Unter Feuer

Wasserstoff als Energieträger wird auch auf seine Verwendbarkeit beim Militär hin untersucht, etwa für tragbare Generatoren mit Brennstoffzellen und lange fliegende Spionagedrohnen.
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Beschussversuch einer Wehrtechnischen Versuchsanstalt auf dem Truppenübungsplatz in M., diesmal dürfen zwei Zivilisten mit dabei sein: Dr. K. von der Hochschule und Herr U., ein mittelständischer Behälter-Hersteller aus der Region. Beide tragen Stahlhelme und Schutzbrillen, während die Soldaten eher in Räuberzivil herumlaufen. Heute stehen Druckgasbehälter aus Verbundwerkstoffen auf dem Prüfstand, die befüllt bis zu 25 kg Gesamtgewicht auf die Waage bringen, so viel, wie ein einzelner Soldat "im Felde" gerade noch tragen darf.

Die Firma von Herrn U. hat diese Tanks entwickelt, die bereits zivile Druck-, Lastwechsel- und Sturzversuche erfolgreich bestanden haben. Nun soll es also um die speziellen Belastungen des rauen Truppenalltags gehen, besonders durch den immer zu erwartenden Beschuss. Der Tank wird bis zum maximal zulässigen Betriebsdruck mit Wasserstoff befüllt und aufgebockt. Dann geht alles in einem Unterstand in Deckung. Unteroffizier N. schnappt sich eine Schützenwaffe mit dem Kaliber 7,62 mm und zielt. Es knallt, dann zischt es. Als es zu zischen aufgehört hat, wagt man sich zum Behälter.

"Einfacher Einschuss, keine Entzündung" stellt ein Major fest und schreibt es in sein Protokoll. Im Behälter klappert das Projektil, als ein Soldat diesen davon trägt und verpackt. Der nächste Tank gleicher Bauart wird befüllt und diesmal mit höherkalibriger Munition beschossen: "12,7 mm Hartkern-Munition" erklärt ein Zivilangestellter Herrn U., der säuerlich das Gesicht verzieht.

"Glatter Durchschuss, Behälterstruktur bleibt stabil, keine Entzündung" notiert der Major danach. Erst bei der Ansprengung mit einer 40-mm-Hohlladung im Winkel von 45° gibt es eine lautstarke Stichflamme, doch der Behälter bleibt auch hier in einem Stück. Ein Soldat meldet die "leichte Ablösung einzelner Fasern".

"Sieht gut aus", freut sich Dr. K.

Nun will es der Major aber wissen und befielt die Anbringung einer "aufgesetzten Schneidladung" auf dem nächsten Behälter. Es gibt eine mächtige Explosion und ein ansehnlicher Krater bleibt im Gelände zurück. "Behälter in mindestens drei Teile zerrissen, Detonationstrichter von ... cm Tiefe und ... cm Durchmesser" notiert der Major.

"Das ist ja nun völlig untypisch!" protestiert Herr U., nimmt seinen Stahlhelm ab und knallt ihn auf den Tisch. "Ich meine, es wird doch niemand hinter ihren Soldaten her hirschen und ihnen Schneidladungen auf die Tanks kleben!"

"Die Grundannahme ist eine andere", der Major schaut missbilligend über seine Brille, "stellen Sie sich eine Transport-Einheit vor, die plötzlich unter feindlichen Beschuss gerät. Die Transport-Soldaten werden sich zurückziehen und Verstärkung anfordern. Der Feind ist ja auch nicht dumm und wird, bis die kämpfende Truppe eintrifft, die Ladeflächen der LKWs beschießen - in der durchaus wahrscheinlichen Annahme, dass sich dort brennbare und explosive Dinge befinden. Da wir nun wissen, dass es den erwarteten Bomben-Effekt von Wasserstofftanks wirklich gibt, müssen wir ihn auch untersuchen."

Die beiden Zivilisten sind immer noch unzufrieden, doch der Major hat ein Trostpflaster für sie: "Wenn Sie eine Zertifizierungs-Firma finden, stellen wir denen gerne unsere ersten drei Versuchsergebnisse zur Verfügung, unter Einhaltung der üblichen Geheimhaltung. Die könnten daraus ein schönes Label basteln, etwa 'Bundeswehr-geprüft' oder so?"

"Hindukusch-getestet!" lacht der Unteroffizier und fängt sich einen tadelnden Blick über den Brillenrand ein. Das Label gibt es inzwischen wirklich ...

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Besonderer Dank an S. G.
11:11 21.07.2012
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Geschrieben von

hadie

Was die Arbeitnehmer jetzt brauchen, ist ein Rettungsschirm für die Portemonnaies. (Frank Bsirske)
hadie

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