Karnickelsprak Rhizom

Kaninchenwiese: Mit großer Begeisterung entdecken die beiden kleinen Passagiere eine philosophische Begründung, warum die Welt als Wurzel vorstellbar ist
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Dieser Blog kommt aus der Zukunft. 05.10.20?? Happy und Nele haben neues philosophisches Blätterfutter in der fruchtbaren Bordbibliothek des archinaut: ausgemacht:

Wir sprechen nur noch von Vielheiten, Linien, Schichten, Segmentierungen, Fluchtlinien und Intensitäten, maschinellen Verkettungen und ihren verschiedenen Typen, organlosen Körpern und ihrer Konstruktion und Selektion, über den Konsistenzplan und die jeweiligen Maßeinheiten..... Schreiben hat nichts mit Bedeuten zu tun, sondern mit Landvermessen und Kartographieren, auch des gelobten Landes.

In ihrem Text „Rhizom“ beschreiben Gilles Deleuze und Félix Guattari die Lesarten und das Wachstum der Erkenntniswelt als Methode:

„Das Viele (multiple) muss man machen: nicht dadurch, dass man fortwährend übergeordnete Dimensionen hinzufügt, sondern im Gegenteil ganz schlicht und einfach in allen Dimensionen, über die man verfügt: jedes Mal n-1 (Das Eine ist nur dann ein Teil der Vielheit, wenn es von ihr abgezogen wird).“

Weiter, weiter, es riecht nach frischem Grün.

„Ein solches System kann man Rhizom nennen. Als unterirdischer Spross unterscheidet sich ein Rhizom grundsätzlich von großen und kleinen Wurzeln. Knollen und Knötchen sind Rhizome. Pflanzen mit großen oder kleinen Wurzeln können in vielerlei Hinsicht rhizomorph sein: man muss sich wirklich fragen, ob nicht das Rhizomorphe gerade das Spezifische an der Botanik ausmacht. Auch die Tiere sind es, wenn sie Meuten bilden, z.B. die Ratten. Ein Bau ist in allen seinen Funktionen rhizomorph: als Wohnung, Vorratslager, Rangiergelände, Versteck und Ruine.......“

Happy und Nele kuscheln sich wohlig am wärmenden Kamin der Bilder.

„Wir ahnen schon, dass wir niemanden überzeugen werden, wenn wir nicht annäherungsweise bestimmte Merkmale des Rhizoms aufzählen. 1. und 2. – Prinzip der Konnexion und der Heterogenität. Jeder beliebige Punkt eines Rhizoms kann und muss mit jedem anderen verbunden werden...“ Happy und Nele trinken die Texte von Seite zu Seite ...

„3. – Prinzip der Vielheit: ... das Viele als Substantiv, als Vielheit....Vielheiten sind rhizomatisch und entlarven die baumartigen Pseudo-Vielheiten....4. Prinzip des signifikanten Bruchs..... Ein Rhizom kann an jeder beliebigen Stelle gebrochen und zerstört werden, es wuchert entlang seinen eigenen oder anderen Linien weiter. Man wird mit den Ameisen nicht fertig, weil sie ein tierisches Rhizom bilden....Wir „machen Rhizom“ mit unseren Viren oder besser: unsere Viren „machen“ uns mit anderen Tieren „Rhizom machen“....Immer das Molekulare suchen oder sogar das submolekulare Teilchen, mit dem wir eine Verbindung eingehen ..5. und 6. – Prinzip der Kartographie und der Dekalkomanie: ...das Rhizom..ist Karte und nicht Kopie....Die Karte reproduziert nicht ein in sich geschlossenes Unbewusstes, sondern konstruiert es... Vielleicht ist es eines der wichtigsten Merkmale des Rhizoms, viele Eingänge zu haben.....Rhizomorph sein, heißt Stengeln und Fasern produzieren, die aussehen wie Wurzeln oder besser: die gemeinsam mit ihnen in den Stamm eindringen und einen neuen und ungewöhnlichen Gebrauch von ihnen machen..... Nur unterirdische Sprösslinge und Luftwurzeln, Wildwuchs und das Rhizom sind schön, politisch und verlieben sich. Amsterdam: Stadt ohne Wurzeln, Rhizom-Stadt der Stengel-Kanäle, wo sich in einer Handelskriegsmaschine Nützlichkeit mit größtem Wahnsinn verbindet.“

Happy und Nele sind glücklich über die Entdeckung des Rhizoms, weil da auch Kaninchen einen Platz finden können. Sie werden eine Karte in den Schlossgrund schreiben.

„Macht Rhizome und keine Wurzeln! Seid nicht eins oder viele, seid Vielheiten!

Lasst Euch keinen General entstehen! Macht Karten, keine Fotos oder Zeichnungen! Seid der rosarote Panther! Und mögen Eure Lieben sein wie die Wespe und die Orchidee, wie die Katze und der Pavian!“

(alle Zitate aus „Rhizom“, dt. Berlin 1977, frz. Paris 1976)

Hier endet der 38. Eintrag: Dieser Blog mischt Fiktion mit Realität. Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen sind zufällig und in der historischen Überlieferung nicht verbürgt. Ich bin nur der Navigator, mein Name sei NEMO:

Ich schreibe um unser Leben. Bitte bleib dran.

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14:22 14.11.2009
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Geschrieben von

archinaut

Ein Blick weitet den Horizont: Dieser Blog zieht um die deutschen Häuser
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sachichma | Community
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hibou | Community