Die geheimnisvollen Aschkenasim

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Die geheimnisvollen Aschkenasim

Es geht, angeregt durch Thilo S. „Mut“, er ist der geborene, kommende Preisträger für Dr. Hubert Burdas Niederwildbaby, ohne Hemmungen weiter mit der schlammigen Diskussion.

Die genetische Anthropologie, die heute relativ schlüssig belegen kann, dass die ganze, heute lebende Menschheit wenige, vielleicht nur eine Wurzel hat (mit den Neandertaler-Genen in Mitteleuropa, deren Spuren noch beim Sapiens sapiens nachweisbar sind, vielleicht mindestens deren zwei), wird zusammengerührt mit Studien über Gendefekte bei extrem kleinen Populationen und den dabei auftretenden Seiteneffekten, dann verblendet mit der angeblich aus IQ-Tests und der Zwillingsforschung abgeleiteten, überprüfbaren Überzeugung, Intelligenz sei zu einem hohen, direkt feststellbaren Maß nicht individuell, sondern ethnisch und rassisch vererbt und eben kaum durch Erziehung und Bildung beeinflussbar. - Wie das biologisch überhaupt gehen soll, wen interessiert das noch?

Eine große Rolle für die Argumente spielen dabei die Aschkenasim, die, wiederum vor allem in relativ kleinen Gruppen, keinesfalls als Gesamtpopulation, relativ streng, untereinander heiraten und durch eine relativ hohe Zahl an seltenen, genetisch verursachten Defekten, andererseits auch, das ist allerdings wegen der geringen, überhaupt getesteten Zahl an Probanden schon wieder fraglich, durch eine um 15 Punkte höhere Intelligenz im IQ-Test, auffallen sollen.

Das Ganze wird meist noch unterfütttert mit der Bemerkung, jüdische Bürger der Vereinigten Staaten, immer einschließlich der Emigranten aus Westeuropa (!), hätten proportional mehr Nobelpreisträger hervor gebracht und das belege wiederum die überlegene Intelligenz im Vergleich zu anderen halbwegs eingrenzbaren Populationen, vorzüglich der der Muslime in Europa. Das das eben nicht so ist, biologisch auch gar kein Merkmal darstellt, interessiert wirklich niemanden mehr.

Die Menschheit veräppelt sich gerne selbst und führt Nebengefechte, weil viele Leute nicht zu ihrem Urteil stehen, das da lautet, sie wünschten sich die Rückkehr zur kulturell, und neuerdings wieder, biologisch, homogenen Gesellschaft und die Abkehr von sichtbarer Multikulturalität.

Es fehlt nur noch, dass Pop- und sonstige Medienkünstler es nicht mehr ertragen, als mediteran-orientalische, irgendwie andersfarbige Menschen erkennbar zu sein, und dazu über gehen sich europäisch- operieren und depigmentieren zu lassen. - Die literarische Vorlage lieferte, zur Hochzeit des Antisemitismus vor dem Kriege, Oskar Panizza in seiner Geschichte vom „Operierten Jud´ “, eine andere Vorlage hieß wohl einmal Michael Jackson.

Weder produzierte die kleine Gruppe der genetisch so aufälligen Aschkenasim die Nobelpreisträger, noch stammen alle Juden aus einer einzigen genetischen Wurzel, wenn man nicht zur Binse Adam und Eva zurückkehren möchte, mit der mittlerweile die ganze Menschheit, aufgereiht an ihren Haplo-Gengruppen, jeweils über mütterliche Mitochondrien-DNA und väterliche Y-Chromosom DNA, miteinander verwandt ist.

Nicht nur die Lust am Stammbaum (in Utah, bei den Mormonen, stehen die besten und kostengünstigsten Labors) und am Wissen um die Herkunft der möglichst jüdischen Stammmutter bei offiziellen Beziehungen, sondern vor allem die ganz reale Angst, ein Kind zu zeugen, das an einer der fiesen Genkrankheiten (Es sind mehrere!) leidet, die so gehäuft auftreten können, weil biologisch wenig Mischung eintrat, treibt diese Menschen in die Screening-Labors.

Es ist eine Bürde, zu wissen man vererbt, mit viel höherer Wahrscheinlichkeit, schwere Krankheiten. Glauben Sie mir wenigstens das. Lieber schnell einen Heterozygoten-Test.

Nun streiten sich die Kinder Adams und Evas, wer denn der Klügste, Weiseste und Fitteste Clan sei, geeignet der Kinderlosigkeitsfalle und der angeblichen kulturellen und sozialen Verfallstendenz entgegen zu leben. - Lächerlicher kann man sich nun, als Vertreter der Spezies Sapiens sapiens wirklich nicht mehr machen, als diesen Quark nachzukauen. Biologie kennt keine Einordnung nach Oben und Unten, keine Rangstufen und Höherwertungen. Gewollt ist einzig die Menschheit, denn in ihr steckt ganz offensichlich ein biologischer Drive, sich über die Erde auszubreiten, die Herrschaft zu übernehmen und ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Das schließt nicht einen einzigen geborenen Menschen aus.

Was allerdings stimmt und dann ist es doch wieder banal. Diese Aschkenasim, also die, die häufiger an Stoffwechselstörungen leiden, teilen die defekten Genlocci mit arabischen Menschen (!), die sie auch, aber wegen der größeren Durchmischung, seltener besitzen.

Was macht nur der Nobelpreisträger, der kein „Intelligenzgen“ hat, weil er nun zwar Jude ist, aber offensichtlich nicht aus einem so engen Pool an heiratsfähigen und überhaupt untereinander heiratwilligen Teilen der jüdischen Bevölkerung stammt? In Tränen ausbrechen?

Israel ist eine, was seine jüdische Bevölkerung angeht, genau so gemischte Nation, wie z.B. die Deutsche. Bei uns gibt es ja zumindest eine einzige schöne literarische Stelle, die das auf den Punkt bringt. Nämlich die, in der der General Harras, „Des Teufels General“, seinem Leutnant verklickert was wahrhaftiger rheinischer Adel ist, nachdem der Junge Sorgen bezüglich seiner arischen Herkunft bekam. Da, am Rhein, lebten ja auch lange Aschkenasim, viele goldene Generationen lang, bevor die Pogrome begannen.

Juden kamen aus ganz unterschiedlichen Weltgegenden nach Israel und neben den beiden großen Gruppen der Aschkenasim (jetzt sind nicht die Wenigen in New York mit dem Risiko für spezielle Gendefekte gemeint), -die sich selbst wieder spalteten in relativ getrennte, auch untereinander nicht häufig heiratenden Großgruppen- , und den Sephadim, die wiederum häufig Aschkenasim aufnahmen (Namenspräfixe und Stämme erinnern), bei denen ich das jetzt nicht so genau weiß in wie viele Großgruppen sie sich teilten, leben dort welche mit arabischen, äthiopischen und orientalischen Wurzeln. Für die Aschkenasim kann als gesichert gelten, dass sie z.B. eine teilweise Übereinstimmung mit der kaukasischen Urbevölkerung in ihren Genen mitführen.

Eines ist natürlich klar, auch in Israel gibt es im Prinzip völkisch denkende und auf die Reinhaltung der eigenen Gruppe achtende Geister. Sie existieren in jedem Land der Erde, und sie vertreten den Glauben an Abstammung und Gene mit besonderer Vehemenz.

Aber ebenso steht man dort vor dem Problem, dass die Gesellschaft in soziale Schichtungen zerfällt, bei der bestimmte Gruppen schon durch Herkunft und Bekenntnis mehr Chancen und mehr Teilhabe an den Ressourcen der Gesamtgesellschaft erhalten als andere, und einige Gruppen als Sündenböcke herhalten müssen. Aufgrund von simplen Körpermerkmalen (Hautfarbe) und Ethnie, Kleidung oder Sprachmängeln, werden sie eher zur Unterschicht gerechnet oder zu Außenseitern erklärt und sollen das implizit bleiben. Das Stigma und die sozialen Präferenzen führen dazu.- Über die arabischen, nicht – jüdischen Israeli steht dann hier noch kein Wort. Denn die bekommen, wie bei Sarrazin die türkischen Muslime, ein eigenes Kapitel ( ;-((( ).

Wir merken, es geht in Israel ganz genau so zu, wie bei uns und anderswo auf der Welt. Und in den Vereinigten Staaten kochen Ideologen mit den gleichen biologistischen Versatzstücken an ihrer Sozialgeschichte der Höherentwicklung der Menschheit und verhindern das Wesentliche, nämlich die Ausbildung eines Gemeinschaftsgefühls derer, die ursprünglich von ganz unterschiedlichen kulturellen und geografischen Orten kamen. - In der Bürgergesellschaft ist das aber die wichtigste Voraussetzung, um nicht in das Modell einer formierten und geschlossenen Gesellschaft, die kennen wir ja, zurück zu fallen.

Sarrazin hat auf seiner Pressekonferenz noch einmal betont, er halte viele Muslime, auch bei einer Anstregung im Bildungs- und Sozialbereich, nicht für integrierbar. Es gebe Ausnahmen, und der freundliche Blick fiel auf die neben ihm sitzende Necla Kelek. - Leises, freundliches Lachen im Raume. - Da stockt einem Zuseher und Hörer der Atem, denn da ist jemand gerade selektiv tätig!

Leider bessert sich das nicht, weil Frau Kelek gerne mitspielt. Sie ist die Vorzeigedeutschtürkin, das Roll-Model(l).

Thilo Sarrazin äußerte sich auch zur Einwanderungspolitik. Ein Vorbild sei ihm, unter anderen, das Verhalten der Vereinigten Staaten. Da müssten Einwanderer sich entweder anpassen oder wieder gehen. Die Green Card werde nur für Qualifikationen vergeben. Unerwähnt ließ er das gewaltige Illegalen- Problem der USA. Wahrscheinlich wäre ihm ein Rechtlosenstatus für Immigranten lieber, über die dann die Wirtschaft und der elitäre Privatmann verfügen könnte, die man aber nach Belieben aus Dienststellungen und Gelgenheitsjobs, zu mehr sind die Armen ja nicht tauglich, auch wieder ins Ausland transferieren kann. - Solches Gebaren soll es übrigens sogar bei den höchsten Offiziellen der UN in New York, ganz inoffiziell geben.

Christoph Leusch

Lesenswert zum Thema:

Ramona Ambs, "Neo-Sarrazismus, Rassismus ohne Rassisten":

Hierin auch ein guter Verweis zu den seltsamen Quellen der Wissenschaft unseres derzeitigen Gesprächthemas Nr.1 ( www.hagalil.com/archiv/2010/08/29/sarrazin-6/ ).

20:07 30.08.2010
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