Wer ist Luis de Guindos?

Spanien/Eurogruppe Um ein Haar hätte es der spanische Wirtschaftsminister bis zum Chef der Eurogruppe gebracht. Dabei ist de Guindos Lebenslauf überaus schillernd.
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Bundeskanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Wolfgang Schäuble unterstützten die Kandidatur von De Guindos. Im Griechenlandshowdown weitgehend unbeachtet, hat sich dennoch der amtierende Eurogruppenchef Jeroen Dijesselboem für weitere zwei Jahre mit einer knappen Mehrheit gegen seinen spanischen Amtskollegen durchgesetzt.

Das Pfund mit dem der spanische Wirtschaftsminister in seiner Bewerbung als Eurogruppenchef wucherte ist die wirtschaftliche Erholung Spaniens. Dabei hatte De Guindos seinerzeit die Weichen gestellt für die Immobilienkrise, die den Auftakt bildete für eine der schlimmsten Rezessionen Spaniens.

Von 1996 bis 2004 mischte de Guindos ganz oben mit in der Wirtschaftspolitik der konservativen Regierung von Aznar. 2002 wurde er für seine Leistungen geadelt und zum Wirtschaftsstaatssekretär ernannt. Damals legte die Regierung den Grundstein für die spanische Immobilienblase. Mit der Reform des Bodengesetzes, das ländliche Flächen in Bauland umwandelte, wurde Spanien zur landesweiten Baustelle. Ein Geldsegen brach über Spanien herein, wo Grundbesitz üblicher ist als in Deutschland: Über Nacht hatten sich wertlose Brachen in wertvolles Bauland verwandelt, das in klingende Münze umgewandelt, beliehen oder verscherbelt werden konnte. Aus armen Schluckern wurden plötzlich Millionäre. Dank Euro-Einführung begannen die Banken Hypothekenkredite zu den nun niedrigen variablen Zinsen zu verschleudern, ohne Sicherheiten zu verlangen. Gefördert noch durch staatliche Steuervergünstigungen. Auch Spanier mit minimalen Einkommen konnten sich auf einmal ein Eigenheim leisten. Geld aus ungesicherten Krediten nährte eine immer exorbitantere Immobilienspekulation.

De Guindos = Immobilienblase

Damals rühmten sich die Konservativen, dass in Spanien pro Jahr mehr Häuser gebaut würden als in Deutschland und Frankreich zusammen. Der Rubel rollte, Spanien wurde zubetoniert und der Immobilienboom schien kein Ende nehmen zu wollen. 2003 warnte die Europäische Kommission zum ersten Mal vor einer Überhitzung des Immobilienmarktes in Spanien. Allein in Madrid hatten sich die Preise seit 1996 fast verdoppelt. „Es gibt keine Immobilienblase“, konterte De Guindos in einem Interview mit der Zeitung ABC. Gleichzeitig leugnete er, dass die spanischen Haushalte überschuldet seien. Diese hätten die Kredite schließlich in Immobilien investiert, deren Wert stetig steige.

2004 erbte der sozialistische Präsident Zapatero das explosive Gemisch, ohne wirksame Maßnahmen gegen die Spekulation zu ergreifen. Das Spekulationskarussel drehte sich stattdessen immer schneller. Vier Jahre später, zu Beginn der zweiten Amtszeit Zapateros, kollabierte das System, das De Guindos und seine Kollegen ins Leben gerufen hatten. Heute schieben sie den Sozialisten die Schuld für die Misere in die Schuhe.

De Guindos = Lehman Brothers

Nach der Wahlniederlage 2004 und einem kurzen Zwischenspiel als Gastdozent an der Opus Dei Universität Navarra, wurde De Guindos geschäftsführender Vorstand von Lehman Brothers Spanien/Portugal. Dort blieb er bis das Geldinstitut 2008 bankrott ging und die Welt in eine Finanzkrise stürzte.

De Guindos = Pleite spanischer Haushalte

Ein besonders heikles Kapitel im Lebenslauf des bekennenden Katholiken sind die Vorzugsaktien von Lehmann Brothers, die in den letzten beiden Jahren des Kreditinstitutes über verschiedene spanische Banken als angeblich bombensichere Anlage an spanische Bürger verkauft wurden. Heute sind sie nichts mehr wert und zahlreiche Kleinanleger verloren ihr Geld. 2013 konfrontierte der Wirtschaftsexperte und Sozialist Hurtado De Guindos im Parlament mit Gerichtsurteilen die feststellen, dass die Banken ihre Kunden über das wahre Risiko der Papiere getäuscht haben. Der Wirtschaftsminister zog es vor zu schweigen. Auch eine Antwort auf die Frage, ob er denn selber in die angeblich so sicheren Bankanleihen investiert habe, blieb er schuldig. Hurtado warf de Guindos weiter vor, im Jahr 2003 als Staatssekretär des Wirtschaftsministeriums noch Steuererleichterungen für den Handel mit Vorzugsaktien durchgesetzt zu haben, obwohl die Bank von Spanien bereits damals gewarnt habe, dass die Banken zu viele Vorzugsaktien ausgeben würden und der Handel eingeschränkt werden müsse. De Guindos ließ auch diesen Vorwurf kommentarlos im Raum stehen.

De Guindos = Opus Dei

Der spanische Wirtschaftsminister steht Opus Dei nahe. Opus Dei ist eine erzkonservative katholische Laienorganisation, die enge Verbindungen zum Franco Regime unterhielt. Opus Dei werden auch Kontakte zum verstorbenen chilenischen Diktator Pinochet und anderen südamerikanischen Militärregimes nachgesagt. Die Organisation ist unter anderem gegen die Zivilehe, die Scheidung, Homosexualität und Empfängnisverhütung. Der 1928 von dem Spanier Escriva gegründete Orden rekrutiert seine Mitglieder überwiegend aus den akademischen Eliten. In Belgien wurde Opus Dei wegen seiner Methoden offiziell als sektenähnliche Organisation eingestuft.

Neben De Guindos sind weitere Minister im Kabinett Rajoys mit Opus Dei verquickt: So zum Beispiel der Verteidigungsminister Morenes, der Innenminister Fernandez Diaz, oder der Außenminister Garcia Margallo.

11:32 14.07.2015
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