Anna Nicole Smith' Leben auf der Opernbühne

Gegenwartsoper Das Leben des Playmates Anna Nicole Smith endete tragisch. Der britische Komponist Mark-Anthony Turnage hat eine Oper daraus gemacht. Zu erleben in Dortmund.
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Nach London feierte “Anna Nicole” am Dortmunder Opernhaus Kontinentalpremiere und deutsche Erstaufführung zugleich. Der Dortmunder Opernintendant Jens-Daniel Herzog besorgte die Inszenierung. Publikum und Presse sind voll des Lobes.

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Auf der Premierenfeier: Im Hintergrund links Emily Newton (Anna Nicole). In der Mitte des Bildes Komponist Mark-Anthony Turnage. Daneben Librettist Richard Thomas; Foto: ansansoerpress35

Mit neuen Opern ist es so eine Sache. Sie sind nicht nach jedermanns Geschmack. Das Publikum ist oftmals erst einmal skeptisch ihnen gegenüber. Viele bleiben da lieber beim Alten. Aber auch die Oper will und muss sich weiter entwickeln. Sonst ist sie tot. Und wenn es schon zeitgenössische Komponisten wagen eine Gegenwartsoper zu komponieren, so muss dieses Werk auch Bühnen finden, die es dann aufführen. Was nicht gespielt wird, ist nicht relevant. Und ist es manchen dieser Werke vergönnt inszeniert und gespielt zu werden, verschwinden manche von ihnen schon bald danach wieder sang- und klanglos in der Versenkung. Nicht so “Anna Nicole” des britischen Komponisten Mark-Anthony Turnage (Libretto: Richard Thomas).

London - Dortmund - New York

Das Werk, das die tragische Geschichte des Playmates Anna Nicole Smith, mit bürgerlichen Namen Vickie Lynn Marshall, veropert zum Inhalt hat, wurde nach London (Royal Opera Covent Garden) nun auch als Kontinentalpremiere in Deutscher Erstaufführung am Opernhaus Dortmund inszeniert. Readers Edition informierte. Nach Dortmund steht im September dieses Jahres eine Premiere in New York an. Sie wird der Bochumer Generalmusikdirektor Steven Sloane dirigieren.

Stehende Ovationen für “Anna Nicole”

Die zweite Inszenierung von “Anna Nicole” sicherte sich der Dortmunder Opernintendant Jens-Daniel Herzog. Er hat offenbar gut daran getan. Die kontinentale Premiere vergangenen Samstag in Dortmund wurde mit stehenden Ovationen gefeiert. Auf der anschließenden Premierenfeier im Foyer des Dortmunder Opernhauses gestand Regisseur Jens-Daniel Herzog unbändig froh darüber gewesen zu sein, endlich einmal eine Oper zu inszenieren, die quasi in “unserer Zeit” spielt. Denn so lange liegt sie ja in der Tat nicht zurück. Allen an der Inszenierung beteiligten Künstlerinnen und Künstlern, Maske, Garderobe, sowie Technik und Beleuchtung zollte der Dortmunder Intendant großes Lob für die erbrachten gemeinschaftlichen Leistungen und dankte für die Bereitschaft auch Sonderschichten einzulegen. Für all das halt, was nötig gewesen war, um “Anna Nicole” zu einem tollen Opernerlebnis werden zu lassen. Die Premierenfeiergäste applaudierten fleißig. Ein Riesenbeifall wurde erwartungsgemäß der hervorragenden Sängerdarstellerin Evelyn Newton (Anna Nicole) zuteil. Jens-Daniel Herzog hatte deren spitzenmäßige Bühnenpräsenz und deren sängerischen Leistungen von den ersten Proben bis hin zur Premiere in höchsten Tönen gelobt. Herzog: Eine Persönlichkeit wie Newton ziehe ein ganzes Ensemble mit. Eben, weil sie durch Leistung überzeugt habe. Irgendwo stand zu lesen, Emily Newton habe die ganze Probenzeit über nur so vor Energie gesprüht. Sie sei “einfach nicht tot zu kriegen” gewesen.

Zweite Aufführung von “Anna Nicole” ist ein gutes Omen. Aber wird das Werk einen festen Platz im Opernrepertoire erobern?

Für die Geschäftsführende Direktorin des Theater Dortmund, Bettina Pesch, hatte zu Anfang der Premierenfeier gesagt, es sei ein gutes Omen, dass “Anna Nicole” nun schon eine zweite Inszenierung erlebte und dieser eine dritte bald in New York folge. Ob Turnages “Anna Nicole” freilich einen festen Platz im gängigen Opernrepertoire erobern wird, muss indes die Zukunft zeigen. Mit neuen Opern ist es bekanntlich so eine Sache. Manch alte Operfreunde finden wenig Geschmack an neuer Opernkost. Die Gründe dafür sind vielfältig. Einer davon lautet oft: zu unharmonisch. Über “Anna Nicole” kann das eigentlich so nicht gesagt werden. Turnages Musik nimmt Anleihen u.a. bei Jazz und Musical, hat aber selbstverständlich opernhafte Züge. In Momenten blitzen musikalische Elemente auf, die an Kurt Weill-Klänge denken lassen. Und “Anna Nicole” erzählt einfach eine packende Geschichte. Eine Story, die gewiss auch Bert Brecht interessiert haben könnte. Librettist Richard Thomas hat es m. E. gut verstanden die wichtigsten Lebensstationen der Anna Nicole Smith verständlich nachzuzeichnen. Die Texte sind deftig-kräftig und in Teilen natürlich auch saftig vulgär. Wie es die Geschichte verlangt. Anna Nicole Smith starb an einer Medikamtent-Überdosis. Jens-Daniel Herzog dazu: Diese Oper enthalte wohl die längste pharmakologische Arie der Opergeschichte. In ihr werden sämtliche Medikamente aufgezählt, die zum Tode des Playmates führten.

Pressestimmen zu “Anna Nicole”

“Eine neue Oper, die thematisch gerade aufgrund der tragikgeladenen modernen Story, ihrer musikalisch genialen Umsetzung und des zum Glück nicht abgehobenen Librettos auf ganzer Linie überzeugt”, schreibt Miriam Rosenbohm (Opernetz.de).

In der Kritik der “Silikonsaga” von B5 (Bayerischer Rundfunk) ist die Rede von einer “bewegenden Sozialstudie”, die “optisch-grell” inszeniert worden sei. Im Interview mit B5 nennt Komponist Mark-Anthony Turnage die Geschichte der Anna Nicole “furchtbar, aber auch sehr reichhaltig”. Die “grandiose Emily Newton”, die Sängerdarstellerin der Anna Nicole bekommt in der Kritik hervorragende Noten.

In einem Probenbericht der WDR-Lokalzeit bezeichnet der Dortmunder Opernintendant und Regisseur der “Anna Nicole”, Jens-Daniel Herzog, die Geschichte des Playmates als typisches Beispiel einer “Selbstoptimierung” (vom Tellerwäscher zum Millionär werden zu können) im Kapitalismus. Aber wer hochsteigt, kann eben auch tief fallen. Ein “Star” den die Medien hochjazzen, lassen sie rasch auch wieder fallen wie eine heiße Kartoffel, wenn nicht mehr proftitabel, weil ausgelutscht, ist. Herzog: “Anna Nicole” sei der “Amerikanische Traum hin und zurück”.

Julia Gaß von den Ruhrnachrichten über den “Busenwunder-Blues”: “Anna Nicole” vom Briten Mark-Anthony Turnage begeisterte am Samstag im Dortmunder Opernhaus mit einer tollen Regie und einer überragenden Sängerin in der Titelrolle und lockte auch jüngeres Publikum an.”

“Mit Beifall im Stehen feiert das Dortmunder Publikum die Aufführung der Oper „Anna Nicole“” berichtet Monika Willer auf “derwesten.de”.

Weitere Vorstellungen von “Anna Nicole” im Opernhaus Dortmund (Theater Dortmund): So, 05. Mai 2013, Fr, 10. Mai 2013, Fr, 17. Mai 2013 und am Mi, 29. Mai 2013

15:44 04.05.2013
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Geschrieben von

asansörpress35

Politischer Mensch, der seit der Schulzeit getrieben ist, schreibend dem Sinn des Lebens auf die Spur zu kommen.
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