Liebe Medien, es reicht!

Medien, nur konstruktiv Es wird zu viel gemeckert in den Nachrichten dieser Welt. Kann das nicht alles ganz anders sein? Ich habe keine Lust mehr mir anzuhören, wie schlecht die Welt ist
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community
Liebe Medien, es reicht!
Wer sucht, kann ihn zwischen all den anderen Angeboten finden: Constructive Journalism
Foto: kconcha / Pixabay (CC0)

Trump ist gerade mal eine Woche im Amt und täglich erreichen mich Hiobsbotschaften, was er denn schon alles als Präsident angerichtet hat. Der Grundstein der Mauer zu Mexiko ist fast gelegt, Programme von Organisationen, die Abtreibungen unterstützen, wurden eingestampft und der Klimawandel soll ab sofort von der obersten Umweltbehörde geleugnet werden.

Wechsle ich das Thema, wird es nicht besser. Auslandsnachrichten: Großbritannien, ach Gott. Türkei, Ach Gott, ach Gott. Syrien, grundgütiger! Ich möchte meinen Fernseher aus dem Fenster werfen und mich weinend hinter meinem Kleiderschrank verstecken. Adé liebe freie Welt, adé Europa, adé Menschlichkeit.

Vom Nachrichten gucken werde ich entweder depressiv oder in meinem Politikgefühl täglich ohnmächtiger. Und dank Dauerberieselung durch Facebook oder Online-Newsportale geht das im Sauseschritt. Kann jemand diese dauerhafte Penetration mit dem Schlechten bitte abstellen? Für mich heißt das aber noch lange nicht Blumen binden und Esskastanienmännchen bauen. Ich will Politik! Ich will Nachrichten! Ich will wissen, was auf der Welt passiert! Aber bitteschön nicht jeden Tag den Weltuntergang. Ich will Lösungen! Und Sinn! Und etwas Konstruktives!

Beim Googlen stoße ich auf die Themenwoche des NDR zu "constructive journalism", es geht um konstruktiven Journalismus. Es geht um Formate und Medien, die versuchen Lösungsansätze zu bieten, die ihre Sprache abwägen, nicht alles in den Farbeimer "Krise" tauchen und ein kompletteres Bild der Dinge zeichnen. Worum es nicht geht, ist alles rosarot zu zeichnen. Das wären "positive news" lerne ich, das will ich auch nicht.

Ich wünsche mir aber ein anderes Verständnis von Journalismus, als es die skandalgetriebenen Krisenverlautbarer zuweilen haben. Im NDR werden verschiedene Medien genannt, die so etwas versuchen: "Perspective Daily", ein Online-Format, das jeden Tag einen Artikel anbietet, in dem "zeigen was geht" das Motto ist. Ein utopisches Politikmagazin namens "Kater Demos", das über machbare Alternativen schreibt. Ich entscheide mich dafür zweiteres auszuprobieren und stoppe auf dem Weg zur Uni am Kiosk. Die Kioskfrau guckt mich fragend an, als ich nach dem Titel frage. Nach etwas Suche kann sie aber das letzte Exemplar in ihrem Kiosk ausfindig machen.

"Medien" prangt da das Schwerpunktthema auf dem blutroten Titel, auf dem eine Hand mit einer Zeitung aus einem Smartphone ragt. Sieht ja noch nicht sehr "konstruktiv" aus. Aber das Thema passt ja gerade zu dem, was mich bewegt, also: zugegriffen. Das Magazin ist gefühlt ein ganzer Almanach. Wie Boulevardjournalisten ticken, wer die schlimmen Sachen bei Facebook kuratieren muss und sogar etwas über "constructive journalism" und Perspective Daily! Zwischendrin gibt es immer wieder Katzen (warum?) und andere sehr schöne Illustrationen. Am Ende steht ein "flammendes Plädoyer für den Journalismus" und Empfehlungen, was ich selber machen kann, um was zu verändern. Zum Beispiel, dass ich wirklich gute Medien unterstützen soll, sonst kriegen die das erst gar nicht hin mit gutem Journalismus, wenn niemand mehr für zahlt. Hochmotiviert schließe ich ein Abo für eine Wochenzeitung ab. Und bestimmt bald auch eines für Kater Demos.

Liebe Medien: Mehr davon, bitte.

19:00 27.01.2017
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Ariana Müller

Journalistin, Weltverbesserin, Autorin
Ariana Müller

Kommentare 19