Staat 194- Teil I, Mahmud Abbas vor der UN

Abbas Erzählung Mahmud Abbas bringt den Antrag der Palästinenser, zukünftig 194. UN-Staat zu sein, ein. Aus der Rede klingt der Mut der Verzweiflung, Stolz und Hoffnung. Die Hamas fehlt.
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Die Reden des Palästinenesischen Präsidenten Abbas und des Israelischen Premierministers Netanyahu vor der UN-Vollversammlung: Teil 1, Abbas

Vorspann:

Während für Deutsche der Papstbesuch, die Ökumene und die Ökonomie besonders wichtig sind, waren letzter Woche, für den Rest der Welt ohne Vetochance und ohne Macht, sicher die Vereinten Nationen der Ort eines wahrhaft geschichtlichen Moments.

Die Redetexte Abbas´ und Netanyahus wurden gekürzt um Grußworte und Füllsel. Wer die englischsprachigen Texte lesen möchte, der kann sich die Haaretz-Links durchlesen, denen ich in der Frage der Transkription völlig vertraue. In Netanyahus Rede fallen die Klammern auf, die jeden Applaus vermerken. Jeder weiß, der Applaus für Abbas war häufiger und stärker. Leicht sind auch die formalen Unterschiede der Reden erkennbar. Abbas-Rede trägt einen formellen Antrag vor. Netanyahus Rede ist eine Art Staatsrede zum Mittleren Osten, zu Palästina und zum Friedensprozess. -Insgesamt stellen beide Reden einen guten Einblick dar, welche Positionen beide Seiten einnehmen, bzw. welche Argumente derzeit von beiden Seiten autorisiert sind.

Abbas:

(Nach einem Gruß an Nassir Abdulaziz Al-Nasser, den amtierenden Sitzungspräsidenten, an die neue Regierung des Südsudan und an den wieder gewählten UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon, geht es los.)

Die Palästina-Frage ist kompliziert verknüpft mit den Vereinten Nationen. Über die Resolutionen, die von den verschiedensten UN-Organen und Agenturen angenommen wurden, über die wichtige und ehrenvolle Rolle der UN-Hilfs- und Arbeitsagentur für die palästinensischen Flüchtlinge im mittleren Osten (UNRWA), die die internationale Verantwortung einschließt, bezüglich der Not der palästinensischen Flüchtlinge, die Opfer der Al-Nakba (der Katastrophe,m.Einf.) wurden, die sich 1948 ereignete. Wir erhoffen uns und erstreben eine umfangreichere und effektivere Rolle für die Vereinten Nationen, um einen gerechten und vollständigen Frieden in unserer Region zu erarbeiten, der die unverletzlichen, legitimen, nationalen Rechte des palästinensischen Volkes, wie sie durch die Resolutionen der internationalen Rechtsstaatlichkeit der Vereinten Nationen definiert wurden, zu ereichen. (…)

Vor einem Jahr, zur gleichen Zeit, sprachen hochgeachtete Staatmänner in diesem Saal über die still stehenden Friedensbemühungen in unserer Region. Jeder hatte große Hoffnungen bezüglich einer neuen Verhandlungsrunde über den letztendlichen Status, die zu Septemberbeginn in Washington, unter der direkten Schirmherrschaft Präsident Barack Obamas und unter der Beteiligung des Nahostquartetts, sowie Ägyptens und Jordaniens begonnen hatten, um einen Friedensvertrag innerhalb eines Jahre zu erreichen. Wir gingen in diese Verhandlungen mit offenen Herzen und offenen Ohren und ernsten Absichten, und wir brachten unsere fertigen Dokumente, Diskussionspapiere und Vorschläge mit. Aber die Gespräche brachen nur Wochen nach ihrem Beginn ab.

Danach gaben wir nicht auf und stellten unsere Bemühungen für Initiativen und Kontakte nicht ein.

Über das letzte Jahr ließen wir keine Türe aus an die wir klopfen konnten, keinen Kanal den wir nicht probierten, keinen Weg den wir nicht nahmen, und wir ließen keine offizielle oder informelle Partei mit Einfluss oder Rang aus, an die wir uns nicht wendeten. Wir berieten wohlwollend die verschiedendenen Ideen und Vorschläge und Initiativen die uns von unterschiedlichsten Ländern und Parteien vorgeschlagen wurden. Aber alle diese ernsthaften Anstrengungen und Unternehmungen die von internationalen Parteien unternommen wurden, wurden wiederholt zerschlagen von der Haltung der israelischen Regierung, die schnell alle Hoffnungen niederschlug, die mit dem Beginn der Verhandlungen im letzten September gewachsen waren.

Das Kernproblem ist hierbei, dass die israelische Regierung sich weigerte, sich auf anerkannte Grundsätze für die Verhandlungen zu verpflichten, die auf dem internationalen Recht und auf den Resolutionen der Vereinten Nationen fußen, und unvernünftigerweise weiter fortfuhr, den Siedlungsbau auf dem Gebiet des palästinensischen Staates zu beschleunigen.

Die Siedlungsaktivitäten verkörpern das Herz der Politik der kolonialen militärischen Besetzung des Landes des palästinensischen Volkes und all´ jene Brutalität der Aggression und rassischen Diskriminierung gegen unser Volk, die diese Politik umfasst. Diese Politik, die einen Bruch des internationalen Menschenrechts und der UN-Resolutionen festlegt, ist der Hauptgrund für das Scheitern des Friedensprozesses, den Zusammenbruch dutzender Möglichkeiten, und die Beerdigung jener großen Hoffnungen, die aus der Unterzeichnung der Erklärung der Prinzipien 1993, zwischen der Palästinensischen Berfreiungsorganisation und Israel, zur Erreichung eines gerechten Friedens, der eine neue Ära für unsere Region beginnen ließe, erwuchsen.

Die Berichte der Komissionen der Vereinten Nationen, ebenso die verschiedener Israelischer Institutionen und bürgerrechtlicher Gesellschaften decken eine erschreckendes Bild bezüglich des Umfangs der Siedlungs-Kampagne auf, auf das die Israelische Regierung nicht zögerte, noch stolz zu sein, und das sie kontinuierlich weiter ausführte, durch die systematische Beschlagnahmung plästinensischer Ländereien und des Baus tausender neuer Siedlungseinheiten in verschiedenen Gebieten der West-Bank, besonders in Ostjerusalem und einen beschleunigten Ausbau der Annexionsmauer die weite Schneisen unseres Landes frisst, es in separierte und isolierte Inseln und Kantone zerteilt, Familienbande und Gemeinden zerstört und die Lebensgrundlagen zehntausender Familien ebnso. Die Besatzungsmacht setzt es fort, unserer Bevölkerung die Erlaubnisse zu verweigern, im besetzten Ost-Jerusalem zu bauen, wie sie zur selben Zeit die Jahrzehnte lange Kampagne der Zerstörung und Beschlagnahme der Wohnungen verstärkte, um mit einer weitgefächerten Politik der ethnischen Säuberung die Palästinensische Besitzer und Bewohner heimatlos zu machen, die darauf zielte, diese von dem Land ihrer Vorfahren weg zu drängen. Zusätzlich wurde Anweisung gegeben, ausgewählte Repräsentanten der Stadt Jerusalem zu deportieren. Ebenso setzte die Besatzungsmacht die Ausgrabungen fort, die unsere heiligen Stätten bedrohen, und die militärischen Kontrollpunkte hielten unsere Bürger davon ab, Zugang zu den Moscheen und Kirchen zu erlangen, und sie setzte fort, die heilige Stadt mit einem Ring aus Siedlungen zu belagern, die errichtet wurden, um die Heilige Stadt von den übrigen palästinensischen Städten zu isolieren.

In einem Wettauf gegen die Zeit, zeichnet die Besatzung die Grenzen unseres Landes neu, nach ihren Wünschen und um vollendete Tatsachen auf dem Land zu schaffen, die die Realitäten ändern und die realistische Chance für die Existenz eines Palästinensischen Staates untergraben.

Zur gleichen Zeit setzt die Besatzungsmacht die Blockade des Gaza-Streifens fort und zielte auf palästinensische Bürger, mit Anschlägen, Luftangriffen, Artilleriebeschuss, sie blieb bei ihrem dreijährigen Krieg der Gewalt gegen Gaza, der zu einer massiven Zerstörung von Häusern, Schulen , Hospitälern und Moscheen und zu tausenden von Märtyrern und Verletzten führte.

Die Besatzungsmacht setzte ebenso ihre Eingriffe auf dem Gebiet der nationalen palästinensischen Selbstverwaltungsbehörde mit Razzien, Verhaftungen und Tötungen an den Kontrollpunkten fort. In den vergangenen Jahren nahmen die kriminellen Aktionen der bewaffneten Siedler, die den Schutz der Besatzungsarmee haben, zu, mit immer wiederholten Attacken gegen unsere Leute, die sich auf deren Wohnungen, Schulen, Universitäten, Moscheen, Felder, Ernten und Bäume richtete. Entgegen unserer wiederholten Warnungen, hat die Besatzungsmacht nicht gehandelt, diese Angriffe zu beenden und wir halten sie für die Verbrechen der Siedler für voll verantwortlich.

Dies sind nur ein paar Beispiele der Politik der Israelischen kolonialen Siedlerbesatzung, und diese Politik ist verantwortlich für den anhaltenden Fehlschlag der aufeinander folgenden internationalen Anstrengungen den Friedensprozess abzusichern.

Diese Politik wird die Chancen eine Zwei-Staaten-Lösung zu erreichen, zu der ein internationales Einverständnis herrscht, zerstören, und ich erkläre hier offen: Diese Siedlungspolitik droht, auch die Strukturen der palästinensischen nationalen Selbstverwaltung zu untergraben und sogar ihr Ende herbei zu führen.

Zu alldem sind wir nun damit konfrontiert, dass neue Bedingungen aufgestellt wurden, die vorher nicht erhoben wurden, Bedingungen, die den wütenden Konflikt in unserem in Flammen stehenden Gebiet in eine religiöse Auseinandersetzung umwandeln und eine Gefahr darstellen, für eineinhalb Millionen christlicher und muslimischer Bürger Israels. Ein Faktum, das wir ablehnen, von dem wir unmöglich akzeptieren können da hinein gezogen zu werden.

Alle diese Aktionen die von Israel in unserem Land unternommen werden sind einseitig und stützen sich nicht auf frühere Vereinbarungen. Tatsächlich, was wir als Zeugen miterleben, ist eine selektive Anwendung der Vereinbarungen, die auf die Verewigung der Besatzung zielt. Israel hat die Städte der West-Bank in einer einseitigen Handlung wieder besetzt, und die zivile und militärische Besatzung in einer einseitigen Aktion wieder errichtet, und es ist derjenige, der entscheidet ob, oder ob nicht, eine Palästinensischer Bürger das Recht hat in irgend einem Teil des Gebietes des Palästinensischen Landes zu wohnen. Es beschlagnahmt unser Land und unser Wasser und behindert unsere Mobilität, ebenso unseren Warenaustausch. Und es ist derjenige, der unser ganzes Schicksal aufhält. All´ dies ist einseitig. (…)

1974 war unser verstorbener Führer Yasser Arafat in diesen Saal gekommen und hatte den Mitgliedern der Generalversammlung unseres tief empfundenen Wunsches nach Frieden versichert, um die Vereinten Nationen dazu zu bewegen, die unverletzlichen Rechte des Palästinensischen Volkes zur Kenntnis zu nehmen. Er stellte fest: „Lasst nicht den Olivenzweig aus meiner Hand fallen.“

1988, wandte sich Präsident Arafat erneut an die Generalversammlung, die in Genf tagte um ihn anzuhören, bei dem er das Palästinensische Friedensprogramm vorstellte, welches der Palästinensische Nationalrat bei seiner Sitzung in Algerien angenommen hatte.

Als wir dieses Programm annahmen, stellte das einen schmerzlichen und sehr schwierigen Schritt für alle von uns dar, ganz besonders für jene, mich eingeschlossen, die gezwungen worden waren ihre Heime zu verlassen und ihre Städte und Dörfer, gerade einmal einige der persönlichen Habseligkeiten tragend, unsere Trauer und unsere Erinnerungen, sowie die Schlüssel unserer Häuser, in die Lager des Exils und in die Diaspora, während der 1948er Al-Nakba (Katastrophe), eine der schlimmsten Aktionen der Entwurzelung, Zerstörung und der Entfernung einer lebendigen und einigen Gesellschaft, die in einem vorausgehenden und führenden Art und Weise zur Wiedergeburt des arabischen mittleren Ostens beigetragen hatte.

Nun, weil wir an den Frieden glauben und an unsere Überzeugung von der internationalen Berechtigung, weil wir den Mut hatten schwierige Entscheidungen für unser Volk zu treffen und in der Abwesenheit einer höheren Gerechtigkeit, entscheiden wir uns dafür, den Pfad der relativen Gerechtigkeit anzunehmen. - Eine Gerechtigkeit, die möglich ist und die Teile des schweren historischen Unrechts, das an unserem Volk begangen wurde, aufhebt. Daher stimmten wir zu, den Staat Palästina auf nur 22% des historischen Gebietes Palästina, auf all jenen Gebieten die 1967 von Israel besetzt wurden, zu errichten.

Wir haben, in dem wir diesen historischen Schritt unternahmen, der von den Staaten der Welt willkommen geheißen wurde, ein großes Zugeständnis gemacht, um einen historischen Kompromiss zu erreichen, der den Frieden möglich machen würde im Land des Friedens.

In den Folgejahren , von der Madrid-Konferenz und den Washingtoner Verhandlungen, die zum Oslo-Abkommen führten, das vor 18 Jahren im Garten des Weißen Hauses unterzeichnet wurde und mit Brieferklärungen einer gegenseitigen Anerkennung zwischen der PLO und Israel verbunden war, handelten wir hartnäckig, positiv und verantwortlich, mit aller Anstrengung, gezielt hin, auf die Errungenschaft eines dauerhaften Friedensabkommens.

Nun, wie wir bereits ausführten, wurde jede Initiative und jede Konferenz und jede neue Verhandlungsrunde und jeglicher Moment am Fels des Israelischen Siedlungsausweitungsprojektes zerschlagen.(…)

Ich versichere, im Auftrag der Palästinensischen Befreiungsbewegung, der einzigen legitimen Vertretung des Palästinensischen Volkes, die bestehen wird bis zum Ende dieses Konfliktes in all´ seinen Aspekten und bis zur Lösung aller endgültigen Statusfragen, das Folgende:

1. Das Ziel des Palästinensischen Volkes ist die Verwirklichung ihrer unverletzlichen nationalen Rechte in einem unabhängigen Staat Palästina, mit Ost-Jerusalem als seiner Hauptstadt, auf allem Land der West-Bank, einschließlich Ost-Jerusalems, des Gaza-Streifens, das Israel im Junikrieg 1967 beschlagnahmte, in Übereinstimmung mit den Resolutionen der internationalen Gremien und unter der Erreichung einer gerechten und zustimungsfähigen Lösung für die Palästinensischen Flüchtlingsangelegenheiten, in Übereinstimmung mit Resolution 194, die aufgenommen wurden in die Arabische Friedensinitiative, die die abgestimmte Version enthält, um die Kernprobleme des Arabisch-Israelischen Konfliktes zu lösen und einen gerechten und allumfassenden Frieden zu erreichen. Um diesen erwünschten Frieden zu erreichen, ist es ebenso erforderlich, die politischen Häftlinge und Gefangenen aus den Israelischen Gefängissen ohne Verzögerung zu entlassen.

2. Die PLO und das Palestinensische Volk bleiben fest im Widerruf jeder Gewalt und in der Zurückweisung und Verurteilung des Terrorismus in allen seinen Formen, besonders des Staatsterrorismus, und sieh halten fest an allen Übereinkünften zwischen der Palästinensischen Befreiungsbewegung und Israel.

3. Wir halten fest an der Möglichkeit, eine dauerhafte Lösung des Konfliktes auszuhandeln, in Übereinstimmung mit den Resolutionen der Internationalen Vereinigung. Ich erkläre hier, dass die Palästinensische Befreieungsbewegung bereit ist, sofort an den Verhandlungstisch zurück zu kehren, auf der Grundlage der bereits angenommenen Grundsätze, die sich auf den internationalen Insitutionen beruhen und einer vollständigen Einstellung der Siedlungsaktivitäten.

4. Unser Volk wird seinen anerkannten, friedlichen Widerstand gegen die Israelische Besatzung und ihre Siedlungen, und die Apatheid-Politik, und den Bau der rassistischen Enteignungsmauer fortsetzen, und es wird Unterstützung für seinen Widerstand erhalten, der im Einklang ist, mit dem internationalen Menschenrecht und internationalen Konventionen, und die Unterstützung durch Friedensaktivisten aus Israel und um die ganze Welt findet, der dem beeindruckenden, ermutigenden und tapferen Beispiel der Stärke dieses wehrlosen Volkes, nur bewaffnet mit Träumen, Mut und Hoffnung und den Protestrufen im Angesicht der Kugeln , Panzer, des Tränengases und der Bulldozer.

5. Wenn wir unser Anliegen und unseren Fall vor dieses internationale Gremium bringen, so ist das eine Bestätigung unserer Bindung an politische und diplomatische Optionen und es ist eine Bestätigung, dass wir nicht einseitige Schritte unternehmen. Unsere Anstrengungen zielen nicht auf eine Isolierung Israels oder seine Deligitimierung; hingegen wollen wir Legitimität für die Sache des Palästinensischen Volkes gewinnen. Wir streben nur danach die Siedlungsaktivitäten zu delegitimieren und die Besatzung, und die Apartheid, und die Logik der gnadenlosen Gewalt, und wir glauben das alle Länder dieser Erde in dieser Frage unsere Ansicht teilen.

Ich bin hier, um im Namen des Palästinensischen Volkes und der Palästinensischen Befreiungsbwegung zu sagen: Wir strecken unsere Hände der Israelischen Regierung und dem Israelischen Volk entgegen um den Frieden zu stiften. Ich sage zu ihnen: Last uns dringlich gemeinsam eine Zukunft für unsere Kinder aufbauen, in der diese Freiheit, Sicherheit und Wohlstand genießen können. Lasst uns Brücken des Dialogs, anstatt der Kontrollpunkte und Trennmauern errichten, und gemeinschaftliche Beziehungen die auf Gleichberechtigung und Würde zwischen zwei Nachbarstaaten beruhen, -Palästina und Israel-, anstatt der Politiken der Besatzung, der Siedlungen, des Krieges und der gegenseitigen Vernichtung, pflegen. (…)

Trotz des unhinterfragbaren Rechts unseres Volkes auf Selbstbestimmung und auf Unabhängigkeit unseres Staates, wie es in den internationalen Resolutionen niedergelegt ist, haben wir in den letzten paar Jahren geduldet, was uns als Test für unsere Glaubwürdigkeit, unser Engagement und unsere Vertrauenswürdigkeit erschien. Während der letzten zwei Jahre hat unsere nationale Verwaltung ein Programm auf den Weg gebracht, unserer staatlichen Insitutionen aufzubauen. Trotz der außergewöhnlichen Situation und der auferlegten Israelischen Hindernisse, wurde ein wahrhaft umfangreiches Projekt gestartet, das die Umsetzung der Pläne einschloss, das Rechtssystem zu stärken und weiter zu entwickeln, wie den Apparat zur Aufrechterhaltung der Ordnung und der Sicherheit , die Verwaltung, zu entwickeln, (ebenso) das Finanz- und Kontrollsystem, um die Leistungsfähighkeit der Institutionen zu verbessern, und die Selbstständigkeit zu fördern, um den Bedarf an fremder Hilfe zu reduzieren. Mit der dankenswerten Unterstützung der Arabischen Länder und den Spenden freundlich gesinnter Länder, wurden eine Anzahl großer Infrastrukturprojekte ins Werk gesetzt, die sich auf verschiedene Bereiche der Verwaltung richteten, mit besonderer Aufmerksamkeit auf ländliche und randständige Gebiete.

Im Zentrum dieses nationalen Projektes, haben wir das gestärkt, was wir als Elemente unseres Staates zu sehen wünschen: Von der Herstellung der Sicherheit der Bürger und der öffentlichen Ordnung; hin zur Förderung der juristischen Autorität und der Rechtsprechung; die Stärkung der Rolle der Frauen über die Gesetzgebung, Gesetze und Teilhabe; um die öffentlichen Freiheiten zu festigen und die Rolle der Institutionen der Zivilgesellschaft zu stärken; hin zur Institutionalisierungsregeln und Regulierungen, die die Verlässlichkeit und Transparenz der Arbeit unserer Ministerien und Verwaltungen sichern; bis zur unverrückbaren Fundierung der Säulen der Demokratie, als der Basis für das Palästinensische politische Leben.

Als Zersplitterung die Einheit unseres Heimatlandes, die Bevölkerung und die Institutionen traf, waren wir verpflichtet, das Gespräch aufzunehmen, um unsere Einheit wieder herzustellen. Wir waren vor Monaten erfolgreich eine nationale Wiederversöhnung zu erreichen und wir hoffen, dass deren Einführung sich in den kommenden Wochen beschleunigt. Die Hauptsäule der Wiederversöhnung war, sich innerhalb eines Jahres, durch Wahlen der Legislative und des Präsidenten, an das Volk zu wenden, weil der Staat den wir wünschen, sich als Rechtsstaat auszeichnen soll, durch demokratische Verfahren und den Schutz der Freiheiten und der Gleichheit aller Bürger, ohne jegliche Diskriminierung und mit Machtwechseln durch die Wahlurne.

Die kürzlich veröffentlichten Berichte der Vereinten Nationen, der Weltbank, der spontanen Kontaktgruppe (AHLC) und des Internationalen Währungsfonds bestätigen und begrüßen, was wir erreicht haben, indem sie es als bemerkenswertes und einmaliges Modell betrachten. Das Konsensus-Fazit durch die AHLC, vor ein paar Tagen hier (vorgestellt), beschreibt, was bisher erreicht wurde, als eine „bemerkenswerte internationale Erfolgsgeschichte“ und bescheinigte dem Palästinensischen Volk und seinen Insitutionen, für die sofortige Unabhängigkeit des Staates Palästina bereit zu sein. (…)

Es ist nicht mehr länger möglich, das Faktum der Blockade eines Abschlusses der Friedensverhandlungen zu bemänteln, mit den gleichen Mittel und Methoden die nun wiederholt versucht wurden und sich, über den Verlauf der letzten Jahre als nicht erfolgreich erwiesen haben. Die Krise ist viel zu ausgeprägt, um weiter unbeachtet zu bleiben, und was noch gefährlicher ist, sind Versuche, sie einfach zu umgehen oder ihren Ausbruch zu verzögern.

Es ist weder möglich, noch praktisch, noch akzeptierbar, zu einem Business-as-usual zurück zu kehren, so als ob alles ganz prima sei. Es ist nutzlos, in Verhandlungen einzutreten ohne klare Vorgaben und in Abwesenheit von Glaubwürdigkeit, und ohne feste Zeitvorgaben. Verhandlungen würden sinnlos sein, solange die Besatzungsarmee auf (unserem) Boden ihr Besatzungsregime weiter festigt, statt es zurück zu nehmen, und weiterin die Bevölkerungszusammensetzung auf unserem Land ändert, um so eine neue Basis zu schaffen, die erlaubte die Grenzen zu ändern. (…)

Nun kommt das Moment der Wahrheit und mein Volk wartet auf die Antwort der Welt. Wird sie Israel erlauben seine Besatzung fortzusetzen, die einzige Besatzung auf dieser Welt? Wird sie Israel erlauben, ein Staat über dem Recht und der Vertrauenswürdigkeit zu bleiben? Wird sie Israel erlauben, fortgesetzt die Resolutionen des Sicherheitsrates und der Generalversammlung der Vereinten Nationen und der Internationalen Gerichtshofes und die Haltung der überwältigenden Mehrzahl der Länder dieser Erde zurückzuweisen?(…)

Ich komme heute zu ihnen, aus dem heiligen Land, dem Land Palästina, dem Land der heiligen Botschaften, Aufwuchsort des Propheten Mohammed (Friede sei mit ihm, (Orig.)) und Geburtsstätte Jesu (Friede sei mit ihm, (Orig.)), um im Namen des Palästinensischen Volkes in der Heimat und in der Diaspora zu sprechen, um zu sagen, nach 63 Jahren der Leidens der anhaltenden Nakba (Katastrophe): Genug. Es ist Zeit für das Palästinensische Volk, seine Freiheit und Unabhängigkeit zu erreichen.

Die Zeit ist gekommen, das Leiden zu beenden und den Wunsch von Millionen Palästinensischen Flüchtlingen im Heimatland und in der Diaspora, ihren heimatlosen Status zu beenden und ihre Rechte zu verwirklichen. Manche von ihnen waren gezwungen, mehrfach Schutz an ganz unterschiedlichen Orten dieser Welt zu suchen.

Zu einer Zeit in der die arabischen Völker ihr Verlangen nach Demokratie bestätigen, -im Arabischen Frühling-, ist es nun Zeit, für den Palästinensischen Frühling, Zeit für die Unabhängigkeit.

Die Zeit ist gekommen, für unsere Männer, Frauen und Kinder ein normales Leben zu leben, in der es für sie möglich ist, zu schlafen ohne auf das Schlimmste zu warten, was der nächste Tag bringen kann; für Mütter, sicher zu sein, dass ihre Kinder nach Hause kommen werden, ohne die Angst sie könnten den Tod erleiden, verhaftet oder misshandelt werden; für Schüler, die Möglichkeit zu haben, in ihre Schulen und Universitäten zu gehen, ohne von Kontrollpunkten aufgehalten zu werden. Die Zeit ist reif, dass kranke Menschen die Kankenhäuser selbstverständlich erreichen, und, dass unsere Landwirte ihr gutes Land bestellen können, ohne die Furcht, die Besatzung übernehme das Land und sein Wasser, zu dem die Mauer den Zugang verwehrt, oder Furcht vor den Siedlern, für die Siedlungen auf unserem Land gebaut werden und die die Olivenbäume die dort seit hunderten von Jahren existierten, entwurzelten und verbrannten. Die Zeit ist gekommen, für tausende Gefangene aus den Gefängnissen frei gelassen zu werden, um zu ihren Familien und ihren Kindern zurück zu kehren, um Teil des Aufbaus ihres Heimatlandes zu werden, für die Freiheit für die sie Opfer brachten.

Mein Volk wünscht ein normales Leben führen zu können, wie der Rest der Menschheit. Sie glauben, was der große Dichter Mahmoud Darwish sagte: Hier stehen, stehe hier, dauerhaft hier, ewig hier, und wir haben ein Ziel, eines, eines: zu sein. (…)

Wir schätzen und anerkennen tiefgehend die Meinung aller Staaten die unseren Kampf und unser Recht unterstützt haben, und den Staat Palästina nach der Unabhängigkeitserklärung 1988 amerkannt haben, ebenso jene Staaten, die kürzlich den Staat Palästina anerkannten und jene, die den Status unserer Repräsentanten in ihren Hauptstädten anhoben. Ich bedanke mich ebenso bei dem General-Sekretär, der vor ein paar Tagen sagte, dass der Palästinensische Staat schon vor Jahren hätte gegründet werden sollen.

Seien sie versichert, die Unterstützung für unser Volk ist von größerem Wert für dieses, als sie es sich vorstellen können, weil es fühlen lässt, jemand höre seiner Geschichte zu und das ihre Tragödie, und der Horror der Al-Nakba, und der Besatzung, durch die sie so leiden mussten, nicht übersehen wurden. Und, es verstärkt ihre Hoffnung, die aus dem Glauben herrührt, dass Gerechtigkeit möglich ist, in dieser Welt. Der Verlust der Hoffnung ist der wütendste Feind des Friedens und Verzweiflung ist der stärkste Verbündete allen Extremismus.

Ich sage: Die Zeit ist reif für mein tapferes und stolzes Volk, nach Jahrzehnten der Vertreibung, und kolonialen Besetzung, und beständigen Leids, so zu leben wie andere Völker auf dieser Erde, frei, in einem souveränen und unabhängigen Heimatland. (…)

Ich möchte sie davon in Kenntnis setzen, dass, bevor ich diese Erklärung abgab, ich, in meiner Funktion als Präsident des Staates Palästina und Vorsitzender des Exekutivkommitees der Palästinensischen Befreiungsfront, einen Antrag überreicht habe, zur Aufnahme Palästinas, auf der Basis der Grenzen vom 4.Juni 1967, with Al-Quda Al-Sharif (Ost-Jerusalem) als seiner Hauptstadt, als Vollmitglied der Vereinten Nationen.

Ich rufe den General-Sekretär auf, unseren Antrag dem Sicherheitsrat baldigst zu übersenden, und ich rufe die geachteten Mitglieder des Sicherheitstates auf, im Sinne unseres Antrags für unsere Vollmitgliedschaft zu stimmen. Ich rufe ebenso die Staaten auf, die bisher den Staat Palästina nicht anerkannten, die zu tun. (…)

Die Unterstützung der Länder dieser Erde für unsere Bestrebung ist ein Sieg für die Wahrheit, die Freiheit, die Gerechtigkeit, das Recht und die Internationale Gemeinsschaft, und sie stellt eine enorme Unterstützung für die Möglichkeit des Friedens dar, und sie stärkt die Chancen für einen Erfolg der Verhandlungen. (…)

Ihre Unterstützung für die Errichtung eines Palästinensischen Staates und den Beitritt zu den Vereinten Nationen als Vollmitglied, ist der größte Beitrag zur Schaffung des Friedens im Heiligen Land.

Link: www.haaretz.com/news/diplomacy-defense/full-transcript-of-abbas-speech-at-un-general-assembly-1.386385

09:47 27.09.2011
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Columbus

Profil nicht mehr nötig.Alles Gute, der dFC und dem dF.
Columbus

Kommentare 6

Avatar
helena-neumann | Community
Avatar
Ehemaliger Nutzer | Community