Ja was denn nun? - Sarrazin böse, Westergaard gut oder wie...

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Frau Merkel hat Herrn Sarrazin ob seiner ihrer Auffassung nach falschen Thesen in punkto Migration, Integration etc. gerügt. Mehr noch: Sie hat die vor einigen Tagen aufkommende Kritik am neusten Buch des Bundesbankiers mit ihrer Kritik als – wie sie sich selber gern sieht - „Kanzlerin aller Deutschen“ quasi geadelt.


Nun ist etwas Zeit ins Land gegangen und siehe da: Am gestrigen 8. September würdigte sie den dänischen Karikaturisten Westergaard ausdrücklich vor der erlesenen Mannschaft deutscher Presseoberen bei der Verleihung des „M100-Medienpreises“ an den Fünfundsiebzigjährigen. Dessen in der dänischen Zeitung „Jyllands-Posten“ 2005 veröffentlichte Zeichnung „Das Gesicht Mohammeds“, die den Propheten mit einer Bombe und brennender Zündschnur als Turban zeigt, hatte bei den Muslimen außerhalb Europas zu gewalttätigen Protesten geführt. Dutzende Menschen starben dabei. Westergaard steht seither unter Polizeischutz. Auf ihn haben empörte Muslime ein Kopfgeld in Höhe von elf Millionen US-Dollar ausgesetzt.


Im „Tagesspiegel“ steht dazu: „Die Folgen für den Zeichner sollten uns mahnen“, sagte Merkel beim Festakt in der Orangerie des Potsdamer Schlosses Sanssouci. In Europa sei es möglich, solche Karikaturen zu veröffentlichen. „Egal, ob wir die Karikaturen geschmackvoll finden oder nicht, ob wir sie für nötig oder hilfreich halten - oder eben nicht.“ Das Geheimnis der Freiheit sei der Mut, sagte die Kanzlerin, die darauf hinwies, dass sich die Deutschen derzeit an die Überwindung der SED-Diktatur und die Wiedervereinigung vor 20 Jahren erinnerten. „Wir wissen noch, was Unfreiheit bedeutet und sollten deshalb nie vergessen, wie wertvoll Freiheit ist.“ Merkel ging auch auf die Debatte um das Buch von Thilo Sarrazin ein. „Das Thema Sarrazin ist aber gerade kein Thema der Gefährdung der Meinungsfreiheit.“


Westergaard ein Held, Sarrazin ein Paria – und Drumherum SED-Diktatur und Wiedervereinigung. Ja, was denn nun? Oder diente der alte dänische Zeichner der Frau Merkel etwa der Beschwichtigung der berühmten konservativen Stammwähler in ihrer christlichen Partei? Und was ist, wenn die bösen Muslime nun wieder gen Deutschland zu Felde ziehen? Die Bundeswehrsoldaten am Hindukusch dürften noch unruhiger als sonst schlafen.

07:31 09.09.2010
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Geschrieben von

Constantin Rhon

Realist mit liberaler Grundhaltung.
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