Christian Füller
Ausgabe 4216 | 21.10.2016 | 06:00 16

Löst die Unterschichtsfabriken auf!

Bildung Der Bund will den Schulen mit einer Milliardenspritze für moderne Medien unter die Arme greifen. Doch das Digitalisierungsgeschenk hat auch etwas Unsoziales

Löst die Unterschichtsfabriken auf!

Bei der der Digitalisierungsoffensive gibt es nicht nur Gewinner

Bild: imago/Westend61

Na endlich. Vor 15 Jahren hat eine Bildungsministerin erstmals jedem Schüler einen Laptop versprochen. Nun soll es so weit sein. Der Bund hat sich bereit erklärt, den Schulen mit einer Milliardenspritze für moderne Medien unter die Arme zu greifen. Das ist sinnvoll, denn die Bundesländer haben selbst nicht genug Geld, um Lehrer und Schulen aufs 21. Jahrhundert vorzubereiten. Medienkompetenz ist für Kinder und Jugendliche heute so wichtig wie Lesen, Schreiben und Rechnen. Neun von zehn Jugendlichen tragen das Hosentascheninternet stets mit sich herum – aber an den Schulen wird häufig noch unterrichtet wie bei Lehrer Lämpel.

Die Möglichkeiten von Tablets im Unterricht sind enorm, sie werden das Lernen bereichern. Schüler könnten über Blogs und Wikis anders kooperieren. Pädagogen nutzen das Kreativitätspotenzial digitaler Medien noch zu wenig – etwa beim Herstellen digitaler Schulbücher, in die man Videos und Ton integrieren kann. Im Übrigen brauchen auch die Eltern Hilfe: Sie allein können ihre Kinder ganz offensichtlich nicht auf die konstruktiven Möglichkeiten, etwa von Smartphones, vorbereiten. Und schon gar nicht wissen sie ihren Nachwuchs wirksam vor den Risiken zu schützen, die in der anonymen Online-Kommunikation offener Kinder-Plattformen stecken. Bei alldem können die fünf Milliarden aus Berlin hilfreich sein.

Dennoch hat das Digitalisierungsgeschenk von Bildungsministerin Johanna Wanka auch etwas Unsoziales, ja Perverses. Die Nation wartet ja seit vielen Jahren nicht nur vergeblich auf Laptops, sondern auf Hilfen für die Zentren der Bildungsarmut in diesem Land. Die Rede ist von Risikoschulen, die in deutschen Banlieues wie Hamburg-Wilhelmsburg, Dortmund-Nord oder München-Hasenbergl lauern. Dort werden Sozialarbeiter, zusätzliche Lehrer und Schulpsychologen dringend benötigt – aber die Verfassung verbietet es dem Bund, zu helfen. So charmant es ist, dass die Bildungsministerin jetzt einen Artikel im Grundgesetz entdeckt hat, der Überweisungen für WLAN und Tablets erlauben soll. Am Ende bleibt der fade Beigeschmack, dass Milliardenprogramme, von denen die Internet-Industrie profitiert, möglich sind. Aber Bundesgelder für Ganztagsschulen, Sozialarbeit und Inklusion sollen weiter vom Grundgesetz verboten bleiben? Das darf nicht sein.

Viele Fans des digitalen Lernens argumentieren, dass digitale Teilhabe Chancengleichheit ermögliche. Sie suggerieren, dass man Bildungsarmut bekämpfen könne. Das ist eine freche Idee – auf die man nicht hereinfallen sollte. Man kann das nirgends besser sehen als in Bremen, wo die derzeitige Präsidentin der Kultusministerkonferenz für Schulen zuständig ist. Claudia Bogedan wird nicht müde zu behaupten, dass Laptops für Chancengleichheit gut sind.

Gleichzeitig aber hat die Schulsenatorin in ihrer bettelarmen Stadt nicht genug Geld, um die Inklusion behinderter Kinder zu finanzieren und ihre Unterschichtsfabriken aufzulösen. Ein Drittel der Kinder und Jugendlichen gilt als Risikoschüler. Das bedeutet, sie können Texte zwar entziffern – aber sie verstehen nicht, was sie bedeuten. In Stadtteilen wie Gröpelingen oder Neue Vahr, wo viele Kinder in der zweiten Generation von Hartz IV leben, liegt die Bildungsarmut bei50 Prozent. Es kann sein, dass diese Kinder auch in der Schule gerne daddeln wollen. Aber es ist ganz sicher, dass sie das nicht aus der Bildungsarmut holen wird. Dabei helfen Lehrer besser als Laptops.

Dieser Beitrag erschien in Ausgabe 42/16.

Kommentare (16)

wikwam 21.10.2016 | 09:18

Völlig richtig,

es hat überhaupt keinen Mehrwert, jedem Schülern und Lehrer für den Unterricht Hardware und Online-Zugänge zu Verfügung zu stellen.

Wer sich ein bisschen mit dem Thema befasst stellt fest, dass ein Gehirn zu Entwickling ganz andere Ding braucht.

Viel schlimmer noch.

Dass einzige, was in der Schule wichtig ist: Das genügend Lehrer da sind, die motiviert sind und die Schüler erreichen/begeistern. Und dafür braucht es nicht viel tamtam.

Oder ist es doch nur die Lobbyarbeit von MS, APPLE, SAMSUNG und Co, die ein großes Geschäft wittern??

Reinhold Schramm 21.10.2016 | 09:26

Neun von zehn Jugendlichen tragen das Hosentascheninternet stets mit sich herum ...“ - würde es doch nur der Aufklärung, Bildung und Emanzipation der Jugend dienen!

Es verstärkt die bereits vorhandene Entfremdung von der tatsächlichen ökonomischen, ideologischen und gesellschaftspolitischen Alltagsrealität in der kapitalistischen Klassengesellschaft.

Und schon gar nicht wissen sie ihren Nachwuchs wirksam vor den Risiken zu schützen, die in der anonymen Online-Kommunikation offener Kinder-Plattformen stecken.

Dennoch hat das Digitalisierungsgeschenk von Bildungsministerin Johanna Wanka auch etwas Unsoziales, ja Perverses.

Wer die Köpfe kontrolliert, der hat die Verfügungsgewalt über die materielle Arbeit und Wertschöpfung, über die (ungleiche) Verteilung des produzierten Reichtums und die sozioökonomische Reproduktion in der Klassengesellschaft.

Werner Seppmann schreibt: „Im Zentrum der medialen Bewusstseinsprägung steht die Verabsolutierung der Bilder. {...} Die Ausklammerung von Zusammenhängen, die mit dieser Art der Fokussierung verbunden ist muss als beabsichtigt angesehen werden. –
Mediale Manipulation findet zu einem wesentlichen Teil durch diese Praxis der Ausblendung statt.“ *

* In: Kritik des gesellschaftlichen Bewusstseins. Autoren: Hahn/Metschner/Seppmann. Über Marxismus und Ideologie. LAIKA Verlag Hamburg 2016. Band 62.

Reinhold Schramm 21.10.2016 | 09:29

Neun von zehn Jugendlichen tragen das Hosentascheninternet stets mit sich herum ...“ - würde es doch nur der Aufklärung, Bildung und Emanzipation dienen!

Es verstärkt die bereits vorhandene Entfremdung von der tatsächlichen ökonomischen, ideologischen und gesellschaftspolitischen Alltagsrealität in der kapitalistischen Klassengesellschaft.

Und schon gar nicht wissen sie ihren Nachwuchs wirksam vor den Risiken zu schützen, die in der anonymen Online-Kommunikation offener Kinder-Plattformen stecken.“

Dennoch hat das Digitalisierungsgeschenk von Bildungsministerin Johanna Wanka auch etwas Unsoziales, ja Perverses.

Wer die Köpfe kontrolliert, der hat die Verfügungsgewalt über die materielle Arbeit und Wertschöpfung, über die (ungleiche) Verteilung des produzierten Reichtums und die sozioökonomische Reproduktion in der Klassengesellschaft.

Werner Seppmann schreibt: „Im Zentrum der medialen Bewusstseinsprägung steht die Verabsolutierung der Bilder. {...} Die Ausklammerung von Zusammenhängen, die mit dieser Art der Fokussierung verbunden ist muss als beabsichtigt angesehen werden. –
Mediale Manipulation findet zu einem wesentlichen Teil durch diese Praxis der Ausblendung statt.“ *

* In: Kritik des gesellschaftlichen Bewusstseins. Autoren: Hahn/Metschner/Seppmann. Über Marxismus und Ideologie. LAIKA Verlag Hamburg 2016. Band 62.

Bingocrash 21.10.2016 | 16:20

Diese `Unterschichtenfabriken` aufzulösen wäre für diese Gesellschaft, die sich fast ausschliesslich an Markt, Kapitalismus (und der damit verbundenen Wachstumsabhängigkeit), Konsum, Funktionalität und unnötiger System-Unterwerfung orientiert, fatal. Weil dann muss ein humaner Gegenentwurf her. Der allerdings wird ständig unterdrückt, diffamiert.

Ein Vergleich zur formellen Abschaffung des Sklaventums ist bei Nachdenken wohl angebracht. Seit Inkrafttreten (ca. 1865) bis heute ist Fakt, das es immer noch Reste alten Gedankenguts gibt, gerade in Krisenzeiten wie diesen. Es wird wohl keine größeren Kriege geben, wenn man Bildung konsequent aus den Bereichen der Wirschaft und Macht heraushält, aber massiven Widerstand über Jahre/Jahrzehnte nebst temporären lokaleren Unruhen.

Ich denke, das man in informierten Kreisen, welche noch humanes Denken voranstellen, leider schon resigniert hat und die Sache voll vor die Wand fahren lässt.

Ganz einfach deswegen, weil die zur Zeit herrschenden Auffassungen sich dermaßen verfestigt haben, das es am Ende nur auf ein Ende mit Schrecken (nachdem so ziemlich alle globalen Ressourcen verbraucht/missbraucht sind) hinausläuft.

Die im Artikel beschriebenen Maßnahmen sind, wie zu Recht festgestellt, aller Wahrscheinlichkeit den "obersten Direktiven" des Neoliberalismus zuzuordnen. Das es anders verkauft wird, ist eine andere, traurige Sache.

Achtermann 21.10.2016 | 16:23

Die Möglichkeiten von Tablets im Unterricht sind enorm, sie werden das Lernen bereichern.

Ja, natürlich, in der Theorie. Nur, wenn's konkret wird, muss man auch sagen, was dafür wegfallen soll!

Schüler könnten über Blogs und Wikis anders kooperieren.

Könnten sie. Allerdings müssten sie schreiben, lesen und rechnen können. Und ob man mit Tablets diese drei Grundfertigkeiten sich besser aneignen kann, ist doch sehr in Frage zu stellen. Im Zentrum steht die Lesefähigkeit, d.h. Texte verstehen und interpretieren können. Zur Lesekompetenz gehören Vorwissen, Wortschatz und nicht zuletzt ein gewisses kognitives Level. Wer meint, diese Fähigkeiten mittels Tablets besser an die Schüler herantragen zu können, macht es sich sehr einfach. Diese fünf Milliarden des Bundes sind nichts anderes als ein Freikaufen von Verantwortung für gesellschaftliche Entwicklungen, die der geistigen und materiellem Prekariserung Vorschub leisten.

Völlig außer Acht gelassen werden die Folgekosten und der Folgeaufwand. Nehmen wir mal an, eine Schule wird mit Tablets zugeschmissen: jeder Schüler ein Gerät. Wer zahlt, wenn es kaputtgeht, wenn es geklaut wird, wenn es repariert werden muss? Welcher Lehrer, welche Lehrerin bringt ein Tablet wieder in Gang, wenn es mal hängt? Wer führt die Updates durch? Wer besorgt die schülerspezifische Software und spielt sie auf? Weitere Fragen könnten sich anschließen.

Als der syrische Schriftsteller Rafik Schami mit Mitte 20 nach Deutschland kam und begann Deutsch zu lernen, fragte er, wer der beste deutsche Schriftsteller sei. Man sagte ihm Thomas Mann. Er besorgte sich die Buddenbrooks und schrieb das Werk ab - mit der Hand. Er sagte, er brauchte das manuelle Niederschreiben, weil über die Handbewegung die Wörter, die Sprache und das Gefühl dafür sich besser in seinem Gedächtnis eingegraben hätten. Ob dies mit einem Tablet funktioniert hätte?

Rüdiger Heescher 21.10.2016 | 17:05

Vorab

Ich bin selbst previligiert aufgewachsen und hatte damals in den Mitte 80ern das Glück in eine Schule gehen zu dürfen, wo man einen Computerraum mit 10 IBM 286ern stehen hatte und Informatik mit Pascal unterrichtet wurde. Ich bin selbst ein Internetjunkie und habe die Akkustik Kopplerzeit mit BTX und Atari erlebt und war selbst Computerfetischist seit 1995 mit meinem Mac und im Internet.

Ich habe aber aus Büchern gelernt! Und ich stelle immer wieder fest, dass mein Fundament von Wissen aus der Phase resultiert, was ich aus Büchern gelernt habe und nicht aus dem Internet. Meine Medienkompetenz resultiert aus kritischen Büchern, die wir in der Schule gelesen haben. Sei es Parabeln, Orwell oder Lehrern allgemein, die mich zu einem kritischen Menschen geformt haben, als positiv Beispiel, die einen dazu ermuntert haben, oder als negativ Beispiel, die dazu verleitet haben sie zu kritisieren, weil sie autoritär oder inkompetent waren.

Man lernt nicht Medienkompetenz wie ein Schulprogramm. Man lernt Medienkompetenz durch das interagieren und an Beispielen, wie die Welt funktioniert. Es ist keine Medienkompetenz wenn man weiss wie ein Compter ein und ausgeschaltet wird. Es ist nur eine Verschleierung.

Wenn ich heute stolz drauf sein kann, dass ich kaum google oder Wiki benutzen muss, dann liegt das daran, dass ich schon etwas gelernt habe, was fundamentales Grundwissen ist. Wenn ich heute beobachte, dass eigentlich nur noch Wiki paraphrasiert wird, dann denke ich mir manchmal, ob diejenigen wirklich verstanden haben in welchem Zusammenhang das alles steht, was sie reinkopiert haben.

Medienkompetenz ist nicht zu wissen, wie man ein Lexikon benutzt. Das lernt man auch offline.

Medienkompetenz ist Bewusstsein zu haben für Zusammenhänge, die man aber erst einmal als Allgemeinwissen in einen Zusammenhang bringen muss, um dann auch kritisch sein zu können. Und das geht nur durch Bücher und nicht durch kopieren von Wiki Beiträgen.

Ich sehe es selbst an mir, wenn ich online lese, dass meine Aufmerksamkeit geringer ist, als wenn ich ein Buch in der Hand habe, was ich durcharbeite. Und dieses Fundament muss erst einmal da sein. Später kann man vieles einfach überlesen, weil man schon weiss wohin die Reise geht im Denken, weil man eben das Grundwissen hat worüber jemand schreibt.

Aber für Schüler muss man erst die Grundlagen bilden.

Daher bin ich strikt gegen diese pseudomedienkompetenzbildung, die nur hip und Trendy erscheint, aber nichts mit Bildung zu tun hat sondern genau das Gegenteil erreichen wird. Die Schüler werden verdummt.

Anelim Aksnesej 22.10.2016 | 01:13

Aus Profilierungssucht und mit Augenwischerei wird vom Bildungsministerium so agiert, daß dem Glauben an vermeintlich neue Bildungsarten mit einer großkotzigen Geste,der Erfolg schon vorausgesagt wird,ehe er eingetreten ist.Ich halte so lange nichts davon, bis ich erlebe,daß Nachhilfeinstitute kaum noch Konjunktur haben.Aber irgendwas muß Politik machen kurz vor der Wahl und das ist vor allem mit großem Tam Tam Fata Morgana aufsteigen lassen.Macht sich besonders gut im internationalen Ranking-die Computerbestückung der Schulen.In meinem Ort sind schon virtuelle Tafeln eingeführt worden in der Grundschule, die wurden so angepriesen, daß ich auf Durchgang geschaltet habe.

Christian Füller 22.10.2016 | 02:13

@achtermann 1. Die Möglichkeiten digitaler Endgeräte und Plattformen sind nicht theoretisch enorm, sondern praktisch. Beispiel digitales "Schulbuch": es integriert u.a. Film und Fotos, es macht die Schüler zu Produzenten, es ermöglicht individuelle Lerndokumentationen als digitales Buch zu erstellen usw. usf. Die Frage, was dafür wegfallen soll, ist abwegig. Digitale Instrumente sind ja nicht Fächer, sondern Methoden, sie finden in den Fächern statt.

2. Schüler kooperieren über digitale Kanäle und Plattformen ja nicht nur "digital", sondern über Sprache und Schrift. Auch hier ist die Gegenüberstellung Nonsens. Das Digitale ergänzt und verändert die Kulturtechniken, aber es baut auf ihnen auf.

Viele verstehen digitale Lernmethoden noch nicht. Man darf sie nicht überhöhen. Aber so simpel vom Tisch wischen, wie sie das tun, geht das m.E. nicht.

kstock 25.10.2016 | 16:57

Thema Folgekosten: Ein Rollout von Laptops odr Tablets oder anderen Geräten, die lokal administriert werden können oder müssen führt zu immensen Folgekosten. Wenn ein solches Scenario überhaupt in Erwägung gezogen wird, dann muss zwingend vermieden werden, dass die Lehrkräfte sich um Administration der Hardware und der Software kümmern müssen. Das würde den Mangel an Lehrkräften nur verstärken oder einzelne Lehrkräfte zu "freiwilligen" unbezahlten Leistungen zwingen. Wenn überhaupt, dann sollten einheitliche Hardware-Ausstattungen mit "dummen" Terminals realisiert werden. Die Software für die verschiedenen Lehrpläne und Jahrgänge müssten zentral, am besten Länderübergreifend in entsprechenden Rechenzentren bereitgestellt werden. Das würde nicht bedeuten, dass den Schülern an allen Schulen das gleiche angeboten wird. Es müßten IT-basierte Prozesse bereitgestellt werden, die dem zuständigen Lehrer (ein oder zwei pro Schule, oder die Fachverantwortliche !) erlauben die erforderliche Software entsprechend der aktuellen Anforderungen aus einem Katalog bereitzustellen. Dieses System bereitzustellen kann man einem Dienstleister überlassen. Die Auswahl der Software kann aus einem Katalog länderspezifisch in den Bildungsministerien erfolgen. Zusätzliche Software wird durch die Bildungsministerien bereitgestellt. Software kann einmal zentral bereitgestellt und länderübergreifendwerden und auch Schulformübergreifend und fächerübergreifend genutzt werden. etc. Jedenfalls ist ein möglichst wartungsarmes also ressourcensparendes System zu konzipieren. In dem im schlimmsten Fall die "dummen" Termnals auszutauschen sind und nicht bei Austausch eines Gerätes der Lehrer oder die Schüler Betriebssystem- und Netzwerkanpassungen durchführen müssen und die ganze Software wieder einspielen müssen. Darüberhnaus muss der Lehrer die Möglichkeit haben den Internetverkehr und/oder die Ntzung der Maschine im Unterricht zugunsten anderer Methoden zu unterbinden. Daraus folgt, dass die vernetzten Geräte je Klassenraum am Lehrerpult vom Netz getrennt werden können, Dass der Lehrer die Kommunikation zur Darstellung von Arbeitsergebnissen einem Schüler an seinem Platz freischalten kann, während die anderen Schüler an Ihren Geräten blockiert werden können. Es sollte bestenfalls die Möglichkeit bestehen die Geräte im Tisch zu versenken, so dass die Arbeitsfläche frei wird von Technik, die in bestimmten Fächern oder Lerneinheiten stören würde.

In das Thema muss eine Menge konzeptionelle Arbeit reingesteckt werden. Erfahrungen mit PC's und Laptops im Vergleich zu "dummen" Terminals gibt es reichlich in großen IT-basierten Organisationen. Und der Schulbetrieb in unserem Land ist mit den größten Organisationen durchaus zu vergleichen.

Ich meine : unabängig von den anderen berechtigten oder unberechtigten Kritiken an dem Thema wäre das Ausrollen von Laptops oder Tablets maximal kurzfristig eine "gute Nachricht" - das Desaster an den Schulen, die Belastung weniger IT-affiner Lehrkräfte und den entstehenden "Schrotthaufen" bald veralteter oder nicht mehr effizient nutzbarer Technik kann ich mir sehr gut vorstellen. Hände weg davon.

Achtermann 25.10.2016 | 18:09

Dieses sollten diejenigen sich vor Augen führen, die im Moment PR-Arbeit für die Tabletisierung der Schulen betreiben. Diese 5 Milliarden einfach so übers Land streuen, ohne die realen Folgen zu betrachten, ist hanebüchen. Allein schon ein einheitliches Schulverwaltungsprogramm, das landesweit zentral gesteuert wird, dauert in RLP schon rund fünf Jahre. Die Einführung wird seit drei Jahren immer wieder verschoben.

pleifel 25.10.2016 | 19:05

"(...) es macht die Schüler zu Produzenten, (...)"
Da ist wohl so ein Begriff durch den "Filter" gelaufen, der mehr besagt, als viele Worte.

@R. Heescher hat bereits wichtige Gründe genannt, die allemal dagegen sprechen, die Kinder zu früh an die Geräte zu bringen. Medienkompetenz entwickelt sich doch nicht durch die Technik, sondern erst wenn die Kritikfähigkeit vorher (aus-)gebildet wurde, um sich überhaupt der Informationsflut stellen zu können. Hier wäre etwa an ein Alter von 12 Jahren zu denken. Aber wer an konsumorientierte, sich an flüchtigen Momenten ausrichtende Menschen wünscht, der stellt hier die Weichen.

Ein Beispiel, was die Auswirkung allein von Taschenrechnern in der Schule bewirken kann (mein alter TI-34 liegt gerade neben mir), ist fehlende Kompetenz, wenn die Dinger zu früh im Unterricht zugelassen wurden. Nicht dass wir sie damals nicht trotzdem heimlich genutzt haben, aber es behinderte (verhinderte) die die Ausbildung von grundlegenden, einfachen Rechenfähigkeiten, geschweige dem großen Einmaleins.

Und nicht anders ist falsch verstandene Medienkompetenz, die Quantität mit Qualität verwechselt und die natürliche Neugier der Kinder zu früh in den bunten Ablenkungsmodus führt. Wer genauer hinschaut, wird sich nicht wundern, wer da im gleichen Boot sitzend für ein Pro spricht. Das wiederum zu erkennen, gehört auch zur Medienkompetenz.

"Kooperieren" Miteinander arbeiten bedingt möglichst physische Kontakte, wie es später auch (i.d.R.) nicht FreundeInnen sind, die sich in Facebook liken, was doch tatsächlich manche schon nicht mehr unterscheiden können.

Querlenker 27.10.2016 | 09:25

Ihre Kritik ist im Prinzip berechtigt, läßt aber einen Aspekt außer acht: Im normalen Alltag ist auch jeder Privatmensch selbst dafür zuständig, dass seine Hard- und Software funktioniert und er sich bei Problemen selber helfen kann oder dass er jemanden kennt, der ihm hilft. Daher sollten auch die Schüler für die Administration ihrer Laptops verantwortlich sein und ggfls. Rat suchen bei Mitschülern, die damit besser zurechtkommen. So lernen sie gleich was für das spätere Leben. Allerdings müsste im Lehrplan dafür auch ein Zeitfenster eingeräumt werden.

Zu dem Problem mit der technischen Veralterung der Geräte und der Software, also dass ca. alle 5 Jahre neu Laptops, Tablets und Apps angeschafft werden müßten, weiß ich auch keine Lösung, außer dass, wie für die Renovierung der Schulgebäude, jedes Jahr ein Betrag X dafür bereitgestellt werden müsste. Da das bei den Schulgebäuden schon nicht klappt, bin ich bei den Computern pessimistisch.

Anelim Aksnesej 03.11.2016 | 00:01

Diese Computerisierung der Schule ändert nichts an der auch fehlenden Ungerechtigkeit-dem Mißverhältnis zwischen leicht Lernenden und schwer Lernenden-im Schulsystem.Grob gesagt-diese ätzende Auslese ist ein deformierender Faktor und kein PC ändert etwas.LehrerInnen werden weiter degradiert im System zu funktionieren.Ich bin aber keine.Natürlich hängt das Arbeitsklima von der Führung ab.Sieht es da schlecht aus?Ich habe gerade eine Doku über die ZURICH gesehen,da hatte ich dann keine Fragen mehr.ARD-Mediathek-verlinken,es funktioniert einfach nicht,trotz guter Anleitung hier erhalten....