Der Hilfeschrei des Tawerga-Stammes

Libyen/Tawerga. Die für den 1. Februar ausgehandelte Rückkehr des Tawerga-Stammes in seine Heimat wurde von Milizen verhindert.
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Der 1. Februar war der zwischen Misrata, dem ‚Präsidialrat‘ und dem Tawerga-Stamm (Tawurga) ausgehandelte Termin, an dem die Menschen des Tawerga-Stammes in ihre Heimat zurückkehren sollten. Allerdings erlebten die etwa 43.000 rückkehrwilligen Tawergas, die sich auf den Weg gemacht hatten, eine böse Überraschung: Milizen, vor allem aus Misrata, blockierten die Straße zu ihrer Stadt. Die Menschen sitzen nun auf freiem Feld ohne Versorgungsmöglichkeiten fest.

Die Stadtverwaltung von Misrata veröffentlichte inzwischen eine Stellungnahme, in der der Präsidialrat dazu aufgefordert wird, die Zustimmung zur Rückkehr der aus Tawerga Vertriebenen zurückzunehmen mit der Begründung, es seien keine Kompensationszahlungen geleistet worden. Misrata hatte von den bettelarmen Tawergas drei Milliarden für die Duldung ihrer Rückkehr gefordert. Die Zahlung dieser Summe durch die UNO wurde von dieser abgelehnt.

Der Tawerga-Stamm ist ein schwarzer Tuareg-Stamm, beheimatet in und um die gleichnamige Stadt (östlich von Misrata an der Straße Richtung Sirte). Seine Mitglieder sind vollwertige libysche Staatsbürger mit regulären Pässen, die auf ihrem Land vor dem Nato-Krieg 2011 hauptsächlich von der Landwirtschaft lebten. Junge Männer des Stammes dienten unter Gaddafi in der regulären libyschen Armee. Wie bekannt, schlug sich Anfang 2011 die Nachbarstadt Misrata sofort auf die Seite der Aufständischen. Geld, Waffen und dschihadistische Söldner strömten in die Stadt Misrata.

In Libyen begann 2011 ein Pogrom gegen schwarzhäutige Menschen.[1] Sie wurden als Söldner Gaddafis beschimpft und verfolgt. Viele wurden ermordet, regelrecht geschlachtet, verbrannt und zerhackt. Frauen wurden vergewaltigt und Kinder getötet. Inzwischen wurden über hundert Massengräber gefunden, viele davon gefüllt mit den Leichen Schwarzer.

Wer in der Stadt Tawerga noch am Leben war, wurde von Misrata-Milizen vertrieben: „Wir sagten, wenn sie nicht gehen, wird die Stadt unterworfen und sie werden eingesperrt. Alle sind gegangen und wir werden ihnen niemals erlauben, zurückzukehren.“[2] Misrata hat keinerlei Besitzrechte für das Tawerga-Stammesland. Es hat sich die Ländereien unrechtmäßig durch Gewalt und der Verbreitung von Angst und Schrecken angeeignet

Auch wenn ihre Gehöfte zerstört und ihre Häuser verbrannt sind, die Menschen des Tawerga-Stammes möchten nach sieben Jahren Vertreibung zurück in ihre angestammte Heimat, denn eine andere haben sie nicht.

NACHTRAG 04.02.: Nachdem Angehörige des Tawerga-Stammes am 01.02. entgegen der Absprachen mit Misrata und dem ‚Präsidialrat‘ daran gehindert wurden, in ihre Stadt und deren Umgebung zurückzukehren wurden sie in einem aufgeschlagenen Notlager nahe der Stadt Bani Walid angegriffen. Bewaffnete Misrata-Milizen auf Fahrzeugen stürmten das Notlager, feuerten in die Luft, brannten Zelte nieder und stahlen einen Krankenwagen der Stadt Bani Walid.
https://www.libyaobserver.ly/news/tawergha-makeshift-camp-fringes-their-city-attacked

[1] Die Libyer haben aufgrund der verschiedenen Stämme unterschiedlich dunkle Haufarben, von hellem Oliv bis dunklem Schwarz, letzteres insbesondere im Süden z.B. in der Gegend von Sebha.
[2] http://www.telegraph.co.uk/news/worldnews/africaandindianocean/libya/8754375/Gaddafis-ghost-town-after-the-loyalists-retreat.html

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http://www.telegraph.co.uk/news/worldnews/africaandindianocean/libya/8754375/Gaddafis-ghost-town-after-the-loyalists-retreat.html
html://www.sueddeutsche.de/politik/gewalt-in-libyen-gaddafis-schwarze-soeldner-alles-nur-propaganda-1.1138509

http://www.libyanexpress.com/misurata-municipality-prevents-return-of-7-year-tawergha-idps/
http://libyanwarthetruth.com/breaking-43000-tawergha-people-returning-home-trapped-misurata-terrorist-militias

19:35 04.02.2018
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Geschrieben von

Angelika Gutsche

Reisen führten Angelika Gutsche unter anderem auf den afrikanischen Kontinent und quer durch den Balkan. Viele Reportagen fanden Veröffentlichung.
Angelika Gutsche

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