Hat die Abschaffung der Deutschen begonnen?

Gesellschaft Akif Pirinçci wurde mit seinen Katzenkrimis zum Bestsellerautor. Nun behauptet er in einem fragwürdigen Text an Deutschen würde ein Genozid verübt. Ging's nicht kleiner?
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Mit unserer Gesellschaft ist es nicht zum Besten bestellt. Die Schere zwischen Arm und Reich klafft immer weiter auf. Daraus resultieren soziale Probleme. Die Ursachen dafür sind vielfältig. Man könnte stark verkürzt meinen: Das liegt am Wesen des Kapitalismus. Und man hätte gewissermaßen sogar recht damit. Schließlich sind dem Kapitalismus Krisen immanent. Dass unsere Gesellschaft ständig desolater wird, ja irgendwann gefährlich auseinander zu brechen droht, hat wesentlich mit zwanzig Jahren neoliberaler Politik zutun. Was uns schnurstracks in die Finanzmarktkrise geführt hat. Freilich wirken die damit verbundenen negativen Erscheinungen für viele Menschen hierzulande auch mit anderen – älteren, schon zuvor vorhandenen, lang schwelenden – Problemen zusammen. Eines von diesen Problemen ist die letztlich gescheiterte, weil zunächst weitere Jahrzehnte vorher nur auf das anscheinend Nötige beschränkte, dann verschlafene bzw. verdrängte. Integration von Einwanderern. Dazu kommt eine in Deutschland im Grunde fehlende Willkommenskultur. Punktum: Wir haben eine Menge zu tun in Sachen Integration und Schaffung einer sozial gerechten Gesellschaft.

Nach Sarrazin und Buschkowsky nun Akif Pirinçci?

Die jüngere Vergangenheit und die am Deutschen Stammtisch und in den Plappershows der “öffentlich-rechtlichen Bedürfnisanstalten” (Georg Schramm) geführten Diskussionen haben deutlich eines gezeigt: Nämlich, dass wir auf diesem dringend notwendigen Weg der Integration hin zu einer möglichst gerechten und friedlichen Gesellschaftauf auf “Experten” vom Schlage eines abstoßend sozialdarwinistisch argumentierenden Thilo Sarrazin (“Deutschland schafft sich ab”) und Heinz Buschkowsky (“Neukölln ist überall”) herzlich gern verzichten können. Und mögen beide Männer noch so viel Beifall aus der rechten Ecke – oder gar aus der abrutschenden, vorerst wie immer (noch) schweigenden, Mittelschicht, in welcher der Faschismus seine Keime hat, bekommen.

Freilich dürfen auch negative gesellschaftliche Erscheinungen weder beschönigt und schon gar nicht unter den Teppich gekehrt werden. Ein Tötungsverbrechen – begangen an wem auch immer – gehört unbedingt auf den Tisch. Da kann und darf es kein Vertun geben. Es muss ohne Rücksicht auf Verluste aufgeklärt und der oder die Täter müssen hart dafür bestraft werden.

Nachdem es inzwischen um die Herren Sarrazin und Buschkowsky gottlob einigermaßen ruhig geworden ist, tritt ein anderer Herr auf den Plan. Sein Name ist Akif Pirinçci. Da war doch was, dachte ich mir. Und dachte richtig. Pirincci, dass ist doch der mit den hervorragenden Katzenkrimis! Die hab ich verschlungen seinerzeit. “Felidae”, über das Patricia Highsmith zu Recht voller Lob schrieb: “ein Buch, bei dem ich mir gewünscht habe, meine Katze könnte es lesen!”. Nach “Felidae” folgte “Francis”. Köstlich!

Doch was ist nu kaputt?

Diesmal haben nicht Pirinccis Katzen-Protagonisten in einem neuen Katzenkrimi die Krallen ausgefahren, sondern deren Schöpfer selbst! Der Autor ist offenbar zum wildgewordenen böse fauchenden Kater geworden. Plötzlich taucht nämlich von Akif Pirinçci ein Text auf, der einen aufhorchen und für einen Moment sogar erstarren läßt. Ja: geradezu eiskalt erschreckt! Besagter Erguss trägt den Titel “Das Schlachten hat begonnen” und ist auf der Seite eines Web-Netzwerkes “Die Achse des Guten”, wo u.a. der der sich nicht selten als agent provocateur publizistisch betätigende Henryk M. Broder produziert. Seit einiger Zeit schreibt auch der Bonner Schriftsteller Akif Pirinçci dort. Akif Pirinçci Text ist kackbrisant. Noch hat es kaum jemand bemerkt. Ein Wunder im ansonsten hysterischen Mediendeutschland! Aber die Geschichte kocht so langsam hoch. Pirincci selbst gab am Wochenende via Facebook gewisse Vorahnungen diesbezüglicher Art zu Protokoll. Er könnte Recht behalten. Die Medienmaschine braucht vielleicht nur noch ein paar Momente zum warmlaufen. Pirincci hat es nicht kleiner: Nichts weniger als einen Genozid an den Deutschen sieht er hierzulande im Gange. Die Täter, so der türkischstämmige Bestsellerautor, sind junge muslimische Männer. Das haut vielleicht rein, liebe Leut’!

Eine Menge Sprengstoff

Als blutiger Aufhänger für Pirinçcis Schlachten-Text dient ein in Weyhe bei Bremen verübtes Verbrechen: Ein junger Mann hatte einen Streit schlichten wollen und wurde dabei von einem türkischstämmigen Mann erschlagen. Pirincci versteigt sich zu der gewagten These, dieser fürchterliche Fall sei erst der Anfang einer Kette von Ausrottungstaten an Deutschen. Allein darin steckt eine Menge Sprengstoff. Wie kommt Pirincci darauf? Ist der Schriftsteller im Nebenberuf Wissenschaftler, der diese These mit handfesten Beweisen untermauern kann? Höchstwahrscheinlich nicht. Allenfalls ist Pirincci so viel Wissenschaftler wie es die Herren Sarrazin und Buschkowsky sind. Denn Beweise für Pirinccis wahrlich von gesellschaftlichen Sprengstoff durchtränkten These sucht man in seinem Text vergebens. Wie also kommt er dazu? Vielleicht hat er es eben einfach, um im Duktus Pirinccis zu bleiben, im Urin? Er selbst bezeichnet sich als völlig unpolitisch. Zum einen entschuldigt das nichts und zum anderen ist eigentlich fast jede Entäußerung oder Tat eines Menschen irgendwie politisch. Erst recht die eines Schriftsteller, der im Übrigen nicht auf den Kopf gefallen ist! Politisch agiert der Mensch jedenfalls oft. Auch, wenn ihm das selbst vielleicht gar nicht bewusst sein mag.

Eine Erklärung für diesen hammerharten Text (hier der Link) ist uns Pirinçci schuldig. Der Autor liefert sie uns gleich im zweiten Absatz:

“Warum erzähle ich das? Weil es sich bei der letztmaligen Tötung eines jungen Deutschen namens Daniel S. von Türken in Kirchweyhe im Grunde um einen beispielhaft evolutionären Vorgang handelt, nämlich um den schleichenden Genozids an einer bestimmten Gruppe von jungen Männern. Dabei ist nicht einmal die Tötung selbst von Interesse, so grausam sich das auch anhören mag, sondern das “Biotop”, in dem der Genozid stattfindet. Und noch mehr dessen Folgen. Die Tat reiht sich ein in eine Serie von immer mehr und in immer kürzeren Abständen erfolgenden Bestialitäten, die zumeist von jungen Männern moslemischen Glaubens an deutschen Männern begangen werden. (Es befinden sich unter den Opfern nie Frauen. Die werden in der Regel vergewaltigt, was auch banal evolutionär zu erklären ist, aber dazu später.) Natürlich haben die Täter nur rudimentäre bis überhaupt keine Ahnung von Islam – zum Glück!”

Wenn es denn Satire wäre

Von einem “beispielhaft evolutionären Vorgang” ist da also die Rede und gar von “einem schleichenden Genozid”. Starker Tobak! Genozid, beziehungsweise Völkermord, gilt laut Wikipedia als das “schlimmste Verbrechen im Völkerstrafrecht”. Es kennzeichnet, die spezielle Absicht, auf direkte oder indirekte Weise “eine nationale, ethnische, rassische oder religiöse Gruppe als solche ganz oder teilweise zu zerstören”. Nun, Akif Pirincci ist gewiss nicht dumm. Und wenn er es doch wäre, dann wissen wir von unseren angeblichen Wirtschaftsminister “Fipsi” Rösler: Dummheit kann man nicht verbieten. Nein, Akif Pirinçci meint wohl eher genau zu wissen was er tut. Er hat einen seiner Meinung nach gefährlichen Missstand (nämlich die drohende Ausrottung der Deutschen durch muslimische Jugendliche) in der Gesellschaft ausgemacht und stellt diesen in seinem Text überspitzt dar. In diesem Falle sehr überspitzt. Er dürfte das mit Bedacht getan haben. Ohne Überspitzung wird man ja oft gar nicht mehr wahrgenommen in Zeiten des medialen Dauerbeschusses. Also legitim? Bis zu einem bestimmten Grade sicher. Zum Beispiel, wenn Akif Pirinçci eine Satire geschrieben hätte. Eine Satire kommt überhaupt nicht aus ohne Überhöhung. Nämlich um absolute Kenntlichkeit eines Missstandes zu erreichen. In seinem Text “Was darf Satire?” (Berliner Tageblatt, Nr. 36, 27. Januar 1919) schrieb ein Meister der Satire, Kurt Tucholsky: “Die echte Satire ist blutreinigend: und wer gesundes Blut hat, der hat auch einern starken Teint. Was darf Satire? Alles.” Einen Haken hat die Sache im Falle Pirincci nur: Dessen Text ist keine Satire. Allein schon der ihm als Aufhänger dienende Fall, ein tot geschlagener Mann eignet sich so nicht zum Gegenstand einer Satire hergenommen zu werden. Immerhin, so könnte man nun einwenden, Akif Pirincciwill mit seinem Text die Gesellschaft aufrütteln.

Beifall von Rechts

Tatsächlich: Erste Erfolge stellen sich bereits ein. Der türkischstämmige deutsche Bestsellerautor ist auf Resonanz gestoßen. Akif Pirinçci wird gerade von der rechten Szene gefeiert. Über die Wirkung seines Textes gibt Pirincci vor, selbst überrascht zu sein. Sein Kopf, notiert der Schriftsteller auf Facebook, sei verwirrt. Vielleicht hegt auch gewisse Hoffnungen inmitten seiner Verwirrkung: “Das Ganze” schreibt er weiter, “scheint sich zu einer Staatsaffäre zu entwickeln. Weiß nicht, was ich davon halten soll. Heute gebe ich der TAZ ein Interview, allerdings nur schriftlich, damit sie mich nicht mit irgendwelchen Nachhakereien in die Pfanne hauen können. Ich habe eine Bitte, und diese Bitte habe ich hier oft geäußerst: Seit den letzten Tagen kommen die Freundschaftsanfragen in Minutenrhythmus. Da ich nicht jeden einzeln kontrollieren kann (die meisten lassen sich bei der Anfrage nicht direkt in ihre Seite schauen), sind auch jede Menge Irre, Freaks, Berufsquerulanten und waschechte Nazis drunter. Vor allem denken viele, daß ich ein super politischer Typ sei. Das ist aber falsch! Ich äußere mich nur zu bestimmten Themen, ansonsten ist das hier eine reine Quatsch- und Kunstseite (…)”

Ein vergeigtes Interview

Übringens das Interview mit der “taz” kam letztlich nicht zustande. Die “taz” weist jedoch gestern in dem Beitrag “Deutsch, vom Ohr bis zum Arsch” ihres Autors Deniz Yücel daraufhin, dass Pirincci “noch ehe das Gespräch überhaupt stattgefunden hatte” den im vorigen Absatz wiedergegebene Hinweis, das Interview nur schriftlich machen zu wollen, veröffentlichte. Yücel: “Am Montagsmittag hat die taz-Kollegin Cigdem Akyol eine Interviewanfrage an Pirinçci gestellt, was dieser sofort, noch ehe das Gespräch überhaupt stattgefunden hatte, auf Facebook vermeldete”.

Die “taz” war schließlich sozusagen pappesatt: “Und, Herr Pirinçci: In die Pfanne gehauen haben Sie sich selber. Kein Bedarf mehr. Und tschüss.”

Unter der Gürtellinie

Verbal untergehakt wird Pirinçci von einem Facebook-Kommentator, der gegen Deniz Yücel unter der Gürtelinie auskeilt: “Herr Pirincci, ich bewundere Ihren Mut. Alle Achtung, das ist ganz großes Kino. Wie überleben Sie das wirtschaftlich? Allein der Kommentar des taz-Türkenbuben und dessen Versuch, einen auf linkes Establishment zu machen, ist ja schon eine implizite Aufforderung zur Aushungerung.”

Akif Pirinçci selbst wird es offenbar allmählich zu politisch: “Falls ihr euch über Hunderten von Kommentaren politisch austauschen wollt, tut das bitte woanders. Ein Außenstehender mag ja schon denken, ich steuere von hier aus eine Bewegung oder Partei. Außerdem gerät meine eigentliche Intention, nämlich durch FB an Weiber ranzukommen, völlig in den Hintergrund. Naja, vielleicht bin ich’s ja auch selber schuld. Also in diesem Sinne.” Über Radio-Bremen-Beitrag “Weblog spricht von Genozid an Deutschen” bzw. dess Autor giftet Pirincci: “Ein aus dem Trog des linksgrün versifften Staatsfunks Radio Bremen saufender Journalistendarsteller namens Jochen Grabler hat sich über meinen Text “Das Schlachten hat begonnen” ausgelassen und ist dabei zu dem folgenden Schluß gekommen:

“Nochmal, Grabler, Radio Bremen und andere Möchtegern-Gesinnungsdiktatoren, die ihr immer noch davon halluziniert, dass die Empfänger eurer Botschaften in der Bevölkerung alles schlucken, was ihr da an Lügen verbreitet, ihr habt euch den falschen Gegner ausgesucht. Ich bin weder Eva Herman noch ein verweichlichter Deutscher, der nun den geordneten Rückzug mit allerlei Entschuldigungen antreten wird. Fickt ihr mich, ficke ich euch!”

Au Backe!

Wir stehen wohl vor einem Berg zerschlagenen Porzellans. Nun gilt es sich erstmal zu sammeln. Hätte Akif Pirincci mal seine von keinem wissenschaftlichen Sachverstand getrübten Genozid-Theorie in einen seiner Katzenkrimis versteckt und auf diese Weise verbreitet! Immerhin hätte er einige der darin enthaltenen, aufschreckenden, Sätze Katzen oder Katern in die Schnauzen legen können. Pirincci selbst wäre fein heraus gewesen. Hätte sagen können, das hat dieser oder jener türkischstämmige Kater gesagt, der die deutsche Katze auf Seite soundsoviel vergewaltigt hat. Aber vielleicht wollte der Katzenkrimiautor einfach nur mutig sein und mit offenem Visier gegen gesellschaftliche Missstände – zumal gegen nichts weniger als einen unter unseren Augen stattfindenden Genozid an den Deutschen – anrennen? Gut gemeint, damit auf diese Weise nicht noch die Deutschen blutig dahingemeuchelt, also abgeschafft, werden, wo doch schon – wie “Hobby-Genetiker” Thilo Sarrazin schon u.a. über seine “Kopftuchmädchen” aufzeigte – Deutschland dabei sei, sich abzuschaffen? Essig, liebe Leut’! Wissen wir doch: gut gemeint, ist nicht immer auch gut getan. Hätte sich Akif Pirincci doch nur an Immanuel Kants “Sapere aude!” – Habt den Mut euch euren eignen Verstandes zu bedienen – orientiert! Dann wäre uns dieser als Hetze zu missbrauchende Text erspart geblieben. Zu was soll er denn nütze sein? Mag Pirincci unpolitisch sein – was ich nicht glauben kann: Ein Menschenverstand wird ihm doch zu eigen sein? Hoffen wir, dass der Schlachten-Text nicht so hohe Wellen wie weiland Sarrazins Buch schlägt. Die Medienmaschine allerdings dürfte bereits vorgeglüht werden. Also sich kurz vorm Anspringen zu befinden. Statt unsere ohnehin schon aus dem Gleichgewicht geratene Gesellschaft ins Lot zu bringen, könnte am Ende von Pirinçcis weiter gedachter Geschichte ein ziemlicher Katzenjammer stehen. Ach, Akif Pirinçci, ist dieser Text nicht ziemlich neben der Kapp’? Uns allen könnte darob noch ein gewaltiger Kater in die Glieder fahren. Ist das beabsichtigt?

Nachtrag:

Akif Pirincci ist es offenbar inzwischen doch zu viel geworden. Anscheinend ist er von Presseanfragen nur so bestürmt worden. Der Katzenkrimautor sendete, ohne die Krallen sonderlich eingefahren zu haben, via Facebook – folgende Erklärung aus:

“Liebe Presseleute,

bitte lesen Sie diesen Text, bevor Sie Kontakt zu mir aufnehmen. Kommt auch unverzüglich auf der ACHSE DES GUTEN.

Anstatt einer Entschuldigung

Vor einem Monat noch sah meine kleine Schreiberlingwelt ganz beschaulich aus. Ich schrieb an meinem Roman und einmal in der Woche schleuderte ich dem Internet-Volke nur so aus Jux und Dollerei einen radikalen Artikel auf der ACHSE DES GUTEN zum Fraße. Daraufhin regten sich alle auf, aber meist in positiver Weise, und in der Regel wurden darin mehr die Kraftausdrücke moniert … Bis ich vor zweiundhalb Wochen “Das Schlachten hat begonnen” veröffentlichte.
Als ich den Text schrieb, war ich mir zwar durchaus bewußt, daß er heftige Reaktionen auslösen würde, doch ich rechnete nicht mit mehr Aufregung als bei den vorangegangen. Tja, falsch gedacht! Zunächst explodierte die Bombe im Internet; über Facebook und Lesebriefe über die ACHSE wurde mir erst halbtäglich, dann stündlich vor Augen geführt, in welch explosives Hornissennest ich hier gestochen hatte. Merkwürdigerweise stiegen die Nazis und die “Kameraden” erst am Ende in den Hype ein. Fast hundert Prozent der Reaktionen besaßen den Tenor à la “Danke, daß Sie die Dinge offen aussprechen, wir Deutschen dürfen so etwas nicht mehr sagen, sonst geraten wir in den Verdacht der Ausländerfeindlichkeit.” Überraschenderweise ebten die Wirkung und die Reaktionen auf den Artikel nicht ab, sondern “Das Schlachten” arbeitete sich wie ein Bohrwurm immer weiter durch die Weiten des Internets, bis es offenkundig auch nicht mehr von den Mainstream-Medien ignoriert werden konnte. Und die versuchen mich deswegen gerade zu s c h l a c h t e n.
Ich schrieb den Text mit unbändiger Wut im Bauch, und er war eigentlich die konsequente Fortführung eines Artikel von Frank Schirrmacher in der FAZ vor ein paar Jahren, der anläßlich eines ebenfalls von “Südländern” fast zu Tode geprügelten Rentners in der U-Bahn erschienen war und in dem Schirrmacher so wie ich eine gruppendynamische, ja, biologische Systematik zu erkennen glaubte. Mein Anlaß zum Schreiben war der in Kirchweyhe ermordete Daniel S., der auf bestialische Weise von türkischen Schlägern umgebracht worden war. Ich hatte und habe eine konkrete Veranlassung zu dieser Wut. Mein Sohn wird in einigen Monaten 16 Jahre und kommt jetzt ins Disco-Alter. Zudem sieht er so aus, als sei er nicht von mir, sondern von einem Wikinger gezeugt. Ich würde eher grausigste Folterqualen, ja selbst den Tod auf mich nehmen, als daß ich irgendwann gezwungen sein müßte, ihm zum letzten Mal in einem Leichenschauhaus ins Angesicht zu blicken. Nein, der Titel des Romans “Vor den Vätern sterben die Söhne” von Thomas Brasch soll, darf niemals Wirklichkeit werden! Mein Sohn wird irgendwann in der Zukunft mich begraben, nie und niemals umgekehrt.
Warum Daniel S.? Er war der Tropfen, der das Faß zum Überlaufen brachte. Noch ein paar Wochen vorher war in Berlin ein anderer junger Mann unter fast gleichen Umständen zu Tode gekommen. Diese Tötungen oder Fast-Tötungen, die von der deutschen Presse in der Regel unter jugendlicher Rauferei abgebucht werden, und das im Grunde widerwillig, häufen sich kontinuierlich. Es ist also durchaus ein Muster zu erkennen, wenn auch von den Tätern nicht willentlich erzeugt, sondern scheinbar von der unsichtbaren evolutionären Hand. Da ich mich in der Evolutionsbiologie ziemlich gut auskenne, erschien mir die Metapher eines Genozids logisch, allerdings eines schleichenden, was viele meiner Kritiker offenbar überlesen haben. Zudem schränke ich dieses Phänomen auf eine bestimmte Opfergruppe ein, nämlich auf die der deutschen jungen Männer. In dem Text steht an keiner Stelle, daß Türken oder Araber oder Muslime sich nun aufgemacht hätten, die deutsche Bevölkerung zu massakrieren. Wer meinen Artikel solcherweise liest, und das tun besonders gern Journalisten aus der linken Ecke, will mich bewußt falsch verstehen oder glaubt nun, das Wild endlich erlegt zu haben, das nicht in ihre ideologische Weltsicht paßt.
In der Tat ist der Text in einer umbarmherzig harten Sprache verfaßt, was zum Thema allerdings paßt. Wir reden hier von der Ermordung von jungen Menschen und nicht von falsch getrenntem Müll. Auch den Vorwurf des Rassismus laß ich nicht auf mir sitzen. Als ich mit meiner bitterarmen Familie damals nach Deutschland kam, sagte mein Vater zu meiner Schwester und mir, daß wir uns gefälligst benehmen sollten, wenn dieses Land uns schon die zweite Chance gegeben hätte. Wir taten es natürlich nicht und bauten später trotzdem Scheiße. Doch denke ich, daß es in Bezug auf Scheißebauen zwischen Mädchen unterm Rock gucken, Kiffen, Beleidigungen von sich geben und einem Gleichaltrigen das Hirn aus dem Schädel treten doch einen kleinen Unterschied gibt. Was sind das für Menschen? Was sind das für Monster!
Die meisten Zuwanderer aus morgendlichen Gefilden sind Menschen wie du und ich. Sie arbeiten, lieben ihre Kinder, sind freundlich zu ihrem Nachbarn und genießen hin und wieder einen guten Fick. Dennoch scheint aus ihrer Mitte immer mehr und immer deutlicher eine äußerst destruktive Gruppe herauszuwachsen, welche sowohl von nationalistischen als auch religiösen Einpeitschern in ihrem verwahrlosten Herrenmenschentum bestätigt und von verblendeten Politikern, Gutmenschen in Rotweingürteln ohne Berührung zu ihrem Lieblingsklientel (von deren Betreuung sie vermutlich leben) und bis zu den Haarspitzen ergrünten Medienleuten sowohl materiell als auch mental gepampert werden. Ich entschuldige mich bei niemandem – doch natürlich tue ich das, und zwar bei denjenigen Migranten, Türken, Arabern, Muslimen und den zugewanderten Menschen, die sich so wie ich in diesem Land sauwohl fühlen und nach ihrer eigenen Fasson glücklich werden, und die mittels der “Hilfe” der medialen Blockwarte meinen Text in den falschen Hals gekriegt haben mögen. Ja, dafür entschuldige ich mich aufrichtig.

Akif Pirincci”

10:26 11.04.2013
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

asansörpress35

Politischer Mensch, der seit der Schulzeit getrieben ist, schreibend dem Sinn des Lebens auf die Spur zu kommen.
asansörpress35

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