Das Rätsel 'Draghi' steht ...

... vor dem IWF. Und der IWF nickt einfach, - ohne die drängenden Fragen zu stellen:

Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community.
Ihre Freitag-Redaktion

http://www.finanzen.net/nachricht/aktien/Draghi-EZB-Stimuli-gelten-so-lange-wie-noetig-4340931

1. Die Unterhebelung
Wieso glaubt Draghi (bloß angeblich?) bei einer Unterhebelung von der Nominal- in die Real- Sphäre (RS) von ca. 20:1,
- das entspricht 5% bzw. 80 Mrden. von den 1,6 Bios, die er bis September nächsten Jahres zusätzlich zu anderen qemms (quan-titative ease means & measures) in den Nominalsektor unter Ent- zug von Staatschuldpapieren einspeisen will -,
irgendetwas zugunsten eines Preisauftriebs der Realsphäre bis 2% tun zu können?

2. Vermögenspreise vs. Konsumenten-Preisindizes
Und wenn SEINE qemm überhaupt nennenswert in die Realsphäre übergreifen, dann tun sie das zunächst über die Schnittstellen der NS zur RS, also über Hypotheken/Immos u. ä., als Verteuerungsmechanismen, die allerdings ihre Schuldigkeit ebenfalls nicht so tun, wie erhofft/erwartet:
Sie erhöhen zunächst allenfalls den Vermögenspreisindex (der sowohl fiktives Kapital wie Aktien als auch Realien wie Immos abbilden sollte), nicht den Verbraucherpreisindex, um den es angeblich dann geht, wenn es um die Induktion NEUER Produk- tion gehen soll, - was aber auch eine Mär ist, bzw. auf Nomin-alismen der Realsphäre fixierte Anleger voraussetzt, die es aber nicht mehr so homogen, wie vor 30 Jahren noch, heute gibt.

Kennt er das Beispiel Japans nicht, und hat er vergessen, daß die Euro-Zone von schwarzer über grauer bis weißer Erwerbs-Beschäftigung ein schon deutlich liberalisiertes Gebiet ist, in dem höhere Preise aufgrund der ja gewünschten, 'kompetitiven' Wett- bewerbsverhältnisse und des sektoral/regional hohen Geldent- zuges nicht durchsetzbar sind, es sei denn, es gäbe keinen Aus- weg vor höheren Kosten:

Solche bringen z. B. nominelle Lohnsteigerungen mit sich, - die nach 2-3 Jahren ins Leere der VPI-Inflation gelaufen sind, wenn sie nicht durch Rationaliserung aufgefangen werden konnten, - was z. B. bei Erziehung usw. nicht/kaum möglich ist.

Und in dem Maß, indem sie Arbeit rationalisieren, erhöhen sie dann auch nicht die Gesamtlohnsumme, -> Steuern, Renten usw. (Zur Rationalisierung gehört alles, was Kosten senkt, vom Einkauf bis zur Einstellung von Produktion/An- geboten bzw. bis zur 'unsichtbaren' Angebotskürzung hinsichtlich Qualität, Lebens- dauer, Betriebs-, Unterhalts-, Instandhaltungs- u. Entsorgungs- kosten usw.)

Vor allem aber ziehen langfristig die Grundrentenansprüche u. ä. aus verteuerten Vermögenswerten auch die Konsum-Preise nach oben: Während relativ hoher Mieterschutz wenigstens die Bestandsmieten der Privatleute schützt/fesselt, ist das Gewerbe gesetzlich wohl nicht so gut gesichert, wenngleich da natürlich ab entsprechender Betriebsgrößen langfristige Verträge bzw. Eigen- tum vorherrschen, - schon aus kalkulatorischen u. strategischen Gründen, auf die sich aber z. B. Kleingewerbler und KMUs, vor allem aber auch NEUE Bereiche von Dienstleistung und Produktion mit ihren nach Millionen zählenden Erwerbsper- sonen nicht so stützen können.

3. Aber wozu überhaupt Inflationsziel 2 %?
Wenn die Vermögenspreise um ein Vielfaches von 2% der Verbraucherpreise steigen, ist es überhaupt keine "Knute" mehr, schwacher Investitions- und regional/sektoral schwa- cher Konsum- u. Vermögenswert-Nachfrage dadurch aufzu-helfen, daß man dem Geld dort, wo es in Akkumulaten vor sich hin aggregiert, damit droht, es werde hinsichtlich der Konsumpreise jährlich um 2% entwertet, weshalb es sich schleunigst/gefälligst in den Strom der Erhöhungen inserieren und dort aktiv werden und ins operative Risiko gehen (bzw. sich per Invest-Kredit an ein solches binden) müsste.

Das ist die old-school der 70ger, wenn das so gemeint ist: Inflation braucht man, damit vor ihr das Geld in inflationsparti-zipierende Produktion oder 'Sachwerte' fließt. Dazu müsste die Differenz der Zunahmen von Vermögens- u. Verbraucherpreisen entsprechend zugunsten der Verbraucherpreise ausfallen, erst dann ist Konsum- u. Reproduktions-Investment lohnender (zur Erlangung von Vermögen), wenn dessen Nominalrenditen höher als die Nominalrenditen bei einer Direktinvestition in Vermö-genswerte zu erwarten sind.
Der Schnitt der Vermögenswerte in der Eurozone ist zwar sicher nicht so hoch wie manche Immo-Meldungen suggerieren, weil zu den sich verteuernden Gebieten sich eben auch reichlich "Abstei- ger" gesellen, aber um auch nur statistisch mitzuhalten (was ja auch nicht hülfe, da das mobile Geld eben die Hotspots ansteu- ert) müsste Draghi schon 6-16 % Verbraucherpreis-Inflation aufbieten, um da EVENTUELL Effekte zu sehen.
Und solche VPIes möchte keiner wirklich sehen.

Ich kann mir einige - gute wie schlechte - Gründe für die EZB denken, qemms durchzuziehen, aber weder desideral noch funk- tionellreal kann ich da einen guten Zusammenhang zum In- flationsziel entdecken:
Leute, die schon was haben, kriegen noch leichter was für direkte Vermögenswertinvestitionen dazugeliehen, weil die Banken über quemms saniert sind, womit sich zumindest ein guter Zins machen läßt und die Tilgung ODER die Abschreibung ist ja über den mitgebrachten Vermögensteil/privates Eigenkapital angesi-chert, den Rest machen die neuen Sicherungsinstrumente für Banken incl. des leicht anghobenen Banken-EK-Anteils, Staatsein- tritt usw.

A-pro-pos EK-Anteil am Bankengeschäft:
Erfüllt die EZB eigentlich die Basel-III-Kriterien?

Wie gesagt, einige Fragen ...

http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/immobilien-wohnungspreise-steigen-schneller-als-die-mieten-a-1032645.html

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

dos

blender-studies since early 70ies.Im Zweifel links von der Sozialdemokratie.
Avatar

Was ist Ihre Meinung?
Diskutieren Sie mit.

Kommentare einblenden