Bildungsstandards - frischer Wind in der Schule?

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Und manchmal gibt es doch unerwartet Bewegung in der Bildungspolitik:

Ein in sich schlüssiger Entwurf von Bildungsstandards in der gymnasialen Oberstufe liegt in Hessen im 2. Bildungsweg vor und könnte als bundesweite Blaupause auch für den 1. Bildungsweg orientierend wirken. Der Entwurf für 14 Fächer (!) und für fächerübergreifende Projekte in einem überschaubaren Heft (98 Seiten) fand im rechtlichen Beteiligungsverfahren die Zustimmung des mitbestimmungspflichtigen Landesstudierendenrats und könnte jetzt in Hessen gelten. Eine dreijährige Entwicklungszeit, unter starker Beteiligung der Praktiker vor Ort, käme so zum Abschluss und Initiativen vielfältiger Ausgestaltung einer verbesserten Unterrichtsqualität könnten richtungsgebend arbeiten. Insgesamt lassen sich die einzelnen Funktionen und Wirkungen von verbindlichen Bildungsstandards folgendermaßen zusammenfassen:

* Standards als Anstoß für Unterrichtsverbesserung und Schulqualität
* Standards als Ausgangspunkt fachlicher und fachübergreifender Kommunikation
* Standards als Motor kollegialer Kooperation und weiterer Professionalisierung
* Standards als diagnostische Bezugsgröße für individuellen Förderbedarf
* Standards als Referenzsystem zur Vergleichbarkeit von Leistungen der Schulen, des jeweiligen Lernstandes und der entsprechenden Abschlüsse.

Bisher hatte das Ministerium das Ergebnis unter Verschluss gehalten, jetzt stehen die Bildungsstandards für die Öffentlichkeit im Netz, dazu noch ein Begleitbrief – „Bildungsstandards, Kompetenzen und neue Lernkulturen“ - der die Hintergründe der Debatte und Fragen aus Schulen, Wissenschaft und Verbänden beantwortet. Im Begleitbrief heißt es pointiert:
„Die Lehrenden sind die entscheidenden Träger dieser Bildungsreform insofern, dass sie diesen Transformationsprozess hin zu einer Subjektorientierung/ Lernerzentrierung stützen. „Die Verantwortung für die Gestaltung von Lehr-Lern-Prozessen bis hin zur Ausarbeitung eines Schulcurriculums wird stärker an die Schulen zurückgegeben, aber nicht unbedingt an den einzelnen Lehrer, sondern beispielsweise an Fachteams. (…) Die Lehrkräfte sollten eine klare Vorstellung darüber entwickeln können, welche Chancen auf kürzere und auf lange Sicht mit der Stärkung ihrer professionellen Rolle in der Arbeit mit Bildungsstandards verbunden sind. Vor allem aber müssen ihnen Handlungsgerüste angeboten werden, die Sicherheit vermitteln und eine erfolgreiche Nutzung von Standards gewährleisten.“ („Klieme –Gutachten“, 2003, S.51).
Lernende sind in der Lage, selbständig zu denken. In dieser Verantwortung eingebettet können Bildungsstandards einen sinnvollen Beitrag zur Qualitätsverbesserung des Unterrichts leisten. Daran misst sich die Alltagstauglichkeit für die Lernenden in besonderem Maße.“
Mehr dazu? Hier.
Als Leitlinie für Lehrerinnen und Lehrer sollte gelten: Der Mensch ist ein emotionales und lachendes Wesen und kein kognitiver Maschinenkrüppel.
17:49 27.03.2009
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Geschrieben von

Bildungswirt

Ahasver, Bildungsexperte, Wissenschaftscoach, Müßiggänger, Dada-Musiker mit Blasmusikausflügen
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