Gretchens Fragen zur Wahl

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hierzulande steht im grundgesetz der satz: "Alle Gewalt geht vom Volke aus."
demos ist griechisch das volk, die bevölkerung. wenn der demos das sagen hat, nennt man das regierungssystem demokratisch. in der repräsentativen form hierzulande wählen die stimmberechtigten die mitglieder des parlaments, und die wiederum bestimmen die bundesregierung per wahl. schön.
die wirklichkeit sieht ein wenig anders aus:
weltkonzerne (der produktion und des handels) verfügen über (finanz)mittel und möglichkeiten mitzuregieren nach bedarf, entweder durch parteispenden, beraterverträge, lobbyisten und bestechung oder aber durch kampagnen der meinungsmache, wobei die medienkonzerne mitspielen, die von werbeaufträgen der hochmögenden organisationen abhängig sind, besonders die medien in privatbesitz.
eine fraktion von mitregenten wird kaum wahrgenommen; das sind gesetzestexte der vorgenerationen, die manchmal weit in die vergangenheit zurückweisen wie z.b. das anerbenrecht, das den ältesten sohn eines bauern in bayern und nordwestdeutschland zum alleinigen hoferben bestimmt.
nicht ganz unerwähnt bleibe schließlich der part der geheimdienste, die zwar meist verdeckt operieren, aber manchmal dringt etwas an die öffentlichkeit wie vor wenigen jahren, als die bundesregierung vergeblich versuchte, eine neonazipartei gesetzlich zu verbieten. das verfassungsgericht ließ den versuch scheitern, weil zu viele agenten des verfassungsschutzes die partei unterwandert hatten.
soviel zu den heimlichen bis unheimlichen mitregenten, deren demokratische legitimation noch nachzureichen wäre.
nun aber zur eigentlichen gretchenfrage an den souverän, das wahlvolk und seine vertreter im parlament:
welche zeugnisse und qualifikationen müssen die wahlberechtigten vorlegen, damit sie ihr kreuzchen in der wahlkabine setzen dürfen? kurze und klare antwort: keine. ja, du hast richtig gelesen: die wahl der regierung in der leistungsgesellschaft geschieht ganz ohne auflagen oder vorleistungen. folglich kratzen die kreuzchenmacher alle schwarmintelligenz zusammen, damit die zusammensetzung des neuen parlaments im rahmen bleibt.
und welche zeugnisse und qualifikationen müssen die kandidaten auf den parteienlisten vorweisen, um das passive wahlrecht zu erwerben? wiederum lautet die nun schon nicht mehr überraschende bündige antwort: keine.
mit anderen worten, wenn die zuerst von den parteien zur wahl gestellten und dann von den wahlberechtigten bestätigten interessenvertreter mit den oben genannten illegitimen interessenvertretern zusammenarbeiten, ist das ergebnis demokratisch. und gretel weiß nun endlich auch, warum so brennende themen wie die atomkraft, die genmanipulation, die kriegseinsätze out of area und der sozialstaat schlicht gegen den strich gebürstet werden.das ist modisch.

23:33 14.09.2009
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Geschrieben von

h.yuren

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h.yuren

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