Vetternwirtschaft im Fußball

Hoeneß Der Verzicht auf eine Revision des Urteils gegen den ehemaligen FC-Bayern-Manager hat zu neuen Spekulationen geführt. Wie viel Dreck hat der Verein selbst am Stecken?
Jens Weinreich | Ausgabe 12/2014 50
Vetternwirtschaft im Fußball
Robert Louis Dreyfuß, ehemaliger Vorsitzender der Adidas Salomon AG
Foto: imago/ Panoramic

Ulrich Hoeneß ist einer der erfolgreichsten Fußballer und Fußballmanager aller Zeiten. Nur wenige Spieler haben alle großen Titel gewonnen. Kein anderer Manager hat eine derartige Erfolgsgeschichte geschrieben wie er mit dem FC Bayern München. Und niemand ist so tief gefallen.

Nun geht Hoeneß in den Knast. Er kann wahrscheinlich ab 2015 mit Freigang rechnen und wird die Strafe von dreieinhalb Jahren womöglich nicht absitzen müssen. Viele sehen darin den nächsten Skandal. Verteidigung, Staatsanwaltschaft, Richter und Steuerfahnder könnten einen geheimen Deal gemacht haben. Dafür gibt es keine Beweise.

Hoeneß und die Staatsanwaltschaft haben auf Revision verzichtet. Sollten sich aus den Unterlagen, die noch ausgewertet werden, etwa strafrechtliche Anhaltspunkte ergeben, müssten die Justizorgane informiert werden. Beobachter können nur annehmen, dass alles korrekt abläuft. Oder sie glauben etwas anderes, auf der Basis von Indizien, Vermutungen und Erfahrungswerten. Die Höhe der Steuerschuld und der Zinsen, die Hoeneß zu begleichen hat, wird nichts am Urteil ändern. Die 28,5 Millionen Euro, die das Landgericht II bilanzierte, sind eine Schätzung, eine Untergrenze. Eine höhere Steuerschuld ist im Urteil eingepreist.

Verdacht auf Korruption

Darüber, ob die Steuer-Straftaten des Zockers Hoeneß unmittelbar mit seiner Tätigkeit beim FC Bayern in Verbindung stehen, wird ebenfalls spekuliert. Es gibt Indizien wie jenes Darlehen von 20 Millionen Mark, das ihm 2001 der CEO von Adidas gewährte, der inzwischen verstorbene Robert Louis-Dreyfus. Kausalzusammenhänge lassen sich so allerdings nicht belegen. Und selbst wenn, strafrechtlich wären eventuelle Verstöße verjährt. Zwischen juristischer und moralischer Würdigung klaffen so große Lücken, wie in der Bundesliga-Tabelle zwischen dem FC Bayern und Borussia Dortmund.

Das Darlehen hat natürlich mehr als nur ein Geschmäckle. Denn der FC Bayern hat Mitte der neunziger Jahre und 2001 Adidas-Verträge verlängert, obwohl der Konkurrent Nike mehr Geld geboten hatte. Ähnliches geschah bei einem Vermarktungsvertrag, den der Deutsche Fußball-Bund (DFB) Jahre später mit Adidas verlängerte – Nike hatte die doppelte Summe geboten. Analog dazu hatte der FC Bayern seinerzeit einen Geheimvertrag mit dem TV-Rechtehändler Leo Kirch geschlossen. Es gibt andere Beispiele. Das alles hat System. Es ist ein über viele Jahrzehnte währendes Kartell, in dem immer dieselben Personen und Firmenkonglomerate reüssierten – protegiert von der Politik, nicht nur von Christsozialen.

Viele dieser Vorgänge wurden in zu wenigen Medien umfangreich dokumentiert. Indes bewegten sich die Marktteilnehmer, oder besser: die Partner des Fußballkartells, teilweise in einem rechtsfreien Raum. Die Gesetzeslage zum Thema Sportkorruption war stets unzureichend. Fußballfunktionäre, Vereine, Verbände, Ausrüster, Rechtehändler, sie alle waren Stammgäste, zum Beispiel in Kanzlerämtern. Sie alle haben ihre Lobbyisten bis heute an entscheidenden Stellen. Dieses Umfeld nährte den Glauben von Hoeneß & Co, über dem Recht zu stehen. Nie wurde diese zweifelhafte Kultur einer Parallelgesellschaft so erschüttert wie am 13. März 2014. Das ist kein fundamentales, aber auch kein schlechtes Zeichen.

 

09:00 20.03.2014

Kommentare 50

Avatar
Ehemaliger Nutzer | Community
Avatar
Ehemaliger Nutzer | Community
Avatar
Ehemaliger Nutzer | Community