warum nur so wenige? (3)

einsichtige menschen. selbst unter journalisten, diesen eintagsfliegen unter den publizisten, gibt es etliche, die zur erhellung der globalen konflikte beitragen. man muss sie nur finden.
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prof. rainer mausfeld steht in keinem verdacht, einer politischen partei hilfsdienste anzubieten. er ist unabhängig und das nicht nicht nur ökonomisch, sondern auch geistig. er lehrt an einer normalen universität, und zwar im bereich psychologie. das fach selbst ist historisch leider kein garant für politische unabhängigkeit. dafür waren zu viele psychologen bereit, dienstleistungen für den staat zu erbringen.

gleich in seinem ersten vortrag für ein publikum über den engen rahmen der studierenden hinaus griff mausfeld ein thema und bild auf, das durch die geschichte festgelegt ist für eine vorstellung vom guten herrschen. das bild vom guten hirten, durch das die regierten zu schafsköpfen bestimmt sind, kann den regierenden und ihrem treuen anhang nicht auf anhieb gefallen, vor allem nicht mit der deutung des bildes im sinne der aufklärung.

mausfelds wiederholtes und ausdrückliches bekenntnis zur aufklärung musste trotz oder wegen des erfolgs des vortrags auf youtube auf die ablehnung und kritik der gegenseite, der gegenaufklärer treffen. entweder ist die aufklärung nicht aufklärerisch genug oder aber zu abgehoben dozierlich. aber das ist nicht neu, dass gemäkelt und gemeckert wird, wenn jemand die aufklärung ernst nimmt und aufklärt. besonders hierzulande, wo es die geistesbewegung der aufklärung von anfang an mehr als schwer hatte.

wo die vormundschaft der kirchen niemals ernsthaft in frage gestellt wurde und von staats wegen durchregiert wurde ohne ende, galt und gilt die französische aufklärung als radikal, was schlimmerdings im schrecken der revolution enden musste. daran hat sich bis heute nichts grundsätzlich getan. man ist der us-demokratie zugeneigt, nicht aber dem gallischen extrem. verglichen mit dem königsberger aufklärer ist prof. mausfeld wirklich radikal. wer aber kants grenzen nicht beachtet, kann hierzulande nicht auf beifall hoffen.

ja, man kann sich geradezu beleidigt fühlen durch diesen vergleich mit den schweigenden lämmern. in der besten demokratie auf deutschem boden oder wie auch immer die hymnen auf die heimat lauten, darf natürlich kritisiert und aufgeklärt werden, aber doch bitte im rahmen neuteutscher tradition. wer eigensinnig das größte geschenk des westens ausschlägt durch kritik an den heiligen staatsinstitutionen hat das recht auf reformvorschläge verwirkt. aufklärung ist schließlich ein deutsches wort, ein deutscher begriff.

20:00 06.06.2017
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Geschrieben von

h.yuren

buchveröffentlichung 2017, KRAH - das rabentagebuch, 350 S., 8 fotos ISDN 978-3-945265-45-1; Tb. 15,-
h.yuren

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