Prousterien: Die Zuschreibungen von Madeleine-Effekt bis Annie Ernaux

Do it like Marcel Proust starb vor 100 Jahren, seither wurden er und sein Werk zur mitunter schrägen Metapher. Hirnforschende haben den „Madeleine-Effekt“ gefunden – wer schreibt, wird schnell der nächste Proust. Gilt das auch für alle, die im Bett arbeiten?
Exklusiv für Abonnent:innen | Ausgabe 46/2022
Der Geschmack einer Erinnerung ist ein psychologischer Effekt, der – inspiriert von Marcel Proust – Madeleine-Effekt getauft wurde
Der Geschmack einer Erinnerung ist ein psychologischer Effekt, der – inspiriert von Marcel Proust – Madeleine-Effekt getauft wurde

Foto: Jean Claude Moschetti/REA/LAIF

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Automobil Es muss ein Landaulet Renault AG gewesen sein. Marcel Proust wird 1907 mit so einem kutschenähnlichen Automobil aus Paris über Land zu seinen Eltern chauffiert. Alfred Agostinelli, sein „Mechaniker“, muss sich in einen „weiten Gummimantel“ hüllen, denn sein rollender Arbeitsplatz ist Wind und Regen ausgesetzt. Der Fahrgast sitzt geschützt im Fond. Schaut aus dem Fenster und verfasst im Kopf seinen Essay, der kurz danach im Le Figaro veröffentlicht wird. Proust geht es wie Heinrich Heine 64 Jahre vorher mit der Eisenbahn auf der Strecke Paris–Rouen. Er erlebt eine neue Art der Wahrnehmung der Welt (➝ Bett).„Alte, wackelige Häuser“ kommen auf ihn zu und eilen vorbei. Der Renault AG-1 wird 1914 als ̶

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