Bericht aus der 3. Kreisklasse

Amateursport Tausende SpielerInnen kämpfen sich durch die Niederungen deutscher Amateurligen. Ein Ortsbesuch beim Tischtennis-Saisonauftakt in der untersten Spielklasse in Duisburg
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„Wir bedanken uns für die freundliche Aufnahme und begrüßen unseren Gegner mit einem: Guten Abend!“. Es ist Mittwoch. 19:30 Uhr in der kleinen Turnhalle irgendeiner Grundschule im Duisburger Stadtteil Laar. Es begrüßen sich die 3. Mannschaft der TTS Duisburg, angereist aus dem Duisburger Süden, und die 6. Mannschaft der Spielvereinigung Meiderich 06/95 zum Eröffnungsspiel der neuen Tischtennis-Saison. In der 3. Kreisklasse. Was für den Fußball die Kreisliga C ist, ist im Tischtennis die 3. Kreisklasse.

Als ich für die Jugend zu alt wurde, spielte ich anfangs in der 1. Kreisklasse, dann in der 2. Kreisklasse. Wir stiegen ab. Auch wegen mir. Jetzt bin ich angekommen in der untersten, böse Zungen könnten behaupten: schlechtesten Spielklasse des deutschen Tischtennis. Ein weiterer Abstieg ist nicht möglich.

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Meiderich 06/95 also, die gar nicht in Meiderich spielen. Der erste Gegner, das erste Auswärtsspiel, die Saisoneröffnung. Die Anfahrt zur, besser die Suche nach der Spielstätte gestaltet sich schon als erster Irrweg. Irgendwo durch eine Spielstraße ohne Kinder im Stadtteil Laar, einmal links abbiegen und wir stehen vor dem Eingangstor zur Grundschule, die Halle rechter Hand. Steinplatte davor. Wir sind sehr zeitig vor Ort. Trotzdem müssen wir uns über Kreuz warmspielen: Zwei Spieler auf jeder Tischseite, mit zwei Bällen jeweils diagonal. Warm wird man anders. Beim Gastgeber ist das erste KöPi schon offen. Radler. Zum warm werden. Ich beobachte das Geplänkel der vermeintlichen Gegner an den Nebentischen ohne zu wissen gegen wen ich gleich ’ran muss. Ich spiele im mittleren Paarkreuz. 1201 Q-TTR-Punkte. Einer spielt mit vier Fingern auf dem Rückhandbelag und mit dem Daumen auf der Vorhand. Mir graut es. Wenn ich gegen den spiele muss ich das leider reklamieren. Entschuldigt, aber regelwidriger gehts nicht! Und Tischtennisspieler sind Regel-Masochisten. Ich glaube es gibt keinen Sport der noch strenger und bis ins letzte, absurd anmutende Detail geregelt ist. Vielleicht ist der Sport deshalb so beliebt in Deutschland. Im Breitensportbereich. So wie hier, in der 3. Kreisklasse.

Gut, warm bin ich nicht. Trotzdem ist es jetzt 19:30 Uhr. Guten Abend. 11:7. 11:6. 11:6. Mein Mitspieler und ich gewinnen das einzige Doppel. 3:0. Wir haben noch nie zuvor zusammen gespielt. Die ersten Einzel gehen verloren. Meine Mannschaft legt einen Fehlstart auf ganzer Linie hin. Ich auch. 7:3 für Meiderich 06/95. Warum eigentlich 06/95? Ich kann es an diesem Abend nicht mehr klären. Mein zweites Einzel steht an. Der Punkt muss kommen sonst gehen für uns in Laar gleich die Lichter aus.

„Darf ich kurz deinen Rückhandbelag sehen?“, frage ich. Lange Noppen. Ich spiele Kurze.

„Spielst du mit Schwamm oder ohne?“

„Ich spiele kurze Noppen. Mit Schwamm.“

„Ahja. Ich auch.“ Großartig! Lange Noppen - sogar mit Schwamm!

Ich kann mich auf meinen 1201 Punkten nicht ausruhen. Am Ende steht es 3:0 für mich. Meine Mitspieler machen es mir gleich. Wir können die letzten fünf Einzel allesamt gewinnen, holen auch das Abschluss-Doppel völlig verdient mit 3:0 und können es selbst nicht fassen. Das ist absurd. Wir gewinnen 9:7. Die Halle ist bereits leer. Längst einige Bier geöffnet. Um 22:30 Uhr ist der Sieg perfekt.

„Scheisse Mann! Ich muss morgen um 05:30 Uhr raus. Und du?“

„So um 11, 12 Uhr. Habe Semesterferien.“

„…“.

Mittwoch-Abend-Spiele sind nicht die beliebtesten. Mir ist es egal. Ich studiere.

Rein in die Umkleidekabine. Und schnell wieder raus. Was für Duschen! Und was für ein Muff in diesen Katakomben! Wir ergreifen ungeduscht die Flucht.

Lasse ich diesem Bericht über die unterste Spielklasse des Tischtennis weitere folgen, so entsteht daraus auch eine Dokumentation über den Zustand von Sportstätten im Ruhrgebiet. Diese hier in Laar setzt jedenfalls schon ein erstes Ausrufezeichen. Das nächste Auswärtsspiel ist 4km von unserer Heimspielstätte entfernt, in Duisburg-Bissingheim.

Ankunft zuhause. Die Muskeln im linken Bein schmerzen ein wenig. Komisch. Egal. Noch schnell an der Bude vorbei. Fump! Training ist erst wieder am Montag.

Die genauen Daten zum Spiel und den beiden Vereinen gibt's bei Click-TT. Bezirk Düsseldorf, Kreis Rhein-Ruhr, 3.KK, Gruppe 2.

15:33 27.08.2015
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Geschrieben von

Felix

Student der Politikwissenschaft. Tischtennisspieler in der 3. Kreisklasse.
Felix

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