Keimjagd

Kankenhaushygiene MRSA könnte "Mein Radio Sachsen-Anhalt" bedeuten, heißt aber "Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus-Stamm" und ist ein häufiger Krankenhauskeim.
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Bekanntschaft mit ihm habe ich bei meinem jüngsten Krankenhaus-Aufenthalt gemacht. Eine große Klinik im Corona-Wahn. Gleich bei der Aufnahme werde ich angeschnarrt:

"Wo ist ihre FFP2-Maske?" In der Klinik müssen Ungeimpfte FFP2-Masken tragen, bei Geimpften reicht die blaue OP-Maske. Daran erkennt man auch die Apartheid unter dem medizinischen Personal. Eine ungeimpfte Ärztin schaut herein. Zu ihr habe ich sofort Vertrauen und nerve sie mit meinen Fragen.

Als ich aus der Narkose erwache, liege ich in einem Einzelzimmer und bin von Gestalten in mattgrünen Folienanzügen umgeben.

"Corona?" frage ich ängstlich.

"MRSA", beruhigt mich ein bulliger Pfleger. "Ein Krankenhauskeim, machen Sie sich keine Sorgen!" Ein Glück, zu Corona wäre mir auch nichts mehr eingefallen. Neben meinem Bett steht ein riesiger fettig grün glänzender Müllsack. Tag und Nacht kommen irgendwelche Leute herein und stopfen ihre Anzüge in den Müllsack, dazu ihren ganzen sonstigen Unrat.

Der Klinik-Seelsorger kommt und hat eine frohe Botschaft für mich dabei. Ja schön. Messenger- Anfrage aus der Familie:

"Hast du jetzt die letzte Ölung als Seuchenopfer empfangen?"

"Noch nicht ganz."

Eine ungeimpfte Schwester nimmt sich meiner an. Tapfer erträgt sie die Atemfolter und ist so süß, dass ich weinen muss.

"Haben Sie Schmerzen?"

"Nein, danke." Dr. Google klärt mich auf: drei Krankenhauskeime werden zur Zeit mit Feuer und Schwert bekämpft. Die sollten, denke ich, lieber mal das tonnenweise Verfüttern von Antibiotika in der Massentierhaltung einschränken und Lebensmittel besser kontrollieren!

Der Schädlingsbekämpfer versprüht eine klebrige Flüssigkeit auf dem Fußboden meiner Seuchenhöhle. Die Schwestern verursachen bei jeder Bewegung schmatzende Geräusche. Die Schwestern am Fußboden festzukleben entschleunigst die Abläufe auf der Station. Der Fußboden sieht wirklich schmutzig aus, wie das Linoleum einer alten DDR-Kneipe, in der das Erbrochene nie richtig aufgewischt wurde.

Am nächsten Tag dann die Entwarnung: mein zweiter Abstrich ist negativ für alle drei Horrorkeime. Rasch werde ich auf die Normalstation zurück verlegt, ins Vierbettzimmer mit Remmidemmi und Zugluft.

Dafür grassiert jetzt der Sparwahn: das Regionalfernsehen vermeldet wirklich krasse Sparbeschlüsse der Landesregierung, besonders für das Gesundheitswesen. Das medizinische Personal macht Betriebsversammlungen. Ich bleibe unbeachtet im Rollstuhl vor der Diagnostik stehen und werde irgendwann mal unbesehen zurückgerollt.

Nach einer Woche dann die Rückreise nach Hause mit der Straßenbahn. Das medizinische Personal macht Wuhling auf dem Markt: Corona, Keimjagd und Sparwahn, gleich drei Störquellen sind für das beste Gesundheitswesen zu viel! Aber die Operation war wirklich top.

16:24 17.07.2021
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Geschrieben von

hadie

Was die Arbeitnehmer jetzt brauchen, ist ein Rettungsschirm für die Portemonnaies. (Frank Bsirske)
hadie

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