Danny Michelsen
10.12.2012 | 09:30 37

Rechtsextreme, die sich links verorten

Selbstwahrnehmung Eine Untersuchung von Menschen mit rechtem Gedankengut beförderte Erstaunliches zutage

Der von einem Jenaer Forscherteam um Heinrich Best jährlich erstellte „Thüringer Monitor“ bestätigt es einmal mehr: Rechtsextremes Gedankengut wächst nicht nur in zunehmendem Maße in die nivellierende „Mitte“ hinein, es findet sich immer häufiger auch bei Menschen, die sich selbst links der Mitte verorten. Laut Monitor stufen sich knapp 40 Prozent der Befragten mit rechtsextremem Weltbild als „etwas links“ oder „links“ ein – doppelt so viele wie noch vor elf Jahren. Nicht „Extremismus der Mitte“, sondern „Extremismus des Überall“ sei, so die Autoren, die sozialtopographisch zutreffende Beschreibung für die Verortung rechtsextremer Einstellungen.

So beunruhigend dieser Befund ist, gerade auch vor dem Hintergrund eines erneuten Anlaufs zum NPD-Verbot, so wenig kann er heute noch überraschen. Dass gerade antisemitische Stimmungen in der kapitalismuskritischen Szene verbreitet sind, ist bekannt; und auch die Occupy-Bewegung musste sich im vergangenen Jahr mit diesem Problem auseinandersetzen.

Natürlich, für manche mag das eine Zumutung sein, ist doch der wesentliche sinngebende Nenner auf Seiten der Linken die scheinbar unmissverständliche Idee der Gleichheit (im Gegensatz zur Ungleichheitsideologie der Rechten) gewesen, wie auch der italienische Politologe Norberto Bobbio betont. Aber diese Idee kann im Extremfall dann sehr krude Formen annehmen: etwa in der Zustimmung zu der Aussage, dass „unter bestimmten Umständen eine Diktatur die bessere Staatsform“ ist, solange diese zum Beispiel distributiven Zwecken dient. Laut Monitor stimmen dieser Position 16 Prozent der Landesbevölkerung zu.

Ungenaue Begrifflichkeiten

Die Autoren der Studie betonen aber, dass der Rechtsextremismus-Begriff viel zu schwach konturiert sei und deshalb gar „nicht als politische Position begriffen werden“ könne. Mit der Verwendung der Links-Rechts-Skala für die Messung politischer Einstellungen haben sie dagegen kein Problem. Aber hat sich dieses Schema nicht auch längst realiter überlebt? Können Leute, die ja nicht einmal wissen, dass sie Rechtsextremisten sind, überhaupt wissen, wo rechts ist und wo links?

Bei der Erklärung des Phänomens sollte man das Zerbrechen kollektiver Identitäten im Blick haben; ein Prozess, den die belgische Politikwissenschaftlerin Chantal Mouffe nicht müde wird zu betonen, und der die dunkle Seite unseres postideologischen Zeitalters bildet. Mouffe argumentiert, dass mit dem Drängen der Sozialdemokraten in die „Neue Mitte“ die für das Politische konstitutiven Antagonismen verschwinden – mit der Folge, dass an die Stelle der demokratischen Links-Rechts-Opposition eine Aura der Alternativlosigkeit tritt, die die Menschen in die Hände der Rechtspopulisten treibt. Scheinbar als einzige weichen die noch vom Mitte-Konsens ab und auf eine inhaltsleere „Volkssouveränität“ zu.

Diese Kräfte sind natürlich vollkommen inakzeptabel, haben aber in Ostdeutschland und einigen europäischen Ländern eine beträchtliche Anziehungskraft. Eine solche Perspektive ist freilich für die demokratische Linke sehr unbequem, wäre es doch an ihr, über den zweifellos lobenswerten „Kampf gegen rechts“ hinaus echte programmatische Alternativen anzubieten, die das demokratische Lager für die Menschen wieder attraktiver machen.

Danny Michelsen wurde 1988 in Rostock geboren und ist Politologe

Kommentare (37)

Sinan A. 10.12.2012 | 10:49

NPD und sonstige Rechte als einzige Alternative? Die Perspektive ist mir zu ostdeutsch. Wie von einem, der keine Gewerkschaften kennt oder die Basisarbeit der Sozialdemokraten. Es ist ja keineswegs so, dass hier der "Kampf gegen Rechts" im Vordergrund steht. Gemeinwohl, Arbeitnehmerrechte (bzw. Sozialrecht/Die Linke) sind die Kernthemen. Die Alternativen sind also durchaus da. Wenn die nicht genutzt oder nicht beachtet werden, liegt es an den Bürgern selbst, für die rechte Positionen griffiger und schicker sind. Da muss man nichts schön schreiben. Dass viele rechts ticken, liegt nicht am fehlenden Angebot einer demokratischen Linken.

Lesum 10.12.2012 | 11:14

Verwirrende Begriffe.

Der Vorschlag von Norberto Bobbio, mit "links" die Vorstellung von Gleichheit, mit "rechts" die von Ungleichheit zu verbinden, scheint mir immer noch der geignetste zu sein, um hier zu differenzieren. Aber auch das bleibt naturgemäß unscharf, wie es auch nichts darüber aussagt, wie man Gleichheit oder Ungleichheit durchsetzen will. Zur Durchsetzung von Ungleichheit genügt es, dem Kapitalismus seinen Lauf zu lassen, aber man kann natürlich auch mit dem Faschismus nachhelfen. Zur Gleichheit brauche ich eine große Menge Aufklärung in einer demokratischen Gesellschaft. Setze ich sie mit Gewalt durch, dann benötige ich eine Hierarchie (alle sind gleich, nur einer/ein paar sind gleicher). Nimmt man den o.g. Begriff von Bobbio ernst, dann läßt sich Gleichheit, die mit Gewalt durchgesetzt wird, letztlich nicht mit links bezeichnen. Vielleicht sind diese Begriffe links/rechts aber auch zu abgenutzt, um sich noch retten zu lassen.

Ebenso problematisch ist die Verwendung des Begriffes Antisemitismus. Von Seiten der israelischen Regierung, aber auch von Publizisten wie z.B. Henryk M. Broder (und interessanterweise auch von Neonazis) wird immer gern versucht, Israel mit jüdisch gleichzusetzen, was für die beiden erstgenannten Protagonisten ein bekanntlich gern genommener Anlaß ist, jede Form der Kritik am Staat Israel als antisemitisch zurückzuweisen. So bekommt man natürlich viele Antisemiten zusammen. Es wäre also gut zu wissen, wie der Begriff Antisemitismus in der Studie definiert ist.

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Ehemaliger Nutzer 10.12.2012 | 12:09

Das übliche Begriffsgematsche.

"Können Leute, die ja nicht einmal wissen, dass sie Rechtsextremisten sind"

Vielleicht sind es gar keine? Auch nur eine Definition, gelle? Wie diese aussieht erläutert der Artikel leider nicht.

"Bei der Erklärung des Phänomens sollte man das Zerbrechen kollektiver Identitäten im Blick haben; ein Prozess, den die belgische Politikwissenschaftlerin Chantal Mouffe nicht müde wird zu betonen"

Wichtiger richtiger Hinweis und er kann sich eben nicht in Partei- und damit Lagerdenken erschöpfen, sondern muss zwangsweise zu einer volksnäheren Demokratie und einer offeneren Diskussion führen. Vielleicht könnte man zuerst damit aufhören, Einstellungen oder gar ganze Menschen als links und rechts einzustufen?

"und der die dunkle Seite unseres postideologischen Zeitalters"

Unser Zeitalter ist nicht "postideologisch", das behaupten nur diejenigen, die gerade die bestimmende Ideologie vertreten und diese gerne als alternativlos anpreisen. Die momentan herrschende Ideologie ist neoliberal/kapitalfaschistisch.

"Sozialdemokraten in die „Neue Mitte“ die für das Politische konstitutiven Antagonismen verschwinden"

Ja, wobei ich mir nicht sicher bin, ob die SPD jemals intelligent genug war, die vorherrschende Ideologie zu hinterfragen und mehr als Sozialsymbolik zu liefern.

Oder wenn ich mal aus forum-systemfrage zitieren darf:

"In 150 Jahren hatte die SPD keinen einzigen Denker von Bedeutung gehabt; nie einen theoretischen Diskurs angestoßen, der aus dem modischen Trend der Zeit herausragte. In 150 Jahren hatte sie keinen Vorsitzenden oder Kanzler gehabt, der auf irgendeine Weise visionär wäre. In 150 Jahren hat die SPD - der Macht wegen - schon alles verraten, worauf sie je geschworen hat. Sie hat z.B. vor dem 1. Weltkrieg für Kriegskredite gestimmt, während der Weimarer Zeit die verhängnisvollen konservativen Reformen mitgetragen und schließlich - unter Schröder & Co. - die schmutzigen Geschäfte für den ehemaligen Klassenfeind erledigt."

"die Menschen in die Hände der Rechtspopulisten treibt."

Dahin getrieben werden sie von der menschenverachtenden neoliberalen Spar- und Verarmungsideologie. Alternativen jenseits von rechts gibt es sehr wohl, aber die werden vom Mainstream verteufelt. Also tun viele das menschlichste und das was sie aus den Medien kennen: sie suchen Sündenböcke. Und dafür eignen sich "Rechtspopulisten" nunmal am besten.

"Scheinbar als einzige weichen die noch vom Mitte-Konsens ab"

Nein, das tut die Linke auch, oder die Piraten (zumindest teilweise).

"und auf eine inhaltsleere „Volkssouveränität“ zu."

Inhaltsleerer als die Ideologie der selbstregulierenden Märkte und der globalisierungsbedingten Sachzwänge? Wohl kaum. Egal wie dumm, so ziemlich jede Ideologie bietet mehr.

"Ostdeutschland und einigen europäischen Ländern eine beträchtliche Anziehungskraft."

Überall dort wo die Leute arm/ärmer sind.

"Eine solche Perspektive ist freilich für die demokratische Linke sehr unbequem, wäre es doch an ihr, über den zweifellos lobenswerten „Kampf gegen rechts“ hinaus echte programmatische Alternativen anzubieten"

Die hat sie, zumindest teilweise. Aber der mediale Mainstream drückt sich davor diese etwas komplizierteren und nicht ganz so kapitalfreundlichen Positionen ernst zu nehmen.

"das demokratische Lager"

Deutschland ist keine Demokratie, schon theoretisch nur über skurrile Definitionen, praktisch bleibt davon gar nichts übrig. Viele Menschen empfinden das zurecht so, auch wenn sie es nicht formulieren können.

Red Bavarian 10.12.2012 | 13:38

Nur einmal auf die Schnelle nach dem Lesen des obigen Artikels geantwortet, als alternativ-emanzipatorischer Linker und Citoyen geantwortet:

>>Nicht „Extremismus der Mitte“, sondern „Extremismus des Überall“ sei, so die Autoren, die sozialtopographisch zutreffende Beschreibung für die Verortung rechtsextremer Einstellungen.<<

Ich kenne die Studie nicht, aber allgemein: Jede Studie, die sich einfacher Schemata bedient, muss sich fragen lassen, ob sie sich nicht an die fehlgeleitete Extremismustheorie anlehnt. Die politökonomischen und soziokulturellen Verhältnisse sind seit jeher mehr oder minder komplex, und sie sind auch dergestalt zu analysieren.

>>Mit der Verwendung der Links-Rechts-Skala für die Messung politischer Einstellungen haben sie dagegen kein Problem.<<

Die Verhältnisse sind multidemensional, wie ich beispielsweise in meinem Blog-Artikel 'Der Titatic-Blasen-Effekt' angedeutet habe.

>>Eine solche Perspektive ist freilich für die demokratische Linke sehr unbequem, wäre es doch an ihr, über den zweifellos lobenswerten „Kampf gegen rechts“ hinaus echte programmatische Alternativen anzubieten, die das demokratische Lager für die Menschen wieder attraktiver machen.<<

Da muss ich als Linker und Citoyen widersprechen. Wir, also die diversen Gruppen, Organisationen und Bewegungen, haben eine Menge programmatische Konzepte, die jedoch so oft teils ignoriert, und teils verrissen werden.

>>Natürlich, für manche mag das eine Zumutung sein, ist doch der wesentliche sinngebende Nenner auf Seiten der Linken die scheinbar unmissverständliche Idee der Gleichheit (im Gegensatz zur Ungleichheitsideologie der Rechten) gewesen, wie auch der italienische Politologe Norberto Bobbio betont.<<

Die Gleichheit aller Menschen ist nicht nur eine grundlegende Sicht von Linken, sondern mit die wertvollste Erkenntnis überhaupt, die schon in der Antike vom Buddhismus gewonnen wurde, und heute bei Linken, Citoyens und Universalisten eine Grundlage bildet.

>>Dass gerade antisemitische Stimmungen in der kapitalismuskritischen Szene verbreitet sind, ist bekannt; und auch die Occupy-Bewegung musste sich im vergangenen Jahr mit diesem Problem auseinandersetzen.<<

Wie beim Extremismusbegriff ist beim Antisemitismusbegriff zu schauen, was damit gemeint ist. Beide Begriffe werden heutzutage regelrecht inflationär verwendet und verlieren somit zunehmend ihren Bedeutungswert.

>>Rechtsextremes Gedankengut wächst nicht nur in zunehmendem Maße in die nivellierende „Mitte“ hinein, es findet sich immer häufiger auch bei Menschen, die sich selbst links der Mitte verorten.<<

Es gibt tatsächlich Menschen, die sich irrtümlich für links halten, und solche, die linke Ideen absichtlich missbrauchen. Schon die Selbstbezeichnung der Nationalfaschisten und Neofaschisten als "Nationalsozialisten" und "Nationale Sozialisten" sticht dergestalt ins Bewusstsein.

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Ehemaliger Nutzer 10.12.2012 | 13:58

"Schon die Selbstbezeichnung der Nationalfaschisten und Neofaschisten als "Nationalsozialisten" und "Nationale Sozialisten" sticht dergestalt ins Bewusstsein."

Das war ein Schnellschuß, weil du "links" und "sozialistisch" im selben Lager verortest und vielleicht sogar gleich setzt.

Sozialistisch leitet sich aber von "sozial" ab und man mag es ärgerlich finden, aber die Nazis waren (zumindest dem eigenen Volk gegenüber) vermutlich sozialer als die Weimarer Republik.

Uwe Theel 10.12.2012 | 15:24

Was ist denn das für ein Blogtext?

Mit einer Studie, die die Selbsteinschätzung von Rechten, die sich selbst in der Regel nicht als Rechtsradikale bezeichnen würden, selbst wenn sie es sind, als verläßliche Aussage über das, was links sein soll zu nehmen umd die wirklich Linken, als die wahren Rechten zu treffen ist infam.

Kein seriöser Arzt käme auf die Idee, die Selbsteinschätzung eines Kranken als die eigene Diagnose zu nehmen.

Hier wird nur wieder das alte Lied vom Linksfaschismus, vom "Links ist gleich Rechts" im seligen Angedenken an bürgerlich ideologische Totalitarismustheoreme, die längst ihrer ungültigkeit überführt sind. Das die damit die PI-Fraktion bis hin zu Leuten wie Broder getützt wird wird als Kolleteralschaden dann sicherlich noch mit hingenommen. Als FC-Mitglied könnt er Kommentator es besser wissen, hat doch die in der Vergangenheit hier breit geführte Diskussion über "linken Antisemitismus" unabsehbaren Flurschaden schon hinterlassen.

Der wirklichen Linken, sozialistischen Kräften also, den Vorwurf zu machen, sie würden konturlos zur Mitte hin tendieren, wäre allenfalls der deutschen Sozialdemokratie gegenüber zu machen, die nicht müde wird, die bürgerliche Mitte "wieder besetzen" zu wollen und sich gegen genuin linke Kräfte bisher hartnäckig abgrenzt.

Aber genau diese den Kapitalismus allenfalls einhegenden, ihn aber nicht überwinden wollenden Kräfte sind es, die auch der Kommentator - vielleicht sogar gegen seine eigenen Vorstellungen - unterstützt und echte linke Kritik und deren alternative Konzepte, die es angeblich nicht gäbe unter den Tisch fallen läßt.

Danny Michelsen hat hier m.E. keinen Diskussionsbeitrag zum Thema, was denn heute links sei abgeliefert.

Uwe Theel 10.12.2012 | 15:33

Was soll denn dieses mindestens halbbraune Gestammle Herr Rauch?

Natürlich waren "Die Nazis", das "Dritte Reich" also, gegenüber "ihrem Volk sozialer", als die "Weimarer Republik".

Nur scheint zu Ihnen noch nicht durchgedrungen zu sein, wer oder das "Volk" war, das die Nationalsozialisten als das "Ihre" begriffen haben und was sie mit dem Rest der Menscheit demgenüber vorhatten und was sie dafür auch wirklich getan haben.

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Ehemaliger Nutzer 10.12.2012 | 15:36

Wenn, wie hier im 'Freitag' geschehen, ein Schreibkollektiv seine Denunziation einer Rudersportlerin (der persönlich nichts weiter 'vorzuwerfen' war, als dass sie privat mit einem Neonazi liiert war), als antifaschistische Tat feiert, obwohl es eine Blockwart-Tat war, dann begreift man, dass man das Rechts-Links-Schema nicht linear sehen darf. Man muss es als Kreis verstehen: wer weit genug nach links geht, landet automatisch ganz rechts - et vice versa. Die Geschichte kennt zahllose Beispiele von Franz Mehring bis zu Horst Mahler. In der ausgezeichneten Studie "Warum die Deutschen? Warum die Juden? - Gleichheit, Neid und Rassenhass" befasst sich Götz Aly ausführlich mit diesem Thema. Sehr empfehlenswert!

Hans Georg Ossianowsky 10.12.2012 | 16:16

Von den Rändern kann man nicht die Machtzentren erreichen in einer pluralen demokratischen Gesellschaft,deswegen muss sich der Rechtsextremismus einen Mutationsdruck untervertuschen und ihre Kennzeichnung vertuschen.die Vertuschungsversuche der Rechten sieht wie folgt aus: Bürgerlicher als die Bürgerlichen aussehen.Beispiel: identiär ersetzt rassistisch,Islamfeindlichkeit wird in Bürgerinitiativen organisiert. Rechtsextreme sind ehrenamtlich unterwegs,um die sogenannte Volksgemeinschaft zu stärken gegen Migranten.Der Rechtsextreme verstellen sich verfassungskonform und berufen sich an ihre ach so grosse Heimatliebe.Mitlerweise habe ich auch ein Problem die Rechte klar wiederzuerkennen um mich nicht von ihnen täuschen zu lassen gehe ich nach ihrem Stallgeruch ,die ist das charakterischtische an ihnen das weden sie los.Der Rechte rieht immer nach einem braunen Stallgeruch,wenn er sich auch zigmal wäscht und parfumiert. Zu den Linken kann ich nicht viel sagen.Ich weiss nur das sie mehr Geld in der Tasche haben als ich. Aus Neugier war ich bei den Linken auf einer Informationsveranstaltung da ging es um Gerechtigkeit und neue Armut. In der Pause stand ich da mit einem Cola in der Hand und wurde zufällig Zeuge eines Gesprächs.Da sagte ein Linker Jüngling das er überWeihnachten und Silvester in einem Luxushotel in Travemünde sei ,sein Vater sei Notar in Kiel.Das erzeugte in mir ein Sozialneidkomplex ,er ist zwar links aber verkehrt in höheren Gesellschaftesschichten .Ich bin zwar auch links und konnte mit Mühen einen Weihnachstsbaum bei REWE kaufen

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Ehemaliger Nutzer 10.12.2012 | 17:53

... über den zweifellos lobenswerten „Kampf gegen rechts“ hinaus echte programmatische Alternativen anzubieten, die das demokratische Lager für die Menschen wieder attraktiver machen.

Wie kommen Sie auf die verrückte Idee, dass "Rechts" = "Undemokratisch"???

Ist der neue Schweizer Bundespräsident kein Demokrat? Ist David Cameron für Sie ein Linker? Wie ist es mit der Regierung in Ungarn? Hat die sich an die Macht geputscht? Oder ist sie von 2/3 der Bürger gewählt?

Demokratie ist Demokratie, auch wenn einem die Mehrheitsmeinung nicht gefällt. Der bizarre Versuch, nur die eigene Meinung als "demokratisch" zu adeln und jede andere zu delegitimieren erweist sich als ihr Gegenteil.

Politische Mehrheitsmeinungen folgen übrigens einem Pendelsystem... :)

Uwe Theel 10.12.2012 | 18:09

Werter Herr Kuntz,

Die platte Formel, was von einer Mehrheit gewählt sei, sei automatisch "demokratisch", die glauben Sie sicher nicht einmal selbst.

"irgendwie" wurde Hitler auch von einer Mehrheit der deutschen gewählt. Es wäre aber doch je zu fragen, wie frei die Wähler wirklich waren (sind) und wer ,wen, warum und wozu wählt, oder zu wählen glaubt.

Demokratie ist ein wenig mehr, als nur das Verhalten des Wahlvolkes alle paar Jahre zur Wahl von "Volksvertretern" zu gehen um diesen durch Stimmabgabe "Mehrheiten" zu verschaffen.

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Ehemaliger Nutzer 10.12.2012 | 18:31

Alles schon mal dagewesen!? Na ja, dann muss es zwangsläufig überholter Mist sein, nicht wahr? Denn eine brauchbare Haltung kann immer nur eine völlig neue, avantgardistische Haltung sein.

Da muss die Müllkippe des Unbrauchbaren bei Ihnen ja schon gewaltig groß sein, nehme ich an. Der Begriff 'bürgerlich' liegt dort aber noch nicht herum, oder? Den möchten Sie gerne noch etwas behalten, um damit, ... ja was denn eigentlich? ... zu tun. Haben Sie eine Idee?

Herr Aly hat jedenfalls eine Menge hieb- und stichfestes Material zusammengetragen, das die angeblichen Unterschiede zwischen 'Links' und 'Rechts' gewaltig zusammenschrumpfen lässt und ein grelles Licht auf eine Armee von Zukurzgekommenen wirft - linken, rechten und bürgerlichen.

Meinen Sie nicht, dass Ihr Koordinatensystem brennt?

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Ehemaliger Nutzer 10.12.2012 | 19:07

…und hier (siehe Link) kann man sehr schön nachvollziehen wie sich das Zentralorgan Deutschlands regelrecht überschlägt, einen sich selbst(?) links verortenden aber rechten Führer, ausschließlich Zucker in den fetten Arsch zu blasen.

Hier die „messerscharfen und fulminanten“ Kernaussagen dieses „begnadeten Rhetorikers und kundigen Ökonomen“ .

Ja, ich bin stolz, ein Deutscher (Sozialdemokrat) zu sein.“

„Deutschland braucht wieder mehr Wir und weniger Ich.“

http://www.bild.de/politik/inland/peer-steinbrueck/spd-parteitag-einpeitscher-27587922.bild.html

Uwe Theel 10.12.2012 | 19:20

1) Die Kreislinie hat kein Ende und keinen Anfang, ergo kann auch kein Punkt festgelegt werden - es sei denn willkürlich - wo denn der ort sei, wo dann zwei unterschiedenen Dinge gleichortig angeordnet seien.

2) Wenn sie Aly schon "hieb- und stichfeste" Argumente zuschreiben, dann benennen Sie bitte mal ein paar und versuchen - freundliche Bitte - dies in eigenen Worten zu erklären. Dann könnten wir vielleicht darüber diskutieren.

3) Wenn ich schrieb "Alles schon einmal dagewesen", dann bezog sich das zum einen daruf, dass Sie Ihr "Argument" nur abgeschrieben haben aus einer Diskussion, die schon geführt wurde, ohne, dass Sie eigene Gedankenarbeit zeigten, sowie darauf, dass Wotans Eiche schon einmal zum imaginären Mittelpunkt eines furchtbaren kreislaufs um diese herum gewesen ist.

4) Mein Koordinatensystem ist jedenfall richtungsweisender als das Ihre, da es eine geschichtliche Entwicklung annimmt in der das "Bürgerliche" zweifelllos seine Ort, aber keineswegs Ewigkeitsgarantie hat oder Ausdruck von (historischer) Beliebigkeit ist.

5) Offensichtlich hat Horst Mahler seit 1968 sein Koordinatensystem gewechselt . Es mag vielel Gründe geben, warum er seine einstigen linken Grundsätze aufgab, eine (angebliche) Verwandschaft dieser Grundsätze mit den Verirrungen rechten Denkens, haben weder Sie noch Götz Aly nachgewiesen. Mit derartigen an der Oberfläche der Erscheinungen operierenden Methoden politischer Erkenntnis wie Sie sie hier kolportieren (= ungesichert abschreiben) , wäre analog im strafrechtlichen Bereich eine Unterscheidung von Mord und fahrlässiger Tötung schlicht nicht möglich.

Dass Ihre Denkweise - s. die Zustimmung, die Sie durch Herrn Rauch Erfahren - nicht zwischen Nationalsozialismus und Sozialismus unterscheiden können folgt wohl zwingend aus der ideologischen Annahme, es gäbe keinen Unterschied zwischen Rechts und Links.

Mit wem oder was dürfte ich sie dann bitte verwechseln, ohne mich zu irren?

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Ehemaliger Nutzer 10.12.2012 | 19:34

Lieber Herr Theel,

doch, das glaube ich tatsächlich. Mehrheit ist Mehrheit.

Demokratie ist "qualitativ" vor allem eine sympathissche Phantasie. Wenn sie real aber irgendetwas ist, dann ein rechtsstaatlich definiertes Prozedere zur Herbeiführung kollektiv verbindlicher Entscheidungen. Irgendein "Qualitätssiegel" inhaltlicher Art hat darin erst einmal keinen Platz. Außer man legt es darauf an, mit den Mittel des demokratischen Procederes seine Abschaffung herbeiführen zu wollen... Das geht nicht klar! Es muss einem nicht jede Meinung gefallen. Das erfordert "Toleranz" auch nicht. Sie können Latein. Aber es ist schon ein Unterschied, ob man sich - um betont absurde Beispiele zu nehmen - dafür einsetzt, die bestehende Ordnung zu beseitigen, um den Export schwerer Splittermunition (ein Schulfreund von mir ist Ingenieur bei Diehl...) zur Regel zu machen oder den Bürger zum Rückversicherungsgaranten für Spekulationsverluste zu - oder ob man auf die ein oder andere Weise dafür wirbt, dass dies alles innerhalb des Procederes und unter seiner Ausdrücklichen Wertschätzung demokratisch "durchlegitimiert" ist.

Das ist die große Linie. Die kleine verläuft dort, wo sich etwa Befürworter und Gegner der Homoehe gegenseitig bezichten, Staatsfeinde zu sein. Was vollkommen abwegig ist.

Das eine Problem ist, dass man bei mißliebigen Meinungen so tut, asl wollten diese das Procedere außer Kraft setzen, was in den seltensten Fällen stimmt.

Und die andere, für mich allerding endemische Baustelle, ist die Marktwerdung des Politischen auf dem Boden einer Demokratie.

Money rules Democracy. In the name of Majority.

Dass man die NPD verbieten will und mit Herrn Ackermann im Kanzleramt Geburtstag feiert, zeigt nur, welche "Unharmoniker" sich besser auf die Spielregeln verstehen. Mit einer normativen Zeichenfolge dEmOkRaTiE aus dem Soziologieseminar hat das nichts zu tun. Allerdings mit der Ablösung der Monarchie die Herrschaft der Kaufleute (Demokratie ist keine Abstraktion, sondern ein historischer Schritt, in Athen wie in England...)

Und Legitimität? Ist auf dem Boden eines Rechtsstaats sogar noch ein zu schwaches Wort. Etwas per Wahlen durchzulegitimieren heißt es auch durchzulegalisieren...

Demokratie ist bis auf blutrünstigen Blödsinn immer völlig ergebnisoffen. Bis auf die Herrschaft des Geldes. Die ist gesetzt.

Sie könnten eine Erzdemokratie wie die USA als "modernes" Land im Sinne der Ostküstenintellektuellen betreiben - oder so, wie die Mormonen in Utah sich das vorstellen - es wäre immer kapitalistisch.

Das gilt es aus meiner Sicht zu sehen. Man sei entweder Demokrat oder nicht. Aber wenn man einer ist, dann bitte auch Kaufmann. Es geht im Parlament nicht um Liebe.

Aber wenn man, das vorausgesetzt, den Unterschied zwischen "Prozess abschaffen wollen" und "in den Prozess eingespeiste Meinung nicht mögen" akzeptiert, und Letzterem nicht unterstellt, Ersteres zu sein, dann bekommt man vielleicht sogar den ein- oder anderen Dämpfer eingebaut. Ob das aber funktioniert, solange sich Abgeordnete wie Kahrs, Geis oder Gauweiler fragen lassen müssen, was Ihnen denn einfiele, "rechts" zu denken? Als wollten sie den Prozess abschaffen... Die Mundtotmacher sind da näher dran. Dieser Artikel hier atmet den Geist der SA. Im Namen des Gegenteils.

DAS ist es, was ich meine. Man nähert sich, auch in Artikeln wie diesem einem Zustand, in dem man - komischerweise? - der Banken- und Geldherrschaft nicht Herr wird, und stattdessen anderen Demokraten erklärt, sie seien keine. Ich halte das für verheerend falsch. Allerdings ist Demokratie eben dünnes Eis. Und ein Parlament in Selbstaufgabe kann auch Rettungspakete durchwinken und sich dann in der Lichterkette eines "Kampf gegen Rechts" stellen. Das ist dem Geld vollkommen egal.

Ich würde sogar soweit gehen, dass Leute wie der Verfasser hier unbewusste Agenten des Kapitalismus sind. Sie zielen voll einen Mann wie Gauweiler, einen rechtsstehenden Demokraten, der alles versucht hat, innerhalb der Regeln die Bankenrettungsautomatismen zu verhindern. Aber er ist eben gegen Homoehen, deswegen muss man ihn zum Staatsfeind aufblasen... :)

Man würde sich mancherorts beschwert haben, wenn etwa aus dem Ringen mit der RAF einen "Kampf gegen Links" gemacht worden wäre.

Wobei sogar das letztlich egal ist, wenn sich friedliche Bürger gegenseitig die Legitimität ihrer Meinung absprechen.

Cause Money rules Democracy!

Übrigens auch unter einer Regierung Steinbrück/Göring-Eckhart.

Ein NPD-Verbot mag zwingend geboten sein oder nicht. Ich kann das nicht beurteilen. Es hilft aber definitiv nicht gegen die normal werdenden Milliardenhilfen für griechische Milliardäre ab und die alltägliche Aufwertung persönlicher Interessen zu einer volonté générale mit den Mittel des Rechts...

Uwe Theel 10.12.2012 | 20:24

Lieber Herr Kuntz,

... interessante Gedanken, die in der Mehrheit diskussionswürdig sind.

In einem Punkt - falls ich Sie nicht mißverstanden habe - widerspreche ich Ihnen aber entschieden:

Sie sagen:

"Demokratie ist bis auf blutrünstigen Blödsinn immer völlig ergebnisoffen. Bis auf die Herrschaft des Geldes. Die ist gesetzt."

Ist der erste Satz noch diskussionswürdig, so ist die unterstellte Setzung der Herrschaft des Geldes (sie meinen ja wohl die des Kapitals) willkürlich und demokrathietheretisch nicht begründbar.

D.h. - besonders, wenn Demokratie "ergerbnisoffen" sei -, es muss eine Alternative zur "Herrschaft des Kapitals", ja damit zur Klassenherrschaft (Der Herrschaft des Menschen über den Menschen schlechthin) geben können.

Michael Jaeger diskutiert dazu in seiner "Anderen Gesellschaft" von der Seite des Geldes her.

Wenn auch sie die Marktradikalisierung, d.h. die "Vergeldlichung" Marx: Verdinglichung) aller menschlicher Beziehung ablehnen, dabei ganz dicht bei Marx sind, kann man nicht bei Ihrer eingangs zitierten Aussage bleiben . Ihre Kritik am Blogautor scheint mir auch in diese Richtung zu deuten.

Uwe Theel

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Ehemaliger Nutzer 10.12.2012 | 20:46

Lieber Herr Theel,

an dem Punkt ist etwas dran.

Weicher formuliert würde ich dann sagen, dass Demokratie zwar historisch an bestimmten Punkten entsteht, Athen und England waren eben Handelsmächte in der Ägäis und den Weltmeeren, deren Handel treibende Untertanen "Bürger" werden und mitreden wollten. So ganz abwegig werden Sie die "Geld- und Handelsaffinität" jeder historischen Demokratie (oder mittelalterlichen Stadtrepublik: Hanseatentum... etc. pp.) sicherlich nicht finden. Auf der anderen Seite sollte ich die "normative Möglichkeit" auch nicht zu gering schätzen. D'accord.

Aus der historischen Genese, ja mit Blick auf die USA, wäre somit keine Notwendigkeit der Geldherrschaft abzuleiten. Nun gut.

Eine gesetzgebende Versammlung könnte diese knacken. Zumindest wäre das möglich... Wenn man Erststimmenwahlrecht, Flat-Tax und Grundeinkommen zusammendenkt, warum nicht? Dann wären wir, immer Konjunktiv..., in Deutschland vielleicht gar nicht mehr so weit davon weg.

Nun gut. Sie haben mich da auf dem progressiven Fuß erwischt... Dann wollen wir´s mal hoffen. :)

In diesem Sinne schöne Grüße

AK

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Ehemaliger Nutzer 10.12.2012 | 23:29

Zustimmung, wählen hat mit Demokratie wenig zu tun.

Aber ich verstehe das Dilemma deines Vorposters, in solche Widersprüche (ein undemokratischer Mensch ist an der Macht, durch eine Wahl) kommt man automatisch, wenn man repräsentative Systeme demokratisch nennt.

Da eine Wahl nichts weiter ist, als eine Pauschalvollmacht, die man uU ungewollt an einen Lügner vergibt, lässt sich sogar ein Regieren gegen die Mehrheit im Volke trefflich rechtfertigen.

""irgendwie" wurde Hitler auch von einer Mehrheit der deutschen gewählt. Es wäre aber doch je zu fragen, wie frei die Wähler wirklich waren (sind) und wer ,wen, warum und wozu wählt, oder zu wählen glaubt."

Ja, aber nur von einer relativen Mehrheit. Genau genommen bekam die NSDAP 1932 weniger als ein Drittel der Stimmen der wahlberechtigten Bevölkerung.

Das hat sie nicht gehindert die absolute Macht an sich zu reißen und das ganze Land, ja die halbe Welt, in den Abgrund zu treiben.

Uwe Theel 11.12.2012 | 00:02

Werter Herr Rauch,

in Ihren Texten scheint mir so einiges durcheinander zu gehen:

1) Das Institut der Wahl ist ein notwendiger, aber kein hinreichender Teil für ein demokratisches System.

Aus Wahlen müssen nicht unbedingt immer nur repräsentative Organe einer gesellschaftlichen Organisation hervorgehen, genauso wie Entscheidungen nicht immer Entscheidungen repräsentativer Organe sein müssen. Insofern habe ich nicht das Dilemma, repräsentative Systeme grundsätzlich als nicht demokratisch anzusehen.

2) Für gänzlich falsch halte ich Ihre Annahme und die Begründung dafür, dass sich einen gegen einen Mehrheitswillen der Bevölkerung regierende Struktur damit rechtfertigen ließe, dass sich das Elektorat hinsichtlich der eigentlich "ungewollten" Regierung schlicht irgendwie geirrt habe. Da wären wir nämlich wieder bei der platten Annahme, dass das Wesen der Demokratie einzig durch die Erfüllung des Prinzips "(Wähler)Mehrheit ist (Wähler)Mehrheit" zum Leben erweckt werden könne, wobei es demokratietheoretisch unerheblich ist, ob dabei relative oder absolute Mehrheiten als legitimierend betrachtetet würden.

P.S.: Ich bin mir nicht ganz sicher, ob Sie bemerkt haben, dass Sie mit Ihren Zahlen zur Hitlerwahl Ihre ursprüngliche Argumentation selbst ad absurdum geführt haben.

Lapis 11.12.2012 | 10:02

>>Laut Monitor stufen sich knapp 40 Prozent der Befragten mit rechtsextremem Weltbild als „etwas links“ oder „links“ ein – doppelt so viele wie noch vor elf Jahren.<<

Diese von Herrn Michelsen zwar korrekte, aber dennoch selektive Wiedergabe eines Teils einer Tabelle aus dem aktuellen „Thüringer Monitor“ mag zwar aus Gründen der Aufwertung der eigenen These verständlich sein, sie wird aber im Fazit der Studie (S.100) vollkommen anders zusammengefasst:

"Außerdem klaffen die politischen Selbstallokationen der Befragten und die indikatorengestützten Zuordnungen der Wissenschaft bzw. der ihr folgenden Politik weit auseinander: Nur neun Prozent der aufgrund ihrer Einstellungsmuster als "rechtsextrem" klassifizierten Befragten ordnen sich selbst dem rechten Rand des politischen Spektrums zu.
Die weit überwiegende Mehrheit (87 Prozent) der über ihre Einstellungsmuster klassifi-
zierten "Rechtsextremen" sehen sich selbst in der Mitte bzw. etwas links oder rechts der
Mitte, weitere vier Prozent am linken Rand."

Auch handelt es sich beim "Thüringer Monitor" nicht- wie hier behauptet- um eine "Untersuchung von Menschen mit rechtem Gedankengut", sondern um die Auswertung einer repräsentativen Befragung von wahlberechtigten Thüringern, um "Erkenntnisse über die langfristigen Linien der Entwicklung von politischen Orientierungen, insbesondere der Demokratieunterstützung der Menschen in Thüringen" zu erlangen. Als diesjähriges Schwerpunktthema stand "die Internationalität, die Weltoffenheit sowie die Akzeptanz von Menschen aus anderen Ländern und Kulturen durch die Thüringer Bevölkerung" im Mittelpunkt.

Von den 1003 Personen (die in einem computergestützten Telefoninterview befragt wurden) haben laut der Studie zwölf Prozent rechtsextreme Einstellungen.

Wir sprechen also über die politische Selbsteinordnung von 120 Personen!

Daniel Domeinski 11.12.2012 | 14:38

"Aber es ist schon ein Unterschied, ob man sich - um betont absurde Beispiele zu nehmen - dafür einsetzt, die bestehende Ordnung zu beseitigen, um den Export schwerer Splittermunition (ein Schulfreund von mir ist Ingenieur bei Diehl...) zur Regel zu machen oder den Bürger zum Rückversicherungsgaranten für Spekulationsverluste zu - oder ob man auf die ein oder andere Weise dafür wirbt, dass dies alles innerhalb des Procederes und unter seiner Ausdrücklichen Wertschätzung demokratisch "durchlegitimiert" ist." Genau dieser Unterschied zeigt, wie Hohl dieses Geschwafel über Demokratie, Extremismus und Rechtstaatlichkeit ist.

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Ehemaliger Nutzer 11.12.2012 | 15:53

"Das Institut der Wahl ist ein notwendiger, aber kein hinreichender Teil für ein demokratisches System."

Ob Wahlen notwendig sind, darüber kann man streiten, sicher gäbe es auch andere Möglichkeiten Gesetzentwürfe auszuarbeiten, als den Umweg über ein Parlament. Dass Wahlen nicht hinreichend sind, darüber müssen wir nicht streiten.

"repräsentative Systeme grundsätzlich als nicht demokratisch anzusehen."

Dann habe ich dich missverstanden.

Zwar kann eine Person eine Gruppe theoretisch repräsentieren, das geht aber nur mit zeitnahen Rück- und Absprachen, die in der Politik nicht vorgesehen, ja nichtmal erwünscht sind und außerdem aufgrund der Gruppengröße nicht machbar. Von daher ist "repräsentatives System" auch schon ein Euphemismus. Solche Systeme für demokratisch halten, ist, ähm, schlicht dumm.

"dafür, dass sich einen gegen einen Mehrheitswillen der Bevölkerung regierende Struktur damit rechtfertigen ließe, dass sich das Elektorat hinsichtlich der eigentlich "ungewollten" Regierung schlicht irgendwie geirrt habe"

Was willst du mit diesem Satz sagen? Dass die Bevölkerung jemanden wollte, der gegen ihren Willen regiert? Ich verstehe es nicht.

"P.S.: Ich bin mir nicht ganz sicher, ob Sie bemerkt haben, dass Sie mit Ihren Zahlen zur Hitlerwahl Ihre ursprüngliche Argumentation selbst ad absurdum geführt haben."

Nein, habe ich nicht bemerkt und erschliesst sich mir auch nach wie vor nicht. Leider führt dein Link auch nicht zu dem Kommentar auf den du dich beziehst. Willst du vielleicht etwas genauer werden?

Uwe Theel 11.12.2012 | 16:39

"Zwar kann eine Person eine Gruppe theoretisch repräsentieren, das geht aber nur mit zeitnahen Rück- und Absprachen, die in der Politik nicht vorgesehen, ja nichtmal erwünscht sind und außerdem aufgrund der Gruppengröße nicht machbar. Von daher ist "repräsentatives System" auch schon ein Euphemismus. Solche Systeme für demokratisch halten, ist, ähm, schlicht dumm."

Antwort: Demokratie muß grundsätzlich immer Wahlfreiheit beinhalten, insofern sind wahlen eben notwendige Bedingung des Systems, was heißt, sie sind auch unverzichtbar.

Wenn durch wahl Repräsentanten zur Entscheidungsfindung gewählt sind, so ist dies nicht grundsätzlich als "dumm" zu bezeichnen, besonders läßt sich daraus nicht "das Dumme an der Demokratie" ableiten, nach dem dann immer gefragt wird.

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"dafür, dass sich einen gegen einen Mehrheitswillen der Bevölkerung regierende Struktur damit rechtfertigen ließe, dass sich das Elektorat hinsichtlich der eigentlich "ungewollten" Regierung schlicht irgendwie geirrt habe"

Was willst du mit diesem Satz sagen? Dass die Bevölkerung jemanden wollte, der gegen ihren Willen regiert? Ich verstehe es nicht.

Antwort: Diese Formulierung ist einen Paraphrase aus Ihrem Kommentar 10.12.2012 | 23:29 , wo es heißt:

"Da eine Wahl nichts weiter ist, als eine Pauschalvollmacht, die man uU ungewollt an einen Lügner vergibt, lässt sich sogar ein Regieren gegen die Mehrheit im Volke trefflich rechtfertigen."

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"P.S.: Ich bin mir nicht ganz sicher, ob Sie bemerkt haben, dass Sie mit Ihren Zahlen zur Hitlerwahl Ihre ursprüngliche Argumentation selbst ad absurdum geführt haben."

Nein, habe ich nicht bemerkt und erschliesst sich mir auch nach wie vor nicht. Leider führt dein Link auch nicht zu dem Kommentar auf den du dich beziehst. Willst du vielleicht etwas genauer werden?

Antwort: Sie vertraten eingangas die These "Mehrheit ist Mehrheit", was bei Niedergang demokratischer Kultur tatsächlich zu falschen (Wahl)entscheidungen führen kann. Diese falschen Entscheidungen beruhen aber nicht auf einer grundsätzlichen Falschheit von Wahlen oder Repräsentation.

Die formale Richtigkeit von "Mehrheit ist Mehrheit" enthebt die Formel nicht ihrer Dialektik (Widersprüchlichkeit) dass reale gesellschaftliche Strukturen "Mehrheiten" erzeugen können, die nicht im Sinne des Gemeinwohls agieren. Dann liegt es an diesen realen Gesllschaftlichen Strukturen, nicht aber am o.a. Prinzip.

Das Beispiel der formalen Mehrheit für Hitler als Beweis für die Gefährdung der Wiksamkeit des Prinzips kann also nicht verwendet werden als Beleg für dessen Widerlegung.

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Ehemaliger Nutzer 11.12.2012 | 17:35

Ok, du scheinst in anderen Abstraktionsebenen zu denken, deshalb reden wir wohl gelegentlich aneinander vorbei.

"Demokratie muß grundsätzlich immer Wahlfreiheit beinhalten,"

Ja, nur versteht man unter "Wahlen" in der Praxis eben etwas anderes als "Wahlfreiheit". Nach deiner Definition sind auch Abstimmungen letztlich "Wahlen", ich würde sie trotzdem nie so nennen.

"Wenn durch wahl Repräsentanten zur Entscheidungsfindung gewählt sind, so ist dies nicht grundsätzlich als "dumm" zu bezeichnen"

Wie ich schon darstellte, kann jemand eine Gruppe nur repräsentieren, wenn er sich in intensiver Kommunikation mit ihr befindet oder es sich um eine extrem kleine und homogene Gruppe mit sehr festen Bedürfnissen handelt.

Beides ist in der politischen Praxis nicht gegeben, von daher sind sogenannte "repräsentativ demokratische Systeme" nicht repräsentativ und daraus folgend auch nicht demokratisch.

"läßt sich daraus nicht "das Dumme an der Demokratie" ableiten, nach dem dann immer gefragt wird."

Das scheint eine theoretische Diskussion zu sein, die vollkommen an mir vorüber gegangen ist.

Antwort: Diese Formulierung ist einen Paraphrase aus Ihrem Kommentar 10.12.2012 | 23:29 , wo es heißt

Ja, aber was wolltest du damit sagen? Oder paraphrasierst du aus reiner Freude ?


"(Wahl)entscheidungen führen kann. Diese falschen Entscheidungen beruhen aber nicht auf einer grundsätzlichen Falschheit von Wahlen oder Repräsentation.""

Falschheit ist das falsche Wort. Wahlen (in Abgrenzung zu Abstimmungen) sind nicht falsch, sondern einfach nicht demokratisch.

Den eigentlichen Souverän (das Volk) zu entmündigen, um es von einer kleinen Gruppe (Parlament/Regierung/Partei) lenken zu lassen, kann nicht demokratisch sein, bestenfalls eine Zwischenstufe zwischen Diktatur und Demokratie.

Dass man dafür viele von der Praxis widerlegte Axiome zur Rechtfertigung heranzieht (etwa das der Repräsentativität), macht die Sache nicht besser.

"Dann liegt es an diesen realen Gesllschaftlichen Strukturen, nicht aber am o.a. Prinzip."

*Lach*, du machst es dir aber einfach. Nenne mir ein Gesellschaftssystem, indem es keine starken "gesellschaftlichen Strukturen" gibt, die dem Gemeinwohl entgegenwirken. Der Kapitalismus ist doch geradezu ein Lehrbuchbeispiel genau dafür.

Die Demokratie hat die Aufgabe den Willen der Mehrheit in Gesetze zu giessen, wenn ein System dieser Aufgabe nicht gerecht wird, dann kann man es auch nicht demokratisch nennen.

"Das Beispiel der formalen Mehrheit für Hitler als Beweis für die Gefährdung der Wiksamkeit des Prinzips kann also nicht verwendet werden als Beleg für dessen Widerlegung."

Wahrscheinlich bin ich zu dumm für deine Gedankengänge.

Hitler hatte die "relative Mehrheit", das ist auch wieder nur ein Euphemismus, denn genauso passend wäre: er wurde von der größten Minderheit gewählt.

Was ich eigentlich damit ausdrücken wollte war: die echte absolute Mehrheit des Volkes stand zu dem Zeitpunkt NICHT hinter ihm (dass dieses System generell nicht treffsicher ist, steht in diesem Zusammenhang auf einem anderen Blatt).

Nur verwendet man die Phrase der "größten Minderheit" nicht gerne, weil man dann gegenüber dem Bürger erklären müsste, warum er ständig Regierungen aktzeptieren muss, die nur eine Minderheit wollte.

Ein normaler Mensch denkt eben nicht in relativen Mehrheiten, für den ist eine Mehrheit immer 50+%. Das bleibt bei den meisten daher auch falsch vom Geschichtsunterricht hängen und schafft dann so Mythen vom "Tätervolk". Denn wenn man schon immer verallgemeinert, dann richtig.

Uwe Theel 11.12.2012 | 18:30

Ich will es noch einmal abschließend so versuchen:

Demokratie beinhaltet grundsätzlich Wahlfreiheit unter den beteiligten zur Getaltung eines freien, menschenwürdigen Lebens, dazu gehört das Institut der Wahl von Akteuren und Mitteln. Weiterhin sind dabei institutionelle Formen der Repräsentation, die - auch in Entscheidungsprozessen - gesellschaftlich kontrolliert tätig werden denkbar und nicht dumm.

Auf dieser Ebene ist die theoretische Diskussion und praktische Ausformung der politischen Sphäre der Gesellschaft zu führen.Das diese Diskussion nur im Sinne linker Theorie geführt werden kann ist unzweifelhaft.

Davon unterschieden ist die Sphäre des real existierenden Kapitalismus, der sich in seiner politischen Ökonomie (Marx) als demokratiekompatibel erweisen müßte, wenn er Form des demokratischen Systems werden sollte. An dieser Kompatibilität sind berechtigte Zweifel angemeldet. Sein ökonomischer Unendlichkeitsanspruch ist damit ebenfalls in Zweifel gestellt.

Nicht also das demokratische Prinzip hat sich als kapitalismuskompatibel zu erweisen, sondern das Umgekehrte ist der Fall.

Soweit zum zugrundeliegenden Theorie-Praxis-Problem.

Im Übrigen irritieren mich Ihre Ausführungen zutiefst, da Sie eindeutig neofaschistische Gedankengänge offenbaren. Ich hoffe sehr, dass Sie diese nur aus irgendwie gearteter Unkenntnis und/oder - dies ohne Vorwurf - Unbildung tun und nicht aus auch nur eingebildeter Überzeugung von deren Richtigkeit.

Querdenker 11.12.2012 | 21:36

Ich glaube eine Studie in der Freitag-Community, würde auch Erstaunliches zu Tage fördern, z.B. sowas:

Die Würde des Menschen ist unantastbar

Aber 100%! Bei der Würde lassen wir hier in der Freitag-Community nichts anbrennen. Wenn die Roma in Rumänien auf die grüne Wiese gekackt haben, sollen sie das auch in Deutschland dürfen. Ok, bei der Genitalverstümmelung von Jungs machen wir eine Ausnahme, das wollen wir gar nicht so genau sehen. Ist ja widerlich, diese Barbarei.

Die Idee der Gleichheit ist absolut unmissverständlich.

Absolut! Und wir werden erst Ruhe geben, wenn es Europa absolut gleich beschissen geht wie Schwarzafrika, wenn Gewalt, Kriminalität und bürgerkriegsähnliche Zustände wie im Nahen Osten herrschen. Wir haben da schon etliche Kompetenzen auf den Kontinent geholt, und sind weiter auf Wachstumskurs. Aber mal unter uns: Wie die Typen mit ihren Frauen umgehen! Also Gleichstellungsbeauftragter möchte ich später nicht werden.

Kampf gegen rechts

Da stehen wir in der Freitag-Community an vorderster Front! Wenn ich nächstes Jahr im Mai das erste mal nach Ostdeutschland fahre, habe ich beide Fäuste, Aufkleber und ein Megaphon im Gepäck. Im April muss ich aber erst mal Mustafa in Köln besuchen, der hat jetzt auch so eine "Importbraut". Seine Eltern sind voll nett, hätten aber niemals eine Deutsche akzeptiert. Rassenwahn? Äh, wieso?!

Hans Springstein 12.12.2012 | 10:34

Im Straßenverkehr ist es ja ein Problem, wenn jemand eine Rot-Grün-Schwäche hat, sprich farbenblind ist. Deshalb gibt es die international einheitliche und klare Anordnung der Farben auf der Ampel.

Vielleicht hilft eine klare Anordnung all jenen, die eine Rechts-Links-Wahrnehmungsschwäche haben.

Hat sich eigentlich schon mal jemand gefragt, ob solche Studienergebnisse vielleicht gar nicht verwunderlich sind, kommt doch der "Thüringer Monitor" aus dem Land, in dem es im Zusammenhang mit den Morden der neofaschistischen NSU ganz heftige Wahrnehmungsschwächen gab und eventuell immer noch gibt? Vielleicht habe ich das ja überlesen.

Hans Springstein 15.12.2012 | 12:19

Nachtrag: "Einer der aktivsten Spitzenfunktionäre der NPD in Thüringen ist V-Mann des Verfassungsschutzes gewesen. Der frühere Erfurter NPD-Kreischef Kai-Uwe Trinkaus sagte dem MDR THÜRINGEN, dass er unter dem Decknamen "Ares" fast fünf Jahre lang Informationen aus der rechten Szene und der NPD geliefert habe. Er sei 2010 dann vom Thüringer Landesamt abgeschaltet worden. ...
Den spektakulärsten Coup landete Trinkaus im Sommer 2007. Er schleuste einen Spitzel in die Linksfraktion des Thüringer Landtages. Tatsächlich wurde der Rechtsextremist Andy F. Praktikant in einem sogenannten Mentoren-Programm der Fraktion. F. arbeitete dabei unter anderem für den Linken-Abgeordneten Frank Kuschel und nahm auch an den internen Fraktionssitzungen teil. Außerdem war F. bei den Thüringer Jusos Gastmitglied - seine wahre Gesinnung verschwieg er dabei. Trinkaus hatte gemeinsam mit Andy F. diese Aktionen vorbereitet, mit Wissen seines V-Mann-Führers. Über beide Operationen sei der Verfassungsschutz vorab informiert gewesen, sagte Trinkaus dem MDR. ..." (Quelle)