Antwort an Ronja von Rönne

Antifeminismus Ronja von Rönne hat auf meine Replik geantwortet und nennt diese "schlecht recherchiert", "unfair" und "ressentiment-geladen". Hier eine Anwort.
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Ronja Larissa von Rönne hatte vor kurzem in der WELT den Artikel geschrieben "Warum mich der Feminismus anekelt". Ich hatte daraufhin eine Replik verfasst "Warum mich der Adel anekelt". Auf diese Replik hat sie nun auf ihrer Facebook-Seite geantwortet.

Und die Antwort ist voller Widersprüche:

"Da hat sich jemand die Mühe gemacht, herauszufinden, dass ich mit Leuten verwandt bin, von denen ich noch nie gehört habe"

heißt es zunächst und ich erröte vor Scham. Sollte ich Ronja Larissa von Rönne verwechselt haben?

Nö. Etwas später schreibt sie dreist:

"Meine "Uradel von der Osten" Großmutter lebt in einer Mietswohnung"

Den Namen "von der Osten" hat sie also nie gehört?! Genauso dürfte ihr der Name des anderen Adelszweiges bekannt sein.

Weiter liest man dort:

"Wir sind das, was man 'verarmter Landadel' nennt. Keine alten Güter, keine Ländereien in Polen, nichts."

"Verarmt" ist relativ und bezieht sich auf den Adel. Ronja Larissa von Rönnes Mutter ist Leiterin einer Montessori-Schule. Mit einem Job als Schulleiterin ist man in der Regel nicht armutsgefährdet.

"Ich nenne das 'von' in der Mitte, weil ich sonst Ronja Rönne heiße und das klingt ähnlich albern wie Rennschwein Rudi Rüssel."

"Ronja Larissa Rönne" klingt also angeblich wie "Rennschwein Rudi Rüssel"? Ich möchte nicht wissen, welche snobistischen Assoziationen ihr dann zu Michaela Müller, Peter Schmidt oder Andreas Kemper einfallen. Mit meinem proletarischen Geschmack (wenn dem Proletariat denn ein Geschmack zugestanden wird) finde ich "Ronja Rönne" als Name cool und habe keine Assoziation mit Schweinen.

"Ich habe keinen Adelstitel, meine Mutter auch nicht, keine meiner Großmütter. Ich habe ein von, aber ich bin nicht adelig."

Der Adel ist seit 1918 abgeschafft, darum hat natürlich weder Ronja von Rönne, noch ihre Mutter, noch ihre Großmutter einen Adelstitel. Das "Adelige" ergibt sich aus dem kulturellen (inkorporiertes und objektiviertes Kulturkapital und Namen) und dem sozialen Kapital. Vor allem in "Adelskreisen" ist nach wie vor Homogamie angesagt. Daher gibt es in ihrer Verwandtschaft eben nicht nur "von Rönnes", sondern auch "von der Osten" und "von Kanne" usw. Adel ist heutzutage im Wesentlichen eine Anerkennungsstruktur.

"'Als Model zu arbeiten'" ist ein kompletter Scheißjob. Ihn zu diffamieren, zeugt nicht gerade von emanzipatorischem Denken."

Mir gings keineswegs darum, den Job "Model" zu diffamieren. [Nachtrag: R.v.Rönne hat ihren Beitrag im Nachhinein geändert. Dort steht jetzt "'Als Model zu arbeiten' ist ein zermürbender, anstrengender Beruf. Ihn zu diffamieren, zeugt nicht gerade von emanzipatorischem Denken." - anscheinend ist ihr durch meine Replik aufgefallen, dass sie diejenige war, die den Model-Job "diffamierte"; A.K.]Wenn das aber so ein "kompletter Scheißjob" ist, kann man auch in der Kneipe arbeiten. Mir ging es vielmehr um die Auflistung von Privilegien. Und wer als "Model" arbeitet, hat in der Regel das Privileg, den gängigen Schönheitsvorstellungen zu entsprechen.

"'Geldsorgen kennt sie nicht' - Nein, du kennst mich nicht."

Nein, ich kenne Ronja von Rönne tatsächlich nicht. Ich hatte mich auf ihrer Facebookseite umgeschaut. Dort nutzte sie ihren Account um eine Wohnung für 800 Euro in Berlin zu finden. 800 Euro Miete sind nichts ungewöhnliches. Vergleicht man aber das, was Studierende, also Menschen in ihrem Alter, für die Miete ausgeben, relativiert sich diese Zahl. Studierende, die nicht in subventionierten Wohnheimen leben, sondern alleinstehend in einer regulären Mietswohnung, zahlen in Städten wie Berlin im Schnitt 350 Euro für die Wohnung. Wer mit 23 Jahren 800 Euro für eine Wohnung hinblättert, hat entweder keine Geldsorgen oder einen hohen Anspruch. Nun gut. Auch "Geldsorgen" ist ein relativer Begriff.

"das ist unfair, schlecht recherchiert, ressentiment-geladener Bullshit"

Keinesfalls. Ich habe gut recherchiert:

- Ronja von Rönne ist mit den Adeligen verwandt, von denen sie zu Anfang noch behauptete, sie kenne die Namen nicht, also z.B. den Namen ihrer Oma, die sie selber im Artikel mit Namen aufführt.

- Sie gibt selber zu, aus dem Adel zu stammen ("verarmter Landadel")

- sie hat als Model gearbeitet ("kompletter Scheißjob" - natürlich)

- sie kann monatlich für ein Appartment 800 Euro bezahlen, wo Gleichaltrige ernste Probleme haben, ein Drittel dieser Miete aufzubringen

Dass der Artikel "unfair", "ressentiment-geladen" und "unemanzipiert" sei, ist eine Projektion. Denn tatsächlich ist ihr Artikel "Warum mich der Feminismus anekelt" unfair, ressentiment-geladen und unemanzipiert.

16:58 11.04.2015
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Andreas Kemper

Ich arbeite als Soziologe kritisch zu Klassismus, Organisiertem Antifeminismus und die AfD
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Andreas Kemper

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