Flüchtlinge in Berlin - Medien schauen weg

Hungerstreik Fünfhundert Kilometer sind Flüchtlinge von Würzburg nach Berlin gelaufen, um der Politik ihre Forderungen vorzubringen. Einige sind sind in einen Hungerstreik getreten.
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Nachdem Flüchtlinge aus mehreren Ländern aus Würzburg kommend 500 Kilometer nach Berlin marschiert und dort Anfang Oktober angekommen sind, um in der Hauptstadt auf unhaltbare Lebensbedingungen in Asylbewerberheimen aufmerksam zu machen, campieren sie momentan bei zunehmender Kälte in Wind und Wetter auf dem Oranienplatz in Berlin. Zelte und sogar Isomatten sind ihnen von der Polizei weggenommen worden. Auch schlagen dürfen sie nicht. Schließlich, so die zynischen Vorschriften seitens den Behörden, heiße ihre Aktion ja auch "Mahnwache" und sei nur als solche geduldet. Inzwischen herrschen zuweilen eisige Temperaturen. Dennoch wollen die Fllüchtlinge ausharren , um gegen die deutsche Asylpolitik zu protestieren. Meldungen in sozialen Netzwerken wie Twitter und Facebook zufolge sind einige Flüchtlinge in einen Hungerstreik getreten.

Etwa 14 Hungerstreikende sollen sich am Sonntag auf dem Pariser Platz, aufgehalten haben. Immer wieder wurden die Flüchtlinge von der Polizei auf Trag gehalten. Es soll auch zu Beleidigungen seitens einiger Beamter gekommen sein. Trotzdem versicherten die Menschen: "Wir bleiben, bis die Politiker unsere Situation verbessern." Unbarmherzig sollen Polizisten sogar aufgespannte Regenschirme eingesammelt haben. Diese hatten den Hungestreikenden als Schutz dienen sollen.

Die Polizei hat die wohl 30-köpfige Gruppe unter ständiger Beobachtung. Die Flüchtlinge müssen auf dem nackten Boden sitzen. Jedwede Unterlagen sind ihnen untersagt. Es wird gemeldet, dass Sympathisanten sie mit dicker Kleidung und heißen Getränken versorgen.
Unter anderem fordern die Demonstranten einen Abschiebestopp und Arbeitserlaubnisse für Asylbewerber.
Wie zu erfahren war, hat sich die Ökumenische Bundesarbeitsgemeinschaft "Asyl in der Kirche" hinter die Forderungen der protestierenden Asylbewerber gestellt. Der staatliche Umgang mit Flüchtlingen und Asylsuchenden widerspreche dem christlichen Menschenbild sowie dem Grundgesetzartikel 1: Die die Würde des Menschen ist unantastbar. Die Residenz- und Lagerpflicht, das Arbeitsverbot, den fehlenden Zugang zu Bildung, die Verteilungspraxis von Flüchtlingen auf Bundesländer und Landkreise, das sogenannte Sachleistungsprinzip sowie die Dauer der Asylverfahren kritisieren mehrere Flüchtlings-Initiativen.

Was Vielen inzwischen sauer aufstößt: Die deutschen Medien - sonst in puncto Menschenrechten in aller Welt stets zur Stelle (meiste jedoch nur, wenn es politisch in den Kram passt) - glänzen im Wesentlichen durch Abwesenheit. In den Fernsehnachrichten kommen die frierenden Flüchtlinge nicht vor.

Die Flüchtlinge riskieren derweil ihre Gesundheit. Sie meinen wohl, sie hätten eh nichts zu verlieren, als ihre miesen Asylbedingungen. Manche von ihnen leben seit Jahren unter teils unmöglichen Bedingungen in deutschen Asylbewerberheimen. Oft werden die von den Flüchtlingen sozusagen als Vergrämungsanlagen wahrgenommen. Abschreckend für jeden neuen Asylbewerber. Psychisch zermürbend wirkend auf die dort untergebrachten Flüchtlinge. Der Liedermacher Heinz Ratz, der dieser Tage die Integrationsmedaille verliehen bekam (nd-Bericht) und keineswegs leichten Herzens annahm, besuchte etliche dieser Heime letztes Jahr auf seiner "Tour der 1000 Brücken" (RE-Interview mit dem Künstler und Aktivisten).

Nun wurde auf Facebook ein Offener Brief der Flüchtlinge am Brandenburger Tor veröffentlicht (via Occupy Dortmund):

Am 24.10.2012 sind in Berlin Flüchtlinge in den Hungerstreik getreten. Ihr Protest richtet sich gegen die derzeitige Asylpolitik der deutschen Regierung.

Dieser Streik und Protest findet derzeit unter unmenschlichen Zuständen statt. Den Flüchtlingen wurde verboten ein Zelt zu benutzen, mitgebrachte schützende Utensilien wie Schlafsäcke, Isomatten usw. wurden ihnen unter Anwendung von Gewalt seitens der Polizei entwendet.

Wir, die Unterzeichner dieses Briefes unterstützen die folgenden Forderungen der Flüchtlinge :

Abschaffung des Abschiebegesetzes
Anerkennung ALLER Asylsuchenden als Politische Flüchtlinge
Abschaffung der Residenzpflicht
Abschaffung der Lager und Sammelunterkünfte für Flüchtlinge

Außerdem fordern wir mit Nachdruck die entsprechenden Behörden auf, den Protest zu ermöglichen und das Schikanieren der Flüchtlinge unverzüglich einzustellen.
Ein menschenwürdiger Protest muss in Berlin möglich sein, dazu zählt die Erlaubnis für das Aufstellen eines Veranstaltungszeltes, sowie die Benutzung von schützenden Materialien, wie Schlafsäcke und Isomatten.

Unsere Solidarität gehört den Flüchtlingen, die sich unter schwierigsten Bedingungen für eine Verbesserung der Situation Tausender Menschen einsetzen, heißt es weiter auf Facebook.

Information: Inzwischen besteht die Möglichkeit online eine Petition zu unterzeichnen, um die Forderungen der Flüchtlinge zu unterstützen: hier via change.org

18:02 29.10.2012
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

asansörpress35

Politischer Mensch, der seit der Schulzeit getrieben ist, schreibend dem Sinn des Lebens auf die Spur zu kommen.
asansörpress35

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