Schönheit ihr Lieben, hat ihren Preis - II

Antipodisch schön Rosy Tin Teacaddy singen vom Untergang des achten Weltwunders. Ernst Dieffenbach, Demagoge aus dem Vormärz, war Neuseelands erster Maori-Forscher. Vulkanisch!
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Schönheit ihr Lieben, hat ihren Preis - II

Schönheit ihr Lieben, hat immer einen Preis- II

Rosy Tin Teacaddy, Antipoden, ein Vulkanausbruch und der Vormärz

Beauty my dear comes out of cost*

Betty Grey und Billy Earl, das sind Holly Jane Ewens und Andy Hummel. Sie singen und komponieren zusammen, Down under, in Neuseeland, als Duo „Rosy Tin Teacaddy“.

Manchmal streiten sie auch und machen daraus Lieder. Dann nehmen sie die ewige Zweierbeziehung und das Familienleben auf die Schippe, ohne gleich die heilige Familie in Sarkasmus zu ertränken (Rosy Tin Teacaddy, Chestnut , http://www.youtube.com/watch?v=5Lau5X0GW7o ). - Bei uns kennt sie keiner, obwohl das ein großer Fehler ist. Wären sie nicht antipodisch unterwegs, dann säßen sie längst in den Studios Amerikas und Europas und hätten einen großen Namen.

DerSong „Telegrams and ashes“ ( http://soundcloud.com/rosy-tin-teacaddy/09-nightingale#play ), stammt aus ihrem 2011er Album „All mountains are men“. Die Bedeutung des Liedes bleibt ohne Hintergrundwissen kryptisch. Was hat es mit den letzten Telegrammen aus der Asche auf sich, die „Dot,dot,dot,dash“ und so traumhaft gesungen, daher kommen ?

>>i’m sending this to you(STOP)raining earthly matters

red glow horizon(STOP)sky is full of flashes

there’s panic in the streets(STOP)pale faced in tatters

i must not leave my post of telegrams and ashes <<

(...)

2010 waren die beiden Musiker zu einem ungewöhnlichen Projekt der neuseeländischen Umweltschutzbehörde und der Kulturstiftung Creative New Zealand eingeladen. Das nationale Umweltamt und der Kulturfonds des Landes schicken regelmäßig Künstler aller Sparten in die Naturreservate, bevorzugt an einsame, aber landschaftlich überwältigend schöne Stellen (http://www.doc.govt.nz/getting-involved/events-and-awards/awards/wild-creations/wild-creations-gallery/ ). Rosy Tin Teacaddy erhielten ein sechswöchiges Stipendium für einen Aufenthalt am Lake Tarawera auf der neuseeländischen Nordinsel, der mittlerweile gar nicht mehr so einsam liegt, sondern längst wieder ein beliebtes Ausflugs- und Urlaubsziel ist. - Dieser Ort hatte seine Schönheit und fast das ganze Leben während einer Naturkatastrophe eingebüßt und er reichert sich nun erneut mit Bedeutung und Leben an, um wieder schön zu werden.

Die Unterkunft am See erwies sich als harte Herausforderung, denn sie war spartanisch eingerichtet. Nicht einmal ein Teepott fand sich im Haus am See. Geschlafen wurde auf Matratzen am Boden, und kalt war es wohl auch, für das Duo und seinen Nachwuchs, trotz des Bullerofens. („Pretty as a picture“, http://soundcloud.com/rosy-tin-teacaddy/04-man-of-dust und ein Video, http://www.youtube.com/watch?feature=player_detailpage&v=lIb_v4vq9Vg , vom Lake Tarawera ).

>>Our house of cards ain’t fallen

we’ve been run off our feet

We can stroll to the letterbox

but there’s no-one there to greet

You’re left holding the baby

thinking about the price of meat

Just waiting for some sign of life

these modern times ain’t sweet.<<

Ganz nebenbei, komponierten und produzierten sie die Songs des Albums „All mountains are men“. - Die passende Schauergeschichte muss nun erzählt werden.

Ausbruch des Vulkans Mount Tarawera, 1886

Am 10: Juni 1886 brach der bis dahin für inaktiv gehaltene Vulkan Mount Tarawera aus. Den schauerlichen Abschluss bildete eine pyroklastische Eruption, die einen großen Teil des Berges weg sprengte und eine gewaltige Welle aus heißer Asche, Lava, Schlamm, Steintrümmern und giftigen Gasen die Reste der Bergflanken hinunter rasen ließ. Die Maori Siedlungen wurden zerstört und tief unter der Asche begraben. Eine ganze Landschaft veränderte schlagartig ihr Gesicht und kam in jenen seltsamen geologischen Urzustand zurück, der vor der Ausbreitung jeglichen Lebens auf der Nordinsel Neuseelands geherrscht haben musste.

Mit den Eingeborenen starben sieben Europäer, die dauerhaft in der Gegend wohnten und die Poststation und das Schulhaus betrieben oder vom damals schon wichtigen Tourismus lebten ( http://christchurchcitylibraries.com/Kids/NZDisasters/MtTarawera.asp ). „Telegrams and Ashes“ setzt dem Postmeister Rotoruas,Roger Dansey, der mutig telegrafierte, die Bewohner des Ortes seien allesamt in Nachthemden geflohen, er habe seine Familie ebenfalls weggeschickt, bleibe aber vor Ort, er wisse jedoch nicht, wie lange er noch aushalten könne, ein Denkmal.

Das achte Weltwunder

Reiche Leute wollten sich die weißen und rosa Terrassen ansehen, „Otukapuarangi“, die „Quellen des bewölkten Himmels“ und „Te Tarata“, die „tättowierten Felsen“, jene riesigen Rhyolit- und Sediment- Terrassen die dort große, natürliche Wasserbecken bildeten. Sie waren einst als Ergebnis vulkanischer Aktivität entstanden. In den Becken sprudelten zahlreiche Geysire.

Die Gegend galt im 19. Jahrhundert als achtes Weltwunder und somit als Muss für betuchte Reisesüchtige. Nichts sicherte das Auskommen der Maori und der weißen Reiseveranstalter besser, denn von Anfang an ließen die Eingeborenen nur begleitete und bezahlte Touren zu. Für jedes Foto, für jede Zeichnung und jedes Bild vor Ort verlangten sie hohe Gebühren. Ein Bild der „tätowierten Felsen“ anzufertigen, egal in welcher Technik, kostete zum Beispiel unglaubliche 5 Pfund ("Falling from Grace", http://soundcloud.com/rosy-tin-teacaddy/01-falling-from-grace ).

>>We’ve read there’s nothing

but a forest of slate

A photograph in the rubble

and a broken plate

(...)

Your wagon awaits!

Ladies and gentlemen

your journey’s about to begin-

a list of our rates

for a guided tour of our Falling From Grace (...)<<

Vor dem Vulkanausbruch ging es um die Schönheit der heißen Quellbecken, nachher um die Besichtigung des „Schieferwaldes“ und der anderen Zerstörungen. Die Tarife blieben hoch, für die Besichtigung jenes Abfalls von der Gnade der Götter.

Erst heute, sind große Teile der Becken am Seegrund des Lake Tarawera wiederentdeckt worden. Die Geschichte der bedauernswerten Maori und ihrer europäischen Mitbewohner, die Berichte über die wundersamen Rettungen von Verschütteten und den Mut der ersten Helfer, gehören zur Nationalgeschichte Neuseelands. Fast jedes Schulkind erfährt davon. - Kleine Nationen kennen ihre Katastrophengeschichte und ehren die benamten und unbenannten Schutzengel.

So kommt das wunderliche Liebeslied Rosy Tin Teacaddys für Alfred P. Warbrick, einem der bekannten weißen Scouts am See, zustande ("Lovesong For Alfred P. Warbrick", http://soundcloud.com/rosy-tin-teacaddy/08-telegrams-and-ashes ), der sich sofort nach der Eruption unter Lebensgefahr auf die Suche nach Überlebenden begab.

Die meisten Fremdenführer vor und nach der Katastrophe waren aber Maori- Frauen. Einige von ihnen wurden in ganz Neuseeland berühmt. So auch die energische und zugleich stets fröhliche Sophia Hinerangi / Te Paea , die Tochter einer Maori und eines eingewanderten Schotten, die wenige Tage vor dem Vulkanausbruch ein Maori-Kriegskanu auf dem Tarawera- See gesehen haben will. Sie hatte auch beobachtet, wie sich kurz vor dem Ausbruch das Wasser aus dem See zurückzog. Der weise und zaubermächtiger Maori-Häuptling Tūhoto Ariki deutete diese Erscheinungen als schlechtes Omen, aber niemand hörte auf ihn.

Als die Katastrophe eintrat, brachten sich in Sophias traditionell errichtetem Haus mit spitzem Giebel und Erdanschüttungen mehr als 60 Menschen in Sicherheit. Sie übrlebten, während in den einstürzenden Trümmern der Siedlungshäuser im Kolonialstil zahlreiche der ca. 150 Opfer des Desasters umkamen. („All mountains are men“, gewidmet der Maori-Tourbegleiterin Sophia Hinerangi aus Te Wairoa Village, 1886, http://soundcloud.com/rosy-tin-teacaddy/03-pretty-as-a-picture ).

>>She found the creek dry
villagers boats, up to their throats
and as she watched – the lake surged
the water rushed in with a curse.
So she said
“Isn’t it strange nobody is listening?”
donned her hat –
"I’ll be your guide for the day."

(...)

All mountains are men

I see the canoe as plainly as I see you now –
dog heads on men
The sudden disappearance when we’re calling out –
no answer from them.

It’s an omen, it’s a sign
It’s a sign, it’s an omen
It’s the time for revenge <<

(...)

Für die Maori galten der Ausbruch des Vulkans und die schrecklichen Folgen, als gerechte Bestrafung für die vielen Zwistigkeiten unter den Stämmen und Sippen um einen Anteil an den Einnahmen aus dem Tourismus, um das knappe Angebot an fruchtbarem Land. Vergangene Verbrechen und Ungerechtigkeiten wurden auf das Ereignis bezogen. Selbst an den beiden Geowundern, Quellen eines gewissen Wohlstands, gab es eine scharfe Trennung zwischen jenen Maori, die traditionell leben wollten und jenen, die sich christlich missionieren ließen.

Noch wenige Jahrzehnte zuvor, hatten sich Stammeskonflikte in blutigen Kriegen entladen, von denen heute der für die Touristen nachgestellte Kriegstanz, Haka ( http://vimeo.com/22763149 ), Höhepunkt jedes Reiseprogramms zu den Antipoden, übrig geblieben ist.

Hakas werden in unserer Zeit auch als Motivationsübung vor Rugbyspielen, beim Militär und bei nationalen Festen aufgeführt. Es gibt buchstäblich nichts, von der Tanztherapie bis zur Popmusik, zu dem nicht mindestens einmal versuchte wurde den Kriegstanz einzubinden. Heute tanzen auch Frauen den Haka.

Neuseeland, Nation aus langem Unfrieden geboren

Die Kolonialmacht England und die neuen Siedler zeigten sich wenig zimperlich in ihrem Streben, sich das Land der Maori mit allerlei Tricks anzueignen und die Stämme gegeneinander auszuspielen. 1840 hatten sich die Vertreter der zu dieser Zeit noch ca. 110.000 Eingeborenen Neuseelands auf einen Vertrag mit Queen Victorias Gouverneur eingelassen, der sie formal zu Untertanen der britischen Krone werden ließ.

Die frühen Kämpfe der Maori waren stark rituell überformt, um die Auslöschung ganzer Stämme in den vielen Fehden nach Möglichkeit zu verhindern. Fast zeitgleich mit dem Beginn der kolonialen Einwanderung, bewaffneten sich die Eingeborenen mit Gewehren, die sie von den weißen Neuankömmlingen kauften, eintauschten oder einfach stahlen. Die Aggressionen gerieten völlig aus dem Ruder.

Nun führten die Maori-Stämme untereinander Vernichtungs- und Vertreibungskriege, die fast während der ganzen ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts anhielten. Die berühmten „Musket Wars“, um 1810, 1820 und 1830, bei denen Tausende starben und Zehntausende aus ihren angestammten Gebieten fliehen mussten, schwächten die Position der Eingeborenen. Seit den 1840er Jahren drang zudem die Kolonialmacht auf die Öffnung der Nordinsel für weiße Siedler, die bis dahin ein Rückzugsraum für die Maori geblieben war. Sie setzte dies in einer Reihe blutiger Auseinandersetzungen gegen die Eingeborenenstämme durch, die sich mit Guerilla-Taktiken verzweifelt, aber erfolglos, wehrten. - Der berühmte Vertrag von Waitangi zwischen Queen Victoria und den Stammesführern, er war nicht das Papier wert auf dem er stand ( http://www.nzhistory.net.nz/files/documents/treaty-kawharau-footnotes.pdf ). Ab den 1870er Jahren galt Neuseeland als „befriedet“.

Hemmungslose Gewalttaten, häufig unter Alkohol- und Drogeneinfluss, bei den Maori, sowie unter den später zugewanderten europäischen Siedlern, sind auch heute ein gewichtiges Thema in der neuseeländischen Gesellschaft. Die Bergregionen der Nordinsel mit ihren Seen gelten als Pionierland, in dem rauere Sitten herrschen, als in den Städten und entlang der Küsten.

http://2.bp.blogspot.com/-_7SzE9GoNdk/UpO4b7jsD2I/AAAAAAAAA5o/fvG_fTIUYfw/s640/100_1523-O-001.jpg

Johann Karl Ernst Dieffenbach - Erster Naturforscher Neuseelands

Weil aber in dieser Welt alles mit nur sechs Klicks miteinander verbunden ist, wir uns also über sechs Ecken mit den Neuseeländern verwandt fühlen dürfen, kann diese Geschichte nicht ohne Bezug zu Deutschland bleiben.

Neuseelands erster Naturforscher, mit dem Erdschichtentheoretiker und Geologen Charles Lyell befreundet, mit Charles Darwin in Korrespondenz stehend, dessen Schriften er später, wie einige des Nationalgeografen Englands, Henry Thomas De la Beche ins Deutsche übersetzte, war der hessische Arzt Johann Karl Ernst Dieffenbach.

Seine Berichte und Forschungen förderten die Reiselust an das andere Ende der Welt, weil das neuseeländische Nichts aus kargem Farmland, dem Einwanderungsgebiet für die Gescheiterten Englands, nun plötzlich fantastische, unbelebte und belebte Naturwunder zu bieten hatte. Neben anderen Reiseberichten, sorgten vor allem Dieffenbachs genaue Schilderungen, einschließlich der Naturwunder am Lake Tarawera, für einen stetigen Besucherstrom, so, wie die Berichte der Rheinreisen gelehrter Intellektueller, Adeliger und Künstler im 19. Jahrhundert eine der ärmsten Regionen Deutschlands, das heutige Welterbe Mittelrhein, früh zum Tourismusmagneten werden ließ.

Dieffenbach, der in Gießen studiert hatte, war von den Behörden des Großherzogtums Hessen während der zweiten Welle der Demagogenverfolgungen nach dem Frankfurter Wachesturm, 1833, als subversives Element verdächtig worden. Er musste über Straßburg, Zürich und Paris, immer belästigt und bespitzelt von den europaweit arbeitenden, geheimen und offiziellen Behörden der Metternich- Restauration, nach London fliehen. Auf dieser Flucht vor dem größten, bis dahin bekannten Spitzelsystem der Weltgeschichte, das auch Heine, von Fallersleben, Büchner, Wilhelm Vogt und Ludwig Weidig überwachte, promovierte Dieffenbach mit viel Glück an der Universität Zürich, bevor ihn auch die Schweiz zur unerwünschten Person erklärte. - „Demagogenkumpan“ Ludwig Weidig, der Butzbacher Lehrer und Pfarrer, mit Georg Büchner Verfasser des „Hessischen Landboten“, hatte weniger Glück: Er kam 1835 in Haft und verstarb 1837 unter bisher ungeklärten Umständen im Gefängnis, nachdem er über zwei Jahre lang vom zuständigen Untersuchungsrichter und den Gefängnisaufsehern misshandelt und schikaniert worden war. Offiziell beging er Suizid.

In London lebte Dieffenbach in großer finanziellen Not als Hauslehrer und gelegentlicher Sektionsarzt, nebenbei schrieb er zahlreiche,von der Royal Society und englischen Wissenschaftlern geschätzte Naturstudien und Beiträge für das „Edinburgh review“ und die „British annals of medicin“.

Von den größten materiellen Sorgen erlöste ihn dann der Auftrag der New Zealand Company zu den Antipoden zu reisen, um das Land systematisch zu erkunden. Seine britischen Wissenschaftlerkollegen hatten ihm geholfen, obwohl der Deutsche auch in England als politisch unsicherer Kantonist galt. - Ganz Europa war damals ein Überwachungsgebiet der Restauration, denn niemals mehr, so die bekrönten und heiligen Häupter, und ihre höchsten Sicherheitsbeamten, sollte sich so etwas wie die französische Revolution wiederholen können.

Trotz seiner epochemachenden Reiseberichte "New Zealand and its Native Population"(1841) und "Travels in New Zealand" (2 Bde.,1843) und aller seiner Verdienste um die Erkundung der Nordinsel Neuseelands, wurde ihm, nach einem Aufenthalt in England, die Wiedereinreise dorthin verweigert.

Die mächtige New Zealand Company hatte ganz offensichtlich keine weitere Verwendung für einen kritischen Geist, der in seinen Berichten nicht nur fleißig die Geografie, die Flora und Fauna der Kolonie beschrieb, dabei jedoch zu wenig oder nur negativ über die wirtschaftliche Ausbeutbarkeit der Inseln berichtete, sich aber allzu intensiv mit der Sprache, der Kultur und den Lebensbedingungen der Maori beschäftigte.

Dieffenbach übte massive Kritik an der britischen Kolonialpolitik und an den Siedlern, die nur gekommen waren das Land und die Eingeborenen auszunutzen und schnell Geld zu machen. Er warnte vor den schmutzigen Grundstückskäufen, er erkannte die verheerende Wirkung von invasiven Tierarten, die die Europäer einführten, er hatte zu viel Verständnis für das feindliche Verhalten der nicht-missionierten Maori-Stämme, gegenüber den nach Gutdünken und Willkür handelnden Einwanderern.

Ein „Demagoge“ der folgende Sätze schrieb, der war unerwünscht:

Alle unsere Untersuchungen zur Geschichte der Menschheit führen uns dazu festzustellen, dass die Rassen in ihrer Herkunft nicht unterschiedlich sind und sich die Idee von der Minderwertigkeit verbietet, ebenso wie die Notwendigkeit, dass eine Rasse von einer anderen beherrscht werde. Ich bin der Meinung, dass die Menschheit in ihren Wünschen, Antrieben und geistigen Eigenschaften die selbe ist, was auch immer die Hautfarbe sein möge. Dass sie ein großes Ganzes bildet, in dem die unterschiedlichen Rassen die Ableger aus einer gemeinsamen Wurzel sind;...“ (Travels in New Zealand, Vol. 2, p.137)

Wir, die wir mit „Feuerwasser“, mit Gewehren und Krankheiten Krieg gegen die friedlichen Stämme der farbigen Menschen (Maori, m.Einf.) führen, haben kein Recht über deren Unterlegenheit zu reden, sondern sollten lieber die Mängel in unserer eigenen Zivilisation wahrnehmen“ (Travels in New Zealand, Vol. 2, p.138)

Von allen Maßnahmen, die für das Wohl der einheimischen Bevölkerung vorgeschlagen werden können, ist die wichtigste, sie ungestört im Besitz ihres alten angestammten Bodens und beim Genuß ihrer Lebensweisen und Gewohnheiten zu lassen,...“ (meine Übersetzung, Dieffenbach,Travels in New Zealand, 1843, Vol. 2, p.152)

Vordergründig ging es um einen simplen Honorarstreit, weil Dieffenbach die 500 Pfund Fixum, die ihm für die Abtretung sämtlicher Veröffentlichungsrechte angeboten worden waren, nicht akzeptieren wollte.

So kehrte er nach Gießen zurück und erhielt, obwohl der Staat erneut Verdächtigungen wegen seiner politischen Ansichten erhob, eine schlecht bezahlte Privatdozentur. Sein Brotberuf wurde die Übersetzertätigkeit. Nach der 1848er Revolution gab man ihm eine Stelle als außerordentlicher Professor für Geologie. Zur Zeit des Frankfurter Paulskirchenparlaments drängten man ihn, doch als Abgeordneter in die Nationalversammlung einzuziehen. Er lehnte ab. 1855 verstarb Ernst Dieffenbach, wie einst Büchner, an Typhus. Seine Grabstelle gilt als verschollen (Rosy Tin Teacaddy, "Man Of Dust", http://soundcloud.com/rosy-tin-teacaddy/05-blow-your-top ).

(…)

>>Taking off your wide brimmed hat / thanking us for coming back / we want to wish you luck / In an old-fashioned camera flash / standing like you’re Johnny Cash, but you / you are made of dust<<

Christoph Leusch

*>>Get a photograph, honey, before it’s lost / Beauty, my dear, comes at a cost / Can’t have a clear sky, without a frost/ Beauty, my dear, comes at a cost<< (Rosy Tin Teacaddy, Beauty, My Dear, Lied für die Witwe Amelia Haszard, die im Te Wairoa Schulhaus verschüttet lag, http://soundcloud.com/rosy-tin-teacaddy/12-departure )

- „All mountains are men“, ist ohne Zweifel ein herausragendes Folk- und Liedermacheralbum. Wer sich die poetischen Songtexte des neuseeländischen Duos näher ansehen möchte, der schaue auf der Webseite der Musiker vorbei und lese ihre „Blatherings“ („Gebrabbel“, „Gebabbel“): http://rosytinteacaddy.wordpress.com/lyrics/

- Wer sich alle Songs einmal anhören möchte, der kann das hier tun und gleich auch die CD oder einzelne Tracks bestellen: http://rosytinteacaddy.bandcamp.com/

- Zur Geschichte des mutigen Touristenführers Alfred Patchett Warbrick: http://www.teara.govt.nz/en/biographies/2w7/warbrick-alfred-patchett

- Die Geschichte der Sophia Hinerangi / Te Paea, Augenzeugin und charismatische Tourbegleiterin: http://www.teara.govt.nz/en/biographies/2h37/hinerangi-sophia

- Eine vorbildliche Webseite zur Geschichte Neuseelands, der ich die meisten Fakten verdanke: http://www.nzhistory.net.nz/

Hier findet sich auch ein Überblick zu den praktisch kontinuierlichen „Internal Wars“ der Neuseeländer bis in die 1870er Jahre: http://www.nzhistory.net.nz/war/new-zealands-internal-wars

- Ernst Dieffenbachs „Travels in New Zealand“, aus denen ich zitierte, sind hier zugänglich:

Band 1: http://books.google.de/books?id=2tQNAAAAQAAJ&printsec=frontcover&dq=bibliogroup:%22Travels+in+New+Zealand:+With+Contributions+to+the+Geography,+Geology,+Botany,+and+Natural+History+of+that+Country%22&hl=en&sa=X&ei=lYSRUqf8EIHRtAbujYGIAw&ved=0CDgQ6AEwAQ#v=onepage&q&f=false

Band 2: http://books.google.de/books?id=DEJCAAAAcAAJ&printsec=frontcover&source=gbs_ge_summary_r&cad=0#v=onepage&q&f=false

Der Naturforscher schrieb seine Berichte auf Englisch. Eine Merkwürdigkeit bleibt, dass er selbst nicht dazu kam eine deutsche Ausgabe zu veröffentlichen. Er hatte kein Geld für so viel Muse und keine Zeit, bis es zu spät war. Heute sind seine Reiseberichte begehrte und teure Antiquariatsware. Am traurigen Zustand, keine Übersetzung vorlegen zu können, hat sich bisher nichts geändert, wenn auch der Schmitz-Verlag 2005 zumindest die „Travels in New Zealand“ als unveränderten Nachdruck publizierte. Verleger und Herausgeber Manfred- Guido Schmitz schrieb ein gut lesbares Vorwort, mit einer knappen Biografie des Forschers und Arztes:

http://www.schmitz-verlag.de/wp-content/uploads/2011/05/Leseprobe_TravelsinNewZealand.pdf

- Eine weitere empfehlenswerte Webseite zur Biografie Dieffenbachs: Denis McLean. 'Dieffenbach, Johann Karl Ernst', from the Dictionary of New Zealand Biography. Te Ara - the Encyclopedia of New Zealand, updated 7-Jun-2013: http://www.TeAra.govt.nz/en/biographies/1d13/dieffenbach-johann-karl-ernst

C.L.

22:08 25.11.2013
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Columbus

Profil nicht mehr nötig. Alles Gute, der dFC und dem dF.
Columbus

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