Festivaltagebuch, Tag 1: Eröffnungsfilm

Tag 1 Das Festival beginnt - und somit auch das Festivaltagebuch. Der Mittwoch stand ganz im Zeichen der Festivaleröffnung im wunderbaren Kino International.
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community
Festivaltagebuch, Tag 1: Eröffnungsfilm

Foto: Christine Kisorsy

Der erste Festivaltag stand ganz im Zeichen des Eröffnungsfilms. „Kohlhaas oder Die Verhältnismäßigkeit der Mittel“ von Aron Lehmann hatte schon vor Festivalbeginn die Zeitungen, Online-Magazine und Radiosender Berlins beschäftigt. Kein Wunder, das Thema ist – obwohl der Film im tiefsten Bayrisch-Schwaben spielt und gedreht wurde – repräsentativ für den Berlinfilm. Die Hauptstadt ist bekanntlich arm aber sexy. Protagonist des Films ist der Regisseur Lehmann, verkörpert von Robert Gwisdek, der Heinrich von Kleists Historien-Epos „Kohlhaas“ verfilmen möchte. Leider dreht seine Produktionsfirma ihm im letzten Moment den Geldhahn ab. Aber wer braucht den schnöden Mammon, wenn er Fantasie hat? Das Team bleibt vor Ort, Kühe werden Pferde, Dorfbewohner werden Schauspieler und für einen guten Schwertkampf braucht man keine Schwerter, sondern nur Luft, Leidenschaft und Soundeffekte. Nicht nur der improvisierte und zugleich kreative Zugang passt zur Hauptstadt – Aron Lehmann hat mit Robert Gwisdek, Rosalie Thomass, Heiko Pinkowski oder Peter Trabner echte Berlinfilm-Experten für sein Projekt gewonnen. Sie sorgten für reichlich Witz, Tragik und Situationskomik - und glänzten, abgesehen von Robert Gwisdek, der mit seiner Band durch Deutschland tourt, auch mit Anwesenheit.

Die Zuschauer im ehrwürdigen Kino International dankten es nicht nur mit guter Stimmung und langem Applaus zum Abspann - selbst Szenenapplaus gab es während des Films mehrmals. Vor allem Robert Gwisdeks Reitkünste (in diesem Fall nicht auf einer Kuh, sondern komplett ohne tierischen Untersatz) sorgten beim Publikum für Verzückung. Auch der Rahmen der Veranstaltung stimmte. Die Moderatorin Henriette Müller lenkte souverän durch den Abend, Festivalleiter Sebastian Brose und Hajo Schäfer empfingen die Zuschauer wie gewohnt als gemischt-großes Rednerdoppel und vor allem die Häppchen und Freigetränke nach der Vorstellung sorgten für Begeisterung. Ein besonders netter Aspekt des Abends: Auf Grund des warmen Frühlingswetters verlegte sich die Party organisch nach draußen. So endete ein gelungener Abend mit Small- und Filmtalk auf den weiten der Karl-Marx-Allee.

Peter Correll
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

achtung berlin

Der achtung berlin - new berlin film award ist ein Filmfestival, das sich mit Leib und Seele dem Hauptstadtkino verschrieben hat. 9.-16. April 2014
Schreiber 0 Leser 5
achtung berlin

Kommentare