Literaturnobelpreis für Annie Ernaux: Eine Frau ihrer Klasse

Auszeichnung Christian Baron erzählt, wie ihn die Autorin Annie Ernaux erst abschreckte – und dann zu einer seiner literarischen Hausgöttinen wurde, die ihm Mut für sein eigenes Schreiben gab
Exklusiv für Abonnent:innen | Ausgabe 41/2022
Die Autorin Annie Ernaux
Die Autorin Annie Ernaux

Foto: Isabelle Esraghi/NYT/Redux/Laif

Natürlich gehöre auch ich zu jenen Deutschen, die bis 2017 nie etwas von der Trägerin des Literaturnobelpreises 2022 gelesen hatten: Annie Ernaux, 1940 geboren und in der Normandie als Arbeiterkind aufgewachsen. Vor fünf Jahren war ich Redakteur der Tageszeitung Neues Deutschland. Die Literaturchefin (und heutige Freitag-Autorin) Irmtraud Gutschke gab mir dieses Buch mit dem weißen Umschlag, aus dem eine gequält lächelnde junge Frau blass aufschien. Der Titel: Die Jahre. Wie so oft verzichtete der Suhrkamp-Verlag auch in diesem Fall auf einen langen Erklärtext für den Werkrücken. Da stand nur dieser Satz: „Etwas von der Zeit retten, in der man nie wieder sein wird.“

Nach kurzem Blättern entschied ich, es nicht zu rezensieren

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