Homöopathie - Effektgrößen und Effektstärken

Placebo 8 Kann man mit einer Meta-Analyse feststellen, ob die Effekte von Homöopathie sich von denen von Placebo unterscheiden? Walach kommentiert eine Studie von Mathie et al.
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"Wir sehen an dieser Vergleichstabelle zwei Dinge: erstens schwanken die Effektgrößen auch in der konventionellen Medizin enorm zwischen einer kleinen Effektgröße von d = 0.11 bei der Prävention von Herzversagen oder d = 0.06 bei der Prävention von Schlaganfall und sehr großen wie d = 2.27 bei Hepatitis C (allerdings nur wenige Studien). Im Median liegen die Effektgrößen bei d = 0.4. Das Ziel der Studie [13] war es herauszufinden, ob psychiatrische Interventionen mit konventionell-medizinischen vergleichbar sind. Sie sind es und haben allerdings ein etwas geringeres Schwankungsspektrum. Aber auch in der Psychiatrie gibt es relativ geringfügig wirksame Interventionen, wie etwa die Behandlung von Depressionen, wenn ein hartes Kriterium (hat ein Patient eine positive Reaktion auf die Therapie?) gefragt wird, oder in der Therapie von Demenz. Auch hier ist die mittlere Effektstärke mit d = 0.4 etwa der der konventionellen Behandlungen ebenbürtig.

Die Homöopathie nimmt sich also mit ihren d = 0.23 gar nicht so übel aus. Wir müssen bei der Interpretation folgendes berücksichtigen: Die Meta-Analyse von Mathie und Kollegen war bewusst so angelegt, dass die Schätzung der Effektgrößen konservativ erfolgte. Viele Studien gingen nicht in die Analyse ein, weil sie nicht den Kriterien entsprachen, eben genau um den Effekt nicht zu verdünnen oder aufzublähen. Und der Vergleich findet statt, wie mir ein Gutachter mal geschrieben hat „zwischen einem Placebo und einem anderen Placebo“, denn pharmakologisch enthalten die homöopathischen Arzneimittel „nichts“, jedenfalls nichts Feststellbares und Wägbares. Und insofern ist dieses Ergebnis wissenschaftlich gesehen sensationell. Denn es hätte gar nicht auftreten dürfen." (...)

Denn wie kann es sein, das etwas, das nicht da ist, gegenüber etwas, das nicht da ist, einen klaren, statistisch signifikanten und auch klinisch nicht uninteressanten Effekt erzeugt? Was uns die Meta-Analyse sagt ist, dass dieser Effekt in weniger als einem von 1000 Fällen per Zufall auftritt. Das schließt Zufall nicht aus, macht ihn aber nicht sonderlich attraktiv als Erklärung. Was kann uns einen solchen Effekt erklären?

Die Meta-Analyse eröffnet also eher Fragen, als dass sie welche beantwortet." Und Fragen zu stellen, war schon immer der Königsweg der Wissenschaft. Nicht, zu glauben, alle Fragen schon beantwortet zu haben. Das ist die Methode der Dogmatik und der Religion. Insofern ist die Meta-Analyse eine wissenschaftliche Methode. Sie produziert meistens mehr Fragen, als sie beantwortet, auch wenn sie dabei einige Fragen, die man vorher gestellt hat, beantwortet. Jetzt wissen wir: individualisierte homöopathische Therapie ist statistisch gesehen eher nicht Placebo-Therapie – jedenfalls bei der Datenlage, die wir im Moment haben. Aber das lässt uns eigentlich ratlos zurück. Denn jetzt müssen wir uns vielleicht überlegen, wie das sein kann. Oder neue Studien machen. Oder beides. Es hört einfach nie auf…

Darum sollten die, die sich für die endgültige Klärung von Fragen interessieren Priester werden, nicht Wissenschaftler."

Ihr Szientabilisten: Hört! Hört! Hört auf eure Berufung!

http://www.systematicreviewsjournal.com/content/3/1/142/abstract

http://harald-walach.de/methodenlehre-fuer-anfaenger/15-kann-man-mit-einer-meta-analyse-feststellen-ob-die-effekte-von-homoeopathie-sich-von-denen-von-placebo-unterscheiden/

13:39 22.01.2015
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

bertamberg

Xundheit! Salut! o! genese! Aufs Ganze gehen, bei Erkennen & Tun, Diagnose & Therapie. Alles ist vollkommen, "wenn das nötige gemacht ist." (Goethe)
bertamberg

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