Christian Füller
Ausgabe 1116 | 16.03.2016 | 12:37 12

Der alte Mann und die Politik

Haltung Norbert Blüms Reise nach Idomeni beweist, dass er politisch längst nicht im Ruhestand ist. Dass dort sein Name missbraucht wurde, kann man ihm zu allerletzt anlasten

Norbert Blüm vorzuwerfen, er sei ins verschlammte Flüchtlingslager Idomeni gereist, um daraus politisches Kapital zu schlagen, wäre blanker Unsinn. Welchen Stimmenwert sollte ein 80-jähriger Ex-Politiker daraus ziehen, drei Tage im Zelt zu übernachten? Das verkennt nicht nur die Lebensleistung dieses Mannes, sondern auch seine Haltung.

Denn Norbert Blüm ist immer noch ein politischer Popstar. Seine Auftritte bei Parlamentssitzungen und in Talk-shows sind legendär. „Ich mag Politiker nicht, die nur Politik können“, sagte er in der Harald- Schmidt-Show. Das war 1995, und er hatte gerade für einen guten Zweck eine CD herausgebracht – gegen Kinderarmut in Indien.

Aber Blüm, ein Autoschlosser, der sich via Abendgymnasium bis zum Doktortitel und an den Kabinettstisch durchschlug, war eben nie nur ein Plappermaul. Er reiste schon in Flüchtlingslager, als das noch keine politische Disziplin war. 1991 flog er in die kurdischen Berge der irakisch-syrisch-türkischen Grenzregion – als Bundesarbeitsminister. Abends berichtete er dann in der Tagesschau: „Die Kinder sterben in der Nacht, ein Volk wird ermordet.“ Und schluckte. Das war ebenso eindrucksvoll wie politisch.

Norbert Blüm war, nein er ist immer noch ein politisches Schwergewicht. Einst gehörte er der jungen Putztruppe Helmut Kohls an. Hier der strategische Kopf, der Pfälzer Sozialminister Heiner Geißler, dort der Herz-Jesu-Marxist Norbert Blüm. Sie erkämpften mit Kohl in Bonn die Macht gegen die SPD. Geißler und Blüm machten den intellektuellen und sozialen Charakter der CDU aus. Blüm war früh Mitglied der IG Metall geworden, engagierte sich aber vor allem bei der Christlich Demokratischen Arbeitnehmerschaft. Seine ethisch-politischen Grundsätze holte er sich bei Oswald von Nell-Breuning, dem Begründer der katholischen Soziallehre.

Blüm stellt so etwas wie den personifizierten Sozialstaat dar. Er steht dafür als jemand, der Menschen hilft, die Not leiden; und als einer, der ein System entwirft, das soziale Not strukturell lindert. Grundrechte und politische Freiheiten existieren für Blüm nicht, ehe sie nicht sozial abgesichert sind. Blüm aber ist in der Lage, diese Programmatik nicht nur zu denken und konzeptionell umzusetzen – er kann sie zugespitzt in massentauglicher Version unter die Leute bringen. „Der Arbeitslose heißt Ich-AG, sagte er einmal. „Auf das Wort muss erst mal einer kommen. Der Arbeitslose als Alleinaktionär, Hauptversammlung, Vorstand und Angestellter seiner selbst. Wenn der Kurswert der Ich-Aktie fällt, wird sie einfach abgestoßen.“

Blüm brachte das Kunststück fertig, als CDU-Politiker für die linke konkret zu schreiben. Erst als sich Herausgeber Hermann L. Gremliza weigerte, den RAF-Mord an Generalbundesanwalt Buback zu bedauern, kündigte Blüm seine Mitarbeit auf. Freilich war Blüm auch einer der wenigen, die gegen Kohl offen aufmuckten. Als der Kanzler seinen putschbereiten Generalsekretär vor die Tür setzte, erhob Blüm das Wort. Als Kohl in der Parteispendenaffäre der CDU log, brach Blüm mit ihm.

Auch als Pensionär ist er politisch nicht in den Ruhestand gegangen. Er reist als 80-Jähriger nach Idomeni und sieht sich die Situation vor Ort an. Dass eine Gruppe seinen guten Namen nun missbrauchte, um als „Kommando Norbert Blüm“ hunderte Flüchtlinge durch einen eiskalten Fluss zu lotsen, ist eine tödliche Ironie. Doch dem guten alten Mann kann man sie zu allerletzt anlasten.

Dieser Beitrag erschien in Ausgabe 11/16.

Kommentare (12)

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Ehemaliger Nutzer 16.03.2016 | 16:58

Norbert Blüm ist ein guter Mensch, die reaktionären unter den Realisten sollten ihn in Ruhe lassen. Doch weiter:

Die rätselhaftesten Ereignisse in unserem Leben vollziehen sich - jetzt!

»Der Ungläubige ist "harby", d.h. der Feind. Der Islam ächtet die Nation der Ungläubigen und schafft einen Zustand permanenter Feindschaft zwischen Muselmanen und Ungläubigen«
(Karl Marx: Die Kriegserklärung. Zur Geschichte der orientalischen Frage).

Und so endlos weiter in der Geistesgeschichte der Evidenz.

Doch dem Gebildeten heute ergibt sich ein Panorama voller missing links. Ich erlebe zum ersten Mal seriöse und progressive Leute, die stattdessen lieber Verschwörungstheorien nach ihrer Brauchbarkeit abtasten. Sie denken noch durchaus, jedoch leider hinein ins Blaue.

Sie wissen wohl, Verschwörungstheorien gelten nur insoweit als solche, als ihre behaupteten Indizien in keinem einzigen Fall eine andere Deutung komplett ausschließen. Soll man Erklärungen vertrauen können, gilt solchen Theorien jedenfalls: Drei Meter Abstand, eine Lache Abwaschwasser.

Jedoch, was können sie ausschließen? Die Linke, die sonst analysiert - sie masturbiert. Man dreht sich weg - man sieht wieder hin: sie masturbiert schneller - sie hat Sinn nur noch für ihr lustvolles moralisches Hochgefühl: Welcome, welcome, hoffentlich geht es euch auch dreckig genug, dass ihr uns nicht enttäuscht. Die Kanzlerin lässt ohne ein Wort andere die Brücken hochziehen und lockt, auf der Zinne onanierend, die Leute ins tiefe Wasser. Eine Lustmörderin, von einem neuen Boudoir träumend. Man wendet sich ab. Hier wird nicht gedacht, hier wird selektiert und gekillt.

Die Linke aber unterliegt, wie mir scheint, einem Stockholm-Syndrom: Die völlig richtige sozialökonomische Zuschreibung gegenüber dem großen Kapital, naturgemäß die stete Hauptquelle sozialer Konflikte zu sein, mündet in einen verrückten Reflex, nämlich in eine Verteidigung selbst noch des dumpfesten Ku-Klux-Klan-Widerständlers. Obgleich dieser spezielle Ku-Klux-Klan eben nicht die Herrschenden selber, sondern summarisch und dumpf alle Clanfremden zu Feinden erklärt, nämlich die Ungläubigen, nach ihrem Heiligen Buch die „schlimmsten Tiere“.

Die Tendenz, die anwesenden und ankommenden Moslems als Gruppe wie die unterdrückte Minderheit einer Underdog-Religion zu bemitleiden, zeugt von fahrlässiger selektiver Wahrnehmung dieser Scheinlinken: Der Islam nämlich als Glaubensgemeinschaft ist ganz im Gegenteil weltweit eine gewaltige und steinreiche Macht, deren ungeheuerlich reaktionäre Politik als unsere eigenen Belange zigfach zudeckendes Nachrichten-Dauerthema wir seit Jahren erleben: Mit Meldungen aus der Welt dieser importierten Minderheitsreligion stehen die nicht-moslemischen Europäer morgens auf, werden sie über den Tag fast ausschließlich abgefüllt und begeben sie sich in den Schlaf. Die Zeiten, in denen der Islam, weit weg in der „Türkei, wo die Völker aufeinander schlagen“, den Europäern glücklich fremd war, sind einer betulichen und zugleich kriegerischen »Weltoffenheit« gewichen. Unter dem Schutz des Rassismus-Vorwurfs, einer interessegeleiteten Verleumdung des Grundmotivs der Aufklärung, der Religionskritik, durch die herrschenden Eliten, ist dieser Religion der fulminante Einbruch in das europäische Unterbewusstsein als permanent lebensgefährliche Allgegenwart gelungen. Und noch der geringste, aber fromme Muslim fühlt sich wegen der tödlichen Wehrhaftigkeit seiner Religion gegen die in seinen Augen hündisch winselnden Ungläubigen ihnen stets überlegen und damit dankbar verbunden mit der Umma.

Wenn schon eine fulminante Verschwörungstheorie, dann also für ihre zwanghaften Liebhaber vielleicht diese: Wie wäre es, wenn die von den Kriegen des Kapitals hervorgerufenen Fluchtbewegungen zurzeit in absichtsvolle Migrationsbewegungen umgemünzt werden, evoziert vom Ruf des Kapitals und des Propheten, mittels gute Geschäfte ankurbelnder »Einwanderung« und koranfürchtiger »Auswanderung« den Islam als kommodeste aller Herrschaftsideologien endlich in Europa zu verbreiten? Schon Hitler und Himmler schwärmten von der blutigen Abrichtungskompetenz des Islam für große Menschenmassen. Und Deutschland wäre sofort, gleich zu Anfang, der Schuss ins Schwarze: Es ist zur Zeit das mächtigste Land Europas und doch zugleich sein wehrlosestes Glied dank der Willfährigkeit seiner eunuchenhaften Eliten von rechts bis links.

Solche Verschwörungsgedanken könnten chemisch reines Pegida sein - und kommen manchen Leuten dann, wenn ihnen die Realität vom umwälzenden Voluntarismus der Herrschenden zum vermeintlichen Alptraum gemacht wird, sie sich darauf keinen Reim mehr machen können, aber jede selbst formulierte unbeholfene Frage als falsch gestellt geradezu polizistisch zurückgewiesen wird.

Doch ein Ressentiments ist nur ein Ressentiment, wenn man es auch beweisen kann, und zwar, indem man seinen rationellen Kern aufsucht. Das wusste insbesondere Marx, das wussten die Marxisten, das wusste auch die Frankfurter Schule, z.B. Horkheimer und Adorno, und das wissen vor allen Dingen die Kommunisten. Das antisemitische Vorurteil z. B. bezog seine Kraft aus der verqueren Interpretation der Tatsache, dass jüdische Bürger als Christusmörder lange Zeiten in keine Berufszunft aufgenommen, sie also in die früher randständige und wenig angesehene Zirkulationssphäre buchstäblich eingesperrt wurden (»Bauchladenmann«), deren Mitglieder jedoch später gerade für den kapitalistischen Fortschritt zeichneten; Adorno nannte die Juden sogar die Kolonisatoren des kapitalistischen Fortschritts, ohne welche die Idiotie des kargen Landlebens wohl deutlich länger auszuhalten gewesen wäre. Die damaligen Berufsfelder der Juden gelten heute als die angesehendsten, Handel, Wissenschaft, Technik und die Künste als die Motoren der Menschheitsemanzipation. Den rationellen Kern eines Vorurteils zu verstehen und es damit zu verlassen, ist jeder Mensch, auch ein Nazi, fähig; er wurde schließlich nicht als solcher geboren. Ein Vorurteil gilt es zu widerlegen, nicht zu labeln. Die zerebralen Dünnbrettbohrer der heutigen moralisch masturbierenden Scheinlinken, dieser bewusstlosen Follower des Kapitals, pflegen stattdessen den klebrigen labeling approach aus den Salons feinpinkliger In-Groups oder die gesinnungspolizeiliche Empörung einiger Enragés der Antifa, die mir leider persönlich am nächsten stehen - nach gewohnter Psychologie ist deren Haltung eine jener, die als angebliche Träger der höheren Moral in Wahrheit im Beschuldigten sich selbst beständig zur Ordnung rufen müssen.

Der Asylanspruch, nicht die Migration, wird nach meiner Erfahrung von den meisten wenig belesenen Bürgern erstaunlicherweise durchaus zutreffend und einfach definiert: Das Land eines Menschen ist prinzipiell auch sein Schicksal - mit einer Ausnahme: er persönlich mit seinem Namen soll Freiheit oder Leben verlieren – entweder durch Gewalt, oder durch Hunger oder durch Seuchen. Nicht einbeschlossen sind in der intuitiven gemeinen Auffassung Gefahren, die unterschiedslos auf einer gesamten Bevölkerung lasten, wie allgemeine Unterdrückung oder Bürgerkriege, weil ein daraus erwachsender Anspruch, dem realiter ja vielfach entsprochen werden kann, als absolutes individuelles Formalrecht an der ständig denkbaren umfangslogischen Unerfüllbarkeit scheitern kann. In diesem dem ungebildeten Teil der Bevölkerung eigenen Verständnis von Asyl sind sogar die Bestimmungen der Genfer Flüchtlingskonvention wohlverstanden einbeschlossen: Die »Weisheit des Volkes« (Brecht).

Aus diesem Verständnis von Asyl allerdings erwachsen der Bevölkerung jedoch alle heutigen Verdachtsmomente gegen die Mächtigen:

1. Wieso wird unablässig von den Herrschenden über Asyl gesprochen - also temporärer schützender Beherbergung - und doch von vornherein und im selben Atemzug und immer wieder neu statt des Asyls umgekehrt die dauerhafte Einbürgerung von wohl Millionen moslemischer Araber, die ja alle ihre eigenen Länder haben, in unser dicht besiedeltes Land als unumkehrbares Faktum vorgestellt, auf dessen umwälzende Auswirkung auf unsere Kultur und unser alltägliches Leben - als islamischem Einfluss - sich die hiesige Bevölkerung, und das auch noch gefälligst, einzustellen habe? Deutschland werde religiöser werden, dekretierte grinsend Frau Göring, und dem aufgeklärten Bürger sank daraufhin schnurstracks das Herz in die Hose. Schon Görings arroganter, selbstgefälliger Ton fällt auf; ihre mitleidslose Härte ist seit den Tagen der schmutzigen Sozialabbau-Lügen unvergessen - die Altersversorgung eines ganzen Volkes den Drückerkolonnen überantworten zu wollen, dürfte ein säkulares Verbrechen sein, an dem diese Frau maßgeblich beteiligt war. Wenn man nun aber durch mutwilligen und massenweisen weiteren Import der seit über tausend Jahren dümmsten, unfruchtbarsten, grausamsten und aggressivsten Ideologie der religiösen Anti-Aufklärung den deutschen Einwohnern ihren vermeintlich gewohnten locus amoenus zu einem manifesten locus terribilis zu machen voraussagt, ihnen also die Vertrautheit ihres Landes zu entziehen ausdrücklich noch frech ankündigt, wird sich das sprachlose Entsetzen der ahnungslos Überfallenen mit einiger Wahrscheinlichkeit auch in nicht kalkulierbarer Gegenwehr entladen.

2. Diese größte Umwälzung seit dem letzen Weltkrieg ist ganz offensichtlich als typisch neoliberale Schockstrategie mit allem nötigen überfallartigen Barbarismus (shock and awe) geplant, und zwar gegen das Land, ohne öffentliche Willensbildung, ohne Vorbereitung, doch mit rufmörderischen und verleumderischen Propaganda-Trommelfeuer gegen unterschiedslos alle Gegner und auf allen Kanälen: Also eine Verschwörung comme il faut. Auch aufgeklärten und sogar sogenannten bessergestellten Bürgern - wie konnte das an ihnen vorbeigelaufen? - stehen ob dieser evidenten Hinterhältigkeit einer handverlesenen und spürbar zu allem entschlossenen Geld-Elite die Haare zu Berge. Möglicherweise haben wir es mit der illusionären Fantasie des Kontinente übergreifenden Finanzkapitals zu tun, die Menschheitsplage des mafiösen und assassinen Islam in die ahnungslosen europäischen Völker verdünnen zu können - durch die Beihilfe einer sich dieses Mal links drapierenden, doch in Wahrheit traditionell strohdummen deutschen Bildungsbourgeoisie. Zugleich soll die damit einhergehende, entwicklungspolitisch reaktionäre Bevölkerungsverdichtung höchsten Profit für die Kapitalisten abwerfen – ohne Rücksicht auf die erwiesenermaßen langfristig stets verhängnisvolle bis kriegerische Entwicklung nicht in Balance gehaltener Volkswirtschaften.

3. Die ältesten, erfahrenen Bürger des Landes, zumal jene, die selber als Flüchtlinge hohlwangig, hühnerbrüstig und abgerissen ankamen, beklagen überall - ob begründet oder nicht - seit Beginn der Migrationsbewegungen angeblich leicht durchschaubare und deshalb schamlose bildliche Informationsmanipulationen der öffentlichen Medien, die Überblicksbilder möglichst zu hintertreiben versuchen würden. Wenn diese Bürger, im TV herumzappend, versehentlich eine größere Anzahl Flüchtlinge ausreichend lange und deutlich zu sehen bekämen, wären stets gut genährte und ordentlich gekleidete Menschen wahrzunehmen, selbst bei jenen aus afrikanischen Ländern, und meistens nur junge Männer - woraus sie folgern, dass jedenfalls bei den Ankommenden unmittelbarste materielle Not selten als Asylgrund vorgebracht werden dürfte; die Lebensgefahr müsste bei den Ankommenden also wesentlich der Gewalt nur gegen Männer zu verdanken sein, die wiederum bis hinauf zur deutschen Grenze nicht ausgeübt worden sein könnte.

Die Kanzlerin Merkel, die in ihrer Amtszeit ohne Eigenständigkeit stets nur das Parallelogramm der Kräfte gezogen hat und die nicht einen einzigen intelligenten Satz zur Welt brachte, setzt nunmehr die Tradition substanzloser deutscher Hybris seit Wilhelm II fort: Wir schaffen das. Schon Churchill befand, ungefähr: Die Deutschen hat man entweder fletschend an der Kehle oder winselnd zu Füßen. Das Erste hatten wir ja schon; sollte es jetzt das Zweite sein, sollen wir es wohl als unser Glück ansehen. Ob die Flüchtlinge und Migranten hier im Land in Zelten und Massenunterkünften hausen müssen oder aber dort - nebbich. Ich hätte es nicht für möglich gehalten, dass man diesmal Tragödie und Farce nicht auseinander halten kann; wir stecken noch mitten in der neuerlichen Entfaltung des Marx’schen Geschichtstheorems.

Unbehagen und Misstrauen sind noch nie so tief in die Bevölkerung eingedrungen. Die Monströsität unserer mächtigen Cliquen stellt wohl für viele Menschen ein Rätsel dar; viele können es immer noch nicht glauben. Und so ist der Studienrat zur Zeit genau so schlau wie sein Pedell und die Herren Professoren reden unaufhörlich das verlangte Blech. Sollte man die bisherige Irritation der Bevölkerung über die Absichten der vermutlichen Verschwörer also auf einen Lebkuchenvers bringen, müsste er lauten:

»What the hell is going on?»

Das ist es, was offenbar ein Frager wie Donald Trump nicht beantworten will. Dabei hätte ich gerade ihm noch eine eigene Gegenfrage zugetraut: Haben vielleicht die Verantwortlichen einschließlich aller ihrer Nachfahren für alle Zeiten ausgesorgt?

Sternenfreund 17.03.2016 | 06:53

Ich habe den abfälligen Artikel von Herrn Broder beim Spiegel gelesen und muss sagen, ich war schon ziemlich entsetzt darüber. Ich sehe das ebenfalls so. Der Herr ist aktiv - mit seinen 80 Jahren - und ein Großteil der Politiker und auch Journalisten würde nicht einmal im Traum auf die Idee kommen, sich selbst ein Bild der Lage vor Ort zu machen. Deswegen gilt ihm eher Respekt für sein Tun und keinesfalls Häme.

Markou Spyros 17.03.2016 | 13:54

Ich möchte dem Ex-Minister H.Blüm gratullieren und meinem Respekt ausdrücken, denn er sendet, durch seine Präsenz im elenden Flüchtlingslager in Idomeni, aller Welt eine klare Botschaft: Menschlichkeit und Solidarität. Die griechische Regierung solle ihn umgehend ehren, weil er in der Tat und vor allem der Jugend überall ein gutes Beispiel gibt, daß nicht alle Politiker gleich sind und daß sie, die Jugend, kritisch denken sollte, wenn sie wählen geht. Auch, daß man es im Leben schaffen kann, und vom Arbeiter bis zum Minister werden kann, wenn man hart und konsequent arbeitet, an Ideale und Grundwerte glaubt und sie in der Tat umsetzt... Zum Schluß : keiner in Griechenland glaubte, daß hinter der Provokation mit dem Flugblatt, der alte , gute Politiker Blüm stand.

Nordlicht 17.03.2016 | 15:01

Herr Blüm ist im politischen Ruhestand und kann sich nun um Moral und andere Aspekte kümmern, ohne an die politischen Folgen seiner Gesinnungsethik denken zu müsen. Er muss kein Verantwortungsethiker mehr sein, nicht für die Folgen gegenüber dem deutschen Volk gerade stehen.

(Sorry, aber das mit dem "deutschen Volk" steht im Grundgesetz, ist keine rechtsnationale Haltung.)

Die Menschen im Schlamm von Idomeni möchten ihre Lebenswünsche gegen das europäische Recht durchsetzen. Dass Asylbewerber nach europäischen und nach deutschem Recht ihren Asylantrag in Griechenland zu stellen haben und nicht Asylberechtigten die Einreise in die EU zu verwehren ist (- wenn nicht andere Gründe für einen zeitlich begrenzten Aufenthaltsstatus bestehen), möchten die Migranten nicht gelten lassen.

Selbst Kanzlerin Merkel hat nun erkannt, dass ein Flüchtling nicht das Recht hat, das Land und den Aufenthaltsort für sein Asylverfahren frei zu wählen. Es geht den Migranten aber darum, nach Deutschland (oder nach GB oder in ein skandinavisches Land) zu kommen, um dort Aufenthalt und Unterstützung zu bekommen, zu arbeiten und ggf auf Dauer zu leben.

Diese Wünsche der Einwanderer sind verständlich, kollidieren allerdings mit den bestehenden Gesetzen.

Wenn Herr Blüm und andere diese Gesetze für falsch halten, müssten Sie politische Mehrheiten für Gesetzesänderungen suchen. Ich bezweifele, dass die Mehrheit der europäischen Wahlvölker Gesetzesänderungen zustimmen werden, welche den Wünschen der Einwanderer zustimmen.

Reinhold Schramm 17.03.2016 | 16:41

Vom vorgeblichen Fach-Arbeiter zum Minister für den Deutschen CLUB DER UNTERNEHMER (CDU). Wie kleinbürgerlich-ideologisch, moralisch-verkommen und heruntergekommen muss man wohl als vormaliger Facharbeiter sein, um mit der BMW-Familie Quandt am Tisch zu sitzen, bei Kaffee und Kuchen, und über christliche Nächstenliebe zu schwadronieren? [Sinngemäß, könnte auch analog Frau Merkel, vormals Post-DDR, zum letztmaligen 101. Geburtstag bei Ausbeutungs- und Vermögens-Milliardär vom 'CDU'-Otto-Versand sein.]

Vorgebliche 'Nächstenliebe' -der Diebe- dient auch hier vielmehr der geistigen Verkleisterung über die wahren Fluchursachen, an denen auch der bundesdeutsche NATO-Partner und der 'christliche CDU-Club aktiv, zusammen mit der Konrad-Adenauer-Stiftung, beteiligt ist!

Aufwachen Blümsche Michels! (?)

Reinhold Schramm 18.03.2016 | 01:43

Die rund 8 Millionen Bundesbürger, ihre Familien, weniger als 10% der Gesamtbevölkerung, verfügen über mehr als 6,3 Billionen Euro an Kapital- und Privatvermögen. Also, im "Durchschnitt", über ca. 800.000 Euro pro Kopf. Jeder von ihnen könnte, rein ökonomisch, wenn er nur wollte, die laufenden Kosten für die menschenwürdige und auskömmliche Versorgung eines NATO-Kriegs-, bzw. SA-IS-Vertreibungs- oder EU-Wirtschaftsopfer übernehmen! Ohne dabei die sozial Armen und Geringverdiener zu belasten!

Wäre es nich die Zeit zum Nachdenken über die Notwendigkeit der Abschaffung der bestehenden Gesellschaftsordnung?

Bingocrash 18.03.2016 | 01:48

Also mal ganz ehrlich, Leute!

Hans Tigentaler´s Kaugummi-Referat ist schon deswegen eine Zumutung, weil dieser Kommentar nach erneutem durchlesen (durchkauen) immer neu interpretierbar ist und vor allem einen direkten Bezug zu Christian Füllers Artikel vermeidet ...

Oder ein besonders raffinierter Versuch der Darstellung wolkenkuckucksheim-ähnlicher Zustände, in der sich Politiker immer wiederfinden ... ;) Aber in beiden Fällen: THEMA verfehlt, würde ein Lehrer vielleicht befinden ...

@Nordlicht - es geht hier im Artikel gar nicht um "die Wünsche des Asylanten" - nein es geht schlichtweg nur um Würde des Menschen, Solidarität unter ihnen usw.

Mr. oder Mrs. Nordlicht, ich finde es unsolidarisch (emontional sogar ärmlich), bestehende Gesetze (was immer die aussagen oder wie die interpretiert werden) ÜBER die allgemeinen Menschenrechte zu stellen ...

@Reinhold Schramm - wenn du DER perfekte Mensch bist, den deine Kommentare fordern, DANN hast du in der Tat das ETHISCHE Recht, Menschen so zu sehen, wie du das bei Blüm machst.

Politische, klinische Abstraktionsfähigkeiten, die zu allem Überdruß NUR in "dem Leben generell wie absolut negativ gegenüber stehend" formuliert sind, depriemieren auf Dauer nicht nur den Leser, sondern auch den Schreiber ...

Man verzeihe mir meinen leichten Zorn (nicht Wut!) - den ich hier begründet (als Wesensmerkmal des Zorns übrigens) darstelle. Hoffe das sich keine persönlich beleidigt fühlt.

Zu Norbert Blüm: Erstens RESPEKT. Zweitens, ich kenne ihn (nicht persönlich) und seine Karriere, Tricksereien und Widersprüchlichkeiten, aber auch seine Authenzität. Er ist durch und durch menschlich (also implizit auch mit Fehlern behaftet)

Nordlicht 18.03.2016 | 14:36

Zu den Anmerkungen von Bingocrash:

"..Nordlicht, ich finde es unsolidarisch (emontional sogar ärmlich), bestehende Gesetze (was immer die aussagen oder wie die interpretiert werden) ÜBER die allgemeinen Menschenrechte zu stellen ..."

Das, was Sie "Allgemeine Menschenrechte" nennen, sind von Menschen formulierte und vereinbarte Gesetze. Insofern wundert mich Ihre Verächtlichmachung von Gesetzen.

Und es geht im Bericht eben doch um den Willen der Einreisenden, nicht um Menschenrechte. Es gibt kein allgemeines Recht, von Griechenland aus nach Mazedonien einzureisen. Es gibt das EU-Recht, in Griechenland einen Asylantrag stellen zu können, dazu würden die in Migranten zu den entsprechenden Stellen gebracht.

Sie wollen das aber nicht, sie wollen in Richtung Nordwesten reisen. Dass Bingocrash für diesen Wunsch die Allgemeinen Menschenrechte bemühen, ist abwegig.

Nordlicht 19.03.2016 | 00:04

Diese sog. Aktivisten und Anarchisten, die Migranten manipulieren, um politische Effekte zu erzielen, die sie auf demokratischen Wegen nicht erreichen:

Das sind die wirklichen Schuldigen an den im Fluss Ertrunkenen.

Und die Kanzlerin, die nach wie vor in die Welt posaunt, dass Migranten nach Deutschland gelangen können, aber von den Grenzschliessungen profitiert:

Das ist das ermbärmlichste Schmierenstück.

Helga Reimund 20.03.2016 | 10:12

@Nordlicht

Es ist einerseits nicht alles illegitim, was Gesetzen widerspricht.

Andererseits haben Gesetze über ihre juristische Wirkung hinaus auch eine Bewusstsein schaffende Komponente. Insofern muss man sich nicht wundern, wenn der rassistische Mob jetzt ganz im Sinne der europäischen Gesetze pöbelt, die Flüchtlinge aus den reicheren Staaten fernhalten sollen. Und ganz nebenbei Griechenland und Italien die Hauptlast überhelfen.

Und zu guter Letzt: Es wäre ja mal eine schöne Sache, wenn das Wahlvolk tatsächlich die Wahl hätte. Dafür streitet z.B. die Organisation Mehr Demokratie seit langem. Derzeit tut sie es zur Verhinderung von TTIP, CETA und Co. Mal sehen, wann deren Gemeinnützigkeit in Zweifel gezogen wird.

Leider wird bei uns nur dann auf die Meinung des "Volkes" Wert gelegt, wenn diese eine rechtslastige ist.