Farewell Spaceboy

David Bowie Am vergangenen Freitag veröffentlichte David Robert Jones sein 26. Studioalbum. An seinem 69. Geburtstag. Nun ist er an Krebs gestorben
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community
Farewell Spaceboy
Foto: JUSTIN TALLIS/AFP/Getty Images

Space Oddity, Alladin Sane, The Man Who Sold The World, Starman, Suffragette City, Fame, Changes, Heroes, Let's Dance, China Girl ... die allermeisten Menschen verbinden mit David Bowie den eklektischen Spacerock der 70er Jahre und seine Ausflüge in den 80er-Pop auf seinem erfolgreichsten Album Let's Dance.

Mich fesselte David Bowie zu Beginn der 90er Jahre mit seinem eigenartigen Hit (und Musikvideo) Jump They Say von dem ebenso eigenartigen wie durchwachsenen Album Black Tie White Noise. Die gespenstische Story eines Menschen der in den Suizid getrieben wird, vom hektischen Schlagzeug, wirren Trompeten und Bowie's sehr eigenem Saxophonspiel begleitet, mit Bildern von Bowie wie er am Mikrophon die Zähne fletscht, sitzt mir tief eingebrannt in meiner eigenen Musikgeschichte.

Als Bowie in den folgenden Jahren noch merkwürdigere Musik (und Videos) veröffentlichte – die Alben Outside und Earthling mit so völlig exzentrischen Hitsingles wie The Heart's Filthy Lesson oder Little Wonder – liebte ich David Bowie. Für seine "I don't give a fuck"-Attitüde, seine Kunstfiguren, seinen Willen zu provozieren und seinen eigenen Pop konsequent zu dekonstruieren und dabei zu befreien. Als er sich später mit seinen Back-to-the-roots-Alben Hours, Heathen, Reality und auch dem Comebackalbum The Next Day wieder auf seine vermeintlichen Stärken zurückbesinnte, verlor ich größtenteils das Interesse.

Und doch liebe ich auch heute noch viele seiner alten Songs, wie Space Oddity, wie Moonage Daydream, wie Ashes To Ashes. David Bowie hat in seinen 69 Jahren jede erdenkliche Figur gespielt, jedes erdenkliche Genre erforscht und aufgemischt. Und mit seinem neuen Album Blackstar die Merkwürdigkeit seiner 90er-Eskapaden mit einer weiteren Note ergänzt.

Sein Tod am 10. Januar 2016 ist eine Tragödie: Wir verlieren unseren vielleicht eigenartigsten Popstar, den am schwersten greifbaren, den wahrscheinlich vielseitigsten. Und eine Stimme die immer ein bisschen merkwürdig flatterte und mal verzweifelt, mal unkontrolliert euphorisch und oft unheilvoll durch die Arrangements schimmerte, wie seine zwei unterschiedlich gefärbten Augen. "In the center of it all ... your eyes" (Blackstar) Für mich geht der Musiker, der mir in den 90er Jahren gelehrt hat, dass im Pop alles möglich ist. Und ohne den es Björk, Arcade Fire und Blur nie gegeben hätte. Farewell Spaceboy.

09:55 11.01.2016
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Kommentare 19

Avatar
Ehemaliger Nutzer | Community