Verteidigung des Amazonas-Lebensraums

Der Fall Sarayaku Im Kontext der Erhaltung der international geschützten Biosphäre Yasuni im ecuadorianischen Amazonasgebiet ist der Fall Sarayaku einmaliges Beispiel für Zivilcourage
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http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/f/f6/Amazon_rainforest.jpg

Foto: Wikimedia Commons 2011 (NASA), Amazonasbecken

Liebe dFC,

Im Jahre 2007 entschied sich die Regierung von Ecuador für die Nicht-Ausbeutung der Ölreserven der international geschützten und 1989 von der UNESCO anerkannten YASUNI-Biosphäre im ecuadorianischen Amazonasgebiet an der Grenze zu Peru. Der ehrgeizige Präsident Correa stellte in der UN-Vollversammlung das Projekt vor. Es sollte exemplarisch zeigen, wie dem Klimawandel entgegengewirkt werden könnte (durch Nicht-Ausnutzung nationaler Rohstoffe), wenn Industrieländer den Entwicklungsländern einen Grossteil der zu erwartenden Einnahmen in Form von Transferzahlungen auszahlen würden. Im Falle YASUNI, das inzwischen als wichtigstes Ökosystem der Erde angesehen wird, sollten etwa 3,5 Mrd. US$ in einen von den UN zu verwaltenden Treuhandfonds eingezahlt werden. Bis zum Jahr 2013 wurden jedoch lediglich minimale "Spenden" eingesammelt. Am 15. August 2013 kündigte der Präsident den Nicht-Ausbeutungsplan auf und beschloss, mit mehrheitlicher Unterstützung des Parlamentes, die Ölförderung im YASUNI-Park zu ermöglichen. Allerdings laufen zahlreiche Initiativen der ecuadorianischen Zivilgesellschaft und indigener Völker gegen diese Absicht Sturm und wollen einen Volksentscheid darüber erzwingen.

Ich werde mich hier nicht weiter über die Politik des ecuadorianischen Präsidenten Correa auslassen, der, wie andere lateinamerikanische Staaten (Vorbild Chavez' Venezuela), einen Sozialismus des 21. Jh. anstrebt (von der LINKEN als "Morgenröte" am sozialistischen Horizont begeistert beklatscht) und zu Recht einer der schärfsten und auch intelligentesten Kritiker des US-amerikanischen Imperialismus ist. Ökonomisch hat sich Correa einseitig in die Abhängigkeit Chinas begeben, dass sich seine "Entwicklungshilfe" durch zu erwartende Ölexporte aus bereits bestehenden Quellen im Amazonasgebiet entgelten lässt. Um Ecuador so rasch wie möglich aus der Unterentwiclung herauszuholen, benötigt das Land zusätzliche Ausbeutung nationaler mineralischer Rohstoffe, u. a. der YASUNI-Ölreserven und der Kupfer- und Goldvorkommen, ebenfalls im Amazonasgebiet. Eine solche Ausbeutung, die auch in anderen Amazonasanrainerstaaten betrieben wird, wird dadurch gerechtfertigt, dass das Amazonasgebiet die wichtigste Reichtumsreserve dieser Länder ausmacht, und dass sie das Recht haben, diese Reserve auszunutzen wie auch Epochen vorher die Industrieländer ihre eigenen Ressourcen geplündert haben. Dass es andere Möglichkeiten der nachhaltigen und ebenfalls profitbringenden Ausnutzung der Ressourcen im Amazonasgebiet gibt, will ich hier nicht weiter ausführen.

Mir ist es an dieser Stelle wichtig, auf ein Beispiel von ungeheurer Zivilcourage von Kechua-Indianern hinzuweisen, die sich jahrelang und mit Erfolg gegen die Ausbeutung ihres angestammten Siedlungsgebietes gewehrt haben.

Als ich kürzlich auf die verheerende Bilanz der Schwarz-Gelben Koalition in Sachen Umweltpolitik (das frühere Vorzeigeprojekt Deutschlands) aufmerksam wurde, u. a. mit der erfolgreichen Einmischung unserer Kanzlerin, EU-Vorschläge zur Reduktion des CO2-Ausstosses von Kraftfahrzeugen zu Fall zu bringen, kamen mir die Tränen. Und dass um so mehr, als sich die deutsche Zivilgesellschaft nicht aufraffen kann, dem Treiben der Kanzlerin und ihrer "fetten" Autolobby im Rücken, ein Bein zu stellen. Die Grosse Koalition wird auf dem Gebiet Umweltpolitik ebenfalls in den zerstörerischen Fussstapfen der Kanzlerin weitermarschieren und die satte deutsche Zivilgesellschaft wird den Begriff "ZIVILCOURAGE" erst dann wieder herauskramen, wenn es zu spät sein wird.

Mich tröstet, dass es wenigstens in einigen Teilen der Welt noch Beispiele von Zivilcourage gibt, besonders von Menschen, die aus den Metrolen, wenn überhaupt, mehrheitlich mit wenig Nachsicht bedacht werden.

So, jetzt habe ich genug geschimpft. Hier das angekündigte Video "Kinder des Jaguars":

Wie zu ersehen ist, ist dieses Video auch mit Unterstützung von Amnesty International erstellt worden.

Zum Abschluss noch ein schönes Wochenende und der dFC das dicke Weihnachtsgeschenk einer Grossen Koalition, die hoffentlich den geschätzten Bloggern nicht im Halse stecken bleiben möge.

Ich möchte dieses Video auch als eine Vorankündigung von Beiträgen verstanden wissen, die in Fiktion-Form versuchen werden, die Zerstörung des ecuadorianischen Amazonasgebietes in Ansätzen zu schildern. Mein lieber Freund Poor on Ruhr möge dann vergleichen, wem es besser gelang, die Umwelt zu zerstören, den damaligen deutschen Ruhrkonzernen oder der internationalen Ölindustrie im Amazonasbecken.

Liebe Grüsse aus dem warmen Panamá ins "kalte" Deutschland und: Auf einen bravourösen Start der Grossen Koalition, wenn denn die SPD-Mitglieder nicht noch im letzten Augenblick das Zipperlein bekommen!

CE

05:11 30.11.2013
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Costa Esmeralda

35 Jahre Entwicklungsberater, Lateinamerika, Afrika, Balkan. Veröff. u.a. "Abschied von Bissau" und "Die kranke deutsche Demokratie".
Costa Esmeralda

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