Die Presse windet sich

Hoeneß-Orden Hoeneß hat seine staatliche Auszeichnung zurückgegeben. Merkwürdige Gerüchte geistern dazu durch die Presse.
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Hat Hoeneß seinen Verdienstorden aus Ärger zurückgegeben, um ein Zeichen gegen die Landesregierung zu setzen? Wohl nicht. Auslöserin dieser Behauptung war die Bildzeitung. Aufgegriffen wurde diese Nachricht von der Deutschen Presseagentur. Verbreitet wurde diese Meldung in vielen deutschen Medien, eingekauft bei der dpa. Manchmal leicht modifiziert abgedruckt oder zur Kurznachricht in elektronischen Medien vedichtet.

Beispiele:

Die Frankenpost schrieb am 20.12.14: "Laut Bild will der Ex-Präsident des FC Bayern München auf Distanz zu Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) und den Politikern gehen. Hoeneß fühle sich offenbar ungerecht behandelt, weil er als einziger Bundesbürger nach einer Selbstanzeige wegen Steuerhinterziehung im Gefängnis sitze."

Im Stern war am selben Tag zu lesen: "Es sei Hoeneß' eigene Entscheidung gewesen, berichtet die Zeitung. Niemand habe ihm diesen Schritt nahegelegt. Er fühle sich vor allem ungerecht behandelt und wolle sich vom derzeitigen Ministerpräsidenten Horst Seehofer und den Politikern distanzieren."

Die Frankfurter Rundschau interpretierte am 23.12.14: "Uli Hoeneß könnte eigentlich zufrieden sein - Weihnachten zu Hause am Tegernsee und im Januar als Freigänger zum FC Bayern, das sind keine schlechten Aussichten für einen Häftling. Aber seine Verurteilung hat er offenbar immer noch nicht verdaut."

Kurze Zeit danach wird der Tenor dieser Nachricht modifiziert. Das Verdienstkreuz sei zwar zurückgegeben worden. Die Initiative sei aber von der Bayerischen Staatsregierung ausgegangen. Und so bezieht sich das Springerblatt nun auf ein anderes Presseorgan, um die eigene Recherche zu relativieren: "Wie der Spiegel jetzt berichtet, soll Hoeneß zur Rückgabe gedrängt worden sein. Angeblich habe das die Staatskanzlei in einem Telefonat mit einem der Verteidiger angeregt. Hintergrund: Es gebe eine Art ungeschriebenes http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/7/7c/Bavarian_Order_of_Merit.jpg/330px-Bavarian_Order_of_Merit.jpgGesetz, dass jemand, der zu einer Strafe ohne Bewährung verurteilt worden sei, den Verdienstorden zurückgeben müsse" (24.12.14). Fügt aber eher aus rhetorischen Gründen hinzu, dass das Blatt nach wie vor auf seiner Darstellung beharre, allerdings ohne eine Quelle zu nennen: "Nach Bild-Informationen hat sich Hoeneß allerdings aus freien Stücken entschieden, den Verdienstorden zurückzugeben."

Die FAZ, die Zeitung der klugen Köpfe, zog ebenfalls zurück. Man beruft sich am 23.12.14 auf Hoeneß' Anwalt, der den kursierenden Meldungen widersprochen hat: "Uli Hoeneß hat bereits Anfang September den Bayerischen Verdienstorden an die Staatskanzlei in München zurückgeben lassen. Das sagte Hoeneß-Anwalt Michael Nesselhauf am Dienstag." Erstmals wurde damit eine konkrete Quelle genannt, die auch juristisch verifizierbar ist.

Was diese Zeitung mit der Bild/dpa-Meldung als Grundlage zuvor getextet hatte, ist schon verwunderlich. Der FAZ-Feuilleton-Redakteur Jochen Hieber behauptete am 21.12.14 unter der Überschrift: "Uli Hoeneß macht einen fatalen Spielzug": "Sicher ist, dass Susanne Hoeneß in der vergangenen Woche den Bayerischen Verdienstorden, der ihrem Mann 2002 vom damaligen Ministerpräsidenten Stoiber verliehen worden war, mit Aplomb in die Staatskanzlei trug und dort zurückgab." Auf dieser vermeintlichen Tatsache aufbauend schreibt er süffisant kommentierend weiter: "Nun kann man über Sinn oder Unsinn des staatlichen Ordenswesens trefflich streiten, über die Logik der jüngsten Hoeneß-Handlung jedoch nicht, denn sie hat keine. Verantwortlich für das Urteil gegen und die Haftstrafe für ihn wegen Steuerhinterziehung war, Klippschule der Gewaltenteilung, sicher zuallerletzt der bayerische Ministerpräsident, der qua Amt den Verdienstorden verleiht." Der FAZ-Journalist hat richtig erkannt, dass die unterstellte Hoeneß'sche Handlung, den Orden aus Ärger zurückgegeben zu haben, bar jeglicher Logik ist. Er kam jedoch nicht auf die Idee, seine Quellenlage kritisch zu hinterfragen.

Auch die Möglichkeit der Aberkennung des Verdienstordens durch die Bayerische Staatsregierung schloss der FAZ-Autor aus: "Um sie Realität werden zu lassen, müsste der sogenannte Ordensbeirat, aktuell bestehend aus Seehofers Stellvertreterin Ilse Aigner und der Landtagspräsidentin Barbara Stamm, dem Ministerpräsidenten den Ordensentzug vorschlagen. Es gibt keinerlei Anzeichen, dass ein solches Verfahren geplant oder bereits im Gang war, Uli Hoeneß also der förmlichen Aberkennung zuvorkommen wollte." Hätte der Autor wenigstens nicht verabsolutiert ("Es gibt keinerlei Anzeichen…".). Wie schnell doch Gerüchte zu vermeintlichen Gewissheiten werden können.

Was soll man als Leser davon halten? Einen guten Eindruck macht das auf mich nicht.

Zum Verdienstorden schreibt die Bayerische Landesregierung:

"Verdient um den Freistaat und das bayerische Volk sind jene 5405 Persönlichkeiten, die seit 1957 mit dem Bayerischen Verdienstorden ausgezeichnet wurden. Ihr Werden und Wirken dauerhaft zu dokumentieren, ist das Ziel. Dass es Beispiel geben mag für uns und die, die nach uns kommen. Haltet das Bild der Würdigen fest!"

14:35 25.12.2014
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Geschrieben von

Achtermann

Ich lass' mich belehren. Jedoch: Oft wehre ich mich dagegen.
Achtermann

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