Aus der Vergangenheit für die Zukunft lernen

Die Welt im Wandel Der Gegenwart den Spiegel der Vergangenheit vorhalten, um die Zukunft besser gestalten zu können.
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Der Historismus ist fest verankert im sozialen Zusammenleben der Menschen und drängt sich auch in der Zukunftsgestaltung nach wie vor auf. Im 19. Jahrhundert begann erstmals ein Umbruch im historisch verhafteten Denken der Gesellschaft. Die Aufbruchsstimmung der damaligen Zeit, der Fortschritt in der Wissenschaft, das Möglichwerden gewisser moderner Erfindungen, etc. ließen einen Blick in die Zukunft erahnen. Erstmals wurde es möglich gemacht, nach vorne zu blicken und zu überlegen, wie es denn einmal sein könnte. In winzigen Schritten wurden erstmals Gedanken angeregt, einen Blick über den Tellerrand in die nebulöse ungewisse Zeit vor einem zu werfen.

Corona verändert die Welt

Bestes Beispiel für die Vorstellungen einer möglichen Zukunftsgestaltung ist die Erforschung des Klimawandels. Bereits in den 1980er Jahren konnten erstmals langfristige Modelle erstellt und berechnet werden, wie sich die Veränderungen des Klimas aufgrund der vergangenen beziehungsweise gegenwärtigen Lebensumstände auswirken würden. Anhand von sechs Klimamodellen wurden Hochrechnungen erstellt, inwieweit sich das Klima in den kommenden Jahren verändern und eine Erwärmung zwischen 2 und 3 Grad Celsius auftreten würden. Die Berechnungen waren bereits damals derart genau, sodass sich die Frage stellt, warum nach wie vor die Gesellschaft nicht dazu bereit ist, vermehrt an beziehungsweise in die Zukunft und an die Folgen des gegenwärtigen Lifestyles für die kommenden Jahre zu denken. Noch immer scheint die Frage, woher der Mensch kommt, für viele nach wie vor relevanter als die Frage wohin die Menschheit denn in Zukunft geht, wie sich das Leben in und mit der Natur verändern wird.

Kosselleck sprach im Zuge seiner Forschungen erstmals im beginnenden 19. Jahrhundert von einer Sattelzeit, dem Übergang in eine neue, moderne und (für damalige Verhältnisse) fortschrittliche Zeit. Ebenso lässt sich der Beginn der 1970er Jahre als zweite Sattelzeit der Gesellschaft ansehen. Im Zuge der damaligen Berechnungen und der stattgefundenen Entwicklungen kann man mittlerweile von einer dritten Sattelzeit sprechen, die Menschheit findet sich wieder an einem Scheideweg des Lebens. Moderne und Fortschritt, Innovation und Technologie sind zukunftsweisend und richtungsentscheidend. Mehr als in früheren Berechnungen wird durch den Einfluss von Computertechnologie die Zukunft immer fassbarer und vorhersehbarer.

Alle Bereiche sind betroffen

Corona wird alle Lebensbereiche verändern. Die Arbeitswelt, den Sport, das Finanzsystem bis hin zum Schulsystem. Beispielsweise wird der Profifußball wohl die nächsten Jahre mit nur einem Teil des Publikums auskommen, so ein Sprecher eines großen Sportwettenmagazins, welches sich unter anderem auf Paypal Zahlungen spezialisiert hat. Das Wissen und die Kenntnis über die Vergangenheit ist gut und wichtig, dennoch darf die Bedeutung der Auseinandersetzung mit der Zukunft nicht als unnütz und sinnlos für die Gegenwart betrachtet werden. Die Wissenschaft lehrt und unterstützt uns in der Befassung mit Science-Fiction. Sie ist der Meinung, dass diese Lektüre uns lehrt, die Zukunft und etwaige Szenarien zu deuten und damit leben zu lernen. Der Umgang damit und die theoretische Bewältigung möglicher Krisen lehrt uns, den eigenen Lebensstil zu überdenken. Neu zu denken, anders zu agieren, sich zu überlegen, wie sich gewisse Folgen würden können vermeiden lassen. Der Club of Rome war es, der 1972 erstmals diese beiden Entwicklungen zusammenführte und die Bedeutung der Auseinandersetzung mit der Zukunft, welche länger als ein, maximal zwei Jahre voraus liegt, aufzeigte.

Dass diese Auseinandersetzung mit der Zukunft bereits in der Schule beginnen sollte, zeigt ein Blick auf den Lehrplan, alte Klassiker der Antike haben die Oberhand, während moderne und zukunftsgerichtete Literatur ins Hintertreffen gerät. Hinzu kommt, dass die Gesellschaft per se kritisch allem Neuen gegenüber agiert. Das Vergangene lässt sich im Nachhinein analysieren, die Zukunft und der Blick in ungewisse Zeiten, nicht wissend, wie Entwicklungen ihren Lauf nehmen werden. Kritisch beäugt werden jene, welche sich trauen, Vorhersagen für mehrere Jahre zu machen, belächelt jene, welche Prognosen erstellen, die Zukunft schwarzmalen. Kommt es wie berechnet, ist jeder einverstanden, doch wehe, man liegt daneben. Ein weiterer Sieg für den Historismus.

00:54 05.01.2021
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Alexander von Kahlden

Ich blogge seit ca. 5 Jahren zu sozioökonomischen und gesellschaftlichen Themen. Ich hoffe, dass meine recherchierten Beiträge hier Anklang finden.
Alexander von Kahlden

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