Jens Weinreich
Ausgabe 1214 | 20.03.2014 | 09:00 50

Vetternwirtschaft im Fußball

Hoeneß Der Verzicht auf eine Revision des Urteils gegen den ehemaligen FC-Bayern-Manager hat zu neuen Spekulationen geführt. Wie viel Dreck hat der Verein selbst am Stecken?

Vetternwirtschaft im Fußball

Robert Louis Dreyfuß, ehemaliger Vorsitzender der Adidas Salomon AG

Foto: imago/ Panoramic

Ulrich Hoeneß ist einer der erfolgreichsten Fußballer und Fußballmanager aller Zeiten. Nur wenige Spieler haben alle großen Titel gewonnen. Kein anderer Manager hat eine derartige Erfolgsgeschichte geschrieben wie er mit dem FC Bayern München. Und niemand ist so tief gefallen.

Nun geht Hoeneß in den Knast. Er kann wahrscheinlich ab 2015 mit Freigang rechnen und wird die Strafe von dreieinhalb Jahren womöglich nicht absitzen müssen. Viele sehen darin den nächsten Skandal. Verteidigung, Staatsanwaltschaft, Richter und Steuerfahnder könnten einen geheimen Deal gemacht haben. Dafür gibt es keine Beweise.

Hoeneß und die Staatsanwaltschaft haben auf Revision verzichtet. Sollten sich aus den Unterlagen, die noch ausgewertet werden, etwa strafrechtliche Anhaltspunkte ergeben, müssten die Justizorgane informiert werden. Beobachter können nur annehmen, dass alles korrekt abläuft. Oder sie glauben etwas anderes, auf der Basis von Indizien, Vermutungen und Erfahrungswerten. Die Höhe der Steuerschuld und der Zinsen, die Hoeneß zu begleichen hat, wird nichts am Urteil ändern. Die 28,5 Millionen Euro, die das Landgericht II bilanzierte, sind eine Schätzung, eine Untergrenze. Eine höhere Steuerschuld ist im Urteil eingepreist.

Verdacht auf Korruption

Darüber, ob die Steuer-Straftaten des Zockers Hoeneß unmittelbar mit seiner Tätigkeit beim FC Bayern in Verbindung stehen, wird ebenfalls spekuliert. Es gibt Indizien wie jenes Darlehen von 20 Millionen Mark, das ihm 2001 der CEO von Adidas gewährte, der inzwischen verstorbene Robert Louis-Dreyfus. Kausalzusammenhänge lassen sich so allerdings nicht belegen. Und selbst wenn, strafrechtlich wären eventuelle Verstöße verjährt. Zwischen juristischer und moralischer Würdigung klaffen so große Lücken, wie in der Bundesliga-Tabelle zwischen dem FC Bayern und Borussia Dortmund.

Das Darlehen hat natürlich mehr als nur ein Geschmäckle. Denn der FC Bayern hat Mitte der neunziger Jahre und 2001 Adidas-Verträge verlängert, obwohl der Konkurrent Nike mehr Geld geboten hatte. Ähnliches geschah bei einem Vermarktungsvertrag, den der Deutsche Fußball-Bund (DFB) Jahre später mit Adidas verlängerte – Nike hatte die doppelte Summe geboten. Analog dazu hatte der FC Bayern seinerzeit einen Geheimvertrag mit dem TV-Rechtehändler Leo Kirch geschlossen. Es gibt andere Beispiele. Das alles hat System. Es ist ein über viele Jahrzehnte währendes Kartell, in dem immer dieselben Personen und Firmenkonglomerate reüssierten – protegiert von der Politik, nicht nur von Christsozialen.

Viele dieser Vorgänge wurden in zu wenigen Medien umfangreich dokumentiert. Indes bewegten sich die Marktteilnehmer, oder besser: die Partner des Fußballkartells, teilweise in einem rechtsfreien Raum. Die Gesetzeslage zum Thema Sportkorruption war stets unzureichend. Fußballfunktionäre, Vereine, Verbände, Ausrüster, Rechtehändler, sie alle waren Stammgäste, zum Beispiel in Kanzlerämtern. Sie alle haben ihre Lobbyisten bis heute an entscheidenden Stellen. Dieses Umfeld nährte den Glauben von Hoeneß & Co, über dem Recht zu stehen. Nie wurde diese zweifelhafte Kultur einer Parallelgesellschaft so erschüttert wie am 13. März 2014. Das ist kein fundamentales, aber auch kein schlechtes Zeichen.

 

Dieser Beitrag erschien in Ausgabe 12/14.

Kommentare (50)

Tao Traveller 20.03.2014 | 11:22

Ich verstehe den Artikel von Jens Weinreich als Aufruf zu mehr Recherche in Sachen Korruption.

Herr Hoeness, der FCB und sonstwer mīt Putinschen Ambitionen und Berlusconischem Selbstverstaendnis liefern bestes Ausgangsmaterial fuer einen endlosen Strom von Artikeln, ernsten und duemmlichen Kommentaren sowie kompletten Entgleisungen. Fuer Unterhaltung ist also gesorgt.

Rechtlich problematisch wird es nur dann, wenn unser Staatswesen als Akteur mitmischt. Ob der FCB seine Schuhe zum Preis A oder zum doppelten Preis B einkauft, kann man m.M.n. schlicht vergessen, es sei denn, die teurere Variante wuerde z.B. bei der Bayerischen Staatsregierung erworben.

Von Korruption sollte man vielleicht nur dann sprechen, wenn oeffentliches Gemeingut betroffen ist. Alles andere ist normales Leben und in diesem Sinne straffrei oder eben nicht.

Weiser_B 20.03.2014 | 13:36

Wie der Autor schon selbst festgestellt hat, lassen sich keine Kausalzusammenhänge belegen. Bloße Zusammenhangsvermutungen und schlecht belegbare Verdachtsmomente lassen den Artikel in ein Licht rücken, dass offenbar nicht nur Hoeneß, sondern auch der FC Bayern von Seiten des Autors als Angriffspunkt avisiert wird. Es geht mir bei dem Steuerskandal ohnehin zu wenig um die Sache. Mir kommt es so vor, dass viele diese Story nutzen, um endlich mal auf DAS Hassobjekt aller Nicht-Bayern-Fans (davon gibt es ja mindestens genauso viele wie es Bayern-Fans gibt) loszugehen und der Antipathie gegenüber des Clubs UND der Person freien Lauf zu lassen. Das aber wird dem eigentlichen Thema - Steuerhinterziehung (wenn auch von Kapitalerträgen, die der Staat ohne Hoeneß' Geschäfte nie gesehen hätte) in bislang unbekannten Dimensionen - nicht gerecht.

rioges 20.03.2014 | 14:09

"Fußballfunktionäre, Vereine, Verbände, Ausrüster, Rechtehändler, sie alle waren Stammgäste, zum Beispiel in Kanzlerämtern. Sie alle haben ihre Lobbyisten bis heute an entscheidenden Stellen. Dieses Umfeld nährte den Glauben von Hoeneß & Co, über dem Recht zu stehen."

Genau das ist das Problem, dass sich zunehmend eine Schicht (oder eben Parallelgesellschaft) herausbildet, die sich durch Reichtum und gute Kontakte herausbildet und irgendwann glaubt, diese Welt gehöre ihnen.

Das ist eben auch im Fußball so, dort vielleicht sogar am deutlichsten. das Ganze wird legitimiert durch die Abertausenden von Fans die begeistert dieses System bejubeln und damit stützen. zumindest solange die eigene Mannschaft einigermaßen funktioniert. Dabei sind sie in den Augen der Chefetagen und der VIP-Lounges nur Beiwerk, zuständig höchstens für die Stimmung, Fußvolk eben, dessen denken und deren wirklichen Sorgen sie aber gar nicht kennen und kennen wollen.

Geht zum Amateursport!

alalue 20.03.2014 | 14:41

Danke, diese Beschreibung fehlte mir noch.

Ich habe auch das Gefühl, daß es ein Feindbild erwischt hat, bei dem dann alle behaupten, es gehe "nur" um allgemeine Gerechtigkeit und Prinzipien.

Solche kann man, wenn man will, sich selber mit "was wäre wenn" klar machen: alle die Gerechtlinge, gerade auch hier: was wäre, wenn es den Herrn Watzke so erwischt hätte, er wollte ja nur versuchen, mit Bayern mitzuhalten, und da brauchte er natürlich Geld.

Oder einen nicht besonders bekannten Menschen, der mit seiner Selbstanzeige knapp gescheitert wäre.

Oder einem linken Funktionär.....

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Ehemaliger Nutzer 20.03.2014 | 17:43

Als alter Fan eines mittlerweile schon lange abgestiegenen Vereins, der sich (noch heute!) seines sensationellen 7:4 Sieges gegen Bayern rühmt, sollte ich mich eigentlich daran erfreuen, dass der bullige Bayern-Boss einsitzt, doch dem ist nicht so. Ich empfinde sogar im Gegenteil und (sehr seltsamerweise) eine gewisse Sympthie für den armen (Steuer-) Sünder.

Allerdings sind da für mich ein paar Fragen noch offen:

Als interessiertem Beobachter fiel mir bei diesem Prozess auf, wie flink dieses Mal alles so vonstatten ging: ganze 4 Tage.(Das ist man bei der Justiz ja gar nichtmehr gewohnt!)

Und dann kam es während dieser 4 Tage noch zu immer neuen Offenbarungen, wieviel Geld dem Staat denn vorenthalten worden sei.

Ich frage mich: Können die Staatsanwälte denn wirklich in dieser kurzen Zeit die neuen Akten gewissenhaft durchgesehen haben?

Und wenn ja, wann? In langen Nachtsitzungen oder doch eher in Nacht- und Nebelsitzungen?

Ich weiß nicht, irgendwie kommt mir das Ganze schon seltsam vor. Und ich will hier gar nicht mal auf den (bayrischen) Fall Mollath eingehen - was hatte der Mann noch mal Schlimmes verbrochen, dass er 7 Jahre einsitzen durfte, ohne offenen Vollzug, wohlgemerkt?

alalue 20.03.2014 | 20:02

Für die alle diese Schlauberger:

http://www.sueddeutsche.de/sport/hoeness-hinterzogene-millionen-die-herkunft-ist-restlos-aufgeklaert-1.1918285

Die Münchner Staatsanwaltschaft tritt dem öffentlich geäußerten Verdacht entgegen, beim Konto von Uli Hoeneß bei der Bank Vontobel in der Schweiz könnte es sich um ein Konto des FC Bayern München handeln. "Es gibt keine Anhaltspunkte dafür, dass es sich um ein FC-Bayern-Konto handelt", erklärte Ken Heidenreich, der Sprecher der Staatsanwaltschaft München II, im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung.

Die Staatsanwaltschaft verwahrt sich zudem gegen den Vorwurf, sie habe im Steuer-Verfahren gegen Hoeneß nicht alles so genau wissen wollen. "Wir haben durch die erst im Februar gelieferten Daten der Bank nun einen vollständigen Überblick über die Vermögensentwicklung auf diesem Konto", so Heidenreich: "Auch die Herkunft der Mittel ist restlos aufgeklärt. Wir haben lückenlos recherchiert, woher das Geld kam."

Geklärt wurde unter anderem der Ursprung des Spekulations-Kontos. Das Hoeneß-Konto bei der Bank Vontobel habe bereits seit den siebziger Jahren bestanden. Ein Teil des Geldes, das Hoeneß für Spekulationen einsetzte, kam von ihm selbst: circa zehn Millionen D-Mark. Hinzu kam 2001 das Geld vom inzwischen verstorbenen Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus: fünf Millionen D-Mark und eine zusätzliche Bürgschaft in Höhe von 15 Millionen. Andere Zuflüsse habe es nicht gegeben. "Wir habe Belege dafür, dass Hoeneß das Darlehen und die Bürgschaft ein Jahr später und zu den marktüblichen Zinsen an Dreyfus zurückgezahlt hat", sagte Heidenreich.

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Ehemaliger Nutzer 20.03.2014 | 20:06

In Deutschland glauben wir ja dass der FC Bayern der einzige Topklub der Welt ist, der ohne zwielichtige Geschäfte erfolgreich ist. Jetzt wissen wir es also besser.

Ich bin großer Fussballfan, aber je mehr ich über die dort gängigen Methoden erfahre, desto weniger Spaß macht es mir.

Dabei haben wir ja noch gar nicht angefangen über das Doping-Problem zu reden. Denn auch da erzählt man usn ja, dass der Fussball die einzige Sportart ist, obwohl dort das meiste Geld verdient wird, bei der nicht gedopt wird.

knattertom 20.03.2014 | 20:28

"Ob der FCB seine Schuhe zum Preis A oder zum doppelten Preis B einkauft, kann man m.M.n. schlicht vergessen"

Also, meinst Du wirklich, der FCB bezahlt für seine Schuhe von Adihash oder Nikel?

Bist du wirklich so ahnunglos?

Wenn der FCB von einem Ausrüster den doppelten Betrag als von einem anderen bekommen kann, werden Mittel frei, die ggf. an anderer Stelle eingesetzt werden könnten oder müssten, z.B. bei der Sicherung des Stadions, was derzeit durch Steuermittel finanzierte Polizeibeamte leisten müssen, etc. pp.

Ratatörskr 21.03.2014 | 11:09

In meiner arglosen Logik stellt sich die Frage, 1. woher kam soviel Geld, das man einem Schuhfabrikanten ohne Not schenkte, statt es z. B. der Jugendarbeit zufließen zu lassen. 2. Wurden in dieser Zeit großzügige Subventionen evtl. als Steuergeschenk von staatswegen geleistet?

Oder, was auch einer gewissen Logik entsprechen könnte, wurde die Überschüssige Zahlung an ADIDAS wieder an Hoeneß (5 Mio. DM) u. a. Kto. refinanziert?

Ich glaube, dass die komplette "Sportelite" nicht koscher ist. Und sofern ein Deal hinter den Kulissen lief, wäre der Staatsanwalt doch eher existenzmüde, wenn er dies erzählen würde.

??????

Helmut Eckert 21.03.2014 | 11:57

Wenn viel, sehr viel Geld im Spiel ist, geschehen Dinge zwischen Himmel und Erde, ( Fussballhimmel und den Großkopferten in München), welche für den Normalbürger eine unbekannte Welt ist. Fern ab aller normalen Regeln ist dieses Geschehen nur in Bayern möglich? Wahrscheinlich nicht nur dort, sondern überall, wo große Gendsummen die Gegenwart bestimmen!

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Ehemaliger Nutzer 21.03.2014 | 12:41

Es gibt wenig bis nichts, was in Richtung weiterer Straftaten, begangen durch Herrn H., weisen würde.

Warum dann mit einer Stange im Nebel rumfuchteln?

Fussball ist eben auch ein Geschäft. Und da gibt es Interessen, die sich nicht kaufmännisch begründen, sondern Strukturen oder eben auch Seilschaften bedienen sollen.

Und die werden dann bedient.

Wie im Leben auch, also Ball flach halten ... ;-)

alalue 21.03.2014 | 14:50

Zu welchem Problem, und was ist logisch ?

Der Staatsanwalt weist nach: er kann das Konto bis in die 70er zurückverfolgen, damals waren schon ein paar Millionen drauf: auch damals verdienten Fußballer nicht schlecht.

Keine Verbindung zu Bayern-Konten.

Er hat das Darlehen und die Bürgschaft nach ein paar Jahren zu den üblichen Zinsen zurück gezahlt: bei 30 Millionen Steuern muß ein Gewinn zugrunde liegen.

Also hat der FC Bayern keinen Dreck am Stecken, es wurden für den Verein keine Nebengeschäfte gemacht.

Korruption fällt auch flach: außer Sie wollen die Werbung für adidas, für die der Konzern zahlt, als Korruption bezeichnen,

kein bayerischer Amigosumpf.

Aber schlaue linke Denker und Durchschauer wissen meist besser Bescheid als der tumbe Durchschnitt, ich weiß.

Der tumbe Tor bittet um Aufklärung, welche Argumente es nch braucht. Aber bitte langsam und keine zu großen Gedankensprünge, ich bin kein Linker und auch nciht mehr der Jüngste.

Ratatörskr 21.03.2014 | 15:26

Sie sind aber doch ein cleverer, gläubiger Rechter. Das Alter kann nur von Vorteil sein, wegen der Lebenserfahrung und so...

Also, der Staatsanwalt hat gar keine Vorermittlungen besprochen, weil die (noch) nicht anstehen. Oder hat jemand Anzeige erstattet? Gewöhnlich findet man das, wonach man sucht. Meine Auffassung, dass das ganze eine sumpfiger Rasen ist, ist meine Auffassung für die ich mir nirgendwo eine Erlaubnis abholen muss!

Fakt ist, Sie dürfen glauben und ich darf zweifeln!

Ratatörskr 21.03.2014 | 15:26

Sie sind aber doch ein cleverer, gläubiger Rechter. Das Alter kann nur von Vorteil sein, wegen der Lebenserfahrung und so...

Also, der Staatsanwalt hat gar keine Vorermittlungen besprochen, weil die (noch) nicht anstehen. Oder hat jemand Anzeige erstattet? Gewöhnlich findet man das, wonach man sucht. Meine Auffassung, dass das ganze eine sumpfiger Rasen ist, ist meine Auffassung für die ich mir nirgendwo eine Erlaubnis abholen muss!

Fakt ist, Sie dürfen glauben und ich darf zweifeln!

lebowski 21.03.2014 | 15:47

Mit wem der FC Bayern Ausrüsterverträge abschließt, ist mir latte.

Wenn Nike doppelt so viel bietet wie Adidas, dann macht der FCB eben ein schlechtes Geschäft, wenn er sich trotzdem für Adidas entscheidet.

Auch hindert den FCB ja nichts daran, mit Leo Kirch einen Vermarktungsvertrag abzuschließen. Seine Sache!

Was einen dann doch schon erheblich mehr ärgert, ist die Tatsache, dass die Allgemeinheit sprich der Gebührenzahler dafür einspringen muss, wenn solche Vermarktungsmodelle in die Hose gehen. Man erinnere sich an das Jahr 2002 als Leo Kirch samt Premiere pleite ging. Im Jahr zuvor hatte Hoeneß noch getönt, dass jetzt Schluss sein muss mit dem billigen Fußballgucken. Wer Fußball sehen will, sollte sich ein Premiere-Abo für ca.60 DM im Monat hohlen. Tat bloß keiner. Zum einen, weil derPremiere-Decoder leicht zu knacken war, zum anderen, weil Fußballfans einfach in die nächste Kneipe gingen und sich die Spiele dort anschauten. Kirch war pleite und die Bundesliga stand auf einmal mit runtergelassener Hose da. Da fiel den damaligen Großkopferten wieder ein, dass Fußball ja eigentlich ein Volkssport ist. Der kleine Fußballfan sollte auch die Möglichkeit haben, Fußball zu schauen. Also wandte man sich mit einer schönen 180° Wende an die Öffentlich-Rechtlichen und die ließen mal wieder eine schöne Gelegenheit ungenutzt, etwas Rückgrat zu zeigen. Sie holten sich für teuer Geld die Übertragungsrechte und seit dieser Zeit haben wir eine Sportschau, die ungefähr genauso beschissen ist wie "Ran" auf SAT-1.

Auch sonst hatte Hoeneß wenig Probleme damit, allgemeine Abgaben von Leuten, die sich einen dreck für Fußball interessieren, für die Bundesliga zu fordern.

http://www.wiwo.de/unternehmen/bayern-manager-uli-hoeness-im-interview-zwei-euro-im-monat/5523044.html

Tao Traveller 22.03.2014 | 12:49

Lieber Grundguetiger,

ich bin der Meinung, dass man innerhalb der Institution "Wettberwerb" im Sinne von Privatwirtschaftlicher Wettbewerb nicht von Korruption sprechen sollte.

Auch Vetternwirtschaft halte ich fuer ein legitimes Mittel in der Privatwirtschaft um Vorteile gegenueber Wettberwerbern zu erzielen. Kartellegesetze sowie andere rechtliche Massnahmen und deren Anwendung sollen die Funktionsfaehigkeit des privaten Wettbewerbs aufrecht erhalten. Kurz gesagt: innerhalb des rechtlichen Rahmens ist in der Wirtschaft alles erlaubt.

Ganz anders verhaelt es sich, wenn staatliche Institutionen jedweder Art in den Privatwirtschaftlichen Wettbewerb eingreifen, um gezielt einzelnen Personen oder Firmen Voteile gegenueber anderen solchen zu verschaffen.

Gemeinhin spricht man verniedlichend von Subventionen, wenn sich Argumente fuer den Erhalt bzw. die Staerkung der "Wettbewerbsfaehigkeit" der Volkwirtschaft insgesamt ableiten lassen. In vielen Faellen geraet man hierbei rasch in eine Grauzone.

Ganz eindeutig liegt Korruption dann vor, wenn einzelne Staatliche Akteure ihre vom Volk legitimierten Machtmittel nutzten, um einzelne oder Gruppen von Privatpersonen zu bevorteilen und dabei selbst geldwerte Vorteile fuer sich zu erzielen.

Ein einleuchtenden Beispiel: Wenn der Buergermeister einer Kommune von der Leitung einer Privatfirma z.B. 10000 EURO fuer seinen persoenlichen Gebrauch annimmt und als Gegenleistung eine Entscheidung trifft bzw. durchsetzt, die fuer die betreffende Firma einen besonderen Vorteil bedeutet, dann wuerde ich das Korruption nennnen.

Um auf Herrn Hoeness bzw. die Firma FCB zurueckzukommen: Welche privatwirtschaftlich Geschaefte diese abschliessen ist eigentlich keine Nachricht wert, solange der rechtliche Rahmen eingehalten wurde. Moralisieren kann man natuerlich immer.

Wenn allerdings Staatsanwaltschaften, Gerichte, Aemter und Staatsregierungen sich zum "Schutz" von Herrn Hoeness offen oder verdeckt vor ihn stellen, dann liegt die Vermutung von Korruption klar auf der Hand.

Georg von Grote 22.03.2014 | 13:17

Die Staatsanwaltschaft München hat sich weder vor Hoeneß gestellt, noch vor den FB. Sie hat lediglich zu den Vorwürfen Stellung genommen, dass sie nicht ausreichend ermittelt hätte und hat das Ergebnis bekannt gegeben, nämlich, dass die Kontobewegungen des besagten Kontos offen liegen, dass klar ist, woher das Geld gekommen und wohin es geflossen ist und dass es sich nich, wie vermutet um ein Konto des FCB handelt.

Mehr nicht.

Aber das scheint den Verschwörungstheoretikern in der FC offenbar nicht zu reichen, zumal man ja allzu gerne nicht nur dem UH, sondern gleich dem ganzen Verein eins reinwürgen möchte.

Tao Traveller 22.03.2014 | 13:46

Lieber Herr von Grote,

FC Bayern-Bashing ist sicher nicht das primaere Anliegen meines erweiterten Beitrag. Wenn sie sich persoenlich betroffen fuehlen sollten, bitte ich um Nachsicht.

Eigentlich wollte ich meine Auffassung von Korruption weiter erlaeutern und darin sage ich ja, dass ich beim FCB u.a. Firmen keine Korruption sehe. Korruption ist fuer mich an Staatstaetigkeit gebunden.

Allerdings ... der Begriff vom Bayerischen Staatsverein FC Bayern Muenchen ist in den Medien mehr als einmal gefallen ... und die Umstaende des Verfahrensverlaufs im Hoeness-Prozess werden allgemein als ungewoehnlich angesehen.

Beides hatte mich nachdenklich gemacht.

silent_marc21st 22.03.2014 | 17:17

Interessante Beiträge, mal abgesehen von einigen Hahnenkämpfen hier :)
Aber eine Frage treibt meinem logischen Verstand an und vielleicht kann jemand von euch mir dafür eine Antwort geben, damit ichs raff:
"Wenn die Staatsanwalt sagt, Sie habe im Vorfeld alles ausreichend geprüft, wie kann es dann aber sein, dass sie in der Anzeigensache selbst nur von einem Steuerfehlbetrag von 3,5 Mio. Euro ausging, als sie die Klage anstrebte?"
Kann mir jemand das näher bringen?
Ist das nicht ein Widerspruch?

Orca 23.03.2014 | 11:57

An alle FC-Bayern-Fans: Es geht nicht um Bayern-Bashing! Es geht darum, dass Raffzähne wie Hoeneß als Steuerhinterzieher in gigantischem Ausmaß auf Dauer ein Land in den Ruin treiben (siehe GR) und als nimmersatte Zocker Lebensmittelpreise in Dritte-Welt-Ländern zum Explodieren bringen. Aber dann Vater Teresa spielen. Es wäre ein Albtraum, wenn man zukünftig wegen fehlenden Steuereinnahmen nur noch auf das Wohlwollen solcher Raffzähne angewiesen wäre!

Tao Traveller 23.03.2014 | 12:04

Lieber Grundguetiger,

ihre Formulierung "Geld heilgt alle Mittel" sollte sich hoffentlich nicht in meinen Beitraegen widerspiegeln. Ich bilde mir ein, nichts in diesem Sinne gesagt oder gemeint zu haben.

Im Gegenteil: es klingt in meinen Ohren wie der Schlachtruf aller, die unser Wirtschaftsystem ad absurdum fuehren und unser Staatsgefuege unglaubwuerdig machen.

Gier und Korruption zerstoeren jede soziale Gemeinschaft.

Ratatörskr 23.03.2014 | 12:53

Die Verschwörungspraktiker haben uns nun etwas mitgeteilt, was m. W. niemand geschrieben hat. Wer hat geschrieben, es handele sich um das FCB-Konto?

Aber so erfährt man die praktische Seite der Doppelmoral bzw. die Philosophie der zwei Arten von Ehrlichkeit und Ehrbarkeit!

In diesem Sinne darf auch der Staatsanwalt das sagen, was er für kostenneutral hält. Logisch ist auch, da die Staatsanwaltschaft nicht weiter ermittelte, kann sie wohl nicht wissen, ob sie ausreichend ermittelt hat, nachdem sie die zigtausende Seiten nur flüchtg zur Kenntnis nehmen konnte/wollte?

halloechen 26.03.2014 | 19:15

Zu Vetternwirtschaft im Fußball

Es geht weniger um die zusammen gekaufte Mannschaft, sondern um die FC Bayern Aktiengesellschaft. Eine AG ist nicht dem Gemeinwohl verpflichtet, sondern nur den Aktionären, die eine fette Dividende sehen wollen.
Welche Rolle spiel dabei Herr U. H.? Er hat sich erwischen lassen, akzeptierte die Gefängnistrafe, sprach vom „Fehler seines Lebens“, er stelle sich den Folgen, weil das seinem „Verständnis von Anstand, Haltung und persönlicher Verantwortung“ entspricht! Ja, wovon redet er da eigentlich? Wann hat er denn "Anstand, Haltung und Verantwortung" bei sich entdeckt?
Da müßte schon ein medizinisches Wunder geschehen sein! Ohne eine langwierige Psychotherapie ist er plötzlich geheilt! Ein wahres Wunder!
In Wirklichkeit hat die Art der Prozeßführung eiligst einen Deckel über den Sumpf aus undurchsichtigen Transaktionen, Geldgier und Spekulationen gelegt. Kein Steuerfahnder darf jetzt noch in diesem Sumpf herum stochern und die Amigos können aufatmen.
Aber es müffelt immer noch unter dem Deckel hervor. Und damit der Deckel nicht hoch geht, haben sich gewichtige Prominente zur Beschwerung mit ihren Sprüchen drauf gestellt. Der Bundeskanzlerin nötigt es "hohen Respekt" ab! Und Franz Beckenbauer hat Ulis "menschliche Größe" entdeckt usw...
Inzwischen hat der noch frei herum laufende U. H. Gelegenheit, seine "Vermögensverhältnisse" weiterhin zu ordnen.
Welch eine Verarsche der Öffentlichkeit ... bis Gras drüber wächst!