ERNIE UND BERT UND DIE IDEOLOGEN DES KRIEGES

Kriegstreiberei Am 12. 04. erschien in der „Zeit“ unter der Überschrift der Artikel „Gift für die Weltpolitik: Was Syrien und der Fall Skipal verbindet“. Hierzu ein Kommentar.
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Die Zeit“ ist eine Zeitung für die Gescheiten dieser Republik. Diejenigen, die wissen, dass es neben schwarz und weiß auch grau gibt. Kaum ein Oberstudienrat, der nicht bisweilen auf Basis einer Inspiration aus der Zeit seinen Unterricht plante. Es ist das Bildungsblatt in Deutschland und deswegen betreibt es Hetzte auch nicht nach Art eines Donald Trump - dafür sind die Kollegen der Bildzeitung zuständig – sondern in einer Art grünen, liberalen, christsozialdemokratischen Gesamtkunstwerk.

Dabei ist die Sache nicht kompliziert. Während man bei den Kollegen von Bild auch auf Affekte abzielt und dabei den Schlüssel radikaler Simplifizierung benutzt, geht’s bei der Zeit gerade andersrum. Hier ist die Differenzierung der Schlüssel, um seine primitive Botschaft unters Volk zu bringen.

Aber nur mit Differenzierungen kämen auch die Zeit-Redakteure nicht sehr weit. Wesentlicher noch ist, was auch bei der Bild beliehen wird: Moral. Beide Bildungsorgane sind im Auftrag einer Moral unterwegs, die jeder anderen sichtlichen Idee überlegen ist und daher der rücksichtslosen und vorbehaltslosen Verteidigung bedarf: westliche Werte und Lebensart. Jedenfalls wenn es um die Außenpolitik und wirtschaftliche Interessen geht.

Diese Interessen aber werden nicht als solche benannt, sondern westliches Handeln gilt dann als Menschheitsauftrag. Pro bono contra malum, lautet das primitive Mantra, dass dann mit allerlei Differenzierungen, Vor- und Rücksprüngen unters akademisch gebildete Volk gebracht wird und dort gerne und begierig - als diskussionswürdiger Input - die gefühlige Selbstbespiegelung guter Menschen bereichert.

Dabei wird nach Kräften die Dialektik bemüht. Nicht als Mittel der Erkenntnis, sondern der Verwirrung. Gemäß der Maxime, dass Beziehungslosigkeit nicht nur so gedeutet werden kann, nichts miteinander zu tun zu haben, sondern im Gegenteil Beziehung bedeutet, deren Gemeinsamkeit gerade die der Beziehungslosigkeit ist.

Während also um Analyse bemühte Menschen fragen, welches Interesse sollte beispielsweise die syrischen Machthaber haben, in einer so gut wie gewonnenen Schlacht Giftgas einzusetzen, um dann in der Antwort zumindest gewaltige Fragezeichen in Hinblick auf das dominierende westliche Narrativ aufzuwerfen, machen es die Zeitredakteure Bittner, Frehse und Ulrich so, dass sie das Zweifel auslösende Moment nicht bestreiten, sondern bestätigen. Das eben würde ja beweisen, dass es nur um Provokation gehen kann. Eine Provokation, die auf die Zerstörung der Gemeinschaft der Gutmeinenden- und willigen abzielte. Da jede Reaktion des guten Teils der Welt, Zweifel und Zwietracht bei uns auslöst, beweist dies schon allein die Niedertracht, vom Gift des Gases ganz zu schweigen.

Der gute Studienrat soll in Kriegslaune geraten, weil er dem Nasenring, an dem der Westen von den bösen Mächten - vorneweg den Russen - durch die Manege geführt wird, nun selbst in seiner Nase spürt. Die Schutzmacht der Freiheit hat Ansagen gemacht und wird permanent vom Protektorat des Bösen provoziert, weil das Böse keine Probleme hat, Gas einzusetzen, um Kinder, Frauen und wehrlose Alte zu töten. Derweil die Guten - um die Gewalttätigkeit des Krieges wissend - vor dem Einsatz der militärischen Gewalt zurückschrecken und so vom Bösen als Papiertiger vorgeführt werden.

Dabei begreift er – der akademische Zeitleser – dass er mit seinen Zweifeln selbst zum Handlanger des Bösen geworden ist und seine Humanität von Russen, Iranern und Nordkoreaner aller Arten missbraucht wird, um den Westen an einer kraftvollen Aktion gegen die Kräfte der Antihumanität zu hindern. Anders als im Putins Reich der Oligarchenherrschaft, ist der Westen natürlich auf Legitimierung durch Zustimmung angewiesen, weswegen das Eintreten für humanitäre Aktionen mit den Mitteln des Militärs, auch zwingend und geradezu Bürgerpflicht ist.

Der heutige Angriff der Amerikaner, Briten und Franzosen auf drei syrische Ziele, wird von den Ideologen des Krieges, die die Idee von Himmel und Hölle hiernieden auf der Erde, auf der Folien vom Westen und dem Rest nachspielen, nicht ausreichen. Schließlich war es ja nicht Assad, der in England Giftgas eingesetzt hat! Der Verweis auf das Monster in Damaskus, lenkt ja nur vom Kreateur dieser Kreatur ab.

Man wird daher weiterhin daran arbeiten, die Beziehungen zu Russland zu destabilisieren und insbesondere jeder Idee entgegenzutreten, die – ob richtig oder falsch – versucht Politik auf der Ebene von Interessen begreifbar zu machen. Da werden dann selbst Figuren wie der Chef der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger tendenziell sympathisch, weil er zumindest versucht, die Interessenslage der Europäer von der der US Amerikaner abzugrenzen, wie z.B. in einem Interview mit dem Deutschlandradio von gestern – 13.04.2018 -, in dem er sagt: „Wir als 500 Millionen Europäer, die wir doch diejenigen sind, die die Folgen dieser Militäreinsätze in dieser Region mehr zu tragen haben als alle anderen, weil die Folgen ja bei uns bereits angekommen sind“.

Er bezieht sich dabei auf eine fehlende gemeinsame Politik der EU-Staaten in Bezug auf Syrien und deutet dabei nur zart an, dass die Stabilität Syriens, ein wesentlicheres Ziel sein könnte, als das freie und allgemeine Wahlrecht der Syrer, was er vielleicht in Trumps Besprechung von Assad als Tier und Monster, als die etwas seriösere Besprechung vermuten könnte, um das alte Ziel Assads Sturzes zu reaktivieren. Interessant bei dieser Sichtweise besonderer europäischer Betroffenheit ist etwas anderes: Die Rhetorik, in der man selbst zum Guten und der Gegner zum Schlechten verkommt, hat das Problem, dass der aktive Kampf für das Richtige zum Gradmesser der eigenen Moralität wird und man sich so selbst zum Handeln zwingt.

Die Dezision ist dann das Einzige, was noch Erlösung bringen kann und für schnöde Interessensabwägung ist dann kein Platz mehr. Deswegen muss man sich jetzt klar machen, dass friedliche Beziehungen zur Atommacht Russland für Europa nicht essentiell, sondern sogar existenziell sind. Niemand sollte sich der Illusion hingeben, dass eine Eskalation der Beziehungen zu Russland ein natürliches Ende vor dem Einsatz von Atomwaffen finden wird.

Da wird von denen, die Russland unter Putin, für ein Reich, unter der Knute des Fürsten der Finsternis halten, zugleich zuviel Rationalität bzw. Feigheit unterstellt. Das Böse stellt man, indem man ihm mutig die Stirn bietet, dass hält es nicht aus und verschwindet lieber feige, als im fairen Kampf zu unterliegen, mögen die im Glauben festen Ideologen annehmen, nur gibt es dafür leider keinerlei Garantien.

Wer die Abwesenheit von Krieg, der keineswegs sicheren Annährung an einen idealen Zustand vorzieht, sollte sich den Ideologen mit nüchternen Fragen aus Kindertagen entgegenstellen: „Wer, wie, was, wieso weshalb warum?

11:59 14.04.2018
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