Die Putin-Herausforderin Ekaterina Gordon

Präsidentschaftswahlen. Auch die Moskauer Journalistin Ekaterina Gordon will Präsidentin Russlands werden. Schon die zweite Frau, nach TV-Star Xenia Sobtschak, die ihre Kandidatur ankündigt.
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Ab heute ist klar: TV-Star Xenia Sobtschak ist nicht die einzige Frau in Russland, die Präsident Wladimir Putin bei den Präsidentschaftswahlen 2018 herausfordern will. Noch keine zwei Wochen sind vergangen, seit Sobchak ihre Kandidatur verkündet hat, da hat schon eine andere Journalistin offiziell bekannt gegeben, dass sie Russland, wo seit dem Zerfall der Sowjetunion keine Frau an der Macht war, regieren möchte.

Auf Twitter kündigte die 37-jährige TV- und Radiojournalistin Ekaterina Gordon mit eigner Anwaltskanzlei an, dass sie sich für die Rechte von Frauen und Kindern einsetze werde. Das von ihr gewählte Datum 30 Oktober fällt auf einen wichtigen Tag für viele Russen, denn man erinnert sich hierzulande an die Opfer des Sowjetregimes. Heuer ist der Gedenktag besonders aufgeladen, feiert man doch auch zugleich den 100. Jahrestag der Oktoberrevolution in diesem Jahr.

In einem kurzen Youtube-Clip auf ihrer Webseite sagt sie außerdem: "Ich bin die einzige Kandidatin, die der Kreml bestimmt nicht zulassen will". Laut Gordon interessiere sich in Russland kaum jemand für alleinstehende Mütter."Der Schutz von Frauen und Kindern ist daher ein zentraler Aspekt in meinem Vorwahlprogramm", betont Gordon im Video. "Ich möchte Frauen , deren Rechte mit Füßen getreten werden, eine Stimme geben". Gordon ist auch Gründerin einer Nichtregierungsorganisation, die sich in den letzen fünf Jahren für die Rechte von Frauen und Kindern eingesetzt hat.

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Auf die Frage, was sie über Sobtschak denke, antwortet sie: "Ich führe kein Dasein in der Glamourwelt, ich bin auch nicht mit silbernen Löffel im Mund geboren worden". 2008 sollen sich die beiden Journalistinen in einem Radiointerview heftig gestritten haben. Gordan erzählt weiter, dass sie selbst noch nie zu Wahlen gegangen sei, weil sie sowohl von der liberalen Opposition als auch von kremltreuen Politikern entäuscht sei.

Die neue Herausforderin Putins ist partielos und muss nun insgesamt 300.000 Unterschriften sammeln, um von den russischen Behörden als unabhängige Kandidat zugelassen zu werden.

Die Ausgangslage von Sobtschak, die Tochter des früheren Bürgermeisters von Sankt Petersburg, Anatoli Sobtschak, scheint dagegen bei weitem besser zu sein. Ihrem Vater hat Putin einiges zu verdanken: Sobtschak hatte Putin in den Neunzigerjahren zu seinem Stellvertreter gemacht und seine politische Karriere damit befeuert. Kreml-Sprecher Dimitrij Peskow äußerte sich bereits durchaus wohlwollend zu Sobtschaks Kandidatur. Sie habe Chancen, wenn sie auf den Willen der Menschen eingehe, sagte Peskow.

Einige oppositionelle Aktivisten in Russland sind der Meinung, dass der Kreml ein Spiel spielt, in dem sich Kreml-Marionetten in unterhaltsamer Abwechslung in der sonst gespenstisch anmutenden Vorwahlzeit zanken. Damit wolle die russische Regierung von Problemen im Land abzulenken, die Wahlbeteiligung der Bevölkerung steigern und die liberale Opposition spalten. Der Kreml bestreitet das jedoch, frei nach dem Motto: "Seht her, es kann jeder teilnehmen, der die gesetzlichen Kriterien erfüllt".

Dass Putin für eine vierte Amtszeit antreten und wiedergewählt wird, daran zweifelt in Russland kaum jemand. Mehr als zwei Drittel der Befragten unterstützen den amtierenden Präsidenten laut einer Umfrage des unabhängigen Lewada-Zentrums. Der vielleicht aussischtsreichste Oppositionelle Alexei Nawalny kann formal wegen einer Bewährungsstrafe nicht bei der Wahl im nächsten Jahr antreten. Warum also abstimmen, wenn so oder so erneut Putin Präsident wird, fragen sich viele Russen. Doch es gibt eine kleine Minderheit in der Bevölkerung, die zumindest die demokratischen Muskeln trainieren will und deswegen für Kandidaten wie Sobtschak, Gordon oder Nawalny abstimmen will, falls sie von der russichen Wahlkomission zugelassen werden sollten.

16:04 30.10.2017
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Andreas Rossbach

Als freier Journalist schreibe ich aus Russland für russische und deutsche Medien über Politik, Kultur & andere Dinge, die mich interessieren.
Andreas Rossbach

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