Elisabeth Bauer
27.09.2016 | 17:41 42

Erzogen zur Freiheit

Waldorfpädagogik Sind Waldorfschulen dogmatisch? 13 Jahre – und keine Stunde klärte über ihren Gründer Rudolf Steiner oder Anthroposophie auf. Eine Suche nach Erklärungen

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied Elisabeth Bauer

Erzogen zur Freiheit

Rudolph Steiners Bank im Hyde Park.

Foto: Michammel/Flickr (CC)

Farbig abgedämpftes Sonnenlicht fällt durch tiefblaue Baumwollvorhänge, in dem mehrkantigen Raum mit dem holzgetäfelten Boden herrscht eine angenehme Atmosphäre. Meine Eltern unterhalten sich mit dem Waldorfpädagogen und ich, ein sechsjähriges Mädchen, balanciere über einen drei Finger breiten Holzbalken.

Diese Szene könnte als Urbild meiner Waldorflaufbahn herhalten. Wir waren zum regulären Einschulungsgespräch im Eurythmiesaal geladen. Der Anthroposoph der Schule erzählte mir von meinem kommenden ersten Schuljahr und meinen Eltern von den Grundprinzipien der Waldorfpädagogik. Das Gebäude, das Licht – das alles vermittelte mir ein gutes Gefühl. In diesem geschützten Raum, diesem harmonischen Lernambiente, würde ich die nächsten dreizehn Jahre bis zum Abitur verbringen. Hier galten andere Maßstäbe als in der äußeren, grobschlächtigen Welt.

Heute, mehr als sechzehn Jahre später, kehre ich in meine Heimatstadt zurück, um meine Waldorfvergangenheit aufzuarbeiten. Denn nach dem Schulabschluss drängte sich mir eine Frage immer wieder auf: Was macht die Essenz der Waldorfpädagogik eigentlich aus? Warum kommt es mir so vor, als könnte ich das Wesentliche meines Bildungshintergrunds nicht in Worte fassen, obwohl ich alle dreizehn Klassen durchlaufen habe? Keine Stunde klärte uns Schüler über Rudolf Steiner, Waldorfpädagogik oder Anthroposophie auf – die theoretische Basis. Genügt es, die Waldorfpädagogik ausschließlich über die Form vermittelt zu bekommen?

Schon die Ankunft im Haus meiner Eltern ist eine Rückkehr zu meinen schulischen Wurzeln. Auf dem Bücherregal im Wintergarten windet sich eine schlanke, steinerne Knospe dem Licht entgegen, hellgrün, fast weiß. In der zwölften Klasse brachte ich den kopfgroßen Speckstein in stundenlanger Arbeit in diese Form – mit Raspel, Feile und Schmirgelpapier – bis er mir als Ganzes harmonisch erschien. Neben der Knospe: ein dunkelgrüner Stein auf hölzerner Basis. Diese Figur aus kugeligen, sich vermehrenden Elementen steht auf der Spitze, der Schwerkraft trotzend. Auch meine ältere Schwester bearbeitete einen Speckstein, auch sie besuchte die Waldorfschule. Ich erinnere mich, wie mein Werklehrer sagte, jeder Stein könne eine ganze Geschichte erzählen von dem Menschen, der ihn bearbeitet hat. Was weiß mein Stein über den jungen Menschen, der ich damals war – mit siebzehn, in der zwölften Klasse?

Wenn mir jemand etwas von Rudolf Steiner und seiner Philosophie erzählen kann, dann der Anthroposoph der Schule, der Mann aus meiner Erinnerung. Wir spazieren über den Schulhof, vorbei an der alten Schuleiche, entlang der großen Spielwiese, einmal durch den Schulgarten. Ich frage nach der theoretischen Grundlage der Waldorfpädagogik: Was macht die Anthroposophie in ihrem Kern aus und wo ist sie in der Waldorfpädagogik, im Schulalltag wiederzufinden?

Anthroposophische Basis

„Das Wesentliche ist der Blick, mit dem man den Menschen anschaut, in jeder Lebenslage. Daraus entsteht eine gewisse Gesinnung, eine Haltung. Das ist die anthroposophische Basis“, erklärt der passionierte Waldorfpädagoge. Ein anderer Grundgedanke der Anthroposophie sei die Annahme einer ewigen Individualität des Menschen. Erzieher hätten die Aufgabe, die Kinder auf die Erde zu bringen, von der geistigen in die materielle Welt. Mit anderen Worten – man glaubt an die Möglichkeit der Reinkarnation.

Kinder seien Erwachsenen weit voraus, was das Geistige betrifft. Sie hätten eine tiefere Verbindung zu Engeln, zur Natur, könnten es aber nicht sagen. Wisse man um diese Fähigkeit der Kinder, bekomme man Ehrfurcht vor ihnen, meint der Anthroposoph. Er frage sich oft: „Vielleicht sind sie auch mir an Kraft überlegen?“ Die Aufgabe von Waldorfpädagogen sei es nun, den Schülern dabei zu helfen, ihre geistige Lebensspur und schließlich das eigene Lebensziel wiederzufinden. Deshalb sollte die Frage der Lehrer nicht lauten „Was muss ich in dich hineinfüllen?“, sondern: „Was will aus dir heraus?“

Diese Auffassung kommt mir bekannt vor. Für mich war Schule lange mit der Vorstellung eines geschützten Raumes verknüpft – sicher, aber eigenartig begrenzt. Besonders in den ersten Klassen wurde nichts einfach nur als falsch bewertet. Unterrichtsarbeiten, Bilder oder erzählte Geschichten wurden mit einer achtsamen Haltung betrachtet, besondere Verhaltensweisen der Schüler respektiert.

Sonnengelb sind die Wände des Klassenzimmers, in das mein Gesprächspartner und ich mittlerweile umgezogen sind. Vor dem Fenster wiegen sich Gräser im Wind, Kinderstimmen aus der Nachmittagsbetreuung sind zu hören und das Gackern der umherlaufenden Hühner – sonst ist es ruhig. Ich stelle eine der zentralen Fragen, die mich hergeführt haben: Warum lernten wir nie etwas über Rudolf Steiner, selbst nicht in fortgeschrittenem Alter? Hängt der Anthroposophie – und damit auch der Waldorfpädagogik – vielleicht etwas Exklusives, etwas Sakrales an?

„Der Anspruch der Waldorfschulen ist nicht, die Anthroposophie zu lehren. Das war von Steiner nicht vorgesehen“, lautet die Antwort. Natürlich seien alle Schüler berechtigt zu wissen, was sich hinter diesem Grundgerüst der Waldorflehre verberge, fügt der Lehrer schnell hinzu. Einige Schüler der dreizehnten Klasse hätten ihn kürzlich zu Steiner befragt. „Das ging ganz von ihnen aus – also kam ich in die Unterrichtsstunde und habe erzählt.“

Waldorfkenner, -skeptiker, -fremde

Nächstes Thema: Waldorf-Ressentiments. Waldorfkenner, Waldorfskeptiker und Waldorffremde – alle Menschen dieser Welt könnte man auf dieser Skala unterbringen. Neulich hatte ich es mit der letzten Kategorie zu tun: „Waldorfschule?“ Der ratlose Blick meines Gegenübers genügte – er hatte noch nie von dieser Schulform gehört. Sein Ausdruck signalisierte ungetrübtes, ehrliches Interesse, war frei von jener vorurteilsbehafteten Miene, die das Gesicht des Waldorfskeptikers zu verdunkeln pflegt und ihn als solchen entlarven würde.

Den populärsten waldorfkritischen Vorurteilen haftet eine ironische Note an. Im Linienbus riefen uns Nachbarschüler mit beeindruckender Ausdauer Kommentare wie „Baumschüler“, „Stimmt es, dass ihr nur mit Kartoffeln rechnet?“ oder „Tanz mal deinen Namen!“ hinterher. Das Spektrum der Anschuldigungen erweiterte sich um ernstzunehmende Vorwürfe: Steiner sei ein Rassist, ein Antisemit gewesen und Waldorfschulen seien Brutstätten seiner anthroposophischen Ideologie. Weltfremd und sektenhaft – das seien Merkmale dieser Schulform.

Der Anthroposoph vor mir weiß um diese Kritikerstimmen. Etwa zwanzig Sätze aus Steiners Werk seien immer wieder zu hören, zitiert würden nur die krassesten. Ob bei solchen Aussagen der Stenograph etwas falsch verstanden habe oder ob ein Satz auf einen missglückten Scherz zurückzuführen sei, könne man heute nicht mehr nachprüfen. „Sicher ist, dass Steiner an anderer Stelle gesagt hat, heute noch in Rassen zu denken, ist gefährlich. Seine Haltung war freiheitlich und anti-rassistisch – und trotzdem gibt es da diese Sätze.“

Vielleicht ist es das Wissen um die Front der Waldorfskeptiker, das in mir regelmäßig den charakteristischen Waldorf-Rechtfertigungsreflex auslöst. Scheinbar automatisch folgen der eingeübten Waldorfrhetorik diese eingespielten Trotzdem- und Aber-Sätze. Als müsste ich mich für etwas entschuldigen. Für einen fehlenden Bildungsstandard, der nicht vom Staat – nicht vom Lehrplan des Bildungsministeriums – vorgegeben wird? Für die Freiheiten der Lehrer, denen die Verantwortung der pädagogischen Erziehung der Schüler anvertraut wird? Womöglich für das Arbeiten mit Materialien wie Holz, Wolle und Erde?

Mir fehlt das Vokabular, um meiner Bildungsherkunft eine fundierte Form zu geben. Mir fehlt die Wortgewalt theoretischer Erklärungen, um verbreitete Vorurteile gründlich auseinanderzunehmen. Wie soll ich einem Waldorffremden eine rationale Beschreibung des Waldorfsystems geben, wie einem Waldorfskeptiker von dieser untergründigen Essenz der anthroposophischen Erziehung erzählen können? An diesem Punkt kapituliere ich – ich komme an das Herzstück der Waldorfpädagogik nicht heran.

Dogmatismus und die Verbreitung einer anthroposophischen Weltanschauung sind verbreitete waldorfkritische Vorwürfe – doch das Gegenteil scheint mir der Fall. Reflektiere ich heute meine Schulzeit, scheinen die meisten Lehrer peinlich darauf bedacht gewesen, die Anthroposophie bloß nicht zum Gegenstand des Unterrichts zu erklären. In einer Studie der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf sowie der anthroposophischen Alanus-Hochschule aus dem Jahr 2007 zur Lebensgestaltung ehemaliger Waldorfschüler heißt es: „Der Waldorfschule wird keine aktive Bedeutung als Vermittler anthroposophischer Vorstellungen zugesprochen, aber eine hohe religiöse und weltanschauliche Offenheit attestiert.“

Die Mehrheit der Ehemaligen habe sogar eine „indifferente, skeptische bis negative“ Einstellung der Anthroposophie gegenüber. Laut der Studie absolvierten 61 Prozent der Befragten das Abitur, fast 49 Prozent schlossen anschließend eine Hochschulausbildung ab. Lediglich 2,4 Prozent entschieden sich für eine anthroposophische Berufslaufbahn und gingen beispielsweise als Eurythmie- oder Klassenlehrer zurück an die Waldorfschule.

Wortloses Verständnis

Treffen ehemalige Waldorfschüler aufeinander, ganz egal in welchem Kontext sie sich begegnen und in welcher Stadt sie unterrichtet wurden, ist da ein gewisses gegenseitiges Grundverständnis. Eine subtile Vertrautheit, die keiner Worte bedarf und der das Wissen über den gemeinsamen Waldorfhintergrund inhärent ist. Es besteht etwaige Übereinstimmung über essenzielle schulpädagogische Erfahrungen im wohlbehüteten Raum des Waldorfkosmos, man ist sich des analog gegangenen Bildungswegs bewusst.

Klassentreffen zwei Jahre nach dem Abitur. Von 23 Abgängern sind gerade mal neun der Einladung zum Wiedersehen in einem verrauchten Partykeller gefolgt. Es sind vertraute Gesichter, sie hier zu sehen, umgeben von massiven Eichengarnituren und holzvertäfelten Wänden, erscheint unwirklich. Der Kontrast zum harmonischen Raum der Waldorfschule könnte kaum größer sein.

Uns alle verbindet die gemeinsame Schulzeit, jetzt kommen wir aus verschiedensten Lebenslagen wieder zusammen. Wie haben die anderen den Einstieg ins Studium, in eine stärker staatlich regulierte Bildungsinstitution erlebt? Hat ihre Waldorfvergangenheit sie an irgendeinem Punkt eingeholt? „Auffällig finde ich, dass Leute mich um meine Waldorflaufbahn beneiden“, erzählt Jenke. Natürlich seien da immer wieder dieselben Klischees: Tanz mal deinen Namen! Ein Leben lang werde sie das hören. Politik und Wirtschaft seien zu kurz gekommen, sagt eine andere Stimme. Laufend müsse man erklären, was Waldorf eigentlich ist. „Ich spreche dann vom Handwerk, von der Eurythmie. Dass der Mensch bei uns im Mittelpunkt stand.“

Kaffeetrinken mit meiner ehemaligen Klassenlehrerin. Sie verließ die Waldorfschule vor einigen Jahren, nach einer Zwischenstation in einer Montessori-Schule arbeitet sie mittlerweile in einer Gesamtschule. „Die Kollegen von der Waldorfschule unterrichteten mit einem besonderen Engagement für den Menschen, das vermisse ich.“ Die herkömmliche Pädagogik sei für manche Kinder einfach nicht gemacht, die Herangehensweise zu kognitiv, es gebe zu wenig Arbeit für die Hände.

Eine ideale Schulform könne für sie nur eine Mischung sein: „Die Perlen der Waldorfschule, ihrer Pädagogik und einige Elemente aus der Montessori-Schule.“ Ihr Vorbild ist die neue Gesamtschule Schule im Aufbruch der Berliner Pädagogen Margret Rapsfeld und Gerhard Hüter. „Ich glaube, dass man keine Waldorfschule, keine Montessori-Schule braucht – aber menschliche Beziehungen, die brauchst du.“

Eines Sonntags, wieder zurück in Berlin, wage ich einen Versuch. Ich ziehe ein verstaubtes Buch aus meinem Regal, setze mich auf den sonnigen Balkon und atme tief ein – Rudolf Steiner: Die Rätsel der Philosophie. Vergilbte Seiten, raues Papier. Neun Kapitel, der letzte Titel scheint passend: Skizzenhafte Darstellung des Ausblickes auf eine Anthroposophie. In diesem 1914 veröffentlichten Buch hat Steiner anhand einer ersten gedanklichen Fixierung den Grundstein der Anthroposophie gelegt. Fünf Jahre später würde die erste Waldorfschule in Weimar eröffnet werden.

Ich überfliege das Vorwort. Die Naturwissenschaft konkurriert gegen Ende des 19. Jahrhunderts immer stärker mit der Philosophie – diese Annahme bildet die Basis von Steiners Überlegungen. Ein Weltbild sei nötig, in dem sich innere Erlebnisse der Menschenseele ebenso finden wie die Forschungsergebnisse der Naturwissenschaft. Der Autor stellt in Aussicht, in seinen Skizzen Antworten auf das Streben nach einer neuen Wahrnehmungsform zu geben, die von Naturerkenntnissen nicht verdrängt werde – innere Seelenerlebnisse, die dem Suchen der neueren Philosophien Erfüllung bringen können. Die neue Weltanschauung wolle eine Wissenschaft des Geistes sein.

Daß dieser Weg, wenn er zu Ende gegangen wird, zum Erleben in einer geistigen Welt führt, und daß die Seele durch dieses Erleben ihre eigene geistige Wesenheit sich auf eine Art zum Bewußtsein bringen kann, die unabhängig ist von ihrem Erleben und Erleben durch die Sinnenwelt: das ist, was die Darstellung dieses Buches zu erweisen versucht. (S. VI)

Vielleicht muss ich mich fürs Erste mit diesen Annäherungen an die Essenz der Waldorfpädagogik begnügen. Die kritische Beschäftigung mit dem Vater der Anthroposophie und seinen Vorstellungen von der neuen Weltanschauung, die er recht hochmütig der herkömmlichen Philosophie voranstellt, ähnelt einer Ahnengalerie in der eigenen Familie: Jeder gelesene Satz, jede neu gewonnene Information und jede geschlagene Brücke zwischen anthroposophischer Theorie und Praxis erzählt mir gleichzeitig mehr über mich selbst.

Fest steht: Die Waldorfschule ist nicht nur Teil meiner Ausbildung, sondern auch Teil meiner Identität. Eine Zeile meines Lebenslaufs zeigt an, dass ich eine waldorfpädagogische Erziehung erfahren habe, gewissermaßen einen Waldorfkern in mir trage. Das theoretische Wissen über seinen Ursprung hat die Waldorfschule mir vorenthalten – und damit auch die Mittel, um Autonomie über meine Bildungsherkunft gewinnen zu können. Undogmatisch, aber auch problematisch ist dieses Prinzip des Nicht-Aufklärens – ich werde weiter nach Erklärungen suchen müssen.

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare (42)

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Ehemaliger Nutzer 28.09.2016 | 00:08

Zu den Skeptikern gehöre ich, aber mich berührten auch die punktuell dort erlebten weichen Stimmungen.

(Freunde und Nachbarn hatten ihre Kinder im Waldorf-Kindergarten, bauten die Schule mit auf, einige unterrichteten dort. Unsere Kinder gingen in staatliche Schulen und vorher gab es private Kindergruppen - es war die Zeit der Gründung von Kinderläden etc.) Alle Kinder spielten nachmittags und am Wiochenende gemeinsam in der Nachbarschaft, man kannte sich, traf sich zu Feiern, ging zum Weihnachtsbasar, Vorführungen etc

Was mich befremdete und doch der Grund für das als weich-harmonisch erlebte Stimmung sein könnte: Störende, nicht dazu passende Kinder wurden - durch mehrheitlichen Elternbeschluss - entfernt, aus Kindergarten sowie auch aus der Schule. Rigoros.

Heinz 28.09.2016 | 10:13

»Undogmatisch, aber auch problematisch ist dieses Prinzip des Nicht-Aufklärens – ich werde weiter nach Erklärungen suchen müssen.«

Ich bin kein Waldorfschüler, habe mich aber einige Jahre mit Steiners Landwirtschaftlichem Kurs beschäftigt. Auch dieser Kurs ist eingebettet in die gesamte Philosophie Steiners. Damit beginnt aber das Problem mit dem Rest der Gesellschaft und mit dem Verbot im dritten Reich.

Wenn du in der Waldorfschule beginnst, die Hintergründe der Pädagogik zu lehren, kommst du nicht daran vorbei, auch den Rest von Steiners Anthroposophie zu lehren; das steht aber nicht auf dem staatlichen Leerplan und müßte im Rahmen eines Religions- oder Ethik-Unterrichtes gelehrt werden.

Damit sind die Waldorfschulen aber überfordert und das ist auch nicht im Interesse der meisten Eltern.

GEBE 28.09.2016 | 13:35

Ich kann Ihren Gedanken nicht ganz folgen und nehme Ihnen auch nicht ernsthaft ab, daß Sie als Waldorfschülerin nach dreizehn Jahren Waldorf-Schule, mit Abi, nichts von dem wissen können (wollen) würden, was die geisteswissenschaftlichen Grundlagen der Waldorfpädagogik sind.

Sie selbst titeln dieses Blog: “Erzogen zur Freiheit“ ja wohl nicht von ungefähr, anlehnend an ein Buch mit dem Titel, „Erziehung zur Freiheit“ von Franz Carlgren aus dem Jahr 1972, welches weithin bekannt ist und grundlegende Einführung in die Pädagogik Rudolf Steiners gibt, und welches in siebzehn Sprachen übersetzt wurde und eine weltweite Verbreitung gefunden hat. Wüßten Sie nichts von den Inhalten, den Grundlagen der Waldorfpädagogik, wie wären Sie sonst auf diese Verknüpfung gekommen?^^

Es ist aus Gründen, die hier @ Heinz z.B. angeführt hat, nicht Aufgabe der Schule, die Grundlagen der Waldorfpädagogik zu lehren, da es ja eben keine Bekenntnisschulform ist, und zudem die Grundlagen der Pädagogik auch nicht Lernstoff für Schüler, sondern für Lehrer in deren Ausbildung ist, wie dies allgemein so ist.

Daß eine Schülerin aber selbst noch in der Oberstufe dieser Schulform nichts über die Grundlagen erfahren haben will, und auch heute, wie sie schreiben, „sechzehn Jahre später“, sich Fragen danach noch stellt, wo die Glocken hängen und hingen, erscheint mir recht unglaubwürdig.

Etwas vollkommen anderes ist es, etwa nicht zu verstehen, was die Inhalte anthroposophischer Geisteswissenschaft sind, da diese eben keine schulisch zu vermittelnden Wissensinhalte sind und zudem auch keineswegs für Waldörfler reserviert sind. [lol] - Genau so wenig ist naturwissenschaftlicher Stoff für Schüler an Staatsschulen reserviert.^^

Aber machen Sie sich nichts draus; denn mit den Fragen erst entsteht das Interesse, und mit gesteigerten Wahrnehmungen zieht während des Lebens auch Verständnis ein.^^ Und wenn Sie sich in den nächsten sechzehn Jahren z. B. vielleicht mal die erkenntnistheoretischen Schriften „Grundlinien einer Erkenntnistheorie der Goetheschen Weltanschauung mit besonderer Rücksicht auf Schiller“, „Wahrheit und Wissenschaft“ und „Die Philosophie der Freiheit“ Rudolf Steiners nicht nur reingepfiffen, sondern erarbeitet haben werden, werden Sie feststellen, was die Grundlagen nicht nur für die Pädagogik der Waldorfschulen gewesen sind, sondern geradezu für die Erkenntnisbegabung zur Freiheit.. Wobei: es ist heute ja leider schon so, daß nicht überall wo ‚Waldorf‘ draufsteht, auch Erziehung zur Freiheit als pädagogisches Ideal drin ist. ^^ Es bleibt bei mir der Eindruck, als sei dieses Blog aus einer gewissen Langeweile mit feuilletonistischer Attitüde geschrieben.^^

phoebe 28.09.2016 | 16:14

Ich habe den Text gerne gelesen. Und er hat mich auf etwas hingewiesen, was ich latent immer gespürt habe. Wir schicken unsere Kinder zur Waldorfschule, weil "sie es besser haben sollen". Aber wir erklären ihnen nicht, was die Alternative gewesen wäre. Unsere Kinder werden als anders wahrgenommen. Sie müssen sich rechtfertigen für ihre Schulzeit. Wir haben ihnen aber kein Rüstzeug mitgegeben, um fundiert Auskunft zu geben. Normale Gymnasiasten müssen niemals Rede und Antwort stehen, was ihre Schulform mit ihnen gemacht hat. Aber genausowenig wie der Gymnasiast ist der Waldorfschüler verpflichtet, seine eigene Erziehung zu durchleuchten und dazu eine Meinung zu haben. Er ist da hinein- und hindurchgewachsen. Er hat gelernt und geleistet und abgeschlossen, nicht um ein "Antroposoph" zu werden. Das Problem ist der Rechtfertigungsdruck, der an ihm haftet.

Ich habe es doch gut: Dass die Schule ein Ort war, wo es heftigst menschelte, den wir überstanden und abgehakt haben, das ist Common Sense. Davon kann jeder ein Lied singen. Ich brauche nichts zu erklären.

Achtermann 28.09.2016 | 16:15

"Damit beginnt aber das Problem mit dem Rest der Gesellschaft und mit dem Verbot im dritten Reich."

Zur Ergänzung und besseren Einordnung:

Die Anthroposophie hatte als konkurrierende Weltanschauung erbitterte Gegner innerhalb des nationalsozialistischen Machtapparats. Sie fand aber auch zahlreiche einflussreiche Förderer und Unterstützer, unter diesen am bekanntesten der „Stellvertreter des Führers“ Rudolf Heß. (Ruhrbarone)

Achtermann 28.09.2016 | 17:04

Die Gründung der ersten Waldorfschule erfolgte 1919 in Stuttgart. Der prominente Anthroposoph Richard Karutz schrieb 1934 im Auftrag der Eltern dieser Schule einen Essay, in dem er die Machtübernahme der Nationalsozialisten als "völkische Erhebung" bezeichnete. Weiter formulierte er:

“Die Waldorfschule in Stuttgart wurde im Jahre 1919 in der Zeit des grössten politischen und kulturellen Tiefstandes unseres Volkes als Bollwerk gegen die zersetzenden Mächte des Intellektualismus und Materialismus gegründet. […] Schon in jener Zeit vorherrschender internationaler Strömungen und trotz starker Anfeindungen hat die Schule nicht nur stets deutsches Geistesleben gepflegt, sondern geradezu die ganze Erziehung der Kinder darauf aufgebaut. Die Erfahrungen von 18 Jahren haben bewiesen, dass unsere Kinder durch die Waldorfschule zu tüchtigen, an Leib und Seele gesunden, vollwertigen Mitgliedern der Volksgemeinschaft herangebildet werden. Wir sind daher der Überzeugung, dass die erzieherische Arbeit der Waldorfschule im Rahmen des national-sozialistischen Staates mit Erfolg für den kulturellen Aufbau unseres Volkes fruchtbar gemacht werden kann.” (Eingabe der Elternschaft der Stuttgarter Waldorfschule, 14. März 1938, BArch R4901/2521: 9)

Heinz 28.09.2016 | 17:04

Das Problem der Rechtfertigung beschränkt sich nicht allein auf die Pädagogik.

Rudolf Steiner wirkte in der Zeit des Untergangs des Feudalismus und der Gründung der Weimarer Republik. Themen der Neuordnung waren darum Tagesthemen.

Z.B. Die Soziale Dreigliederung

Heute bin ich der Meinung, daß sich auch diese Dreigliederung überlebt hat, ein Ersatzkaiser für den Bund sowieso, und ein Netzwerk von transparenten Dienstleistern zeitgemäßer ist, das einer echten Kontrolle durch Parlament und Bürgerschaft unterworfen ist.

Von einer demokratischen, also freien, gleichen und sozialen Bürgerschaft sind wir aber noch sehr weit entfernt.

Heinz 28.09.2016 | 20:00

Eigentlich ist das auch keine Grundsatzdebatte über Waldorfpädagogik, sondern über das Selbstverständnis verschiedener freier Menschen in einer wirklichen Demokratie, in der sich niemand für seinen eigenen Weg zu rechtfertigen braucht.

Wenn Elisabeth sich inzwischen mehr für die Hintergründe ihrer Waldorfzeit interessiert, als während ihrer Schulzeit, kann sie jederzeit damit beginnen. Allerdings spielt in den deutschen Sonderweg auch hinein, daß mit der Gründung der Weimarer Republik keine Demokratie entstand, sondern der strukturelle Staatsaufbau aus dem Feudalismus übernommen wurde.

Charlie Schulze 28.09.2016 | 21:53

"Waldorfschulen" sind fast ebensowenig als Summe zu beschreiben wie "Waldorfschüler". Es kommt doch sehr auf eine Menge Faktoren an (Lehrerpersönlichkeiten, soziale Zusammensetzung und Alter der Schule ect), wie jemand seine Schulzeit erlebt, abseits vom gemeinsamen pädagogischen Konzept...

Was in dem Beitrag ganz gut rauskommt, ist die Mühseligkeit, aber auch die Müßigkeit, die Erklärungen zur Waldorfschule aus der Sicht ehemaliger Schüler haben: Es bleibt (wie eigentlich jede Schulzeit) eine sehr individuelle Erfahrung – umsomehr, weil bei dieser besonderen Schulform gerade die Entfaltung der individuellen Persönlichkeit im Mittelpunkt steht – da gibt es eben die verschiedensten Wahrnehmungen - auch Kinder, für die diese Schulform nicht die Beste ist (aus denen werden zornige Kritiker, die wieder mehr Grund haben, sich zu ihrer Schulzeit zu äußern) … Aber viele Kinder korrespondieren gut mit der Waldorfpädagogik - sie funktioniert in der der Praxis auch ohne dass ein Kind den theoretischen Überbau begreift. Allerdings steht es auch jedem Waldorfschüler frei, sich dafür zu interessieren – in meiner Schule war Rudolf Steiner jedenfalls kein Tabu-Thema.

Grundsätzlich kann zugunsten der Waldorfpädagogik aussagen: Ich bin 12 Jahre gerne zur Schule gegangen - habe mich immer auf das Ende der Ferien gefreut und war frustriert, wenn ich den Bus verpasste. Es gibt keine Person in meinem heutigen Bekanntenkreis, die das von sich behaupten kann… Und habe in derselben Schule auch reichlich Fragwürdiges und Problematisches erlebt, bei der gleichzeitigen Möglichkeit, mich damit kritisch auseinanderzusetzen. Also weder heile Welt noch dogmatische Gehirnwäsche - eher tatsächlich das, was in der Vorstellungswelt kapitalistischer Effizienz wie eine Esoteriker-Floskel klingt, aber doch immerhin auch im Grundgesetz als Recht beschrieben wird: Die freie Entfaltung der Persönlichkeit.

Soloto 28.09.2016 | 22:26

Ein sehr schöner, feinfühliger und sprachlich ausgefeilter Beitrag.

Zum ersten Mal in meinem Leben bin ich mit Waldorfschülern während meines Studiums der Slawistik in Hamburg und Sankt Petersburg, am Smolny, in Kontakt gekommen. Ich konnte damals wenig mit ihrem Antialkoholismus und Vegetarismus anfangen und riss die üblichen Witze. Später stieß ich darauf, dass die russischen Symbolisten tief von der Theospohie Elena Blavatskajas beeinflusst waren, der, nach einem Zerwürfnis, auch die Anthroposophie Rudolf Steiners entsprang. Einen großen Eindruck machten auf mich aber die Bilder Nikolas Roehrichs, die im Russischen Museum in SPb, in der Tretjakowskaja und im Roehrich Museum in Moskau zu sehen sind. Sie sind sehr atmosphärisch und bringen den Spirit des menschlichen Eingebundenseins in geistige Kontexte sehr gut rüber, seine Texte, in denen er teilweise das Werk der Blawatskaja paraphrasiert, sind aber verkopft-esoterisch. Überhaupt ergaben meine Recherchen, dass der Ausstoß an Werken der Blawatskaja, Steiners und ihrer anderen Schüler schier unerschöpflich ist. Der letzte dieser Schüler, der einige Bekanntheit erreichte, war ein gewisser Jiddu Krishnamurti, der noch vor dem Bhagwan zu einem beliebten Hippie-Guru wurde, allerdings ebenfalls mit den Theosophen brach, nachdem diese ihn zum neuen Messias erklären wollten. Es ist also ein sehr weites Feld mit vielen Überspanntheiten und Skurilitäten, auf dem Sie viel entdecken können, wenn Ihnen danach ist. Das heißt ja nicht, dass Sie entweder alles übernehmen oder in Grund und Boden kritisieren müssen. Sie können es auch einfach als Fundgrube für Ihre künstlerische Arbeit (mit der Schreibe, die Sie an den Tag legen, sind Sie sicherlich auch literarisch tätig) verwenden. Ich würde das Ganze nicht so dramatisch sehen. In gewisser Weise, und das nicht zu knapp, wird man auch an "normalen" Schulen indoktriniert.

Udatschi,

Soloto

Comparse 29.09.2016 | 08:25

Mich würde mal interessieren, was die Autorin zu der Tatsache sagt, dass es viele Eltern gibt, die ihre Kinder gern auf eine Waldorfschule schicken würden, es sich aufgrund des Schulgeldes aber nicht leisten können. Privatschulen - und derartige gibt es einige in unserem Land - sind elitär und daher mit einer Gesellschaft, die sich der Chancengleichheit und Gerechtigkeit für ALLE ihre Mitglieder verschrieben hat, nicht vereinbar.

Günter Woltmann 29.09.2016 | 09:31

Menschen, die sich bei der Anthrosophie eingliedern oder eingegliedert haben, suchen dort ein Familiengefühl, weil sie sich allein sozial und philosophisch zu wenig stark fühlen. Welche Einzelkräfte ihnen da jeweils Halt geben, ist individuell zweitrangig; da gibt es starke bis geradezu divergierende Unterschiede, Gruppen. Hauptsache Gruppe, Hauptsache Familie, Hauptsache: nicht allein - gegen die sonst gefährliche, jedenfalls unbefiedigende Welt. Die Stärke der Familie sucht man dann zu stärken, in dem man zusammenrückt, (Entschuldigung: Wie ein Igel, der sein Innerses durch die nach außen gerichteten Stacheln schüzen zu können meint, hofft. Das schadet letztlich den Mitglieden der Famile, verstimmt aber besonders die Außenstehenden - so sehr, daß sie wieder "gefährlich" wirken für die Familenmitglieder. Ein kleiner "steinerner Teufelskreis". Kommunikation mit Antrosophs ist schwierig, weil sie "meinen", erleuchteter zu sein als die "draußen". "Man kann mit ihnen nicht konstruktiv weiterkommen, die verstehen, fühlen nicht richtig", meinen die..

Das Programm der Antrophosophie ist überwiegend so gut bis sehr gut - oder aber harmlos oder selbstverständlich. Es gibt allerdings Randprogramme und konkrete Aktivitäten, die entweder nichts bringen oder von Wichtigerem abhalten oder kontraproduktiv sind - auch in Bezug auf die Fmilienmitglieder. Beispiele: Stichworte Gesell, Werner etc. Wo auch nocht profane Geschäftsinteressen hinzukommen, kann die Sache bedenklich werden. DM: "Hier bin ich Mensch, hier darf ich's sein !". Nur da ? Speiell da ? Na ja. Ich kenne un d schätze einige Antrophos ganz sehr, vertraue ihnen, finde sie symphathisch, habe Grunsd ihnen dankbar zu sein. Danke wir unserem Schöpfer, daß es - auch - Antrophosophen gibt.

Reinhold Schramm 29.09.2016 | 12:15

Abseits der bürgerlich-philosophischen Ausrichtung der Waldorfpädagogik:

Als Ausbilder und Handwerksmeister -Holz und Metall- lernte ich vor Jahren einen vormaligen Waldorfschüler in seiner Berufsausbildung kennen. Er war handwerklich sehr kreativ. Aber auch in seiner Persönlichkeit sehr eigenwillig - und nicht nur in seinem Gestaltungswillen [positiv]. Was vorausschauend seine spätere Anpassung und Unterordnung -im abhängigen Erwerbsleben- erschwert. Seine weitere persönliche und berufliche Entwicklung in der Verwertungsmaschinerie unbekannt.

Ein materiell-finanzieller Familienhintergrund vorausgesetzt, so wäre eine selbständige kreativ-schöpferische Berufstätigkeit denkbar oder analog in einer entsprechenden Leitungsfunktion eines privaten Unternehmens.

In der gesellschaftlichen Lebenswirklichkeit des entwickelten Kapitalismus bestehen eben nur für die wenigsten Menschen kreative Entfaltungsmöglichkeiten.

Laßt uns Christen sein 29.09.2016 | 12:38

Gerne möchte ich Elisabeth Bauer ergänzen und danke ihr für ihren offenen Beitrag. Ich war ideologisch, ohne es zu merken, lange gefangen in der Anthroposophie, der Überzeugung, daß Waldorfschule das beste ist. Die Erziehung zur Freiheit oder Mündigkeit, in der sogenannten freien Waldorfschule, ist insofern behindert, daß man sich sehr lange, bis zur zwölften Klasse, unter einer Käseglocke befindet. Die Glocke kann für die Entwicklung des Kindes gut sein, doch nur dann, wenn der richtige Geist herrscht. Die Erkenntnis, daß Eltern und Lehre ihren Kindern eine schützende und bewahrende Hülle sein sollen, hat Rudolf Steiner von den Christen. Daß der Mann die Hülle seiner Frau sein soll, hat er leider ausgelassen. Kaum noch bekommen Waldorfschülerinnen Kinder. Die Waldorfschulen sind, das muß man leider sagen, keine christlichen Schulen, weil in ihnen nicht zu Jesus Christus gebetet wird. Steiner hat sich lediglich der Früchte des Christentums bedient, doch damit sind die Schulen nur humanistisch, können vom heiligen Geist nicht beseelt werden. Die Eurythmie, mit ihren schönen und sittlichen Gewändern, wäre eine wunderbare Frucht des Christentums, wenn man mit ihr den richtigen Gott anbetete. Doch, da man in der Waldorfschule allen, alles recht machen wollte, mußte man sich von Jesus, von seinem Wort, entfernen, und hat nun das Chaos. Kaum ein Waldorfschüler würde das Abitur ohne Nachhilfeunterricht schaffen. Dr. Lothar Gassmann hat zu der Waldorfschule gute Predigten gehalten. Wegen der ganzheitlichen Ausrichtung hatten die Schulen anfangs christliche Menschen angezogen. Ich würde mich freuen, wenn die Schulen zurück zu ihren Wurzeln fänden, die Lehrer Jesus in ihre Herzen nähmen und damit die Liebe aufbrächten, die sie benötigen, um eine Schule ohne Noten erfolgreich betreiben zu können. Ich mußte jedoch meine Kinder, nach vierter Generation, von der Waldorfschule nehmen, weil sie nichts lernten und sogar verrohten. Wenn man sich nicht für Gott entscheidet, geht man zum Teufel. Das ist überall so.

Heinz 29.09.2016 | 14:33

Nu kippst du das Kind aber mit dem Bade aus und in einen Topf, das ist unredlich !!!

Die Waldorfschulen, die Ann-Marie-Schule und Montessori-Schulen (das sind nur Beispiele) sind freie Schulen im Gegensatz zu den staatlichen Einheitsschulen. Sie bekommen vom Staat einen Teil ihrer Aufwendungen bezuschußt, wie Religionsschulen auch. Die steuerfinanzierten StaatsSchulen werden aber voll vom Staat finanziert und sind darum teurer.

Die Differenz tragen Stiftungen und die Eltern.

EliteSchulen, in der Regel für die dummen Kinder der Reichen, damit diese zum Abschluß getragen werden, sind erheblich teurer.

Günter Woltmann 29.09.2016 | 15:08

Vielleicht ist es so, daß "kaum ein W.-Schüler das Abitur ohne Nachhilfe" schafft. Ich widerspeche da nicht. U.a. weil sie schwach eingeschätzt wurden - wie ihre Familie auch sich selbst -- suchen sie ja Verstärkung in der "Familie". Ohne Waldlorf hätte die Schüler das Abi ggf. wohl auch nicht einfach geschafft.

Nehmen wir die Antrosophs ernst aber nicht zu ernst. Halten wir allerdings ein Auge auf Bad Boll/Gesell und Wernes Wundetüte Grundeinkommen. Da ist die A. tatsächlich kontraproduktiv.

Keine Angst ! Stärken wir uns doch einfach ohne "den Doktor".

Günter Woltmann 29.09.2016 | 15:08

Vielleicht ist es so, daß "kaum ein W.-Schüler das Abitur ohne Nachhilfe" schafft. Ich widerspeche da nicht. U.a. weil sie schwach eingeschätzt wurden - wie ihre Familie auch sich selbst -- suchen sie ja Verstärkung in der "Familie". Ohne Waldlorf hätte die Schüler das Abi ggf. wohl auch nicht einfach geschafft.

Nehmen wir die Antrosophs ernst aber nicht zu ernst. Halten wir allerdings ein Auge auf Bad Boll/Gesell und Wernes Wundetüte Grundeinkommen. Da ist die A. tatsächlich kontraproduktiv.

Keine Angst ! Stärken wir uns doch einfach ohne "den Doktor".

Charlie Schulze 30.09.2016 | 01:02

Yo - und auch die ganzen beliebten Klischees werden eilig zusammengetragen: Die Weltfremdheit. Der Sekten-Verdacht. Der Elite-Vorwurf. Die übermäßige Behütung, die Kinder nicht angemessen auf "das Leben" bzw. "den Berufsalltag" vorbereite (und die implizite Behauptung, auf ein "Leben", in dem dann hauptsächlich gelitten wird, bereite man Kinder am besten vor, indem sie möglichst früh die Freude daran verlieren). Auch der Nazi-Verweis und die mangelhafte Konkurrenzfähigkeit im Leistungs-System klangen schon an: Meine Waldorf-Bullshit Bingo-Karte füllt sich...

Was der von Jesus Christus inspirierte Kollege uns mitteilen will, lies sich allerdings nicht recht zuordnen und hab ich auch sonst nicht verstanden.

Charlie Schulze 30.09.2016 | 01:16

Auf meiner Schule gab es mehrere Familien mit mehreren Kindern, die von Sozialhilfe lebten und kein Schulgeld zahlten. Und ich weiß das nicht, weil es in der Schule je ein Thema war, sondern nur, weil ich mit den Kids befreundet war. Andere hatten offensichtlich sehr reiche Elternhäuser, und alles andere dazwischen gab es auch. Der gemeinsame Nennerwar allenfalls eine gewisse Bildungsbeflissenheit.

Comparse 30.09.2016 | 07:42

Wer sich im Schnitt 170€/Monat Schulgeld für die Waldorfschule leisten kann, gehört nach meiner Erfahrung und in dieser Zeit zunehmend präkerer Beschäftigungen, Hartz IV etc. zu den besser gestellten in diesem Land. Denn wo sich ein Normalverdiener weder Bildungsreisen, noch Musikschulen noch Sportvereine für sich oder seine Kinder leisten kann, der lebt in einer Gesellschaft, die sich mehr und mehr in elitäre und prekäre Gruppen teilt. Aber vielleicht haben Sie ja den Schuß von vor 30 Jahren auch nicht gehört.

Comparse 30.09.2016 | 07:49

170€/Monat im Schnitt für die Waldorfschule ist nach meinen Beobachtungen für immer mehr Menschen in diesem Land nicht bestreitbar. Schauen Sie sich um - nicht nur bei sich oder ihren Verwandten oder Bekannten - dann werden Sie meinen Einwand und die Intention dahinter verstehen. Und unredlich sind die, die Ihnen immer noch einreden wollen, dass es Deutschland nach wie vor gut gehe und Sie in einem demokratischen Land leben würden. Es herrscht nämlich keine Demokratie, sondern Plutokratie.

Heinz 30.09.2016 | 09:22

Ich stimme dahingehend mit dir überein, daß der Staat vorsätzlich die freien Schulen benachteiligt.

Hier in MeckPomm sogar mit dem Schulbus, weil die Kreise nur den nächstgelegenen Fahrweg bezahlen - das ist ganz klar ein Mißbrauch staatlicher Gewalt.

Meine Kritik bezog sich auf deinen Gebrauch von

»Privatschulen - und derartige gibt es einige in unserem Land - sind elitär und daher mit einer Gesellschaft, die sich der Chancengleichheit und Gerechtigkeit für ALLE ihre Mitglieder verschrieben hat, nicht vereinbar.«

Die freien Schulen sind nicht elitär, sondern verfolgen ein anderes Konzept der Bildung, als die Einheitsschule.

Beispiel: Freie Schule-Anne-Sophie

Anelim Aksnesej 01.10.2016 | 00:20

Der Beitrag hat mir gefallen,weil eigenes Leben -Schulleben- beschrieben wird.Finde ich gut,meine Schulzeit war nicht von verschiedenen Schulmodellen beeinflußt.Ich hatte die Möglichkeit 10 Jahre lang mit Anderen aufzuwachsen,das gibt der Menschenkenntniss Platz und reflektieren tat ich erst später.Idealistischerweise hätte ich gerne eine Systemdurchlässigkeit im Schulsystem aber die gab es nicht und gibt es nicht.Für m ich ist bindend,gibt es keinen oder zu wenig Kunst-und Musikunterricht,Schulgartenbesuche etc.verkümmert eine Kompensationsmöglichkeit kreativ Probleme anzugehen,die sich durchaus aus den Naturwissenschaften ergeben können.Besser kann ich es nicht ausdrücken.Ich bin immer für phantasieanregende Zwischeneinlagen im Schulalltag,das gelang einer Kunstlehrerin meines Kindes.

Fehlersturm 07.10.2016 | 18:14

Als Waldorfschulskeptiker hat mans nicht leicht. Immer heissts all die Kritik wurde schon gehört und man soll doch bitte eine Ruhe geben.

Allerdings begibt man sich damit in die Gefahr recht Starr zu werden wenn man die Kritik nicht mal mehr eines Gedanken würdigt.

Und gerade die Elitismuskritik ist garnicht so schwach. Nicht wegen dem Schulbeitrag. Sondern weil alle Eltern, von WaldorfschülerInnen, an der Bildung ihrer Kinder interessiert sind. Ich behaupte das dieses "bildungsnahe Umfeld" doch auch ein grosser Vorteil ist. Und sich viele der Positiven statistiken sich zumindest zum Teil daraus erklären lassen.

Das ist natürlich kein Vorwurf. Aber die höhe Uni Absolventenrate/Gutes PISA abschneiden... als eigenen Verdienst darzustellen ist halt frech. Und natürlich wird daraus aber immer ein Gefühl von wir machen alles super wir müssen nichts Ändern abgeleitet.

Und dann noch: Ist schon eher naturalistisch diese AntroPhilosophie. Und wenn dann wenig kluge Lehrer, Begriffe wie luziferisch falsch Interpretieren. Naja dann verweist man eben Schüler der Klasse weil die sind halt von ihrer Natur her Böse. (Das vielleicht eine Lehrkraft auf 36 Schüler ein unvorteilhafter Schlüssel ist, der einfach zu Überforderung führt... nein nein nein. das ist ja die Kritik von aussen die steh bestimmt irgendwo auf meiner Waldorf-Bullshit Bingo-Karte)

pleifel 14.10.2016 | 00:05

"Ich würde mich freuen, wenn die Schulen zurück zu ihren Wurzeln fänden, die Lehrer Jesus in ihre Herzen nähmen und damit die Liebe aufbrächten, die sie benötigen, um eine Schule ohne Noten erfolgreich betreiben zu können."

Das würde völlig ausreichen, denn soweit ist selbst die Wissenschaft schon vorgedrungen, dass Kooperation stärkt und nicht die Konkurrenz. Wissenschaftlich ausgedrückt wäre nun die Einführung von Jesus eine überflüssige Hilfstheorie.

"Wenn man sich nicht für Gott entscheidet, geht man zum Teufel. Das ist überall so." Eine steile Behauptung, die Sie nicht werden belegen können und fällt daher in den Bereich "Glauben" zurück.

Dann können sie noch von Glück reden (so dürften Sie das wohl sehen), wenn sich kein starker und von ihnen unabhängiger Geist bei ihren Kindern zeigt. Denn ich kann Ihnen versichern, dass solche tradierten Weltvorstellungen bei solchen Kindern oft nicht übernommen werden.

MadameTamTam 13.12.2016 | 19:27

Jeder ist seines Glückes Schmied. Die Waldorfschule zeigt alle Wege auf, welchen man geht, entscheidet man selbst. Sprachengenie und Matheidiot - das wäre auf einer staatlichen Schule nicht anders. Habe ich den Ehrgeiz und den Grips, das Abitur zu schaffen oder nicht? Keine Frage der Schule. Meine eigene. Fühle ich mich wohl in der Klassengemeinschaft oder nicht? Keine Frage der Klassengröße, sondern der Menschen darinnen. Veganismus und Antialkoholismus? Schwachsinn - großartige Partys gefeiert und alles ausprobiert. Trotzdem den Weg nicht verloren. Immer Mut gehabt, meistens Mensch geblieben. Pädagogikwissen als Schüler? Kein Interesse. 13 Jahre eine gute Zeit gehabt. Danach? Viel erreicht und noch lange nicht fertig!