Kurznachrichten Libyen – 16.07.2020

Libyen/Krieg. Krieg rückt immer näher / LNA und ‚Einheitsregierung‘ mit ihren jeweiligen ausländischen Unterstützern scheinen zu militärischer Auseinandersetzung bereit
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Militärische Lage

+ 15.07.: Laut Militärinformationen hat die LNA aktive Schritte zur Sicherung der Lufthoheit des Gebiets Sirte-al-Dschufra mittels des S300-Luftverteidigungssystems, gesichert mit dem russischen Raketensystem Buk, unternommen.
Die LNA befürchtet einen Angriff der ‚Einheitsregierung‘ mittels türkischer Drohnen und syrischen Söldnern.
https://www.addresslibya.co/en/archives/57796

+ In einem Interview mit dem Fernsehsender Al-Hadath sagte der LNA-Sprecher, Generalmajor Ahmed al-Mismari am 14.07, dass in Kürze eine große Schlacht zwischen der LNA und der von der Türkei unterstützten ‚Einheitsregierung‘ um Sirte und al-Dschufra erwartet werde. Die LNA selbst werde nicht mit den Feindseligkeiten beginnen, aber jeden Versuch der ‚Einheitsregierung‘, nach Sirte und al-Dschufra vorzudringen, zu verhindern wissen.
Die LNA schütze die Interessen des libyschen Volkes und auch der ausländischen Ölgesellschaften, die für die libysche Wirtschaft unabdingbar seien. In dem bevorstehenden Kampf seien auch regionale und internationale Mächte involviert. Die Türkei stürze die gesamte Region ins Chaos. https://libyareview.com/?p=4838

+ Die Türkei sendet weiterhin militärisches Material nach Libyen. Ein Boeing-Frachtflugzeug des Typs C-130E 71-01468 Filo 222 der türkischen Luftwaffe landete am 16.07. auf dem Luftwaffenstützpunkt al-Watiya, nachdem es vom türkischen Stützpunkt Konya gestartet war. Bereits am 15.07. war der Airbus A400-180 17-0080 Filo 221, ein Frachtflugzeug der türkischen Luftwaffe, vom türkischen Flughafen Kayseri Erkilet kommend auf dem Luftwaffenstützpunkt Misrata gelandet.
https://www.addresslibya.co/en/archives/57870

+ Addresslibya berichtet, dass sich Milizen in Misrata, die der ‚Einheitsregierung‘ in Tripolis angeschlossen sind, auf den Angriff auf Sirte vorbereiten. Sie würden als Krankenwagen getarnte mobile Drohnenkontrollzentren einsetzen. https://www.addresslibya.co/en/archives/57824

+ Der ägyptische Militäraufmarsch an der libyschen Ostgrenze geht weiter.

Libysche Stämme und Städte

+ 16.07.: Die Vertreter der libyschen Stämme und Städte haben sich mit dem ägyptischen Präsidenten as-Sisi getroffen. Der Vorsitzende des Obersten Rates der Scheichs und Honoratioren der libyschen Stämme sagte: „Wir forderten den ägyptischen Präsidenten einstimmig auf, im Falle eines Angriffs der Türkei auf Sirte zu intervenieren.“
As-Sisi selbst sagte im Vorfeld, dass es Ägyptens vorrangiges Ziel in Libyen sei, den Willen des libyschen Volkes umzusetzen.
https://libyareview.com/?p=4870

+ Das Mitglied des Obersten Rates der Scheichs, Scheich Mansour al-Manfi, bestätigte, dass die libyschen Stämme die Erklärung des Parlaments, in der Ägypten aufgefordert wird, zur Unterstützung des libyschen Volkes militärisch in Libyen zu intervenieren, befürworten.
In einem Interview mit Sky News sagte al-Manfi, dass Libyens Ressourcen von der ‚Einheitsregierung‘ zum Kauf von Söldnern und Waffen verwendet werden, die dazu bestimmt seien, das libysche Volk zu töten. Er rief die Bürger dazu auf, gemeinsam hinter der LNA und dem Parlament zu stehen und sich gegen eine türkische Intervention im Land zu stellen: „Wir rufen zu konzertierten Anstrengungen zwischen Libyen und Ägypten auf, um die Niederlage des eindringenden Besatzers sicherzustellen, die nationale Sicherheit zu wahren und Sicherheit und Stabilität in unserem Land und der Region zu erreichen. Wir rufen die ägyptischen Streitkräfte zum Eingreifen auf, wenn sie eine unmittelbare Bedrohung für die Sicherheit unserer beiden Länder sehen“.
https://libyareview.com/?p=4844

+ Der Führer der libyschen Tibu, Ali Barka: „Wir stehen heute hier, um die Welt daran zu erinnern, dass der einzige legale Vertreter Libyens das demokratisch gewählte Parlament und unsere Armee die LNA ist“.
https://twitter.com/MLNA2020/status/1283786135475552257

Libysches Parlament/Übergangsregierung (Tobruk)

+ Nachdem sich der italienische Außenminister Luigi Di Maio eindeutig auf Seiten der ‚Einheitsregierung‘ positionierte und bekannt gab, die militärische Präsenz im Land verstärken zu wollen, traf er sich am 14.07. in Rom mit dem libyschen Parlamentspräsidenten Aguila Saleh. Bei dem Gespräch sei auch die vom ägyptischen Präsidenten as-Sisi vorgestellte Kairoer Erklärung diskutiert wurden. Saleh verwies auch darauf, dass die libyschen Öleinnahmen nicht weiter zur Finanzierung von Söldnern verwendet werden dürften.
Saleh traf auch mit dem italienischen Präsidenten Sergio Mattarella und dem Parlamentspräsidenten Roberto Fico zusammen. Einer italienischen Nachrichtenagentur sagte Saleh, er habe Italien um Unterstützung bei der Lösung des libyschen Konflikts gebeten. Es solle eine neue Regierung eingesetzt werden, die einen Präsidialrat mit drei Vertretern der libyschen Regionen vorsieht.
https://libyareview.com/?p=4813
https://almarsad.co/en/2020/07/15/chancellor-aguila-saleh-meets-di-maio-and-italian-parliamentary-speaker/
https://libyareview.com/?p=4829

‚Einheitsregierung‘/Milizen/Türkei

+ Die Frage, wie sich die Türkei den weiteren Verbleib der syrischen Dschihadisten vorstellt, ist beantwortet. Sie werden in die Milizen integriert und sollen auf Dauer in Libyen bleiben. Bravo!
https://twitter.com/LibyaReview/status/1283034164263092225

+ Auf Twitter erschienen Bilder, auf denen Tripolis-Milizen mit modernen, gepanzerten US-amerikanischen Humvees zu sehen sind. Frage: Wie gelangten diese Fahrzeuge zu den Milizen nach Tripolis?
https://twitter.com/AbuSaleemDF/status/1282424541558579200

+ AlMarsad veröffentlicht Fotos aus dem Yarmouk-Militärlager der ‚Einheitsregierung‘. Es sind dort etwa tausend pro-türkische syrische Söldner, Milizionäre und Mitglieder terroristischer Organisationen aus Tripolis versammelt, einige gerade frisch eingetroffen (über die Türkei nach Misrata und Mitiga), andere schon seit Januar in der Hauptstadt. Den Kämpfern wurde ihr Sold in Höhe von 2000 US-$ ausgezahlt, bevor sie in den Kampf um Sirte und al-Dschufra ziehen werden. Einigen Söldnern war bisher die Auszahlung ihres Solds verweigert worden. Die Gesamtkosten für die syrischen Söldner, bezahlt von der libyschen Zentralbank, werden auf fast 200 Millionen US-$ geschätzt.
https://almarsad.co/en/2020/07/14/report-salary-payment-ceremony-for-hundreds-of-syrian-mercenaries-and-terrorists-at-gnas-yarmouk-camp/

Verschiedenes

+ 16.07.: Der ägyptische Präsident as-Sisi: „Wir werden niemandem erlauben, auf die bewaffneten Milizen in Libyen zu setzen. Wir sind in der Lage, die gegenwärtige militärische Situation entscheidend und sehr schnell zu ändern.“
https://twitter.com/LibyaReview/status/1283763978565550080

+ Russland sagt, es werde die Gesprächskanäle zu allen Seiten offen halten und für Vermittlungen bereit stehen. Der Kreml bestreitet jede Beteiligung an militärischen Operationen.
https://www.addresslibya.co/en/archives/57865

+ Am 15.07. forderte der Kommandeur des US-Zentralkommandos, General Kenneth F. McKenzie, alle ausländischen Streitkräfte auf, libysches Territorium zu verlassen.
https://libyareview.com/?p=4865

+ Am 15.07. diskutierten Putin und Merkel die Lage in Libyen, Iran und die Ukraine in einem Telefongespräch.

+ Bei einem Telefongespräch am 16.07. stimmten der französische Präsident Macron und der ägyptische Staatschef as-Sisi, darin überein, wie wichtig es ist, „illegale, von außen durchgeführte Interventionen auf libyschen Gebiet zu unterbinden.“ Bewaffnete Milizen und terroristische Organisationen würden auf Kosten der Stabilität in Libyen und der regionalen Sicherheit eingesetzt.
https://www.addresslibya.co/en/archives/57867

+ Der Generalsekretär der Liga der Arabischen Staaten: "Ankaras Aktionen zielen auf die arabische nationale Sicherheit als Ganzes ab, und die Liga kann dies nicht akzeptieren".

In eigener Sache: Aus technischen Gründen kann ich mich voraussichtlich erst wieder nächster Woche auf meinem Blog zu Wort melden.

20:16 16.07.2020
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Angelika Gutsche

Ihre Reisen führten sie neben Indien, den USA, Russland und dem Jemen unter anderem auf den afrikanischen Kontinent und quer durch den Balkan.
Angelika Gutsche

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