Einen Ring, sie zu knechten…

Deutsche Oper am Rhein Dietrich Hilsdorf eröffnet mit dem kurzweilig-unheilvollen 'Rheingold' Wagners monumentalen 'Ring'-Zyklus in der DOR Düsseldorf/Duisburg. Starke Gesangsleistungen& Bilder
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Eingebetteter MedieninhaltDas Rheingold bildet einen kurzweiligen Vorabend zu Wagners vierteiligen Ring-Zyklus. Es folgen die drei „Tage“ Die Walküre, Siegfried und Götterdämmerung. In dem bedeutungsschwangeren Eröffnungsstück sind alle Konflikte von Wagners Ring der Nibelungen bereits angelegt, etwa der Widerstreit von Liebe und Macht. Die Fronten bilden sich hier, deren Themen in der Ring-Tetralogie teilweise weitergeführt werden. Der Gott Wotan und der Zwerg Alberich streben nach Weltherrschaft. Sie sind beide bereit, die Liebe zu opfern und die Natur zu schädigen. In Wagners Opus magnum wird fortan erbittert gekämpft. Regisseur Dietrich Hilsdorf eröffnet Wagners monumentales Hauptwerk an der Deutschen Oper am Rhein vieldeutig mit einem Zitat aus Heinrich Heines Loreley-Lied: „Ich weiß nicht, was soll es bedeuten..." Noch vor Beginn des Vorspiels spricht der Feuergott Loge diese Zeile. Hilsdorf zeigt Das Rheingold als eine Collage aus Bildern der Gesellschaft im 19. Jahrhundert, die durch wirtschaftliche und soziale Krisen in ihren Grundfesten erschüttert wird.

Ausstatter Dieter Richter siedelt das Geschehen in einem großbürgerlichen Ambiente des 19. Jahrhunderts an. Die Bühne wird umrahmt von mehrfarbigen Leuchtleisten. Ein vergoldetes Varieté-Portal öffnet sich nach dem Vorspiel. Es zeigt einen Salon mit holzgetäfelten Wänden. Links führt eine steile Treppe hinauf. Hier kokettieren anfangs die Rheintöchter wie Kurtisanen in Cancan-Kostümen, wenn der Zwerg Alberich vergeblich um sie buhlt. Zurückgewiesen und in seiner Liebessehnsucht frustriert, raubt der hinterhältige Alberich den Rheintöchtern das Rheingold. Zugunsten des Rheingoldes schwört er alsbald der Liebe ab. Er schmiedet sich aus demselbigen einen Ring der Macht, mit dem er sein eigenes Volk, die Nibelungen, ausbeutet und versklavt. Auch das Drama um Wotan wird im Einheitsbühnenbild verortet. Wotan ließ sich die Burg Walhall bauen, ohne die Rechnung bezahlen zu können. Mit Loges Hilfe luchst Wotan Alberich den Ring ab, woraufhin Alberich das Schmuckstück verflucht. Das Unheil nimmt seinen Lauf.

Das Sänger-Ensemble wartet mit vielen tiefen und ausdrucksstarken Männerstimmen auf. Der gebürtige Engländer Simon Neal mimt den Wotan mit kräftigem Heldenbariton. Michael Kraus verkörpert den habgierigen und rücksichtslosen Alberich mit auch stimmlich eindrücklicher Präsenz. Der österreichische Tenor Norbert Ernst gestaltet den Loge souverän mit facettenreicher Stimmführung. Darstellerisch famos und überraschend stimmkräftig begeistern auch Anke Krabbe, Roswitha Christina Müller und Ramona Zaharia als Rheintöchter. Axel Kober lässt die Düsseldorfer Symphoniker das Geschehen wirkungsvoll musikalisch grundieren oder kommentieren.

Die zweieinhalb Stunden der Vorführung vergehen schnell. Obwohl die Charaktere teils recht konventionell gezeichnet sind, machen insbesondere die Figurenführung und die einhergehende unheilvolle Rheingold-Exposition auf das weitere Ring-Geschehen gespannt.

DAS RHEINGOLD (Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf, 13.6.2019)

Musikalische Leitung: Axel Kober

Inszenierung: Dietrich W. Hilsdorf

Bühne: Dieter Richter

Kostüme: Renate Schmitzer

Licht: Volker Weinhart

Dramaturgie: Bernhard F. Loges

Besetzung:

Wotan … Simon Neal

Donner … David Jerusalem

Froh … Ovidiu Purcel

Loge … Norbert Ernst

Fricka … Renée Morloc

Freia … Anna Princeva

Erda … Susan Maclean

Alberich … Michael Kraus

Mime … Cornel Frey

Fasolt … Bogdan Talos

Fafner … Thorsten Grümbel

Woglinde … Anke Krabbe

Wellgunde … Roswitha Christina Müller

Floßhilde … Ramona Zaharia

Düsseldorfer Symphoniker

Premiere war am 23. Juni 2017 am Opernhaus Düsseldorf.

Nächste Termine: 2.11., 21.12.2019 und 7.4.2020 am Opernhaus Düsseldorf und 12.11.2019 am Theater Duisburg.

Weitere Infos siehe auch: https://operamrhein.de/de_DE/repertoire/das-rheingold.1089194

10:40 27.06.2019
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Ansgar Skoda

Redakteur& Kulturkritiker u.a. bei der "TAZ"& "Kultura Extra" http://about.me/ansgar.skoda Freiberuflicher Social Media Manager
Ansgar Skoda

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