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wenn im "Land der Dichter und Denker" (von dunnemals) eine irgendwie prominente person im interview oder in der rede öfters "ich denke" einschiebt, darf mensch das auf keinen fall wörtlich nehmen, sondern nur als floskel, die den verlegenheitslaut äh oder öh ersetzt. sprichwörtlich handelt es sich um einen typischen fall von denkste.

denken vorzutäuschen oder zu unterstellen ist weit verbreitet; etwas menschenfreundlicher könnte ich auch sagen, die bandbreite dessen, was als denktätigkeit durchgeht, ist enorm. ein flüchtiger blick auf lexikalische beweisstücke genügt, das gemeinte zu konkretisieren.

in einer "Andacht" wird irgendwie an etwas gedacht, dito beim souvenir oder "Andenken".
"Andersdenkende" sehen das womöglich ganz anders; das könnte sie schon einem "Verdacht" aussetzen bei leutchen, die ans "Sicherheitsdenken" gewöhnt (worden) sind oder auch ans "Freund-Feind-Denken".

der dokumentierte "Wortschatz" ist ein schönes "Denkmal" im sinne von "denk mal wieder!" oder "denk, was du willst!"
so aber soll sich niemand einem "Denkmal" nähern, sei es ein "Natur-" oder ein "Kulturdenkmal". hier wird eher "Andacht" erwartet oder "Andenken", kurz: "Gedenken".
"Denkmalpflege" und "Denkmalschutz" haben einen hohen stellenwert im "Status[quo]denken", das dem in stein gehauenen "Heldengedenken" und dem "Obrigkeitsdenken" nicht fernsteht.

wer dagegen von besseren zuständen träumt, vielleicht auch nur von persönlichem erfolg, gibt ein beispiel für "Wunschdenken", während der oder die mit dem dicken auto vor der teuren haustür das "Prestigedenken" nicht verbergen kann und will.

alles in allem ist das teutonische "Gedankengut", wie es da so neben dem "Rüstungsgut" und dem "Stückgut" im duden steht, zum überwiegenden teil eine "bedenkliche" angelegenheit, die zwar neutral daherkommen möchte, meist aber im abwertenden kontext erscheint.

09:11 09.05.2010
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Geschrieben von

h.yuren

buchveröffentlichung 2017, KRAH - das rabentagebuch, 350 S., 8 fotos ISDN 978-3-945265-45-1; Tb. 15,-
h.yuren

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