Bling-Bling?

Weihnachten Frauen bekommen häufig allerlei Klunker zum Fest. Beinahe modern wäre es ja schon, einmal ein Buch dazuzulegen
Ausgabe 48/2018
Diamonds are a girl's best friend?
Diamonds are a girl's best friend?

Foto: Chip Somodevilla/Getty Images

Weihnachten naht! Und damit der Druck, Mütter, Töchter und sonstige Frauen zu beschenken. Gar kein Problem, schreibt web.de, denn: Alle Frauen mögen Schmuck. Vorzugsweise einen „Ring mit Bling-Bling oder eine Kette, die schon von Weitem funkelt“. Ein Viertel der Deutschen will Schmuck unter den Baum legen, hat statista.de erfragt.

Die haben alle Glück, dass sie nicht in Indien leben. Dort steigt nämlich gerade, wie jedes Jahr in der Vorweihnachtszeit, der Goldpreis. Schuld ist aber nicht Weihnachten, sondern der Beginn der Hochzeitssaison – die Mitgift wird fällig. Neulich haben Forscherinnen an der Universität Essex sogar herausgefunden: In Indien korreliert der Goldpreis mit den Mädchengeburten. Wurden Goldimporte zwischen 1972 und 2005 teurer, gab es mehr Jungs. Im Umkehrschluss: Mehr Mädchen wurden abgetrieben. Die Familien wollten sich den Brautpreis sparen, vermutet Sonia Bhalotra aus der Forschergruppe. Die barbarische und archaische Praxis, Frauen in Goldschmuck aufzuwiegen, ist in Indien noch weit verbreitet.

Im Rest der Welt ist sie glücklicherweise verschwunden. In unseren Breitengraden wird der Wert von Frauen nicht mehr in Unzen und Karat gemessen, sondern in Nobelpreisen, Universitätsabschlüssen, Instagram-Followern und anderen ehrenvollen Einheiten.

Meghan Markle zum Beispiel hat einen Abschluss in Theaterwissenschaften und Internationalen Beziehungen, aber weder Instagram noch Nobelpreis. Trotzdem schenkte ihr Verlobter Harry ihr einen Verlobungsring im Wert von etwa 350.000 Dollar (Bild: „Sie ist jetzt schon Schmuck-Millionärin“).

Sängerin Ariana Grande hat nicht studiert, aber 132 Millionen Instagram-Follower. Neulich stand sie nach einer Trennung ohne Verlobungsring auf der Bühne. Spiegel Online orakelte. „Auf Videos, die von Zuschauern veröffentlicht wurden, ist ihr blanker Ringfinger zu sehen“. Die Arme! Andererseits: Der Klunker hat nur 93.000 Dollar gekostet, vielleicht hat sie ihn deshalb zurückgegeben, das gemeinsame Hausschwein soll sie jedenfalls behalten haben.

Beim Time Magazine konsultierte man vorsorglich trotzdem mal einen Experten (vom Berufsverband der Wirtschaftsprüfer), ob sie den Ring auch hätte verkaufen dürfen (nein). Erinnern Sie sich noch an das TV-Duell von Angela Merkel vor ihrer zweiten Wiederwahl? Das mit der Schland-Kette? Also, die bestand aus schwarzen Onyx-Steinen, roten Schaumkorallen, vergoldetem Silber und gelblich-weißen Bergkristallen. Soll so um die 300 Euro gekostet haben, haben damals mehrere Medien schätzen lassen. Angela Merkel ist, laut Forbes Magazine, die wichtigste Frau der Welt.

Michelle Obama ist dagegen nur auf Platz acht. Letzte Woche präsentierte sie ihre gerade erschienene Bestseller-Biografie beim Sender ABC. Dabei trug sie offenbar einen neuen Ring (Weißgold mit einem 2,5-karätigen Brillantdiamanten), den ihr Ehemann ihr möglicherweise zum 25. Hochzeitstag geschenkt haben könnte, so TMZ.

Übrigens: Mit dem Verlobungsring von Meghan Markle könnte man zu Weihnachten auch die eigene weibliche Verwandtschaft preisgünstig aufwerten. Für 30 Pfund vertickt der Onlineshop des Buckingham Palace eine Replika. Durchaus ein gutes Geschäft: Ein Semester an Markles Uni gibt es erst ab 75.000 Dollar. Ein Lichtblick: 42 Prozent der Deutschen verschenken Bücher zum Fest. Vielleicht bekommen ja auch ein paar Frauen eines zum Klunker dazu – zum Beispiel das tolle Becoming von Michelle Obama.

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