :-)
abghoul schrieb am 31.01.2012 um 13:54
"Es gibt keine absolute wahrheit"
klar gibt es die, aber die können wir nicht kennen,
wir sind halt DA, Wahr - Haftig.
Solange das so ist, sind wir halt nicht "absolut wahrheitstauglich".
Nur weil wir es nicht denken können, heißt das noch lange nicht das es das nicht geben kann.
ich sach ja,.. Empirie ist bloss ein Bleistift.
GEBE schrieb am 31.01.2012 um 14:11
KarinL. schrieb am 31.01.2012 um 13:29
@abghoul,

"sehr richtig...es gibt keine absolute wahrheit!!"

Und das soll also nun die absolute Wahrheit sein?

Nun, das einzige, was Sie zunächst als absolute Wahrheit überhaupt auffinden können, ist die Tatsache, daß Sie das Denken jeweils als vorausgehende Betätigung wahrnehmen können - und mit dem Denken das Ich, nämlich einersets sich selbst als Wahrnehmende(n) und andererseits das Ich als Wahrgenommenes. In Bezug auf die Wahrnehmung sind ja selbst Halluzinationen wahr.
KarinL. schrieb am 31.01.2012 um 14:52
@abghoul schrieb am 31.01.2012 um 13:54

"Es gibt keine absolute wahrheit"
klar gibt es die, aber die können wir nicht kennen,

Ja wat denn nu...jibt et di oder nich, menno ;)

also meine Denke funktioniert eigentlich noch janz juti :-) kann aber morschen schon anders sein :)

Im ernst...jeder vertritt das, woran er glaubt und es für wahr, richtig hält...man kann eben keine Meinung einfach so umwerfen. Ist doch auch gut so, denn dadurch haben wir ja Vielfalt und können uns bereichern...gegenseitig :-)
KarinL. schrieb am 31.01.2012 um 14:53
Lieber @GEBE,

neee...das ist auch keine Wahrheit, sondern "nur" eine Aussage in Form einer Feststellung :-)
KarinL. schrieb am 31.01.2012 um 14:58
@GEBEschrieb:

In Bezug auf die Wahrnehmung sind ja selbst Halluzinationen wahr.

Hmm, dann könnten wir das ja dann auch in Wahrzination umbenennen ;)

Muß mal überlegen, ob ich schon Halluzinationen hatte ;-)
abghoul schrieb am 31.01.2012 um 16:36
Wahr-Nehm-ung trifft es eigentlich schon recht gut.
Wir n e h m e n es halt für w a h r .
Was Hallus angeht, da bin ich so eine Art - ..Profi.
Alles in echt, in den Halluzinationen,.. wenns geht,.. echter als echt.
Zeitleser schrieb am 31.01.2012 um 19:30
Eristik - Sie enttäuschen mich. Das Hauptarguement (Zitat) war doch, die Selbsterkenntnis eines Fürsten am Volk schuldig geworden zu sein. Das ist im Zusammenhang ein wichtiges Argument, aber Sie gehen nicht darauf ein, sondern auf einen angehängten Nebengedanken und interpretieren ihn um. Schade eigentlich, Sie dürfen das jetzt zugeben, damit stimmen Sie mich versöhnlich.
Zeitleser schrieb am 31.01.2012 um 19:41
Wenn die Stimme Berlin auch das alles abstreitet, es ging den Bauern ( d.h. dem Volk) darum, die von den Fürsten auf den Weg gebrachte verschärfte Leibeigenschaft abzuwehren. Die hocharistokratischen Fieslinge erster Güter saßen im Allgäu, von dort nahm der Aufstand auch seinen Anfang. Die sich dann protestantisch gebenden Fürsten sahen klar: Doppelter Gewinn durch die Umwandlung der früher freien Bauern in Sklaven einerseits, die Aneignung des katholischen Vermögens / Kirchenbesitz andererseits. Da kam ihnen der Luther gerade richtig. Später wurde aus dem Verbrechen eine Großtat des Geistes - na ja die Sieger haben immer die Geschichte geschrieben.

Die Clan-Chefs in Schottland machten noch konsequenter kurzen Prozess: Sie vertrieben die Leute aus ihren Hütten, damit sie den Platz für die Schafherden, die mehr Gewinn brachten.
lulu morgenstern schrieb am 27.01.2012 um 16:12
Lieber Oskar Lafontaine,
falls Sie das lesen. Sie machen es sich da etwas zu einfach. Auch ich habe die Berichterstattung vieler Medien in Print und Rundfunk als „(absurde) Hetzjagd“ bezeichnet, weil ich die boulevardesque Verarbeitung dieses Themas für fahrlässig halte, in der geschenkte Kleidung und Bobby Cars gleich zu einem handfesten Skandal hochstilisiert werden, während man ihm handfeste Dinge vorwerfen kann über die ich wenig lachen kann. Davon abgesehen halte ich Boulevard („mit seinem Tratsch“) für völlig überflüssig, total Zeitverschwendung und zu oft für ein Mittel, dass Populismus befördert.
Es grüßt Sie
Lina Abou Nabout
Nostradamus schrieb am 27.01.2012 um 20:27
Warum macht Lafontaine es sich zu einfach? Er hat im Interview doch klar gemacht, dass ihn das Thema Wulff nicht wirklich beschäftigt. Nachdem das in dem Medien beireits hundertfach durchgekaut wurde und immer noch wird, kann ich das verstehen.

Zum Thema Boulevard: eigentlich sehe ich das auch so, aber neuere Untersuchungen zeigen, das Tratsch eine Form von Gesellschaftskit ist, dessen Wirkung sich nicht nur in den großen Boulevard-Blättern entfaltet, sondern sogar in kleinen Strukturen (Firmen, Büros - der berühmte "Flurfunk") und deshalb vielleicht nicht ganz so überflüssig ist.
lulu morgenstern schrieb am 27.01.2012 um 21:26
Lieber Nostradamus,
vielleicht haben Sie recht, dass er sich mit dem Thema einfach nicht mehr beschäftigen möchte, wobei ich finde auch wenn es nervt, sollte man es nicht einfach vergessen.
Naja und zum Tratsch. Ich glaube, dass viele das nicht so sehen wie ich (sonst wären diese Blätter und Fernsehsendungen auch nicht so erfolgreich), aber mir gibt das irgendwie nichts. Vermutlich haben Sie auch da recht, dass es seinen gesellschaftlichen Zweck erfüllt. Dafür befasse ich mich halt mit anderen Dingen, wobei ich zugebe mich auch mal ab und an am Tratsch auf der Arbeit, Uni etc. zu beteiligen :-)
Grüße
memyselfandi schrieb am 27.01.2012 um 17:03
1. Die DDR ist durch einen Mangel an Demokratie und durch einen Überfluss an Diktatur zugrunde gegangen, dieses Geschäftsmodell hätte vielleicht länger gedauert, wenn der Ossi nicht, wenn auch eigentlich unerwünscht, über den großen Zaun guckte und sah, dass es Deutsche gibt, die mehr als 2 Reiseziele (Ungarn und UDSSR) haben. Diese ständige Schwebe von Verboten und Einengung... dagegen kann ein gesunder Geist nur rebellieren.

2. Was mich an Der Linken stört, bei allem Richtigen, ist dieser Absolutheitsanspruch, die Partei zu sein, unfehlbar, moralisch und intellektuell überlegen, das macht eine Partei unglaubwürdig.

3. Wenn es Aufgabe der Eliten wären, der Intellektuellen usw., warum wird diese Elite, die sich auch im Bürgertum begründen, angefeindet?
FKritik schrieb am 27.01.2012 um 19:43
Zu 1. Meines Erachtens ist die DDR auch an einem falschen ökonomischen Modell gescheiter, nämlich an der rigiden staatlich gelenkten Komando-Wirtschaft und der Integration in den Comecon.
Zu 2. Lesen Sie das neue Programm der Partei Die Linke. Ich war auch positiv überrascht, dass sie sich als "auf dem Weg" betrachtet.
Zu 3. Ich persönlich glaube, dass Intellektuelle in besonderer Weise korrumpierbar sind, nämlich dann wenn sie der politischen Klasse nah und mit ihr in besonderer Weise verbunden sind. Auch sind viele akademisch ausgebildete Menschen in gehobenen Positionen in der Wirtschaft oder Institutionen und auch dadurch oft vor die Wahl gestellt, entweder den Kapitaleignern zu folgen oder eher eine kritische Position zu beziehen.
memyselfandi schrieb am 27.01.2012 um 19:58
Jein.

Das Scheitern der DDR beschreibe ich da aus meinen persönlich erlebten Gegebenheiten. Die DDR bestand ja aus Bürgern, die das nicht mehr (er)tragen wollten (wenn auch nicht alle dieser Meinung waren und sind). Aus Sicht eines "gefangenen" Individuums, dem bewusst ist, das es auch anders geht (wir waren ja nicht dicht abgeschottet), war der Zustand nicht tragbar.

Punkt 2, worauf ich hinaus will ist die Glaubwürdigkeit jenseits aller Programme. Niemandem wird die Unfehlbarkeit abgekauft, das ist etwas Psychologisches. Und gerade den Überlegenheit strahlt Die Linke aus.

Wo wir auch schon bei Punkt 3 wären. Hier beisst sich die Katze selbst in den Schwanz. Sie sagen viele Intellektuelle wären korrumpierbar, was ist aber mit den Künstlern und Freigeistern, die sich selbst zu den Linke zählen? Sind die dann die Ausnahmen (dann wären wir wieder bei der Unfehlbarkeit), oder gilt dieser allgemeine Spruch wphl doch nicht. Meiner Erfahrung nach sind Intellektuelle (oder Eliten, wobei ich das auf den Intellekt beziehe) nicht weniger oder stärker korrumpierbar als andere. Auch nicht die Bürgertümler, die so gerne angegangen werden. Der Deutsche hat irgendwie ein eigenartiges Verhältnis zu der intellektuellen Elite, er mag sie anscheinend nicht so sehr, er misstraut ihr und wirft sie mit Wirtschaftsbossen in einen Hut. Um gleichzeitig zu fordern sie dürfe weniger gefördert werden, müsse aber so und so sein und den Karren aus den Dreck ziehen (immerhin hat die Elite ja angeblich soviel Geld, was auch nicht stimmt, wenn man unter geistiger Elite auch die geistige Elite versteht).
KarinL. schrieb am 28.01.2012 um 01:52
Die DDR bestand aus vielen Bürgern, die nicht einfach ein neues System übergestülpt bekommen wollten. Die DDR Bürger wollten Mit-und Selbstbestimmung. Eine neue Gesellschaft zwischen Kapitalismus und "Sozialismus". Wobei die DDR ja letzteres nie wirklich hatte.

Im übrigen war die DDR viel zu klein als das sie überleben konnte. Zumal sie die meißten Produkte exportieren mußte. Und die damalige UdSSR ja auch mit versorgt wurde. Vergessen wird auch immer zu gerne, dass die DDR nach dem Krieg wieder ganz von vorne anfangen mußte. Der Russe damals ganze Fabriken abbauen lies. Es wurde neue Industrie erst wieder geschaffen und nicht seitens der Amerikaner unterstützt wie die BRD. Das mal nur so nebenbei.
Simplify schrieb am 28.01.2012 um 09:30
@memyselfandi, @FKritik

"Wenn es Aufgabe der Eliten wären, der Intellektuellen usw., warum wird diese Elite, die sich auch im Bürgertum begründen, angefeindet?"

"Ich persönlich glaube, dass Intellektuelle in besonderer Weise korrumpierbar sind, nämlich dann wenn sie der politischen Klasse nah und mit ihr in besonderer Weise verbunden sind. Auch sind viele akademisch ausgebildete Menschen in gehobenen Positionen in der Wirtschaft oder Institutionen (..)"

Der Elite Begriff an sich ist sehr missverständlich, ich fände es daher hilfreich, zwischen den verschiedenen Elite-Begriffen zu unterscheiden. Lafontaine nimmt ja eine (Neu-) Definition des Elite-Begriffs vor, wenn er sagt:

"Der zentrale Gedanke der Linken leitet sich somit auch aus der Gleichheit der Gotteskinder, der Idee der Nächstenliebe ab. Die einzige Aufgabe der Elite ist dabei, im Sinne der Aufklärung zu argumentieren."

Ich finde das sehr interessant, denn: wenn man von der Gleichheit aller ausgeht, dann schließt das eigentlich die Existenz einer Elite aus. Die Elite hat nach Lafontaine aber die Aufgabe, diesen Gleichheitsgrundsatz aufklärerisch zu verbreiten, indem sie Kritik an den herrschenden Machtstrukturen übt:

"Wörter sind Herrschafts­instrumente. Die Begriffe prägen unser Denken, sie machen uns unfrei. Ich habe an mir selbst oft beobachtet, wie ich auf Klischees reingefallen bin. Ich versuche mich stets zu vergewissern, ob ich mir einen klaren Begriff von den Dingen mache."

Damit wendet sich Lafontaines Elite-Begriff dezidiert gegen die sog. "Machtelite".

Ein solcher Intellektueller übt also Aufklärung und Gesellschaftskritik. Ein Intellektueller zeichnet sich per definitionem ja gerade dadurch aus. Und deshalb ist auch nicht jeder Akademiker ein Intellektueller.
KarinL. schrieb am 28.01.2012 um 16:08
Auch wenn ein Intellektueller gleichzeitig Aufklärung und Gesellschaftskritik übt, kann er doch dem vorhandenen "Machtsystem" untergeben und somit Erfüllungsgehilfe einer Ideologie sein.

de.wikipedia.org/wiki/Intellektueller

Daraus ableitend ist für mich der Auszug interessant: "....intellektuelles Kritisieren auch ohne Fachwissen.

In einer hierarchischen Gesellschaft findet doch aber kein Intellektuelles Kritisieren ohne gehobene Bildung, d.h. entsprechendem Studium, Gehör. Oder haben Sie schon mal von einem ganz normalen Bürger in einer großen Zeitschrift einen kritischen Artikel gelesen?

de.wikipedia.org/wiki/Hierarchie#Beispiele

Und solange das Geld besteht sind diese eben auch käuflich.
Streifzug schrieb am 27.01.2012 um 18:49
Ist es nicht die Aufgabe der Eliten, den Menschen Einsicht in das Bessere zu geben? Oder anders gesagt: Brauchen die Leute nicht dabei eine Führung?
Jetzt hat sich doch tatsächlich diese Buebsche-Eliten-Führungs-Phrasologie mit Rousseau-Touch, welche mir schon vor Jahren, als sie aus der rechten Ecke der FAZ ertönte, Übelkeit bereitete, bis in ein ehemalig linkes Blatt durchgefressen. Wird die neue gremiumgesteuerte Community ein Labor für Feldversuche in dieser Richtung?
Joachim Petrick schrieb am 27.01.2012 um 19:20
@Oskar Lafontaine

"Nicht umsonst hat Henry Ford gesagt, wenn die Leute unser Geldsystem kennen würden, dann würden sie eine Revolution machen",
um für jeden Privathaushalt einen direkten Draht (Rohrpostsystem?) zum billigen Geld der Zentral- , Notenbanken, FED, EZB durchzusetzen, damit Privathaushalte wenigstens in Sachen billiger Geldschöpfung den Banken, Versicherungen gleichgestellt sind?

Frage:
"Welche destabilisierende Wirkung entfalten die Staats- und Pensionsfonds der reichen Länder mit ihren gigantisch hochgestapelten Geldanlagevermögen auf die Geld- , Währungspolitik in den eigenen und übrigen Ländern, samt deren Banken- und Versicherungsysteme?"

"Werden nicht die ganzen gegenwärtigen Währungsrettungsfonds, egal wie diese auch heißen mögen, nur diesen Staats- und Pensionsfonds der reichen Länder nachgebildet?
Der Unterscheid ist nur, die Staats- und Pensionsfonds verwalten, wie auch immer erwirtschaftetes Vermögen, die Rettungsfonds dagegen verwalten fremdfianziert nicht als Schulden, um als scheinbar gleichrangiger Spieler neben des Staats- und Pensionsfonds, begleitet, befeuert von den Hedgefonds , die mit nahezu grenzenloser Kreditlinie unterwegs sind, das große Rad an den Weltfinanz- und Geldmengenmärkten zu drehen?
. Was für ein legalisiert asymmetrisches Geld- , Währungs- , Finanzpolitikverhältnis der Länder der Welt wird da weltweit mit unabsehbaren Folgen festgeschrieben?
Joachim Petrick schrieb am 27.01.2012 um 20:59
sieh auch:

www.freitag.de/community/blogs/joachim-petrick/alles-henry-ford-oder-was-wenn-ja-wo-gehts-zur-revolution

27.01.2012 | 20:54
Alles Henry Ford, oder was?, wenn ja, wo gehts zur Revolution?
henry_ford adolf_hitler oskar_lafontaine jakob_augstein weltfinanzkrise finanzaristokraten staatsfonds pensionsfonds geldmengenpolitik eu euro dollar ezb fed geldsystem schattenwirtschaft

"Sie liebten sich ein einem Fort, oder liebten sie doch nur den "Ford""

Welche Wirkung entfalten Staats- und Pensionsfonds der reichen Länder in den Weltfinanzmärkten?
DandelionWine schrieb am 27.01.2012 um 22:05
"Oskar Lafontaine: Und ich könnte antworten, dass ich ja bekanntlich eine kühle Erotik ausstrahle."

Jetzt will ich wissen, wie er im Bett ist.
KarinL. schrieb am 28.01.2012 um 11:39
@DanelionWine

Sie Ferkel Sie ;)
Anchesa schrieb am 02.02.2012 um 22:09
DandelionWine schrieb am 27.01.2012 um 22:05
"Oskar Lafontaine: Und ich könnte antworten, dass ich ja bekanntlich eine kühle Erotik ausstrahle."

Jetzt will ich wissen, wie er im Bett ist.

Also DAS möcht ich eigentlich lieber nicht wissen.
DandelionWine schrieb am 02.02.2012 um 22:26
Glaube ich nicht...
luggi schrieb am 27.01.2012 um 22:28
"Im Prinzip bedeutet es, dass die Menschen aus den Partei­programmen frei wählen: die Verkehrspolitik der Grünen, die Wirtschaftspolitik der Linken, die Netzpolitik der Piraten. "


Wo, lieber JA gibt es denn diese Wahlzettel? Nunja ein Wessi, der glaubt, Demokratie hat etwas mit ankreuzen auf Wahlscheinen zu tun.
btw.
In Griechenland und Italien herrschen Entscheidungsträger, die aus allgemeinen und geheimen Wahlen der europäischen Finanzaristokratie hervor gegangen sind.

Die Herrschenden lassen sich nicht wählen ... die lassen wählen.
KarinL. schrieb am 28.01.2012 um 01:20
Wie kann denn die BRD eine Demokratie sein, wenn das Wahlgesetz ungerecht ist und die Überhangmandate immer nur zu gunsten einer Partei ausfallen?!

Wenn ich mich recht erinnere, dann haben wir bis heute noch nicht einmal ein gerechtes Wahlgesetz!!

www.focus.de/politik/deutschland/beschluss-im-bundestag-deutschland-kriegt-neues-wahlrecht_aid_670252.html
Urmel auf dem Eis schrieb am 27.01.2012 um 22:32
Das ist Oskar:

Immer im Staatsdienst, manchmal im Rotlicht, sicher auch mal in die staatliche Kasse greifend, aber dabei:

Zu größtem Anteil tätig im überwiegenden öffentlichen Interesse.

So sind gute Regenten gepolt; Leben und leben lassen.
Die Staatskunst der guten Finanztechniker.

Und da sich Sex -vorher- im Gehirn abspielt, dürfte dieses Paar keine ernsthaften körperlichen "Probleme" haben, da es intellektuell gleichwertig ist.

Gesucht und gefunden. Selten genug.
KarinL. schrieb am 28.01.2012 um 01:29
Die DDR ist nicht aus Mangel an Demokratie gescheitert. Solch einen Schwachsinn habe ich schon lange nicht gehört! Wird Oskar jetzt senil?

Das Interview ist total enttäuschend für mich! Nicht einmal das Geldsystem kennt Oskar Lanfontaine. Dann sollte er mal googlen! Und Sarah Wagenknecht ist auch nicht besser. Der einzigste von den Linken, der mich noch überzeugen kann, ist und war schon immer Gregor Gysi.
Kunibert Hurtig schrieb am 28.01.2012 um 13:17
Oscar sagt:

Prinzipiell hat die Einsicht in das Bessere ja religiöse Wurzeln,

Ein interessanter Satz, beinhaltet er doch jene Unschärfe, die Heisenbergs Katze tot und lebendig sein lässt. Das propagierte Bessere wurzelt in einem religiösen Nebel und geriert sich in diesem Zusammenhang als etwas Ungewisses, Geglaubtes, das vom Propagandisten als letzte Gewissheit für sich und alle Menschen reklamiert wird.

die Idee der Gleichheit,

Das was Oscar Gleichheit nennt, ist lediglich eine statistische Gleichheit, die alle Pollenethiker am Wahlabend mit fiebrigen Augen und gerötetem Gesicht auf die Bildschirme von Infratest stieren und je nach Augenzahl in tiefe Verzweiflung oder rückhaltlose Euphorie fallen lässt. Das Urteil des Souveräns kränkt und erhebt, macht ungleich, separiert in Gewinner und Verlierer. Dieses Bewusstsein der Macht des Souveräns unterminiert nach der Wahl den idealistischen Anspruch und wähnt sich selbst gleicher … Farm der Tiere

der unantastbaren Menschenwürde,

Mir ist kein politisches System bekannt, dass sich an dieser Maxime orientiert oder aufgerichtet hat. Jedes etablierte System sucht die Basis seiner Macht zu halten und behandelt das Unbotmäßige als Feind. Allein in dieser Geste negiert das politische System den Anspruch, aus dem heraus es agiert und schwingt sich auf, beides zu vernichten, erzwingt Gehorsam.

ist eine christliche Idee.

Etwas abwegig diese Herleitung, abwegig, weil der Dozierende als Marxist kein Anhänger idealistischer Nächstenliebe ist, sondern ein Verfechter das historischen Materialismus, nämlich der Idee, dass die Gleichheit unter den Menschen durch kollektiv ausgetragene Klassenkämpfe erreicht werden kann. Insofern ist die Reklamation der christlichen Idee für die Zwecke linker – aber auch jeder anderen Politik – ein Akt reiner Heuchelei.

Der zentrale Gedanke der Linken leitet sich somit auch aus der Gleichheit der Gotteskinder, der Idee der Nächstenliebe ab.

Und so biedert sich der Geist, der den Offenbarungscharakter des Christlichen, vergegenständlicht in dem Begriff Gotteskinder und idealistisch überhöht im Terminus Nächstenliebe, prinzipiell ablehnt, einer Bevölkerungsgruppe an, die genau jenen Folge leisten, deren Existenzberechtigung vom Materialismus in Frage gestellt wird.

Die einzige Aufgabe der Elite ist dabei, im Sinne der Aufklärung zu argumentieren.

Und Aufklärung ist genau jener Prozess, der weiträumig das Religiöse in den privaten Bereich verwiesen hat und auch die Ideologie hervorbrachte, die das Vorgenannte negierte, deren Nachkomme(n) jedoch um der Macht willen um die Stimmen der Verachteten buhlt.

Ecce mundanus

Kuni
KarinL. schrieb am 28.01.2012 um 16:23
Wenn die Linke an die Macht kommt werden sich genau wie bei Orwell nur die Machtverhältnisse ändern. Das hatten wir ja nun schon mal in der DDR. Es ist egal wie ich es benenne...im Prinzip bleiben die Machtverhältnisse immer die gleichen.

Fazit aus Orwell: "Trotz dieser unzweifelhaften Herkunft der Verhältnisse und Entwicklungen auf der Farm der Tiere schildert Orwell aber letztlich ein Grundproblem revolutionärer Umwälzungen. Das Machtgefüge verschiebt sich, es spült andere Gruppen nach oben, aber für eine Mehrheit ändert sich bestensfalls nichts, schlimmstenfalls verschlechtert sich ihre Lage sogar. Und am meisten leiden die Gutwilligen, die sich engagieren wollen und an den Geist der Revolution, an die guten Absichten glauben, hier perfekt dargestellt im Pferd Boxer. Überhaupt sind die Charakterisierungen über die verschiedenen Tiere Orwell gut gelungen, das zeigt sich vor allem auch an der Auswahl der Schweine für die herrschende Gruppe und den Einsatz der Hunde. Eine phantastische Satire!"
KarinL. schrieb am 28.01.2012 um 16:26
Deswegen wird sich auch nichts im arabischen Raum groß verändern. Lediglich die Machtverhältnisse werden sich verschieben bzw. glaube ich, dass es Bürgerkriege auf unbestimmte Zeit geben wird.
abghoul schrieb am 28.01.2012 um 16:40
Vielleicht kann man es auch so ausdrücken Karin.
Die Gesellschaft/Politik ist nur ein Spiegel der Menschen die darin leben, wenn sich die Menschen nicht verändern wird sich auch die Gesellschat nicht verändern.
Hoffnung liegt da nur in einer langfristigen Entwicklung, nicht einmal von einer Generation zur nächsten.
...

Dont go ... Sogo!
KarinL. schrieb am 28.01.2012 um 16:43
Ohhh lieber abghoul...was für ein schönes Foto :-) und einen wahren Text. Ich bin voll und ganz bei dir!
Free World schrieb am 28.01.2012 um 16:54
der bengel guckt ein wenig starr in die welt. stohn der unter drogen?
abghoul schrieb am 28.01.2012 um 16:55
Aber das heist nicht das wir uns von jeglicher Verantwortung freisprechen dürfen und alle Hoffnung aufgeben müssen.
Um einen Prozess der positiven Entwicklung am Leben zu halten, müssen wir Teil dieser Entwicklung sein wollen.
Und dies auch auf zusammen mit den Anderen, und da sind wir dann schon wieder bei der Politik/Gesellschaft, und ihren akuten Veränderungen.
abghoul schrieb am 28.01.2012 um 16:56
@Free World
Der letzte der Vogelmenschen ist in SoGo geblendet worden.
Free World schrieb am 28.01.2012 um 17:01
nun abghoul. fein gesagt.

aber heißt das nicht am anfang jede/jeder für sich selber sein hab und gut, so bescheiden es sein mag, fortan als hab und gut für jede und jeden aufzufassen? mach auf deine türen und lass jeden rein, die/der will. der inhalt deines kühlschrankes, er gehört allen. verschenke deinen computer an alle, die damit etwas anfangen wollen. werfe den schlüssel von deinem fahrzeug - so du eins hast - aus dem fenster und sag, da nehmt.

nun, du erklärst mich für verrückt? :)
Free World schrieb am 28.01.2012 um 17:06
geblendet und unfallfrei gelandet? stramme leistung! .)
KarinL. schrieb am 28.01.2012 um 17:11
@Free World

ja...wahrscheinlich schon total bekifft von der hübschen Maid :)
abghoul schrieb am 28.01.2012 um 17:11
Nein nicht dich, ich erkläre mich für verrückt :)
Denn ich glaube an die Möglichkeit einer solchen Veränderung/Weiterentwicklung des Menschen.
Deinen Computer magst du gerne benutzen wie du magst, aber wenn dir danach ist, nutze ihn auch zum Vorteil anderer.
Das Innere von Kühlschränken,.. hmm warum hat der Gedanke etwas abschreckendes,.. ach ja,.. der WG-Kühlschrank im Keller..lange vergessen,..*hust* nein das Innere deines Kühlschranks magst du auch gerne behalten.
Wenn es dennoch essbar ist, kannst du auch das mit anderen teilen, wenn du magst.
Essen macht viel mehr Spass wenn man es nicht alleine tut, denke ich zumindest.
Und,..hmmm.. was ist das,.. ein Fahrzeug? ;)
Ich darf eh keine benutzen. Musst ich unterschreiben, aber ich gehe eh gern zu Fuß.
KarinL. schrieb am 28.01.2012 um 17:17
@abghoul

nein..natürlich drücken wir uns doch nicht vor der Verantwortung! Wo wir Ossis doch Verantwortung gelernt haben :-)

Der Mensch lebt von Hoffnung, sonst würde die Welt wohl schon längst im Chaos versunken sein.

Wir brauchen bloß ein wenig die Strukturen zu verändern, mehr Mitspracherecht, direkte Demokratie, dann haben wir auch Veränderungen im positiven Sinne.

Hey, hier hat es geschneit...um mal etwas Positives zu äussern ;)...ich geh gleich raus Schneeballschlacht machen...wer kommt mit?
abghoul schrieb am 28.01.2012 um 17:28
Bau mir einen Schneemännchen das lächeln kann Karin, dann fahre (seht ihr, ich kann doch fahren;) ich mit meinem Geist hinein und schmelze vor mich hin um dir Gesellschaft zu leisten :)
An der Redaktion/Augstein: Sorry das dies ein weinig off topic gerutsch ist, ich hoffe ihr nehmt es mir nicht übel.
An alle die Pygars (der Vogelmensch) Geschichte interessiert schaut hier nach
KarinL. schrieb am 28.01.2012 um 17:33
ok abghoul....versprochen....solche Wünsche erfülle ich im handumdrehen :-)

also...ich bin dann mal wech....
DandelionWine schrieb am 29.01.2012 um 12:01
"Womit wir beim Thema DDR wären: Woran ist die eigentlich zugrunde gegangen?

Sie ist gescheitert, weil in diesem Arbeiter- und Bauernstaat die Arbeiter viel zu wenig zu sagen hatten. Also an einem Mangel an Demokratie."


Das habe ich nicht verstanden. Was wäre anders, wenn Arbeiter mehr zu sagen hätten? Und warum?
ChristianBerlin schrieb am 29.01.2012 um 22:40
@DandelionWine

Was wäre anders [sc. gewesen], wenn Arbeiter mehr zu sagen [sc. gehabt] hätten?

Das ist im Rückblick auf die DDR eine sehr gute Frage. Sie trifft die Linke leider ins Mark. Treffer versenkt.

Was sollten die Arbeiter die ganze Zeit über anderes sagen, als das, was sie am Ende sagten: Die Mauer muss weg, die D-Mark muss her, kommt sie nicht zu uns, kommen wir zu ihr?

Das ist bitter, aber so kam es, so wurde auch abgestimmt bei den März-Wahlen: Mehrheitlich für die CDU, obwohl das Land mehrheitlich weder christlich, noch bürgerlich war.

Dass die Arbeiter, wenn sie etwas zu sagen gehabt hätten, etwas anderes gesagt hätten als die beiden Sätze, die sie am Ende jener Republik sagten, ist gegen der Verlauf der Geschichte nur schwer anzufantasieren.

Denkbar wärs natürlich - rein theoretisch. Auf die Fantasien von Oskar zu dieser Frage wäre ich echt neugierig - wenn er denn welche hat.

Wieder eine Stelle, an der sich eine kritische Nachfrage des Moderators gelohnt hätte ...

LG Christian
Columbus schrieb am 30.01.2012 um 02:32
Die Gleichung, die Oskar wohl von den Jesuiten kennt und im Sinne hat, lautet: GLH=FGB.
Die CDU/CSU als Monument Germaniens für das Christentum? Ich glaube an diese Ableitung glauben heute nicht mehr viele Anhänger der Partei. Die Wahl war die berühmte Bananenwahl.

Gute Woche
Christoph Leusch
DandelionWine schrieb am 30.01.2012 um 10:32
@ChristianBerlin schrieb am 29.01.2012 um 22:40

Ich sehe das auch so, Christian. Obwohl mein Gedanke in eine etwas andere Richtung ging, aber so, wie Du es sagst, kann ich Dir nur zustimmen.

Mein Gedanke war/ist: Wenn Oskar Lafontaine sagt, dass DDR gescheitert ist, weil da die Arbeiter zu wenig zu sagen hatten (mit anderen Worten: DDR könnte funktionieren, wenn die Arbeiter da das Sagen hätten), dann setzt er damit voraus, dass die Arbeiter irgendwelche Eigenschaften hätten, die die Machtelite nicht hatte. Das würde mich sehr interessieren... zum Beispiel welche Eigenschaften? Waren sie besser gebildet? Kluger? Konnten sie die politische oder welche auch immer Prozesse in allen Zusammenhängen und Rückkoppelungen begreifen? Könnten sie bessere Entscheidungen treffen und sie konsequent durchziehen? Das mit Sicherheit nicht, und das sieht auch Oskar Lafontaine ein, denn er redet über die Aufklärung durch Elite.

Waren die Arbeiter vielleicht mit ihren seelischen Eigenschaften weit voraus als die Machthaber? Nein, das waren sie nicht... ebenso wie heutige Arbeiter überall in BRD (oder auch in anderen Länder) es nicht. Es reicht schon mal zu beobachten, wie sie sich z.B. auf ihren Arbeitsplätze verhalten... wie werden die Verhältnisse mit den Kunden, mit Kollegen, mit der Chefetage aufgebaut. Und wie ist es bei der Abgabe der Steuererklärung? Und nach welchen Grundsätzen werden Freundschaften geschlossen und geführt? Und ob man die Familienangehörige wirklich würdig behandelt (wo wird der Mensch noch so sehr verletzt als in der Familie?)? Und ob man mit den anderen Gesellschaftsmitglieder solidarisch ist?

Ich kann im Leben von den Arbeitern keine höhere moralische Prinzipien erkennen als bei dem Rest der Gesellschaft oder auch bei den ach so bösen Machthaber. Und auch keine besondere Handlungsfähigkeiten, mit denen man die Gesellschaft ändern könnte. Nicht einmal die Handlungsbereitschaft! Daher ist es für mich unverständlich, warum es so positiv sein sollte, wenn die Arbeiter mehr zu sagen haben. Nein, ich will keine sozialen Gruppen unterdrücken... selbstverständlich muss die Gesellschaft so aufgebaut werden, dass alle Menschen/Gruppen gleiche Rechte haben, auch das gleiche Recht, in dieser Gesellschaft was sagen zu dürfen und an der Gestaltung der Gesellschaft mitzuwirken. Aber ich begreife es nicht, warum die Linken es glauben, dass die Arbeiter die Gesellschaft besser gestalten könnten als z.B. die Machtelite. Wenn die Arbeiter tatsächlich so gut wären - also jeder an seiner Stelle, da wo er gerade ist - so klug, so solidarisch, so ehrlich, so mutig usw., dann hätte das Unrechtsstaat (sei es DDR oder BRD) erst gar nicht entstanden. Bei so vielen klugen, solidarischen, ehrlichen und mutigen Arbeiter hätte die ach so böse Machtelite gar keine Chance, sich durchzusetzen.
DandelionWine schrieb am 30.01.2012 um 10:37
@ChristianBerlin schrieb am 29.01.2012 um 22:40

"Wieder eine Stelle, an der sich eine kritische Nachfrage des Moderators gelohnt hätte ..."

Stimmt, und das ist so offensichtlich, dass ich mich frage, warum Jakob Augstein es nicht getan hat. Vielleicht weil es ihm klar war, dass hier keine konsistente Antwort möglich wäre?
DandelionWine schrieb am 30.01.2012 um 10:48
@Columbus schrieb am 30.01.2012 um 02:32

Huch, es wird jetzt rätselhaft...

"Die Gleichung, die Oskar wohl von den Jesuiten kennt und im Sinne hat, lautet: GLH=FGB."

Ich verstehe bzw. kenne diese Gleichung nicht, Christoph... was bedeutet sie?

"Die Wahl war die berühmte Bananenwahl."

Was bedeutet der Ausdruck "Bananenwahl"? Aus dem Kontext kann ich es schon ahnen, aber eine genaue Definition würde gut tun... ich habe diesen Ausdruck nie gehört.
Columbus schrieb am 30.01.2012 um 17:45
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DandelionWine schrieb am 30.01.2012 um 10:48:

Glaube=Freiheit. Denn zum Glauben braucht es eine große Freiheit, Liebe=Gleichheit, denn sie braucht den/die Partner, Hoffnung=Brüderlichkeit, denn nur so wir der eine nicht des anderen Wolf. Die Gesellschaft der Gleichen ist die brüderliche und schwesterliche Gesellschaft.

Lafontaine weiß um den Glaubenskern, die eigentliche frohe Botschaft und gerade nur darin berühren sich die sozialistischen Vorstellungen mit denen der Bibel.

Aus "Wir sind das Volk" wird "Wir sind ein Volk". Wir wollen nicht auf die Banane warten, sondern sie uns gleich abholen. Daher hielt der Otto Schily am Wahlabend des Kohl/Lothar de Maizière-Triumphs, eine Banane in die Kameras.

Liebe Grüße
Christoph Leusch
DandelionWine schrieb am 30.01.2012 um 22:07
Ich danke Ihnen, Christoph. Es wundert Sie wahrscheinlich, dass mir so etwas nicht bekannt ist (ich vermute mal, das mit der Banane wusste hier jeder?), aber das ist eben so, wenn man aus einem anderen Land kommt... bei uns waren andere Sachen im Gespräch. Nach der Einwanderung holt man dies und jenes nach, aber nicht so als hätte man in diesem Land schon immer gelebt... irgendwelche Lücken bleiben.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend.

Lara
KarinL. schrieb am 31.01.2012 um 14:31
@DandelionWine,

das kommt daher, das die Arbeiter sich haben blenden lassen und nur den Worten vertraut hatten, anstatt den Menschen mit Taten! Es kommen doch auch heute immer noch gute Rethoriker an die Macht als wirklich demokratische Menschen.
Ausserdem gab es am Anfang der DDR viel aufzubauen. Sage nur Dresden! Da hatte doch jeder auch mit sich zu tun.

Es gab ja dann später, 17.Juni 1953, auch einen Aufstand der AK, der allerdings ja nieder geschlagen wurde. Vor Panzer hab auch ich respekt :-(
KarinL. schrieb am 31.01.2012 um 14:31
@DandelionWine,

das kommt daher, das die Arbeiter sich haben blenden lassen und nur den Worten vertraut hatten, anstatt den Menschen mit Taten! Es kommen doch auch heute immer noch gute Rethoriker an die Macht als wirklich demokratische Menschen.
Ausserdem gab es am Anfang der DDR viel aufzubauen. Sage nur Dresden! Da hatte doch jeder auch mit sich zu tun.

Es gab ja dann später, 17.Juni 1953, auch einen Aufstand der AK, der allerdings ja nieder geschlagen wurde. Vor Panzer hab auch ich respekt :-(
DandelionWine schrieb am 31.01.2012 um 14:57
@KarinL. schrieb am 31.01.2012 um 14:31

"das kommt daher, das die Arbeiter sich haben blenden lassen und nur den Worten vertraut hatten, anstatt den Menschen mit Taten!"

Aha... was ist DAS, was daher kommt?

"Vor Panzer hab auch ich respekt"

Oh, dieser Respekt teile ich nicht unbedingt. Ich habe in verschiedenen Abschnitten meines Lebens Panzer gebaut und gegen Panzer auf den Barrikaden gestanden (wenn auch nur zwei Tagen... im August 1991, versteht sich), daher sehe ich die Sache etwas entspannter...
KarinL. schrieb am 31.01.2012 um 15:13
DandelionWine schrieb am 31.01.2012 um 14:57

Oh, dieser Respekt teile ich nicht unbedingt. Ich habe in verschiedenen Abschnitten meines Lebens Panzer gebaut und gegen Panzer auf den Barrikaden gestanden (wenn auch nur zwei Tagen... im August 1991, versteht sich), daher sehe ich die Sache etwas entspannter...

Na das liegt dann eben im Blickwinkel des Betrachters. Ehrlich gesagt möchte ich nicht mal Panzer bauen müssen. Ich hatte schon immer etwas gegen Kriegsspielzeug.
DandelionWine schrieb am 31.01.2012 um 15:29
Das war kein Spielzeug. Ich habe mit 18 oder mit 19 (weiß jetzt nicht mehr) ein halbes Jahr in einem entsprechenden Betrieb gearbeitet, wo Panzer hergestellt wurden. Meine Arbeitstelle war beim Stahlofen. Als Spiel würde ich es nicht unbedingt bezeichnen.
Exilant schrieb am 29.01.2012 um 12:44
"Wörter sind Herrschaftsinstrumente. Die Begriffe prägen unser Denken."
Es ging niemand hier darauf ein. Vielleicht auch deshalb, weil wir neoliberales Denken verinnerlicht haben.
Beispielsweise gibt es seit Jahren den Begriff "Staatsverschuldung", ohne, daß nach den Gläubigern gefragt wird oder warum die Bundesrepublik ein reiches Land ist, wenn der Staat verschuldet ist. "Der Staat" sind nämlich die Bewohner, ca. 80 Mio. Menschen.
Oder Begriffe wie "Jobs" (wurde mal nur angewendet bei "Schüler- oder Ferienjobs" - jetzt dient es eher der Herabsetzung der erlernten Berufes);
-"Coffee-to-go" (Kaffee ist ein Genußmittel und wird in Tassen getrunken) - alles an der Oberfläche.
Und so gibt es noch viele andere Beispiele.

@DandelionWine von 12:01:
"Was wäre anders, wenn Arbeiter ........."
Die DDR nannte sich, glaube ich, Arbeiter und Bauernstaat. Jedoch ging doch wohl alles vom ZK der SED bzw. vom Politbüro aus. Und wer der Partei treu diente, bekam dann Vorteile in Form von materiellen Werten wie Reisen oder schnellere Lieferung vom PKW.
Wenn es nicht stimmt, was ich schreibe, bitte ich um Widerspruch.
Im Westen sprach man deshalb auch vom "Staatskapitalismus."
Simplify schrieb am 29.01.2012 um 13:50
@Exilant

"Und so gibt es noch viele andere Beispiele."

ja, z.B. die "marktkonforme Demokratie" - für mich die derzeit größte Begriffspervertierung.
KarinL. schrieb am 31.01.2012 um 14:43
Du hast vollkommen recht...viele Menschen in der DDR haben sich kaufen lassen bzw wurden sie auch erpresst.

Kennst du nicht den Film?

de.wikipedia.org/wiki/Das_Leben_der_Anderen#Geschichtliche_Faktentreue
ChristianBerlin schrieb am 01.02.2012 um 07:56
@Exilant

Leider hab ich heute noch immer nicht die Zeit, um oben weiter über den Bauernkrieg mitzudiskutieren (kommt aber hoffentlich noch). Doch auf folgendes Statement möchte ich kurz eingehen:

"Was wäre anders, wenn Arbeiter ........."
Die DDR nannte sich, glaube ich, Arbeiter und Bauernstaat. Jedoch ging doch wohl alles vom ZK der SED bzw. vom Politbüro aus. Und wer der Partei treu diente, bekam dann Vorteile in Form von materiellen Werten wie Reisen oder schnellere Lieferung vom PKW.
Wenn es nicht stimmt, was ich schreibe, bitte ich um Widerspruch.
Im Westen sprach man deshalb auch vom "Staatskapitalismus."


Das trifft zwar zu, beantwortet aber die Frage nicht, was anders gewesen wäre. Mir fällt dazu nur ein, dass die Arbeiter dann mehr materielle Werte, schnellere Lieferung von besseren PKW oder mehr Westreisen gewollt hätten. Also hätten sie schon früher einen der Widersprüche des Systems müssen: Dass es in der DDR nicht gab, aber für DM alles! - Aber wie wäre denn dieser Widerspruch anders lösbar gewesen, als am Ende geschehen?

Eine Idee hätte ich tatsächlich: nichtgelbe frei Gewerkschaften hätten diese Mitbestimmung sichern können, die hätten die Kombinate unter Lohndruck setzen können, dann mehr von Quelle und Co zu verlangen, dann wären mehr selbst prodzuierte Waren im Land geblieben bei gleicher Devisen-Einfuhr und die DDR-Arbeiter mehr vom Sozialprodukt im Westen Deutschlands gehabt, zu dem sie selbst erheblich beitrugen (geschätzte 50 % ihres Exports waren Auftragsgüter für den bundesrepublikanischen Handel), ohne angemessen daran beteiligt zu sein.

Aber ob Oskar das meinte?

LG Christian
DandelionWine schrieb am 02.02.2012 um 18:40
@Exilant schrieb am 29.01.2012 um 12:44

"@DandelionWine von 12:01:
"Was wäre anders, wenn Arbeiter ........."
Die DDR nannte sich, glaube ich, Arbeiter und Bauernstaat. Jedoch ging doch wohl alles vom ZK der SED bzw. vom Politbüro aus. Und wer der Partei treu diente, bekam dann Vorteile in Form von materiellen Werten wie Reisen oder schnellere Lieferung vom PKW.
Wenn es nicht stimmt, was ich schreibe, bitte ich um Widerspruch."


Entschuldigung, ich habe erst jetzt durch Zufall entdeckt, dass Sie mich angesprochen haben bzw. es hat mich jemand darauf hingewiesen. Ich habe diesen Thread ab dem bestimmten Zeitpunkt nicht mehr gelesen, weil die Kommentare in die Richtung gehen, die mich nicht interessiert. Aber wenn Sie direkt unter meinem Kommentar geschrieben hätten, hätte ich es mitbekommen.

Doch, das stimmt, was Sie schreiben. Aber welche Zusammenhänge hat es mit der Aussage von Oskar Lafontaine und mit meiner Frage diesbezüglich?
Exilant schrieb am 01.02.2012 um 14:06
@Christian: "...beantwortet die Frage nicht, wie es anders gewesen wäre..."
Diese Frage läßt sich auch nicht beantworten, weil es nicht anders war. Tatsache ist doch aber, daß die Machthaber ihre Ideologie - stalinistisch - durchsetzen wollten. Dazu benutzten sie auch "Schild und Schwert" (Stasi), um ihre Genossen einzuschüchtern.

Einen Tag nach der DDR-MPwahl vom 18. März 1990 war ich in einer Gaststätte im Ostteil Berlins, um mich mit den Leuten zu unterhalten, wieso sie so gewählt haben. Das wollten sie aber gar nicht. Sie wollten nur meine DM, also tauschen.

LG Exilant
dos schrieb am 02.02.2012 um 02:57
Kommentar zu den Kommentaren:
Zur Genealogie von "Egalitarismus" bzw. "Egalität" (als Wert):

Die Disk. nimmt nicht Bezug auf einen der wichtigsten Stränge der Genealogie des Egalitarismus, - als einer rationalisierten Form des Neides.
In der Selbstbetrachtung seiner Impulse ist das für Menschen vermutlich zwingend, und nur auf den ersten Blick für Gleichheitswert(e) de-legitimierend:
Denn nichts ist legitimierender als die Ableitung vom realen Menschen, speziell dann, wenn es sich um zunächst "harmlose" Werte handelt, die nicht unmittelbar andere existenzielle Werte, wie z. B. das Leben, in Frage stellen.

Zu meinem Kommentar des Artikels, Aspekt Eliten ff., geht's hier:
digitale-demokratie.net/ddn/dos/current readings/olaf-statt-sahra-mit-augstein.htm

(Farbig markiert ab Anfang des 2. Drittels des Artikels)
dos schrieb am 02.02.2012 um 03:01
Tz,Tz,Tz,
Hier sind keine Links mit Leerzeichen möglich!
Also einfach markieren und in die Adressleiste einfügen.


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