Mc Klo

KULTURanSCHAFFENDE Einige deutsche Stars machen gerade schwere Zeiten durch. Werbung soll nicht mehr cool, sondern Verrat an Idealen sein. Oliver Korritke versteht nur noch Bahnhof.
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Moritz Bleibtreu als Cheeseburger, Alexandra Maria Lara als Coke Light, Christian Ulmen als Bio Apfeltüte“ usw. „Für seine neue Angebotsplattform ‚1+1’ hat McDonald’s gleich zehn hochkarätige deutsche Schauspieler und Musiker auf die Bühne gebeten. In den TV-Spots... erklären sie das neue Angebot, indem sie in die Rolle eines Produkts schlüpfen. Denn ab sofort gilt in allen teilnehmenden McDonald’s Restaurants: 1+1=2 – also ein Snack plus ein Getränk für nur zwei Euro“.

So hat es Mc Donalds selbst der interessierten Öffentlichkeit mitgeteilt. Mittlerweile hatten einzelne der Spots bei YouTube bereits mehr als 100.000 Aufrufe. Der Umsatz wird auch gestiegen sein. Also ganz normales Geschäft. Nicht ganz. Die Fans von Moritz Bleibtreu et al. sind not amused. Ihnen liegt nicht nur der Klops als solcher schwer im Magen, sie sind geradezu entsetzt, dass die von ihnen verehrten Stars sich für eine Werbung für Mc Donalds hergeben. Auf den Facebookseiten der Stars gibt es kräftig Gegenwind.

Nicatea Nicatea schreibt:“WAS HABT IHR EUCH DABEI GEDACHT UND WISST IHR EIGENTLICH WIE WEITREICHEND DAS IST? Lieber Herr Bleibtreu, voll mit Talent...

Tri Xi Lee ist ebenfalls enttäuscht: „ganz ehrlich, das würde mich auch interessieren. aus welchem grund macht man werbung für diesen konzern, wenn NICHT der kohle wegen? ey, ich krieg echt n hals!“ Peter Schiller macht kurzen Prozess:“Werbung fuer McDonalds? Du bist fuer mich gestorben“. Bei Moma-Art Mignon macht sich eine Art Verzweiflung breit:“Du bist so ein guter Schauspieler...aber wie konntest du nur für Mc Donalds werben“ und Ikeaneindanke Savetheplanet, deren Name ja fast schon eine Weltanschauung ist, fordert eine Stellungnahme: “im ernst moritz .. bist du so pleite, dass du diese schwelle übertreten musstest? .. dich nackt vom kölner dom abzuseilen hätte doch auch publicity gebracht, OHNE den menschen und vor allem jugendlichen vorzugaukeln, was für ein gesundes fantastisches unternehmen McDo ist .. ziemlich peinlich .. wie wäre es denn mal mit einer stellungnahme?“ Auch Alexandra Maria Lara bekommt jetzt nicht mehr nur nette Fanreaktion. Gerhard Weidmann stellt fest: „Jetzt ist Ihr Ruf ruiniert! Sie haben Ihre Seele an einen Tierquäler- Konzern verkauft und sich damit ein sehr schlechtes Karma eingehandelt, Frau Alexandra Maria Lara! Jetzt werden Sie von sämtlichen Tierschützern verachtet! War's das wirklich Wert? Sie tun mir leid!“ Hartmut Ihl fast es kürzer zusammen: „Gier frisst Hirn!!“ und Ulrich Rosenbaum versucht es mit Nachhilfe: „Ich empfehle den Film "Supersize me", der zeigt, was mit jemandem passiert, der sich täglich bei McDonald's ernährt. Da vergeht einem der Appetit“.

Natürlich gibt es auch die anderen, die die Empörten darauf hinweisen, dass sie, bekämen sie das gleiche Geld für die Werbung wie die verehrten Stars, es genauso machen würden oder einfach nur auf das Leben verweisen: So ist das nun mal. Michael H. Ga. Ist schwer genervt: „Keiner geht zu McDonald's aber jeder weiß, wie ein Cheesburger schmeckt“ schreibt er und: „Euro Scheinheiligkeit kotzt mich einfach an. Jedes Unternehmen zielt darauf ab Gewinne zu maximieren. Wenn euch McDonald's nicht passt, dann geht eure Tofuburger essen und lasst andere Leute ihre Arbeit machen!

Klar ist auf jeden Fall, an Mc Donalds scheiden sich die Geister. Es ist offensichtlich nicht einfach nur ein Unternehmen, dass „Gewinne maximiert“ , sondern eines, dem man unmoralische Handlungen unterstellt, um an das Geld der Kunden zu kommen.

Bei der Auseinandersetzung mit Mc Donalds ist der Grad an prozesshaften Denken weit fortgeschritten. Hier werden Dinge miteinander kombiniert, die sonst isoliert betrachtet werden. So sieht man bei Mc Donalds das Produkt Hamburger nicht einfach nur als Fleischklops, sondern sieht gerodete Regenwaldflächen vorm geistigen Auge, die jetzt mit Soja bepflanzt sind, der wiederum dem Rind als Futter dient und schon fährt ein Frachter beladen mit Futtersoja von Brasilien nach Deutschland und Zorn über diesen ökologischen Wahnsinn wallt auf. Beim Betrachten der Arbeitsbedingungen der Beschäftigten des Konzerns, will auch keine Freude aufkommen. Stundenlöhnen unterhalb von 8,50 Euro brutto, harten Arbeitsbedingungen und am Ende ein Produkt, dass im Vergleich mit den Konkurrenzprodukten immer deutlich schlechter abschneidet. Das kalorienreich ist, dem es aber an Ballaststoffen mangelt und das deswegen nicht satt macht. Mit einem Wort: Dreck. Aber nicht irgend einer, sondern der bestbeworbene Dreck der Welt. Allein in Deutschland besitzt McDonald's an die 1.400 Filialen davon betreibt McDonald's etwas weniger als 20 Prozent selbst. Der Rest wird von Franchisenehmern geführt. Alle Filialen zusammen erzeugen einen Umsatz von drei Milliarden Euro im Jahr. Macht bei einem unterstellten Umsatz von 10 Euro pro Person und Besuch, 300 Millionen Besucher im Jahr. Damit ist Mc Donalds auch in Deutschland die erfolgreichste Klopsbräterei. Marketing und Werbung sei Dank.

H & M ist auch ein sehr erfolgreicher Konzern. Auch für ihn werben Prominente. So zum Beispiel Kylie Minogue, David Beckham oder Lana Del Rey. Niemanden von ihnen widerfuhr, was jetzt gerade die Bio-Apfeltüte Christian Ulmen durchmacht. Irgendwie komisch, denn die Kleidung von H & M wird in Bangladesch und überall, wo Arbeitskraft nichts kostet und die Arbeitsbedingungen schlecht sind, gefertigt. Baumwolle fällt auch nicht vom Himmel, sondern wird mit viel Aufwand an Mineraldünger und Pestiziden angebaut und die Arbeitsbedingungen und die Bezahlung bei H & M sind ebenfalls schlecht.

Da kommt man schon ins Grübeln. Offensichtlich verstärkt sich die Abneigung umso mehr, wie das Produkt selbst angreifbar ist. Da Mc Donalds selbst zum Synonym für Fehlernährung und Fettleibigkeit geworden ist, erlaubt dies eine vollständig kritische Betrachtung, bei der man selbst und die anderen nur Opfer sind. Also selbst wenn man regelmäßiger Konsument von Mc Donalds-Produkten ist, man identifiziert sich nicht mit den Produkten, sondern betrachtet sie in etwa so wie Zigaretten. Böse Suchtstoffe, die einem den Willen stehlen.

Natürlich gibt es auch die anderen, die gerne zu Mc Donalds gehen und es cool finden, dass noch coolere Stars jetzt für Mc Donalds werben aber die supercoolen Stars werden es wahrscheinlich ziemlich doof finden, dass ausgerechnet die kritischen Geister ihrer Fangemeinden jetzt mit ihnen fremdeln. Bilden sie sich doch ziemlich was auf ihre Unangepasstheit und Individualität ein, die gerade von ihren Fans infrage gestellt wird.

Der Star, reduziert auf die Frage: was kostet der Spaß? Das ist nicht lustig, oder doch?

12:05 04.06.2013
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

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