Im Kreis gedacht

Ressourcenschonung Wie wäre es, wenn ein Produkt niemals zu Abfall wird? Das Cradle to Cradle-Prinzip überträgt das Kreislaufdenken der Natur auf die Produktentwicklung
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Im Kreis gedacht

Foto: TED ALJIBE/ AFP/ Getty Images

Die Trainingsjacken eines bekannten Sportartikelherstellers ziert ein grünes Etikett im Nacken. „Bring me back“ steht darauf, verbunden mit der Aufforderung das Produkt, wenn man es nicht mehr möchte, in den Laden zurückzubringen. Was auf den ersten Blick wie ein Werbegag aussieht, steht für eine Produktinnovation, die hoffentlich bald kein Einzelfall mehr sein wird. Puma hat eine Kollektion nach dem Cradle to Cradle Prinzip entworfen. Das heißt, die Produkte sind so konzipiert, dass sie sich entweder unkompliziert in recyclingfähige Einzelteile zerlegen lassen oder zu 100 Prozent schadstofffrei kompostierbar sind. Der gesamte Lebenszyklus eines Produktes ist als Kreislauf angelegt, so dass Abfall gar nicht erst entsteht.

Für den Initiator der Cradle to Cradle Bewegung Michael Braungart gibt es so etwas wie Müll auch gar nicht. Nach dem Vorbild der Natur möchte er eine Welt schaffen, in der das Wort Abfall weitgehend ein Fremdwort ist. Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Noch kauft und entsorgt unsere Konsumgesellschaft ohne nachzudenken. Das Wegwerfen ist wie das Einkaufen zu einem Grundpfeiler der Gesellschaft geworden. Dinge reparieren? Lohnt sich nicht! Produkte lange behalten? Unsinn! Wo es doch alle naselang ein neues und besseres Modell gibt!

Dadurch wachsen die Müllberge. Zwischen 1976 und 1996 stieg die Abfallproduktion in Deutschland um 38 Prozent. Um vor allem dem rasanten Anstieg des Verpackungsmülls Herr zu werden, wurde das duale System ins Leben gerufen und wir entwickelten uns im guten Glauben an die Wiederverwertung zu Meistern der Mülltrennung. Doch auch wenn das Grüne Punkt-Logo Recycling suggeriert, werden bis zu zwei Drittel des Inhalts der gelben Tonne verbrannt. Das wird als thermische Verwertung bezeichnet und ist tatsächlich als Recycling-Methode klassifiziert. Dass damit Rohstoffe vernichtet werden, während für die erneute Herstellung abermals Ressourcen verbraucht werden, scheint keinen zu stören. So landen unter anderem wertvolle Buntmetalle in den Schlacken der Müllverbrennungsanlagen und letztendlich im Straßenbau. Leisten können wir uns das schon lange nicht mehr.

Das Cradle to Cradle Konzept könnte der Anfang des Umdenkens sein. Bei dem Prinzip, dass sich als „von der Wiege zur Wiege“ übersetzen lässt, wird in zwei Richtungen gedacht. Dinge die sich verbrauchen, wie Waschmittel, Schuhe, Kleidung, Verpackung werden so entwickelt, dass sie biologisch vollständig abbaubar sind und in den natürlichen Kreislauf zurückkehren. Geräte, die nur benutzt werden wie Fernseher, Kühlschränke, Autos und Waschmaschinen sind so konstruiert, dass sie sich einfach in ihre recyclefähigen Einzelbestandteile zerlegen lassen. Probleme die bei der Entsorgung des Produktes entstehen, werden schon bei der Entwicklung berücksichtigt. Hier sind Produktentwickler, Ingenieure und Designer gefragt, denn für Cradle to Cradle muss das Produktdesign ganz neu und anders gedacht werden. Braungart sagt dazu: „Wir müssen alles so produzieren, dass es nützlich bleibt.“

In Amerika, Niederlande und Dänemark ist das Cradle to Cradle Prinzip bereits sehr erfolgreich. Insgesamt sind inzwischen über 1000 C2C-Produkte auf dem Markt, vom Bürostuhl über Teppiche, Reinigungsmittel und Textilien.

Doch auch hierzulande tut sich etwas. Trigema bietet kompostierbare T-Shirts an und Frosch hat den ersten C2C zertifizierten Bad-Reiniger auf den Markt gebracht. So richtig rund laufen die Kreisläufe allerdings noch nicht. Bioplastik kann aktuell nur in speziellen Kompostieranlagen verkompostet werden und soll deswegen nicht in den Biomüll sondern in den Restmüll (sprich Verbrennung) entsorgt werden. Die PET-Verpackungen des Frosch-Reinigers werden in der gelben Tonne entsorgt und dort zu großen Teilen nicht reycelt sondern verbrannt.

Konsumvermeidung ist immer noch die beste Ressourcenschonung. Trotzdem ist Cradle to Cradle ein wichtiges neues Konzept, um Mensch und Natur wieder näher zusammenzubringen.

22:55 16.06.2014
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Anne v. Fircks

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Anne v. Fircks

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